Nebenstehend abgebildete Walze ist in England, namentlich in den königlichen Parks, zum Festwalzen der Wege und Rasenplätze vielfach in Benutzung. Sie wird durch einen Benzinmotor von 8 PS. angetrieben, der unter der Haube sitzt. Der Antrieb erfolgt von einer Vorgelege welle, welche ein Differentialgetriebe besitzt, durch zwei Ketten auf die beiden Hinterwalzen. Die Breite der Walze ist 1,06 m und ihr Gewicht beträgt 2200 kg.

Diese Maschine wird fabriziert von der Firma Th. Green & Son, London. Eine ähnliche Maschine, von der Firma A. Barford and Perkins in Petersborough, sehen wir auf der nächsten Figur abgebildet, bei dieser erfolgt der Antrieb durch einen kleinen Motor von 6 oder 8 PS. von Simms.

Außer diesen Maschinen sind eine große Anzahl von Rasenmähmaschinen mit Motorbetrieb in Gebrauch. Diese Maschinen sind nach dem bekannten Prinzip der amerikanischen Rasenmäher mit Walzen und rotierender Messerwelle gebaut.

Ausgedehnte Rasenplätze sind bekanntlich in England sehr verbreitet und werden dort sehr gut gepflegt und oft geschoren, so daß sich die Einführung des motorischen Betriebes schon lohnt; denn Zugtiere können nicht benutzt werden, weil ihre Hufe den Rasen beschädigen würden.

Siehe auch:
Die Arbeitsweise des Explosionsmotors im Vergleich zu der Dampfmaschine
Das kraftspendende Medium im Explosionsmotor
Der Übergang der Motorenkraft auf die treibenden Hinterräder des Wagens
Automobillastwagen für den Transport von landwirtschaftlichen Produkten
Maschinen, welche speziell für landwirtschaftliche Zwecke konstruiert sind
Saunderson Motor Cultivator
Robert Bosch / Treue zum Werk

Automobilmotor und Landwirtschaft


Die Firma H. P. Saunderson & Co. in Redford baut Petroleum- und Benzinmotoren von 2 ½ —25 PS. mit einem oder zwei Zylindern. Namentlich werden schwere Kohlenwasserstoffe benutzt, wovon meistens das billige Paraffinöl, ein Destillat, welches aus der Braunkohle gewonnen wird, bei uns deshalb auch Braunkohlenöl genannt, zur Anwendung kommt. Im Gegensatz zu dem „Ivel“motor werden bei dieser Maschine alle drei Räder angetrieben, wobei die Vorderräder zur Lenkung eingerichtet sind.

Der Antrieb der Vorderräder wird wohl in Zukunft für solche Zugmaschinen, welche Sandwege befahren sollen, gefordert werden müssen, denn die Vorderräder klettern gewissermaßen über den Sand und bohren sich nicht so fest ein, als wenn der Wagen geschoben wird. Der Motor leistet 25 PS. und ist mit einem drei- bis sechsscharigen Pfluge versehen, der abmontiert werden kann, wenn stationäre Maschinen angetrieben werden sollen, oder wenn er als Vorspann für einen Lastwagen benutzt werden soll.

Wenn die Maschine vor zwei Bindern geht, soll sie in einem Tage 20 Acker oder ca. 30 Morgen Getreide mähen und binden, wozu für 14 sh Petroleum oder für 3 sh 4 d Paraffinöl gebraucht werden. Vergleichspreise, die einen Rückschluß auf deutsche Verhältnisse zulassen, sind nicht bekannt, man kann aber mit ca. 125 Liter Petroleum pro Tag rechnen.

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Die naheliegende Idee, den leichten Explosionsmotor für die vielen Zwecke des landwirtschaftlichen Betriebes nutzbar zu machen, wurde zuerst von den Engländern im größeren Umfange durchgeführt, und eine ganze Reihe der verschiedensten Anwendungen sind im Laufe der Zeit durchprobiert worden, die erkennen lassen, welche Wichtigkeit dem motorischen Antrieb der Ackermaschinen beigelegt wird. Vereinzelt sind ja auch bei uns in Deutschland Versuche zur Nutzbarmachung des Automobilmotors, unter anderem von dem Verfasser, von 1900—1903 gemacht worden, die aber leider aus verschiedenen Umständen, namentlich aber dadurch, daß die Verwendung von Spiritus verlangt wurde und weil die vorhandenen Geldmittel nicht genügend waren, zu keinem befriedigenden Resultat geführt haben.

Die Engländer mit ihrem großen Kolonialgebiet sind gezwungen, den tierischen Betrieb so viel wie möglich aus der Landwirtschaft zu entfernen, weil die klimatischen Verhältnisse und das Überhandnehmen der äußerst schädlichen Tsetsefliege den größten Tierbestand in ganz kurzer Zeit vernichten. Ohne eine durchgreifende Zuhilfenahme der Maschinenkraft ist daher an einen regelrechten Landwirtschaftsbetrieb in den Tropen gar nicht zu denken. Aus diesem Grunde ist die Großfabrikation von landwirtschaftlichen Maschinen mit motorischem Antrieb in England sehr wohl zu begreifen.

Was bis jetzt für Maschinen in England fabriziert werden, dürfte daher für die deutsche Landwirtschaft von besonderem Interesse sein, zumal da diese Ausführungen durch gute Bilder, welche teils von Ausstellungen und teils von Probeversuchen herrühren, illustriert werden können. Es handelt sich hier meistens um den „Ivel“-Motor, der auch bereits in Deutschland probiert wurde, worauf später noch zurückgekommen wird, außerdem sollen aber auch noch andere Agricult. Motoren vorgeführt werden.

