Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen – Verzerrung des germanischen Kunstnaturells in der Historienmalerei durch Nachahmung der Italiener

Erstes Kapitel
Entstehung der demselben zusagenden Fächer des Genre, der Landschaft etc. von 1530 bis 1600

In Folge des Rufes der grossen italienischen Meister, eines Lionardo da Vinci, Michelangelo und Raphael, welcher sich in den Niederlanden, wie in Deutschland, verbreitet hatte, gingen manche Maler nach Italien. Begreiflicherweise musste diesen an den Werken jener Meister diejenigen Eigenschaften am meisten imponiren, deren Ausbildung, als ihrem Kunstnaturell ferner, bisher bei ihnen am wenigsten stattgefunden hatte; vor allen die über die einzelne Naturerscheinung herausgehende Grossheit der Charaktere, die Vereinfachung und Schönheit der Formen, die Meisterschaft in der Zeichnung des Nackten, die unbedingte Freiheit, Kühnheit und Grazie der Bewegungen, kurzum das, was man in der Kunst unter dem Namen Idealismus begreift. Das Bestreben sich alle diese grossen Eigenschaften anzucignen, konnte aber zu keinem glücklichen Ergcbniss führen. Es entsprang nämlich nicht aus einem inneren Bedürfniss ihres eigentümlichen Kunstnaturells, sondern wurde als ein Fremdes und schon ganz Fertiges von ihnen nur äusserlich aufgenommen und nachgeahmt. Es gelang ihnen daher nicht in das tiefe Verständniss der Formen cinzudringen, oder sich das Gefühl für Schönheit der Linien, für Grazie der Bewegungen zu eigen zu machen, sie verfielen vielmehr in dem Bestreben hie nach in Unwahrheit und Hässlichkeit der Charaktere, Uebertrei-bung der missverstandenen Formen, Gewaltsamkeit und Geschmacklosigkeit der Stellungen, endlich, in dem zu einseitigen Trachten abzurunden, selbst häufig in eine kalte Färbung. Sie büssten daher die herrlichen Eigenschaften der ihnen naturwüchsigen Kunst, der Naturwahrheit und der warmen und klaren Färbung, ein, ohne irgend einen Ersatz dafür zu gewinnen. Schon die Bilder religiöser Gegenstände sprechen daher wenig an, zumal, da bei dem Zurücktreten der Begeisterung für solche Aufgaben, auch die Köpfe in der Regel kalt lassen. Höchst widerstrebend sind aber vollends Bilder aus der antiken Mythologie, und Allegorien, bei denen sich ein Prunken mit einer gewissen Gelehrsamkeit geltend macht. Wie gross aber auch besonders in den Niederlanden die Zahl der Maler war, welche dieser neuen Kunstweise fortan, als der allein richtigen, mit Leidenschaft huldigten, so gab es doch auch viele, deren gesunden Kunstnaturell dieselbe so sehr widerstrebte, dass sie einen anderen Weg einschlugen. An die Stelle der religiösen Begeisterung, welche, wie schon bemerkt, sich verloren hatte, trat bei ihnen die Freude an der Darstellung von Vorgängen aus dem gewöhnlichen Leben, und sie schlugen daher den ihnen von Lucas van Leyden gewiesenen Weg ein, die kirchlichen Gegenstände in dieser Art zu behandeln, nur wurde derselbe bei ihnen bald vollends zur Nebensache, und gab lediglich den Vorwand, um sich ihrem Hange zur lebendigen Auffassung des Gewöhnlichen hinzugeben. Andere, welche vorzugsweise Freude an der Darstellung von Landschaften fanden, traten in die Fusstapfen des Patenier und Civetta, nur dass bei ihnen die Landschaft noch unbedingter zur Hauptsache wird, und die immer kleiner werdenden Figuren, nur noch die Stafage bilden. Obgleich nun alle diese Meister durch Lebendigkeit, durch naive und launige Züge, durch eine sorgfältige Ausführung des Einzelnen, die Landschaftsmaler häufig auch durch poetische Erfindungen ungleich mehr, als jene erste Classe, anziehen, so gewähren sie doch durch den öfteren Hang zum Abenteuerlichen und Unwahren in der Zusammenstellung, durch eine bunte und grelle Färbung, durch einen Mangel an Gesammthaltung immer nur ein untergeordnetes Interesse. Die erfreulichsten Leistungen dieser Epoche finden in der Portraitmalerei statt, indem die Maler hier durch die Art der Aufgabe auf die Ausübung ihres ursprünglichen Kunstnaturells angewiesen wurden. Da diese Epoche ihre Bedeutung ungleich mehr als Glied in der historischen Kette, als durch den Werth ihrer eignen Hervorbringungen hat, wird es genügen, nur die wichtigsten Maler, und von diesen wieder nur einige Hauptwerke in Betracht zu ziehen.

Der erste, welcher der vaterländischen Kunstweise, worin er, wie wir oben gesehen, selbst so Ausgezeichnetes geleistet hatte, ungetreu wurde, war Jan Mabuse. Seine Bilder, ungefähr von 1512 ab, haben, mit wenigen Ausnahmen, alle jene oben gerügten Uebelstände. Sie machen sich vorzugsweise durch die meisterhafte Malerei geltend. Unter den Bildern aus dem religiösen Kreise zeichnen sich am meisten einige kleinere aus. So der, sehr häufig gleichzeitig copirte, Eccehomo im Museum zu Antwerpen (Ko. 57) von meisterlicher Modellirung und sehr kräftiger Färbung, und zwei Marien mit dem Kinde in sehr reicher und meisterlich gemachter architektonischer Umgebung in der Sammlung des Herrn Thomas Baring in London.1 Am wenigsten glücklich ist er in seinen nackten Figuren. So in seinem Bilde Adam und Eva im Schlosse Hamptoncourt,2 wovon eine Originalwiederholung im Museum zu Berlin, Ko. 642. Besonders widerstrebend sind aber solche, wenn sie aus der Mythologie entnommen sind, wie Keptun mit der Amphitrite vom Jahr 1516 am letzten Ort (Ko. 648), und Danae, welche den goldnen Regen empfängt, vom Jahr 1522, in der Pinakothek (Ko. 41, Cabinette). Fast am ansprechendsten aus dieser Zeit sind Bildnisse in genreartiger Auffassung, z. B. ein junges Mädchen, welches Geldstücke wägt, im Museum zu Berlin (Ko. 656 A).

Diesem schliesst sich zunächst Bernhard von Orley an, welcher 1471 zu Brüssel geboren, 1541 ebenda gestorben ist. Obgleich dem Mabuse fast ganz gleichzeitig, sind doch keine Bilder von ihm bekannt, welche in Geist und Technik sich in so würdiger „Weise der alten Schule anschliessen, als die des Mabuse vor seiner italienischen Reise. Auf der anderen Seite ist er aber auch in seinen, in italienischer Art gemalten, Bildern nie so kalt im Gefühl, so geschmacklos in den Formen, als jener, welches theils in seinem ursprünglichen, den Kiederländer nie ganz verläugnendem Naturell theils in dem Umstande seinen Grund hat, dass er sich, während eines längeren Aufenthalts in Rom, vorzugsweise an Raphael anschloss. Seine Bilder sind mit Einsicht componirt, in der früheren Zeit oft von tiefem Gefühl, in der späteren dafür von völligen, wohlgezeichneten Formen und guter Haltung. In seinen letzten Bildern verfällt er allerdings öfter in die übertriebene und manie-rirte Formengebung der späteren Nachfolger Raphaels. Die Ausführung ist jederzeit fleissig, die Färbung aber immer in der Gesammtheit kühl, im Fleisch gegen das Kalt-Röthliche ziehend. Er war Hofmaler der Statthalterin der Niederlande, Margaretha von Oesterreich, und behielt diese Stellung auch unter ihrer Nachfolgerin, Maria von Ungarn. Das am meisten in der niederländischen Weise gedachte und gemalte Bild ist die Beweinung Christi, mit den Bildnissen der Stifter auf den Flügeln im Museum zu Brüssel. Die Köpfe sind von edler Bildung und tiefem Gefühl, die Portraits von grosser Wahrheit. Diesem schliesst sich das Altargemälde in der Kirche der Stadt Lierre, abseits der Eisenbahn, zwischen Antwerpen und Mecheln, an, dessen Hauptbild die Vermählung Josephs mit der Maria, die Flügel die Verkündigung und die Darstellung im Tempel vorstellen.Das umfassendste, mir von ihm bekannte Werk ist indess ein Altarschrein mit Doppelflügeln in der Marienkirche zu Lübeck. . Auf der Aussenseite des ersten Flügelpaares sieht mau, nicht sonderlich befriedigend, die Verkündigung. Die inneren Seiten dieses, und die Aussenseiten des zweiten Flügelpaars enthalten die, trefflich gewandeten, vier lateinischen Kirchenväter. Die innere Seite des zweiten Flügelpaars stellt die Sibylle, welche dem Kaiser Augustus die Maria mit dem Kinde zeigt, und Johannes den Evangelisten, der die Vision seiner Offenbarung hat, dar. Das Mittelbild enthält endlich die frei nach Dürer’s berühmtem Holzschnitt genommene heilige Dreieinigkeit und verehrende Heilige. Es ist in vielen Theilen sehr ausgezeichnet. Ein mit dem Namen bezeichnetes Bild, in zwei Abtheilungen, bewahrt die Gallerie zu Wien. Die eine stellt dar, wie der König Antiochus Epiphancs ein Götzenbild im Tempel zu Jerusalem aufstellen lässt, das andere das Pfingstfest und die Rede Petri an das Volk. Die Köpfe sind hier wenig ansprechend, die Vollendung aber sehr sorgfältig. Am entschiedensten zeigt den italienischen Einfluss sein grosses jüngstes Gericht in der Kapelle der Waisenkinder zu Antwerpen, mit den sieben Werken der Barmherzigkeit auf den Flügeln. Wiewohl darin die Tüchtigkeit der Zeichnung in manchen Figuren und die kräftige Färbung des Fleisches, auch die Lebendigkeit mancher, portraitartiger, Köpfe, Anerkennung verdienen, macht doch das Ganze, durch das Uebertriebene mancher Motive, z. B. im Christus, die Ueberladung, die Buntheit, einen sehr unbefriedigenden Eindruck. Eins der anziehendsten Bilder des Meisters ist dagegen eine Maria mit dem Kinde und Joseph, welche mit einem edlen Gefühl nach einer Composition des Lionardo da Vinci ausgebildet ist, in der öffentlichen Sammlung zu Liverpool. In den, wahrscheinlich nach seinen Cartons gewebten Teppichen Abraham und Melchisedcch und Rebecca am Brunnen zu Hamptoncourt, sicher aus seiner spätesten Zeit, erscheint er dagegen als ein manierirter Nachahmer Raphaels.

