Martin Luther, der Reformator.

Fürstentrotz und Glaubensstreit zerstören das Reich.
Der Kampf beginnt.
Gegen den Ablaßhandel.

Durch das deutsche Land zog der Ablaßkrämer Tetzel und verkaufte für Geld die Seligkeit. „Sobald das Geld im Kasten klingt, die Seele aus dem Fegefeuer in den Himmel springt“, das war sein Spruch. Ihm trat Martin Luther entgegen, der Augustinermönch, den Kurfürst Friedrich der Weise von Sachsen als Professor der Gotteslehre an die neue Hochschule in Wittenberg berufen hatte. In der Schloßkirche predigte Luther gewaltig gegen den Ablaß und andere Irrlehren und Mißbräuche der Kirche. Meister Eckhart schien in ihm auferstanden zu sein.

Luthers 95 Streitsätze.

Am 31. Oktober 1517 schlug er 95 Streitsätze an die Tür der Schloßkirche und forderte zum Kampf um sie auf. Gutenbergs Buchdruckerkunst verbreitete sie mit Windeseile durch ganz Deutschland und über Deutschlands Grenzen hinaus. Hans Sachs in Nürnberg nannte Luther „Die Wittenbergisch Nachtigall“.

„Wach auf es nahet gen den Tag,
ich höre singen im grünen Hag
eine wonnigliche Nachtigall,
ihre Stimm‘ durchklinget Berg und Tal!“

In allen Ratsstuben, in allen Zunftstätten, in den Häusern der Bürger, in den Hütten der Bauern las man Luthers Worte wie eine Offenbarung; die fahrenden Schüler und die Landsknechte sangen schlimme Spottlieder auf Papst und Pfaffen. Deutschland horchte auf! Was nützte es dem Papste, daß er Luther auf mancherlei Weise mit Bitten und Drohen zum Widerrufe zu bewegen versuchte. „Alles dürft Ihr von mir erwarten außer Flucht und Widerruf!“ war seine Antwort. Da verhängte der Papst über den „Ketzer“ den Bannfluch. Nun wußte Luther, was er zu tun hatte!

Der Bruch mit dem Papst.

Abend ist’s. Vor dem Elstertore in Wittenberg haben sich die Professoren und Studenten der Universität und viel Volk versammelt. Ein großes Feuer ist angezündet. Da schreitet, heiligen Emst im Gesicht, Dr. Martin Luther zum Holzstoß. In seinem Geiste sieht er wohl den Scheiterhaufen, auf dem die Kirche die „Ketzer“ verbrennt. Aber er weiß sich und seine Sache in Gottes Schutz. Hoch hebt er das Pergament, auf dem der Bannfluch des Papstes geschrieben steht, und w irft cs in die Flammen. „Weil du die Wahrheit Gottes verstört hast, so verstört er dich gleichermaßen heute hinein in dieses Feuer!“ Damit hat er sich von Rom losgesagt. Still und einsam schreitet er durch die Nacht zurück. Er weiß: Der Kampf beginnt, der Kampf des deutschen Gewissens gegen den päpstlichen Gewissenszwang, der Kampf der deutschen Glaubensfreiheit gegen den römischen Geistesbann. Es ist ein Kampf auf Leben und Tod!

Gegen Papst und Kaiser.

Der Reichstag in Worms.

Nicht nur der Papst ist Luthers Feind, auch Kaiser Karl V. ist gegen ihn. Er fordert Luther auf, sich vor dem Reichstag in Worms zu verantworten yjgj sichert ihm freies Geleit zu. Luthers Reise mitten im Winter ist ein Siegeszug. Wohin er kommt, jubelt ihm das Volk zu. In Erfurt wird er in feierlichem Zuge eingeholt wie ein Fürst. Vor den Toren von Worms warnt man ihn: „Kehre um, der Tod erwartet dich!“ — „Und wenn in Worms so viel Teufel wären wie Ziegel auf den Dächern, so wollte ich doch hinein“, antwortet er. Ein großer Haufe Volks geleitet ihn in seine Herberge. Jeder will den kühnen Mann sehen, der es gewagt hat, wider den Papst aufzustehen.

Am nächsten Morgen erscheint der Reichsherold, ihn vor den Reichstag zu führen. Dann steht er im Saale. Er soll widerrufen. „Gebt mir einen Tag Bedenkzeit!“ bittet er. Die Frist wird ihm gewährt. In seiner Kammer ringt der Einsame mit sich. Und getröstet und gefaßt schreitet er am nächsten Morgen dem Schicksal entgegen.

Luther und Karl V. auf dem Reichstag zu Worms.

Schon öffnet sich die Tür. Auf dem Throne sitzt der junge Kaiser, der Habsburger, in dessen Reich „die Sonne nicht untergeht“. Von Deutschland über Spanien bis nach Amerika reicht es. Die Kirche soll ihm helfen, es zusammenzuhalten. Dieser Deutsche mit seinem „Mönchsgezänk“ ist ihm unbequem. Neben dem Kaiser, vornübergebeugt, der päpstliche Gesandte. „Warte nur, Ketzer, du sollst brennen!“ Das ist sein Wille. Und da steht Luther. Alle Befangenheit von gestern ist von ihm abgefallen. „Willst du nun widerrufen?“ fragt man ihn. Da reckt sich Luther zu seiner ganzen Größe auf. In seinen Augen loht ein heiliges Feuer. Er spricht: „Es sei denn, daß ich mit der Heiligen Schrift oder mit klaren, eindeutigen Gründen überführt würde, sonst kann und will ich nicht widerrufen, weil es nicht geraten ist, etwas wider das Gewissen zu tun. Ich kann nicht anders. Gott helfe mir, Amen!“ Das gab ein Aufsehen! „Ich bin hindurch! Ich bin hindurch !“ jubelte Luther, als er hinaus war.

