Sascha Schneider als Maler

Als vor einigen Jahren Sascha Schneiders grosse Kartons zum ersten Male eine Rundreise durch die grosseren Städte Deutschlands machten, da war der bis dahin fast unbekannte junge Künstler mit einem Schlage »berühmt« geworden. Staunend fragte man sich wie es möglich sei, dass ein Vierundzwanzigjähriger der Schöpfer dieser ausgeprägten, selbständigen Formenwelt, der Denker dieser tiefsinnigen, fremdartigen Ideenkreise sein könne. Man drängte sich vor seinen Arbeiten, man stritt über sie. Publikum und Kritik waren sich darüber einig, dass man hier eine höchst bedeutsame künstlerische Erscheinung vor sich habe, zahlreiche Kunstzeitschriften, ja selbst die Familienblätter, beschäftigten sich eingehend mit ihm, und die Mehrzahl seiner Werke wurde in guten Nachbildungen der Allgemeinheit zugänglich gemacht.

Inwieweit die Theilnahme des grossen Publikums an Sascha Schneiders Kartons auf Rechnung des blossen stofflichen Interesses zu setzen, aus dem Reiz seiner kühnen, fast ausschweifenden Phantasie zu erklären war, bleibe dahingestellt. Sicher ist, dass sehr bald Stimmen laut wurden, welche bedauerten, dass des Künstlers unleugenbar geniale Schaffenskraft sich in Kartons erschöpfe, und als einige Jahre vergingen ohne dass man Anderes von seiner Hand gesehen hätte, da regten sich Zweifel, ob er wohl im Stande sein werde, den rechten Ausdruck für seine Begabung zu finden. Auch auf die Vergänglichkeit seiner Kartons wies man hin, die nur zu bald der Zerstörung anheimfallen würden, soweit sie nicht in Museen sichere Plätze fänden; und deren waren nicht viele. —

Nur Wenige hatten das rechte Gefühl und den Muth es auszusprechen: dass nämlich Sascha Schneider ein geborener Monumentalmaler sei, und dass seine künftige Entwickelung ihn mit Naturnothwendigkeit dahin drängen müsse, auch der Farbe im grossen Stile ihr Recht zu gönnen.

Der Künstler selbst, eine durch und durch gesunde Kraftnatur, hat sich glücklicher Weise vom Zweifel ebensowenig beirren lassen, als ihn sein schnell erworbener Ruhm berührt hatte. Still und stetig ist er seinen Weg gegangen und hat, während man sich über seine Zukunft den Kopf zerbrach, an seiner künstlerischen und namentlich maltechnischen Weiterbildung ernsthaft gearbeitet. Nicht unwesentlich gefördert wurde er dabei durch Max Klinger, der an seinem Schaffen den regsten Antheil nahm. Wenig ist in diesen Jahren von ihm an die Oeffentlichkeit gedrungen. Jetzt aber, da sein erstes monumentales Werk in Deutschland, der Triumphbogen der Johanniskirche zu Cölln bei Meissen, soeben vollendet wurde, ist es wohl an der Zeit, einen kurzen, zusammenfassenden Blick auf seine bisherige Thätigkeit als Maler zu werfen. —

Wohl hatte Sascha Schneider sich in einigen seiner früheren Werke bereits der Oelfarbe bedient, allein er hatte sich doch noch nicht völlig von der bisher geübten Technik loszulösen vermocht, und verzichtete auf die Wiedergabe der farbigen Erscheinung. Sein erstes Gemälde im eigentlichen Sinne entstand erst im Jahre 1897; es ist dies das grosse Bild, welches diesen Sommer in der Berliner Secession ausgestellt war und den Namen » Ungleiche Waffen« trägt. Inhaltlich bedeutet es für Schneider nichts grundsätzlich Neues, seineVorliebe für scharf ausgesprochene formale wie geistige Gegensätze findet sich nur in einer neuen, geistreichen Wendung darin wieder.

Zwei überlebensgrosse Männer gestalten stehen ruhig und unbeweglich nebeneinander, Jeder seiner Waffe vertrauend: der Eine dem mächtigen Bogen, an den er wie prüfend den gefiederten Pfeil anlegt, der Andere dem Cruzifix, das er ernst emporhält. Zum ersten Male ist aber auch die Farbe zur Karakteristik herangezogen und die schwarze Mönchskutte in schlagenden Kontrast zu dem phantastischen, leuchtend gelben Gewände des Kriegers gestellt. Und nicht in einer neutralen Umgebung stehen die beiden Figuren, wie bei den meisten Kartons, sondern eine sonnige Landschaft breitet sich hinter ihnen aus, während den Vordergrund blühende Blumen schmücken. Unverkennbar ist bei diesem Bilde der Einfluss Klinger s, in dessen Atelier Schneider längere Zeit aus- und ein gegangen war.