Jan Schooreel, geb. 1495, gestorben 1562, ein Schüler des Mabuse, scheint der erste gewesen zu sein, welcher jene italienische Weise in seinem Vaterlande Holland eingeführt hat. Gelegentlich einer Wallfahrt nach Palästina hielt er sich grade in Rom auf, als sein Landsmann Hadrian YL, zur päbstlichen Würde gelangte (1521). Er malte dessen Bildniss und wurde von ihm zum Aufseher der Kunstdenkmäler im Vatican ernannt. Nach dem bald erfolgten Tode dieses Pabstes kehrte er indess nach Holland zurück, wo er als Canonicus in der Stadt Utrecht starb. In dem einzigen beglaubigten, historischen Bilde von ihm in der Sammlung des Rathhauses zu Utrecht, einer mit dem Kinde in einer Landschaft sitzenden Maria mit den Stiftern, erscheint er als ein in der Zeichnung tüchtiger, in der Färbung besonders heller, Nachahmer des Raphael und Michelangelo. In den Stiftern, mehr noch in einer Reihe von 24, ebenda befindlichen, Bildnissen von Pilgern nach Jerusalem, darunter auch das seine, sieht man dagegen einen in der Auffassung lebendigen, in der Farbe warmen, in der Ausführung trefflichen Meister in der Weise der niederländischen Schule. Dasselbe gilt auch von den Portraiten von Mann und Frau vom Jahr 1539 in der Gallerie zu Wien. Neuerdings ist von ihm eine von van Mander beschriebene und durch Aufschrift beglaubigte Taufe Christi im Museum von Rotterdam zum Vorschein gekommen, welches indess so restaurirt ist, dass man nur noch die Com-position sein nennen kann. Dass er gelegentlich auch weltliche Gegenstände mit gutem Erfolg behandelt hat, lehrt ein Bild, welches liebende Paare darstellt, die sich mit Musik und den Freuden der Tafel die Zeit vertreiben, und im Jahr 1835 in Corshamhouse, dem Sitz der Familie Methuen, in England befindlich war. Die Auffassung ist wahr und lebendig, die Ausführung in einem warmen, bräunlichen Ton meisterlich.

Michel van Coxcyen, geboren zu Mecheln 1499, gestorben ebenda 1592, lernte zuerst bei seinem Vater, später bei Bernard van Orley. Er brachte eine Reihe von Jahren in Italien zu, wo er sich zwar die Kunstweise des Raphael in ihrer äusseren Erscheinung, nicht aber deren Geist aneignete, so dass ihm der Karne des flamänischen Raphael, welchen er erhielt, nur sehr bedingungsweise zukommt. Die grosse Zahl von Bildern, welche er während eines so langen Lebens ausführte, ist natürlich von sehr ungleichem Werth. Seine in Rom in der Kirche dell’ anima gemalten Fresken sind unbedeutend und sehr manierirt. In den, oft in gewissen Theilen nur zu treu Raphael nachahmenden, Compositionen, herrscht häufig viel Geschmack, in den Köpfen Sinn für Schönheit, doch sind sie meist leer im Ausdruck, die Stellungen gesucht, die Angabe der Muskeln übertrieben. Beispiele hiefür gewähren einige Bilder von ihm im Museum von Antwerpen, besonders sein Martyrium des heiligen Sebastian (Ko. 88) und sein Triumph Christi (Ko. 93). Eine Kopie, welche er für Philipp II. von Spanien nach dem Hauptwerk der van Eyck, der Anbetung des Lamms, machte, hat in den lebensgrossen Figuren viel Verdienst, steht aber in den kleinen, tief unter dem Original.

Lancelot Blondeel, aus Brügge, blühte dort etwa von 1520 bis 1574.4 Dieser Meister gefiel sich besonders in übertrieben reichen architektonischen, öfter auf Goldgrund mit braunem Lack ausgeführten, Hintergründen, worin meist sehr bizarre Formen der Renaissance vorwalten. Seine Bilder machen daher häufig eine sehr brillante Wirkung. Die meist im italienischen Geschmack gehaltenen Figuren sind oft gut bewegt, und von fleissiger Ausführung, in der Regel aber höchst manierirt und von kaltem Fleischton. Das frühste, mir von ihm bekannte Bild, mit 1523 bezeichnet, in der Kirche St. Jacques zu Brügge, stellt die Heiligen Cosnias und Damianus, ein anderes ebenda, in der Kathedrale und mit 1545 bezeichnet, die Maria mit dem Kinde und die Heiligen Lucas und Eligius, vor. Das Museum von Berlin besitzt ebenfalls von ihm eine Maria mit dem Kinde (No. 641) und ein grosses, jüngstes Gericht (No. 656), ein nicht glückliches Gemisch niederländischer und italienischer Kunstweise. Yon ihm rührt die Zeichnung zu dem grossen, mit den Statuen Kaiser Karl V. und anderer Fürsten geschmückten, Kamin, in dem grossen Gerichtssaal zu Brügge her.

Jan Cornelisz Vermeyen, geboren 1500, gestorben zu Brüssel 1559. Bei wem er die Kunst gelernt ist nicht bekannt, wohl aber muss er darin iu seiner Zeit sehr hoch geachtet gewesen sein, da ihn Kaiser Karl V. unter so vielen Künstlern, welche ihm zu Gebote standen, im Jahr 1534 nach Spanien berief, um ihn im folgenden Jahre auf seinem Kriegszuge nach Tunis zu begleiten, wo er die merkwürdigsten Begebenheiten desselben, namentlich die Belagerung, nach der Natur zeichnen musste. Mit Hülfe derselben führte er zehn grosse, kolorirte Cartons aus, wonach der Kaiser, wohl ohne Zweifel in den Niederlanden, Teppiche ausführen liess. Yon diesen Cartons, welche sich, aufgerollt, im Magazin der Kaiserlichen Gallerie zu Wien, befinden, ist es mir gelungen im Jahr 1860 einen zu Gesicht zu bekommen. Derselbe stellt den Sieg des Kaisers über die Mauren in der Nähe von Carthago vor. Die Com-position zeugt von vieler Einsicht. Weit den grössten Theil des Bildes nimmt das sich fliehend vertheidigende Heer der Mauren ein. Im Vorgrande hat er, statt des wüsten und verworrenen Gewühls, nur einzelne Gruppen angebracht. Aber auch in den grösseren, im Hintergründe befindlichen, Massen unterscheidet man noch einzelne, sein lebendige Gruppen. Ganz hinten erblickt man das Meer. In der ganzen Kunstform erkennt man, dass Vermeyeu auch zu den Künstlern gehört, welche die italienischen Meister studirt haben. Indess ist mir kein anderer niederländischer Maler dieser Epoche bekannt, welcher dieses mit so gutem Erfolg gethan. Seine Figuren sind von grosser Wahrheit und Lebendigkeit, die Motive mannigfaltig und natürlich, die Zeichnung von Menschen und Pferden sehr gut, ja die Formen von einer gewissen Eleganz. Der Ausdruck der Köpfe, z. B. der Verzweiflung in dem Anführer der Mauren, ist sehr sprechend, ohne in das Uebertriebene auszuarten, die Charakteristik der Offiziere und der Gemeinen sehr glücklich. Ueber die ursprünglicho Färbung lässt der jetzige, verblichene Zustand kein sicheres Urtheil mehr zu, indess scheint sie harmonisch gewesen zu sein. Auf anderen Cartons sollen sich, nach der Mittheilung des Directors Engert, die Bildnisse des Kaisers und der ausgezeichnetsten seiner Begleiter befinden. Auch die sämmtlichen, nach diesen Cartons gewebten Teppiche sind noch in Schönbrunn befindlich, leiden indess ebenfalls in aufgerolltem Zustande. Auch über die anderen Arbeiten dieses Künstlers, welcher wegen seiner schönen, stattlichen Gestalt in Spanien, el Mayo, wegen seines erstaunlich langen Barts auch Juan de Barbalönga genannt wurde, hat ein besonderer Unstern gewaltet. Seine in der Kathedrale von Brüssel befindlichen Bilder wurden von deu Bilderstürmern zerstört, verschiedene, als schön gerühmte Landschaften im Palast del Pardo in Madrid gingen bei dem Brande dieses Palastes im Jahr 1608 zu Grunde. Er soll auch ein sehr geschickter Portraitmaler gewesen sein.

Marten van Veen, nach seinem Geburtsort genannt Marten Heemskerk, geboren 1498, gestorben 1575,; war ein Schüler des Schooreel und überkam schon von diesem die italienische Kunstweise, bildete sie aber vollends in Rom durch das Studium der Antiken und des Michelangelo in höchst widrigerWeise aus. Seine sehr zahlreichen Bilder fanden in Holland zu seiner Zeit so vielen Beifall, dass eine sehr ansehnliche Zahl von Kupferstichen danach ausgeführt worden sind. Sie sind aber jetzt meist verschollen. Für seine Behandlung kirchlicher Gegenstände sind einige Bilder auf dem Rathhause zu Delft und Haarlem charakteristisch. In ersterem befindet sich ein bezeichneter, vom 1557 datirter Flügelaltar, in dessen Mitte, grau in grau, die Errichtung der ehernen Schlange, und ein anderer vom Jahr 1559, in dessen Mitte der Eccehomo. Auf einem Bilde am zweiten Ort hat er sich selber als St. Lucas, der die Maria malt, vorgestellt. Ist schon dieses Bild höchst hart und manierirt, so ist vollends ein Martyrium von zwei Heiligen, vom Jahr 1575, grässlich. Für seine Auffassung mythologischer Gegenstände ist Momus, welcher die Werke der Götter tadelt, vom Jahr 1561, im Museum zu Berlin (No. 655), für seine Kunst besonders charakteristisch. Dasselbe gilt von Silen auf dem Esel und zwei Bacchanten in der Gallerie zu Wien.

Lambert Sustermann, genannt Lambert Lombard, geboren 1506 zu Lüttich, gestorben ebenda 1560, war ein Schüler des Jan von Mabuse, und eignete sich schon von ihm die italienische Kunstweise an, welche er, als er im Jahr 1538 im Gefolge des Cardinais Pole nach Italien ging, unter Andrea del Sarto noch mehr ausbildete. Er eröffnete nach seiner Rückkehr in Lüttich eine zahlreich besuchte Schule, wodurch jene Kunstweise immer allgemeiner in den Niederlanden verbreitet wurde, er war aber zugleich auch Architekt, Kupferstecher, Numismatiker, Archaeolog und Dichter. Es fehlt ihm sowohl in den Köpfen, als iu den Bewegungen nicht an Schönheitsgefühl, obwohl er in den letzteren bisweilen auch sehr manierirt ist. In der Angabe der Muskeln hat er, gegen andere Maler der Zeit, etwas Gemässigtes. In der Färbung waltet in der Regel eine kühle Stimmung und eine Abtönung (Sfumato) vor, welches er sich wahrscheinlich von Andrea del Sarto angenommen hat. In der Ausführung ist er sehr fleissig. Bilder von ihm sind jetzt sehr selten. Die namhaftesten, der Durchgang durch das rotlie Meer, — wenig glücklich, — eine Yision, — ungleich besser, — die Geissein Gottes, Pest und Schiffbruch, — weit am gelungensten — befanden sich in der Sammlung des Königs der Niederlande. Eine Maria mit dem schlafenden Christuskinde, von feinem Gefühl und zarter Vollendung, doch blass in der Farbe, besitzt das Museum zu Berlin (No. 653).

