Ostafrikanisches Obst


Von den Tropen, mit denen sich in unsrer Vorstellung der Begriff eines Pflanzenwuchses von grosser Ueppigkeit verbindet, erwarten wir mit Recht besondere Leistungen in bezug auf die Hervorbringung von allerlei wohlschmeckenden Früchten. In Ostafrika aber gibt es nicht allzu viel Fruchtarten. Nur im Küstengebiet herrscht in dieser Hinsicht eine gewisse Mannigfaltigkeit. Neben denjenigen, die wir mit dem Sammelnamen „Südfrüchte“ zu bezeichnen pflegen, gibt es noch eine Reihe von Früchten, die im Leben der Eingeborenen eine erhebliche Rolle spielen, ohne bei uns zu Hause weiter bekannt zu sein.

Die wichtigste ist wohl die Banane. Die Banane ist eine Staude, die bis zu 8 Meter hoch wird. Der Stamm, wenn man von einem solchen reden kann, ist ziemlich weich und aus den Blattscheiden gebildet. Die saftgrünen Blätter werden bis 4 Meier lang  und sind in ausgewachsenem Zustand meist vielfach zerschlissen. Auch hierzulande sieht man die Banane, wenn auch nicht  die fruchttragende, häufig als wirkungsvolle Zierpflanze, so dass wir die äussere Gestalt als bekannt voraussetzen können.

Die Blüten sitzen an einem langen Kolben, der mit fortschreitender Entwicklung immer mehr überhängt. Die Banane treibt nur ein Fruchtbündel, das aber mit den Flüchten oft vierzig und mehr Kilo schwer wird und bis zu hundert Einzelfrüchte umfasst. Ist die Frucht ausgereilt, so stirbt die Staude ab. Die Pflanze stammt aus dem asiatischen Insclgcbiet, hat sich aber in Afrika längst völlig cingebürgert. In manchen Gebieten Afrikas bildet sie geradezu das einzige Nahrungsmittel der Bevölkerung, z. B. in einigen Gegenden Kameruns. Soweit geht nun ihre Bedeutung in Ostairika nicht. Aber das Hauptnahrungsmittel ist sie doch in einer Reihe von Gebieten, die man deshalb als Bananenländer bezeichnet hat; das grösste ist das Zwischenseegebict zwischen Victoria-, Kiwu- und Tanganjikasee, dann das Kondeland am Nordufer des Njassa und der Kilimandjaro. In diesen Gebieten unterscheidet man zwischen Obstbananen und Gemüsebananen, welche letztere im wesentlichen nur gekocht oder geröstet zur Nahrung dienen. Im übrigen Ostafrika trifft man fast überall nur verschiedene Arten der Obstbanane.

Die unreifen Bananen geben ein Mehl, das manniglache Verwendung findet. In vielen Gegenden ist die Banane ein wesentlicher Bestandteil für die Herstellung des Neeerbiers. Und aus diesem Bananenbier wird mancherorts, so in der Nähe von Muansa, von den Eingeborenen auch in rohem Verfahren ein Bananenschnaps destilliert. In Europa ist die Banane erst vor kurzer Zeit weiteren Kreisen bekannt geworden, da die Frucht wenig haltbar ist und schnell in Fäulnis übergeht. Erst in letzter Zeit ist die Einfuhr durch die Besserung der Verkehrsverhältnisse in grösserem Umfange möglich geworden, und heute sieht man die Frucht, die schnell beliebt geworden ist, auch in Deutschland in allen Obsthandlungen. Allerdings ist kaum zu hoffen, dass je aus Ostafrika Bananen nach Deutschland eingeführt werden können, dazu ist der Weg durch den Suezkanal doch wohl zu weit.

Bei weitem nicht von so grosser wirtschaftlicher Bedcutung wie die Banane alsa afrikanisches Volksnahrungsmittel, aber doch allgemein verbreitet ist die Papaya oder der Melonenbaum, der eine der Melone im Geschmack ähnelnde, nur weniger säuerliche Frucht liefert. Bei der Papaya unterscheidet man weibliche und männliche Pfianzen, die Befruchtung besorgt der Wind. Der Baum treibt einen schlanken Stamm, der aber so schwammig ist, dass ein kräftiger Fusstritt genügt, um ein Exemplar von 20 Zentimeter Durchmesser umzulegen. Unter der schopfartigen Blälterkrone hängen die weiblichen Blüten herab, die männlichen ragen empor.

Die Früchte werden zweifaust- bis kopfgross und sind aussen grünlichgelb, innen melonengelb. Die schwärzlichen Samen im Innern der Frucht sehen aus wie grobkörniger Kaviar und haben einen scharfen beissenden Geschmack. Blätter und Früchte enthalten ein Ferment, das dem im Magensaft des Menschen enthaltenen Pepsin nahe verwandt ist. Das benutzt die afrikanische Hausfrau: um das in Ostafrika stets allzu frisch geschlachtete Fleisch weich zu machen, wickelt sie cs in Papayablätter ein. Ein Export der Papayafrucht erscheint schwer möglich, da sie noch viel schneller als die Banane fault.

Noch weit beliebter bei den Eingeborenen und Europäern als das vorgenannte Obst ist die Frucht des Mangobaumes. Schon vor langer Zeit aus Indien nach Ostafrika verpflanzt, wurde er dort von den Arabern, die seine Frucht sehr schätzen, überall weit ins Land hinein bis nach Tabora verbreitet. In der Landschaft der küstennahen Gebiete Ostafrikas bilden seine gewaltigen schwarz rünen, das ganze lahr frischen Laubmassen ein wesentliches Element, das sich wirkungsvoll von den schlanken Kokospalmen und zartgrünen Bananen abhebt. Es gibt verschiedene Spielarten, die Kernfrüchte von Pflaumengrösse bis Faustgrösse tragen. Das hellgelbe Fruchtfleisch, das sich nicht wie bei unseren reifen Pflaumen leicht vom Kern ablöst, sondern ihm fest anhaftet, hat einen leichten aber ausgesprochenen Terpentingeschmack. Trotzdem gilt es auch bei den Europäern als die beste ostafrikanische Frucht. Eben wegen der Feinheit der Frucht hat man schon wiederholt versucht, Mangofrüchte nach Europa zu exportieren, bis jetzt ohne eigentlichen Erfolg. In geringerem Umfang wird die Mangofrucht als Konserve aus Indien nach Europa, namentlich nach England versandt.

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