Jagd und Jägerheim in Ostafrika

Von Dr. Paul Rohrbach.

Die Frage nach der Zukunft des afrikanischen Wildes, vor allem des „Grosswildes“, ist mehr als einmal gestellt und in der widersprechendsten Weise beantwortet worden. Am meisten Aufsehen vielleicht hat jene Rede Robert Kochs gemacht, die der berühmte Bakteriologe vor zwei Jahren in Gegenwart des Kaisers auf der Tagung des Deutschen Landwirtschaftsrats hielt und in der er nicht mehr und nicht weniger verlangte, als die Ausrottung aller grossen Antilopen zunächst in Ostafrika (und folgerichtigerweise schliesslich im ganzen Innern des Kontinents). Wäre es nicht gerade Koch gewesen, der diesen vom Standpunkt des passionierten Jägers aus betrachtet, ganz ungeheuerlichen Satz aussprach, so hätte wahrscheinlich kein Lexikon weidmännischer Kraftworte hingereicht, um die Entrüstung aller an Afrika interessierten Nimrode auszudrücken. So begnügte man sich mit dem Versuch, nachzuweisen, dass Koch mit seiner These, das Grosswild verbreite die Viehseuchen und müsse darum abgeschossen werden, unrecht habe. Es ist aber schon richtig, dass die Rinderpest 1896/97 dadurch nach Südwestafrika kam, dass die Kudu- und Elenantilopen in der Kalahari krank wurden und dadurch das Weidefeld auch für die Rinder verseuchten. Sir Charles Eliot, der frühere Gouverneur von Britisch-Ostafrika und Uganda, pflegte bekanntlich zu sagen: Wenn auch die Sportsleutc im Londoner Klub noch so viel Schauer überliefen, so könne er es doch nur natürlich finden, wenn seine Farmer die Löwen, die ihnen ihre Viehzucht vernichteten, zu vergiften suchten, wo und wie es nur ginge. — Man kann nicht gut in demselben Strich Mais pflanzen und Nashörner oder Zebras hegen. Und schliesslich ist viel Mais doch noch notwendiger, als viele Zebras. Wie sehr das afrikanische Wild unter Umständen dem Farmer schädlich werden kann, das habe ich z. B. 1905 im alten Oranje-Freistaat gesehen.

Damals waren die Buren noch entwaffnet, und die Springböcke nahmen auf einzelnen eingezäunten Farmen so überhand, dass sie ordentlich die Herren spielten. Ein Trupp von hundert Stück frass von der Weide für dreihundert Schafe und zertrampelte für tausend; und wenn man mit der Karre durch die Farm fuhr, so galoppierten die Springböcke ein paar hundert Schritt seitwärts oder voraus und sahen sich dann ruhig um.

Ein Land, das wir besiedeln wollen, kann also nicht gleichzeitig in alle Ewigkeit den Charakter von Jagdgründen der Seligen behalten. Auf der andern Seite haben der Jagdsport und die Notwendigkeit, die Typen des afrikanischen Wildes nach Möglichkeit lange am Dasein zu erhalten, auch ihr Recht. Wie schnell es mit ihrer Vernichtung geht, beweist das Beispiel Südafrikas. Mir erzählte der alte Farmer Redecker in Otjimbingue, dass ihm noch 1871 ein Trupp Burenjäger bei Gobabis seine ganze Fracht Waren gegen Elfenbein abkauften, nachdem sie dazu vor seinen Augen im sumpfigen Tal des Nosob eine Herde Elefanten zusammengeschossen hatten. Und erst 1884 soll der letzte Elefant bei Okahandja gestreckt worden sein. Sowohl die englische als auch die deutsche Regierung haben Wildreservate eingerichtet, von denen sich das grossartigste einige hundert Meilen an der Ugandabahn entlang ausdehnt.

Hier ist durch das streng gehandhabte Schutzgesetz auf bestimmtem Raum noch einmal jener Zustand künstlich zurückgerufen, der vor dem Erscheinen des Europäers in den Hochgrassteppen von Ost- und Südafrika bestand Britisch-Ostatrika gilt aber auch dort, wo keine Wildreservate sind, unsrer Kolonie gegenüber als das bessere Jagdgebiet — und wenn nicht1 als das bessere, so doch jedenfalls als das bequemer zu erreichende. Samassa schreibt in seinem trefflichen Buch über die Besiedlung Deutsch-Ostafrikas, dass die gegenwärtig in England herrschende Mode, mit dem Eintritt des Herbstes nach Britisch-Ostafrika zur Jagd zu gehen, dem Lande jetzt mindestens 2 Millionen Mark jährlich einbringe. 1907 zum Beispiel wurden dort 125 grosse Jagdscheine zu 50 Lstrl. (im ganzen also ca. 130000 Mark) vom Gouvernement ausgegeben.

