Staatliche Eisenindustrie in der Oberpfalz Amberg-Weiherhammer-Bodenwöhr

Unter den nutzbaren Mineralien, an denen die Oberpfalz so außerordentlich reich ist, nehmen die Eisenerze eine hervorragende Stelle ein. So konnte es nicht fehlen, daß diese Erze schon vor Jahrhunderten die Aufmerksamkeit der Landesbewohner auf sich zogen und zu einer lebhaften Industrie Anlaß gaben. Mehr und mehr häuften sich im Laufe der Zeiten die Gräbereien und Schächte nach Erzen, entstunden an den Flüssen und Stauweihern Rennfeuer und Hammerwerke, später auch Hochöfen, welche trotz zahlreicher Kriegsnöte immer wieder neues Leben gewannen. Auch die Landesherren nahmen an dem Aufblühen der heimischen Eisenindustrie regen und tätigen Anteil und erwarben und errichteten in eigenem Betriebe manches Berg- und Eisenwerk.

So kam es. daß bei Anbruch der neuzeitlichen Entwicklung und des modernen staatlichen Lebens sich der bayerische Staat als Erbe vergangener Jahrhunderte im Besitze zahlreicher Eisenwerke fand.

Wenn auch das eine und andere dieser staatlichen Werke inzwischen stillgelegt oder veräußert wurde, so haben doch gerade in der Oberpfalz drei staatliche Unternehmungen sich kräftig genug gezeigt, die schwere Krisis zu überstellen, welche in der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts mit dem Fallen der Zollschranken, mit dem Aufkommen rascher und billiger Verkehrsmittel, vor allem aber mit dem ungeheuren Fortschritte der Technik und insbesondere mit dem Vordringen der Kokshochöfen und der neuen Stahlerzeugungsprozesse über zahlreiche bescheidene Eisenwerke Süddeutschlands hereinbrach. Es sind dies die staatlichen Werke: Amberg, Weiherhammer und Bodenwöhr.

Wer diese drei Werke besucht, empfängt zugleich ein Bild von dem feinen, wechselvollen Reiz eigenartiger landschaftlicher Stimmungen, der der Oberpfalz eigen ist. Ernst und düster spiegeln sich die dunklen Föhrenwälder der Bodenwöhrer Bucht in den Fluten langgezogener, einsamer Weiher — nicht mit Unrecht mit norwegischer Landschaft verglichen. Leicht und anmutig eilt dagegen die Heidenaab in dem breiten Becken von Weiherhammer durch die Wiesen dahin, von Erlen und Weiden umgrenzt — an heiteren Tagen dem Beschauer ein holländisches Bild zeigend, und noch reich an Resten ihres mittelalterlichen Gewandes steht im Vilstal am Fuße des mit weithin sichtbarer Klosterkirche gekrönten Mariahilfsberges die alte Stadt Amberg, zeugend von deutschem Bürgersinn und deutschem Gewerbefleiß.

„Luitpoldhütte“ nennt sich das Amberger Eisenwerk seit dem 12. März 1911. Zu keiner Zeit haben auch die oberpfälzischen Eisenwerke des Staates einen derartigen Aufschwung genommen, wie unter der gesegneten Regentschaft Sr. Kgl. Hoheit des Prinzen Luitpold von Bayern.

Noch vor 10 Jahren betrug der Jahresabsatz der drei Werke zusammen rund 2 ½ Millionen Mark. Seitdem ist er auf über 7 ½ Millionen Mark angewachsen. In der gleichen Zeit ist der Stand der beschäftigten Beamten und Arbeiter von 700 auf 1800 Mann gestiegen.

