Haussperling

 Haussperling – Pásser domésticus (L.)

Der männliche Haussperling ist im Sommer ein entschieden schön gefärbter Vogel Die im Winter durch fahle Säume verhüllten bunten Zeichnungen treten dann in scharfen Gegensätzen hervor. In der Großstadt freilich bleibt er das ganze Jahr ein schmutziger, unscheinbarer Aschenputtel oder gar ein rußiger Schornsteinfeger. Als Singvogel verdienen die Sperlinge die Note: „Gänzlich ungenügend“. Nicht einmal dem Weibchen scheint das erregte: „Schilp Schilp“ zu gefallen. Wenigstens beißt es die fremden Männchen, die es huldigend umtanzen, ärgerlich weg, als wollte es sagen: „Geht fort, ihr albernen Gecken!“ Mehrmals habe ich bei dieser oder der folgenden Art gesehen, daß es einen von ihnen beim Schwanz nahm und ihn so lange freischwebend in der Luft hielt, bis ihm alle Singgelüste vergangen waren.

Name: „Passer“: lat. Name für Sperling, „domesticus“ von domus Haus, „(L.)“ von Linné benannt.

Vorkommen: Fast nur bei menschlichen Ansiedlungen brütend, nach Nahrung in Felder und Alleen weit hinausstreifend. Artmerkmal: Kopfmitte grau, kein schwarzer Wangenfleck.

Größe: Allbekannt. Flügel etwa 7,6—8,6 cm. Gewicht bis 34 g. Weibchen: Ohne bunte Kopfzeichnung.

Junge: Dem Weibchen ähnlich, Herbstvögel mit trüben Federspitzen, daher Männchen im Alter und im Sommer viel schöner.

Lockton: „Schilp“ usw.

Gesang: Schilpen begleitet den Balztanz. Einzelgesang „Dieb Dürr“ usw.

Eier: Etwa 5—6, weißlich, dunkel gefleckt, oft ein Ei heller, von April an.

Nest: Stroh- und Grashalme mit Federpolster, in Höhlen oder frei.

Nistplatz: Mauerlöcher und ähnliche Schlupfwinkel, seltener freistehendes Kugelnest auf Bäumen und im wilden Wein. (Gern in Nestern der Mehlschwalbe und an Storchnestern.)

Nahrung: Getreide, Straßenabfälle, Insekten, Kirschen, Trauben usw. Standvogel: lm Winter gesellschaftlich auf Nahrungssuche und an Schlafplätzen.

Nördliche Form der Verwandtschaftsgruppe (Realgattung) Lóxia*) Passer, mehr ein unfreiwillig von der Kultur begünstigter Parasit als ein Glied der freien Natur, also kein im vollen Sinne wilder Vogel, daher Weltverbreitung abnorm.

*) Die Finkenvögel, von Linne als Loxia und Fringilla zusammengefaßt, zeichnen sich durch den kegelförmigen Körnerfresser- (Kernbeißer-) Schnabel aus, dessen Spitze aber in der verschiedensten Weise gestaltet, gleichsam ausgezogen ist. Die Sperlinge (Passer) unterscheiden sich durch Eier, Nestbau und geringe Gesangsleistungen sehr von den anderen Finken. Gattungs- und Realgattungsnamen schreibt man groß.

Siehe auch:
Die Singvögel der Heimat – Einleitung

Ein Ausspruch Kants über den ästhetischen Wert der Singvögel.

Die „Natur, die keinem Zwange künstlicher Regeln unterworfen ist,“ kann dem „Geschmacke für beständig Nahrung geben“. — „Selbst der Gesang der Vögel, den wir unter keine musikalische Regel bringen können, scheint mehr Freiheit und darum mehr für den Geschmack zu enthalten als selbst ein menschlicher Gesang, der nach allen Regeln der Tonkunst geführt wird; weil man des letztem, wenn er oft und lange Zeit wiederholt wird, weit eher überdrüssig wird. Allein hier vertauschen wir vermutlich unsere Teilnehmung an der Lustigkeit eines kleinen beliebten Tierchens mit der Schönheit seines Gesanges, der, wenn er vom Menschen (wie es mit dem Schlagen der Nachtigall bisweilen geschieht) ganz genau nachgeahmt wird, unserem Ohre ganz geschmacklos zu sein dünkt“

Text und Bild aus dem Buch: Die Singvögel der Heimat (1921), Author: Kleinschmidt, Otto.

5 Comments

  1. […] Feldsperling ist zwar als unerwünschter Gast in künstlichen Nisthöhlen noch mehr gehaßt als der Haussperling, aber mit seinem weißen Halsring ist er doch ein possierlicher, schmucker kleiner Kerl von […]

    30. Januar 2016
  2. […] auch: Die Singvögel der Heimat – Einleitung Haussperling Feldsperling Steinsperling Heckenbraunelle Edelfink Bergfink Kernbeißer Grünling Stieglitz […]

    30. Januar 2016

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