Frans de Vriendt, genannt Frans Floris, geboren zu Antwerpen gegen 1520, gestorben ebenda 1570, lernte seine Kunst bei Lambert Lombard, besuchte aber auch Italien.‘ Schon im Jahr 1540 als Meister in die Malergilde zu Antwerpen aufgenommen, cröffnete er dort eine Schule, welche von 120 Malern besucht gewesen sein soll. In ihm erreicht jene italienische Kunstweise seine vollständigste Ausbildung. Er war ein Künstler von ungemeinem Talent, ungewöhnlicher Erfindungsgabe, und grosser Meisterschaft und Leichtigkeit in der Malerei, dem es indess in den Köpfen an Beseelung, in den Motiven an Anmuth, in der Zeichnung an Ver-ständniss fehlte, so dass er in der Formcngebung in starke Ueber-treibungen verfiel. Seine historischen Bilder sind daher sehr widerstrebend. Kur in seinen Bildnissen spricht er an, indem er darin seiner niederländischen Natur treu bleibt. Yon seinen früheren Bildern ist die 1547 bezeiclmetc, sehr wann kolorirte Darstellung des Yulcan, welcher Yenus und Mars, von seinem Netze umstrickt, den übrigen Göttern zeigt, im Museum zu Berlin (No. 698), ebensosehr ein Beweis seiner früh erlangten Meisterschaft, als, in der Geschmacklosigkeit der Composition, in der Gleichgültigkeit der Köpfe, dass seine Kunstweise schon damals in ihrer ganzen Widrigkeit ausgebildet war. Der Sturz der gefallenen Engel vom Jahr 1554 im Museum zu Antwerpen (No. 161), welches für sein Hauptwerk gilt, ist allerdings mit vieler Kühnheit componirt und meisterlich gemalt, doch sehr geschmacklos in den Thierköpfen der Teufel, hart in den Umrissen und bunt in den Farben. Mehr zu seinen Gunsten erscheint der Künstler ebenda in einer Anbetung der Hirten (No. 162). Die Köpfe sind hier lebendiger und wahrer als meist. Auch verdient das gut gehaltene Helldunkel hervorgehoben zu werden. Nur Maria und das Kind sind von kaltem Fleischton. Durch die Wahrheit der Köpfe spricht am meisten der heilige Lucas ebenda (No. 163) an. Der Heilige ist nämlich das Bild-uiss des Malers Rykaert-Acrtsz, das des Farbenreibers, sein eignes. In der Weise, wie sich hier der Ochse breit macht, zeigt sich  wieder die Geschmacklosigkeit des Meisters.

Unter den zahlreichen Schülern des Frans Floris nimmt Martin de Vos die ernte Stelle ein. Dieser, 1531 zu Antwerpen geborene Künstler ging später nach Italien und genoss daselbst in Yenedig noch den Unterricht des Tintorett. Nach Antwerpen zurückgekehrt, eröffnete er dort eine Schule und starb im Jahr 1603. Er war von einer sehr reichen Erfindungsgabe, und eine grosse Zahl seiner öfter sehr gelungenen Compositionen sind durch Kupferstiche zu allgemeiner Bekanntschaft gelang. Er ist im Gefühl minder kalt, iu der Angabe der Muskeln minder übertrieben, als Floris, auch ist die Ausführung meist fleissig, der Vortrag von grossem Schmelz, aber freilich ist er auch häufig in den Motiven sehr manierirt und fast immer im Fleisch kalt, in der Färbung bunt, in den Umrissen hart. Das Museum von Antwerpen besitzt eine ganze Reihe seiner Werke, unter denen sich der mit 1574 bezeichnete Altar, dessen Mitte die Ueberführung des ungläubigen Thomas darstellt (No. 186), durch die sehr fleissige Ausführung, die 1594 beendigte Versuchung des heiligen Antonius (No. 212) durch die eigentümliche Mischung des Phantastischen und Humoristischen auszeichnet. Ein 1589 bezeichnetes Bild im Museum zu Berlin (No. 709), dessen eine Seite Christus, der den Jüngern am See Ti-berias erscheint, die andere die Auswerfung des Propheten Jonas darstellt, bereitet endlich in dem Dramatischen der Motive, in dem flammenden Morgenroth der Landschaft, die Erscheinung eines Meisters wie Rubens vor.

Unter den anderen Schülern des Frans Floris sind zunächst einige Mitglieder der Malerfamilie Francken zu nennen. So die Brüder, Frans Francken der ältere (geboren 1544 ? gestorben 161S), Ambrosius Francken der ältere (geb. 1545? gest. 1618), und Hieronymus Francken der ältere, welche in der Weise des Meisters fort arbeiteten. Von dem zweiten befindet sich eine ganze Reihe von Bildern im Museum von Antwerpen. Unter diesen zeichnet sich’besonders die Tafel (No. 240), wo der heilige Sebastian Zoe, die Frau des Nie ostrat von der Stummheit heilt, durch die fünf sehr lebendigen Bildnisse aus. Die drei Künstler Francken mit denselben Vornamen, welche zum Unterschied die jüngeren genannt werden, malten mit vielem Geschick meist Bilder in kleinem Maassstabe, die theilweise schon Einflüsse des Rubens zeigen, und meist recht gefällig, selten aber von einiger Bedeutung sind. Von Frans, als dem bedeutendsten, wird noch besonders die Rede sein.

Auch Joannes Straet, gewöhnlich Stradanus genannt, geboren zu Brügge 1535, gehört hierher. Da er indess früh nach Florenz ging und auch dort 1618 in dem hohen Alter von 82 Jahren starb, hat er keinen Einfluss auf die Kunst in seinem Vaterlande ausgeübt. Als ein Gehülfe des Vasari ahmte er in dessen widriger Weise den Michelangelo nach. Doch malte er auch Jagden und Fischereien“, wobei mehr sein niederländisches Naturell zur Geltung kam. Die Anzahl seiner Malereien, in Oel und Fresco, war sehr gross. Auch wurden nach seinen Cartons Tapeten ausgeführt. 1 Beglaubigte Bilder von ihm wüsste ich nicht nachzuweisen.

Die widrigste Ausartung erreichte indess diese, die Italiener nachalraiende, Kunstweise in Bartholomäus Spranger, der 1546 zu Antwerpen geboren, 1625 starb. Er war einer der Lieblingsmaler Kaiser Rudolph II., an dessen Hofe zu Prag er längere Zeit lebte. Auf ihn haben besonders die „Werke des Parmegianino verderblich eingewirkt. Zu einer grossen Kälte des Gefühls kommen bei ihm die gesuchtesten und gewaltsamsten Stellungen, und eine im Ganzen kalte, im Lokalton des Fleisches rothe, in den Schatten grünliche, mithin im Ganzen widrig bunte Färbung. Sein Hauptverdienst besteht in seinen besseren Bildern in einer trefflichen Modellirung und meisterlich verschmolzenen Behandlung. Unter den zahlreichen, in der Gallerie zu Wien von ihm befindlichen, Bildern, nenne ich nur als ein, in jedem Betracht, besonders charakteristisches Hauptwerk, die Minerva, welche die Unwissenheit unter die Füsse tritt. Selbst dieser Meister verläugnet indess sein, auf die Darstellung der Realität angewiesenes, niederländisches Kunstnatui’ell nicht, wenn er Bildnisse malt. Ein Zeugniss davon legt sein eignes Bildniss in derselben Gallerie ab, welches zwar etwas gewaltsam im Motiv, aber lebendig aufgefasst.und fleissig, in einer wannen Farbe, ausgefülirt ist.

Ein würdiger Kunstgenosse von ihm ist der 1558 geborene, 1617 gestorbene Heinrich Goltzius, der indess nicht sowohl aus seinen sehr seltnen Bildern, als aus seinen zahlreichen Kupferstichen zu beurtheilen ist. Er zeigt darin eine ungleich grössere Vielseitigkeit und ahmt sehr verschiedene Meister, gelegentlich auch Lucas van Leyden und Albrecht Dürer mit vielem Geschick und einer bewunderungswürdigen Meisterschaft in Führung des Grabstichels nach.1 Sein Hauptvorbild ist indess Michelangelo, dessen Wesen er in den verrenktesten Stellungen, und dem gewaltsamsten Spiel krampfhaft angeschwollener Muskeln zu erreichen suchte. Er hat die heilige, wie die weltliche Geschichte, die Mythologie, wie die Allegorie in dem gesuchten Geschmack der Zeit, auch das Portrait und Landschaft behandelt. Ich begnüge mich von seinen historischen Compositioncn hier seine sechs sogenannte Meisterstücke (Bartsch Ho. 15—20) anzuführen, unter denen die Beschncidung, im Geschmack des A. Dürer, und die Anbetung der Könige, in dem des Lucas van Leyden, weit am gelungensten siffd. Am günstigsten erscheint auch er in seinen Portraiten, namentlich ist sein eignes Bildniss in Lebensgrösse (Bartsch No. 172) ein wahres Meisterstück. Er hat auch einige Blätter in Clairobscur ausgeführt.

An dieser Stelle ist auch der als Schriftsteller über Kunst hochverdiente Carel van Mander (geb. 1548, gest. 1606), zu nennen, welcher indess als Maler dieser verderblichen Richtung huldigte. Von seinen einst zahlreichen Gemälden wüsste ich indess keins mit einiger Sicherheit anzuführen.

Pieter de Witte aus Brügge besuchte noch sehr jung mit seinen Eltern Florenz und bildete sich dort zu einem geschickten Maler in Oel, wie in Fresco, aus, der von Yasari mehrfach in seinen umfassenden Frescomalereien in Rom, wie in Florenz, verwendet wurde. Er eignete sich in diesem Yerhältniss auch Kenntnisse in der Architectur und Bildhauerei an, und erwarb sich besonders ein grosses Geschick in der Decoration von Gebäuden. Alle diese Eigenschaften hatte er nachmals Gelegenheit in vollem Maasse im Dienst des Herzogs von Baiern in München bei dem Bau des Residenzschlosses desselben in Anwendung zu bringen. Obgleich natürlich in der verkehrten Geschmacksrichtung seiner Zeit befangen, gehört er doch, wenigstens in einigen Bildern zu den erfreulicheren Erscheinungen seiner Zeit. Die noch erhaltenen Theile der alten Residenz in München legen von seiner mehrseitigen künstlerischen Thätigkeit ein günstiges Zeugniss ab. In Italien hatte man seinen Namen in „Pietro Candido“ übersetzt, wonach er später in Deutschland Peter Candit genannt wurde.

Verschiedene Historienmaler der folgenden Generation bilden den Uebergang zu einem besseren Zustande der Malerei. Einige kommen in ihrer Nachahmung der Italiener wenigstens von den widrigen Uebertreibungen ihrer Vorgänger zurück, andere wenden sich schon mit richtigem Erfolg der der Schule naturgemässen Richtung auf das Naturwahre und auf Ausbildung des Colorits zu.

An der Spitze derselben steht der im Jahr 1558 zu Leyden geborene Othon van Vecn, genannt Otto Vaenius. Obgleich es ihm am Gefühl fehlt und man seinen Bildern den Einfluss des manierirten Federigo Zaechers, dessen Schule er schon mit 17 Jahren in Rom besuchte, in den öfter gezierten Motiven und der bisweilen bunten Färbung anmerkt, zeigt er doch eine gewisse Mäsigung, einigen Schönheitssinn in den Köpfen, und einen gewissen Geschmack in seinen Compositionen. Das Frostige seiner Bilder wird öfter noch durch gesuchte allegorische Beziehungen, wozu ihn eine ungewöhnliche klassische Bildung verleitete, vermehrt. Er starb zu Brüssel, im Jahr 1629. Die Anzahl der von ihm ausgeführten Bilder ist sehr ansehnlich. Unter den im Museum zu Antwerpen befindlichen zeichnen sich besonders, die Berufung des Matthäus zum Apostel (Ko. 244), der heilige Paulus vor dem Landpfleger Felix (No. 248) und das Bildniss des Johann Miraeus, Bischofs von Antwerpen (No. 247), aus. Letzteres zeigt wieder im Vergleich mit den historischen Bildern viel Wahrheit der Auffassung und eine kräftige Färbung. Die sechs Gemälde in der Pina-kothekzuMünchen (No. 234—240, Cabinette), welche den Triumph der katholischen Kirche darstellen, sind an sich gesucht, kalt, geistlos und bunt, doch interessant als Vorbilder für ähnliche Compositionen des Rubens.

