Seekuhjagd in Kamerun

Die Wasserjagd an den Flüssen Kameruns ist noch recht ergiebig und bietet dem Weidmann eine Fülle von Reizen. Neben zahllosen prachtvoll gefiederten und teilweise auch sehr schmackhaften Wasservögeln, verschiedenartigen Reihern und Kranichen, Enten und Gänsen kommt natürlich in erster Linie das Flusspferd als Jagdtier in Betracht. Freilich ist dieser Riese der Tierwelt in Kamerun in leichter zugänglichen Gegenden nicht so häufig anzutreffen, wie z. B. in Ostafrika. Vielleicht kommt dies daher, weil die Flüsse Kameruns in höherem Masse schiffbar sind, als in Ostafrika, und dass sich infolgedessen die Tiere nicht so ungestört vermehren konnten wie dort. Immerhin kommt der Jäger, der die Jagd nicht nur im Vorbeigehen oder vielmehr Vorbeifahren ausübt, sondern Zeit hat, das Wild aufzusuchen, wohl auf seine Rechnung.

Hand in Hand damit kann die Jagd auf die zahlreich vorhandenen Krokodile gehen. Der Jäger tut dabei zugleich ein gutes Werk, wenn er möglichst viele von den gefährlichen Echsen vernichtet. Auch sie sind allerdings — wohl aus denselben Gründen — in Kamerun nicht in solchen Mengen anzutreffen wie in Ostafrika. Doch wir wollen nicht von der Wasserjagd im allgemeinen reden, sondern von der Jagd auf ein besonders eigenartiges Wild, das fast ausgestorben ist und nur noch in wenigen Gegenden der Welt vorkommt, namentlich auch in den weitverzweigten Flussmündungen von Kamerun. Wir meinen die Jagd auf die Seekuh. —

Diese Jagd kostet verhältnismässig viel Zeit und die haben im allgemeinen nur die Eingeborenen. Und da das Tier auch keine Jagdtrophäen lielert, keine Zähne, kein Fell oder dergleichen, sondern nur Fleisch, so hat der Europäer wenig Sinn dafür. — Die Seekuh, auch Dujong, Lamantine oder Manati, in der Dualasprache Manga genannt, die von manchen Zoologen eine Zeitlang als nicht mehr existierend hingestellt wurde, kommt gerade in Kamerun noch sehr häufig vor, besonders im Unterlauf des Sanaga, des grössten Stromes von Kamerun und dessen Creeks.

So erzählte mir vor kurzem ein Seekuhfänger, dass er in kurzer Zeit acht Seekühe gefangen habe. Die Seekühe sind riesige 3 bis 5 Meter lange, unförmliche, pflanzenfressende Säugetiere aus der Ordnung der Sirenen. Von den grossen Arten, die über 4 Meter lang werden, bewohnen zwei die Ostküste Südamerikas, die dritte Art findet sich an der Westküste des tropischen Afrika, wo die Tiere mit Vorliebe die grossen in den Atlantischen Ozean einmündenden Ströme hinaufziehen. Sie sind, wie schon der Name sagt, Wassertiere. Ihr unförmlicher Kopf hat Aehnlichkeit mit dem einer Kuh. Zum Schwimmen dienen zwei kleine stumpfe Flossen, die hoch am Körper sitzen und eine fleischige grosse Schwanzflosse. Sonst ist der Körper ganz glatt und aschgrau gefärbt. Schnell, trotz der geringen Schwimmglieder, schiessen die Seekühe durchs Wasser, von Zeit zu Zeit das Wasser mit der grossen Schwanzflosse peitschend. Bei Mondschein klettern sie an den mit schönem Gras bewachsenen Ufern empor zur Aesung. Bei dieser Gelegenheit werden sie auch grösstenteils gefangen. Nicht so einfach ist die Jagd darauf und nur wenige Schwarze gibt es, die den Seekuhfang verstehen.

Ein mittelgrosses Kanoe, das an einer Seite eine Stellage hat für die Speere, dient zum Fange. Die Seekühe werden harpuniert. Die Tiere, die unsere Bilder 1 und 2 zeigen, wurden auf diese Weise erlegt. Der Mann auf dem letzten Bild hat die beim Seekuhfang gebräuchliche lange Harpune in der Hand, an der unten eine Leine befestigt ist. Getroffen schiesst das Ungetüm pfeilschnell ins Wasser. Sobald es nach dem ersten Stiche wieder an die Oberfläche des Wassers kommt, erhält es einen zweiten Speer usw., so dass es manchmal von 5 bis 6 Speeren durchbohrt ist. Ist die Seekuh erlegt, so wird sie ins Kanoe gezogen, und schnell verbreitet sich die Kunde von dem Fange in den einzelnen Dörfern. Alles strömt herbei, um wenigstens ein kleines Stückchen von dem sehr geschätzten Fleisch zu erhaschen. Wohlgemerkt soll das Fleisch recht schmackhaft sein, es schmeckt halb nach Fisch und halb nach Kalbfleisch. Vielfach wird es von den Schwarzen geräuchert und versorgt sie so auf längere Zeit mit Fleischnahrung.

P. F. G.

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    14. Oktober 2016

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