Portland-Cementwerk Berching A.G. in Berching


Die Aktiengesellschaft wurde Februar 1907 zwecks Errichtung eines Cementwerks in Berching mit einem Kapital von Mk. 1 200 000.— gegründet. Eine Erhöhung desselben um Mk. 300000.— erfolgte im Jahre 1908, die durch  Vergrößerung der Anlage bedingt wurde, während eine Herabsetzung in gleicher Höhe im Jahre 1910 vorgenommen wurde, um den durch die Deroute auf dem Cementmarkt des Jahres 1910 entstandenen Verlust zu decken. Seit 1911 ist das Werk in den Verband der süddeutschen Werke, dem alle anderen süddeutschen Werke angehören, eingetreten.

Das Cementwerk wurde in nächster Nähe des alten malerischen Städtchens Berching erbaut auf einem Gelände, das von dem Sulzbach auf der einen Seite und auf der anderen Seite von der Staatsstraße Ingolstadt-Neumarkt, dem Donau-Main-Kanal und der Lokalbahn Neumarkt-Beilngries begrenzt wird; an letztere ist das Werk durch ein eigenes Industriebahngleis angeschlossen.

Die Lieferung der gesamten Maschinenanlage wurde der Firma Friedrich Krupp Grusonwerk Magdeburg-Buckau übertragen und nach dem neuen Rotierofen-System in der kurzen Zeit von zehn Monaten ausgeführt.

Es wurden zunächst drei Rotieröfen, dem später noch ein vierter folgte, aufgestellt. Die Öfen von 33 m Länge und 2 m Durchmesser liefern bei normalem Betrieb je 450 Faß Fortland-Zementklinker in 24 Stunden.

Als Heizmaterial wird eine möglichst hochwertige Kohle verwandt, bei deren Auswahl jedoch nach Möglichkeit der bayerischen Kohle der Vorzug gegeben wurde. Die Kohle wird zunächst in rotierenden Trockentrommeln getrocknet, dann in zwei Rohrmühlen feinst gemahlen und durch Ventilatoren in die Öfen geblasen. Die Temperatur in der Sinterzone der Öfen beträgt 1500 bis 1600 Grad. Das für die Cementfabrikation erforderliche Rohmaterial. Kalksteine, Kalkmergel und Ton, wird zum allergrößten Teil aus dem oberhalb der Fabrik liegenden Steinbruch mit einer zirka 300 Meter langen Drahtseilbahn gefördert, in der Vorzerkleinerung gebrochen, in zwei rotierenden geheizten Trommeln getrocknet, dann in zwei Systemen Kugel- und Rohrmühlen feinst gemahlen und den Öfen zugeführt.

Der gebrannte Klinker nimmt seinen Weg durch eine Kühltrommel in die Klinkerhalle, um dort einige Zeit zu lagern, bevor er der Cementmühle aufgegeben wird. Letztere mahlt in zwei Systemen von je zwei Rohrmühlen den Klinker zu Gement, der dann als fertige versandfähige Handelsware den Cement-Silos zugeführt wird.

Die Verpackung in Säcken erfolgt durch automatische Packvorrichtungen; die Säcke können von der der Packerei vorgebauten Rampe direkt in die Güterwagen verladen werden. Ausser den oben angeführten hauptsächlichsten Arbeitsmaschinen sind noch eine größere Anzahl Nebenbetriebe vorhanden. Ein reich ausgestattetes Laboratorium führt Tag und Nacht die notwendige Kontrolle der Zusammensetzung der Rohmaterialien, Kohlenprüfungen und die Untersuchungen des fertigen Cements aus und bestimmt auf das Genaueste die Qualität des Cements, bevor derselbe zur Absendung gelangt.

Die Arbeitsmaschinen erfordern durchweg zirka 1100 PS., die durch zwei Dampfmaschinen von 900 und 300 PS. geliefert werden. Der auf 300 Grad überhitzte Dampf wird in vier Dampfkesseln mit je 100 qm Heizfläche erzeugt.

