Südwestafrikanische Landschaftsbilder : Die Namib


Der Wüstencharakter, den Südwest an der Küste aufweist, war wohl daran schuld, dass die Seefahrer lange Zeit diesen Teil von Afrika unbeachtet liessen. Man ahnte zunächst nicht,dass hinter dieser unwirtlichen Küste gerade ein Land liegt, das Tausenden fleissiger Ansiedler ein gutes Fortkommen gewährt. War ja doch Südwest auch bei uns zu Hause noch lange Zeit bis vor wenigen Jahren als „Sandwüste“ verschrien, und man riet noch während des Aufstandes allen Ernstes, die wertlose KoIonie lieber auf-zugeben, statt weiter Geld und Menschen für sie zu opfern. Der Küstenstreifen, Namib genannt, bildet in seiner ganzen Ausdehnung zwischen den beiden Grenzflüssen, dem Kunene im Norden, dem Oranje im Süden, ein ausgesprochenes Wüstengebiet von wechselnder Breite, im Durchschnitt etwa 60 Kilometern. Am breitesten ist die Namib am alten „Baiweg“, dem Karawanen weg von Lüderitzbucht ins Innere, der jetzt durch die Eisenbahn nach Kubub und Keetmanshoop ersetzt ist. Welch furchtbares Verkehrshindernis die Namib bildet, wird durch die Tatsache belegt, dass der Baiweg auf seinem ganzen Verlauf durch die Gerippe von Tausenden infolge von Durst oder Entkräftung gefallener Ochsen begleitet wird. Und auch mancher Mensch ist ein Opfer der Namib geworden; erst in jüngster Zeit sind verschiedene Europäer von der Suche nach Diamanten nicht wiedergekehrt. Unter den Eingeborenen geht die Sage, dass es mitten in der Namib verschiedene Oasen mit reichlichem Wasser und prächtigen Weidegründen gebe. Da aber zwischen Lüderitzbucht und der Walfischbai kein einziges Flussbett bis zum Meere zu verfolgen ist, und die Wasser keines Flusses, ausser denjenigen des Oranje und Kunene, selten einmal diejenigen des Kuiseb, Swakop und Omaruru, das Meer erreichen, sondern sich am Ostrande der Namib im Sande verlieren, so ist wenig Wahrscheinlichkeit vorhanden, dass inmitten der Namib irgendwo grössere Feuchtigkeit zur Hervorbringung von Pflanzenwuchs anzutreffen ist.



Der landschaftliche Charakter und die Bodengestaltung in der Namib sind wechselnd. Während im Süden die Oberfläche häufig auf weite Strecken von langen Sanddünen vollständig bedeckt ist, wechseln in anderen Gegenden Ketten hoher Dünen mit Felsgeröll und steinigen Kuppen ab. Die Verwitterungsprodukte der Gebirge, die wohl einst auch das Küstengebiet erfüllt haben, haben sich im Laufe der Zeiten um deren Rest aufgetürmt, so dass nur die höchsten noch übriggebliebenen Teile aus dem Schutt hervorragen. Meer und Wind tun das übrige; sie überschütten die Küstenlandschaft fort und fort mit Sand bis dahin, wo die vom Hochland des Innern herabkommenden Gewässer dem Pflanzenwuchs Nahrung geben und den Dünen Einhalt gebieten.

Bemerkenswert ist,dass die einzelnen Dünenregionen jeweils nördlich durch die Flussbetten begrenzt zu sein scheinen. Dies ist um so merkwürdiger, als diese Flussbetten doch den grössten Teil des Jahres oder im Bereich der Namib überhaupt trocken liegen, also doch eigentlich kein Hindernis für das Fortschreiten der Sandberge bilden. Auf dem südlichen Ufer dieser trockenen Flussbetten (Rivieren genannt) türmen sich die Sandmassen zu hohen, den Flusslauf aufwärts wandernden Dünen auf, während die nördlichen Ufer kahlen Felsboden oder steiniges Gelände aufweisen. Das Hauptdünengebiet ist infolgedessen auch der lange rivierlose Streifen zwischen dem Baiweg und dem Kuiseb. Diese Sandregion dehnt sich gegen 300 Kilometer lang, 100 Kilometer breit von Süden nach Norden. Diejenigen, die sich tiefer in die Dünenregion hineingewagt haben, schildern sie als ein Gewirr von lose aufgeschütteten Sandhügeln bis zu 50 Meter Höhe, vielfach ohne erkennbare gemeinsame Streichrichtung, so dass man beim Durchqueren der Region nicht immer einen Hügel nach dem andern übersteigen muss, sondern im Zickzack zwischen ihnen durchreiten kann.