Heinrich van Baien, geh. 1560 zu Antwerpen, gest. ebenda 1632. Er ist kalt im Gefühl, meist manierirt in den Motiven, kalt und gläsern in der Färbung. Indess hat er in seinen meist nackten Figuren eine gewisse Gefälligkeit und seine Ausführung in verschmolzener Malweise ist sehr fleissig. In kirchlichen Gegenständen, wie in seiner Auferstehung Christi in der Kirche St. Jacques zu Antwerpen, befriedigt er am wenigsten, dagegen haben seine, der antiken Mythologie entlehnte Figuren, bei denen Jan Brughel häufig den landschaftlichen Hintergrund gemalt hat, öfter mehr Ansprechendes.

Cornelius Corneliszen, welcher von seiner Vaterstadt Haarlem, wro er 1562 geboren, 1638 gestorben ist, gewöhnlich Cornelius van Haarlem genannt wird, zeichnete sich zuerst durch ein grosses Portraitstück, welches die Vorsteher der Schützengilde seiner Vaterstadt darstellte, aus, und blieb auch dieser Richtung theilweise nachmals getreu, obwohl er später vorzugsweise Gegenstände aus der Bibel, oder auch Vorgänge aus dem gewöhnlichen Leben malte, worauf nackte Figuren die Hauptrolle spielen. Die Bilder dieser Art sind sehr ungleich. Die Köpfe sind öfter gemein, die Motive geschmacklos. Die besten zeigen eine sorgfältige Modellirung und eine sehr warme und klare Färbung. Eins seiner ausgezeichnetsten Bilder dieser Art ist die badende Bathseba mit ihren Dienerinnen vom Jahr 1617 im Museum zu Berlin (No. 734), bei dem es für die Auffassung charakteristisch ist, dass sich David, kaum sichtbar, in einer dunklen Ecke befindet. Am wenigsten reichte sein Talent für den Ausdruck starker Affecte aus, wie sein Kindermord, in der Königlichen Galleric im Haag, ein sehr widriges Bild, beweist. Aus dem Kreise der Mythologie zeichnet sich seine Yenus, Amor und Ceres in der Gallerie zu Dresden (No. 1030), wie wenig auch die Köpfe der Aufgabe entsprechen, durch die Kraft und Klarheit der Farbe, und die fleissige Ausführung, aus.

Abraham Bloemart, geb. 1564 zu Gorcum, gest. 1647 zu Utrecht, bildet iu mancher Beziehung denUebergang zur folgenden Epoche. Wie sehr er auch durch die oft manierirten Motive, die leeren, unbedeutenden Gesichter, die bisweilen bunte Färbutig, den häufig sehr verschmolzenen Yortrag, noch dieser Epoche angehört, so zeichnet er sich doch, zumal in seinen späteren Bildern, durch die gut abgewogene Gesammthaltung, einen feineren Geschmack und einen breiten Yortrag, vortheilhaft ans. Seine einst sehr zahlreichen Gemälde sind jetzt meist verschollen. Eine Anbetung der Hirten, vom Jahr 1604 im Museum zu Berlin (No. 745) als Nachtstück aufgefasst, ist sehr geschickt componirt und von sehr kräftiger, aber grellbunter Wirkung. Der zweite Traum Josephs mit Maria und dem Kinde im Hintergründe, ebenda (No. 722), ist zwar in dem Engel sehr manierirt, doch der Joseph eine wahre und kräftige Gestalt, auch die Haltung sehr gut abgewogen. Dagegen gehört das Fest der Götter in der Königlichen Gallerie im Haag zu seinen, zwar sehr klaren und fleissigen, aber durch die Buntheit und den glatten Yortrag der älteren Kunstform verwandten Bildern. Glücklich componirt, besser in der Haltung abgewogen, und sehr fleissig in der Ausführung ist seine Erweckung des Lazarus in der Pinakothek zu München, No. 193.

Pieter Lastmann, geboren 1562, befand sich 1604 in Rom, wo er offenbar einen Einfluss von Adam Elzheimer erfahren hat. Zurückgekehrt, gelangte er zu solcher Anerkennung, dass er in Folge eines Rufs in den Jahren 1619 und 1620 in Kopenhagen in einer Kirche Bilder ausführte. Er war ein guter Zeichner, seine Köpfe haben öfter Yiel Empfindung, seine Fleischfarbe ist warm und kräftig. In den landschaftlichen Hintergründen, welche meist eine bedeutende Rolle spielen, merkt man den Einfluss des Paul Bril. Zwei Bilder,“ der heilige Philipp, welcher den Kämmerer

des Mohrenkönigs tauft, und eine heilige Familie, befinden sieh von ihm im Museum zu Berlin, No. 677 und 747.

Eine ganz eigenthümliche Stellung nimmt Adriaen van der Tenne ein, der 1589 in Delft geboren, 1662 im Haag gestorben ist. Er wendete sich erst der Malerei unter Hieronymus van Diest zu, nachdem er zu Leyden eine wissenschaftliche Erziehung genossen, welche ihn mit der klassischen Literatur bekannt gemaeht hatte. Diese hatte nicht allein auf ihn als Maler insofern Einfluss, dass er sich besonders in allegorisehen Darstellungen gefiel, sie ¦war die Ursache, dass sein ganzes Leben zwisehen Schriftstellerei und Kunst getheilt war. Als zweites, geistiges Moment erkennt man in seinen Bildern einen grossen Eifer für die, in Holland grade in seiner Zeit durch die erfolgreichen Kämpfe befestigte, Reformation und für die hiebei an der Spitze stehenden Fürsten aus dem Hause Oranien. In der Art der Auffassung dieser Gegenstände giebt sich aber ein sehr entschiedenes und ausgezeichnetes Talent für die realistische Riehtung seiner Nation kund. Er malte niekt allein wohlgezeichnete, in einem -warmen und klaren Ton trefflieh kolorirte und sehr sorgfältig ausgeführte Portraite, deren er auch viele in seinen allegorischen und historischen Bildern, als Sehlach teil etc. anbrachte, sondern auch die übrigen Figuren in derlei Bildern, haben ein portraitartiges Ansehen. In verschiedenen Genrebildern und Landschaften, thut sich vollends die realistische Seite seines Naturells entschieden kund. Für deii Prinzen Moritz von Oranien, den König von Dänemark, wie auch sonst, führte er viele Bilder grau in grau aus. Das grösste, mir von ihm bekannte, Bild in Farben befindet sich unter No. 337 im Museum zu Amsterdam und stellt in etwa dreiviertellebensgrossen Figuren, den Prinzen Moritz von Oranien, seine Brüder und andere fürstliehe Herrn, sämmtlich zu Pferde, in der Umgegend vom Haag vor. Dieses Bild hat zwar alle die guten, oben von ihm gerühmten Eigenschaften, in Betracht der Haltung und der ganzen Ausbildung iudess, wrie seine meisten Bilder, noch etwas Alterthümliches. Gewöhnlicher malte er indess Bilder mit kleinen Figuren. Dahin gehört ebenda unter No. 338 ein Bild mit der Benennung die Seelenfischerei.“ In einer von Jan Breughel gemalten Landschaft befinden sich auf der einen Seite eines Flusses die Katholiken, auf der anderen die Protestanten. Auf dem Flusse selbst sieht man in einigen Barken verschiedene katholische Geistliche und Mönche, in einer anderen protestantische Geistliche. Beide Theile sind beschäftigt in dem Flusse schwimmende Menschen mit Netzen aufzufangen. Unter den Katholiken gewahrt man die Portraite von Albert und Isabella, unter den Protestanten die von den Prinzen Moritz und Friedrich Heinrich von Oranien, und dem Kurfürsten Friedrich von der Pfalz. Inschriften und einzelne Darstellungen zeigen eine starke Satyre gegen das Pabstthum und eine Verherrlichung der evangelischen Kirche. Dieses sehr reiche Bild ist sowohl wegen des Gegenstandes, als wegen der darin bewiesenen Kunst, sehr interessant. Als Kunstwerk noch ausgezeichneter ist indess ein Bild, No. 543, im Louvre, welches ebenfalls in einer Landschaft von Jan Breughel ein zu Ehren des 1609 zwischen dem Erzherzog Albert und den vereinigten Staaten geschlossenen Waffenstillstandes gefeiertes Fest darstellt und mit A. V. Venne Fesit (sic) bezeichnet ist. Merkwürdig ist das Gemisch von Portraiten, unter denen die vom Erzherzog Albert und Isabella, und von Zügen aus der Mythologie und Allegorie. Die Köpfe sind hier sehr scharf individualisirt, und mit grosser Präcision in einem goldigen, klaren Ton ausgeführt. Er war ebenso vielseitig als reich in Erfindungen, wie er denn auch die Zeichnungen zu Illustrationen einer Ausgabe der Gedichte des beliebten holländischen Volksdichters Cats gemacht hat.

Für verschiedene Meister wurde die derb realistische Weise, womit Quentin Massys gelegentlich Wechsler und andere Vorgänge aus dem gemeinen Leben behandelt hatte, das Vorbild nicht allein für die Darstellung ähnlicher, sondern auch biblischer, Gegenstände. Keiner von ihnen erreichte ihn indess, sie verfallen meist in arge Uebertreibungen und widrige Gemeinheit.

Zuerst ist hier der Sohn des Quentin, Jan Massys, zu nennen, der etwa von 1500 bis 1570 gelebt hat. Aus seiner früheren Zeit rühren höchst wahrscheinlich die Wiederholungen nach den Bildern von Wechslern von seinem Vater her, da van Mander ausdrücklich sagt, dass er dergleichen gemalt habe. Besonders ausgezeichnete Beispiele dieser Art sind die Bilder der Geizigen in Windsor-Castle, in dem Museum zu Berlin (No. 671) und in der Pinakothek in München (No. 80). Ihnen schliesst sich der heilige Hieronymus vom Jahr 1537 in der Gallerie zu Wien an» Alle diese Bilder sind von warmer, kräftiger Färbung und fleissigerr wiewohl etwas derber Behandlung. Seine späteren Bilder zeigen dagegen in allen Theilen, den Charakteren, der Färbung, der Behandlung, eine grosse Schwäche. Beispiele dieser Art gewähren seine Heimsuchung vom Jahr 1558, No. 156, und seine Heilung des Tobias vom Jahr 1564, No. 157, im Museum zu Antwerpen.

Jan van Hemessen, geboren etwa um 1500, gestorben vor dem Jahr 1566, ist, wenn nicht ein Schüler, doch sicher ein Nachahmer des Quentin Massys., Er ist häufig vou einer furchtbaren Gemeinheit in Formen und Ausdruck, immer sehr hart in den Umrissen und meist von einer schwer braunen Färbung. Er hat öfter den Quentin Massys kopirt. So kenne ich von einer Berufung des Matthäus zum Apostelamt desselben, welche ich in England gesehen, drei Kopien von ihm, deren sich eine im Museum von Antwerpen, No. 04, zwei in der Gallerie von Wien befinden. Eins seiner gefälligsten Bilder ist eine kleine heilige Familie vom Jahr 1541 in der Pinakothek (No. 100, Cabinette), eins seiner widrigsten ein heiliger Hieronymus in der Gallerie zu Wien. In dem Bildniss des Malers Jan Mabuse, ebenda, zeigt er sich indess als ein tüchtiger Meister in diesem Fach.

Ein diesen nahe verwandter und recht verdienter, aber wenig bekannter Meister ist Huiis, von dem ein Dudelsackpfeifer und ein altes Weib vom Jahre 1571 im Museum zu Berlin befindlich ist, No. 693.

