Strafen und Erziehen-Ursprung und Entwicklung des Strafens

Erziehungsgruppen als Strafraum. — Der sakrale Ursprung. — Das Talion. — Wandlung der Strafe und ihrer Motive. — Verschiedene Formen der sakralen Strafe und Beginn der Justiz. — Die Blutrache. — Humanisierung der Strafe. — Fluch als Strafmethode. — Das Denken der Primitiven und das Unbewusste. — Dämonologie der Strafe und göttliches Strafgericht. — Der Henker als Magier.

Gemeinschaft als Lebensform bedeutet eine innere und äussere soziale Verbundenheit der Individuen als Träger persönlicher und überpersönlicher Strebungen. In der Gemeinschaft spielt die Erziehungspaargruppe eine bedeutsame Rolle: Erwachsener und Kind, Lehrer und Schüler, Mann und Frau, Staat und Bürger erziehen einander absichtlich und unabsichtlich. Hierbei wirken sich Impulse und Ueberlegungen aus mit dem Ziel der Selbst- und Fremdhilfe. Verstösse oder Vergehen werden gerächt oder bestraft, die Gefahr ihrer Wiederholung soll dadurch vermindert oder unmöglich gemacht werden. Bevor Belohnen und Bestrafen zu Erziehungsmitteln wurden, musste jene Epoche überwunden sein, in der nicht eigentlich erzogen wurde, sondern die Kinder aus Instinkt und Not sich den Erwachsenen assimilierten.

Um die Frage zu verstehen, wie Strafe überhaupt zum Erziehungsmittel wurde, spüren wir ihre Urformen auf. Wie rechtfertigt sich das Strafen? Welche Ergebnisse hat das Strafen gezeitigt? Welche Rolle spielen Traditionen und Fortschritt beim Festhalten und Verwerfen dieser uralten, aber auch ganz modernen Einrichtung?

Das Strafen als unbewusster und bewusster Versuch, Menschengruppen oder Individuen methodisch leiden zu machen, um sie zu erziehen, ist uralt, war aber immer gemischt mit anderen Motiven. Historisch gesehen lässt sich eine klare Scheidung zwischen irrationalen und verständlichen Strebungen, zwischen Leidenschaft, Willkür und Nützlichkeitsüberlegung, Magie, Hass, Rache und Nothilfe, Justiz, Religion und Pädagogik nicht vornehmen. Aber eines scheint uns historisch gesichert: Das Modell der Erziehungsstrafe ist geprägt in der Werkstatt der Rache und Vergeltung, der sakralen oder heiligen Handlung, der Feindseligkeit und des Zornes.

Die Erziehungsstrafe hat wie alles Strafen ihren Ursprung nicht im Verstand, sondern im Affekt, im heiligen Zorn, in der sakralen Hilflosigkeit und im «Tremendum Mysterium», im Rausch, in der Ekstase und im Schauer.

Das «Heilige» ist in der Vorgeschichte der Menschheit uralt, Rudolf Otto vor allem wies nach: es ist ursprünglich die dämonische Scheu, das primitive religiöse Gefühl. Die dämonische Scheu durchläuft viele Stufen, bis ihre «verstreuten und verworrenen aufzuckenden Gefühle» zu Religion werden, auch bis sie mit Ethik und Verstand in Fühlung tritt.

Auch im Anfang der Strafe steht die heilige Strafe. Sie ist eine sakrale Handlung, ein Gefühlsreflex beim Einzelnen und eine kollektive Opferhandlung und Opfergabe in der Horde und Sippe. Bevor sich die Strafe zu einer gesellschaftlichen Methode entwickelte, war sie mystischer Akt und Rachereflex, sakrale Zeremonie und magische Handlung. Die Schuld und Straffälligkeit eines Menschen waren ursprünglich nicht bloss durch sein persönliches Tun bestimmt. Er wurde z. B. auch unter bestimmten Voraussetzungen schuldig gesprochen und bestraft, weil eine Hungersnot ausgebrochen war, der Regen ausblieb, oder weil er eine Tabuvorschrift unwissend verletzt hatte. In jedem Falle wurde der Schuldige benützt als Rache-Vergeltungsopfer und Strafopfer zum Beschwören und Versöhnen der Geister und Naturkräfte. Strafender und Bestrafter unterwarfen sich jahrtausendelang dem «magischen Zwang», den unerbittlichen Gesetzen des Strafopfers.

