Punische Kriege

Eine Weltgeschichte in einem Bande.

Auf den gleichen Linien, wie China, entfaltet sich Rom. Bis um 300 v. Chr. eine stattliche Reihe einzelner Gebilde: Latium, die Samniter, halbverfallene Etruskerstädte, keltische und umbrische Stämme, Griechenstädte, wie Kapua und Tarent, endlich Messapier und Kalabrier. Um 300 ist Mittelitalien geeinigt, und Etrurien so ziemlich bezwungen. Pyrrhus wird zurückgewiesen und, 270, Tarent zerstört. Die Einverleibung des keltischen Oberitaliens beginnt. Die apenninische Halbinsel war dergestalt fast geeinigt, als ein gewaltiger Eingriff von außen erfolgte, und die Punischen Kriege begannen. Unmittelbar nach der Niederwerfung Karthagos, reckte sich, genau gleichzeitigmit China, auch Rom zur Weltmacht empor.

Die Kriege mit dem semitischen Karthago brachen wegen Sizilien aus. Die Römer schlugen sich recht wacker. Sie, die früher eine ausgesprochene Binnenmacht gewesen waren, bauten eine starke Flotte. Nach dem Ende des ersten Punischen Krieges hatten sie nicht nur Sizilien, sondern auch Sardinien. In der Hauptsache hatte das Volksheer gegen das Söldnerheer gesiegt, und zwar gegen Söldner, die überwiegend anderen Stammes waren als ihre Auftraggeber. Die Karthager stellten nur die Offiziere; die Soldaten bestanden aus Griechen, Iberern und Kelten. Es war nie eine leichte Sache, mit ungebärdigen Abenteurern, die um Geld und in der Hoffnung, Beute zu machen, ihr Leben verkauften, ohne Reibungen auszukommen. Gar nicht selten erheben sich solche „Landsknechte“, besonders wenn sie keine Löhnung, oder gar, wenn sie nichts zu essen erhalten, gegen die eigenen Herren. Das war auch nach dem Frieden mit Rom der Fall. Nun mußte noch der Karthager Hamilkar einen blutigen Krieg führen, um die rebellischen Söldner niederzuwerfen.

