Ku-Klux-Klan

Mitglieder des Ku-Klux-Klan um das Flammenkreuz geschart.

Der Ku Klux Klan, welcher in den 18 Sechziger- und Siebziger Jahren im Süden des Landes sein Unwesen trieb und dem unzählige, durch das fünfzehnte Bundes-Amendement frei gewordene Neger zum Opfer fielen, und trotz aller Gegenmassregeln in jenem Teile des Landes nie gänzlich ausgestorben war, hat in jüngster Zeit wieder in beängstigender Weise sein Haupt erhoben und scheint seine Tätigkeit, die sich früher fast ausschliesslich auf Neger erstreckte, auch auf andere Einwohner des Landes und zwar in allen Teilen desselben ausdehnen zu wollen. In welch’ herzloser Weise diese fanatische Brüderschaft damals im Süden hauste, mag folgendes Erlebnis, welches in allen seinen Teilen auf Tatsachen beruht, veranschaulichen.

Es war zu Beginn der Siebziger Jahre des verflossenen Jahrhunderts als eine Anzahl deutscher Einwanderer, welche mittellos in New Orleans gestrandet waren, durch verlockende Versprechungen, von denen die meisten nicht eingehaltcn wurden, durch Vermittelung eines zungengewandten deutschen Adeligen nach einer Baumwollen-Plantage im Innern des Staates Louisiana gelockt wurden, um dort für die Hälfte der Ernte zu arbeiten. Den Ankömmlingen wurden zur Wohnung alte Blockhäuser angewiesen, die früher von Farbigen bewohnt und mit Ungeziefer reichlich behaftet waren. Der Eigentümer der Plantage lieferte die zur Bearbeitung des Landes nötigen Maulesel und das Futter für die mit Bezug auf den Frass nicht sehr wählerischen Tiere, und der Besitzer des in der nächsten Ortschaft befindlichen „General Store“ (solche wurden im Süden fast ausschliesslich von Israeliten betrieben) borgte den Leuten bis zur nächsten Baumwollernte die nötigen Lebensmittel. Die Neger auf den benachbarten Plantagen arbeiteten zu denselben Bedingungen, da sie jedoch des Lesens und Schreibens unkundig waren, steckten sie, nachdem sie ihre Baumwolle an den Besitzer des „General Store“ abgeliefert hatten, regelmässig noch in Schulden.

Der Plantagenbesitzer, welcher die Bürgschaft für die gelieferten Lebensmittel zu stellen hatte, führte auch Buch über die Bedürfnisse der Neger und zog von der Hälfte der Ernte, welche dem Neger gehören sollte, solche kleinen Beträge wie zehn Dollars für Salz etc. ab, welche den auf diese Weise geübten Betrug kennzeichnen. Als eine Art Spiegelfechterei wurde dem Neger bei der Ablieferung eines Ballens Baumwolle, auch etwas Kleingeld in den niedrigsten Werten desselben ausbezahlt, so dass er nicht imstande war, es zusammen zu zählen, und ausserdem lag im Store ein Fass des damals sehr billigen „Mondschein“-Branntweins auf, an dem sich der Farbige kostenfrei berauschen konnte. Die Neger in jener Gegend waren ein recht friedfertiges Volk und nur sehr wenigen gelang es, sich aus ihrer theoretischen Freiheit in eine tatsächliche heraus zu arbeiten. Blieben sie in dem County, so dauerte letztere nicht lange, denn der Ku Klux Klan machte solchen fortschrittlichen Bestrebungen schnell ein Ende. Und das bringt uns zu dem Nachstehenden:

Unter den Negern, die es auf irgend eine Weise fertig gebracht hatten, sich aus der eisernen Kette zu befreien, befand sich der alte Sambo, der mit seiner bejahrten Frau auf kleinem eigenen Besitz im County wohnte, wo er Baumwolle und Maiskorn zog und sich ausserdem mit Vieh- und Geflügelzucht beschäftigte. Irgendwo hatte er davon Wind bekommen, dass die auf der X-Plantage befindlichen Deutschen über einige Dollars verfügten, und so stellte er sich denn eines Tages mit einem gerupften Huhn und einigen Dutzend Eiern ein, welche Luxusartikel ihm für ein bescheidenes Entgeld von den Deutschen, die etwas derartiges auf den Plantagen nicht zu erlangen vermochten, abgenommen wurden. Dann tauchte er eine zeitlang regelmässig an einem Samstag nachmittag auf. lieferte Butter, Eier und Geflügel ab und zog, nachdem er eine Quantität Taback gefochten hatte, er war zu ökonomisch, solchen zu kaufen, vergnügt wiedei ab.

Da der sonst regelmässig auftauchende farbige Gast einige Samstage hintereinander nicht erschienen war, beschlossen einige der Deutschen, den nächsten Sonntag vormittag dazu zu benutzen, die Klause Sambos aufzusuchen, um ihren Bedarf dort zu decken. Sie sattelten in aller Frühe, um ihren Lieferanten, der bei anderen Farbigen Sonntagsbesuche zu machen pflegte, auch anzutreffen, und erreichten dessen Klause auch kurz nach dem Morgengrauen.

Aber welcher Anblick bot sich ihnen dar! Das Haus Sambos war ein verkohlter Trümmerhaufen und mitten darin lagen der Neger und dessen Gattin als verkohlte Ueberreste. Die beiden Deutschen stellten eine Untersuchung an und Blutflecken, sowie andere Anzeichen deuteten darauf hin, dass die beiden Farbigen ermordet worden waren, worauf man ihre Behausung in Brand gesetzt hatte. Dem angeketteten Hofhund hatte man mit einigen Schüssen ebenfalls den Garaus gemacht, denn er lag verendet und bereits in Verwesung übergegangen vor seiner Hütte. In der Nähe waren noch einige Hühner bemerkbar, aber das andere Viehzeug war verschwunden.

In grosser Aufregung und ahnungslos, welche Beweggründe der grässlichen Tat unterlagen, ritten die beiden Deutschen zurück und begegneten auf halbem Wege dem erwachsenen Sohn eines ihnen bekannten Plantagenbesitzers, der sich auf dem Wege zur Kirche befand. Diesem teilten sie ihr Erlebnis mit, ohne dass ihre Angaben auch den geringsten Eindruck auf ihn gemacht hätten. Ohne eine Muskel zu rühren, zuckte er nur mit den Achseln, wandte sein Pferd herum und ritt, ohne ein Wort zu äussern, davon.

Nachdem die beiden Deutschen die Plantage wieder erreicht, auf welcher sie beschäftigt waren, begaben sie sich in das Bretterhaus. das für den Aufseher (den Adeligen, der den Trupp Deutscher nach der Plantage von New Orleans aus gelootst hatte) und schilderten diesem das von ihnen Erlebte, was jedoch auch diesem keine Neuigkeit zu sein schien. Nachdem er alles angehört, stelllte er an die beiden die Frage, ob sie noch nichts vom Ku Klux Klan gehört hatten. Sie wussten allerdings von Gerüchten darüber, denn ähnliche, wie die oben beschriebene Tat, waren ja im Süden nichts ngewöhnliches, dass man aber harmlose Neger wie den alten Sambo und dessen Frau auf so entsetzliche Weise umbringen würde,  gingüber den Horizont, und sie gaben nach ihrer Meinung darüber dem Verwalter gegenüber Ausdruck. Im Grunde genommen, sympathisierte dieser auch nicht mit der Verübung solcher Gräueltaten, doch meinte er, wenn man sich unter Wölfe befinde, müsse man mit diesen heulen.

