Maschinen, welche speziell für landwirtschaftliche Zwecke konstruiert sind


Die naheliegende Idee, den leichten Explosionsmotor für die vielen Zwecke des landwirtschaftlichen Betriebes nutzbar zu machen, wurde zuerst von den Engländern im größeren Umfange durchgeführt, und eine ganze Reihe der verschiedensten Anwendungen sind im Laufe der Zeit durchprobiert worden, die erkennen lassen, welche Wichtigkeit dem motorischen Antrieb der Ackermaschinen beigelegt wird. Vereinzelt sind ja auch bei uns in Deutschland Versuche zur Nutzbarmachung des Automobilmotors, unter anderem von dem Verfasser, von 1900—1903 gemacht worden, die aber leider aus verschiedenen Umständen, namentlich aber dadurch, daß die Verwendung von Spiritus verlangt wurde und weil die vorhandenen Geldmittel nicht genügend waren, zu keinem befriedigenden Resultat geführt haben.

Die Engländer mit ihrem großen Kolonialgebiet sind gezwungen, den tierischen Betrieb so viel wie möglich aus der Landwirtschaft zu entfernen, weil die klimatischen Verhältnisse und das Überhandnehmen der äußerst schädlichen Tsetsefliege den größten Tierbestand in ganz kurzer Zeit vernichten. Ohne eine durchgreifende Zuhilfenahme der Maschinenkraft ist daher an einen regelrechten Landwirtschaftsbetrieb in den Tropen gar nicht zu denken. Aus diesem Grunde ist die Großfabrikation von landwirtschaftlichen Maschinen mit motorischem Antrieb in England sehr wohl zu begreifen.

Was bis jetzt für Maschinen in England fabriziert werden, dürfte daher für die deutsche Landwirtschaft von besonderem Interesse sein, zumal da diese Ausführungen durch gute Bilder, welche teils von Ausstellungen und teils von Probeversuchen herrühren, illustriert werden können. Es handelt sich hier meistens um den „Ivel“-Motor, der auch bereits in Deutschland probiert wurde, worauf später noch zurückgekommen wird, außerdem sollen aber auch noch andere Agricult. Motoren vorgeführt werden.

Der Ivel-Motor wird von der „Ivel Agricultural Motors Ltd.“ London in großem Maßstabe fabriziert, und wie persönliche Inaugenscheinnahme zeigte, ist die Fabrik mit Aufträgen aus allen Weltgegenden überhäuft.  Die ganze Maschine ist als Vorspannmaschine gebaut und läuft, wie ersichtlich, auf drei Rädern; wovon die beiden hinteren großen, von etwa 1 m Durchmesser und 23 cm Breite als Antriebsräder dienen, während das vordere kleine als Lenkrad ausgebildet ist. Dieses ist ebenfalls breit gehalten und mit einem runden Reifen in der Mitte versehen, um eine bessere Lenkfähigkeit zu erreichen.



Die Maschine ist mit einem liegenden, zweizylindrigen Motor von 18 PS. versehen, wiegt ca. 20 Zentner und kostet inklusive Zubehör 6000 Mk. Wie aus den Abbildungen hervorgeht, ist die Maschine verhältnismäßig klein gebaut. Sie wird einfach vor die Ackergeräte gespannt und läuft mit diesen über das Feld.  Die Maschine ist in England auf allen beschickten Ausstellungen prämiert worden, und hat in den letzten Jahren stets die ersten Preise erhalten. Wie man weiter aus den besitzt die Maschine an der einen Seite noch eine kleine Riemenscheibe, damit der Motor auch zum Betriebe von stationären Maschinen, wie Dreschmaschinen, Schrotmühlen und Häckselmaschinen benutzt werden kann. Hierdurch bildet sie gewissermaßen eine selbstfahrende Lokomobile und „das Mädchen für Alles“ in der Landwirtschaft.