Nicht leicht war diese in raschem Zuge unternommene Neugestaltung und Erweiterung durchzuführen und zahllose Schwierigkeiten waren zu überwinden. Heute aber kann der Erfolg als gesichert gelten und vor allem das Werk „Luitpoldhütte“ verspricht eine gute Zukunft. Und daneben war es möglich, den Beamten und Arbeitern bedeutende Verbesserungen ihrer Verhältnisse zu verschaffen. So konnten die Werke auch wesentlich zur wirtschaftlichen Kräftigung der Gemeinden beitragen, welche die mehr als 7000 Seelen zählenden Haushalte der beschäftigten Beamten und Arbeiter einschließen. Heute sind die oberpfälzischen Eisenwerke des Staates moderne Spezialfabriken geworden, welche nicht nur mit ihren Erzeugnissen ihr engeres Heimatland versorgen, sondern auch daran gehen können, in steigendem Maße Waren auszuführen und dadurch vor allem auch dem neuen Regensburger Umschlaghafen ein bedeutender Kunde zu werden.

Die drei Werke arbeiten seit den letzten Jahren insofern Hand in Hand, als Arnberg für die Gießereien aller drei Werke das Roheisen liefert und außerdem den schweren und den Massenguß, vor allem Röhren, Kanalisations-, Bau-, Bahn- und Maschinenguß herstellt. Weiherhammer fabriziert mittelschwere und kompliziertere Gußwaren sowie Maschinen, während Bodenwöh r alle leichten und durch Emaillierung, Inoxydation und sonstige Ausfertigung veredelte Gußwareh auf den Markt bringt.

Im Einzelnen kann über die genannten Werke noch Folgendes gesagt werden:

Das ausgedehnte Eisenwerk Luitpoldhütte gründet sich auf das schon seit Jahrhunderten bekannte Brauneisenerzvorkommen am Erzberg bei Amberg, welches bereits seit wohl 1000 Jahren mit verschiedenen Unterbrechungen und mit sehr wechselvollem Geschick der Gegenstand der Ausbeutung war. Zu Anfang wurde nur oberflächlicher Tagebau betrieben. Das nur in geringen Mengen gewonnene Erz wurde sodann den verschiedenen, in der waldreichen Oberpfalz zerstreuten Rennfeuer-Anlagen und kleinen Hammerwerken zugeführt.

Mit Entwicklung der Technik auf dem Gebiete der Hüttenprozesse sowohl als auch besonders auf dem Gebiete des Bergbau- und Maschinenwesens wurde der Amberger Bergbaubetrieb wesentlich gehoben. Es wurden Tiefbau-Anlagen geschaffen, maschinelle Förderungs- und Wasserhaltungs-Anlagen errichtet und die Gewinnung bedeutend gesteigert. Das Erz versorgte nicht nur die Hüttenwerke der Umgebung, sondern es wurde sowohl auf dem Wasserwege, als auch späterhin mit der Eisenbahn weiter verfrachtet, zuletzt in bedeutender Menge namentlich nach Böhmen in die Werke der Prager Eisenindustrie.

Als gegen Ende des 19. Jahrhunderts im Verkaufe der Erze sich bedeutende Schwierigkeiten einstellten, ging man an die Errichtung einer eigenen Hochofenanlage heran, um dem staatlichen Bergbau eine gesichertere Grundlage zu geben. Im Jahre 1883 wurde der erste Hochofen angeblasen.

Der Betrieb war für Erzeugung von Gießerei-Roheisen in der Qualität des Luxemburger Roheisens eingerichtet. Das erzeugte Eisen wurde an die verschiedenen staatlichen Gießereien und an private Kunden abgesetzt. Die Rentabilität dieses einen Hochofens war keine besonders gute, zumal alle auswärtigen Konkurrenzwerke sich allmählich zu gemischten Werken umgestalteten und durch Ausnützung der Nebenprodukte des Hochofenbetriebes die Selbstkosten herabzudrücken wußten.

Um diesem Übelstande abzuhelfen, wurde in den letzten Jahren planmäßig an eine großzügige Umgestaltung des gesamten Betriebes geschritten.

