Sowjetunion-Das Land


Vor dem Beginn des Ostfeldzuges am 22. Juni 1941 umfaßte die Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken (abgekürzt: UdSSR.) 21 769 000 qkm (1939: 21 310 000 qkm). Dieser Riesenraum war das größte zusammenhängende Staatsgebilde der Welt (ein Sechstel der Erdoberfläche). Außerdem beherrschen die Sowjets weile Gebiete Innerasiens (Ostturkestan, Tannu-Tuwa und die Außenmongolei), so daß der eigentliche Machtbereich Moskaus weit über 25 000 000 qkm umspannte.

Von der Größe der UdSSR. — 8000 km westöstliche Ausdehnung, 4000 km größte Breite — gewinnt man erst eine Vorstellung, wenn man andere Erdteile oder Länder zum Vergleich heranzieht. So umfaßt z. B. Afrika 29 921 000 qkm, Südamerika mit den Falklandinseln 18 340 000 qkm, Australien und Tasmanien 7 700 000 qkm, Britisch-Indien 4 812 000 qkm und das Deutsche Reich (vor 1938) 472 000 qkm.

Von rund 40 000 km Seegrenze der UdSSR, entfiel der größte Teil auf die Küsten im Norden und Fernen Osten mit nur wenigen bedeutenden Häfen, wie Murmansk (der einzige eisfreie Hafen), Archangelsk und Wladiwostok. Diese Zugänge zu den Weltmeeren liegen verkehrsgeographisch in weiter Entfernung von den Wirtschaftszentren des Landes. Darüber hinaus wurde der europäische Teil der Sowjetunion von der Ostsee und dem Schwarzen Meer begrenzt.

Auf dem Festland grenzte die UdSSR. 1941 an Finnland im Nordwesten, an Großdeutschland, Ungarn und Rumänien im Westen, an die Türkei, Iran und Afghanistan im Südosten, an China, Tannu-Tuwa, die Außenmongolei und Mandschukuo im Osten. Die Festlandgrenze awischen der UdSSR, und Japan verläuft auf der Insel Sachalin.

In völkischer Hinsicht bildet der Sowjetraum durchaus keine Einheit. Der moskowitische Imperialismus hat nämlich bis ans Ende des 19. Jahrhunderts eine Reihe von Völkern unterworfen und dadurch eine Staatsgrenzen immer weiter nach Westen, Süden und Osten vorgeschoben. Aus machtpolitischea Gründen war diese« Gebiet in eine Anzahl von Scheinrepubliken aufgeteilt, die jedoch in Wirklichkeit ebenen wie nur Zeit der Zaren zentralistisch regiert werden.

Die UdSSR, trägt im allgemeinen den Charakter eines ausgesprochenen Flachlandes, das von verschiedenen Gebirgsketten umrahmt und durchschnitten wird. Zu nennen sind hier vor allem die Karpaten, das Krimgebirge, der Kaukasus, der Ural sowie das Hochgebirge Innerasiens und des Fernen Ostens.

Die größten Flüsse des Sowjetraumes sind: die Wolga (3694 km), der Dnjepr, der Don, der Uralfluß, die Nördliche Düna, die Fetschora, der Dnjestr, die Westliche Düna, der Ob mit Irtysch (5300 km), der Jenissej (5200 km), die Lena, der Amur, die Syr-Darja und die Amu-Darja. Von den unzähligen Nebenflüssen dieser Ströme übertreffen manche sogar den deutschen Rhein (1320 km). Ein geringes und gleichmäßiges Gefälle kennzeichnet die meisten dieser Flüsse, die durchweg unreguliert sind. Daher nehmen die Ueberschwetnmungen im Frühjahr große Ausmaße an.

Verschiedene Ströme werden durch Kanäle miteinander verbunden. Auf diese Weise ist die Wolga zur bedeutendsten Wasserstraße des Landes geworden, die über die Mologa, den Tichwinkakanal, den Ladogasee und die Newa eine Verbindung von der Ostsee zum Kaspischen Meer herstellt. Verkehrstechnisch spielt auch der Dnjepr eine große Rolle, der durch die Schaffung eines Stauwerkes unterhalb der Slromschnellen bei Saporoschje von Kiew bis zum Schwarzen Meer schiffbar geworden ist.

Die wichtigsten Seen im europäischen Teil der UdSSR, sind: der Ladogasee (18 180 qkm), der Onegasee (9550 qkm) und der Peipu81.ee (3583 qkm). Noch viel größer sind die im asiatischen Teil gelegenen Aralsee (62 000 qkm), Baikalsee (30 000 qkm),‘der zugleich als der tiefste See der Erde gilt, und der Balchaschsee (18 400 qkm).

