Paul von Hindenburg


Unter den Männern, die der Weltkrieg zum Handeln berufen und mit der Lösung grösster und schwerster Aufgaben betraute, hat keiner die auf ihn gesetzten Hoffnungen in so vollkommener Weise erfüllt als der beim Ausbruch des Krieges völlig unbekannte General von Hindenburg, der damals als pensionierter kommandierender General im deutschen Pensiunopolis Hannover sass und von seiner Studierstube aus den dramatischen Verlauf der ersten Kriegswochen verfolgte.

Die grosse Krise des Jahres 1914 hatte ihn auf einer Erholungsreise auf dem Gute bei seiner ältesten Tochter in Pommern überrascht, wo er glücklich und zufrieden den lieben Grosspapa spielte. Als die Kriegserklärung erfolgte, reiste er über Berlin nachhause…..und in Berlin stellte er sich der Heeresleitung zur Verfügung. Die Antwort lautete, man werde sein Angebot im Bedarfsfalle, in Erwägung ziehen. Für den Bedarfsfall sorgte der Russeneinbruch in Ost-Preussen und die Unfähigkeit der preussischen Kommandeure im Osten: Prittwitz-Gaffron und Waldersee Am 22. August wurde General Hindenburg durch ein kaiserliches Telegramm benachrichtigt dass er zum Armeeführer im Osten ernannt und bereits am Nachmittag des gleichen Tages an seinen Posten abzureisen habe.

Von Belgien her trug ein in rasender Eile fahrender kleiner Extrazug einen gleichfalls noch unbekannten jungen General mit Namen Ludendorff heran, der sich vor Lüttich die Feldherrnsporen verdient hatte; dieser war dem soeben er nannten Feldherrn als General Stabschef beigegeben. Beide Männer trafen sich auf dem Bahnhofe in Hannover und setzten die Reise gemeinsam nach Marienburg in Ostpreussen fort und im fahren den Bahnzuge entstanden die ersten Umrisse zu den Operationen in Ostpreussen, die den beiden nach wenigen Tagen zur Weitberühmtheit verhelfen sollten… .am 29. August schlugen sie die Russen bei Tannenberg und jagten sie über die Grenze.

Seit jenem Tage ist Hindenburg der deutsche Nationalheld und wie an seinem 70. wird er nun auch an seinem 75. Geburtstag Gegenstand allseitiger Verehrung sein.

Am 2. Oktober 1847 war Paul Louis Anton Hans von Beneckendorff – Hindenburg in Pinne. Regierungsbezirk Posen, geboren. Sein Vater entstammte der märkischen Familie der Beneckendorff, die seinerzeit die im Mannesstamme ausgestorbene Familie von Hindenburg beerbt, hatte. Des Feldmarschalls Urgrossvater, Johann Otto Gottfried von Beneckendorff, hatte im Jahre 1789 den Namen von Beneckendorff und von Hindenburg angenommen.

Der Vater war preussischer Offizier; er starb 1902 auf dem väterlichen Gute Neudeck in Westpreussen. Die Mutter war bürgerlicher Herkunft, eine geborene Schwickard, Tochter eines Generalarztes. Später wurde der Vater nach Glogau versetzt; dort besuchte Paul von Hindenburg die beiden untersten Klassen des Gymnasiums; 1859 bezog er das Kadettenbaus in Wahlstatt, später das in Berlin.

Am 7. April 1800 trat er als Sekondeleutnant in das dritte Garderegiment zu Fuss ein. Bei Soor empfing er die Feuertaufe, kämpfte dann hei Königinhof mit und holte sich für seine in der Schlacht bei Königgrätz bewiesene Tapferkeit den Roten Adlerorden mit Schwertern. Bei einem Angriff auf eine feindliche Batterie war der junge Leutnant leicht verwundet worden. Nach dem Kriege kam er mit seinem Regimente nach Hannover in Garnison. Von hier aus zog er mit nach Frankreich, focht bei St.-Privat, Sedan und Le Bourget mit.

