Herbertshöhe

Der Sitz der Zentralverwaltung der Südsee-Schutzgebiete ist nunmehr endgültig von Herbertshöhe nach Simpsonhafen, bezw. nach dein auf einer Anhöhe hinter Simpsonhafen gelegenen Rabaul verlegt worden.

Es ist also anzunehmen, dass die weisse Bevölkerung dieser entthronten Residenz, die am 1. Januar 1909 im ganzen 386 Köpfe betrug, nun erheblich zurückgegangen ist, da eine Reihe von Beamten den Platz verlassen hat.

Ob Herbertshöhe auch sonst an Bedeutung verlieren wird, muss die Zukunft lehren. Einstweilen gibt es in seiner Umgebung noch eine Reihe von Pflanzungen, und die Niederlassungen der europäischen Firmen, die hier arbeiten, u. a. der Neu-Guinea-Compagnie und der Bismarck-Archipel-Gesellschaft, die aus dem Pflanzugsunternehmen der Firma Forsayth hervorgegangen ist, sichert Herbertshöhe immerhin eine gewisse Bedeutung.

Herbertshöhe ist im Jahre 1899 gegründet worden, als die Verwaltung der Kolonie aus den Händen der ehemals souveränen Neu-Guinea-Compagnie in die des Reiches übergegangen war, und es ratsam schien, als Sitz der Verwaltung einen Platz zu wählen, der mehr im Mittelpunkt des ausgedehnten Inselgebiets der deutschen Südsee gelegen ist. Herbertshöhe liegt an der Nordspitze der Insel Neu-Pommern an der Blanche-Bucht. Seine Lage ist ausserordentlich reizvoll. Unter schlanken Kokospalmen, meist unmittelbar am Strande liegen die weissen
Der aufgegebene Gouvernementssitz von Neu-Guinea.

Häuser der Verwaltung, die Wohnungen der Beamten, Pflanzer und Kaufleute. Dahinter steigt das Gelände zu mässiger Höhe an, von der das entzückte Auge rückwärts über eine dicht bewaldete Berglandschaft, vorwärts über die Blanche Bucht hinüber zu der Vulkangi uppe der Mutter, „Nordtochter und Südtochter“ auf der Gazellenhalbinsel schweift. Herbertshöhe steht auf sehr unsicherem Grunde in einer ausserordentlich vulkanischen Gegend, in der Erdbeben etwas beinahe Alltägliches sind. Der neue Gouvernementssitz in Rabaul ist übrigens in dieser Hinsicht nicht besser daran. Vom Strande, von der Landungsbrücke führt eine kleine Feldbahn nach den Anlagen der Neu-Guinea-Compagnie. Im übrigen sind die örtlichen Verkehrsmittel sogenannte Buggies, kleine zweirädrige Wägelchen, mit australischen Pferden bespannt. Besonders an den Dampfertagen — etwa alle 14 Tage — wenn die Schiffe des Norddeutschen Lloyd den einsamen Südseeinseln einen Besuch abstatten, kommen die Pflanzer und Kaufleute der Umgegend auf diesen Vehikeln in Scharen zusammengeströmt, um ihre Post zu holen, Neuigkeiten auszutauschen und — last not least — Fassbier zu trinken, eisgekühltes Fassbier, ein langentbehrter Genuss in jenen Breiten. In nächster Zeit wird natürlich der Verkehr in Herbertshöhe etwas geringer sein und das einzige Hotel am Platz wird das Fehlen der Beamten vorläufig spüren.