Kelten und Romanen

Wie die Hunnen gewissermaßen auf dem Rücken Asiens ritten, so die Kelten auf dem Europas. Sie brachen nach 300 überall in die Mittelmeerzone ein, sie traten in Sardinien auf, lieferten den Karthagern Söldner, zogen gegen Delphi, bedrohten Pergamon, das den Sieg über sie mit prächtigen Kunstwerken verherrlichte, und ließen sich in Galatien nieder, wo sich ihre Sprache mehrere Jahrhunderte erhielt. Als Reisläufer fochten sie im Dienste der Seleukiden und brachten mehrfach in Bürgerkriegen die Entscheidung. Gegen die Kelten erhob sich vor allem Rom. In saurer, unentwegter Arbeit wird Oberitalien erobert, kolonisiert und romanisiert. Dann kommt Spanien, dann, seit 123 v. Chr, Gallien an die Reihe. Es kam den Römern zugute, daß im Norden der keltischen Feinde eine kriegerische Barbarenrasse nachdrängte, die Germanen. Zwischen die römische und die germanische Front eingekeilt, wurden die Kelten zerrieben.

Latene ist ein Ort an der oberen Dordogne, wo aus zahlreichen Höhlen Waffen und Schmucksachen und sonstige Überreste einer fernen Vergangenheit zutage gefördert wurden. Reste ganz ähnlicher Art, mit ähnlichem kunstgewerblichen Stile wurden an den verschiedensten Orten gefunden. Man weiß jetzt, daß die Latene-Kultur vom eisernen Tor bis an die Rhone gereicht hat. Der Forscher Jullien hält es für sicher, daß schon die Griechen im dritten Jahrhundert Handelsfahrten bis in die Schweiz und zur Donau machten. Jedenfalls bezogen die Kelten ihre Schrift von einem griechischen Alphabete. Das damalige Keltentum war bereits dem Zustand der Barbarei entronnen. Es bestand eine Reihe von mehr oder weniger gut organisierten Staaten, mit einer arbeitsamen Bevölkerung und blühenden Hauptstädten als Ausstrahlungspunkten der Kultur, so der Staat der Insubrer mit Mailand, so die Bojer mit Bologna, die Cenomanen mit Brescia, die Tauriner mit Norcia, die Kelten der Westalpen mit Latene, endlich die Bojer in Böhmen mit einer Stadt auf der Stelle des heutigen Stradonitz (bei Prag). Weitere Kulturausstrahlungspunkte waren bei Belgrad.

Wie die Griechen mit den Pelasgern, wie die Lateiner mit den Etruskern, so haben die Germanen längere Zeit mit und unter den Kelten gewohnt — ein Zusammenleben, das Jahrhunderte währte, bis endlich das Keltentum nahezu aufgesogen war.

Text aus dem Buch: Männer, Völker und Zeiten, eine Weltgeschichte in einem Bande, Verfasser: Wirth, Albrecht.

Siehe auch:
Männer, Völker und Zeiten – Anfänge
Der alte Orient und Griechenland
Arier und Chinesen
Juden und Phönizier
Feudalherrschaften in China, Indien, Vorderasien und Hellas
Homer
Assyrer und Perser
Religionsstifter und Philosophen
Perserkriege
Peloponnesischer Krieg
Anfänge Roms
Politischer Niedergang Athens
Alexander der Große
China und Rom
Punische Kriege
Der Staatsbegriff im Altertum