Pestgefahr in Kiautschou?


Der „schwarze Tod“, die Pest, geht wieder einmal in Ostasien um. Sie ist dort an einigen Punkten seit alten Zeiten heimisch und nie ganz erloschen. Epidemisch, wenigstens in grösserem Umfang, trift sie erfreulicherweise selten auf. Auch handelt es sich bei den erwähnten Fällen in der Regel um Bubonenpest, eine weniger ansteckende Form der Krankheit. Viel schlimmer ist die jetzt in Ostasien wütende Lungenpest; sie ist weit ansteckender und in ihrem Verlauf bösartig. Während an derBubonenpest 50 bis 60 v. H. der Befallenen sterben, gehen an der Lungenpest 80 bis 90 v. H. zugrunde.

Da die Seuche bereits in der Provinz Schantung, dem Hinterland unsrer Kolonie Kiautschou, wütet, so ist der Betrieb der deutschen Schantungbahn einstweilen eingestellt und von unsern Behörden der Abwehrkampf gegen die Pest mit Energie aufgenommen worden. Atarinestabsarzt Dr. Martini, ein bekannter Bakteriologe, und Marineoberstabsarzt Staby, die von Tsingtau aus eigentlich den heimischen Behörden überwiesen werden sollten, sind zurückbehalten worden.

Ferner ist in Tsinanfu, dem Endpunkt der Schantungbahn, der mit der Leitung der chinesischen Polyklinik betraute Marineoberstabsarzt Dr. Kautzsch stationiert, im Landgebiete von Kiautschou befindet sich der Marineoberassistenzarzt Dr. Paul, zu dessen besonderen Obliegenheiten die Beobachtung der Grenze des Schutzgebietes gehört. Zu dieser Stellung werden besonders geeignete und tüchtige Marineärzte ausgesucht, denen es auch gelungen ist, in den Kreisen der chinesischen Landbevölkerung festen Fuss zu fassen.

Bis jetzt ist Kiautschou pestfrei. Nach den letzten amtlichen Telegrammen unsres Gouvernements aus Tsingtau waren aus Tschifu (chinesischer Hafen 170 bis 180 Kilometer nördlich von Kiautschou) im ganzen 200, aus der Provinz Schantung 250 Todes-lällegemeldet. Letztere Angabe stammt von den im Innern der Provinz lebenden Europäern. Somit hat die militärische Absperrung des Stadtgebiets und die Ueberwachung der Schutzgebietsgrenze seitens der chinesischen Landbevölkerung unter Leitung der deutschen Behörden die erhoffte Wirkung gehabt. Zu der wirksamen Aufrechterhaltung der militärischen Absperrung, die an die Besatzung grosse Anforderungen stellt, werden von den Offizieren und Mannschaften, die am 22. Februar mit dein Dampfer „Neckar“ die Heimreise antreten sollten, zwei Offiziere und 288 Mann in Tsingtau Zurückbleiben. Es soll vermieden werden, dass der Gouverneur zu sehr auf die herausgekommene junge Mannschaft, die sich erst angewöhnen soll, angewiesen ist. Beim ostasiatischen Marinedetachement in Peking findet ein Personalwechsel vorläufig nicht statt. Auch bei diesem Marineteil sind bisher erfreulicherweise Pestfälle nicht vorgekommen. Natürlich ist die Gefahr noch lange nicht vorbei, es wird voraussichtlich noch Monate angestrengter Aufmerksamkeit und rücksichtsloser Grenzkontrolle bedürfen, um die Pest von der Kolonie fernzuhalten, was bei dem Stumpfsinn und dem Misstrauen des chinesischen Proletariats gegen die Anordnungen der Europäer keine leichte Aufgabe ist. Im engeren Bezirk der Kolonie sind die sanitären Einrichtungen so auf der Höhe, dass eine Ausbreitung der Seuche kaum möglich ist. Aber jenseits der Grenze, wenige Kilometer von Tsingtau entfernt, liegen zahlreiche schmutzige Chinesenansiedlungen, welche die Kontrolle erschweren, z. B. die alte Stadt Kiautschou. Unser Bild von Tsinanfu gibt einen Begriff von der Enge einer solchen Chinesenstadt, in der eine sichere gesundheitliche Kontrolle kaum möglich ist. Auch die Arbeiterquartiere der deutschen Schantungminen, die auf chinesischem Gebiet an der Bahn und Tsinanfu schon nahe liegen, sjnd, wie unser Bild zeigt, sauber gebaut und in gesundheitlicher Hinsicht auf der Höhe. Da demnach alle deutschen Einrichtungen tadellos und unschwer pestfrei zu halten sind, so ist zu hoffen, dass es uns gelingen wird, die gefährliche Seuche aus unsrer Kolonie fernzuhalten.

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