Über die Leistungen der Maschine macht die Gesellschaft folgende, durch Zeugen bestätigte Angaben:

Der Motor zog bei einem Pflügeversuch einen dreischarigen Pflug und pflügte 6 acres 2 roods, das sind 2,6 ha oder ca. 10 1/5 preuß. Morgen Land mit harter Oberfläche (Lehmboden) in 8 Stunden und 54 Minuten. Die Kosten hierfür waren pro acre, gleich 40,5 ar, 5 Mk., also ungefähr 3 Mk. pro Morgen. Bei einem anderen Versuche wurden in 17 Stunden 28 Minuten 11 acres, 1 rood 13 poles, also ca. 4,1 ha oder ca. 16 preuß. Morgen, mit einem Kostenaufwande von 3,45 Mk. für den Morgen gepflügt. Es sei hierbei bemerkt, daß es sich jedenfalls nur um sogenanntes Schälen handeln kann, denn für tiefes Pflügen sind die Antriebsräder zu klein.

Mit zwei Mähmaschinen, die hintereinander an die Zugmaschine gespannt wurden, schnitt man in 3 Stunden 34 Minuten das Gras von 15 acres 3 roods, gleich 6,4 ha oder ca. 25 Morgen, mit einem Kostenaufwande von 6,25 Mk. Ferner wurden 3,6 ha Gras, also 14 Morgen, in 5 Stunden 13 Minuten für 15,75 Mk. geschnitten. 30 Morgen Weizen wurden in 10 Stunden für 33 Mk. geschnitten usw.

Ferner wurde die Maschine zum Antriebe einer Häckselmaschine benutzt und schnitt in 47 Minuten 21,5 Zentner Häcksel von 1 cm Länge. Außer diesen größeren Maschinen baut die Fabrik auch kleinere, die sehr schmal ausgeführt sind, um zwischen Wein- und Hopfenpflanzen den Erdboden zu lockern. Dieser Motor hat 14 PS. und pflügte in 4 Stunden 13 Minuten 1,5 ha auf 18,75 cm Tiefe gleich 7 Zoll, hierbei belief sich der Verbrauch an Paraffinöl auf 39,4 1.

Aus Gründen, die bereits vorher erklärt worden sind, ist für den Betrieb von Motorwagen und Zugmaschinen unbedingt ein Übersetzungsgetriebe erforderlich. Ein solches ist auch bei dem Ivelmotor vorhanden, aber es besitzt nur eine feste Geschwindigkeit, die etwa 3,5 bis 4 km zuläßt. Dieses Tempo entspricht ungefähr der Geschwindigkeit des tierischen Zuges beim Pflügen.

Tiefer wie bis 7 Zoll wird man mit einem dreischarigen Pflug bei dem direkten Antrieb nicht pflügen können, und auch das Streben nach einer größeren Geschwindigkeit wird ohne Erfolg bleiben. Verfasser hat mit seiner Maschine, die mit einem bedeutend stärkeren Motor versehen war, bis 6 km in der Stunde erreicht, es war aber bei dieser Geschwindigkeit nicht mehr möglich, den Pflug in der Nebenfurche zu halten. Hierzu sei bemerkt, daß der Pflug einfach hinter die Maschine gespannt wurde und nicht noch extra einen Lenker brauchte, wie man es bei dem Ivel sieht, denn dadurch würde das Pflügen denn doch etwas zu kostspielig werden.

Die Maschine des Verfassers hatte, wie ersichtlich, vier Räder, von denen die vorderen 20 cm und die hinteren 40 cm breit waren. Außerdem war noch eine Seiltrommel vorhanden, um die Maschine auch für den indirekten Zug wie beim Dampfpflug benutzen zu können.

Kehren wir zurück zum Ivelmotor, dann haben wir noch die Versuche zu erwähnen, welche mit demselben in Deutschland vorgenommen sind. Um unnötige Anfragen den betreffenden Herren, welche seiner Zeit die Versuche vorgenoinmen haben, zu ersparen, werde ich die Adressen derselben fortlassen. Es heißt über die Versuche, daß dieselben zum Ziehen eines Pfluges nicht genügt haben, die Maschine war zu schwach und leistete bei guter Führung soviel wie drei Ochsen. Auch sei die Geschwindigkeit zu gering.