Im Jahre 1873 wurde er für Kriegsakademie kommandiert, und nun beginnt eine entscheidende Wendung in seinem Leben. Hatte er bisher nur als tüchtiger Frontoffizier gegolten, so trat hier an der hohen Schule des preussischen Offizierkorps seine hervorragende Begabung erst recht hervor. Sein scharfer Blick für alle Aufgaben der Truppenführung, seine Willenskraft und Bestimmtheit liessen ihn zum Führer geschaffen erscheinen.

Er wurde denn auch, nachdem er 1870 die Akademie verlassen hatte, bereits am 1. Mai 1877 zur Dienstleistung in den Grossen Generalstab kommandiert, und am 14. April 1878 als Hauptmann endgültig in den Generalstab versetzt. Er kam zunächst zum Stabe des 2. Armeekorps in Stettin, dann im Jahre 1880 zu dem der 1. Division. Hier lernte er das ostpreussische Land auch als Militär kennen, hier sammelte er zuerst die Erfahrungen, die ihm später in schicksalsschwerer Stunde von Nutzen waren.

Im Jahre 1884 wurde er zur Front zurückversetzt, wurde Kompaniechef im Regiment No. 58. Aber bereits im folgenden Jahre kehrte er in den Generalstab zurück, wurde aber 1888 als Major zum Stabe des 3. Armeekorps versetzt. Zugleich lehrte er an der Kriegsakademie angewandte Taktik. Im Jahre 1890 wurde er zum Kriegsministerium kommandiert, er übernahm dort, zunächst nur kommissarisch, die Leitung der Abteilung für Fusstruppen. In dieser Stellung wurde er 1891 zum Oberstleutnant ernannt. 1893 kehrte er an die Front zurück als Kommandeur des Infanterie – Regiments No. 91. Nach drei Jahren wurde er, inzwischen zum Obersten befördert, Chef des Stabes beim 8. Armeekorps in Koblenz. Hier blieb er, 1897 Generalmajor geworden, bis zum Jahre 1900.

In letzterem Jahre übernahm Hindenburg, unter Beförderung zum Generalleutnant, das Kommando der 28. Division in Karlsruhe in Baden. Im Jahre 1903 wurde er dann mit der Führung des 4. Armeekorps in Magdeburg beauftragt.

1905 erfolgte seine Beförderung zum General der Infanterie. Im März 1911 wurde er auf seinen Antrag zur Disposition gestellt; der Kaiser verlieh ihm den Schwarzen Adlerorden und stellte ihn a la suite des 3. Garderegiments zu Fuss. Seine alte Garnison Hannover erwählte er sich zum Ruheplatz.

Dann kam der Weltkrieg und Hindenburgs Aufstieg zur höchsten Ehre: Generalfeldmarschall. Seine ruhmvollen Taten im Weltkriege stehen noch frisch in der Erinnerung; das deutsche Volk verehrte ihn als einen zweiten Blücher und die Verehrung, die Dankbarkeit, die Liebe des deutschen Volkes ist ihm auch über den Zusammenbruch hinaus erhalten geblieben.

Charakteristik Hindenburgs

Von Oberst Bauer.

Hindenburg war der Typ des schlichten altpreussischen Generals. Eine grosse stolze Erscheinung, für sein Alter überraschend frisch und rüstig, machte er schon rein äusserlich einen imponierenden Eindruck.

Er sah alles nur mit dem Auge des Soldaten. Politik und alles Nichtmilitärisch lag ihm fern und er hielt es daher möglichs von sich ab, oder besser gesagt, er glaubt sich davon fernhalten zu müssen. Er hatte sich den unlösbaren Zusammenhang von Politik und Kriegführung noch nicht zu eigen gemacht und legte sich die im Offzierskorps herrschende Glaubensformel „der Offizier soll keine Politik treiben“, dahin aus, dass er sich nicht um sie kümmern dürfe.