„Nun will natürlich ein derartiger Reisender, d m es auf ein paar hundert Mark nicht ankommen kann, alles möglichst bequem haben. Da er mit den Verhältnissen des Landes nicht vertraut ist, würde er den Versuch, sich selbst eine Karawane zusammenzustellen, sowieso sehr teuer bezahlen. Er gibt sich also in die Hand von Unternehmern, die derartige Jagdausflüge zusammenstellen, wobei beide Teile ganz gut zu fahren pflegen.“

Der Verfasser denkt dabei in erster Linie an das Unternehmen eines deutschen Landsmannes, Herrn Conrad Schauer in Mombassa, Kijabe bei Nairobi und Schirati am deutschen Ufer des Victoriasees. Ich habe gleichfalls bei meinem Aufenthalt in Mombassa das Vergnügen gehabt, in dem gastfreien Hause und den interessanten Geschäftsräumen Herrn Schauers, die einem wahren afrikanischen Jagdmuseum gleichen, zu verweilen und ich empfinde es als eine angenehme Pflicht, die Leser von „Kolonie und Heimat“ auf sein Unternehmen hinzuweisen. Mancher wird darunter sein, den seine Jagdlust einmal nach Ostafrika treibt.

Dann mag ihm das Schauersche Jäger-und Sammlerheim Kijabe Hill empfohlen sein. Es liegt in einer Meereshöhe von ca. 2500 Metern in jener von Urwald, rauschenden Flüssen und Wasserfällen und Vulkanbergen erfüllten grossartigen Landschaft am diesseitigen Rande des ostafrikanischen Grabens, gerade an der Stelle, wo die Ugandabahn in jener berühmten Rampe, die eins der Wunderwerke der Ingenieurkunst bildet, den Abstieg zur Grabensohle nimmt. „Von der Veranda des Jägerheims bietet sich ein herrlicher Fernblick Rechts, etwa 4 Stunden entfernt, liegt von hohen blauen Bergen umrahmt der malerische Naivasha-See mit seinen Inseln und Buchten. Westwärts erhebt sich direkt vor dem Hause der erloschene Vulkan Longonot. Tief unten, nach dem Naivasha-See zu windet sich die Uganda-Bahn in etwa einstündiger Entfernung durch die grasige Steppe. Nach den andern Seiten ist das Jagdheim von bewaldeten Bergen eingeschlossen. Nahe am Hause führt der Karawanenpfad vorbei, auf dem der Verkehr zum Kenia nach dem Rudolfsee und nach Abessinien sich vollzieht. Kijabe Hill liegt last direkt unter dem Aequator, aber die Höhenlage schafft ein Klima, das tagsüber den Rivieratemperaturen ähnelt, während nachts das Quecksilber oft bis  auf wenige Grade über Null fällt. Nach Sonnenuntergang sitzt es sich recht gemütlich an einem offenen Kaminfeuer.“ Das Jagdheim liegt so, dass man schon auf kürzeren Expeditionen in sehr gute Wildreviere gelangt. In der direkten Umgebung sind Antilopen, Zebras, wilde Schweine und Affen zahlreich; ausserdem viel Flugwild, Löwen und Leoparden sind in der Steppe häufig.

Von der Häufigkeit der Löwen an der Ugandabahn erzählte mir Herr Schauer eine schon im ersten Jahrgang von „Kolonie und Heimat“ wiedergegebene tragische Geschichte, indem er mich gleichzeitig mit einem der überlebenden Teilnehmer bekannt machte. Bei der Station Simba an der Ugandabahn (Simba bedeutet Löwe) hielt ein Menschenfresser – Löwe die Umgegend in Schrecken. Drei Europäer setzten sich in einem leeren Personenwagen, der auf ein Seilengeleise geschoben war, auf den Anstand, schliefen aber ein. Dies hatte einer von den Teilnehmern, der von dem Löwen aus dem Wagen geholt wurde, mit dem Tode zu büssen. Von unsern Bildern stellt das erste Herrn Schauer mit einem bei Kijabe Hill erlegten Elefanten dar. Ausserdem noch verschiedenes Grosswild, das auf Jagdexpeditionen, die Herr Schauer ausgerüstet hat, zur Strecke gebracht worden ist. ein Löwenpaar (Doublette), ein Flusspferd, ein kapitales Nashorn. Sehr interessant ist eine Aufnahme, die ans Land steigende Flusspferde darstellt, und eine andere.

Begegnung mit einem direkt aus dem Busch hervortretenden Elefanten. Von den Schwierigkeiten des Pirschens im dichten Busch gibt schliesslich das Bildchen eine lebhafte Vorstellung, das den europäischen Jäger in seinem von Dornen zerfetzten Tropenhut und Khakianzug, von dem schwarzen Jagdgehilfen geleitet, im Vordringen zeigt Bemerkt sei noch, dass Anfragen wegen einer Jagdexpedition entweder an Herrn Schauer direkt nach Mombassa, Britisch-Ostafrika, gerichtet werden können, oder in Deutschland nach Berlin an die Firma Dingcldcy u. Werres, bezw nach Hamburg an die Firma Otto Dieckmann Jagdliebhaber, die besonders auf deutschem Gebiet jagen wollen, seien noch auf die Schauersche Filiale in Schirati hingewiesen

One Comment

  1. […] Waschtag auf einer südwestafrikanischen Farm Herbertshöhe Ess- und Kochkünste in der Südsee Jagd und Jägerheim in Ostafrika Negermärchen Der Kaufmann und die Affen Negerschlauheit Der sprechende Gott Seemanshäuser Der […]

    3. November 2016

Comments are closed.