Jugendbelustigungen in Niederländisch-Indien

Schon recht früh regt sich in dem schönen Inselgebiet bei der hotfnungsvollen Jugend ein Drang, sich körperlich und geistig zu betätigen, wozu sich noch sprudelnder Uebermut und Lebensfrische gesellen. An Gelegenheit zu sportlicher Betätigung fehlt es nicht.

Kaum haben die jungen Erdenbürger gelernt, auf eigene Füsse zu stellen, da tummeln sie sich bereits mit ihren älteren Geschwistern in den kühlen Fluten der Flüsse, in denen sie sich bald wie die Fische zu Hause fühlen, die sie sogar mit einer ungeahnten Geschicklichkeit zu überlisten suchen! Morgens, mittags, abends: stets wird man die Flüsse belebt sehen von einem recht beweglichen Völkchen, das seine Lebenslust in tollen Kapriolen zum Ausdruck bringt. Ein vergnügliches Bild!

Aber auch jede Jahreszeit bringt noch ausserdem ihre besonderen Vergnügungen und Spiele.

In der Zeit des Westmonsuns, der feuchten Jahreszeit, die den Menschen mehr oder weniger an das Haus oder dessen nächste Umgebung fesselt, lebt der Djankrik-Sport auf. In der so reich bevölkerten Natur lebt eine Grillenart, der Djankrik, ein sing- und gar kampflustiger Kumpan. Und gerade diese seine letzte Eigenschaft macht ihn bei der Jugend so beliebt.

Wenn er in der kurzen Dämmerung aus seinem dunklen Erdversteck hervorkriecht, um lustig seine Abendandacht zu zirpen, wird er von kundiger Hand eingefangen. Dieses Einfangen wird von Leuten ausgeübt, die sich einen lohnenden Erwerb daraus machen. Sie ziehen mit ihrer Beute von dem einen Kam-ong (Dorf) zum andern und finden überall bei der Jugend einen reissenden Absatz für ihre „Waie“, wofür sie sich für das Stück bis zu 10 Cents (16 Pf.) und darüber bezahlen lassen. Die Djankriks werden in geschnitzten Bambusbüchsen sorgfältig gepflegt. Kommen dann einige glückliche Besitzer zusammen, so werden schnell die Bambusdosen hervorgeholt. Eine Wette ist ebenso bald gemacht, und gleich kann der Kampf zwischen zwei Djankriks vor einem erwartungsvollen Publikum seinen Anfang nehmen.

Die eine Grille wird in die geöffnete Behausung der anderen hinein getan und nun werden beide Kontrahenten mit einem feinen Grasblütenbüschel gereizt. Bald stellen sie sich in Positur, spreizen ihre Flügel und fangen ihr Gezirpe an, das sie nur noch mehr reizt. Dann schiessen sie mit aufgesperrten Fängen aufeinander los, fassen sich kunstgerecht wie zwei Berufsathleten, und nun wogt der Kampf hin und her bis der eine besiegt, womöglich totgebissen ist.

Sogar altere Leute befassen sich mit diesen Djankrik-Kämpfen und machen grosse Wetten ja es gibt welche, die sich während der „Saison“ nur mit diesen Kämpfen beschäftigen.

Während dieser Zeit kommt auch das Spiel mit dem Käkältan auf. Es sind dies ähnliche Instrumente wie die Kreisel, welche die Kinder bei uns benützen. Sie sind aus schwerem Holz gemacht und erfordern eine grosse Geschicklichkeit bei der Handhabung. Sie werden mit einem Strick umwickelt und geschleudert, wobei sich der Strick abwickelt und der Kreisel in schnelle Rotation versetzt wird. Hierbei gibt es verschieden kombinierte Spiele, auch solche mit Wetten und Einlagen.

Inzwischen lassen die Regen allmählich nach und der indische Frühling zieht ins Land mit seiner üppigen Pracht. Unauffällig hat Mutter Natur ihr neues Gewand angelegt, und in ihrem duftigen Grün jubiliert das lustige Vogelchor aus voller Kehle! Es ist die Paarzeit angebrochen, und bald hört man allenthalben das Zwitschern der jungen Brut.

Und wieder gibt es eine neue Beschäftigung für die Jugend. Mit einem kleinen Rohrstöckchen, auf dem ein junger Djalak (Drosselart) sitzt, in der Hand, ziehen kleine Trupps durch die Felder, um für ihre kleinen Schützlinge das nötige Futter wie Djantrongs und Kiendjengs (Libellen) einzufangen oder mit ihren Tulupans (Blasrohre) zu erlegen. Mit zärtlicher Sorgfalt werden die Vögelchen gross gezogen, um später wieder die Freiheit zu erhalten.

