Jesuitenbrauerei Regensburg in Regensburg


Die Zeit der Entstehung der Jesuitenbrauerei ist nicht nachweisbar und auch die geschichtlichen Aufzeichnungen unserer Stadtchronik geben keinen Aufschluß darüber, wann die Brauerei errichtet wurde. Nachgewiesen ist aber, daß sich auf dem Boden der jetzigen Jesuiten brauerei einst die Mauern des Stiftes Mittelmünster und späteren Jesuitenkollegiums zu St. Paul erhoben. Nach Aufhebung des Ordens im Jahre 1773 wurde das Jesuitenkollegium von den Jesuitenvätern in ihrer Eigenschaft als Säkularpriester weitergeführt, die dann unter dem Namen Paulaner bekannt wurden. Bis in jene Klosterzeit lassen sich die Spuren der Brauerei zurückverfolgen und urkundlich steht fest, daß der damalige Braumeister des Klosters namens Joseph Birzer im Kriegsjahre 1809, nach der Beschießung der Stadt Regensburg durch die Franzosen, die Brandstätte käuflich erworben und hierauf das Brauhaus neu eingerichtet hat. Dieser Joseph Birzer kommt demnach für uns als erster privater Eigentümer der Jesuitenbrauerei in Betracht. Im Jahre 1833 übergab er sodann die Brauerei seinem Sohne und dieser verkaufte sie im Jahre 1840 an den Brauereibesitzer Franz Seraph Niedermayer von Moosham. Im Jahre 1872 ging die Brauerei im Erbwege auf dessen Sohn Johann Lorenz Niedermayer über, in dessen Besitz sie bis zum Jahre 1888 verblieb. Um diese Zeit bildete sich ein Konsortium, welches den Brauereibetrieb von Johann Lorenz Niedermayer übernahm und auf Grund Vertrages vom 26. Mai 1888 die Aktien-Ges. Jesuitenbrauerei gründete und nunmehr seit mehr als 25 Jahren weiterführt.

Das Grundkapital war auf 450000.— M. festgesetzt; der Vorbesitzer Johann Lorenz Niedermayer brachte als Aktionär sein Brauereianwesen in Regensburg mit den Nebengebäuden und dem Reste der Brandstätte des ehemaligen Jesuitenkollegs, ferner das Wirtschaftsanwesen in Obertraubling und das gesamte Brauereiinventar als Einlage in die Gesellschaft. Schon das 1. Betriebsjahr stellte die damalige Verwaltung der Brauerei vor die ernste Aufgabe, durch Vornahme bedeutender maschineller Einrichtungen und Verbesserungen die Vorgefundenen Mängel einer alten ungenügenden Betriebseinrichtung zu beseitigen.

Um nun in der Eolge die Leistungsfähigkeit des Betriebes zu erhöhen, mußte zu einer vollständigen Neuorganisation der technischen Anlagen geschritten werden. Die Erwerbung der Bolland’schen Brauerei und der damit verbundenen Grundstücke machte bereits im 2. Be-triebsjahre die Erhöhung des Grundkapitals von 450.000.–Mark auf 900.000.— M. erforderlich.

Der Erfolg dieser vorgenommenen Betriebserweiterungen und Verbesserungen zeigte sich auch alsbald in einer wesentlichen Steigerung der Bierproduktion und einem dementsprechend höheren Bierabsatze; dieser bedingte aber wiederum fortgesetzt neue Aufwendungen auf den Betrieb und dessen weitere zweckmäßige Ausgestaltung.

Dem erhöhten Malzverbrauche war vor allem die bisherige Einrichtung der Mälzerei nicht mehr gewachsen und so mußten die entbehrlichen Gär- und Schenkbierkellereien der angekauften Bollandbrauerei im Jahre 1890 zu Mälzereizwecken umgebaut werden.

Im Jahre 1892 wurde der bisherige technische Betriebsleiter Herr Karl Vogl zum Vorstand und Direktor der Brauerei berufen, welcher heute noch an der Spitze der Gesellschaft steht. In diese Zeit fällt auch der Beginn steten Aufschwunges des Unternehmens. Es wurden Wirtschaftsbetriebe neu errichtet und angekauft, namentlich aber im Jahre 1896 durch den Ankauf der Augustiner-Brauerei eine ganz beträchtliche Besitzerweiterung vorgenommen.