Nachdem in den Jahren 1907 und 1908 umfangreiche Bohrungen und Aufschlußarbeiten im Grubenfelde bei Arnberg den Nachweis erbracht hatten, daß aut viele Jahre hinaus für einen wesentlich gesteigerten Betrieb Erzvorräte vorhanden sind und weit ausgedehnte Schürfarbeiten in der weiteren Umgebung dem Werke eine breitere Basis der Entwicklung gesichert hatten, nachdem der Bergbau selbst durch moderne Schachtanlagen, sowie durch För-der- und Wasserhaltungseinrichtungen umgestaltet worden war. wurde der Umbau und die Erweiterung der Hüttenanlage vorgenommen.

Neben dem bisherigen alten Hochofen von 70 Tonnen täglichem Ausbringen an Roheisen wurde ein zweiter Hochofen von 100 Tonnen Tagesproduktion erbaut.

Zur eigenen Verarbeitung des Roheisens wurde eine mit den besten Einrichtungen und nach den neuesten Erfahrungen ausgestattete Gießerei erbaut, welche hauptsächlich Röhren aller Art, Fassonstücke, Kanalisationsguß, schweren Maschinenguß, Eisenbahnmaterialien und Bauguß herstellt. Außer den nötigen Einrichtungen für eine nennenswerte Produktion an stehend gegossenen Druckröhren ist diese Gießerei mit:

37 Formmaschinen,
25 Werkzeugmaschinen in der Maschinenwerkstätte und Modellschreinerei,
17 Kranen und zahlreichen sonstigen Maschinen und Apparaten ausgestattet.

Die Schlacken des Hochofenbetriebes werden schon seit ein paar Jahrzehnten zur Herstellung von sogenannten Schlackensteinen — in der Umgebung sehr beliebte und gut bewährte Bausteine — verwendet. Nachdem aber genaue Untersuchungen und Versuche ergeben hatten, daß gerade die Amberger Schlacke zur Herstellung von Hochofenzement sich ganz vorzüglich eignet, wurde zur rationellen Verwertung dieses Abfallproduktes eine Zernent-fabrik errichtet, welche mit den noch heute im (lang befindlichen Erweiterungen eine bedeutende Produktion von Hochofenzement ermöglicht. Dieser Zement hat sich bereits unter dem Namen „Amberger Montanzement“ eine große Beliebtheit in den Kreisen der Bauunternehmer verschafft.

Um die beim Hochofenbetrieb erzeugten Oasmengen, insoweit diese nicht für die Winderhitzer der Öfen verbraucht oder unter Dampfkesseln zur Erzeugung von Dampfkraft verfeuert werden, rationell verwerten zu können, wurde eine Gaskraftanlage mit modernen Viertakt-Gasmaschinen errichtet. Die Gaskraftanlage versieht die ganze Bergwerks- und Hüttenanlage mit elektrischem Strom für Licht und für Kraft, soweit nicht noch aus früheren Zeiten Dampfanlagen bestehen. Auch die Stadt Amberg wird mit Strom zu Licht- und Kraftzwecken versorgt.

Die in der Kraftanlage nicht verbrauchten Gase werden in einem Gasbehälter von 5000 cbm Fassungsraum gesammelt und von hier aus an die Betriebe der Gießereien und der Zementfabrik zu Heizungs- und Trocknungszwecken abgegeben. Um die Kraftanlage von etwaigen Störungen im Betriebe der Hochöfen unabhängig zu stellen, ist als Reserve eine Generator-Anlage geschaffen. Die Kraftanlage, die Gießerei und das Zementwerk konnten im Jahre 1910 in Betrieb genommen werden, während der zweite Hochofen am 12. März 1911, an dem 90. Geburtsfeste Sr. Kgl. Hoheit des Prinzregenten Luitpold, feierlich angeblasen wurde.

Im folgenden Jahre wurde im Anschluß an die ausgedehnten Werksgeleise die Bahnstation „Luitpoldhütte“ der Linie Nürnberg—Schwandorf—Furth errichtet. Schließlich wurde, um für die beiden, dauernd im Betrieb stehenden Hochöfen eine Reserve zu haben, ein dritter Hochofen von 100 Tonnen Tagesleistung erbaut.