Bevorzugter sind die Tjett-Tjettans (junge Reisdiebchen), die in ihrer jungen Gefangenschaft grosse Gelehrigkeit zeigen. Und nicht selten sieht man die ausgewachsenen Glattiks (alte Reisdiebchen) im Hause ein- und ausfliegen. Auch Beos werden gross gezogen und entwickeln ein ausgesprochenes Sprechtalent.

So rückt der Ostmonsun immer näher heran. Die Trockenheit und die Hitze machen sich allmählich fühlbar. Eine äusserst angenehme Abwechslung bieten die regelmässigen Passatwinde.

Nun halten die inzwischen herangewachsenen Vögel die Jugend nicht länger mehr zurück. Mit wahrem Feuereifer greifen sie nach ihren längst hergerichteten Layangans (Flieger,Drachen), die alle möglichen Formen aufweisen. Um die Nachmittagstunden kann man dann unzählige bunte Fetzen am Himmel leuchten sehen !

Da gibt es schlichte, viereckige Drachen, die sich so drollig überschlagen, andere wieder sind mit Fransen und Quasten verziert, die Sintingans. Dann die Layang Koddok, Layang Buntuttan, und die Sowangans: erstere in Froschform, die nächsten mit langen, breiten Schweifen versehen in Molchengestalt. Die Sowangans schliesslich sehen wie grosse Vögel aus mit ausgebreiteten Flügeln. Bei diesen ist zwischen den beiden Flügelspitzen ein schmales, dünnes Bambusband gespannt, das, durch den Luftdruck in Schwingungen versetzt, melodische Töne von sich gibt. Ein lustiges, buntes Durcheinander!

Sieht man jedoch genauer zu, so wird man bald gewahr, dass es sich mit dem lustigen Ueberschlagcn der kleineren Drachen um einen regelrechten „Kampf“ handelt. Und auch hierin verrät sich die List und die Geschicklichkeit der braunen Jugend! Die Fäden, an denen die Drachen befestigt sind, werden vorher mit pulverisierten Glassorten, Bimstein und Fischleim präpariert, so dass sie sehr scharf werden und schneiden. Fast jeder Knabe hat sein eigenes Rezept, das er als ein Heiligtum hütet und das er nur seinem Sobat kerass (allerbesten Freund) verrät.

Die Kunst des lustigen Drachenkampfes besteht darin, dass der Führer seinen Drach.n so geschickt überschlagen lässt, bis der Faden sich mit dem des feindlichen Fliegers verwickelt hat. Dann gilt es nach Möglichkeit schnell den Faden nachzugeben, damit der des Feindes durchschnitten werde. Mit grossem Jubel wird der Sieger geehrt, während der Drachen mit dem durchschnittenen Faden vom Winde getragen weit dahin fliegt, bis er von einer raufenden, wilden Schar eingefangen wird. Derjenige, der einen solchen Layang pedott (mit gerissenem Faden) einfängt, ist ohne weiteres Eigentümer desselben, soweit das Faustrecht es zulässt. Bloss die grösseren Flieger werden von diesem Kampfe verschont.

Von den grossen Drachen werden „Grüsse geschickt“. Es wird ein Gleitapparat mit umklappbaren Flügeln, etwa in Gestalt eines Segelschittes der eines Schmetterlings, an der Schnur befestigt. Die Flügel werden durch sehr elastische Bambusstäbchen aufgeklappt und in Spannung gehalten. Zu gleicher Zeit können hinten am Gleitkörper Papierfetzen oder etwa ein kleiner Fallschirm zwischen den Federn eingeklemmt werden. Nun lässt man ihn vom Winde an der Schnur emportreiben. Am Drachen angekommen werden die Federn durch den Anprall gelöst, die Papierstreifen werden automatisch losgelassen und mit zusammengeklappten Flügeln saust der Gleitköroer wieder zurück, um von neuem hinaufgeschickt zu werden.

Ist die Reisernte herangerückt, und während die männliche Jugend sich mit Drachensteigen vergnügt, so haben die Mädchen von abgeschnittenen Reishalmen kunstvoll ihre Dlemäns (Flöten) gemacht, denen sie eintönige, naive Melodien entlocken oder mit denen sie gar die Lieder und Recken ihrer Gespielen zu begleiten versuchen.

Auf diese Weise schliesst sich der Kreislauf des Jahres; natürlich gibt es noch manche andere Spiele, sie sind jedoch alle nicht so allgemein verbreitet wie die oben angeführten.

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