Dann gab er den beiden Deutschen den Rat, unerbrüchliches Schweigen über das von ihnen Gesehene zu beobachten, und besonders an anderen Deutschen auf dem Platz gegennüber, weil er sonst für nichts stehen könne. Im ganzen Süden gelte ein Neger weniger als ein Hund, wenn er es wage, sich am Weissen empor zu arbeiten, und der alte Sambo hätte das wissen sollen. Kopfschüttelnd begaben sich die beiden deutschen in ihr Blockhaus, wo sie beschlossen, den ihnen gegebenen Rat zu befolgen. Gegen Abend erhielt der Verwalter nun Besuch einiger Pflanzer und, nachdem , er diese wieder entfernt, suchte er die beiden Deutschen in ihrer Hütte auf, um ihnen die Folgen zu demonstrieren, welche das Reden über die Mordtat für sie zu bedeuten hätte.

„Sie sehen“, so führte er aus, „den grossen Magnolia-Baum vor Ihrem Blockhaus. Sobald es ruchbar würde, dass Sie über die Angelegenheit geplaudert, würde eines achts an Ihre Tür gepocht, Sie würden raus geholt, an den Baum aufgehangen, mit Revolverkugeln gespickt und dann als Warnung für die anderen Deutschen auf dem Platze einige Tage an den Baumästen hängen. Niemand wird hier auch im Geringsten daran denken, den Ku Klux Klan verfolgen.“

Die beiden Deutschen haben, der Not gerechned und nicht dem eigenen Triebe, das schweigen bewahrt, so lange sie sich im Innern des Staates Louisiana befanden. In Städten, wie New Orleans, herrschte bei einer aufgeklärten Bevölkerung kein derartiger Terrorismus, wenn auch dort der Farbige nicht viel mehr galt als ein wertvoller Hund. Später muss es gelungen sein, den Ku Klux Klan ziemlich zu unterdrücken, weil im Laufe der Jahre Telegraph, Telephon und vor allem das Zeitungswesen enorme Fortschritte gemacht haben. Neuerdings muss jedoch das Unwesen wieder betrachtlich um sich gegriffen haben, denn sonst hätte sich wahrscheinlich der Gouverneur von Louisiana nicht in Washington eingestellt, um Hilfe von der Bundesregierung gegen das Treiben des Ku Klux Klan zu erwirken.

War derselbe ursprünglich nur gegen die Negerbevölkerung gerichtet, so hat sich jetzt anscheinend auch ein Anti-Semitismus dazu gesellt, da viele Israeliten im Süden zu Wohlstand gelangt sind und den üblichen Neid gegen sich erzeugt haben. Auch macht sich in dem, sich über das ganze Land verbreitenden Orden, schon ein Hass gegen die Bekenner anderer Religionen geltend, um sich dann wahrscheinlich auf das gesamte eingewanderte Bevölkerungselement zu erstrecken. Man hat es somit mit einem neuen, gefährlicheren „A. P. A.“-Element zu tun, und je eher dieser, sich als „Staat im Staate“ geberdende Terrorismus unterdrückt wird, je besser wird es um die Zukunft der Vereinigten Staaten bestellt sein.

Siehe auch:
Vergesst die deutsche Sprache nicht!
Schwarze Schande-Weisse Schmach
Pommern – das Land am Meer
Was ist des Deutschen Vaterland?
Bismarck und seine Hunde
Die neuen Reichsmünzen
Paul von Hindenburg
Wir Deutsch-Amerikaner
Deutsch-Amerika
Die Deutsch-Amerikaner und das Kaiserreich
Gedanken über die Zukunft des Deutschtums in Amerika
Wie das alte Österreich starb
Wie das alte Österreich starb II
Die Deutschen in Amerika
Die Deutschen in Amerika II
Eine Audienz bei Richard II. (Richard Strauss)
„Deutsch-Amerikas“ Mission
Schundromane auf dem Scheiterhaufen
Lincoln und das deutsche Element
Die Geschichte der Revolution
Der Aufbau Palästinas
Deutschland und der Weltfriede
Vaterland vor der Wiedergeburt
Das Schicksal der deutschen Kolonien
Der letzte Zar im Kreise seiner Familie
Krupp-Werk in Friedens-Arbeit
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Deutschlands chemische Industrie in der Nachkriegszeit
Jerusalem die Heilige Stadt
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„Bismarck“-„Majestic“- der Meeresriese
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