Städtisches Lagerhaus Regensburg am Luitpoldhafen


Ein imposanter Bau, der das gesamte Hafengebiet beherrscht, ist das von der Stadtgemeinde Regensburg am neuen Luitpoldhafen erbaute und nunmehr von der, unter Führung der Bayerischen Handelsbank gegründeten Gesellschaft m. b. H. „Städtisches Lagerhaus Regensburg“  betriebene große und mit den modernsten Einrichtungen versehene Lagerhaus.

Dasselbe hat eine Länge von 60 Meter, eine Breite von 25 Meter und eine Höhe von 37 Meter; es ist ein Eisenbetonbau und zur Einlagerung von Getreide und Futterartikeln, Mais, Mahlprodukten und sonstigen Gütern aller Art bestimmt.

Ungefähr ein Drittel der überbauten Fläche wird von den Silos eingenommen, während der übrige Teil auf die in 6 Stockwerken enthaltenen hellen luftigen Räume zur Lagerung von geschüttetem und gesacktem Getreide und sonstigen Gütern (auch ein grober, frostgeschützter Keller ist vorhanden) entfällt.

Die Auslagerung von gesacktem Getreide und sonstigen Gütern aus den Schiffen, der Transport solcher Waren aus dem Lagerhaus in die Schiffe und die Ein- oder Auslagerung von Gütern in bezw. aus Eisenbahnwaggons (die sowohl an der Nordseite, wie auch auf der Südseite auf den vorhandenen Geleisen an das Gebäude herangeführt werden können), erfolgt durch elektrisch betriebene Halbportalkrane. Zur Einlagerung von geschüttetem, mit den Schiffen ankommendem Getreide dient ein elektrisch angetriebener Elevator mit einer Höchstleistung von 80 Tonnen pro Stunde. Dieser bringt das Getreide auf das im 1. Stock befindliche Armahmeband, von wo es auf die im Erdgeschoß befindliche automatische Wage fällt. Nach der Abwägung wird das Getreide mittelst Innenelevatoren in den Turm gehoben und hier auf Bänder gebracht, die es entweder in die Silos oder auf die Schüttböden abwerfen. Die auszulagernde Ware fällt aus den Silos unmittelbar oder aus den Schüttböden durch Fallrohre auf fahrbare automatische Wagen, um von hier aus in Säcke gefüllt zu werden. Das Umlagern von Getreide von einem Aufbewahrungsraum in einen anderen besorgen im Erdgeschoß laufende Bänder in Zusammenarbeit mit den Innenelevatoren und der oberen Bandanlage. Zur Beförderung von Stückgütern und gesacktem Getreide von den unteren in die oberen Stockwerke und umgekehrt ist ein elektrisch betriebener Lastenaufzug von 1000 kg Tragfähigkeit vorhanden.

Zwei moderne Putzereianlagen mit einer stündlichen Leistung von 300 Zentner können allen Anforderungen gerecht werden.

Beide Anlagen können sowohl gleichzeitig zusammen, als auch jede getrennt von einander arbeiten, in welch letzterem Falle auch zweierlei Getreidesorten zu gleicher Zeit geputzt werden können. Das zu putzende Getreide rieselt zuerst über zwei Magnete, an denen alle vom Acker her im Getreide noch enthaltenen Eisenteile, wie Nägel, Pflugteilchen etc. hängen bleiben, passiert dann je nach Bedarf den Entgraner, um hierauf in der eigentlichen Putzmaschine von Staub und anderen Beimengsein gereinigt zu werden.

Von hier aus rieselt es über vier neue patentamtlich geschützte Raden-Auslesemaschinen. die im Gegensatz zu den alten zylinderförmigen Trieurs je eine meterbreite flache Auslesefläche besitzen und dadurch eine weitaus bessere Wirkung erzielen, als andere Trieurs.

Von den Trieurs wird das Getreide in die Sortiersiebe geleitet, woselbst es auf drei Sorten gesiebt werden kann und womit der Putzungsprozeß beendet ist.

Zum Durchlüften (Rieseln) von krankem und mit Geruch behaftetem Getreide sind die Schüttböden von einem mit Dennystutzen versehenen Rohrnetz durchzogen. Vier eigene Durchlüftungssilos, in welche mittels Hochdruck-ventilatoren 160 cbm Luft pro Minute eingepreßt werden kann, dienen dem gleichen Zwecke. Weiterhin ist eine Entstaubungsanlage vorhanden, deren Exhaustor den Staub an allen Stellen, wo er aufgewirbelt wird, sofort absaugt und ihn in einen Staubfilter (Sammelort) bläst, so-daß die ganze Anlage füglich auch in hygienischer Hinsicht als mustergiltig bezeichnet werden kann.

Die Zahl der Silos beträgt 40 mit einem Fassungsvermögen von je 60 bis 200 Tonnen. Das Gesamtfassungsvermögen des Lagerhauses beläuft sich auf 12 000 Tonnen, wovon allein 5000 Tonnen auf die Silos entfallen. Das Lagerhaus dient sowohl dem Transit- als auch dem Binnenverkehre, für welch letzteren besonders die dem Lagerhaus von Seite der Bahnverwaltung zugestandenen Reexpeditionsvergünstigungen von großer Bedeutung sind. Es besitzt Freilager und unter Zollverschluß und Zollaufsicht stehende Transitlager.

