Rund um Afrika

Die Reise nach unseren westafrikanischen Kolonien ist durch den Aufstand in Südwest erheblich volkstümlicher geworden, als die nach Ostafrika. In Hunderten, ja Tausenden von Büchern, Zeitungsauf-sälzen und Vorträgen ist diese Reise aller Welt geschildert worden. Wir können uns also darauf beschränken, hier diejenigen praktischen Winke zu geben, die für den Reisenden der fahrplanmässigen Dampfer von Wert sind.

Die Zusammenstellung der Reiseausrüstung übernimmt irgend eine der bekannten Ausrüstungsfirmen; der Reisende braucht nur zu sagen, wieviel er ungefähr ausgeben will oder kann, und findet dann alles, sachgemäss verpackt, bei der Abreise in Hamburg vor.

Mehrmals in jedem Monat gibt es Gelegenheit zur Fahrt nach Westafrika. Für uns Deutsche kommen natürlich zuerst die deutschen Schiffe der Woermann-Linie in Betracht, die in allen möglichen Variationen den Verkehr mit Westafiika besorgt und an allen irgendwie wichtigen Plätzen anlegt Der Fahrpreis beträgt von Hamburg nach Togo in der I. Klasse 594 Mk., in der II. Klasse 429 Mk., in der III. Klasse 253 Mk., nach Kamerun (Victoria, Duala, Kribi) in der I Klasse 6C0 Mk., in der II Klasse 495 Mk., in der III. Klasse 275 Mk. Wie bei allen anderen deutschen Schiffslinien gelten diese Preise einschliesslich voller Verpflegung, jedoch ohne Getränke, die übrigens — zur Beruhigung für durstige Kehlen — billig sind und kaum mehr kosten als hierzulande.



Die Verpflegung ist vorzüglich und entspricht ungefähr derjenigen eines Hotels ersten Ranges. Eine Mahlzeit löst die andre ab und wird wegen der appetitanregenden Wirkung der Seeluft auch selten versäumt.

Jeder Reisende hat 200 kg Freigepäck, für jede 10 kg darüber hinaus werden 4 Mk. berechnet. Waren können nicht als Gepäck verladen werden. Die Unterbringung des Gepäcks der Passagiere findet teils in den ihnen zugewiesenen Kammern, teils im Gepäckraum statt. In die Kammern dürfen nur Handgepäck und kleine Koffer, sogenannte Kabinenkoller, mitgenommen werden, die sich unter das Sofa und die Betten schiebenlassen.

Diese Gepäckstücke dürfen höchstens 90cm lang 60cm breit, 35 cm hoch sein.

Das Kammergepäck bringt man am besten selbst zur Einschiffung mit, während das grosse Gepäck so zeitig an die Reederei unter gleichzeitiger brieflicher Mitteilung abgesandt werden muss, dass es zwei Tage vor Abfahrt des Dampfers an Bord ist.

Für Unterhaltung während der langen Reise ist auf den Woermann-Dampfern bestens gesorgt. Abgesehen davon, dass die zahlreichen Mahlzeiten schon ein gut Teil der Zeit angenehm ausfüllen, kann man sich die Langeweile mit allerlei Gesellschaftsspielen, mit Sport, Musik und Tanz wirksam vom Halse halten. Demjenigen, der ernster veranlagt ist und an dem Treiben der Jugend keinen Gefallen findet, stehen die Schätze einer reichhaltigen Schiffsbücherei zur Verfügung. Uebrigens lässt die Wirkung der Seeluft erfahrungsgemäss nicht allzusehr das Bedürfnis nach geistiger Nahrung aufkommen. Und das hat auch sein Gutes. Man liegt auf seinem Deckstuhl und träumt. Dabei ruht man sich einmal gründlich von dem aufreibenden Leben Europas aus und stärkt den Körper für die afrikanischen Strapazen und Entbehrungen.

Nachdem wir nun die Reiselustigen über ihr Wohl und Wehe während der Fahrt beruhigt haben, wollen wir die Reise beginnen.

Die Einschiffung der Passagiere erfolgt meist am Petersenkai in Hamburg. Bei Morgengrauen verlässt in der Regel das Schilf den Hafen von Hamburg. Er ist in Dunst und Kohlenrauch gehüllt, so dass wir kaum die ehrwürdigen Türme und Häuser der alten Hansastadt sehen können, und atmet graue Abschiedsstimmung. Dann geht’s die Elbe hinumer, vorbei an den eleganten Villenvororten Hamburgs, nach Cuxhafen und nun hinaus auf die See, der englischen Küste zu.

