Nutzpflanzen der Eingeborenen in Ostafrika


Zahlreich sind in den Kolonien die Nutzpflanzen verschiedener Art, die dem Eingeborenen teils als Hauptnahrung, teils als Zukost dienen und bis zu einem gewissen Grade auch für den Europäer von Wichtigkeit sind. Neben allerlei Fruchtbäumen, unter denen in manchen Gegenden namentlich die Banane eine hervorragende Rolle spielt, sind für den ostafrikanischen Neger verschiedene Hirsearten von ausserordentlicher Wichtigkeit, die ihm seinen täglichen Mehlbrei, die Hauptnahrung, liefern und überdies zur Bereitung des geliebten Negerbieres dienen.

In erster Linie kommt unter diesen Mtama oder Sorghum in Betracht, ein hochhahniges Getreide, das bis zu fünf Meter Höhe erreicht. Der Blutenstand bildet je nach der Spielart eine Rispe nach Art des Hafers oder er ist dicht gedrängt, wie eine volle Traube. Die Körner sind bis vier Millimeter lang und bis drei Millimeter breit und je nach der Sorte, weiss, rot, gelb oder schwarz gefärbt. Sorghum ist mit magerem trockenen Boden zufrieden und kommt daher überall in Ostafrika gut fort. Andere dem Mtama nur entfernt verwandte Getreidegräser Ostafrikas sind der Ulesi mit fingerförmig gestellten Aehrchen und der Mawele, dessen Körner in einem kolbenförmigen Stand angeordnet sind. Beide Arten kommen mehr in den Hochländern vor. Ulesi wird am Kilimandjaro und Meru fast allein zur Bierbereitung verwandt.

Sehr verbreitet als Nahrungsmittel der Eingeborenen ist die Batate oder Süsskartoffel, die in vielen Teilen der Kolonie angebaut und auch von den Europäern geschätzt wird. Die Pflanze hat lange, auf dem Boden kriechende Stengel, herzförmige Blätter und bildet lange spindelförmige Knollen mit hohem Stärkegehalt. Wie unsere Kartoffel, mit der sie übrigens botanisch nicht verwandt ist, stammt auch die Batate aus Amerika, hat sich aber in den höheren Teilen Ostafrikas schon völlig eingebürgert. Die Knollen erreichen im allgemeinen ein Gewicht von 1 bis 2 Kilogramm, unter günstigen Bedingungen aber auch bis zu 6 Kilogramm.

Im Gegensatz zu unserer Kartoffel hält sich die Batate nicht lange und wird am besten sofort verbraucht. Jedoch kann man sie monatelang im Boden lassen und nach bedarf ernten. Der Geschmack der Knollen, die meist in gedörrtem Zustand genossen werden, ähnelt dem der essbaren Kastanie.

Nicht minder geschätzt als Knollengewächs wird der Mohogo oder Maniok. Die Maniokstaude gehört zu den Wolfsmilchpflanzen, wird 1 bis 2 Meter hoch und treibt 30 bis 40 Zentimeter lange, in Büscheln zusammenstehendeWurzelknollen, die bis zu 5 Kilogramm schwer werden. Bei manchen Spielarten ist die Maniokwurzel in rohem Zustand giftig und wird erst durch Kochen geniessbar.

In Ostafrika dient die Wurzel vorläufig nur als Nahrungsmittel für Eingeborene, die sie meist zu Brei verrührt gemessen. In anderen tropischen Kolonien kommt sie in den Handel und ist bei uns unter dem Namen Tapioka oder Manioksago bekannt. Maniok ist mit sehr geringem Boden zufrieden und bedarf bei seiner Kultur fast gar keiner PfLge, ein Vorzug, den die Neger besonders zu schätzen wissen.

Im Gegensatz zu den vorerwähnten Nutzpflanzen, die im allgemeinen nur von den Eingeborenen für den Eigenbedarf erzeugt werden, ist das Zuckerrohr ausserdem schon vor längerer Zeit von den Arabern in grösserem Umfang angebaut worden. Mit dem Wegfall der Sklavenarbeit wurde deren Zuckerrohrkultur und Zuckererzeugung mit ihrer primitiven Arbeitsweise jedoch unrentabel und ging stark zurück. Das Zuckerrohr gedeiht am besten in feuchtwarmem Klima, demnach an der Küste und an den Flüssen tropischer Gebiete, findet sich aber auch noch in bedeutender Meereshöhe in den Gebirgen an feuchten Stellen. In Ostafrika wurde es namentlich am Unterlauf des Panganiflusses angebaut. Zur Zuckerbereitung dienen nur die Stengel, die in Maschinen gemahlen und ausgepresst werden. Von den Eingeborenen wird Zuckerrohr fast überall in kleinen Mengen für den Eigenbedarf angebaut. Da in trockenen Gegenden der Anbau nicht möglich ist, so bildet Zuckerrohr auf den Märkten der Kolonie einen geschätzten Handelsartikel. Der Neger denkt übrigens nicht daran, das Zuckerrohr irgendwie zu verarbeiten, er beschränkt sich vielmehr darauf, es stückweise auszukauen.

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