Mit der in diesen letzten Jahren vorangegangenen raschen Entwicklung des Werkes stieg auch die Zahl der beschäftigten Arbeiter ganz bedeutend. Während im Jahre 1909 noch beim Bergbau und Hochofenbetrieb insgesamt 400 Mann beschäftigt waren, beträgt heute der Stand der Arbeiterschaft etwa 1200 Mann.

An Kraftmaschinen stehen zur Verfügung: 1500 PS in Dampfanlagen und 2500 PS in Gasmaschinen. Der Versand der Luitpoldhütte betrug im letzten Jahre rund 100 000 Tonnen und wird in der Folgezeit entsprechend dem nunmehrigen Umfange des Werkes sich noch verstärken.

Mit der Entwicklung der Betriebe und der Vermehrung der Arbeiterschaft gingen auch namhafte Fürsorgebestrebungen für diese Hand in Hand. Zur Errichtung gesunder und billiger Arbeiterwohnungen wurde ein Gelände von 22 Tagwerk anschließend an die Hüttenanlage angekauft, das nach Bedarf mit Straßen, Kanalisations und Wasserleitungsanlagen versehen und in Parzellen von 700 bis 800 Quadratmeter zu ganz billigem Preise an baulustige Arbeiter verkauft wird. Diese erhalten außerdem bedeutende Prämien und unverzinsliche Darlehen, billige Baumaterialien usw. Auf diese Weise ist bereits eine kleine Kolonie entstanden.

Mehrere moderne Bade- und Waschanstalten, Werkskantinen, eine Kaffeeküche usw. sind in den verschiedenen Betriebsabteilungen errichtet. Sämtliche Arbeiter gehören der Knappschafts-Kranken- und Pensions-Kasse des Werkes an.

Das wesentlich erweiterte Werk nimmt eine fortwährend aufsteigende, erfreuliche Entwicklung und zählt bereits zu den größten Hüttenanlagen Süddeutschlands.

Das Hüttenwerk Weiherhammer wurde von dem Herzog Theodor zu Pfalz-Sulzbach im Jahre 1717 gegründet und ist seitdem fast ununterbrochen im landesherrlichen und später staatlichen Besitze verblieben.

Der damals enorme Holzreichtum der dortigen Gegend sowie ein kunstvoller Stauweiher von 29 Hektar Fläche, welcher aus der Heidenaab eine wertvolle Wasserkraft gewann, haben die Verlegung des Hochofens von Königsbrunn bei Sulzbach nach Weiherhammer veranlaßt. Mit recht bescheidenen Einrichtungen wurde damals der Betrieb begonnen. Da solche Verhältnisse wohl auch bei einer großen Zahl sonstiger Eisenhütten bestanden und als normale angesehen wurden, dürfte eine etwas genauere Schilderung derselben nicht ohne Interesse sein.

Der Chronist berichtet, daß außer einem Hochofen, dessen Rohprodukte in der Hauptsache auf Schmiedeeisen verarbeitet und nur nebenbei in kleinen Mengen zu Gußeisen verschmolzen wurden, zwei Hammerhütten mit je einem Streck- und Zainhammer sowie einem Wascheisen-pocher die sämtlichen Anlagen des Werkes bildeten. Die vorhandene Wasserkraft wurde mittelst zweier unter-schlächtiger hölzerner Wasserräder von vielleicht 25 bis 30 PS in recht unvollkommener Weise ausgenützt. Heute vermag sie mit modernen Turbinen die vier- bis fünffache Leistung zu vollbringen.

Das Personal bestand aus einem Faktor als Werksund Betriebsbeamten, einem Hutmann, einem Hüttenknecht, einem Wächter nebst den nötigen Köhlern, 2 Eisenwerks- und 3 Kohlfuhrleuten. Zur Überwachung und Bedienung des Hochofens waren 1 Schmelzmeister, 1 Nachschmelzer, 2 Aufgeber und 1 Erzschieber, zum Betrieb der Hammerhütte: 2 Frischmeister, 4 Schmiedeknechte und 2 Lehrjungen angestellt. Die gesamten Arbeitskräfte umfaßten mit 10 Eisengießern etwa 40 Leute.