Die Pflanzenwelt der Namib ist sehr kümmerlich. Eine zusammenhängende Pflanzendecke kann wegen des Wassermangels nicht entstehen, es kommen nur vereinzelte kleine Pflanzen verschiedener Art vor, z. B. sogenannte Milchbüsche (Euphorbien), in der Nähe von Rivieren auch Dornbusch oder spärliches Gras. Eine Merkwürdigkeit, ja das Wahrzeichen der Namib ist die Welwitschia mirabilis, eine Pflanze mit tiefer Pfahlwurzel und 2 Meter langen, breiten, glänzendgrünen Blättern, die am Boden hinkriechen oder aufgerollt im Sande liegen.

Im übrigen wollen wir jetzt dem Dichter das Wort geben, der uns von der Namib ein treffendes Stimmungsbild entwirft.

Die Namib.

Gedicht von Faul Keding.

Jenseits von Woeenbranden Und feuchter Nebelluft,
Dehnt sich ein Meer von Sanden Wie eine offne Gruft.
Rings nackte Dünenwälle Umschwebt von Todeshauch,
Hier murmelt keine Quelle,
Hier wächst nicht Baum noch Strauch.
Nur dürre Moose kleben Im Sand, wie er so grau,
Geweckt zu dürlt’gem Leben Vom Wüstenmorgentau.
Um schroffe Felsenspitzen Schwelt heisser Sonnenbrand,
Rot ferne Kegel blitzen,
Grell scheint der Schluchten Wand.
Und schwindet von den Höhen Der Dämm’rung gold’ner Glanz,
Dann stürmen eis’ge Böen Heran zu wildem Tanz. —
Wer dieser sand’gen Weiten,
Der Steine Sprache kennt,
Der sieht ein grimmig Streiten,
Das immer neu entbrennt:

Wo heute spärlich ragen Einsame Kuppen noch,
Da wuchs in alten Tagen Manch’ breit’ Gebirge hoch.
Und mächt’ge Ströme trugen Die Flut zum Ozean,
Durch starre Felsen schlugen Sie wuchtig ihre Bahn.
Sie brausten von den Hängen Damaralandes her,
Das war ein stürmisch Drängen Hinab bis an das Meer. —
Der Regen schwand. Die Quellen, Die Ströme sind versiegt.
Wo laut getobt die Wellen,
Die Schlucht nun schweigend liegt.
Die Wasser aus den Quadern.
Die Glutluft sog sie ein.
Bis seine letzten Adern Verdorrt und tot der Stein.
Da kommt der Berg ins Wanken, Was morsch und weich, zersprüllt,
Und donnernd an den Flanken Stürzt nieder der Granit.
Und wo ein Felsenrücken Noch strebt zum Himmelszelt:
In Schutt muss er ersticken,
Zu Sand der Schutt zerfällt.

So ruht’s ob allem Leben Wie böser Geister Fluch,
Die Erde selbst muss weben An ihrem Leichentuch. —
Doch rascher noch soll sterben Die stille Wüstenei,
Es trägt ein neu Verderben Das nahe Meer herbei:
Endlose Dünen steigen Empor an seinem Strand,
In stummgewalt’gem Reigen Zu wandern Ubers Land.
Sie breiten weisse Hüllen Auf nackte Flächen hin,
Und bis zum Rande füllen Sie jedes Flusses Rinn´. —
So liegt wie eine Barre,
Ein unbezwinglich´ Wehr,
Im Antlitz Todesstarre,
Die Namib dort am Meer.
Doch sieh’,im Sand welch’Flimmern Hell strahlt der Diamant,
Und hinter Schutt und Trümmern
Ist liebes deutsches Land!

