Schiffsmodelle als Zimmerschmuck

In den Rathäusern der Hansestädte, in den Patrizierhäusern der deutschen Seehäfen findet man häufig Schiffsmodelle als Wand- und Deckenschmuck. Man begegnet da Modellen von sehr respektabler Grösse und bewundernswert genauer Ausführung, die sich bis auf die kleinsten Einzelheiten erstreckt.

Dieser mittelalterliche Brauch, der einer Art historischer Pietät entsprang, ist nun gewissermassen zur Mode geworden und zwar einer Mode in amerikanischen Privathäusern; man findet neuerdings sorgfältig gearbeitete Schiffsmodelle hier in reichen Häusern. Es kommen dabei besonders Modelle in Betracht, die mit der Geschichte unseres Landes im Zusammenhang stehen.

Zum Unterschied von den seltenen, sehr teuren und technisch genau gearbeiteten Schiffsmodellen, die hauptsächlich für Sammler von Wert sind, bedient man sich nun zur Ausschmückung von Wohn- und Gescnäftsräumen der dekorativen Schiffsmodelle. Diese Modelle haben vor allen Dingen einen dekorativen Zweck zu erfüllen und da sie technisch nicht absolut genau zu sein brauchen, sie auch nur alt aussehende Schöpfungen der Jetztzeit sind und keinerlei Anspruch auf Altertumswert geltend zu machen haben, können sie in grösserer Anzahl und preiswerter hergestellt werden.

Man verwendet sie hauptsächlich zur Ausschmückung von Dielen, Treppenhäusern, Bibliothek- und Arbeitszimmern, wo sie auf Schränken, auf dem Kamingesims oder vor dem Fenster aufgestellt werden oder man lässt sie am Mast von der Decke herunter hängen.

Das abgebildete Modell der „Mayflower“ ist eine Arbeit des Bildhauers Erlacher, München, und wurde nach einer Blaupause und der Photographie des im Smithsonian Institute in Washington befindlichen Modells angefertigt. Vom gleichen Künstler stammt das Modell „Armada“, das nach Stichen aus einem einem alten holländischen Werk angefertigt wurde. Es stellt das Admiralsschiff der holländischen Armada dar, die von der holländischen Regierung ausgerüstet, aus fünf oder sieben Schiffen bestand, die überwiegend englische Truppen erstmals nach Amerika brachten. Der grösste Teil der Truppen wurde hier vernichtet, die „Armada“ selbst ging zum grössten Teil auf der Rückreise unter und nur ein Schiff kam wieder nach Holland zurück. Es dürfte hier wohl kaum ein Modell, wenigstens deutscher Herkunft geben, das in der Ausführung der „Armada“ gleichwertig wäre.

Das Modell des Kriegsschiffs der Danziger Hansa stammt von Haug, München. Es stellt ein Kriegsfahrzeug zu Beginn des 15. Jahrhunderts dar, als das deutsche Schiffsbauwesen anfing, sich bedeutend zu verbessern. Durch die Erfindung des Kompasses dehnte die Hansa ihre Seereisen weiter aus und knüpfte Handelsverbindungen mit Spanien und Portugal an. Dadurch lernte sie die im Mittelmeer schon längere Zeit gebräuchlichen, bedeutend grösseren Liburnen oder Karavellen kennen, verbesserte und vergrösserte dadurch auch ihre eigenen Schiffe. Somit kam es, dass neben der alten hanseatischen Fredekogge die verbesserte spanische Karavelle das Hauptschiffsmaterial der Hansa im 15. Jahrhundert bildete. Paul Bennecke, wohl der berühmteste Seeheld des 15. Jahrhunderts, befehligte 1468 bei der Besiegung der Engländer vor Zween drei Karavellen, mit welchen er die Engländer vertrieb und zwei Schiffe, darunter den „St. John“, eines der grössten der damaligen Zeit, eroberte.

Das Modell der „Santa Maria“, eine andere Arbeit Haug’s, zeigt die Karavelle des Kolumbus. Die Karavellen waren 3—4mastige Segelschiffe, die infolge ihrer sehr schlank gebauten Unterwasserformen, eine verhältnismässig schnelle Fahrt liefen (bis zu zwölf Knoten), bei einer Wasserverdrängung von durchschnittlich 300 Tonnen. Der Heckaufbau war besonders hoch und enthielt die Räume für Kapitän und Offiziere, sowie die Vorratskammern. Die „Santa Maria“ hatte eine Länge von über 23 Metern hei einer grössten Breite von 6,70 Metern und einer Wasserverdrängung von 240 Tonnen. Die Gesamtfläche betrug 180 qm., und die Besatzung 70 Mann. Am 3. August 1492 verliess Kolumbus mit seinen drei Karavellen, Santa Maria, Nina und Pinta den Hafen von Palos und landete am 12. Oktober an den Bahamainseln (Guanahani) dem San Salvador des Columbus. Die Karavelle Santa Maria strandete am 24. Dezember 1492 auf einem Korallenriff bei Kap Haiti.

Siehe auch:
Wir Deutsch-Amerikaner
Deutsch-Amerika
Die Deutsch-Amerikaner und das Kaiserreich
Wie das alte Österreich starb
Wie das alte Österreich starb II
Die Deutschen in Amerika
Die Deutschen in Amerika II
Eine Audienz bei Richard II. (Richard Strauss)
Die Lüge als Fundament
„Deutsch-Amerikas“ Mission
Schundromane auf dem Scheiterhaufen
Lincoln und das deutsche Element
Die Geschichte der Revolution
Der Aufbau Palästinas
Deutschland und der Weltfriede
Vaterland vor der Wiedergeburt
Das Schicksal der deutschen Kolonien
Der letzte Zar im Kreise seiner Familie
Krupp-Werk in Friedens-Arbeit
Die Wolkenburgen der neuen Welt
Deutschlands chemische Industrie in der Nachkriegszeit
Jerusalem die Heilige Stadt
Die Schwarzen Truppen in Deutschland