Dover, in diesem Fall der Hafenplatz für die von London kommenden Reisenden, ist unsere erste Station, die wir am folgenden Tage erreichen. Dort nimmt unser Schiff eine Reihe englischer Reisegenossen auf. Denn unsere Vettern jenseits des Kanals wissen als Angehörige einer seefahrenden Nation die Vorzüge der deutschen Dampfer, ihre Eleganz. Sauberkeit und gute Verpflegung zu schätzen und fahren am liebsten mit Woermann nach Westafrika. Noch an demselben Tage wird aus dem nämlichen Grunde der auf der anderen Seite des Kanals gelegene französische Hafen Boulogne angelaufen. Nun geht’s durch den Kanal hinaus auf den Atlantischen Ozean, hinein ins Fegefeuer der Seekrankheit, die aber meist in zwei bis drei Tagen überstanden ist. Lissabon lassen wir stolz links liegen. Mancher wird bedauern, dass er die herrlich gelegene. Hauptstadt Portugals nicht kennen lernen kann. Aber dies hat auch sein Gutes, denn dadurch wird uns die Reisegesellschaft von allerlei Mischlingen mit hochtönenden portugiesischen Namen erspart, die sonst unsere Dampfer mit Vorliebe zur Reise nach den portugiesischen Kolonien zu benutzen pllegen.

Am siebenten Tage unserer Reise steigt der Pik von Teneriffa, der höchste Punkt der Kanarischen Inseln, der vor Jahresfrist Zeugnis von seinen vulkanischen Eigenschaften gegeben hat, vor uns auf.

Die Kanarischen Inseln, einer der letzten Reste spanischer Kolonialherrlichkeit, lassen uns das erste Stück südländischen Lebens sehen, aber auch für einige Zeit das letzte Stück europäischer Kultur. Bei der Einfahrt in den Hafen Las Palmas haben sich im Nu um den Dampfer zahlreiche Händlerboote angesammelt, deren Insassen nur auf diesen Moment gewartet haben, um uns mit ihren mannigfaltigen Waren zu bestürmen.

Kanarienvögel, Südfrüchte, Ansichtskarten und aller erdenkliche Raritätenkram werden uns unter südländischem Geschrei und Feilschen angeboten. Halbwüchsige Jungen tauchen gewandt nach Geldstücken, die von den Passagieren ins Meer geworfen werden. Der kurze Aulenthalt in Las Palmas wird meist zu einem Ausfluge nach dem Städtchen benutzt. Zwischen Bananengärten, vernachlässigten Forts und Palmenhainen liegt, malerisch am Berge aufgebaut, das Städtchen selbst. Die Händler machen bei Ankunft eines deutschen Dampfers glänzende Geschäfte. Tausende von Mark bleiben hier. Vor ein paar Jahren konnte man deutsche „blaue Lappen“ hier kaum los werden — heute sind sie schon gleichberechtigt mit dem englischen Geld. Wir haben dann noch knapp Zeit, um ein paar Raritäten (Spitzen und Stickereien, die, wie böse Zungen behaupten, meist aus Annaberg stammen) zu kaufen und die obligaten Postkarten mit Ansicht an unsere Lieben nach der Heimat zu senden.

Haben wir Teneriffa hinter uns, so wird’s schon afrikanischer. Der nächste Halt wird fünf Tage später in Konakry, der Hafenstadt des französischen Sudan, gemacht. In Monrovia, der nun folgenden Hauptstadt des famosen Neger – Operetten – Freistaats, nimmt das Schiff eine Menge schwarzer Fahrgäste an Bord, Kruneeer, die sich regelmässig aus Bootsleute an die Dampfer und Handelshäuser Kameruns verdingen. Liberia ist eine Niederlassung ehemaliger amerikanischer Negersklaven, die 1821 und 1822 ins Leben gerufen worden ist. Diese schwarzen Herrschaften und ihre Nachkommen haben unter der ihnen geschenkten Freiheit wohl Faulheit verstanden, denn von einer geregelten und planmässigen wirtschaftlichen Tätigkeit dieser Leute ist kaum die Rede. Die Zustände des „Freistaats“ kann man sich hiernach ungefähr ausmalen; sie sind nur humoristisch zu nehmen. Im Fluge ziehen nun noch eine Reihe französischer und englischer Hafenplätze, im Aeussern wenig voneinander verschieden, an uns vorüber. Mehr oder minder überall dieselbe Brandung, derselbe flache Strand, dieselben Palmen und dazwischen versteckt weisse Tropenhäuser. Nur das Auftreten der Neger ist verschieden, je nachdem sie unter französischer oder englischer Flagge leben. Besondere Aufmerksamkeit verdienen die Plätze an der englischen Goldküste: Sekondi, Cap Coast Castle, Akkra. Nun steigt unser Interesse, denn wir kommen nach unserer Togo-Hauptstadt Lome. Wir werden sie und die andern deutschen Hafenplätze Westafrikas in einem folgenden Artikel kennen lernen.

