Preiserhöhungen am Diamantenmarkte


Der erfreuliche Aufschwung im Diamantenhandel hat in dem erwarteten Masse nicht bis zum Jahresschluss angehalten. Das Geschäft schleppt sich vielmehr träge lort. Amerika ist als Kunde schon seit längerer Zeit auf den grossen Märkten von Antwerpen und Amsterdam ausgeblieben, Im November allein haben die Amerikaner an beiden Plätzen um 3 Millionen Mark weniger eingekauft als im Oktober und im Vergleich zum November 1909 ist der Unterschied noch bedeutender. Insbesondere unterlassen die Amerikaner zurzeit den Ankauf der hochwertigen Diamantensorten, und wenn in diesen eine Besserung der Marktlage eintreten soll, so muss das Signal dazu von New York kommen; aber dort scheinen die wirtschaftlichen Zustände noch unklar zu sein, und auf absehbare Zeit hinaus iat auch mit einer Besserung nicht zu rechnen. In Antwerpen wickelt sich ein gutes Geschäft hauptsächlich in den Diamanten deutscher Herkunft ab. Letztere beherrschen den Meléemarkt mehr als zuvor und englische Ware ist, da für sie um mindestens 15 bis 17 Mk. pro Karat höhere Preise verlangt werden, so gut wie unverkäuflich.

In den letzten Tagen haben sich nun die De Beers und die Premier-Mine zu einer Preiskonvention verständigt, durch die sie den Karatpreis der besseren und grösseren Steine um 5 bis 10 Proz, erhöhen. Die Sache wäre an sich von keiner besonderen Bedeutung, wenn diese Preiserhöhung durch einen besseren Geschäftsgang in den grösseren Steinen gerechtfertigt wäre. Wie aber bereits erwähnt, ist dies nicht der Fall. Die beschlossenen Preiserhöhungen erklären sich somit lediglich durch das Bestreben der englischen Produzenten, auf diesem Wege die bei ihnen aufgehäuften bedeutenden Mengen von Meteeware zu verbilligen. Da zu diesem Zwecke eine fünf-bis zehnprozentige Erhöhung noch nicht als ausreichend angesehen werden kann, werden die beiden führenden englischen Produzenten im Laufe der Zeit versuchen, allmählich mit weiteren Preiserhöhungen vorzugehen, bis sie schliesslich ihre kleinen Diamanten zu demselben Preise wie die deutschen anbieten können. Dieses Vorgehen charakterisiert sich als eine scharfe Kampfmassnahme gegen die lästige Konkurrenz der deutschen Steine. Auf der einen Seite Ausnützung des Naturmonopols durch Diktierung willkürlich hoher Preise, auf der anderen Seite Verwendung der dabei erzielten Mehrerlöse zur Ausgleichung von Verlusten durch fremde Konkurrenz. Das Gelingen des Planes hängt aber letzten Endes doch von der Entwicklung der Geschäftslage ab. Bessert sie sich nicht ganz erheblich, so werden die europäischen Käufer bei der ansehnlichen Verteuerung der grossen Steine diesen gegenüber dieselbe Zurückhaltung beobachten, wie die Amerikaner, und der fein ausgedachte Plan der Engländer, die Berliner Diamantenregie auf diese Weise zu einer Preisverständigung zu bringen, würde gescheitert sein.