Entsprechend dem Klima gliedert sich der Sowjetraum in mehrere Tier- und Pflanzenzonen. Im Hohen Norden liegt die weite Kältesteppe, die sog. Tundra, deren Boden ewig gefroren ist. Er taut in den Sommermonaten bis 1,5 in Tiefe auf, so daß sich große sumpfige Niederungen bilden, und bedeckt sich mit Moosen, Flechten, Wollgras und blumenreichen Wiesen. Ununterbrochen herrscht in diesem Land, das keine menschliche Siedlung kennt, der Tag. Nur vereinzelt wandern dort Nomadenstämme mit ihren Rennlieren umher oder jagen den Eisfuchs, den Schneehasen, das Hermelin, den Wolf und anderes Pelzwild der Arktis. Im Winter ziehen sich die Nomaden aus der erstarrten Tundra größtenteils in die Waldgebiete zurück, und über das Land breitet sich die lange Nacht, die von dem Zauber des Polarlichtes oft erhellt wird.

An die Kältesteppe schließt sich südlich ein breiter Waldgürtel, in Sibirien Taiga genannt, der den Charakter eines Urwaldes hat. Eine abwechslungsreiche Parklandschaft bildet dann den Uebergang zur weiten, ebenen, baumlosen, mit Gräsern und Kräutern bedeckten Steppe.

Der Boden ist hier gelbfarbiger Löß, der vielfach bis zu 2 nt mit Schwarzerde überschichtet ist. Besonders eigentümlich sind für diese fruchtbare Zone zahlreiche Regenschluchten, die sich unvermittelt oder mit flachen Rändern bis über 20 m tief in den Boden einschneiden, oft kilometerlang und stark verästelt sind und bei iedem sommerlichen Sturzregen ihre Form verändern. In ihrem nördlichen und nordwestlichen Teil zeigt die Steppe verhältnismäßig üppigen Pflanzenwuchs (Hyazinthen, Schwertlilien, Anemonen, Tulpen und zahlreiche Gräser); ihre Wasserläufe werden von kleinen Wäldern umsäumt, und im Schatten ihrer Regenschluchten wuchert das Gestrüpp.

Im Sommer legt sich flimmernde Hitze über die Steppe. Die Niederschläge treten hier als starke Regen und oft als Wolkenbrüche auf. Mit der zunehmenden Wärme welken und verdorren die Pflanzen, und schon im August wird die Steppenlandschaft braun und grau. Riesige Staubwolken ziehen dann häufig über das Land. In den regnerischen Herbstmonaten verwandelt sich der Untergrund in Morast, so daß die unbefestigten Wege kaum noch befahrbar sind. Streng und kalt ist der Winter mit seinen Ostwinden und Schneestürmen.

Früher nur wenig besiedelt, sind die Steppengebiete in den letzten Jahrhunderten — unter starker Beteiligung deutscher Kolonisten — in fruchtbares Ackerland verwandelt worden.

Während der Norden der UdSSR, im allgemeinen Nadelhölzer aufzuweisen hat, trifft man im Westen, etwa in dem Dreieck Onegasee— Wolhynien—Wolgabogen vorwiegend auf Mischwald.

Das Waldgebiet ist der eigentliche Siedlungsraum des Russentums, Die hauptsächlich an den Wasserläufen gelegenen langgestreckten Dörfer bestehen größtenteils aus einfachen Blockbauten, die die breite Straße säumen. An diese holz- oder strohbedeckten Häuser schließen sich die Höfe, die mit Weidengeflechl umgeben sind und im Winter mit Stroh und Heu geschützt werden. In den kalten Wintertagen nehmen die Bauern das Jungvieh häufig in ihr Haus, das im allgemeinen nur ein oder zwei ärmliche Wohnräume aufzuweisen hat. Der große Lehmofen dient gleichzeitig zum Heizen, Backen, Kochen und als Lagerstätte für die Familie. Da die Obstgärten fast immer fehlen, erweckt das russische Dorf einen kahlen und eintönigen Eindruck. Vor dem Bolschewismus besaß jede größere Gemeinde eine Kirche, deren charakteristische Zwiebeltürme weithin Sichtbar waren. Heute dagegen sieht man dort große Ställe, Garagen, Maschinen-Traktoren-Stationen (russisch abgekürzt: MTS.) usw, der Kollektivwirtschaften (russisch: Kolchos). Auffallend sind die weiten Ackerfluren anstelle der früheren schmalen Feldstreifen.

Ebenso wie in den Dörfern finden sich in den russischen Städten vielfach Holzbauten. Neben orthodoxen Kirchen und den aus der zaristischen Zeit stammenden Verwaltungsgebäuden erheben sich bolschewistische Bauwerke und Industrieanlagen. Arm und schmutzig wirken die Arbeiterviertel an den Stadträndern.

Im Gegensatz zum Norden ist die Ukraine verhältnismäßig dicht besiedelt. Es kommen dort nämlich im Durchschnitt 66 Menschen aut einen Quadratkilometer, 88 in der Uebergangszone zum Wildgebiet und gar über 100 in den Industriezentren.