Diese großen Unternehmungen machten aber die Erhöhung des Aktienkapitals auf M. 1.200.000.— notwendig; die hierauf ausgegebenen Aktien wurden an der Münchener Börse eingeführt. Unermüdet aber zielbewußt ging stets das Bestreben der Brauereiverwaltung dahin, dem Betrieb immer weitere Ausdehnung zu verschaffen und dessen Einrichtungen den neuesten Anforderungen der Brauereitechnik anzupassen.

Die Einführung elektrischer Kraft und Lichtanlagen erwies sich als eine Notwendigkeit für die fortschreitende Entwicklung des Unternehmens; ein Lastautomobil und ausreichender Wagenpark mit entsprechendem Pterdematerial dienen der raschen und praktischen Beförderung der Erzeugnisse und benötigten Materialien. Außer dem kaufmännischen und technischen Personale sind zirka 70 Arbeiter im Unternehmen ständig beschäftigt, wovon ein Teil derselben bereits auf eine langjährige ununterbrochene Dienstzeit im Betriebe zurückblicken kann. Ein für sie geschaffener und durch Zuschüsse erstarkter Unterstützungsfond gewährleistet ihnen umfassende Fürsorge.

Daß sich aber auch das Erzeugnis der Jesuitenbrauerei stets wachsender und ständiger Beliebtheit erfreut, beweisen die hohen Auszeichnungen, welche der Brauerei anläßlich der Beschickung der Brüsseler hygienischen und Lebensmittel-Ausstellung im Jahre 1891 durch Verleihung der goldenen Medaille, der bayer. Landes-In-dustrie-, Gewerbe- und Kunstausstellungen in Nürnberg in den Jahren 1896 und 1906 durch Verleihung der goldenen Medaillen und später abermals durch die gleiche Auszeichnung gelegentlich der Oberpfälzischen Kreisausstellung zu Regensburg im Jahre 1910 zuteil geworden sind.

Siehe auch:
Aktien-Papierfabrik Regensburg
Express-Fahrradwerke A.G.Neumarkt in der Oberpfalz
Jesuitenbrauerei Regensburg in Regensburg
Schlüssel-Bleistift-Fabrik J. J. Rehbach in Regensburg
Das Elektrizitätswerk der Stadt Regensburg
Deutsch-Amerikanische Petroleum-Gesellschaft Hamburg. Benzinfabrik Regensburg.
Dampfsägewerk Arnschwang
Johann Müller, Perlmutterknopf-Fabrik
Eisengießerei Carolinenhütte
Dampfsäge, Hobel- und Spaltwerk, Kistenfabrik
Staatliche Eisenindustrie in der Oberpfalz Amberg-Weiherhammer-Bodenwöhr
Prinz Rupprecht-Quelle vormals Silvana-Sprudel in Groschlattengrün
Bayerische Granitaktiengesellschaft in Regensburg
Tonwerk Prüfening und Braunkohlengrube Friedrichzeche
Städtisches Lagerhaus Regensburg am Luitpoldhafen
Die Kalkindustrie der Walhallastraße
Kalblederfabrik Furth i. Wald
Bayerische Braunkohle-Industrie
Die Malteserbrauerei in Amberg
Terranova-Industrie C. A. Kapferer & Co. in Freihung.
Königlich Bayerische Hofglasmalerei Georg Schneider in Regensburg
Das neue Gaswerk der Stadt Regensburg
Die Stadt Weiden
Naabwerke für Licht- und Kraftversorgung
Kalksandsteinfabrik Roding G.m.b.H.
Königl. Schwellenwerk in Schwandorf
Bayerische Maschinenfabrik Regensburg
Metallhammerwerk u. Bronzefarbenfabrik in Rothenbruck Opf. Aluminiumbronzefabrik in Rauhenstein Opf.
Die Entwicklung des Fahrrades
Tonwerk Blomenhof, G.m.b.H., Neumarkt i. Opf.
Die Flügel- und Piano-Fabrik von Georg Weidig in Regensburg
Eisen- und Metallgießerei, Maschinenfabrik und Kesselschmiede
Dresdener Maschinenfabrik und Schiffswerft Übigau A.G. Werft in Regensburg
Die Anlagen der Benzinwerke Regensburg
Portland – Cementwerk Burglengenfeld
Bürgerbräu Weiden
Aktiengesellschaft Porzellanfabrik Weiden
Holzhandlung, Werke für Holzimprägnierung und Kyanisierung
Porzellanfabrik Tirschenreuth