Strafen geschah in jener Zeit ganz ohne Verstand, war irrational, ursprünglich ohne Beziehung zur Sittlichkeit. Es trug aber schon, wie die spätere Entwicklung beweist, den Drang zur Rationalisierung und zur Versittlichung in sich. Aus der mit dem Strafen verschmolzenen Rache entwickelte sich aismählich die Vergeltungsidee: hei ihr ist bereits ein Mass gesetzt im Talionsprinzip: «Auge um Auge, Zahn um Zahn». Hier ist der Einsatz der Gerechtigkeit spürbar, die rein nach dem Talion geübt und sanktioniert ist. In diesem Stadium der Strafentwicklung wird die rein tierische Macht des Stärkeren von der dämonischen Scheu, aber auch schon von einem dumpfen Ziel der «Gerechtigkeit» gezähmt. Wenn Gerechtigkeit aus Macht entsteht und ihren Ursprung — wie alles Lebende — nie verleugnen und aufheben kann, ja davon zehrt und sich entwickelt, wird immer die Gefahr bestehen, dass der «gerecht» Strafende wieder zum Diener der Macht des Dämons und des Tremendum mysterium wird. Es ist tragisch, dass es ohne Macht keine Möglichkeit gibt, Recht zu verwirklichen, aber es ist eine Tatsache, es ist unerbittliche Wirklichkeit.

In der Entwicklungsgeschichte der Strafe ist die Urform der sakralen Rache bei allen historisch bekannten Völkern nachweisbar und in schwächerem Grade auch heute noch zu erkennen. Die weitere Wandlung der Strafe und ihrer Begründung hängt eng zusammen mit dem Weltbild der einzelnen Völker; es kann dämonisch oder religiös oder wissenschaftlich sein, oder auch eine Mischung dieser drei Bestandteile.

Der Nachweis der sakralen Urformen der Strafe — er ist neuerdings wieder von Hans von Hentig betont und historisch aufgezeigt — ermöglicht uns ein volles Verständnis für die unbewussten Motive und die Wirkung der Strafe, nachdem die Entdeckung des Unbewussten durch Freud die seelische Urgeschichte des Kulturmenschen als Triebwesen erschlossen und verdeutlicht hat. Die Geschichte einzelner sakraler Urformen der Strafe erschliesst viele der Motive, die heute auch bei der Erziehungsstrafe unbewusst mitwirken.

