Mehlschwalbe

Mehlschwalbe, Hirúndo úrbica (L)

Stadtschwalbe heißt sie lateinisch, denn da sie außen an den Häusern unterm Dachrande brütet, braucht sie sich weniger auf das Dorf zu beschränken. Die tadellos gepflasterten Straßen der modernen Stadt, auf denen sie nirgends feuchte Erde zum Nestbau findet, sind ihr freilich ebenso zuwider wie dem Freunde altmodischer Stadt- und Straßenbilder, und so flüchtet auch sie in das Dorf. Hier sieht man an dem pädagogisch so berühmten Dorfteich oft reizende Gruppen dieser Schwälb-chen mit den weißbefiederten Füßchen auf dem Schlamm stehen und eifrig den Schnabel mit dem für sie höchst kostbaren Baumaterial füllen. Nur dadurch machen sie noch ihrem vornehmen Namen Ehre, daß sie ihre Nester oft in kleinen „Städten“ vereint anlegen und bei den ersten Bauversuchen eine schnurgerade Straßenlinie von Mörtel anwerfen. Vgl. die Abbildung Seite 97. Auch die Bauart der Nester ist sozusagen etwas städtischer als die niedrige Wohnung der Dorfschwalbe.

Name: Von den reinweißen Gefiederteilen. „Hirundo“ = Schwalbe, „urbicus“ von „urbs“ = Stadt, also Stadtschwalbe. Vorkommen: Stellenweise gemein, strichweise jahrelang selten oder nur auf dem Zuge.

Artmerkmal: Kurzer, im Sitzen meist gesenkter Schwanz, weiße Kehle, weißer Unterrücken, befiederte Füße.

Größe: Etwas kleiner als die vorige. Flügel 10,7—11,6 cm. Gewicht 19,5-23 g.

Weibchen: Wie Männchen.

Junge: Matter gefärbt, zuweilen mit grauer Kehle.

Herbstkleid: Mit bräunlichgrauem Anflug an Bürzel und Kehle, wenig bekannt.

Lockton: „Schäer“ oder „srüb“ (tzr), Angstruf „zier“.

Gesang: Zwitschernd, im Sitzen oder im Fluge, selten hörbar.

Eier: 4—5, einfarbig weiß, Mai bis August, zwei Bruten.

Nest: Halbkugel, oder doch oben bis auf das runde oder ovale Einflugloch geschlossen, aus Erde gemauert.

Nistplatz: Außen an Gebäuden unterm Dachrand, im Auslande öfter an Felswänden, gern in Kolonien.

Nahrung: Insekten.

Zug: April, Mai-August, September.

Einzige deutsche Form der Realgattung Hirúndo Urbica.

Siehe auch:
Die Singvögel der Heimat – Einleitung
Haussperling
Feldsperling
Steinsperling
Heckenbraunelle
Edelfink
Bergfink
Kernbeißer
Grünling
Stieglitz
Erlenzeisig
Bluthänfling
Girlitz
Gimpel
Kreuzschnabel
Goldammer
Grauammer
Rohrammer
Feldlerche
Haubenlerche
Heidelerche
Baumpieper
Wiesenpieper
Brachpieper
Weiße Bachstelze
Gebirgsbachstelze
Schafstelze
Rauchschwalbe

Ein Ausspruch Kants über den ästhetischen Wert der Singvögel.

Die „Natur, die keinem Zwange künstlicher Regeln unterworfen ist,“ kann dem „Geschmacke für beständig Nahrung geben“. — „Selbst der Gesang der Vögel, den wir unter keine musikalische Regel bringen können, scheint mehr Freiheit und darum mehr für den Geschmack zu enthalten als selbst ein menschlicher Gesang, der nach allen Regeln der Tonkunst geführt wird; weil man des letztem, wenn er oft und lange Zeit wiederholt wird, weit eher überdrüssig wird. Allein hier vertauschen wir vermutlich unsere Teilnehmung an der Lustigkeit eines kleinen beliebten Tierchens mit der Schönheit seines Gesanges, der, wenn er vom Menschen (wie es mit dem Schlagen der Nachtigall bisweilen geschieht) ganz genau nachgeahmt wird, unserem Ohre ganz geschmacklos zu sein dünkt“

Text und Bild aus dem Buch: Die Singvögel der Heimat (1921), Author: Kleinschmidt, Otto.

7 Comments

  1. […] Baumpieper Wiesenpieper Brachpieper Weiße Bachstelze Gebirgsbachstelze Schafstelze Rauchschwalbe Mehlschwalbe Uferschwalbe Mauer- oder Turmsegler Seidenschwanz Grauer Fliegenschnäpper Trauerfliegenschnäpper […]

    31. Januar 2016
  2. […] Baumpieper Wiesenpieper Brachpieper Weiße Bachstelze Gebirgsbachstelze Schafstelze Rauchschwalbe Mehlschwalbe Uferschwalbe Mauer- oder Turmsegler Seidenschwanz Grauer Fliegenschnäpper Trauerfliegenschnäpper […]

    31. Januar 2016
  3. […] Baumpieper Wiesenpieper Brachpieper Weiße Bachstelze Gebirgsbachstelze Schafstelze Rauchschwalbe Mehlschwalbe Uferschwalbe Mauer- oder Turmsegler Seidenschwanz Grauer Fliegenschnäpper Trauerfliegenschnäpper […]

    31. Januar 2016
  4. […] Baumpieper Wiesenpieper Brachpieper Weiße Bachstelze Gebirgsbachstelze Schafstelze Rauchschwalbe Mehlschwalbe Uferschwalbe Mauer- oder Turmsegler Seidenschwanz Grauer Fliegenschnäpper Trauerfliegenschnäpper […]

    31. Januar 2016
  5. […] Baumpieper Wiesenpieper Brachpieper Weiße Bachstelze Gebirgsbachstelze Schafstelze Rauchschwalbe Mehlschwalbe Uferschwalbe Mauer- oder Turmsegler Seidenschwanz Grauer Fliegenschnäpper Trauerfliegenschnäpper […]

    31. Januar 2016
  6. […] Baumpieper Wiesenpieper Brachpieper Weiße Bachstelze Gebirgsbachstelze Schafstelze Rauchschwalbe Mehlschwalbe Uferschwalbe Mauer- oder Turmsegler Seidenschwanz Grauer Fliegenschnäpper Trauerfliegenschnäpper […]

    31. Januar 2016

Comments are closed.