Pieter Aertszen, genannt der „lange Peer“, geboren 1507, gestorben 1573, ein Schüler des Allard Cl.aessen, war ein Künstler von einem ausserordentlichen Talent, welcher in Löwen, Amsterdam, Delft u. s. w. viele grosse Altarbilder ausführte, die indess sämmtlich bei dem Bildersturm im Jahr 1566 vernichtet worden sind. Nach den kleineren, noch vorhandenen Bildern’von ihm aus der heiligen Geschichte sind sie von realistisch-genreartiger Auffassung gewesen. Er beobachtete sehr gut und war ebenso lebendig in der Auffassung, als geistreich in der Ausführung. In seinen Gemälden kommt hiezu eine kräftige und klare Färbung. Ein gutes Bildchen von ihm ist eine Kreuzigung Christi im Museum zu Antwerpen, No. 159, ein sehr charakteristisches, eine Kreuztragung vom Jahr 1552, im Museum zu Berlin, No. 726. Dieser Gegenstand ist nämlich ganz wie die Hinrichtung eines armen Sünders zur Zeit des Malers behandelt. Die Schächer werden, nach der damaligen Sitte, von einem Dominikaner und einem Franziskaner begleitet, und die Kreuztragung bildet nur eine Episode des Mittelgrundes. Gelegentlich malte er mit sehr gutem Erfolg auch blosse Marktscenen, wovon sich ein ausgezeichnetes Beispiel in der Gallerie zu Wien befindet. Ganz in seine Fusstapfen trat sein Schüler Joachim Bueckler, der etwa von 1550—1570 blühte. Eine, wie jene Kreuztragung aufgefasste, Darstellung Christi durch Pilatus, von ihm befindet sich in der Pinakothek, No. 78. Besonders waren auch von ihm Märkte und Küchenstücke beliebt.

Pieter Breughel der alte, auch Bauren-Breughel genannt, wurde etwa 1520 geboren, 1551 Mitglied der Malergilde, zwei Jahre später, um 1553, besuchte er Rom und starb in Antwerpen, im Jahr 1569. Obwohl auch er noch ausnahmsweise in der Weise der vorigen Künstler Vorgängc aus der heiligen Geschichte behandelte, war er doch der erste, welcher sehr eifrig das Leben der Bauren in allen Zuständen studirte, und zum Haupt-gegenstande seiner Kunst machte. Gelegentlich malte er auch Spuck- und Gespenstergeschichten im Geschmack des Hieronymus Bosch. Die Auffassung ist immer geistreich, aber derb, öfter selbst gemein. Seine Behandlung, in einem warmen Ton, ist meist breit, zuweilen flüchtig. Er zeichnete auch auf seinen Reisen sehr häufig und mit vielem Geschick ihn ansprechende Gegenden und hat nach diesen ein Blatt mit feinem, malerischen Gefühl radirt. Auch hat er zuweilen Zeichnungen für Holzschnitte gemacht. Besonders ausgezeichnete Bilder von ihm finden sich in der Gallerie zu Wien. Von historischen Bildern ist eine Kreuzigung vom Jahr 1563, eine reiche Composition, hervorzuheben, worauf die heiligen Personen, Maria u. s. w., noch von edlem Ausdruck sind. In seinem landschaftlich-phantastischen Element zeigt ihn der Bau des Thurms zu Babel von demselben Jahr. In drei Bildern, Winter, Frühling und Herbst, letzterer eine Landschaft von poetischer Composition, finden sich, ebenso wie in einem Streit zwischen dem Fasching und den Fasten, vom Jahr 1559, viel drollige Einfälle, welche öfter freilich von sehr derber Natur sind. Eine Bauernhochzeit endlich ist trefflich componirt und voll guter Erfindungen.

In seine Fusstapfen trat sein ältester Sohn Peter, daher, Peter Breughel der jüngere, oder auch, wegen der öfter von ihm behandelten Gegenstände, Höllenbreughel genannt. Er steht indess in Erfindung, Färbung und Machwerk weit unter seinem Vater. Die Composition ist meist lahm, die Köpfe geistlos, das Fleisch von einem schweren Lederbraun, der Vortrag–sehr hand-werksmässig. Beispiele gewähren seine Kreuztragung im Museum zu Antwerpen (No. 255) und Berlin (No. 721). Die Bilder, welche ihm in den Gallerien zu Dresden und München beigelegt werden, rühren nicht von ihm, sondern von seinem jüngeren Bruder, Jan Breughel, her.

Dieser, genannt Sammetbreughel, geboren zu Antwerpen 1568, gestorben ebenda 1625, war ein ungleich begabterer Künstler und von einer seltnen Vielseitigkeit des. Talents. „Wenn er auch vornehmlich Landschaftsmaler war, als welchen wir ihn erst etwas später zu betrachten haben werden, so spielt er doch auch als Genremaler unter seinen Zeitgenossen eine bedeutende Rolle. Seine, sich allerdings nie über eine derbe Wirklichkeit erhebenden, Bauern sind sehr lebendig. Und ganz in denselben Formen und in derselben Art behandelt er auch in sehr kleinem Maassstabe die heilige Geschichte, namentlich Höllenscenen, oder Vorgänge der antiken Unterwelt mit starken Lichtwirkungen. Eine klare und kräftige Farbe, eine sorgfältige Ausführung ist diesen, wie allen seinen Bildern eigen, dagegen fehlt es auch fast allen an einer genügenden Gesammthaltung. Unter seinen zahlreichen Bildern in den Galle-rien zu Dresden, München und Berlin finden sich verschiedene Beispiele von den angeführten Gegenständen.

Der 1578 zu Mecheln geborene David Vinckebooms, oder Vinckeboons, 1 ist ein ihm in manchem Betracht verwandter, doch auf einen ungleich engeren Kreis beschränkter, Meister, welcher sich indess doch auch, ausser in der Genremalerei, als Landschaftsmaler geltend gemacht hat. Er fasst die Welt der Landleute, welche er als ersterer darstellt, besonders gern bei Kirmessen in den Aeusserungen rohster Sinnlichkeit auf. Auch sind seine Figuren häufig von abstossender Hässlichkeit und Gemeinheit, und seine Fleischfarbe von einem harten, schreienden Roth. Bilder jener Art befinden, sich in denselben Gallerien.

Lucas van Valkenburg, geboren zu Mecheln, gestorben 1625, malte in einem etwas grauen, aber harmonischen Ton, Vorgänge aus dem Leben der Landleute und der Soldaten. Seine sehr mässig gezeichneten Figuren haben indess etwas Elegantes. Die Ausführung ist höchst fleissig. Die besten mir von ihm bekannten Bilder befinden sich in der Gallerie zu Wien. Ebenso von seinen, in derselben Weise, nur schwächer, arbeitenden Brüdern Friedrich und Martin van Yalkenburg.

Sebastian Yranck, geboren um 1573, ist einer der frühsten Maler, welcher vorzugsweise Yorgänge aus dem Kriege, Reitergefechte, Plünderungen u. dgl., mit sehr wahren und ergreifenden Motiven, in einem braunrothen, etwas schweren Ton, ziemlich breit, aber doch fleissig ausführte. Ein vorzügliches Bild dieser Art von ihm befindet sich‘ in der Gallerie zu Wien.

Einer der ausgezeichnetsten Genremaler aus der letzten Generation dieser Epoche ist der 1581 zu Antwerpen geborene, 1642 gestorbene, Frans Francken der jüngere. Zu einer glücklichen Erfindungsgabe kommt bei ihm viel Gefühl für Anmuth der Bewegung, eine sehr tüchtige Zeichnung, eine gute Gesammthaltung und eine geistreiche Pinselführung. Nur im Ton der Farbe ist er meist etwas schwer. Er staffirte häufig die Architekturbilder des älteren Peter Neefs, des Bartholomäus van Bassen, des Josse de Momper, in sehr glücklicher Weise. Eins seiner merkwürdigsten und ausgezeichnetsten Werke ist sein Hexensabath vom Jahr 1607 in der Gallerie zu Wien, vielleicht die ausführlichste Vorstellung, welche uns von dieser Welt einer so furchtbaren Einbildung, aufbehalten worden ist. In seinen grösseren historischen Bildern, deren das Museum zu Antwerpen einige besitzt, ist er minder glücklich.

Bei weitem die meiste Befriedigung in dieser Epoche gewähren in den Niederlanden die Portraitmaler.

Der älteste von diesen ist Joas van Cleve aus Antwerpen, von dessen Geburts- und Todesjahr zwar nichts Bestimmtes bekannt ist, welcher aber etwa von 1530 —1550 geblüht haben muss. Er soll nach Yasari in Spanien gewesen sein und auch am Hofe von Frankreich viel Bildnisse gemalt haben. Jedenfalls steht es fest, dass er eine Zeitlang in England gearbeitet hat. Hier soll er über den grossen Erfolg, welchen Antonis Moor mit seinen Bildnissen fand, den Verstand verloren haben. Die wenigen, von ihm jetzt noch nachweisbaren Bilder rechtfertigen indess durchaus den grossen Ruf, den er zu seiner Zeit genoss. Er steht in seiner Kunstform zwischen Holbein und Antonis Moor mitten inne. Die wohlgezeichneten Formen haben eine gewisse Bestimmtheit und sind doch nicht hart, der warme und klare Ton erinnert an die grossen Meister der venetianischen Schule. Zwei seiner vorzüglichsten Werke sind sein eignes und seiner Frauen Bildniss in Windsorcastle. Nicht minder schön ist indess auch sein eignes Bildniss in der Sammlung des Lord Spencer zu Altorp. Oft werden seine Bilder irrig dem Holbein beigelegt.

Ihm zunächst folgt Antonis Moor, welcher im Jahr 1518 geboren, 1588 gestorben, in seiner Jugend die Schule des Jan Schooreel besuchte, später aber nach Italien ging. Nach seiner Rückkehr kam er, in Folge der Empfehlung des Kardinals Gran-vella, in die Dienste Karls V., welcher ein so grosses Gefallen an seiner Kunst fand, dass er ihn nach Lissabon schickte, um dort das Bildniss der Braut seines Sohnes, Philipp II., zu malen. Später ging er, und ohne Zweifel auf längere Zeit, nach England, um das Bildniss der zweiten Gemahlin desselben Fürsten, Maria der Katholischen, auszuführen. Nachmals brachte er wieder längere Zeit am Hofe Philipps zu Madrid zu, und endlich wurde er in den Niederlanden viel von dem Herzog von Alba beschäftigt. Ueberall erndtete er grossen Beifall, Ehren und Geld ein. In seinen, jetzt sehr seltenen, historischen Bildern ist er eine der widerstrebendsten Erscheinungen der Nachahmung italienischer Kunstweise. In seinen Bildnissen gehört er dagegen durch die höchst wahre und geschmackvolle Auffassung, die gute Zeichnung, die. meisterliche und fleissige Ausführung, die klare und treffliche Färbung, zu den besten Meistern seiner Zeit. Die Portraite seiner früheren und mittleren Zeit zeichnen sich indess durch die wärmere und kräftigere Färbung vor den späteren, blässeren und nicht mit derselben Sorgfalt durchgeführten, sehr, vortheilhaft aus. Das frühste mir von ihm bekannte Bild, sind die mit seinen Namen und dem Jahr 1544 bezeichneten Portraite von zwei Domherrn von Utrecht, No. 585 A. im Museum zu Berlin. Sie zeigen in der Auffassung noch viel Verwandtschaft zu seinem Meister Schooreel. Zu einer seltnen Wahrheit und Nai-vetät gesellt sich eine feine Zeichnung und eine ebenso warme als klare Färbung. Der Vortrag mit kurzen und feinen Strichen ist sehr eigenthümlich. Keine Gallerie ist indess lehrreicher für diesen Meister, als die zu Wien. Ich nenne hier nur für seine frühere Zeit das edel aufgefasste, ebenfalls in feinem klaren, röthlichen Ton kolorirte Portrait des Kardinals Granvella vom Jalir 1549; das in der Färbung minder warme, aber sehr fein aufgefasste, eines jungen Mannes mit einer Narbe von 1564, und die in dem Lokalton kühleren, in den Lichtern weisslichen Bildnisse eines jungen Ehepaars, vom Jahr 1575. Auch die Gallerie zu Dresden besitzt, unter dem irrigen Namen .Holbein, zwei weibliche Bildnisse aus der besten Zeit dieses Künstlers, No. 1698 und 1701. Unter seinen zahlreichen Bildern in England gehören zu den besten die von der Königin Maria der Katholischen und dem Grafen von Essex in der Sammlung des Lord Yarborough in.London, so wie die beiden in ganzer Figur von Sir Henry Sidney und seiner Gemahlin vom Jahr 1553, zu Petworth, in der Sammlung des Colonel Wyndham.