Weiteres aus der Reihe „Kolonie und Heimat“
Eine Straussenfarm in Deutschland
Wie der Neger in Togo wohnt
Deutsche Diamanten
Zur Frauenfrage in den deutschen Kolonien und andere Bekanntmachungen
Die Landesvermessung in Südwestafrika
Bilder aus dem Norden von Deutsch-Südwest: Namutoni
Koloniale Neuigkeiten
Deutschland, England und Belgien in Zentralafrika
Das Deutsche Institut für ärztlich Missionen in Tübingen
Bilder von der afrikanischen Schutztruppe
Die Kolonien in der Kunst
Der Handelsagent in Deutsch-Afrika
Bierbrauerei der Eingeborenen in Afrika
Samoanische Dorfjungfrau
Losso-Krieger aus dem Norden von Togo
Allerlei aus dem Leben des Togonegers
Ostafrikanisches Obst
Ostafrikanische Küstenbilder
Tabakbau und Tabakverarbeitung in Havanna
Die französische Fremdenlegion
Kamerun : Totentanz der Küstenneger
Ein Rasseproblem
Blick in eine Wanjamwesi-Siedlung bei Daressalam
Der Botanische Garten zu Berlin als Zentralstelle für koloniale Landwirtschaft
Die Kirchen in Daressalam
Das Meer und seine Bewohner : Seevögel
Sie riss das Gewehr an die Backe, zielte einen Augenblick und schoss . . .
Wie man in Afrika in der Regenzeit reist
Auf den Diamantenfeldern von Lüderitzbucht
Die Diamanten-Regie des südwestafrikanischen Schutzgebiets in Berlin
Bilder aus der ostafrikanischen Vogelwelt
Vom Deutschtum im Ausland (Chile)
Medizintanz der Baias in Kamerun
Hamburg als Hafenstadt
An der Trasse der Bagdadbahn
Die Baumwollfrage
Die Mischehen unter fremden Rassen
Das Haar
Deutsches Leben in Deutsch-Südwest Afrika
Unteroffiziere der Schutztruppe in Südwest-Afrika feiern Weihnachten
Wenn der Buschneger den ersten Weissen sieht …
Berittene Spielleute des Sultans Sanda von Dikoa
Ein Morgenpirschgang in Ostafrika
Die Kilimandjaro-Bahn
Die Aufgaben der deutschen Frau in Deutsch-Südwestafrika
Kolonie und Heimat : Rückblick und Ausblick
Prosit Neujahr!
Wie die Ponapeleute entwaffnet wurden
Goldgewinnung an der Goldküste
Eingeborenen-Bilder aus Kamerun : Die Wute
Wie schafft man sich gesundes Blut?
Bilder aus der Tierwelt Südafrikas
Totengebräuche auf den Salomons-Inseln
Fünfundzwanzig Jahre Deutsch-Ostafrika
Eine Reise durch die deutschen Kolonien
Neues aus dem Innern von Neu-Guinea
Der Nord-Ostsee-Kanal
Bilder aus der Kameruner Vogelwelt
Die landwirtschaftliche Ausstellung in Keetmanshoop
Herero-Mann Deutsch-Südwestafrika
Die Straussenzucht in Südwestafrika
Kolonie und Heimat erscheint von jetzt an wöchentlich.
Die deutsche Frau in der Südsee
Die Ölpalme
Frauenerziehung in China
Seltsame Fleischkost
Mitteilung des Frauenbundes der Deutschen Kolonialgesellschaft
Die Herstellung von Rindentuch in Zentralafrika
Südwestafrikanische Früchte in Deutschland
Windhuk
Der Panamakanal
Bilder aus Kiautschou : Unsre Besatzungstruppe
Bilder aus Kiautschou : Chinesische Verkehrsmittel
Ein Besuch in der chinesischen Stadt Kiautschau
Das neugierige Krokodil
Bilder vom Wegebau in Kamerun
Negerkapelle
Verarmte deutsche Ansiedler in Jamaika : Ein Notschrei aus Westindien
Pestgefahr in Kiautschou?
Gastfreundschaft in Deutsch-Ostafrika
Eine leckere Mahlzeit
Südseeinsulaner aus Jap (Westkarolinen)
Kalkutta
Liebesdienst
Die Ausfuhrprodukte Deutsch-Ostafrika
Die Bewohner von Ruanda
Die Heuschreckenplage in Südafrika
Südseeschutzgebiete
Deutsch Ostafrika : Gefangene junge Elefanten in Udjidji am Tanganjikasee
Koloniale Plastik
Wie der Europäer in Südafrika wohnt
Bilder von der ostafrikanischen Nordbahn
Die Tropenhygiene auf der Internationalen Hygiene-Ausstellung
Kamerun: Ein Haussa-Fleischer in Bamum räuchert Fleisch