Die Lagerhausgesellschaft besorgt im Auftrag und für Rechnung der Parteien die Verzollung von unverzollt eingehender Ware und hat im Interesse einer möglichst ausgiebigen Benutzung ihrer Einrichtungen die Gebühren für die Lagerung und alle damit zusammenhängenden Vorrichtungen auf das Niedrigste bemessen. Sie hat auch die Vermittlung der Beleihung der eingelagerten Waren aller Art übernommen. Gerade diese Tätigkeit hat dazu geführt, daß der inländische Getreidehandel und die Landwirtschaft in den letzten Jahren von den Einrichtungen des Lagerhauses einen immer mehr steigenden Gebrauch machten. Daß der den Donauweg benützende üetreide-und Maistransitverkehr diesem Beispiele noch nicht in dem gehofften Maße gefolgt ist, hat seinen Grund darin, daß im ersten Betriebsjahre (1911) das abnorme und lang anhaltende Niederwasser und in den Jahren 1912 und 1913 die Balkankricge hemmend auf die Einfuhr einwirkten und daß die für Passau bestehenden Umschlagtarife dem Verkehr über Regensburg nicht gerade förderlich waren.

Nach den letzten vom bayerischen Landeseisenbahnrate gefaßten und nunmehr vom Verkehrsministerium genehmigten Beschlüssen ist aber zu erwarten, daß nun in Bälde im Getreideverkehre Donau—Bayern und weiterhin, der Regensburger Mitbewerb gegen den Wiener Umschlag insoweit zugelassen wird, als der Bahnverkehr ab Passau nach der betreffenden Bestimmungsstation seither über Regensburg bedient wurde. Es würde also den Sendungen, die bisher in Passau ausgeladen und mit der Bahn über Regensburg hinaus befördert werden mußten, der Wasserweg nach Regensburg freigegeben.

Diese Maßnahme würde wenigstens zu einer Steigerung des Donau-Berg-Verkehrs nach Regensburg beitragen, wenn damit auch noch nicht das erreicht ist, worauf Regensburg vermöge seiner geographischen Lage Anspruch hat.

Siehe auch:
Aktien-Papierfabrik Regensburg
Express-Fahrradwerke A.G.Neumarkt in der Oberpfalz
Jesuitenbrauerei Regensburg in Regensburg
Schlüssel-Bleistift-Fabrik J. J. Rehbach in Regensburg
Das Elektrizitätswerk der Stadt Regensburg
Deutsch-Amerikanische Petroleum-Gesellschaft Hamburg. Benzinfabrik Regensburg.
Dampfsägewerk Arnschwang
Johann Müller, Perlmutterknopf-Fabrik
Eisengießerei Carolinenhütte
Dampfsäge, Hobel- und Spaltwerk, Kistenfabrik
Staatliche Eisenindustrie in der Oberpfalz Amberg-Weiherhammer-Bodenwöhr
Prinz Rupprecht-Quelle vormals Silvana-Sprudel in Groschlattengrün
Bayerische Granitaktiengesellschaft in Regensburg
Tonwerk Prüfening und Braunkohlengrube Friedrichzeche
Städtisches Lagerhaus Regensburg am Luitpoldhafen
Die Kalkindustrie der Walhallastraße
Kalblederfabrik Furth i. Wald
Bayerische Braunkohle-Industrie
Die Malteserbrauerei in Amberg
Terranova-Industrie C. A. Kapferer & Co. in Freihung.
Königlich Bayerische Hofglasmalerei Georg Schneider in Regensburg
Das neue Gaswerk der Stadt Regensburg
Die Stadt Weiden
Naabwerke für Licht- und Kraftversorgung
Kalksandsteinfabrik Roding G.m.b.H.
Königl. Schwellenwerk in Schwandorf
Bayerische Maschinenfabrik Regensburg
Metallhammerwerk u. Bronzefarbenfabrik in Rothenbruck Opf. Aluminiumbronzefabrik in Rauhenstein Opf.
Die Entwicklung des Fahrrades
Tonwerk Blomenhof, G.m.b.H., Neumarkt i. Opf.
Die Flügel- und Piano-Fabrik von Georg Weidig in Regensburg
Eisen- und Metallgießerei, Maschinenfabrik und Kesselschmiede
Dresdener Maschinenfabrik und Schiffswerft Übigau A.G. Werft in Regensburg
Die Anlagen der Benzinwerke Regensburg
Portland – Cementwerk Burglengenfeld
Bürgerbräu Weiden
Aktiengesellschaft Porzellanfabrik Weiden
Holzhandlung, Werke für Holzimprägnierung und Kyanisierung
Porzellanfabrik Tirschenreuth
Stanz- und Emaillierwerke in Amberg
Bayerische Schlauchfabrik, mechanische Hanf- und Drahtseilerei
Die Wasserversorgung der Stadt Regensburg
Vereinigte Bayerische Spiegel- und Tafelglaswerke
Cahücitwerke Nürnberg. Fabrik in Neumarkt Oberpfalz.