Weiteres aus der Reihe „Kolonie und Heimat“
Eine Straussenfarm in Deutschland
Wie der Neger in Togo wohnt
Deutsche Diamanten
Zur Frauenfrage in den deutschen Kolonien und andere Bekanntmachungen
Die Landesvermessung in Südwestafrika
Bilder aus dem Norden von Deutsch-Südwest: Namutoni
Koloniale Neuigkeiten
Deutschland, England und Belgien in Zentralafrika
Das Deutsche Institut für ärztlich Missionen in Tübingen
Bilder von der afrikanischen Schutztruppe
Die Kolonien in der Kunst
Der Handelsagent in Deutsch-Afrika
Bierbrauerei der Eingeborenen in Afrika
Samoanische Dorfjungfrau
Losso-Krieger aus dem Norden von Togo
Allerlei aus dem Leben des Togonegers
Ostafrikanisches Obst
Ostafrikanische Küstenbilder
Tabakbau und Tabakverarbeitung in Havanna
Die französische Fremdenlegion
Kamerun : Totentanz der Küstenneger
Ein Rasseproblem
Blick in eine Wanjamwesi-Siedlung bei Daressalam
Der Botanische Garten zu Berlin als Zentralstelle für koloniale Landwirtschaft
Die Kirchen in Daressalam
Das Meer und seine Bewohner : Seevögel
Sie riss das Gewehr an die Backe, zielte einen Augenblick und schoss . . .
Wie man in Afrika in der Regenzeit reist
Auf den Diamantenfeldern von Lüderitzbucht
Die Diamanten-Regie des südwestafrikanischen Schutzgebiets in Berlin
Bilder aus der ostafrikanischen Vogelwelt
Vom Deutschtum im Ausland (Chile)
Medizintanz der Baias in Kamerun
Hamburg als Hafenstadt
An der Trasse der Bagdadbahn
Die Baumwollfrage
Die Mischehen unter fremden Rassen
Das Haar
Deutsches Leben in Deutsch-Südwest Afrika
Unteroffiziere der Schutztruppe in Südwest-Afrika feiern Weihnachten
Wenn der Buschneger den ersten Weissen sieht …
Berittene Spielleute des Sultans Sanda von Dikoa
Ein Morgenpirschgang in Ostafrika
Die Kilimandjaro-Bahn
Die Aufgaben der deutschen Frau in Deutsch-Südwestafrika
Kolonie und Heimat : Rückblick und Ausblick
Prosit Neujahr!
Wie die Ponapeleute entwaffnet wurden
Goldgewinnung an der Goldküste
Eingeborenen-Bilder aus Kamerun : Die Wute
Wie schafft man sich gesundes Blut?
Bilder aus der Tierwelt Südafrikas
Totengebräuche auf den Salomons-Inseln
Fünfundzwanzig Jahre Deutsch-Ostafrika
Eine Reise durch die deutschen Kolonien
Neues aus dem Innern von Neu-Guinea
Der Nord-Ostsee-Kanal
Bilder aus der Kameruner Vogelwelt
Die landwirtschaftliche Ausstellung in Keetmanshoop
Herero-Mann Deutsch-Südwestafrika
Die Straussenzucht in Südwestafrika
Kolonie und Heimat erscheint von jetzt an wöchentlich.
Die deutsche Frau in der Südsee
Die Ölpalme
Frauenerziehung in China
Seltsame Fleischkost
Mitteilung des Frauenbundes der Deutschen Kolonialgesellschaft
Die Herstellung von Rindentuch in Zentralafrika
Südwestafrikanische Früchte in Deutschland
Windhuk
Der Panamakanal
Bilder aus Kiautschou : Unsre Besatzungstruppe
Bilder aus Kiautschou : Chinesische Verkehrsmittel
Ein Besuch in der chinesischen Stadt Kiautschau
Das neugierige Krokodil
Bilder vom Wegebau in Kamerun
Negerkapelle
Verarmte deutsche Ansiedler in Jamaika : Ein Notschrei aus Westindien
Pestgefahr in Kiautschou?
Gastfreundschaft in Deutsch-Ostafrika
Eine leckere Mahlzeit
Südseeinsulaner aus Jap (Westkarolinen)
Kalkutta
Liebesdienst
Die Ausfuhrprodukte Deutsch-Ostafrika
Die Bewohner von Ruanda
Die Heuschreckenplage in Südafrika
Südseeschutzgebiete
Deutsch Ostafrika : Gefangene junge Elefanten in Udjidji am Tanganjikasee
Koloniale Plastik
Wie der Europäer in Südafrika wohnt
Bilder von der ostafrikanischen Nordbahn
Die Tropenhygiene auf der Internationalen Hygiene-Ausstellung
Kamerun: Ein Haussa-Fleischer in Bamum räuchert Fleisch
Ein afrikanischer Operettenkrieg
Der tote Buschmann
Das neue Südafrika
Auf einer Station im Innern von Südkamerun
Die drahtlose Telegraphie und ihre Bedeutung für unsere Kolonien
Das Museum für Meereskunde in Berlin
Ein Besuch in Bombay
Bilder aus Ceylon
Suahelifrau im Festgewand
Hamburg als Hafenstadt II
Idyll aus Deutsch-Südwest: Fütterung eines jungen Springbocks
Die Bremer Baumwollbörse