Obwohl aus der gefährlichen Schule des Frans Floris stammend, nimmt doch auch Frans Pourbus der ältere, geboren 1540 gestorben 1580, als Portraitmaler eine würdige Stelle ein. Wenn er dem vorigen an Geschmack der Auffassung, an Feinheit der Zeichnung nachsteht, so übertrifft er ihn in der Gleichmässigkeit der goldigen, klaren Färbung. Als ein Beispiel dieser Art führe ich das Bildniss eines Mannes vom Jahr 1568, der die Rechte gegen die Seite gestützt, die Linke an das Degengefass halt, in der Gallerie zu Wien an.

Auch Willem Key, geboren 1520, gestorben 1568, muss ein ausgezeichneter Bildnissmaler gewesen sein, da der Herzog von Alba ihn wählte, um sein Portrait zu malen. Ich wüsste indess jetzt mit Sicherheit kein Bild von ihm nachzuweisen.

Dagegen giebt es von denl vortrefflichen belgischen Bildnissmaler N icolaus Neuchatel, genannt Lucidel, geboren 1505, gestorben 1600,. welcher sich später in Nürnberg niederliess, das meisterliche Bildniss des Mathematikers, welcher seinem Sohn in dieser Wissenschaft Unterricht ertheilt, in der Pinakothek (No. 124). Die Darstellung dieser gegenseitigen Beziehung giebt den sehr wahr aufgefassten Köpfen ein doppeltes Interesse. Der Lokalton des Fleisches ist dagegen kühlröthlich, die Schatten grau.

Ungleich mehr durch seine Bildnisse, als durch seine jetzt meist verschollenen historischen Bilder, welche van Mander rühmt,1 zeichnet sich der 1553 zu Löwen geborene Gualdorp Gortzius, genannt Geldorp aus. Er war ein Schüler des alten Franz Franck und des älteren Franz Pourbus und Hess sich später in Köln nieder. Das dortige Museum bewahrt mehrere Bildnisse von ihm. Die-früheren sind lebendig aufgefasst und sehr fleissig in einer kräftigen Färbung durchgeführt. In den späteren wird er kalt im Ton und oberflächlich in der Behandlung. Er starb zu Köln 1616, oder 1618. Von zwei Söhnen von ihm, welche in demselben Geschmack Portraite malten, blieb der eine, Melchior, in Köln, wo sich verschiedene, zwischen den Jahren 1615 und 1637 gemalte Bilder von ihm befinden, der andere, Georg, Hess sich in London nieder, wo er zur Zeit Karls I. und Cromwells viele angesehene Personen malte-und dort noch im Jahr 1653 am Leben war.

Zu den achtbaren Bildnissmalern dieser Zeit muss auch der 1548 in Gouda geborene Gornelis Ketel gehört haben, welcher im Jahr 1578 die Königin Elisabeth, und später verschiedene Personen ihres Hofes malte, nachmals aber ebenso in Holland mit vielem Beifall die Schützengesellschaft von Amsterdam und noch eineandere ausführte. Meine Bemühungen diese, oder von seinen Bildern in England etwas aufzufinden, sind leider umsonst gewesen.

Dagegen giebt es von einem der beliebtesten Portraitmaler am englischen Hofe, zur Zeit der Elisabeth, Marcus Gerards von Brügge, der erst im Jahr 1635 starb, noch eine ansehnliche Zahl von Bildern. Da er indess keineswegs zu den besten Malern dieser Epoche gehört, indem er ziemlich gleichgültig in der Auffassung,, schwach in Zeichnung und Färbung ist, so dass das Hauptinteresse-seiner Bildnisse vornehmlich in der oft grossen Bedeutung der dargestellten Personen Hegt, so begnüge ich mich zu bemerken, dass sich drei besonders charakteristische Bilder von ihm, die Königin Elisabeth, der Minister Burleigh und Graf Essex, in der Sammlung des Marquis von Exeter zu Burleighhouse befinden.

Franz Pourbus der jüngere, Schüler seines Yaters von-gleichem Kamen, geboren 1572, gestorben 1622, zeichnete sich, wie jener, als Bildiiissmaler sehr vortheilhaft aus, muss ihm indess in der Wärme der Färbung, in der Gediegenheit des Impastos nachstehen. Er arbeitete längere Zeit am Hofe König Heinrich IV. von Frankreich und hat dessen Bildniss, sowie auch das seiner Gemahlin , Maria von Medici, verschiedentlich gemalt. Das ansehnlichste seiner Portraite im Louvre ist das jener Königin (No. 396), doch auch die beiden kleinen des Königs (No. 394 und 395) verdienen erwähnt zu werden.

Paul van Sommer, geboren zu Antwerpen 1576 , gestorben 1624, hat eine Reihe von Jahren in England gearbeitet, wo sich daher auch noch jetzt seine besten Arbeiten befinden. Seine Auffassung ist wahr und lebendig, seine Färbung warm und klar, seine Ausführung fleissig. Vortrefflich, ist sein Bildniss des Lord Bacon in der Sammlung des Lofrd Cowper zu Pansanger, sowie die des berühmten Grafen Arundel und seiner Gemahlin in Arundel-Castle,. dem Sitz des Herzogs von Norfolk.

Die Mehrzahl der übrigen Bildnissmaler der spätesten Generation dieser Epoche waren Holländer.

Michael Janse Miereveit, geboren 1567 zu Delft, gestorben 1651, vereinigt mit einer schlichten und wahren Auffassung eine sehr klare, öfter warme Färbung, und eine fleissige Ausführung. Die Anzahl der von ihm in seinem langen Leben ausgeführten Bildnisse ist sehr beträchtlich. Eine ganze Reihe von denselben befindet sich auf dem Rathhause zu Delft in Holland. In seinem grössten, mir bekannten, Bilde, einem Schützenstück vom Jahr 1611 mit vielen Figuren, erscheint er indess nicht zu seinem Vortheil. Obwohl die Köpfe recht lebendig, ist doch die Farbe etwas schwer, die Behandlung etwas handwerksmässig. Um etwas besser sind die Portraite von Wilhelm L, dem II. und Moritz von Oranien im Zimmer des Bürgermeisters. Sehr vorzüglich aber, durch die höchst wahre Auffassung, die klare Färbung, die fleissige Ausführung , ist ebenda ein Brustbild des Hugo Grotius, und besonders weich für diesen Meister seine drei Kinder über dem Kamin. Auch in den Gallerien zu Dresden und München finden sich sehr schöne Bildnisse von ihm vor.

Unter seinen Schülern zeichnen sich durch ähnliche Art und Verdienste besonders sein Sohn Peter Miereveit und Paul Moreelze, von dem ein treffliches Bildniss im Museum zu Berlin, aus. Letzterem schliesst sich sehr nahe Johann Wilhelm Delft an, von dem sich ein bezeichnetes und von 1592 datirtes Schützenstück mit vielen Figuren, von wahrer Auffassung und tüchtiger Malerei, indess etwas harten Umrissen und schwerer, braunor Färbung des Fleisches, ebenfalls auf dem Rathhause zu Delft befindet. Ihni‘ nahe steht Jacob Delft, von dem das Städel’sche Institut zu Frankfurt ein ausgezeichnetes weibliches Bildniss bewahrt.

Daniel Mytens, im Haag geboren, fand, wie van Sommer, vornelimlieli in England den Schauplatz für seine künstlerische Thä-tigkeit. Im Jahr 1625 nahm ihn Karl I. gegen einen Gehalt von 20 Sterling in seinen Dienst, in welchem er, allem Ansehen nach, auch bis gegen das Jahr 1630 geblieben ist. Um diese Zeit scheint er England verlassen zu haben. In der Auffassung ist dieser Maler von einer einfachen, schlichten Wahrheit, in der allgemeinen Wirkung von grosser Helligkeit, im Fleisch neigt er häufig zu einem feinen Silberton. Seine Ausführung in einem zart verschmolzenen Yortrag ist fleissig. Zwei Hauptwerke von ihm, welche Karl I. und Henriette Maria in jungen Jahren, den Zwerg Sir Geoffrey Hudson, verschiedene Hunde und einen Schimmel, Alles in Lebensgrösse, darstellen, befinden sich auf dem Sitz des Lord Galway, Serlby, in Notinghamshire, und in der Sammlung der Lady Dunmore zu Dunmore Park, unfern der Teste Stirling, in Schottland. Gelegentlieh malte Mytens auch in sehr feiner Weise Bilder in kleinem Maassstabe. Zwei sehr hübsche Beispiele dieser Art, die Portraits Karls I. und seiner Gemahlin, mit architeetonischen Hintergründen von dem älteren Steenwyck, besitzt unter der irrigen Bezeichnung des G. Coques, die Gallerie zu Dresden, No. 965 und 966. Ein anderes Bild, welehes beide Herrscher mit einem ihrer Kinder auf einer Tafel darstellt, befindet sieh in der Gallerie der Königin von England in Buekingham-Palace.

Cornelius Jansens (oder Janson) van Ceulen, geboren zu Amsterdam, im Jahr 1590, ging im Jahr 1618 nach England, welches er erst im Jahr 1648 verliess.Er malte dort vorzugsweise für Karl I. Aueli in Holland fuhr er fort bis zu seinem, im Jahr 1666 zu Amsterdam erfolgten, Tode mit vielem Beifall Bildnisse zu malen. Er war ein Meister von sehr feinem Naturgefühl, geschmackvoll in der Auffassung, warm, fein und klar in der Färbung, und zart in der verschmolzenen Ausführung. In Deutschland besitzt die Gallerie zu Dresden ein männliches und ein weibliches Bildniss von vieler Feinheit, wenn gleich für ihn etwas schwach in der Färbung, vom Jahr 1615, No. 1150 und 1151. Unter den zahlreichen, von ihm in England zerstreuten Bildnissen, nenne ich nur das von Friedrich, Kurfürsten von der Pfalz, in der Gallerie von Hamptoncourt, das der Lady Dorothe Nevil in der Sammlung des Marquis von Exeter zu Burleighhouse, das von Taylor, eines Hofbeamten Karls L, und sein eignes Bildniss zu Longfordcastle, dem Sitz des Lord Radnor. Auch er malte gelegentlich recht hübsche Bildnisse in kleinem Maassstabe. Ein Beispiel dieser Art ist das Bild mit Karl I. und Personen seines Hofes im Greenpark, in der Sammlung der Königin in Buckingham Palace.