Das merkwürdige, an das Fresko erinnernde Kolorit zeigt entschiedene Verwandtschaft mit dem Christus im Olymp, an dessen Hauptfigur wohl auch das gelbe Gewand des Kriegers unbewusst anklingt. Das Eine ging aus diesem Werke erneut hervor, dass Sascha Schneiders Zukunft weniger auf dem Gebiete des Tafelbildes, als auf dem der monumentalen, raumschmückenden Malerei liegen werde, und das Verdienst, ihm hierzu die Bahn eröffnet zu haben, gebührt Herrn Dr. O. von Hase in Leipzig, der ihm noch im selben Jahre ein Gemälde in Auftrag gab, das für eine Vorhalle seiner Jenenser Besitzung bestimmt war. Hier hat sich der Künstler schon energischer in die Farbe gewagt. Auf blumiger Höhe, von der man auf das tiefblaue Meer mit der Insel Capri im Hintergründe hinausblickt, stehen die idealisirten Gestalten des bärtigen, reckenhaften Hausherrn und der anmuthigen Hausfrau, um der Muse zu lauschen, die in die Saiten einer Harfe greift. Gewiss erinnert auch hier noch Manches an Klingers Auffassung; allein schon der kühne Griff, an die Stelle von Porträtgestalten Idealtypen zu setzen, welche gleichwohl ihre lebenden Vorbilder treffend karakterisiren, zeigt die selbständige Kraft des freischaffenden Künstlers.

Da das Bild in Schneiders Atelier in Dresden auf Leinwand gemalt und dann erst an Ort und Stelle befestigt wurde, war es von nicht unwesentlichem Einfluss auf den nächsten grossen Auftrag, den er erhielt. Denn als er sich beim Dresdener akademischen Rath um die Ausmalung der neuerbauten Johanniskirche in Cölln bewarb, konnte er sich auf dies fertige Werk mit gutem Glück berufen. Im Jahre 1898 begann er mit den Kartons zu der neuen Arbeit, zugleich aber beschäftigte ihn ein anderes Bild, das er für das Klub- und Bootshaus des Dresdener Ruderklubs zu Blasewitz im Aufträge eines Mitgliedes dieses Vereines in Wachsfarben auf Leinwand ausführte. Das grosse, an 7 Meter lange Gemälde veranschaulicht einen sehr einfachen, künstlerisch aber um so dankbareren Augenblick: die Boote sind beim Transport zum Wasser kurze Zeit niedergesetzt worden, und eben winkt der bärtige Obmann wieder zum Aufbruch. In dem knappen Sportkostüm, das die muskulösen Körper eher zeigt als verhüllt, sehen wir die Ruderer im Moment der Ruhe, theils lässig stehend, theils knieend oder liegend.

Auch hier sind keine Porträts gegeben, sondern Typen, Urbilder einer kraftvollen jungen Männlichkeit. Meisterhaft ist bei aller Ungezwungenheit die Komposition des Bildes: scharf betont ist die senkrechte Linie in den stehenden Figuren und den aufrecht getragenen Rudern, im Gegensatz dazu ist durch die Boote und den liegenden Ruderer links eine kräftige Horizontale gegeben; der knieende Jüngling vermittelt zwischen Beiden, und ein schräg getragenes langes Ruder bildet in der rechten Hälfte des Bildes eine wohlthuende Diagonale. In farbiger Hinsicht ist dieses Gemälde weniger ausgesprochen. Es kam dem Künstler hier nicht so sehr auf ein malerisches Problem, als auf die Modellirung seiner prachtvollen jugendlichen Gestalten an, die sich mit ihrer wettergebräunten 1 laut färbe scharf von dem grauen Hintergründe abheben. — Bald genug jedoch wurde ihm eine Aufgabe zu Theil, die gerade seine malerischen Anlagen auf die Probe stellte.