Auf Treppenrostfeuerungen werden ausschließlich Wackersdorfer Braunkohlen verfeuert; die Anlage hiezu wurde besonders zur Unterstützung der jungen bayerischen Braunkohlen-Industrie in Wackersdorf ausgeführt. Im ganzen Betrieb sind zirka 12,5 Leute beschäftigt. Zum Schutze derselben sind in allen Teilen umfangreiche Sicherheitsvorrichtungen getroffen und groß angelegte Entstaubungs-Apparate sorgen für möglichste Entstaubung der Arbeitsstätten.

Für die Arbeiter werden zwei Kantinen unterhalten und eine große Badeanstalt gibt dauernd Gelegenheit zum Baden und Waschen. Die Fabrik unterhält eine eigene Betriebskrankenkasse. Der Gesundheitszustand ist normal.

Die Überproduktion in der Cementindustrie gestattet leider nur eine halbe Ausnutzung der Fabrikanlage und ist auf eine Besserung kaum zu rechnen, weil ein etwaiger Mehrverbrauch stets von Neugründungen aufgenommen wird. Ein Export ist trotz der günstigen Lage am Kanal nicht möglich, weil die hierbei in Frage kommenden Nachbarländer durch sehr hohe Zollsätze die Ausfuhr unmöglich machen, während ausländische Werke uns beim Fehlen eines deutschen Cement-Zolls große Konkurrenz bereiten.

In den letzten Jahren wurde noch ein Schachtofen erbaut, in dem ganz besonders ausgesuchte hochprozentige Kalksteine zu Stückkalk gebrannt werden, um die nähere und weitere Umgebung mit Baukalk zu versorgen. Als Düngekalk liefert das Werk den bei der Kalkfabrikation abfallenden Feinkalk sowie einen besonders für diesen Zweck feinst gemahlenen kohlensauren Kalk.

Bei Errichtung des Werks wurde im Interesse der beiden Städte Berching und Beilngries eine elektrische Zentrale vorgesehen und die recht beträchtlichen Kosten für Anlage und Betrieb derselben nicht gescheut, trotzdem ein jährlich wiederkehrender Verlust bei diesem Unternehmen mit Sicherheit vorauszusehen war. Ein Ausbau dieser Zentrale, der eventuell einen Ausgleich hätte herbeiführen können, wurde im Laufe der Jahre unmöglich, weil dieser Ausbau nicht in den Rahmen der neuerdings aufgestellten Pläne für die Versorgung von ganz Bayern mit elektrischer Energie hineinpaßt.

Seit Ende 1908 sind die beiden genannten Städte im Genuß der elektrischen Energie, ohne nur den geringsten Betrag hierfür investiert zu haben, zu den ausserordentlich geringen Preisen von 4 Pf. für Licht und 1,5 Pf. für Kraft per Hektowatt.

Beistehend einige photographische Aufnahmen der Werkanlagen.