Auch die Malerei von Thieren wurde von dieser spätesten Generation zu einer besonderen Gattung ausgebildet, indess doch in der Weise, dass irgend ein biblischer Gegenstand, am häufigsten Adam und Eva im Paradiese, den Namen des Bildes hergeben musste, wenn schon die Thiere bei Weitem die Hauptsache sind. Der namhafteste Meister in dieser Richtung ist der, 1576 zu Courtray geborene, 1639 gestorbene, Roelant Savery.  Seine Bilder, in denen ein sehr brauner Ton vorwaltet, sind häufig mit Thieren zu sehr überladen, die einzelnen indess, meist mit grosser Naturwahrheit, fleissig ausgeführt. Eins seiner Hauptwerke ist das Paradies im Museum, zu Berlin (No. 710). Manche Bilder von ihm, welche wilde Felsengegcnden, worin reissende Thierc hausen, darstellen, haben etwas Phantastisches. Ihm schliesst sich der schon als Genremaler betrachtete Jan Breughel an. Seine Thierstücke verrathen in der Composition öfter den Einfluss von Rubens, und übertreffen die des R. Savery an Klarheit und Wahrheit der Färbung. Gute Beispiele dieser Art gewähren die oben angegebenen Gallerien, so wie die des Louvre. Sein Hauptbild dieser Art ist indess, das Paradies in der Königlichen Gallerie im Haag, No. 25, worin Rubens sehr schön Adam und Eva gemalt hat. Ihm folgte mit grösserer Trockenheit und Härte, Ferdinand van Kessel.

Nach den Nachrichten bei van Mander ist auch die Landschaftsmalerei in dieser Epoche fleissig angebaut worden. Von den Künstlern, welche er in diesem Fache rühmt, einem Franz Minne-broer, Jan de Holländer, Jaques Grimmer, Michael de Gast, Hendrick van Cleef, ist mir indess nie ein Bild zu Gesicht gekommen. Dagegen haben sich einige von Lucas Gassei erhalten, der vor und nach der Mitte des 16. Jahrhunderts blühte. Er setzte die phantastische Weise des .Patinier durch Anbringen seltsamer Felsenformen, und eine übergrosse Zahl trefflich gemachter Einzelheiten fort. In der Färbung hat er indess etwas einförmig Kühles. Eine Landschaft, mit Judas und Thamar staffirt, in der Gallerie zu Wien trägt sein Monogramm und das Jahr 1548.

Andere, mit 1538 und 1561 bezeichnete, BiJder habe ich imPrivat-besitz gesehen. Bei der Veränderlichkeit desselben führe ich sie aber nicht näher an.

Einen erstaunlichen Fortschritt machte die Landschaftsmalerei durch Paul Bril. Er war der Schüler seines älteren Bruders, Mathaeus Bril, welcher 1550 zu Antwerpen geboren, schon 1580 zu Rom starb. Paul, welcher 1556 geboren, ihn früh in Rom aufsuchte, und ihn bald übertraf, führte bis zu seinem Tode im Jahr 1626 in Oel, wie in Fresco eine grosse Anzahl von Landschaften aus. In der Auffassung finden wir bei ihm in seiner späteren Zeit statt des Willkürlichen und Phantastischen das Naturwahre und Poetische. Namentlich aber führt er zuerst eine Einheit der Beleuchtung ein und erreicht dadurch eine ungleich grössere Gesammt-haltung, als bisher. Um zur ganz vollendeten Kunstform durchzudringen sind seine Vorgründe indess meist zu kräftig und einförmig grün, die Fernen zu blau. Dessungeachtet ist der Einfluss, welchen er auf die Landschaften des Rubens, des Annibale Carracci und des Claude Lorrain ausgeübt hat, ein sehr grosser und wohlthätiger, und die Stelle, welche er in der Entwicklung dieser Gattung einnimmt, eine sehr bedeutende. Nur ausnahmsweise und nur in seiner früheren Zeit findet sich auch bei ihm noch das Element des Phantastischen vor, wie in seinem Bau des babylonischen Thurms, im Museum zu Berlin (No. 731).- Wie meisterhaft er später eine allgemeine Beleuchtung durchführte, zeigt eine Morgenlandschaft ebenda (No. 744). Besonders ausgezeichnete Bilder aus dieser späteren Zeit befinden sich im Louvre. Vor allen sind die No. 69, 71 und 73 hervorzuheben.

Lucas vanValkenburg, dem wir hier wieder begegnen, schliesst sich als Landschafter mit seinen Brüdern noch mehr der früheren, auf sehr- grosse Ausbildung des Einzelnen ausgehenden Weise an. Seine Bilder haben öfters etwas Naives und einen eigentümlich poetischen Reiz. Die besten Landschaften von ihm und seinen Brüdern Friedrich und Martin, besitzt die Gallerie zu Wien.

Josse de Momper ist zu Antwerpen, wahrscheinlieh 1559 geboren, und im Jahr 1634, oder 35, gestorben. Obgleich’etwas später als Paul Bril geboren, klebt ihm doch ungleich mehr von der phantastischen Auffassungsweise der früheren Landschaftsmaler an. Er führt uns häufig hohe Gebirge von kühnen Formen in schlagender Sonnenbeleuchtung vor, und ist meist unwahr in der Farbe Und sehr flüchtig und von manierirt-einförmiger Behandlung. Bilder dieser Art von ihm sind sehr häufig und auch in den Gallerten zu Dr’sden und Wien vorhanden. Nur selten und in seiner späteren Zeit erreicht er eine sich der völlig ausgeführten Kuustform annähernde Haltung und Kraft, wie in einer, mit seinem Namen be-zeichneten, Landschaft im Museum zu Berlin, No. 772. Er. hat auch mit Geschick radirt. Der jüngere Peter Breughel, mehrere der Familie Franken, David Teniers der ältere und Henrik van Baien haben gelegentlich seine Landschaften staffirt.

Auch hier begegnen wir dem Jan Breughel, welcher indess gewöhnlich nur die, öfter von Kanälen durchschnittene und mit Bäumen bewachsene, sonst aber flache Natur seines Vaterlandes mit ungemeiner Wahrheit und grosser Ausführlichkeit im Einzelnen, wenn gleich ohne genügende Haltung des Ganzen, darstellte. Vorzugsweise sind kleine Bildchen dieser Art von ihm oft sehr anziehend. Heinrich van Baien und Johann Rothenhammer haben häufig, gelegentlich auch Rubens, seine Landschaften mit Figuren aus der idealen Welt belebt. Landschaften dieses Meisters besitzen die obigen Gallerten sehr vorzügliche. Dem Vorbilde des Jan Breughel schlossen sich Willem van Nieulandt, Anton Mirou und Peter Gyzens an. Ihre Bilder werden öfter mit den seinigen verwechselt, die des zweiten sind indess im Ton des Grüns schwerer und fahler, die des dritten in der Ausbildung der Blätterung magerer und mechanischer.

Endlich dürfen auch die uns schon bekannten Roelant Savery und David Vinckcboons als Landschaftsmaler nicht übergangen werden. Der erste muss zwar dem Jan Breughel an Wahrheit in etwas uaehstehen, übertrifft ihn indess öfter in einem poetischen Naturgefühl, besonders in der Darstellung von Wäldern mit mächtigen Bäumen. Ein treffliches Bild dieser Art besitzt das Museum zu Berlin (No. 749). Vinckeboons, obwohl etwas schwer und trüb im Ton und auch sonst von minder reinem Naturgefühl, als Breughel, hat dagegen vor ihm eine bisweilen grossartige Auffassung der Natur, häufig ein poetisches Gefühl in dem Wiedergeben von einsamen Wäldern, voraus.

Derselben Zeit und Richtung in der Landschaft gehören Alexander Kierings und Hans Tilen an, von denen der erste sich ebenfalls am meisten in der Darstellung von Wäldern, in einem fahlen Grün gefällt, in welchen indess die Zweige der Bäume zu einförmig herabhängen. Bilder von ihnen zu Dresden und Berlin.

Die Seemalerei ist allem Ansehen nach zuerst in Holland, wo sie auch nachmals ihre höchste Ausbildung erreichte, angebahnt worden. Der im Jahr 1566 zu Haarlem geborene Heinrich Cornelius Vroom ist der älteste, bekannte Meister in diesem Fache. Er besuchte Spanien und Italien, wo er in Rom in ein nahes Ver-hältniss zu dem etwas älteren Paul Bril trat, und allem Ansehen nach dadurch in der Kunst sehr gewann. Später besuchte er auch England, wo er für den Grossadmiral, Grafen von Nottingham, eine Zeichnung von der Niederlage der berühmten spanischen Armada ausführte. Von seinen, einst sehr geschätzten, Bildern haben sich jetzt nur wenige erhalten. Ein bezeichnetes, von sehr ansehnlichem Umfange in einem Nebenzimmer des Rathhauses zu Haarlem mit grossen Schiffen und einer Stadt im Hintergründe, zeigt, bei fleis-siger Ausführung und klarer Luft, in dem grünen Wasser, der schwachen Perspective noch einen sehr primitiven Zustand dieses Faches, ein anderes Bild im Museum von Amsterdam, No. 306, ist über-dem auch in der Behandlung zu breit und dekorativ.

Adam Willaerts ist zwar 1577 zu Antwerpen geboren, lebte aber zu Utrecht und starb auch dort, wahrscheinlich im Jahr 1640. Er malte vorzugsweise Seeküsten und Häfen, welche er mit zahlreichen, recht lebendigen Figuren belebte. Er zeigt, ausser einer sorgfältigen Ausführung des Einzelnen, schon ein glückliches Streben nach allgemeiner Haltung, und einen breiten und weichen Pinsel. Nur die Bewegung der Wellen verstand er noch nicht recht zu bemeistern. Ein gutes Bild dieser Art befindet sich im Museum zu Berlin, No. 711. Gelegentlich malte er auch Märkte, Aufzüge und Festlichkeiten. Ein in der Farbe sehr kräftiges, in der Behandlung aber etwas dekoratives Bild von dieser Gattung findet sich im Museum zu Antwerpen, No. 287.

Bonaventura Peters, geb. zu Antwerpen 1614, gest. ebenda. 1653, war ein Seemaler, welcher vorzugsweise das nasse Element in wildester Empörung mit Gewitterstürmen, strandenden, oder vom Blitz getroffenen Schiffen darstellte. Seine Bilder haben häufig etwas Poetisches, sind aber in manchen Theilen, als in den Formen der Berge, der Wolken, der Bewegung der Wellen, öfter sehr unwahr und manierirt. Dagegen haben sie das Verdienst einer grossen Kraft und Klarheit der Farbe, und eines meisterlichen Machwerks. Sie kommen in den Gallonen sehr selten vor, und die von Wien ist die einzige, welche fünf, und zwar sämmtlich bezeichnete, von ihm aufweisen kann. Eins, mit einer, im wüthendsten Sturm scheiternden, Galeere, ist zwar höchst poetisch in der Erfindung, doch sehr manierirt und willkührlich in den Formen. Ein anderes, eine Seeküste bei herannahendem Gewitter, ist in der Beleuchtung gleichfalls sehr poetisch, und von ungemeiner Klarheit, doch, ist die Bewegung der Wellen zu sehr parallel gehalten. Das Gegenstück von diesem, mit einem alten Denkmal am Ufer, leidet, beiübrigen Verdiensten, an der zu willkührlichen Form der Wolken. Zwei andere Gegenstücke, von 1645 datirt, eine von Türken bestürmte, venezianische Vestuiig mit einer springenden Mine, und ein befestigter Seehaven zeigen indess, bei ausserordentlicher Klarheit, eine feinere Ausbildung.

