Seltsame Fleischkost


Der leidenschaftliche Kampf, den die Bevölkerung Amerikas durch die Boykottierung der Fleischnahrung gegen den mächtigen amerikanischen Fleischfrust führt, gibt einer New Yorker Zeitschrift, wie wir den „Hamb. Nachrichten“ entnehmen, den Anlass, in einem interessanten Aufsatze die Möglichkeiten zu erörtern, wie man sich von der Alleinherrschaft der grossen Rinder- und Schweineschlächtereien unabhängig machen kann. Dr. W. N. Irwin vom amerikanischen Landwirtschaftsministerium macht dabei den eigenartigen Vorschlag, das Nilpferd in Amerika einzuführen. In den Südstaaten sind grosse Regionen, die wasserreich und sumpfig sind, und die einen ausgezeichneten Tummelplatz für Nilpferde abgeben würden. Das Vorurteil der Massen gegen diese ungewohnte Fleischkost sei in der Praxis und mit der Gewohnheit leicht zu überwinden. In Afrika wird das Nilpferdfleisch als ein besonderer Leckerbissen hochgeschätzt; während seiner Jagdfahrt hat Roosevelt mehr als einmal Gelegenheit gehabt, die grosse Schmackhaftigkeit dieses Fleisches kennen zu lernen. Ein ausgewachsenes Nilpferd könnte 900 Personen Nahrung geben; die grossen Fettschichten unter der Haut des Tieres gelten als das reinste Tierfett, das man kennt. Eine andere billige Fleischkost würde das weisse Rhinozeros geben. Die Art ist zwar im Aussterben, aber in den Südstaaten von Nordamerika stehen weite Gebiete zur Verfügung, auf denen man weisse Nashörner ohne grosse Mühe züchten könnte und mit der Erhaltung der Rasse zugleich eine, billige Fleischnahrung gewinnen würde, ln Australien wird in grossem Masse Känguruhfleisch gegessen. Eine besondere Art kleinerer Känguruhs wird dabei bevorzugt; das Gericht hat sich sogar in England sehr rasch eingeführt und wird dort von Feinschmeckern sehr geschätzt. Wieviel Möglichkeiten es gibt, die Fleischnahrung zu variieren, das zeigt am besten ein Blick auf die tropischen Länder, wo viele Völker eine Fleischkost gemessen, die den Amerikaner oder Europäer seltsam anmutet. In Indien gilt das Affenfleisch als ein besonderer Leckerbissen; die kulinarische Hochschätzung des Affen geht so weit, dass man selbst andere Gerichte bei festlichen Gelegenheiten mit Affenköpfen garniert. Die Buren schätzen das Löwenfleisch; eines ihrer Lieblingsgerichte ist Elefantenfleisch, das freilich dem europäischen Gaumen kaum schmecken würde, denn es ist ziemlich zäh und gemahnt an weiches Leder. Dagegen schmeckt die Antilope ähnlich wie das Reh und auch das Zebrafleisch wird von Kennern als sehr zart und schmackhaft gerühmt. Weniger Anklang würde wohl die tierische Nahrung finden, die die Bewohner der Philippinen lieben: wie die Europäer Krabben essen, so schmausen die Philippinos Heuschrecken (auch bei vielen afrikanischen Negerstämmen sind Heuschrecken eine gesuchte Nahrung. D. Schriftl.) und andere Insekten, und darin stimmen sie mit den Chinesen, die als Feinschmecker berühmt sind, vollkommen überein.

Der Tiger wird in Indien gegessen, nicht allein wegen der Schmackhaftigkeit seines Fleisches, sondern auch weil die Eingeborenen glauben, bei der Ernährung durch Tigerfleisch besonders kräftig und mutig zu werden. Selbst die Fledermaus, die der Europäer nur mit gelindem Schauer gebraten oder geröstet auf seinem Tische erscheinen sehen würde, hat ihre Liebhaber: die Philippinos essen sie als Delikatesse und mit ihnen viele andere orientalische Völker. In Oberägypten und Siam wird Krokodilfleisch öffentlich verkauft und in San Domingo und in mehreren Gegenden Miftelamcrikas (ebenso in der Südsee) gilt der Alligator geröstet oder gekocht als ein Festschmaus. Die Vorliebe der Chinesen für Eidechsen ist keineswegs auf das Himmlische Reich beschränkt; mit der Zeit hat sich sogar ein ansehnlicher Exporthandel entwickelt, und alljährlich werden Tausende und Abertausende von getrockneten Eidechsen nach Amerika versandt, wo sie nicht lange auf feinschmeckerische Abnehmer zu warten brauchen. In Süditalien und in Spanien wird die Eidechse von der Bevölkerung hochgeschätzt und eine gute Eidechsensuppe mit dem gleichen Behagen des Kenners verzehrt, wie der Mitteleuropäer seine Krebssuppe geniesst.

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