Wie der ukrainische Menschenschlag, so unterscheidet sich auch das ukrainische Dorf vom russischen: Große, unregelmäßig angelegte Haufendörfer mit ihren weißgetünchten und strohbedeckten, von Obst- und Gemüsegärten umgebenen Lehmhäusern. Demgegenüber heben sich deutsche Bauernsiedlungen auf dem ukrainischen Boden ab durch ihre breiten, sauberen Straßen, festen geräumigen Häuser, weitläufigen Höfe und gepflegten Gärten.

In Verbindung mit der Industrialisierung, die sich in erster Linie auf reiche Bodenschätze von Kriwoi Rog (Eisenerze), Nikopol (Manganerze) und dem Donezbecken (Kohle) stützte, konnte sich in der Ukraine eine Reihe beachtlicher Großstädte entwickeln. Unter diesen nimmt das uralte Kiew eine besondere Stellung ein. Große Hafen- und Industriestädte sind am Schwarzen und Asowschen Meer in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts entstanden, und in den letzten Jahrzehnten schossen am Unterdnjepr sowie im Donezbecken neue Industrieorte empor, deren Gesicht typisch bolschewistische Merkmale verrät! große Verwaltungsbauten, Fabriken, Hochöfen. Garagen usw. neben den primitivsten Arbeiterwohnstätten. Besonders im Donezbecken hat sich das Landschaftsbild dadurch völlig verändert. Wo früher bäuerliche Siedlungen standen, rauchen heute Fabrikschornsteine.

Mittelländisch mild ist das Klima der Halbinsel Krim. Zu den Füßen des Jailagebirges erstreckt sich die Schwarzmeerriviera mit Zypressen, Oelbäumen, immergrünen Eichen, Palmen und anderen Südpflanzen.

Zwischen dem Schwarzen und dem Kaspischen Meer liegt Kaukasien, dessen gewaltiges Gebirgsmassiv im Kasbek und Elbrus (5000—5600 m) seine Spitzen erreicht. Tiefe Täler, abgründige Schluchten mit reißenden Wildbächeu, hohe Schneegipfel und Gletscher kennzeichnen dieses Bergland, zu dessen Füßen sich liebliche Auen, Zitronengärten und Weinberge ausbreiten. Die Bewohner von Kaukasien setzen sich aus einer Unzahl von Völkern verschiedener Sprache und Rasse zusammen. Wirtschaftlich von großer Bedeutung sind die Oelquellen um Baku, im Maikop- und Grosnygebiet.

Oestlich des Urals dehnt sich das gewaltige Tiefland West Sibiriens. Seine Ströme, die in diesem unwegsamen Raum die Hauptverkehrsadern bilden, sind bis in ihre Oberläufe hinein schiffbar. Stark kontinental ist das Klima, im Winter herrscht eisige Kühle, der Sommer ist trocken und heiß. Nur der Uebergangsgürtel zwischen Wald und Steppe ist für den Ackerbau nutzbar.

Noch weiter nach Osten schließt sich die von vielen Flüssen zerschnittene Hochebene Mittelsibiriens an. Wird im Süden Landwirtschaft getrieben, so bietet das unermeßliche Waldgebiet des Nordens reiche Jagdgründe. Mit einigen Ausnahmen sind die hier sehr bedeutenden Bodenschätze an Kohle, Eisen und Gold nur wenig erschlossen.

Das von der Eismeerküste her nach Süden sanft ansteigende Ost -Sibirien ist das kälteste Gebiet der ganzen Erde, sehr dünn und größtenteils von Nomadenstämmen bevölkert, die sich von Fischerei, Jagd und Renntierzucht ernähren. Die ostsibirischen Urwälder, die einen großen Holzreichtum bergen, sind so gut wie völlig uner-schlossen.

Südlich von Westsibirien liegt Turkestan, das in seinem nördlichen Teil ein Berg- und Hügelland darstellt und nach dem Westen hin in die Kaspische Steppe übergeht. Die Bewohner dieses Teiles der UdSSR, sind Nomadenvölker, die mit ihren Kamelen, Pferden, Rindern und Schafen von einer Weide- und Wasserstelle zur anderen ziehen. In seinem Süden ist Turkestan ein größtenteils ödes, sandiges Tiefland, wo nur an den Wasserläufen Weizen, Obst und Reis angebaut werden.

Siehe auch:
Teilrepubliken-Sowjetunion
Sowjetunion-Staatsorgane
Sowjetunion-Wirtschaft
Sowjetunion-Technisierung
Sowjetunion-Landwirtschaft
Ukrainer
Donkosaken
Krimtataren
Ingrier-Esten-Letten-Litauer
Weißruthenen-Weißrußland
Idel-Uraler
Nordkaukasier
Aserbeidschaner
Turkestaner
Armenier
Georgier
Ostfinnen
Westfinnen
Die Ukraine als Arbeitsfeld für Deutsche und Deutsches Kapital

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