Bei den Germanen und Römern tritt der sakrale Charakter des Köpfens hervor, denn das Haupt gilt als Sitz der Seele, des höheren Lebens, es war das Wertvollste, was man den Göttern als Opfer darzubringen hatte. Bei diesen und anderen Völkern war das Rädern ursprünglich ein heiliger Akt, das Rad ist Symbol der Sonne, der Geräderte wird ein Opfer des Sonnengottes. Das Hängen ist die häufigste Strafe, die in der Edda erwähnt wird; damit wird das Opfer den Wind- und Wettergöttern dargebracht. Der Bestrafte wird anfangs am heiligen Baum aufgehängt, an der Eiche oder an der Weide, und erst allmählich ersetzt der künstliche Galgen den sakralen Baum. Kreuzigen und zu Tode geisseln stehen im Zusammenhang mit den Trauerriten, bei denen sich die Mittrauernden verwunden und schlagen. Nicht nur aus Schuldgefühl geschieht das. Das Schlagen und Abschlagen sind auch magische Prozeduren, um böse Geister zu vertreiben. Das Steinigen geht auf sakrale Vorstellungen zurück, heilige Steine sind geweihte Sinnbilder der Gottheit. Bei den Israeliten war das Steinigen eine feierliche religiöse Todesstrafe, angewandt bei Ehebruch und Tierschändung. Das Ertränken ist in seiner Urform eine heilige Handlung. Wasser reinigt den Menschen von seiner Sünde. Quellen sind Muttergottheiten, in Flüssen leben Dämonen, die auf Opfer warten und deren Gesinnung man sich günstig erhalten muss. Das Feuer wird ursprünglich als Träger der Gottheit zum Instrument der sakralen Strafe; eigentlich spenden ihm alle Völker ihre Verbrecher als Opfer, sei es um den Groll des Feuergottes zu besänftigen, sei es um ihm wohlgefällig zu sein. Im christlichen Mittelalter werden Hexen und Zauberer, Verbrecher und Selbstmörder dem Feuer übergeben, und ihre Asche in alle Winde zerstreut. Gerade an der Entwicklung der Feuerstrafe lässt sich leicht zeigen, dass ursprünglich nicht rechtliche, sondern sakrale Anschauungsweisen im Gange sind. In Mexiko und Peru, wo der Sonnenkult herrschte, war das Feueropfer bevorzugt. Tacitus berichtet, daß die Götter durch das Los befragt werden, ob sie die Gefangenen sofort als Gabe entgegennehmen wollen. Als symbolischer Ersatz der Verbrennung von Menschen werden später Strohpuppen und auch andere Opfergaben dem Feuer dargebracht, worüber viele Sagen und Gebräuche Aufschluss geben. Lebendig begraben und Vierteilen waren zuerst sakrale Handlungen. Das Blosslegen der Eingeweide spielte beim Wahrsagen und im Götterkult des Altertums eine grosse Rolle; die Eingeweide waren im germanischen Aberglauben ein wirksamer Gegenzauber. Das Hinabstürzen von Verbrechern in Abgründe und Gruben stammt aus der Zeit der Kulte von Unterweltsgottheiten.

So sehen wir in diesen Strafriten Kult und Rache vereint und als identisch erlebt. — Später sind beide nicht mehr identisch, aber doch noch unbewusst so eng verknüpft, dass sie in der Ausführung schwer voneinander gelöst werden können.

Allmählich sondern sich vom öpfergebrauch die Kriminalstrafen, von der Religion die Justiz, vom religiösen Bann die soziale Aechtuug. Der Fluch bleibt als Rest der sakralen Riten noch lange bestehen. Der sakrale Zwang tritt in Verhängung und Ausübung der Blutrache besonders klar in Erscheinung. Er lebt über die Jahrtausende weiter in der noch heute wirksamen Vergeltungsidee. In den Formen ihrer weiteren Entwicklung und Verfeinerung fällt und vollzieht ein Unbeteiligter, Richter oder Gerichtshof, anstelle des Geschädigten das Urteil.

Aber auch heute bricht noch die Blutrache in uralter Form durch.

1854 erschien ein Buch über Korsika, in dem nachgewiesen wird, dass im 18. Jahrhundert rund 30,000 Kosikaner aus Blutrache gemordet worden sind. Bei der Lynchjustiz in Amerika übernimmt das «Volk» die Rolle des Richters. Blutrache ist ursprünglich nicht nur Selbsthilfe, sondern Pflicht der Blutsveiwandten; denn auch sie ist eine Erscheinungsform des Kultes, nämlich des Seeieu-kultes. Die Seelen der Getöteten sind noch unter den Lebenden vorhanden und die, deren Lebenslinie gewaltsam gebrochen wurde, warten darauf, dass ein Rächer ihren Tod sühne. Die einzelnen Völker gaben genaue Vorschriften, wer rächen muss und wie die Blutrache auszuführen sei. Nur langsam bauen die Volker den sakralen Gedanken ab. Damit wandelt sich auch die Form und der Zweck der Strafe. Statt der kultischen und sakralen Triebhandlung bahnt sich religiöse oder verständliche Ueberlegung. — Verbannung und Entehrung des Straffälligen ersetzen gelegentlich die sakrale Todesstrafe. Nachdem früher die Tötung vom siegreichen Kläger ausgeführt wurde, ging sie allmählich auf den Scharfrichter über. Aber noch bis ins 15. Jahrhundert sind in Europa deutliche Spuren einer geregelten Blutrache nachweisbar- 1577 wurden vier Holsteiner freigesprochen, als sie wahrheitsgemäss angeklagt wurden, die Tötung ihres Bruders selbst gerächt zu haben.