Die Einzelnen Buchabschnitte aus: Die Industrie der Oberpfalz in Wort und Bild:
Aktien-Papierfabrik Regensburg
Express-Fahrradwerke A.G.Neumarkt in der Oberpfalz
Jesuitenbrauerei Regensburg in Regensburg
Schlüssel-Bleistift-Fabrik J. J. Rehbach in Regensburg
Das Elektrizitätswerk der Stadt Regensburg
Deutsch-Amerikanische Petroleum-Gesellschaft Hamburg. Benzinfabrik Regensburg.
Dampfsägewerk Arnschwang
Johann Müller, Perlmutterknopf-Fabrik
Eisengießerei Carolinenhütte
Dampfsäge, Hobel- und Spaltwerk, Kistenfabrik
Staatliche Eisenindustrie in der Oberpfalz Amberg-Weiherhammer-Bodenwöhr
Prinz Rupprecht-Quelle vormals Silvana-Sprudel in Groschlattengrün
Bayerische Granitaktiengesellschaft in Regensburg
Tonwerk Prüfening und Braunkohlengrube Friedrichzeche
Städtisches Lagerhaus Regensburg am Luitpoldhafen
Die Kalkindustrie der Walhallastraße
Kalblederfabrik Furth i. Wald
Bayerische Braunkohle-Industrie
Die Malteserbrauerei in Amberg
Terranova-Industrie C. A. Kapferer & Co. in Freihung.
Königlich Bayerische Hofglasmalerei Georg Schneider in Regensburg
Das neue Gaswerk der Stadt Regensburg
Die Stadt Weiden
Naabwerke für Licht- und Kraftversorgung
Kalksandsteinfabrik Roding G.m.b.H.
Königl. Schwellenwerk in Schwandorf
Bayerische Maschinenfabrik Regensburg
Metallhammerwerk u. Bronzefarbenfabrik in Rothenbruck Opf. Aluminiumbronzefabrik in Rauhenstein Opf.
Die Entwicklung des Fahrrades
Tonwerk Blomenhof, G.m.b.H., Neumarkt i. Opf.
Die Flügel- und Piano-Fabrik von Georg Weidig in Regensburg
Eisen- und Metallgießerei, Maschinenfabrik und Kesselschmiede
Dresdener Maschinenfabrik und Schiffswerft Übigau A.G. Werft in Regensburg
Die Anlagen der Benzinwerke Regensburg
Portland – Cementwerk Burglengenfeld
Bürgerbräu Weiden
Aktiengesellschaft Porzellanfabrik Weiden
Holzhandlung, Werke für Holzimprägnierung und Kyanisierung
Porzellanfabrik Tirschenreuth
Stanz- und Emaillierwerke in Amberg
Bayerische Schlauchfabrik, mechanische Hanf- und Drahtseilerei
Die Wasserversorgung der Stadt Regensburg
Vereinigte Bayerische Spiegel- und Tafelglaswerke
Cahücitwerke Nürnberg. Fabrik in Neumarkt Oberpfalz.
Bayerische Überlandcentrale A.G. Haidhof
Portland-Cementwerk Berching A.G. in Berching
Die Spulen-Fabrik Max Borger in Cham
Teerprodukten-, Dachpappen- und Isoliermaterialienfabrik
Eisenwerkgesellschaft Maximilianshütte in Rosenberg (Oberpfalz)
Die industriellen Betriebe in Friedenfels
Dampfsäge- und Hobelwerke, Kistenfabrik (Bayer. Wald)
Möbelfabrik von A. Schoyerer in Cham – K. Bayer. Hoflieferant.
Hartpapierwarenfabrik in Dietfurt
Eichhofen, industrielle und landwirtschaftliche Besitzung des Herrn Wilh. Neuffer
Weck & Sohn : Bau- und Möbelschreineret Dampfsägewerk, Holzhandlung und Kistenfabrik
Porzellanfabrik und Malerei
Dampfsäge- und Hobelwerk, Holzwollefabrik
Krystallglasfabrik F. X. Nachtmann in Neustadt Waldnaab
Die Fabrikbetriebe der Firma Carl Zinn in Neumarkt i. Oberpfalz
Bayerischer Lloyd
Erste kaiserlich königlich privilegierte Donau-Dampfschiffahrts-Gesellschaft (Agentie Regensburg)
Mineralölwerke Bayern G.m.b.H in Regensburg
Christof Ruthof, Schiffswerft Regensburg
Königlich Ungarische Fluß- u. Seeschiffahrts Aktien – Gesellschaft
Ölwerke J. Leis & J. Ruckdeschel G.m.b.H., Regensburg
Die Werke von Steinfels
Porzellanfabrik Johann Seitmann in Vohenstrauß
Weßely & Spaett Tuchfabrik, Waldmünchen
Gareis, Kühnl & Co., Waldsassen – Porzellanfabrik, Porzellanmalerei
Glasfabrik Waldsassen G.m.b.H. in Waldsassen
Porzellanfabrik Waldsassen Bareuther & Co. A.G. in Waldsassen