Negermärchen II

Erzählungen der Wapare in Deutsch-Ostafrika.

Der Fuchs und die Schildkröte. Eines Tages begegnete der Fuchs einer Schildkröte. Als er sie sah, dachte er in seinem Herzen: Das ist ein dummes Tier, ich will mich einmal recht über sie lustig machen. Darauf sprach er zu der Schildkröte: Du, wir wollen heute einmal zusammen nach meinem Bienenstöcke gehen, und ihn vom Baume herunter lassen. Der Stock ist voll süssen Honigs. (Die Neger höhlen zur Honiggewinnung einen etwa meterlangen Baumstamm aus, indem sie den Stamm der Länge nach mitten durchschneiden. Die zwei so gebildeten Teile werden dann wieder aufeinander gelegt, festgebunden, aber so, dass die Bienen durch einen schmalen Spalt aus und einfliegen können. Dieses Bienenhaus wird dann in den gabelförmigen Ast eines Baumes gelegt und ein langer Strick daran befestigt, so dass der Besitzer des Stockes ihn immer von unten aus herunter lassen kann. Die Bienen fliegen, wenn sie schwärmen in diese Stöcke, die dann von den Schwarzen später aufgebrochen werden.) Der Schildkröte gefiel der Vorschlag des Fuchses, und sie ging mit. Als sie an den Baum kamen, auf dem der Bienenstock befestigt war, kletterte der Fuchs schnell hinauf. Als er oben angekommen war, rief er der Schildkröte herunter: Nun halte den Strick aber gut fest, denn der Stock ist sehr schwer von all dem Honig. Da band sich die Schildkröte den Strick um die Hand. Nun machte der Fuchs den Bienenstock los und setzte sich darauf. Der Bienenstock fiel sogleich zur Erde, während die Schildkröte von dem Strick, den sie sich an der Hand befestigt hatte, auf den Baum hinaufgezogen wurde. Als der Fuchs unten angelangt war, kam die Schildkröte oben im Baum an. Da rief sie dem Fuchs herunter: Du, ich bin hier! Der Fuchs antwortete: Und ich bin hier, will aber erstmal meinen Honig essen! Damit brach er den Stock auf, ass sich an dem süssen Honig vor den Augen der Schildkröte satt und ging davon.