In dem Berichte heißt es weiter: Zuerst wurden Versuche über die Zugkraft vorgenommen. Hierbei zog die Maschine auf ebener Straße und auf leichten Steigungen glatt eine Last von 90 Zentner, es gab aber Stockungen, wenn eine größere Steigung überwunden werden sollte, oder wenn die Fahrt über weichen Boden ging. Beides ist leicht erklärlich, weil der Fahr widerstand auf Steigungen oder auf weichem Boden ganz bedeutend wächst. Wie schon erwähnt, kann derselbe das Mehrfache des Fahr Widerstandes auf guten Straßen erreichen.

Um 1000 kg auf glatter Chaussee zu bewegen, ist eine Zugkraft von ca. 25 kg erforderlich, während ca. 160 kg erforderlich sind, wenn es über losen Acker geht. Außerdem muß die Zugkraft beim Befahren von Steigungen für jedes Prozent derselben um 10 kg erhöht werden.

Eine Maschine, die 4000 kg wiegt, auf dieses Gewicht wird man kommen, wenn man eine solche bauen will, die allen Anforderungen genügt, braucht allein für ihre eigene Fortbewegung 14 PS., wenn sie mit einer Geschwindigkeit von 6 km per Stunde, also im Marschtempo, über den Acker gehen soll. Eine Geschwindigkeit von 6 km muß aber gefordert werden, wenn die Ackerkrume fein zerteilt werden soll.

Zwei andere Photographien zeigen uns den Ivel als Vorspann vor einem Binder (Mason-Harris) von 6 Fuß Breite, während uns das letzte Bild eine Vorführung eines Hopfenwaschers auf einer englischen Landwirtschaftlichen Ausstellung zeigt. Auf dieser Momentphotographie erkennen wir einen eisernen Behälter, der auf Rädern läuft und hinter die Maschine gespannt ist. Diese Räder treiben eine Pumpe, die einen feinen Flüssigkeitsstaub erzeugt, der die Hopfen- oder auch Weinpflanzen abwäscht.

Der große Erfolg, den die Ivelmaschine in England und den Kolonien gefunden hat, scheint nur auf die bereits erwähnten klimatischen Verhältnisse in den Kolonien zurückzuführen sein; so wie die Maschine heute noch ist, kann sie unter keinen Umständen eine Konkurrenz mit dem tierischen Zug aufnehmen, wenigstens soweit unsere deutsche Landwirtschaft in Betracht zu ziehen ist. Zu erwähnen ist noch, daß England Besitzungen hat, wo das Benzin fast gar nichts kostet und als lästiges Destillationsprodukt aufs freie Feld gefahren wird, um dort nutzlos verbrannt zu werden. Ferner sind Kolonien vorhanden, wo der Spiritus, als Nebenprodukt der Zuckerfabrikation, für wenige Pfennige das Liter hergestellt wird. Mit solchen Betriebsmitteln kann unsere Landwirtschaft leider nicht rechnen.

Während sich diese Zeilen im Druck befinden, werden Versuchsresultate veröffentlicht, welche in Ungarn mit dem ,,Ivel“motor erhalten wurden und die ein allgemeines Interesse verdienen, weil sie im Gegensatz zu den Angaben der Vertreter der Ivelfabrik stehen. Fis heißt in diesen Berichten:

Die ungarländische landwirtschaftliche Gesellschaft hatte im Vorjahre, also 1905, in Buda-Bieske (Stuhlweißenburger Komitat) mit einem von der Firma Don dla Ziemian in Lemberg überlassenen Ivelmotor Proben veranstaltet, welche aber nur einen Tag gedauert haben. Man konnte sich daher noch keinen richtigen Begriff von der Leistungsfähigkeit des Motors machen, weshalb ein Herr Kornel von Kobek de Bätorkesz den Motor, der ihm von der Firma Ziemian zur Probe überlassen war, einer Probe von vier Wochen unterzog.