Der Ivel-Motor wird von der „Ivel Agricultural Motors Ltd.“ London in großem Maßstabe fabriziert, und wie persönliche Inaugenscheinnahme zeigte, ist die Fabrik mit Aufträgen aus allen Weltgegenden überhäuft.  Die ganze Maschine ist als Vorspannmaschine gebaut und läuft, wie ersichtlich, auf drei Rädern; wovon die beiden hinteren großen, von etwa 1 m Durchmesser und 23 cm Breite als Antriebsräder dienen, während das vordere kleine als Lenkrad ausgebildet ist. Dieses ist ebenfalls breit gehalten und mit einem runden Reifen in der Mitte versehen, um eine bessere Lenkfähigkeit zu erreichen.

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Unser nächstes Bild zeigt uns eine photographische Aufnahme nach dem Wettbewerb der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft 1905 auf dem Marktplatze in Quedlinburg a. H. Auf diesem Wettbewerbe hat bekanntlich die Neue Automobil-Gesellschaft mit ihren Lastwagen, die in den Werkstätten der Allgemeinen Elektrizitäts-Gesellschaft in Berlin gebaut werden, den Kaiserpreis errungen. Vom größten Interesse für die Landwirte dürfte zunächst der beistehend abgebildete Milchwagen sein.

Derselbe ist mit einem 8—9 PS. zweizylindrigen Benzinmotor versehen und dient dazu, um die Milch in Kannen oder Fässern vom Gute direkt in die nächste Stadt zu schaffen. Der Wagen läuft mit einer Geschwindigkeit von etwa 18—20 km in der Stunde und ist mit Vollgummireifen versehen. Verschiedene kleinere Ausführungen, für die aber kein wesentlicher Bedarf vorliegt, sind dieser neuesten Type vorangegangen. Der Wagen stellt in dieser Ausführung so ziemlich das kleinste Lastautomobil für den Landwirt dar. Das Gewicht desselben beträgt ungefähr 30 Zentner, und er kann mit 30—40 Zentner beladen werden.

Die obenstehende Abbildung zeigt eine kleine Lastzugmaschine derselben Gesellschaft, welche als Straßenlokomotive dient und zwei beladene Lastwagen schleppen kann. Solche Lastzüge dürften sich namentlich für den Transport von Zuckerrüben eignen. Wie man schon von außen sieht, ist die maschinelle Einrichtung der Lastwagen dieselbe, als die der vorher abgebildeten Tourenwagen, nur sind hier die Kraftübertragungsmittel viel kräftiger ausgebildet.

Angaben über den Brennstoffverbrauch finden die verehrten Leser weiter hinten unter der Rubrik „Betriebskosten“. Außer diesen Lastwagen baut die Gesellschaft noch die verschiedensten Typen mit zwei- und vierzylindrigen Lastwagenmotoren, die etwa 650—750 Touren in der Minute machen.

Den größten bisher von der N. A. G. gelieferten Lastzug sehen wir auf den nächsten Bildern dargestellt; derselbe wurde nach den Angaben des Herrn Oberleutnant Trost für Westafrika gebaut und ist mit einem 40 PS. Spiritusmotor versehen. Mit demselben können gleichzeitig 20 000 kg gleich 400 Zentner befördert werden, die teils auf der Maschine selbst und teils auf die Anhänger verladen werden. Das erste Bild zeigt die Benutzung auf guter Straße, als Straßenlokomotive, während die anderen Abbildungen uns nach Afrika führen.

Wir sehen zunächst, wie die Wagen beladen werden. Sobald der Schlepper auf eine schlechte Straße kommt, wo die Räder nicht mehr die gehörige Adhäsion am Erdboden finden und sich daher in den Boden einwühlen wollen, wrerden sie mit 80 cm breiten Sporen aus U-Eisen versehen. Genügt dieses noch nicht, dann wrerden die Anhängewragen abgekuppelt, der Schlepper fährt allein vor, und die an ihm befindliche Windetrommel wird in Tätigkeit gesetzt, siehe Abbildung, um die Anhängewagen einzeln am Drahtseil heranzuziehen. Hierbei wird der Schlepper verankert. Es ist dieses eine recht mühselige Beförderungsart, aber wie man sieht, ist auf solch schlechten Wegen kein anderer Ausweg möglich.

Die nächsten Bilder zeigen uns die bekannten Geschäftslastwagen der Daimler-Motoren-Gesellschaft, Berlin-Marienfelde. Diese Wagen wurden auf verschiedenen Ausstellungen von der Gesellschaft und auch von beteiligten Militärbehörden vorgeführt. Die Daimler Motorengesellschaft baut in obiger Zweigfabrik Lastwagen im größten Umfange und verfügt dadurch natürlich über die besten Erfahrungen, was allgemein bekannt ist.

Einige andere Typen derselben Firma für eine Belastung von 750—6000 kg.sehen wir in den nächsten Abbildungen. Sie alle sind leistungsfähige Gebrauchswagen, die vielfach erprobt sind.

Siehe auch:
Die Arbeitsweise des Explosionsmotors im Vergleich zu der Dampfmaschine
Das kraftspendende Medium im Explosionsmotor
Der Übergang der Motorenkraft auf die treibenden Hinterräder des Wagens
Robert Bosch / Treue zum Werk

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