Neben Schleswig haben die Schweizer Urkantone am längsten daran festgehalten, die Todsühne als Blutrache nicht zu verfolgen.

Die Humanisierung der Strafe begann zunächst als Möglichkeit eines Privilegiums, aber noch lange nicht als Forderung oder Hoffnung für alle. Vielleicht war der erste Umweg hierzu die gemeinschaftliche Anwendung des Fluches. Viele Gebräuche und Massnahmen den Toten gegenüber nehmen auf den Glauben Rücksicht, dass sich der Verstorbene oder Getötete ruhelos herumtreibe und dass man durch Beschwörungen und andere magische Handlungen sich vor ihm schützen müsse. So kann der Fluch die eigentliche Strafe sein und der Tod die Folge des Fluches; das Töten ist nur selbstverständlicher Begleitumstand. Solches Verfluchen von Lebenden und Toten entspricht dem magischen Denken. Die übernatürliche Macht des Wortes in Zauberformen und Flüchen ist eben magisch.

Strafen wurden zunächst nicht aus logischem Denken verhängt. Die Menschheit hat ursprünglich keine Logik im heutigen Sinn, sie dachte zwar auch gesetzmässig und folgerichtig, aber nicht im Sinne der Naturwissenschaft; sie dachte anderslogisch. Zum Beweis dafür folgendes: Für den primitiven Menschen verwandeln sich Götter in Tiere und bleiben trotzdem Götter. Die Zahl drei ist in der vedischen Kultauffassung dasselbe wie sieben oder neun. Bei den mexikanischen Indianern sind Getreide, Hirsch und Hikulipflanze ein und dasselbe. Unsere naturwissenschaftlichen Widersprüche spielen in der magischen und mythischen Denkart keine Rolle. Levy-Brühl erzählt von einem Gespräch eines Kongobewohners mit einem Europäer:

«Am Tage trinkt Ihr mit einem Menschen Palmwein, ohne zu ahnen, dass ein böser Geist in ihm ist, am Abend hört Ihr den Schrei eines Krokodils, das sein Opfer verschlingt. In der Nacht holt Euch eine Wildkatze Eure Hühner. Nun wohl, der Mann, mit dem Ihr trankt, das Krokodil, das einen Menschen frass, die Wildkatze, alle drei sind ein einziges Lebewesen, von einem bösen Geist besessen.»

Heinz Werner hat in seiner «Entwicklungspsychologie» diese für die Entwicklung und Einrichtung des logischen Denkens interessante Frage eingehend untersucht.

Eine solche Betrachtungsweise unterscheidet sich grundsätzlich von unserer wissenschaftlichen. Wenngleich auch sie in sich ein geschlossenes System darstellt, so steht doch die Logik desselben in Widerspruch mit der heute gütigen. Jene den Modernen so eigenartig anmutende Betrachtungsweise wird uns verständlich, aber nicht vertrauter, wenn wir an die Arbeitsweise des Unbewussten denken, in welchem nach Freud der Zeitbegriff fehlt und Gegensätze in voller «Harmonie» nebeneinander stehen, eine Arbeitsweise, die uns der Traum und die Psychose sogar sinnfällig demonstrieren. Im Unbewussten ist die äussere Realität von sekundärer Bedeutung. Hier gilt die innere — psychische — Realität (Freud), die unserer Wünsche, Vorstellungen und Aengste. Aehnlich wie der Beziehungswahnkranke sieht der Primitive alles durch die Brille seiner Erwartungen und Befürchtungen. Der magische und der religiöse Mensch sind überzeugt, dass ausser-menschliche Mächte in ihr Leben eingreifen. Dämonen und Geistern, Gottheiten und Gott obliegt es, die persönlichen und sozialen Geschicke zu leiten, Menschen zu belohnen und zu strafen. In der magischen Phase sucht der Mensch den Zorn der Dämonen wieder zu begütigen. Er bringt Opfer: Menschen, Tiere und Pflanzen. Beides, die Sühneopfer und die Strafen, hat sich der Mensch zur Abwehr und zum Besänftigen der Dämonen auferlegt, als Ausdruck seines sakralen Fühlens und Denkens; Kult und Strafhandlung hängen immer zusammen.