Die Erzeugung des Hochofens betrug rund 4500 Zentner an üußwaren, Schmiede- und Blecheisen. Die sämtlichen Erzeugnisse wurden mittelst Achse in die nächstgelegenen Städte Amberg. Regensburg, aber auch München und Augsburg durch sogenannte Zwangsfuhrleute verfrachtet und zugleich durch diese verkauft. Transport und Verkauf ruhten also damals in einer Hand.

In dieser wirtschaftlichen Lage blieb das Werk über 100 Jahre lang bestehen. Die stetig größer werdende Nachfrage nach Eisen-Gußwaren drängte aber doch schließlich zu einer Erweiterung des liocliofengebäudes, das im Jahre 1841 durch einen Neubau ersetzt wurde. Im Jahre 1857 wurde sodann dem Mittelbau ein weiterer Seitenflügel angefügt. Hierdurch wurde ein Gießereiraum von 86b Quadratmeter Arbeitsfläche geschaffen, welcher vollkommen ausreichte, solange der Hochofen im Betrieb gehalten werden konnte und hierdurch ein öfteres Abgießen ermöglicht war.

Zur Vergrößerung der Betriebsräume trieb indessen die ständig wachsende Nachfrage nach Gußwaren, speziell nach Geschossen während der Kriegsjahre. Durch ständige Anbauten an die Hauptgießerei wurde diesen Bedürfnissen Rechnung getragen.

Ein vollständiger Umschwung in den Verhältnissen des Werkes trat ein, als Ende der 70er Jahre infolge des Zusammentreffens mancherlei Umstände und nicht zum mindesten durch die Folgen der bekannten Erfindung des Engländers Thomas Gilchrist ein rapider Preissturz des Roheisens erfolgte und die Holzkohlenhochöfen vollständig unwirtschaftlich wurden. Der Einstellung des Hochofens im Jahre 1885 folgten allmählich auch die Hammerhütten.

Mit diesem Zeitpunkte begann aber für das Werk eine neue Zeit der Entwicklung. Die Erzeugung von Gußwaren aus dem Hochofen ging in die zweite Schmelzung aus dem Kupolofen über. Neben Handelsguß wurde als Spezialität die Produktion von Kanalisations- und Röhrenguß betrieben. 1885 wurde auch die Fabrikation des stehenden Röhrengusses neu eingerichtet, die indessen später nach dem unter günstigeren Verhältnissen arbeitenden staatlichen Werke Amberg verlegt wurde. Von Jahr zu Jahr stieg die Gußwarenproduktion. 600 t betrug sie im Jahre 1878; heute ist sie auf die ansehnliche Höhe von jährlich 3600 t gewachsen.

Schon in den 90er Jahren wurde auch begonnen, der Verarbeitung der erzeugten Gußwaren besondere Aufmerksamkeit zu widmen. Doch hatte das Werk jahrelang ebenso wie die anderen staatlichen Werke mit Knappheit der Mittel zu kämpfen, sodaß einer stetigen Entwicklung seiner Einrichtungen erst in den letzten Jahrzehnten die Wege geebnet werden konnten.

Mit der Vergrößerung der Maschinenwerkstätte wurde die Herstellung von Schiirgehäusen und Kamintüren in großem Maßstabe aufgenommen. Später kam die Fabrikation von Schleif- und Polier-Apparaten sowie von Mühlwerkseinrichtungen hinzu, für welche sich günstiger Absatz bei den zahlreichen, nahe gelegenen Glaswerken und Mühlen fand.

Endlich wendete die Verwaltung ihre Tätigkeit der Förderung des großen Interesses zu. das die bayerische Industrie bei dem Mangel ergiebiger einheimischer Brennstoffe an der Einführung rationeller und rauchverzehrender Feuerung besitzen muß. In letzter Zeit wurde deshalb die Fabrikation von Wanderrösten. Gasgeneratoren und sonstigen Feuerungsanlagen den bisherigen Betriebszweigen angereiht.

