Schrumpfformen des Helmes und das kreuzförmige Satteldach

Wenn das Zurücktreten der Helmwände stärker betont wird als bei der Petrikirche in Hamburg, wenn also der Helm bedeutend zusammenschrumpft, kommen wir zu der Form, die die beiden Türme der Klosterkirche in Corvey a, d. Weser (89) aufweisen. Hier schwingen die Gratlinien der schmächtigen, schlanken Pyramide nach unten in schönen Kurven hinüber nach den Giebelspitzen und nach den Turmecken. Wie gefällig diese Schwingung in Flächen -und Linien wirkt, kommt uns erst recht deutlich zum Bewußtsein, wenn wir den neueren, wenig schönen Turm in Malente zum Vergleich heranziehen, der nach demselben Prinzip, aber durchaus geradlinig gebaut wurde. Die vielen scharfen First-, Grat- und Kehllinien mit verschiedener Neigung wirken hart und verwirrend. In Abbildung 90, die auf die Suitbertuskirche in Kaiserswerth zurückgeht, finden wir die Schfumpf-form von Corvey in geringerem Grade. Es muß allerdings bemerkt werden, daß die beiden dortigen Helme neueren Datums sind. Auf der St. Georgskirche in Limburg a. d. Lahn, das jedoch nicht mehr im niederdeutschen Gebiet liegt, finden wir die gleichen Formen aus romanischer Zeit, vielleicht sogar einen Vorläufer Corveys, wenn auch die Klosterkirche Corveys selbst älter ist. Unter dem Bilde des Abtes von Corvey, Theodor von Beringhausen, im dortigen Bildergang des ehemaligen Benediktinerklosters ist zu lesen (in Übersetzung): „Die Kirchtürme baute er höher im Jahre 1601.“

Wird die hier geschilderte Schrumpfung weitergeführt, so wird aus dem ursprünglich hohen und stolzen Helm ein kleiner Dachreiter. Dieser steht dann auf einem kreuzförmigen Satteldach. An der Marktkirche in Hannover (91) wiederholt der behelmte Reiter die Viergiebelform seines Trägers. Auf dem Marienturm in Freienwalde in Pommern stellt er sich als ein sehr schlankes, achteckiges Türmchen vor. Auf der Busdorfkirche in

Paderborn sitzt auf dem Kreuzsattel des Turmes ein kurzer, gedrungener Reiter mit barocker Haube, und auf dem Kröpeliner Tor in Rostock (92), das mit vier wehrhaften Treppengiebeln nach allen Seiten seine eckige Stirn zeigt, überragt diese im Firstenkreuz wieder ein schlanker, achteckiger Reiter. Auf dem Turm der Marienkirche in Wismar (93) ist die Schrumpfung restlos zu Ende geführt. Der Dachreiter ist hier ganz verschwunden. Wir sind also nach einer längeren Wanderung wieder bei dem Satteldach, das der Ausgangspunkt unserer Betrachtungen war, angekommen, wenn auch in der Endform zwei derselben verbunden sind. An dieser Stelle soll noch einmal Duderstadt genannt werden. Die evangelische Servatiuskirche (94) dieser Stadt zeigt auf ihrem Turm ein kreuzförmiges Satteldach, dessen Firstlinien die Diagonalen über dem Turmquadrat bilden. Über diesem Dach erhebt sich eine hohe achtseitige Pyramide. Sic sowohl wie die hochragenden Ecken sind mit Kupfer gedeckt. Die Form wirkt weniger schön als seltsam. Es scheint sich hier um einen einmaligen Versuch zu handeln. Der Helm stammt aus dem Jahre 1928.

Auf der St. Clcmenskirche auf der Insel Röm (95) ist an die Stelle der achtseitigen Pyramide eine vierseitige getreten. Auch dadurch entsteht die Andeutung eines kreuzförmigen Satteldaches.

Text aus dem Buch: Türme und Tore von Flandern bis zum Baltikum, Verfasser: Lohf, Paul.

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