Er hatte sich nach Italien begeben, um dort Vorarbeiten zu seinem Kirchengemälde zu machen, und namentlich an den alten Meistern die ungewohnte Freskotechnik zu studiren. Da erhielt er von einem in Florenz lebenden Deutschen, Herrn von Kaufmann, den Auftrag, die Decke eines Saales in dessen Villa Colombaia mit Bildern zu schmücken, und diese Arbeit, die ihn bis in das Jahr 1899 beschäftigte, zeigt ihn auf einmal als ausgesprochenen Koloristen, ja er ergeht sich hier geradezu in einer Farbengluth, die bei einem bisher fast nur als Zeichner bekannten Künstler doppelt überraschen muss. Bezeichnend für sein Streben nach allseitiger Ausbildung ist es dabei, dass er auch für dieses Werk wiederum eine andere Technik wählte; es ist in Tempera auf Leinwand gemalt.

Die Decke ist in vier polygone Felder eingetheilt, und es sind an den beiden Längsseiten Hölle und Paradies , an den Schmalseiten Nacht und Tag einander gegenübergestellt.

Die Darstellung der Hölle ist von jener wilden, fast grotesken Phantastik durchzogen, welche schon manchen früheren Arbeiten Schneiders eigen war. In blutrothem Flammenschein drängen sich Schaaren nackter und bekleideter Sünder der Unterwelt zu, getrieben von dem jugendlichen , satanisch schönen Beelzebub, welcher in orientalischer Tracht auf einem seltsamen und geheuer herannaht, von zwei gewaltigen Pavianen geleitet. Die Kette, womit das wunderbare Reitthier gezäumt ist, besteht aus Schildern mit den Namen der grössten Städte der Welt. — Erscheint auf diesem Bilde alles wie in glühendes Roth getaucht, so herrscht in dem gegenüberliegenden Paradies eine lichte Vorsonnnenaufgangs-Stimmung. Auf einer mit bunten Blumen übersäten Wiese stehen Adam und Eva, bewundernd der herrlichen Landschaft zugewandt, die sich vor ihnen ausbreitet, und deren sanfte Berglinien der Umgebung von Florenz entnommen sind. Ein dichtes Gebüsch südlicher Pflanzen schliesst das Bild nach rechts ab, und bildet zugleich einen wirksamen Hintergrund für die Gestalt der Eva. Das Ganze ist auf einen feinen, grünlichen Ton gestimmt; rosa Wolken am Himmel künden den nahenden Tag. — Die Nacht ist durch ein nacktes Weib von gewaltigen Formen verkörpert. Sie sitzt in eisiger, schweigender Alpenwelt bei bläulichem Mondenschein auf einem Throne, dessen Sockel von den Köpfen ihrer Opfer, der Opfer der Finsterniss, umgeben ist. Ihr Haupt schmückt eine phantastische Krone, in den erhobenen Händen hält sie Sklavenketten (dieselben fehlen auf der unserer Wiedergabe zu Grunde liegenden Photographie noch).

Dieses Bild ist vielleicht in der Stimmung und in der wunderbaren Harmonie der Farben das beste von allen; in blauviolettem Schimmer liegt die Landschaft, tief violett in das Gewand, welches den Thron bedeckt, grün der marmorne Sockel, purpurroth der Teppich auf den Thronstufen. In leuchtendem Morgenroth sitzt auf dem vierten Bilde eine kraftvolle Jünglingsgestalt, der Tag, auf hohem Throne; dahinter brandet das grüne Meer an bergigem Gestade, ein Motiv aus der Gegend von Carrara. Noch liegt der weisse Marmorsockel des Thrones im Schatten, aber die daran angebrachten Masken der Lichtgestalten der verschiedenen Religionen — Zeus, Christus, Ormudz und Odhin, sowie die verheissungsvolle Inschrift »Fiat lux« weisen darauf hin, dass bald voller Tag herrschen wird. Von welcher Seite der Künstler diesen erwartet, deutet der I Ieroldstab an, den der thronende Jüngling in der Linken hält; derselbe trägt als Schmuck den deutschen Reichsadler, das Symbol der Nation, die seiner Meinung nach vor allen anderen berufen scheint, der Welt Licht und Klarheit zu bringen.

So stellt sich der gesammte Schmuck dieser Decke als ein einheitliches Ganzes dar, in welchem eine geistvolle Idee rein künstlerischen Gesichtspunkten untergeordnet erscheint, und dabei andererseits gerade durch die Kraft der malerischen Stimmung zu vollem, überzeugenden Ausdruck gelangt. — Im Frühjahr 1899 kehrte Sascha Schneider nach Deutschland zurück, um sich nun ganz der Ausführung seines Gemäldes am Triumphbogen der Johanniskirche zu Cölln zu widmen. »Der Triumph des Kreuzes im Weltgericht« war der Vorwurf, den er dafür endgiltig wählte, nachdem er eine »Anbetung des Lammes« verworfen hatte. Mit wahrem Feuereifer ging er Mitte Juni an die gewaltige Aufgabe heran, und nach acht Wochen bereits hatte er sie beendet. An dem Tage da diese Zeilen niedergeschrieben werden (27. August), findet unter den Klängen des Dies irae aus Mozart’s Requiem im festlichen Gottesdienste die Uebergabe des fertigen Gemäldes an die Gemeinde statt. Unsere Abbildung auf S. 59 gibt er zum ersten Male weiteren Kreisen bekannt.