Wo er sich schliesslich — leider zu selten und oft nach langem Drängen — zu Einsprüchen bei der politischen Reichsleitung u. s. w. entschloss, geschah es nur in Dingen, deren unmittelbare Rückwirkung auf die Front er täglich sehen und sozusagen abfühlen konnte. Dies war z. B. in Ernährungsfragen der Fall, später in Fragen der moralischen Gesundbleibens und der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit der Heimat als Mutterboden des Heeres dessen Schlagkraft entscheidend beeinflussten.

Aus diesem rein militärischen Denken und Empfinden folgte die Natur seines Verhätnisses zum Kaiser, das den Rahmen des perrsönlich durch Eid dem Obersten Kriegsherrn verpflichteten Offiziers nie verliess.Und dieser Eid wiederum war ein in ihm stets lebendiges Element, der seine Wurzeln der einfach schlichten, aber tiefen Gottesrecht des Feldmarschalls fand, die seiner Seele gleichzeitig eine unerschütterliche Ruhe und eine abgeklärte Heiterkeit verliehen. Nie hat sein Gottvertrauen eine Aechtung erfahren, nie der Glaube an die Gerechtigkeit der deutschen Sache, nie die patriarchalisch fürsorgliche Liebe am deutschen Volk, das er anders als heldenhaft und gross sich nicht denken konnte.

Ob er heute darüber noch ebenso denkt, weiss ich nicht. Sicher ist, dass wir damals alle, besonders in schweren Kriege, diese ruhige Selbstsicherheit seines Wesens geschätzt und uns, nach manchen Rückenschlägen, an ihr wieder hochgerichtet haben. Er war in Wirklichkeit, bis gegen das Ende hin, der von Ehrfurcht umgebende Vater der O. H. L. und besonders für Operationsabteilung.

So war denn auch der Eindruck, den er auf die zahlreichen Besucher machte, ungeheuerlich gross.

Seine Gottesfurcht, seine Treue und seine Slichtheit schützten ihn vor jeder Uebertreibung. Er nahm die grossen begeisterten Nationen mit prächtigem Humor geduldig hin.

Bildverzeichnis:
Paul von Hindenburg
Paul von Hindenburg-Familie
Paul von Hindenburg-Geburtshaus
Paul von Hindenburg-Hauptmann im Generalstab-1878
Paul von Hindenburg-Kadett in Wahlstatt
Paul von Hindenburg-Sekondeleutnant-1866
Paul von Hindenburg-Selektaner in Berlin
Paul von Hindenburg-Stab-1915
Paul von Hindenburg-Wohnhaus in Hannover

Siehe auch:
Vergesst die deutsche Sprache nicht!
Schwarze Schande-Weisse Schmach
Pommern – das Land am Meer
Was ist des Deutschen Vaterland?
Bismarck und seine Hunde
Die neuen Reichsmünzen
Paul von Hindenburg
Wir Deutsch-Amerikaner
Deutsch-Amerika
Die Deutsch-Amerikaner und das Kaiserreich
Gedanken über die Zukunft des Deutschtums in Amerika
Wie das alte Österreich starb
Wie das alte Österreich starb II
Die Deutschen in Amerika
Die Deutschen in Amerika II
Eine Audienz bei Richard II. (Richard Strauss)
„Deutsch-Amerikas“ Mission
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Lincoln und das deutsche Element
Die Geschichte der Revolution
Der Aufbau Palästinas
Deutschland und der Weltfriede
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Der letzte Zar im Kreise seiner Familie
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Deutschlands chemische Industrie in der Nachkriegszeit
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Quer durch das neue Deutschland
Quer durch das neue Deutschland II
Quer durch das neue Deutschland III
Klein-Amerika in Ostpreussen
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August Thyssen-Der Senior der Grubenbarone
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