Sechshundert Jahre vor der Zeitwende wurde Ninive zerstört und Assyrien ausgelöscht als Weltreich. An der Spitze einer starken Armee von Medern, Persern und Babyloniern nahm Kyaxares, der Mederkönig, die Stadt nach kurzer Belagerung ein, schleifte ihre Mauern, zerstörte ihre Paläste und verließ sie als Trümmerhaufen. Assyrien wurde dem Mederreich einverleibt, um nie mehr wieder als selbständiger Staat in der Geschichte eine Rolle zu spielen. Die Prophezeiung des Propheten war erfüllt.

Eineinhalb Jahrtausende hatte das Reich gedauert und zweimal hatte es sich zum Weltreich aufgeschwungen und über Westasien geherrscht. Tukulti-Ninib hatte 1275 Babylonien erobert, Assurnasirpal (885 — 860) die Grenzen des Reiches geweitet und Salmanassar II. (860—825) hatte sich aufgeschwungen zum Herrn von Westasien. Die Israeliten mußten die Oberhoheit ihres Erbfeindes anerkennen. Tiglath-Pileser III. 1(745 — 727) machte die Verluste seiner Vorgänger wieder wett und trieb jüdische Stämme in die Gefangenschaft. Salmanassar IV. (727— 722) belagerte Samaria, die Hauptstadt des nördlichen Königreiches Israel, und Sargon (722—705) eroberte und entvölkerte es, schlug die Ägypter, verkleinerte Babylonien und bekriegte Elam. Sanherib (705—681) unterwarf das unbotmäßige Babylonien nochmals, schlug die Ägypter, führte Krieg in Palästina, machte Hezekiah von Judäa zum Untertan und zerstörte endlich Babylon im Jahre 689. Esarhaddon eroberte 872 Unterägypten, und Asurbanipal (668 bis 626) bekriegte das wiederum trotzende Nilland abermals, plünderte 666 Theben, seine Hauptstadt, und unterwarf Elam völlig. Damit war der Höhepunkt von Assyriens Macht erreicht. Von nun an ging es abwärts. Ägypten und Lydien schüttelten das lästige Joch wieder ab, und vom Osten her bedrängten die Meder das Reich. Kurz nach Asurbanipals Tode schlug Kyaxares die Assyrer und belagerte Ninive zum erstenmal. Durch eine Skytheninvasion in Schach gehalten, vereinigte er sich bald darauf mit den Babyloniern, zerstörte Ninive und gliederte Assyrien ins Mederreich ein, während Babylonien dem Nabupolasar, einem assyrischen General, zufiel, der eine neue Dynastie gründete.

Read More Die Paläste und Tempel der Assyrier

Asien

Kann man die Geschichtlichkeit der Sintflut beweisen? Soweit ein vorgeschichtliches Naturereignis mit den Methoden und Ergebnissen einer Ausgrabung bewiesen werden kann, ist es geschehen. Leonard Woolley, der Ausgräber von Ur am unteren Euphrat, hat durch die Feststellung einer 2,5 m starken Tonschicht, die in beträchtlicher Tiefe die Kulturschichten unterbrach, eine Flutkatastrophe von einzigartiger Mächtigkeit einwandfrei nachgewiesen. Daß diese Flut mit der biblischen Sintflut identisch ist, kann kaum ernstem Zweifel unterliegen. Die Überlieferung einer solchen Flut ist ja nicht biblisch, sondern sumerisch und wurde im babylonischen Gilgamesch-Epos dichterisch verarbeitet, wo Utnapischti seinem, das ewige Leben suchenden Urenkel Gilgamesch die Geschichte seiner Errettung von der Flut erzählt, und zwar in fast völliger Übereinstimmung mit der späteren biblischen Fassung. Wenn wir die heutige Entfernung von Ur vom Persischen Golf in Betracht ziehen, erscheint die Möglichkeit einer großen Flut, die ohne Mitwirkung der See undenkbar ist, freilich fabulos. Wenn wir jedoch den unablässigen Landzuwachs des babylonischen Alluvialgebietes in Betracht ziehen und erfahren, daß das Meer um 400 n. d. Zw. noch bis Kuma reichte, wo heute Euphrat und Tigris sich vereinigen, und daß um 2000 v. d. Zw. die beiden Ströme noch weit voneinander getrennt in den Golf mündeten, dann erscheint Ur ganz nahe an die Meeresküste herangerückt und mußte natürlich in eine Flutkatastrophe mit einbezogen werden.

Das Tal des Euphrat war damals noch ein Sumpf, aus dem immer mehr Inseln trockenen Alluvialbodens auftauchten, der mit seiner überwältigenden Fruchtbarkeit die an harte Feldarbeit auf dem unwirtlichen Boden des nahen arabischen Plateaus oder des mittleren Euphrattals gewohnten Bauern magnetisch anzog. Die alljährlichen Überschwemmungen, die das Land weithin in eine einzige Wasserfläche verwandelten, zwangen die Siedler mehr als irgendwo anders auf Erden zum Zusammenschluß in Städten, die im Laufe der Jahrhunderte, da Schlammziegelhütten kurzlebig sind und grundsätzlich von jeder Generation erneuert zu werden pflegen, immer höher über das Alluvialland emporwuchsen, die sich aber von ihrer Gründung an durch drei bis fünf Meter starke Rohziegelmauern vor dem Hochwasser schützen konnten. Daraus erklärt sich, daß Ur und andere Städte des Schwemmlandes sogar die Große Flut überlebten.