War schon die blosse physische Leistung, auf hohem Gerüste stehend ein solches Werk in einer noch nie geübten Technik in so kurzer Zeit ganz eigenhändig auszuführen, gewiss keine Kleinigkeit, so ist das künstlerische Ergebniss um so bewunderungs-werther. Wer allerdings mit einer gewissen hämischen Freude von einem Kirchenbilde Sascha Schneiders sensationelle Ueberraschungen in Stoff oder Auffassung erwartete, der wird gründlich enttäuscht sein. Gross und ruhig, durchaus reif und abgeklärt steht das Werk wie selbstverständlich an seiner Stelle. Der Bogenform der zu schmückenden Fläche entsprechend, ist die ganze Komposition radial an geordnet. Den Gipfelpunkt bildet Christus, aus Leiden triumphirend; er steht auf einer Wolke in der Höhe der ganzen Darstellung, inmitten einer Strahlenglorie die sich hinter ihm zur Kreuzesform verdichtet.

Sein Körper ist machtvoll, wenngleich die ausgebreiteten Arme auf den Kreuzestod hindeuten, und die Dornenkrone hat sich in einen Kranz von Rosen gewandelt. Er ist der Sieger über Tod und Leiden. Beiderseits sitzen zwei ernste, graugekleidete Engel mit Schwert und Palme, ringsum aber drängen sich die himmlischen Heerschaaren, mit Drommetenschall zu Auferstehung und Gericht rufend. Von besonderer Schönheit ist auf der rechten Seite ein jugendliches Paar, welches theilnahmsvoll dorthin späht, wo die vier unheimlichen Gestalten der Apokalypse Tod, Krieg, Pestilenz und Hunger -den Sturz der zu wirrem Knäuel geballten Verdammten beschleunigen. Eine ausserordentlich wirkungsvolle Figur ist hier namentlich die Pest, ein rothhaariger junger Kerl, dessen nackter Körper in seiner grünlichen Leichen färbe wie lauter Gifthauch und Verwesung aussieht; mit brandrothem Pfeil und Bogen zielt er auf die Rotte der Gottlosen. Ein tiefblauer, nach den Seiten zu heller werdender Hintergrund lässt, ohne jede Andeutung des Raumes, die Figuren in ihrer kräftigen Farbigkeit und strengen, architektonischen Anordnung ganz durch sich selbst wirken. Nur links unten musste der Künstler, der kirchlichen Tradition folgend, die Erde wiedergeben, der die Leiber der Auferstandenen entsteigen. Wir sehen dort das Stück eines Friedhofes, wo zwischen Grabkreuzen frische Blumen blühen und die Todten auferstehen, um zum Himmel aufzuschweben, wo rosenbekränzte Engel ihrer harren.

So ist auch dieses Werk eine echt monumentale Leistung. Von künstlerischen Absichten in erster Linie ausgehend, füllt es den gegebenen Raum in meisterhafter Weise, und bringt dabei den Gegenstand der Darstellung mit packender Wucht und vollkommener Klarheit zur Erscheinung. Was der Zeichner einst versprochen, hat der Maler hier gehalten. Glänzend hat sich Sascha Schneider auch mit der Technik des Malens al fresco abgefunden. Einen jungen Maurer hat er sich zur jeweiligen Herstellung des Bewurfes eigens herangebildet, dann ist er kühn ans Werk gegangen und hat mit voller Sicherheit durch Tausende von mosaikartig nebeneinandergesetzten Pinselstrichen die beabsichtigte Fernwirkung erzielt.