Diese Proben dauerten vom 15. Oktober bis Mitte November 1905. Die Resultate waren leider nicht glänzende, heißt es weiter. Die Maschine sei sehr stabil und praktisch gebaut, aber noch in mancher Beziehung mangelhaft.

Die Zündung erfolgt durch Akkumulatoren und Induktionsapparat, und dieser Apparat befindet sich so dicht am Schwungrad, daß der offene Apparat alle halbe Stunde gereinigt werden muß, weil er voll öl spritzt und dann einfach stehen bleibt. Ferner ist die Wasserkühlung sehr primitiv, denn es ist eine einfache Umlaufkühlung, wobei 120—130 1 Wasser, die sich in einem einfachen Blechkasten befinden, um den Motor zirkulieren, ohne Anwendung einer Pumpe oder eines besonderen Kühlapparates mit Ventilator. Nach einer Arbeit von kaum zwei Stunden beginnt das Wasser zu sieden, also selbst im Oktober-November, wo die Außentemperatur schon an sich nur sehr niedrig ist.

Die Maschine arbeitet zu langsam. Der Motor macht, ob belastet oder nicht, nur 2,7 km in der Stunde auf ebener Landstraße, und diese Geschwindigkeit ist nicht regulierbar, läuft also nicht schneller wie Ochsen laufen, ja im Gegenteil noch langsamer, weil man immerfort den Zündapparat reinigen muß. Man sieht, daß die ganze Sache noch primitiv ist, denn ein dichtschließender Deckel über den Kasten des Apparates ließe sich wohl anbringen, auch läßt sich der Kasten an einen anderen Platz stellen.

Ferner braucht die Maschine stündlich 9 Liter Benzin, ganz gleich, wie der Motor belastet ist. Bei einem spez. Gewicht von 0,7 braucht man also in 10 Stunden 63 kg Benzin. Der Motor besitzt nur eine feste Geschwindigkeit, kann also, wenn es erforderlich ist, nicht langsamer laufen, wenn man z. B. langsam laufende Maschinen an treiben will. Vermindert man aber die Geschwindigkeit durch Veränderung der Zündung oder indem man das Gasgemisch drosselt, dann bleibt der Motor meistens stehen.

Der Betrieb kostet vorläufig noch dreimal soviel als mit Ochsen und dabei geht es auch nicht schneller als mit solchen. Hierbei ist noch nicht mit in Betracht gezogen, daß ein zweiter Mann notwendig ist, um den Pflug immer in die Furchen zu dirigieren.

Die Riemenscheibe ist fest am Motor, und es müßte eigentlich eine feste und eine lose Scheibe vorhanden sein, damit man den Motor andrehen kann, während man so immer beim Andrehen die andere zu treibende Maschine mit drehen muß. Man sieht, daß hierdurch wieder bestätigt wird, was ich bereits vorher gesagt habe. Ferner wurde durch die Versuche festgestellt, daß die

Maschine für ihre eigene Fortbewegung allein 7 PS., gebraucht, dieses ist aber ein Umstand, der sich leider nicht beseitigen läßt und zeigt, daß der direkte Zug beim Pflügen nicht angewandt werden kann; man wird also beim Seilbetrieb bleiben müssen.

Siehe auch:
Die Arbeitsweise des Explosionsmotors im Vergleich zu der Dampfmaschine
Das kraftspendende Medium im Explosionsmotor
Der Übergang der Motorenkraft auf die treibenden Hinterräder des Wagens
Robert Bosch / Treue zum Werk
Automobillastwagen für den Transport von landwirtschaftlichen Produkten

2 Comments

  1. […] Hinterräder des Wagens Automobillastwagen für den Transport von landwirtschaftlichen Produkten Maschinen, welche speziell für landwirtschaftliche Zwecke konstruiert sind Robert Bosch / Treue zum […]

    21. April 2017
  2. […] Hinterräder des Wagens Automobillastwagen für den Transport von landwirtschaftlichen Produkten Maschinen, welche speziell für landwirtschaftliche Zwecke konstruiert sind Saunderson Motor Cultivator Robert Bosch / Treue zum […]

    21. April 2017

Comments are closed.