Heute besitzt das Werk an wesentlichen Einrichtungen:

2 Kupolöfen,
26 Formmaschinen,
7 Kräne,
1 Sandaufbereitung,
1 mechanische Gußputzerei mit Sandstrahlgebläsen.
1 Modellschreinerei,
36 Werkzeugmaschinen.

Die Ausnützung der Wasserkraft des Stauweihers besorgt eine 100 PS Voithsche Turbine.

Das Werk zählt heute rund 280 Beamte und Arbeiter.

Auch dem Werke Weiherhammer sind schon zahlreiche Fürsorgebestrebungen des Werkbesitzers für die Arbeiterschaft zugute gekommen. Neben einem Arbeiterwohnhaus für 8 Familien wurde durch Gewährung von Prämien und Darlehen der Bau von eigenen Wohnhäusern erleichtert.

Das Werk besitzt eine Hüttenkantine und eine moderne Wasch- und Badeanstalt. Sämtliche Arbeiter sind Mitglieder der Kranken- und der Pensionskasse des Werkes. Für die theoretische Ausbildung der Lehrjungen, deren praktische Ausbildung durch einheitliche Vorschriften der Generaldirektion der Berg-, Hütten- und Salzwerke für alle Werke geregelt ist. sorgt eine im Zusammenwirken mit der Gemeinde unterhaltene gewerbliche Fortbildungsschule.

Bei den Beratungen des Etats der gegenwärtigen Finanzperiode haben beide Kammern des Landtags auf Antrag der Regierung ziemlich beträchtliche Mittel für weitere Verbesserungen der Betriebseinrichtungen des Werkes und für einen Industricgeleise-Anschluß an die Bahnlinie Weiden—Neukirchen—Nürnberg genehmigt.

Sowohl für den Bezug der Rohmaterialien als auch für den Absatz seiner Produkte ist das Werk Weiherhammer sehr günstig gelegen. Während der wichtigste Rohstoff von den Hochöfen der Luitpoldhütte bei Amberg geliefert wird, können die Produkte zum großen Teil in den nächstgelegenen Städten Nürnberg, Bayreuth, Hof, sodann auch in München, Regensburg und Augsburg abgesetzt werden, soweit nicht ohnehin die zahlreiche Industrie der Oberpfalz für Glas und Keramik als Abnehmer in Frage kommt. In jüngster Zeit geht ein Teil der verfertigten Spezialitäten auch ins Ausland.

So kann denn das Hüttenwerk Weiherhammer, ausgestattet mit dem zum Wettbewerb unerläßlichen Rüstzeug und im Besitze eines günstigen Absatzgebietes dem Tage seines 200jährigen Bestehens im Jahre 1917 mit den besten Hoffnungen entgegengehen.

Das Hüttenwerk Bodenwöhr entstand um 1464 aus dem älteren Hammer am Weichselbrunner Weiher als Hammerwerk, welches das aus Amberger und Sulzbacher Erzen im Zerrennherd verschmolzene und im Wellfeuer vorbereitete schmiedbare Eisen unter dem Hammer reinigte und zu Stabeisen und Blechen weiter verarbeitete.

Durch Kauf, welchen das kurfürstlich bayerische Generalbaudirektorium mit dem Eigentümer des Hammers, Johann Schreyer von Blumenthal, am 4. Mai 1693 abschloß, kam das Werk als Kammergut in den Besitz des Kurfürsten Maximilian II. und unter landesherrliche Verwaltung und ist seitdem ununterbrochen im staatlichen Besitze geblieben.

Das Werk wurde damals auch umgebaut und erweitert. In der Nähe hatte die Auffindung von Eisenerzen zu einem nachhaltigen Bergbau Anlaß gegeben und führte zur Errichtung eines Hochofens mit Schmelz- und Formhütte.

