Hans Holbein der Jüngere-Aus der Folge der Basler Frauentrachten

Fünf getuschte Federzeichnungen bilden die Folge der „Basler Frauentrachten“, die schon im Amerbachschen Inventar als zusammengehörig „jedes auf ein Quartbogen von Reall“ aufgezählt werden. Sie fallen in die Frühzeit des ersten Basler Aufenthaltes und tragen die unverkennbaren Merkmale einer noch nicht zu voller Reife entwickelten Kunst an sich. Die Zeichnung hat bereits die scharfe Prägung, aber sie ist nicht fesselnd und auch nicht fehlerfrei, und die malerische Behandlung leidet unter derselben drückenden Schwere und Unbeholfenheit, wie das Doppelbildnis des Meyerschen Ehepaares von 1516. Holbein besitzt die unbehinderte Ausdrucksfähigkeit des bewegten menschlichen Körpers noch nicht, und wenn auch die gezwungene Haltung von der Absicht herrühren mag, dem Beschauer das Kleid in seiner Pracht zu zeigen, so bleibt der Mangel an Belebung und an abwechslungsreicher Linienführung bestehen.

Wie reich hat der Meister in späteren Jahren dasselbe Motiv des gerafften Kleides durchgebildet und der schönen Trägerin gleichzeitig Eleganz und Grazie zu verleihen vermocht.

Die Dame mit dem Federhut trägt das gleiche Kleid, in welchem sich des Bürgermeisters Frau, Dorothea Kannengießer, malen ließ; das Mieder mit Streifen, Schnüren und Zottelnbesatz. Eine zweite Figur der Folge paradiert mit ihrer Haube aus goldgewirkten Streifen. Nach der Frau Bürgermeister hat Holbein seine beiden Bürgersfrauentrachten gezeichnet; für die adelige Dame ist ein anderes Modell, eine schöne, leichtfertige Erscheinung festzustellen, die er später als Lais Corinthiaca gemalt hat. Das feingeschnittene Oval des Gesichtes, von einer Fülle prächtiger Haare umrahmt, stimmt wie der hochgewachsene Körper mit den drei anderen Kostümfiguren überein. Auf dem einen trägt sie ein Halsband mit der Umschrift „AMOR“, auf dem anderen die Buchstaben M. O. mehrmals wiederholt. Magdalena Offenburg, die Mutter der Dorothea, ist zur selben Zeit auch von Urs Graf gezeichnet worden, der ihren Lebenswandel mit einer unanständigen Beischrift gekennzeichnet hat.

Siehe auch:
Hans Holbein der Jüngere-Der abergläubige Bilderkultus
Hans Holbein der Jüngere-Der abergläubige Bilderkultus
Hans Holbein der Jüngere-Vorzeichnung zum Bildnis des Bürgermeisters Jakob Meyer von Basel