Was wird der Kaiser tun? Hält er als deutscher Kaiser zu Luther oder zum Papst? Der Kaiser fügte zum päpstlichen Banne die Reichsacht. Nur das eine erreichte der päpstliche Gesandte nicht: In Worms brannte kein Scheiterhaufen. Das freie Geleit blieb Luther auch für die Rückreise erhalten.

Lutherbibel und Lutherkirche.

Der sorgende Kurfürst brachte Luther heimlich zur Wartburg bei Eisenach. Dort war er nicht untätig. Luther übertrug die griechische und hebräische Bibel in die deutsche Sprache. Nicht Wort für Wort übersetzte er — das taten schon andere vor ihm —, sondern er lauschte, wie das Volk spricht, er „schaute den Leuten aufs Maul“, und so schrieb er. Luthers Bibel wurde nun für Jahrhunderte das meistgelesene Buch in Deutschland. Unvergänglich ist Luthers Verdienst um den Sieg der neuen hochdeutschen Sprache, in der er geschrieben hat.

Auch der Gottesdienst wurde in der Lutherkirche nicht mehr wie bei den Katholiken lateinisch, sondern in deutscher Sprache gehalten; im Mittelpunkt stand die deutsche Predigt. Und Luthers herrliche Lieder „Ein feste Burg ist unser Gott“ und andere klangen in den deutschen Kirchen. Die Klöster öffneten sich, Mönche und Nonnen wurden dem Leben wiedergegeben. Luther selbst heiratete und führte mit seiner Frau Käthe ein vorbildliches Familienleben.

Arbeit für Deutschland.

„Meinen Deutschen bin ich geboren, ihnen will ich auch dienen“, war eines seiner Licblingsworte. Und darum lag ihm das gesamte Wohlergehen Deutschlands am Herzen. Er kämpfte mit Wort und Schrift dafür, „daß der Papst über den Kaiser keine Gewalt habe, wie die Päpste unverschämt vornehmen zu fordern, als hätten sie Recht dazu“. Er sorgte für bessere Schulen in allen evangelischen Landen. Er vermittelte zwischen den Fürsten, wenn sie in Streit gerieten. Er erkannte auch den schweren Schaden des Wuchers und schrieb kräftige Worte gegen ihn, die noch heute im nationalsozialistischen Staate Gültigkeit haben. Auch das schändliche Treiben der Juden verabscheute er und schrieb ein eigenes Buch gegen sie: „Von den Juden und ihren Lügen“: „Viel weniger gehe ich damit um, daß ich die Juden bekehren wolle. Denn das ist unmöglich. Sie sind die rechten Lügner und Bluthunde. Kein blutdürstigeres und rachgierigeres Volk hat die Sonne je beschienen. Je mehr man ihnen helfen will, je härter und ärger werden sie. Laß sie fahren. Wir wollten gern Geschenk dazugeben, daß wir sie loswerden.“

Aber auch Luthers großem Werk hafteten Schattenseiten an. Eine einheitliche, romffeie Reichskirche kam nicht zustande. Den päpstlichen Gewissenszwang wollte Luther zerbrechen, der biblische Glaubenszwang trat an seine Stelle. Durch die Lutherbibel und ihre herrliche deutsche Sprache drang jüdischer Geist und jüdisches Denken tiefer in das deutsche Volk ein wie je zuvor. Auf dieser Grundlage konnte der Sieg eines wirklich deutschen Glaubens nicht errungen werden.

Vorläufiger Friede mit dem Kaiser.

Immer wieder versuchten es die Päpstlichen, den Kaiser gegen die Lutherischen zu erregen. Mancher Reichstag noch befaßte sich mit ihnen. Aber die protestantischen Fürsten waren dem Kaiser zu mächtig, ihre Hilfe gegen die Franzosen und Türken zu notwendig. Darum hatte sein Vorgehen gegen Luther keine rechte Kraft. Schließlich schloß er in Nürnberg einen vorläufigen Frieden. Nun konnte sich Luthers Werk ungehindert entfalten. Bald war der größte Teil Deutschlands der neuen Lehre beigetreten. Der Gesandte des Papstes mußte nach Rom berichten: „Neun Zehntel von Deutschland schreien ,Luther‘ und das übrige Zehntel ,Tod dem römischen Hof!‘.“

Aber Luther wußte, daß dem Frieden nicht zu trauen war. Er kannte den Papst und sah deshalb voll Kummer den Kampf mit den Waffen voraus. Er erlebte ihn nicht mehr. 1546 schloß der nimmermüde Kämpfer seine 1546 Augen. In der Schloßkirche in Wittenberg fand er sein Grab.

Siehe auch:
Deutsche Geschichte-Zeittafel
Germanen kämpfen um Europa
Die Wikinger, eine neue germanische Welle.
Das Reich der Deutschen beginnt
Großtaten des deutschen Volkes-Das Rittertum und seine Aufgaben
Großtaten des deutschen Volkes-Deutsche gewinnen Raum im Osten
Deutsche Bauern und Bürger sichern das Neuland.
Deutsche Städte — deutsche Kunst.
Großtaten des deutschen Volkes-Die deutsche Hanse.
Der deutsche Bauer und sein Schicksal
Eine neue Welt tut sich auf— Große Erfindungen
Fürstentrotz und Glaubensstreit zerstören das Reich.
Die Not ruft den Erneuerungs willen des Volkes wach.

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