Indianerleben – Vom Matacoindianer Na-yás erzählte Sagen

Der Raub des Feuers

(Alle Überschriften der Sagen sind von mir erfunden, um den Inhalt ungefähr wiederzugeben.)

Wie erzählt wird, hat der Jaguar das Feuer bewacht, bevor die Matacos es erhielten. Es wird erzählt, daß man fischen ging. Alle Matacos waren fischen gegangen und ein Meerschweinchen besuchte, wie erzählt wird, die Jaguare und brachte ihnen einen Fisch mit. Es wird erzählt, daß es zum Feuer hingehen wollte. Es wird erzählt, daß der Jaguar das Feuer bewachte und ihm keinen Feuerbrand abgeben wollte. Es wird erzählt, daß das Meerschweinchen heimlich etwas von dem Feuer mitgenommen hatte. Der Jaguar fragte es, was es mitnehme. Es sagte, es habe nichts. Es wird erzählt, daß es sich fortbegab. Als die Fischer kamen, hatte das Meerschweinchen ein großes Feuer angemacht und die Fische in einem Augenblick gebraten. Als die Fischer weggingen, hatte das Gras angefangen zu brennen. Es wird erzählt, daß die Jaguare angesprungen kamen, als sie das Feuer sahen, und daß sie Wasser zum Löschen desselben mitgebracht hatten. Als die Fischer wiederkamen, machten sic von den Feuerbränden, die sie mitgenommen hatten, Feuer an. Nachher waren sie wieder gegangen, und seitdem ist das Feuer nicht erloschen. Jetzt fehlt keinem Mataco das Feuer.

Die Frau, die sich mit den Hunden verheiratet hat.

Eine Frau hatte einen Sohn und eine Tochter. Der Sohn verheiratete sich mit der Tochter1) und die Frau verheiratete sich mit den Hunden und verschwand. Mit den Hunden hatte sie fünf Kinder. Diese rodeten den Wald und säten Kürbis. Als die Tochter im Walde war, kam sie zu der Rodung und wollte Kürbisse gegen Schmucksachen ein-tauschen. Sie antworteten, sie wären von demselben Stamme und wollten nicht Kürbisse gegen Schmucksachen tauschen, sondern sie schenkten ihr Kürbisse (Zapallo).

Die große Feuersbrunst.

Vor langer Zeit brannte alles, der ganze Chaco brannte. Die Mataco retteten sich unter dem hohen Schilf am Flußufer. Dort blieben sie sehr lange. Als sie herauskamen, war alles verbrannt. Dort war kein Quebracho, kein Algarrobo,  kein einziger Baumstamm. Sie glaubten zuerst nicht, daß es dasselbe Land sei, als aber dieselben Pflanzen zu wachsen begonnen, wie an den Plätzen, wo es gebrannt hatte, verstanden sie, daß es dasselbe Land war.

Der Maisraub.

Das Kugelgürteltier bewachte die Maissamen. Ein Wildschwein war in die Acker der Kugelgürteltiere gedrungen und stahl, da diese dem Wildschwein keinen Mais geben wollten, den Mais und die Kugelgürteltiere töteten das Wildschwein.

*) Eigentümlicherweise werden in den Indianersagen, wie wir finden werden, nicht selten Geschwisterchcn erwähnt, obschon solche nie bei den Indianern Vorkommen. Wir werden weiterhin mit einigen ähnlichen Fällen Bekanntschaft machen. Es ist kaum denkbar, daß diese Sagen so weit zurückgehen, daß sie aus einer Zeit stammen, wo die Geschwisterehe erlaubt war.

Der Sohn des Chuna.

Die Kara-kara sind die Chuna hatten mit den schwarzen Geiern und den Flamingos gekämpft. Die Kara-kara-Vögel hatten mit Pfeilen, die Chuna mit Boleadoras, die schwarzen Geier und Flamingos mit Pfeilen gekämpft. Die schwarzen Geier und die Flamingos waren besiegt worden. Die schwarzen Geier waren ohne Haut am Kopf und die Flamingos ohne Haut an den Beinen entkommen. Kein Kara-kara oder Chuna war verwundet worden.

Ein Chuna hatte sich verheiraten wollen, die Frauen wollten ihn aber nicht, weil er so schmale, schwarze Beine hatte. Fs wird erzählt, daß er einen Haufen Sperma auf dem Boden zurückgelassen hat.

Die Frauen der Chuna waren Fruchte suchen gegangen und hatten das Sperma gefunden. Eine hatte es aufgegessen und wollte den anderen nichts davon abgeben. Es wird erzählt, daß sie nach drei Tagen schwanger war und nach weiteren drei Tagen ein Kind geboren hatte, aber noch wußte niemand, wer die Frau schwanger gemacht hatte. Nach zwei Tagen war der Knabe groß und niemand wußte, wer sein Vater war. Es wird erzählt, daß viele herbeikamen, um den Knaben zu sehen. Es wird erzählt, daß er weder von den Kara-kara-Vögeln noch von einem anderen Spielzeugbogen und Pfeile annehmen wollte. Sie versuchten, ihm Pfeile und Spielzeugbogen zu geben, er nahm sie aber nicht.. Der Chuna war gekommen, um ihm Pfeile und Spielzeugbogen zu geben, und er nahm sie. Sie wußten nun, wer sein Vater war.

Als die Matacos und die Christen die Welt teilten.