Ein afrikanischer Operettenkrieg
Der tote Buschmann
Das neue Südafrika
Auf einer Station im Innern von Südkamerun
Die drahtlose Telegraphie und ihre Bedeutung für unsere Kolonien
Das Museum für Meereskunde in Berlin
Ein Besuch in Bombay
Bilder aus Ceylon
Suahelifrau im Festgewand
Hamburg als Hafenstadt II
Idyll aus Deutsch-Südwest: Fütterung eines jungen Springbocks
Die Bremer Baumwollbörse
Rund um Afrika
Schlangen in Südwest-Afrika
Mädchen von der Karolineninsel Jap
Milchwirtschaft auf einer südafrikanischen Farm
Auf den Lüderitzbuchter Diamantenfelder
Missionspredigt in einem Dorf von Süd-Togo
Altindische Baudenkmäler
Ein neuer Ostafrika-Dampfer
Haartrachten der Eingeborenen in Afrika
Totengebräuche im alten Samoa
Badende Kinder auf Samoa
Eine Fahrt auf der sibirischen Eisenbahn
Äquator Taufe
Buschmänner beim Bogenschiessen
Die Bekämpfung der Pest in Kiautschou
Kamerun: Marktszene aus Banjo
Wei-hai-wei
Jugendbelustigungen in Niederländisch-Indien
Diamantendiebstähle
Der findige Telegraphist
Toto, der erste aus Ostafrika nach Deutschland gebrachte Elefant
Fischerboot an der ostafrikanischen Küste
Vom Deutschtum im Stillen Ozean : Deutsche Arbeit auf Hawaii
Die Post im Innern Afrika
Hamburg als Handelsstadt : Aus Hamburgs Vergangenheit
Vom Deutschtum im Ausland
Wieviel Menschen sprechen Deutsch?
Echtheitsbestimmungen der Diamanten
Allerlei vom ostafrikanischen Neger
Tanzmasken der Graslandbewohner im nordwestlichen Teile von Kamerun
Die Fürsorge für die Mischlingskinder in Südwest-Afrika
Die Wohnstätten der ostafrikanischen Eingeborenen : Die Temben
Das Aquarium in Neapel
Bilder aus Marokko
Explosion in Karibib
Elefant in Afrika
Eine Reise durch die deutschen Kolonien : Kamerun
Ein unfreiwilliger Weltrekord auf der Elefantenjagd
Der Gorilla
Von Roosevelts Jagdfahrt in Afrika
Die Trommelsprache der Waldlandneger Kameruns
Kultur-Kolonien : Ein Wort für die Esperanto-Sprache
Bilder vom Telegraphenbau in Kamerun
Zanzibar
Robert Koch
Die erste Tagung des südwestafrikanischen Landesrats
Der Dauerkäse
Die deutsche Kolonialschule in Witzenhausen
Das deutsche Kolonialmuseum in Berlin
Ein Idyll aus Nordkamerun : Kaffestündchen auf der Veranda der Station Garua
Dampfa kudja! — der Dampfer ist da
Die Marienburg
Herbstbilder aus Tsingtau
Die Wirkung des elektrischen Stromes auf einen Neger
Suahelifrauen bei der Toilette
Die Verkehrsmittel von Südwestafrika
Das Deutschtum in den baltischen Provinzen Russlands
Im chinesischen Theater zu Tsingtau
Die dankbare Schlange (Chinesisches Märchen)
Die Völker Togos
Hongkong
Afrikanische Pfahlbauten
Haifischfang im Korallenmeer
Mekkapilger
Frauenmangel in Deutsch-Neuguinea
Eine Reise durch die deutschen Kolonien : Deutsch-Südwestafrika
Malaria
Arbeiter-Rekrutierung in Neu-Guinea
Seekuhjagd in Kamerun
Kapitalanlagen : Marktbericht
Im Lande der Pharaonen : Bilder aus Kairo
Des deutschen Kronprinzen Reise nach Ostasien
Veddamänner (Jäger) aus dem Innern von Ceylon
Der Kakao, Seine Kultur und Verarbeitung
Die Kulturfähigkeit der Mikronesier : Ernste Gedanken zum Aufstand in Ponape
Die Feuerzeuge der Naturvölker
Zur Inder-Frage in Deutsch-Ostafrika
Über die Chinesen-Frage
Küstenneger von Togo beim „Fufu“-Stampfen
Die neue Marineschule in Flensburg
Fünfzig Jahre einer deutschen Siedelung in Brasilien
Die Pest in China
Der Aufstand auf Ponape ist gesühnt
Schweinefleisch
Haschischraucher in Südkamerun
Nabus, der Hottentottenjunge
Wie lernt der Kapitän über den Ozean steuern?
Die Dankbarkeit beim Neger