Der zweite Punische Krieg (218—202) gestaltete sich zuerst für Rom äußerst ungünstig. Hannibal, vielleicht der größte Feldherr aller Zeiten, freilich auch der unglücklichste, den namentlich auch seine eigenen Landsleute im Stiche ließen, erstürmte die spanische Stadt Sagunt, durchquerte Südgallien, überschritt im Herbste, nicht ohne große Verluste zu erleiden, die Westalpen und brach in Oberitalien ein. Er schlug die Römer an der Trebia und am See Trasimenus, dessen Fieberdünste ihm ein Auge kosteten, ferner auf der Wahlstatt von Kannä in Apulien, wobei von 80000 Römern 60000 fielen. Schon riet ihm sein Reiterführer, Adherbal, gegen Rom zu ziehen und die Stadt zu überrumpeln. Hannibal lehnte das ab. Mit Unrecht. Man kann es verstehen, daß seine Reiter unwillig wurden. Adherbal spottete: Zu siegen verstehst du, aber den Sieg zu benutzen, das verstehst du nicht! Wenn ein tollkühnes Unternehmen, wie das Hannibals, entscheidenden Erfolg haben sollte, so mußte Kürze des Krieges Würze sein. Je länger die fremden Truppen, die natürlich auch nicht von der Luft leben konnten, in Italien blieben und den Verbündeten, den keltischen und unteritalischen Städten und Dörfern, zur Last fielen, um so schwieriger wurde die Lage der Karthager, da sie nicht nur mit den Römern, die sich nach dem großen Schrecken von Kannä wieder aufrafften und mannhaft behaupteten, sondern auch mit der wachsenden Abneigung der Bundesgenossen zu rechnen hatten. Einen gewissen Schaden mögen auch die Winterlager im schönen Süditalien der Zucht und Leistungsfähigkeit der karthagischen Truppen zugefügt haben. Sie waren durch andauernde Strapazen in den Pyrenäen und Alpen gestählt, die Afrikaner unter ihnen waren gewiß ebenso wenig durch die afrikanische Wüste verwöhnt. Nun aber, in den milden Fluren und den üppigen Städten Süditaliens, wo sich reichliche Nahrung und Vergnügen jeglicher Art boten, wurden die Truppen verweichlicht. Namentlich Kapua, die Stadt gefälliger Frauen, wo das Heer einen ganzen Winter lagerte, ist für solche Verweichlichung sprichwörtlich geworden. Den Ausschlag gab jedoch, daß die geizigen Handelsherren in Karthago dem allzu erfolgreichen General, ihrem Landsmann Hannibal, nicht allzu gewogen waren, da sie eine Diktatur von ihm befürchteten, und daher zu wenig Nachschub und zu wenig Geld dem in Italien kämpfenden Heere schickten. So verlor Hannibal allmählich an Boden. Und als ihm wirklich die Hilfe endlich nahte, durch seinen eigenen Bruder Hasdrubal ebenfalls von Spanien her über die Alpen geführt, da wurde am Flusse Metaurus dieser Bruder von Metellus getötet, und sein Kopf wurde dem Hannibal ins Lager geworfen. Hiernach hielt sich Hannibal, unter wechselnden Geschicken, noch sechs Jahre lang. Zuletzt aber — 202—sah er sich doch genötigt, Süditalien zu verlassen, und in See zu stechen, um nach Afrika zurückzukehren. Ihm folgte Scipio auf dem Fuße nach. Es kam zur Entscheidungsschlacht bei Zama. Sie ging gegen Hannibal. Geschlagen, vollführte der unselige Feldherr den bedeutendsten Ritt der Weltgeschichte. Er legte 288 km in 24 Stunden zurück. Natürlich mit verschiedenen Pferden, aber damaliger Sitte gemäß ohne Steigbügel. Hannibal wollte der Nachricht von der Niederlage zuvorkommen. Er warf sich in der Stadt Karthago zum Diktator auf und richtete alles auf die Belagerung ein. Es war jedoch zu spät. Alle Aufopferung und Anspannung half nichts mehr, und die Stadt mußte sich ergeben. Eine Hauptbedingung war die Verbannung Hannibals. Ungebeugt durch sein schweres Geschick, begab sich der große Feldherr und Staatsmann nach der Balkanhalbinsel, zu den Molossern. Das war ein halbbarbarisches Volk, das weniger durch seine Menschen, als durch seine Hunde berühmt geworden ist. Von dem großen Molosserschlage stammen die heutigen Bernhardinerhunde. Als Hannibal sich dort nicht mehr sicher fühlte, wanderte er über Land, von ligurischen Händlern begleitet, nach Kleinasien, und fand beim König von Bithynien, Prusias, eine Zuflucht. Er versuchte jetzt, den Orient gegen Rom zu mobilisieren.

Ohnehin schickte sich jetzt Rom an, nachdem die Westhälfte des Mittelmeerbeckens so ziemlich unterworfen, auf die Osthälfte überzugreifen. Zunächst wurde Mazedonien gedemütigt. Es folgte ein Krieg in Kleinasien. Die Nachfolger Alexanders waren den Römern nicht gewachsen. Ohne allzu große Mühe siegten überall die römischen Waffen. Hannibal aber nahm Gift.

Text aus dem Buch: Männer, Völker und Zeiten, eine Weltgeschichte in einem Bande, Verfasser: Wirth, Albrecht.

Siehe auch:
Männer, Völker und Zeiten – Anfänge
Der alte Orient und Griechenland
Arier und Chinesen
Juden und Phönizier
Feudalherrschaften in China, Indien, Vorderasien und Hellas
Homer
Assyrer und Perser
Religionsstifter und Philosophen
Perserkriege
Peloponnesischer Krieg
Anfänge Roms
Politischer Niedergang Athens
Alexander der Große
China und Rom