Mitte des 18. Jahrhunderts wurde sodann diese Anlage wesentlich erweitert und zu einem für die damaligen Verhältnisse recht leistungsfähigen Betriebe ausgebaut. Durch die im Jahre 1765 erfolgte Einführung der Sandformen an Stelle der langsam arbeitenden und kostspieligen Lehmformerei stiegen besonders die Leistungen der Gießerei auf eine hohe Stufe, wovon insbesondere noch vorhandene Proben von Fein- und Kunstguß rühmliches Zeugnis ablegen.

Neben Hochofen und Gießerei bekam das Werk eine Puddlingsfrischerei und neue Hammerwerke, womit erweiterte Grundlagen für einen in den folgenden Jahrzehnten nahezu unveränderten Betrieb geschaffen waren. Zu Anfang des 19. Jahrhunderts wurde auch die Emaillierkunst eingeführt, welche sich als eine, der wichtigsten Spezialitäten des Werkes bis auf den heutigen Tag gut bewährt hat.

Im übrigen waren die Verhältnisse des vorigen Jahrhunderts der Entwicklung des Hüttenwerkes nicht sehr günstig. Erst im Jahre 1891 begann wieder eine allmähliche Umgestaltung und Vergrößerung der Anlagen, welche im Laufe der folgenden Jahrzehnte alles Alte verschwinden ließen.

Neben einer neuen, 80 m langen und 28 m breiten Gießereihalle mit durchaus modern eingerichteter Gußputzerei entstanden eine mechanische Sandaufbereitung, eine Modellschreinerei, eine Maschinenwerksätte, eine Inoxydationsanstalt, eine Emaillierhütte, eine elektrische Zentrale mit Lokomobilantrieb, Produkten- und Modellmagazine. sowie ein Verwaltungsgebäude. Auch wurde das Werk durch Industriegeleis an die Lokalbahnlinie Bodenwöhr—Nittenau angeschlossen.

Die ebenfalls erneuerten maschinellen Einrichtungen der Werkstätten stehen heute auf der Höhe der Zeit und ermöglichen es, den an ein modernes Guß- und Emaillierwerk gestellten Anforderungen in quantitativer und qualitativer Hinsicht gerecht zu werden.

Zur Herstellung des rohen Gusses sind neben zahlreichen anderen Hilfsmitteln zur Handformerei vorhanden:

2 Kupolöfen,
44 Formmaschinen,
3 Kräne,
1 Sandautbereitung,
4 Sandstrahlgebläse.

Die Emaillierhütte ist mit 3 großen Muffelöfen ausgestattet, welche das zum Betriebe notwendige Braunkohlengas aus einem rationell arbeitenden und leicht zu bedienenden Blezinger-Generator erhalten. Die Maschinenwerkstätte besitzt 44 Werkzeugmaschinen. Für ihren Bedarf an Messingguß sorgt eine eigene Metallgießerei. Sämtliche Arbeitsräume sind geräumig, hell und luftig und werden reichlich ventiliert. Die nötige Betriebskraft wird von 2 Turbinen und einer Lanzschen Heißdampflokomobile geliefert. Die Produktion des Werkes umfaßt: Gußeiserne, rohe, emaillierte und inoxydierte Poterie, Grabkreuze und sonstigen Kultusguß, Kunstguß, rohe, justierte und geeichte Gewichte, Wegweiser, Kessel. Öfen und Kesselöfen, Wasserschiffe. Viehbarren und Stalleinrichtungen, Küchenausgüsse, Waschbecken, Reihenwaschtische für Fabrikanlagen, porzellanemaillierte Badewannen, Spülkästen, Guß für Maschinen nach eingesandten Modellen, Schwengel- und Flügelpumpen.

Sämtliche Produkte finden ihren Absatz vorwiegend in Bayern, Württemberg, Baden, Mitteldeutschland und in der Schweiz. In letzter Zeit hat sich das Absatzgebiet auch auf andere europäische und außereuropäische Länder ausgedehnt.

Das Werk beschäftigt 320 Beamte und Arbeiter.