Read More Asien-Die Nachkommen Noahs

Asien

Der erste Schritt zum Aufbau der Kultur war die Seßhaftwerdung der Menschen, und diese war durch den Ackerbau bedingt. Ohne Sicherung des täglichen Brotes gab es kein ruhiges Leben, die Sorge um Nahrung verhinderte die Jägervölker an dauernder Niederlassung und Gründung größerer Siedlungen. Um von der Jagd allein zu leben, brauchte der Jäger viel Land, war also an sehr weitmaschige Niederlassung gebunden.

Wie und wo aber entstand der Ackerbau? Bis vor kurzem war die Meinung verbreitet, er habe sich zuerst in den großen Flußtälern entwickelt, im Niltal und Zweistromland, im Gebiet des Indus und am Gelben Fluß. Heute wissen wir, daß diese Stromlandkulturen schon die zweite Stufe in der Entwicklung des Getreidebaues darstellen und daß sich die erste in den Hochländern vollzog, in den Grassteppen der Kordilleren und Anden, der ostafrikanischen Hochplateaus, des Hochlandes von Iran. Dort wuchsen, wie auch heute in den Alpen, die Gräser wild, die dazu ausersehen waren, einst der Menschheit das Brot zu liefern, die Windhalme, die Hafer-und Rispengräser, die Schwingel. Jahrtausendelang begnügte sich der Mensch damit, sie jährlich zur Reifezeit zu sammeln, wie wir Schwämme sammeln; endlich aber begann er den Samen um seine Hütte zu säen, und so begann der Getreidebau. Nun konnten sich die Menschen in Siedlungen zusammenfinden, sie vermehrten sich rascher. Trockenheit oder Fehden zwischen den Clans bewogen sie zu Wanderungen, sie erkannten den Wert des nicht versiegenden Wassers und zogen hinab in die großen Flußtäler. Dort ernteten sie hundertfältige Frucht…

Read More Asien-Das goldene Zeitalter

Asien

Zankapfel und Brücke zwischen Deutschen und Litauern

Die Memel -Problemantik zeigt, wie nah Deutschland historisch und geographisch Litauen ist. In den Jahrzehnten des Eisernen Vorhanges haben wir Deutschen nicht nur verlernt, auf einer stummen Karte ohne längeres Nachenkcn die baltischen Staaten einzuordnen, sondern wir haben zugleich alte deutsche Kulturlandschaften und Städte aus unserem Gedächtnis getilgt, die uns einst mit dem Baltikum eng verbanden. Memel gehört dazu. Nationalistische Literatur,die an die alte imperiale Tradition anknüpfen wollte, forderten nach dem Ersten Weltkrieg nicht nur das Memelland, sondern auch das nördliche Ostpreußen bis dicht an die Hauptstadt Königsberg. Mindestens aber der äußerste Norden der Provinz jenseits der Memel sollte angegliedert werden. Das verlangten auch pragmatischere Naturen – denn die Stadt Memel mit ihrem Hafen bot dem nahezu küstenlosen Litauen einen idealen Zugang zur Ostsee. Historische Ansprüche konnte Litauen weder auf Nord-Ostpreußen noch auf das Memelland anmelden. Zwar gab es vor allem im nordostpreußischen Gumbinnen zu Beginn des 19. Jahrhunderts einen beträchtlichen litauischen Bevölkerungsanteil, der sich aus Zuwanderern nach der Pest itn 18. Jahrhundert rekrutierte. Später aber sank der litauische Anteil wieder. Betrug er 1858 noch 8,7 Prozent der Gesamtbevölkerung Ostpreußens, waren es 1910 nur noch 4,4 Prozent.

Im Memelgebiet hatten ursprünglich nicht Litauer, sondern lettische Kuren gesiedelt. Die Stadt Memel, 1252 von Livländischen Schwertbrüderorden gegründet und somit drei Jahre älter als Königsberg, gehörte mitsamt den umliegenden Gebieten über 700 Jahre zum Ordensstaat und späteren Herzogtum Preußen. Anders als im übrigen nördlichen Ostpreußen lebte im Memelland eine starke litauische Volksgruppe, die dort seit der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts seßhaft geworden war.

Die Volkszählung von 1910, die letzte vor dem Krieg, ergab ein sehr ausgewogenes Verhältnis (50,7 Prozent mit deutscher und 47,9 Prozent mit litauischer Muttersprache), das durch eine Nachkriegserhebung der Franzosen nahezu exakt bestätigt wurde. Dennoch wäre eine Volksabstimmung höchstwahrscheinlich deutlich gegen Litauen ausgefallen: Ein Großteil der Litauer tendierte zum Deutschtum. Bei einer 1921 vom französischen Gouverneur des Memelgebietes durchgeführten Umfrage unter Eltern litauischer Schüler gaben lediglich 5,5 Prozent an, ihre Kinder sollten Lese- und Schreibuntcrricht in ihrer Muttersprache erhalten, die anderen bevorzugten Deutsch. Entsprechend fielen auch spätere Landtagswahlen aus: 1925,1926 und 1927 erreichten deutsche Parteien 91 bzw. 80,2 bzw. 76,7 Prozent, litauische Parteien dagegen nur 6 bzw. 14,6 bzw. 13,3 Prozent.

Read More Die Memel

Baltikum