Wir sprachen vom Fluch als Rest der sakralen Riten. In ihm lebt auch im heutigen Menschen noch ein Stück Naturjustiz fort.

In seiner Mythologie beschreibt Grimm die Macht des Fluches und des Segens folgendermas-sen:

«Lieder und Runen vermögen also die grössten Dinge, sie können töten und vom Tod erwecken, wie gegen den Tod sichern; heilen und krank machen, Wunden binden, Blut stillen, Schmerzen lindern, Schlaf erregen, Feuer loschen, Meersturm sanftigen, Regen und Hagel schicken, Bande gprcngen, Fesseln zerreissen, Riegel abstossen, Berge öffnen und schliessen, Schätze auftun, Kreissende entbinden oder verschliessen, Waffen fest oder weich, Schwerter taub machen, Knoten schürzen, die Rinde vom Baum lösen, Saat verderben, böse Geister rufen, bannen, Diebe binden …»

Die Magie des Fluches dürfte mit der Intensität des eigenen Wunsches Zusammenhängen, das Böse zu vernichten und den Feind mit allen Mitteln unschädlich zu machen; das Böse und der Feind sind für den primitiven Menschen ein und dasselbe. Auch das eigene Böse wird nach aussen verlegt und bösen Kräften und Dämonen zuge-ßchrieben, denen dann die teils magische, teils religiöse Abwehr gilt. Ueber die Dämonologie der urchristlichen Zeit liegt viel geschichtliches Material vor. Auch dort, wo der ethische Gehalt der Lehre Christi tiefe Wirkungen auf Welterneuerung und Handeln hervorgerufen hatte, quälen sich hochstehende Männer wie Tertullian immer wieder mit dem Dämonenglauben ab, vermischt mit der Angst vor dem Strafgericht des alttestamentarischen Gottes. Der Tod durch Krankheit oder Gewalt christenfeindlicher Kaiser wird als Strafgericht Gottes erlebt und beschrieben.

Verwandt der Gefühlswelt früherer Jahrtausende mit ihrer dämonischen Scheu im Strafopferakt, wirkt die heimliche Verehrung grosser Menschengruppen für die mit Zauberkraft begabten Henker des Mittelalters. Vor allem Frauen lebten in diesem Bann. Er ist auch heute nicht erloschen. Der Wiener Scharfrichter Lang erzählt in seinen Erinnerungen u. a. wie er auf Schritt und Tritt von Frauen und Mädchen angesprochen wurde. Einige wollten nur in seine Augen schauen, andere ihm die Hand drücken, wieder andere gingen in ihren Wünschen wesentlich weiter. Wir haben den Eindruck, dass es sich hier um eine Reaktion handelt, die aus derselben Quelle stammt, wie die Angst vor Geistern und Dämonen, vor dem bösen Blick der Hexen, Berserker, Schamanen, den Häuptlingen und Herrschern.

Wir verlassen die Darstellung vergangener Epochen der Strafentwicklung und wenden unser Interesse den Fragen nach Grund und Zweck der Strafe im modernen Weltbilde zu. Für unser eigentliches Problem — die Erziehungsstrafe — sind nicht nur die wissenschaftlichen Theorien bedeutsam, sondern auch die allgemeinen Ansichten und praktischen Erfahrungen.