Von den vielfachen Wohlfahrtseinrichtungen des Werkes sind besonders zu nennen: Ein Mannschaftsbad mit Brausen, Wannenbädern und Waschbecken, 10 werkseigene Arbeiterwohnhäuser mit 66 Wohnungen und eine in den letzten Jahren mit bedeutenden Werksmitteln ins Leben gerufene Kolonie, die zur Zeit 17 Arbeitereigenwohnhäuser mit 34 Wohnungen umfaßt.

Sämtliche Arbeiter gehören auch hier einer Knappschafts-Kranken- und Pensionskasse an. Das Lehrlingswesen ist in gleicher Weise geregelt wie in Weiherhammer. Für die geistige Ausbildung der Lehrlinge wird in einer seit Jahrzehnten bewährten gemeindlichen Fachschule gesorgt.

Volle 450 Jahre hindurch hat das Hüttenwerk Bodenwöhr in steigendem Maße einem stillen und genügsamen Winkel der Oberpfalz Arbeit und Brot verschafft. Es darf wohl der Hoffnung Ausdruck verliehen werden, daß ein günstiges Geschick dem gerade in den letzten Jahren aufstrebenden Werke auch in Zukunft eine weitere gute Entwicklung gestatten möge!

Siehe auch:
Aktien-Papierfabrik Regensburg
Express-Fahrradwerke A.G.Neumarkt in der Oberpfalz
Jesuitenbrauerei Regensburg in Regensburg
Schlüssel-Bleistift-Fabrik J. J. Rehbach in Regensburg
Das Elektrizitätswerk der Stadt Regensburg
Deutsch-Amerikanische Petroleum-Gesellschaft Hamburg. Benzinfabrik Regensburg.
Dampfsägewerk Arnschwang
Johann Müller, Perlmutterknopf-Fabrik
Eisengießerei Carolinenhütte
Dampfsäge, Hobel- und Spaltwerk, Kistenfabrik
Staatliche Eisenindustrie in der Oberpfalz Amberg-Weiherhammer-Bodenwöhr
Prinz Rupprecht-Quelle vormals Silvana-Sprudel in Groschlattengrün
Bayerische Granitaktiengesellschaft in Regensburg
Tonwerk Prüfening und Braunkohlengrube Friedrichzeche
Städtisches Lagerhaus Regensburg am Luitpoldhafen
Die Kalkindustrie der Walhallastraße
Kalblederfabrik Furth i. Wald
Bayerische Braunkohle-Industrie
Die Malteserbrauerei in Amberg
Terranova-Industrie C. A. Kapferer & Co. in Freihung.
Königlich Bayerische Hofglasmalerei Georg Schneider in Regensburg
Das neue Gaswerk der Stadt Regensburg
Die Stadt Weiden
Naabwerke für Licht- und Kraftversorgung
Kalksandsteinfabrik Roding G.m.b.H.
Königl. Schwellenwerk in Schwandorf
Bayerische Maschinenfabrik Regensburg
Metallhammerwerk u. Bronzefarbenfabrik in Rothenbruck Opf. Aluminiumbronzefabrik in Rauhenstein Opf.
Die Entwicklung des Fahrrades
Tonwerk Blomenhof, G.m.b.H., Neumarkt i. Opf.
Die Flügel- und Piano-Fabrik von Georg Weidig in Regensburg
Eisen- und Metallgießerei, Maschinenfabrik und Kesselschmiede
Dresdener Maschinenfabrik und Schiffswerft Übigau A.G. Werft in Regensburg
Die Anlagen der Benzinwerke Regensburg
Portland – Cementwerk Burglengenfeld
Bürgerbräu Weiden
Aktiengesellschaft Porzellanfabrik Weiden
Holzhandlung, Werke für Holzimprägnierung und Kyanisierung
Porzellanfabrik Tirschenreuth
Stanz- und Emaillierwerke in Amberg
Bayerische Schlauchfabrik, mechanische Hanf- und Drahtseilerei
Die Wasserversorgung der Stadt Regensburg
Vereinigte Bayerische Spiegel- und Tafelglaswerke
Cahücitwerke Nürnberg. Fabrik in Neumarkt Oberpfalz.