Hat sich der Künstler somit bei seinem ersten öffentlichen Auftrag als Raummaler grossen Stiles bewährt, so ist es doppelt erfreulich, dass eine weitere grosse und dankbare Aufgabe seiner harrt: die malerische Ausschmückung der Gutenberg-Halle im Deutschen Buchgewerbehause zu Leipzig, mit der ihn der Deutsche Buchgewerbeverein betraut hat. Der Plan dafür steht im Allgemeinen schon fest, und eine Anzahl von Skizzen und Entwürfen dazu ist bereits entstanden. Die Idee zu dem 13 Meter breiten Hauptbilde sei hier mit des Künstlers eigenen, für seine Denk- und Ausdrucksweise sehr bezeichnenden Worten geschildert:

Die grosse Skizze, für die Hauptwand der Gutenberghalle gedacht, soll Balders Erwachen und Erblühen darstellen, aus den Frühlingsblumen der Erde wächst er empor. Sein Erscheinen bedeutet für die beiden repräsentirenden Menschen, die rechts und links auf der gleichfalls mit Blumen überstreuten Wiese sich befinden, Licht, Luft, Freiheit und Erwachen zur Wonne. Im Hintergründe ballen sich die verdrängten und besiegten Winterriesen zu einem drohenden Gewitter zusammen, nochmals zu einem Angriff auf die befreite Erde sich vereinend und rüstend, wenn Balder, das Licht, der Befreier, sich nicht stark genug zeigen sollte, sich zu behaupten. Unter den fröhlichen Menschenkindern, in bröckelnden Höhlen, im Feuchten, Dunkeln, kauern wieder finstre Mächte, theils vom Schlafe übermannt, theils wachend, grollend, vor sich hinstarrend, mit Schätzen irdischer Art. Oder sie ziehen aus auf Drachen und Schlangen, schon überzeugt von Balder’s Kraft und an ihrer Herrschaft verzweifelnd. — So wie Balder, der läuternde Frühling uns herrlich vom Winter und seinen Gewalten befreit, so stürmte die Erfindung der Buchdruckerkunst ähnlich leuchtend, erweckend und befreiend in die Finsterniss des Mittelalters hinein, und schon sind viele von diesen Reifriesen vernichtet, andere liegen in tiefem Schlafe.

Das Gewitter ballt und ballt sieh aber immer und immer wieder zusammen. Möge die Presse doch so stark wie der sieghafte Gott sein, dem Gewitter zu gebieten, und die Dämonen zu zerstreuen. Ich erlaube mir solches an Stelle einer mageren und unmalerischen Allegorie vorzuschlagen, wie die schon so oft, zwar didaktisch aber unerquicklich wirkend, allenthalben angebracht worden ist. Auf vier kleineren Feldern sollen dann zwei männliche und zwei weibliche Gestalten Platz finden, von denen die beiden ersten die Weltweisheit und ihr Widerspiel, die beiden anderen Dichtung und Wahrheit versinnbildlichen. So wird denn das Jahr 1900 zwei monumentale Werke in Leipzigs Mauern erstehen sehen: Max Klingens Treppenhausbilder im Städtischen Museum und die Gutenberghalle von Sascha Schneider. Was dieser als Maler bisher geleistet hat, habe ich hier kurz zu schildern versucht; mit einem hoffnungsfrohen Blick auf sein kommendes Werk kann ich schliessen. —

Leipzig.

Dr. Ludwig Volkmann.

Bildverzeichnis:
Sascha Schneider-Der Tag
Sascha Schneider-Die Nacht
Sascha Schneider-Dresden-Ruder-Klub
Sascha Schneider-Morgenstimmung
Sascha Schneider-Triumph des Kreuzes im Weltgericht
Sascha Schneider-Ungleiche Waffen
Sascha Schneider-Kopfstudie
Sascha Schneider-Knabe

Siehe auch:
Die Kunst und die Gegenwart
Die Lebensfrage der Kunst
Die Landschaft ist ein Seelenzustand
Vom Wert der Anschauung
Ein Kriegerdenkmal
Was ist Expressionismus?
Linie und Form in der Plastik
Der Tastsinn in der Kunst
Fritz Boehle
Ratschläge vorm Verkauf von Kunstbesitz
Silhouetten
Die Kunst nach dem Kriege
Ein Deutsches Ledermuseum
Heldenhaine und Ehrenhaine
Kriegs-Gedächtnis-Male
Lebenswerte der Kunst
Constantin Meunier-Denkmal der Arbeit
Die Anfänge einer neuen Architektur-Plastik
Neue Brunnen und Denkmäler von Franz Metzner
Monumentale Kunst
Franz Metzner-Steinmetz und Bildhauer
Bildhauer Georg Kolbe
Zum Denkmals-Problem
Die Grosse Berliner Kunst-Ausstellung
Quellen des Behagens
Sascha Schneider-Bildhauer und Maler