Vor langer, langer Zeit gab es keine Christen, sondern alle, die Vorväter der Matacoindianer wie der Christen, lebten in einem Hause. In diesem war alles. Dort gab es Äxte und Werkzeug und Pferde und Vieh und schöne Kleider für die Frauen. Die Vorväter der Christen nahmen die Äxte, das Werkzeug, die Pferde, das Vieh und die schönen Kleider für die Frauen und gingen weg und ließen für die Matacos nur Tonkrüge, Hunde und andere schlechte Sachen zurück. Deshalb haben die Christen jetzt Äxte, Werkzeug, Pferde, Vieh, schöne Kleider für die Frauen und die Matacos sind arm und haben nur Tonkrüge, Caraguatätaschen und Hunde. Diese moderne Sage hat hier eine große Verbreitung. Ich kenne sie z. B. auch vom Rio Parapiti, wo sie mir in etwas verschiedener Form von den Chanes erzählt wurde.

Der Fuchs und der Stier.

Es wird erzählt, der Fuchs habe den Stier eingeholt. Es wird erzählt, daß er Feuer vor den Stier getragen hat. Es wird erzählt, daß er gesagt hat, er wolle dem Stier die Steine abschneiden. Wiederum hatte er Feuer angemacht und den Stier verfolgt, indem er sagte, daß er dem Stier die Steine abschneiden wolle. Der Stier war zuletzt ermüdet, aber er hat ihm nichts abgeschnitten. Es wird gesagt, daß er gesagt hat: Warum soll ich ihn verfolgen, ich will ihm nichts abschneiden, und ließ die Füchse ärgerlich zurück. Die Füchse haben geweint, da sie hungrig waren. Sie gingen dann und suchten Tusca und Algarrobo. Diese Sage ist beinahe unbegreiflich. Mit Steine abschneiden meint man wohl töten. Die Sage dürfte ganz modern sein.

Ehrenreich hat nachgewiesen, wie Sagen mit fremden Elementen aus Nordamerika nach Südamerika eingewandert sind. Boas und Bogoras haben früher den Zusammenhang zwischen den nordamerikanischen und den nordasiatischen Sagen dargetan. Von den hier von den Matacos angeführten Sagen ist besonders eine, die von diesem Gesichtspunkte aus von Interesse ist. Es ist die von dem Sohn des Clmna. Die eigentümliche Zeugung sowie die Art der Erforschung der Vaterschaft stimmt besonders mit der Osttupi-Variation1) dieser Sage überein. Auch dort wurde der als Vater betrachtet, von dem der Knabe Pfeil und Bogen annahm.

Ehrenreich hat gezeigt, wie diese Sage, besonders die peruanische Variation, auf ganz merkwürdige Weise mit einer von Bastian aus Siam aufgezeichneten Sage übereinstimmt. Möglicherweise zeigt uns das Vorkommen der Sage bei den Matacos den Weg, den sie von Peru zu den Osttupis in Brasilien gewandert ist. Wie sie von Siam nach Peru gekommen ist, ist eine Frage, die Ehrenreich offen läßt. Es ist wohl eine für künftige Ethnologen hart zu knackende Nuß.

Sollte mich etwas Besonderes nach dem Rio Pilcomayo zurücklocken, so wäre es das Studium der religiösen Vorstellungen dieser Indianer. Es gibt viel, was sie mir nicht haben mitteilen wollen. Was ist beispielsweise der oben von mir beschriebene mystische Gesang bei der Zubereitung des Tuscabieres anders als eine religiöse Zeremonie. Des Nachts hörte ich zuweilen in den Hütten Gesang zum Takte der Klappern. Als ich hineinging, wurde alles still. In aller Freundschaft hatte man mir die Tür gewiesen. Warum setzten sie auf die elende Tontrommel, ein mit Wasser zur Hälfte angefülltes Tongefäß, über welches ein Fell gespannt ist, einen so großen Wert, wenn sie nicht heilig wäre? Die Matacos wollten die Trommel nicht hergeben, denn dann stirbt einer. Wie von Rosen, ist es auch mir gelungen, von den Chorotis eine solche Trommel zu erhalten, von den Matacos ist es unmöglich. Es scheint mir, als ob bei den verschlossenen Matacoindianern1) das Religiöse eine größere Rolle spielt, als bei den heiteren, sorglosen Chorotiindianem. Will man die Religion dieser Indianer studieren, so muß man sehr lange bei ihnen verweilen und alle Gedanken an eine Expedition zur Heimführung großer Sammlungen aufgeben. Weiterhin in diesem Buche werde ich die religiösen Begriffe eines anderen höherstehenden Indianerstammes, die ich zu verstehen glaube, schildern. Wie interessant wäre es gewesen, Vergleiche mit den niedrigerstehenden anstellen zu können.

Text aus dem Buch: Indianerleben (1912), Author: Nordenskiöld, Erland.

Siehe auch:
Indianerleben – Einleitung
Indianerleben – Reise nach dem Arbeitsfeld
Indianerleben – Der Calilegua
Indianerleben – Unter den Indianern am Rio Pilcomayo
Indianerleben – Unter den Indianern am Rio Pilcomayo (Fortsetzung)
Indianerleben – Das Indianerhaus
Indianerleben – Der Kampf ums Dasein
Indianerleben – Indianerkinder
Indianerleben – Männer und Frauen
Indianerleben – Trinkgelage
Indianerleben – Das Tabakrauchen
Indianerleben – Medizinmänner, religiöse Vorstellungen

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    9. Januar 2016
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    10. Januar 2016

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