Jan Peters, geh zu Antwerpen 1625, gest. 1677, ein Bruder des vorigen, malte ebenfalls, und zwar mit gutem Erfolg, ähnliche Gegenstände. Ein unter seinem Namen in der Pinakothek zu München befindliches Bild eines heftigen Seesturms mit, an einem Felsgebirge , scheiternden Schiffen, ist schön componirt und beleuchtet. Die zu braunen Felsen und das Durchwachsen der braunen Unter-tuschung im Wasser thun indess der Wahrheit und der Haltung Eintrag.

Verhältnissmässig sehr früh gelangte die Architekturmalerei als ein besonderer Zweig zur Ausbildung. Der, 1527 zu Leeuwarden geborene, Jan Fredeman de Vries, welcher ein wissenschaftliches Studium der Werke des Vitruv und des Serlio machte, legte sich mit ungemeinem Erfolg auf diese Art der Malerei, indess doch in der Weise, dass sich, wie wir dieses schon bei anderen Gattungen gesehen, in den Vorgründen seiner Bilder Figuren befinden, welche scheinbar den eigentlichen Gegenstand derselben ausmachen, während doch das Hauptgewicht auf die reichen, architektonischen Räumlichkeiten gelegt ist, in denen nicht allein die Gesetze der Linien-, sondern auch der Luftperspective mit vielem Erfolg beobachtet sind, und welche sich überdem durch einen feinen und klaren, meist kühlen Ton auszeichnen. Das mir von ihm bekannte Hauptwerk sind eine Reihe von Bildern in der schönen Sommerrathsstube des Rathhauses zu Danzig, in denen allerdings die Figuren in dem manierirten Geschmacke seiner Zeit befangen sind.

Noch mehr wurde dieses Fach von seinem, im Jahr 1550 geborenen Schüler Hendrik van Steenwyck, welcher im Jahr 1604 starb, ausgebildet. Er malte meist in kleinem Maassstabe das Innere von gothischen Kirchen. Seine Bilder sind häufig durch Figuren in der Tracht seiner Zeit von Mitgliedern der Familie Fran-cken belebt. Er war einer der ersten, welcher, und zwar mit sehr guten Erfolg, die Wirkung von Fackel – ‚ und Kerzenlicht auf die architektonischen Formen darstellte. Die genaue Beobachtung der Linien, wie der Luftperspective verleiht seinen Gemälden einen bleibenden Werth. Die einzelnen architektonischen Glieder haben indess meist etwas Hartes und Metallenes. Vortreffliche Bilder von ihm befinden sieh in der Gallerie zu Wien.

Der ausgezeichnetste unter seinen Schülern war der 1570 zu Antwerpen geborene, und um 1651 gestorbene Pieter Neefs. Er arbeitete ganz in der Weise seines Meisters, übertraf aber diesen noch, besonders in der Kraft und Wärme des Tons, in der Wahrheit seiner nächtlichen Beleuchtungen, und in seiner späteren .Zeit in der Breite und Weiche des Vortrags. Ein treffliches Beispiel dieser Art befindet sich im Louvre, No. 346, welcher, so wie die Gallerie in Wien auch andere ausgezeichnete Bilder von ihm bewahrt. Viele seiner Bilder werden durch Figuren des jüngeren Frans Francken, des Jan Breughel und des älteren David Teniers belebt. Sein Mitschüler Hendrik van Steenwick der jüngere, der Sohn des Obigen, malte in einem kühleren Ton und steht überhaupt unter ihm. Dasselbe gilt auch von seinem Sohn und Schüler, Pieter Neefs dem jüngeren. Von beiden finden sich sehr gute Bilder in der Gallerie zu Wien, von ersterem auch ein grösseres im Museum zu Berlin.

Unabhängig von diesen bildete sich der, etwa von 1610—1630 blühende, Bartholomäus van Bassen aus. Er malte vorzugsweise das Innere von Kirchen im Geschmack der Renaissance und Festsäle von derselben Art. Seine Bilder wurden häufig von dem jüngeren Frans Francken mit Figuren geschmückt. Wiewohl er in der Linearperspective recht geschickt und in der Ausführung des Einzelnen sehr fleissig ist, so lassen doch seine Bilder in der Luftperspective viel zu wünschen übrig, sind öfter bunt in der Wirkung und hart in den Formen. Zwei Bilder von ihm, eine Kirche und «in Saal, befinden sich, No. 695 und 755, im Museum zu Berlin.

Auch die Anfänge der Malerei von Blumen und Früchten, als einer besonderen Gattung, fallen in das Ende dieser Epoche, und zwar ist es wieder Jan Breughei, dem wir hier begegnen. In seinen verhältnissmässig seltnen Blumenstücken findet man eine liebevolle und in Form und Farbe sehr getreue Nachahmung der einzelnen Blumen, doch ist die Gesammtwirkung bunt und ohne alle Haltung. Ein Hauptwerk dieser Art ist ein sehr grosser Blu-menstrauss in der Pinakothek, No. 226 Cabinette, ein anderes ein grosser Blumenkranz im Louvre, in dessen Mitte Rubens eine Maria mit dem Kinde gemalt hat, No. 429, ein drittes endlich in der Gal-lerie zu Wien.

Obwohl die Miniaturmalerei in dieser Epoche, bei dem Vorhandensein so vieler Denkmale von grösserem Umfang, die Bedeutung, welche wir ihr in früheren Epochen zugestehen mussten, verloren hat, sind doch zwei belgische Künstler in der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts in diesem Zweige der Malerei so ausgezeichnet, und in ihrer Zeit so berühmt gewesen , dass ich sie nicht mit Stillschweigen übergehen kann.

Hans Bol, 1535 zu Mecheln geboren, hatte sich in seiner früheren Zeit auf die Ausführung grösserer Bilder in Leimfarben gelegt, sich aber später ausschliesslich der Miniaturmalerei gewidmet, und eine sehr grosse Anzahl von Arbeiten in dieser Weise ausgeführt. Er starb zu Amsterdam im Jahr 1591. In seinen Vorstellungen aus dem Gebiete der Historienmalerei findet sich der manie-rirte Geschmack der Schule des Franz Floris, in seinen ungleich zahlreicheren Landschaften mit Figürchen aus dem Leben verbindet er indess eine malerische Auffassung, eine gute Zeichnung mit einer höchst fleissigen und geschickten Ausführung. Nur herrscht häufig ein zu kaltgrüner Gesammtton vor und fehlt es an allgemeiner Haltung. Durch grosse Treue zeichnen sich seine Bildnisse, seine Thiere, seine Früchte und Blumen aus. Er bediente sich gleich den früheren Miniaturmalern der Guaschfarben. Er hat verschiedentlich nach alter Weise Manuscripte mit Miniaturen geziert, sehr häufig aber auch einzelne Blätter, meist kleine Landschaften, gemalt. Als Beispiel der ersten Art führe ich ein, im Jahre 1582 ausgeführtes, sehr kleines Gebetbuch in der Kaiserlichen Bibliothek in Paris an, Supplement latin No. 708, von der zweiten Gattung finden sich schöne Bildchen in dem Kabinet der Miniaturen in München, und auf dem Kupferstichkabinet in Berlin vor. Hans Bol hat auch eine massige Zahl von Blättern nach seinen eignen Erfindungen mit vielem Geschick radirt.

Jooris Hoefnagel, im Jahr 1545 in Antwerpen geboren, genoss den Unterricht des Hans Bol, wurde aber, in Folge einer sehr sorgfältigen Erziehung, ein Künstler von ungleich grösserer Vielseitigkeit als jener. Er bereiste Frankreich, Spanien, Italien und Deutschland, wo er früher in den Diensten des Herzogs von Baiem in München, später in denen des Kaisers Rudolph II. in Prag stand, jedoch in Wien lebte, wo er auch im Jahr 1600 starb. Bei einer seltnen Leichtigkeit im Zeichnen und einem unermüdlichen Fleiss, ist die Zahl der auf jenen Reisen von allen möglichen Gegenständen gemachten Zeichnungen, wie der von ihm ausgeführten Miniaturen, erstaunlich gross, und sie umfassen alles Darstellbare, heilige und weltliche Geschichte, Gegenden, Thiere, Pflanzen, Blumen, Früchte, Edelsteine, Perlen u. s. w. Er verzierte vorzugsweise, nach der alten Art und Technik, Manuscripte. Am berühmtesten darunter ist ein, jetzt in der Kaiserl. Bibliothek zu Wien vorhandenes, römisches Missale (Ko. 1784), welches er für den Erzherzog Ferdinand, Herrn von Tyrol, geschmückt und woran er vom Jahr 1582 —1590, mithin acht Jahr, gearbeitet hat. Man lernt hieraus den Künstler als einen sehr gebildeten Eklektiker kennen, welcher sowohl die geistigen Beziehungen der früheren Zeit, als die verschiedenen Arten der Verzierung und die Techniken derselben gekannt, und mit ungemeinem Geschick in Anwendung gebracht hat. Dabei ist ihm eine bisweilen sinnreiche, öfter aber gesuchte Mystik eigen und verfällt er häufig in das Ueberladene und Geschmacklose. Man findet gelegentlich bei ihm noch die sinnbildlichen Vorstellungen der Armenbibel, in den historischen Vorstellungen die Benutzung der Motive von Raphael und von anderen Künstlern, in den Ornamenten, abwechselnd die frühere Weise der niederländischen, der deutschen und italienischen Miniaturmaler, in der höchst meisterlichen Behandlung endlich ein glückliches Studium der Miniaturen des berühmtesten Malers dieser Art in Italien im 16. Jahrhundert, Don Giulio Clovio. Käehstdem sind noch zwei, für den Kaiser Rudolph II. ausgeführte Werke anzuführen, deren eins in vier Büchern die gehenden, die kriechenden, die fliegenden und die schwimmenden Thiere, das andere, verschiedene andere Materien behandelte. Häufig führte Hoefnagel aber auch einzelne Blätter aus, wovon ich als Beispiel die 1573 datirte Verherrlichung der spanischen Monarchie in der Bibliothek zu Brüssel anführe. Die vielen emhlematischen Vorstellungen sind in dem gesuchten, stil- und geschmacklosen Geist der Zeit, die Ausführung aber von einer unsäglichen Mühe und Feinheit.

Text aus dem Buch: Handbuch der deutschen und niederländsichen Malerschulen (1862), Author: G.F. Waagen.

Siehe auch:
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen – Vorrede
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen – Erstes Kapitel von 800-1150
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen – Zweites Kapitel von 1150-1250
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen – Der Germanische Stil
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen – Ausbildung der eigentlichen selbständigen Malerei
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen – vollständige Ausbildung des germanischen Kunstnaturells im Geiste des Mittelalters
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen – Die Schule der Brüder van Eyck his gegen Ende des 15. Jahrhunderts
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen – Die Schule der van Eyck bis zu ihrem Ausgange
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen – Die deutschen Schulen in ihrem Übergange von der Kunstweise der vorigen Epoche zum Realismus bis zum Jahr 1460
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen – Die deutschen Schulen in der realistischen Richtung der van Eyck’schen Schule von 1460-1500
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen – Die Schule von Köln und dem Niederrhein
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen – Die deutschen Schulen in der vollständigen Entwicklung ihrer Eigenthümlichkeit Von 1500-1550
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen – Die fränkischen Malerschulen
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen – Sächsische Maler
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen – Die schwäbische Schule
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen – Die Malerei am Niederrhein und in Westphalen

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    3. September 2015

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