An die Opferriten ist sinngemäß die Betrachtung der auch im Handwerk bekannten Heiscbegänge anzuschließen. Im Zusammenhang mit den Festen zieht die Gesellenschaft umher und heischt Gaben unter der Bevölkerung, später verschiedentlich nur unter den Kunden der Meister. Unsere Abb. 2 zeigt einen Schembartläufer, der die von ihm gesammelten Fische an einen Spieß gesteckt hat. Die Schodüvel sammelten Geld und Lebensmittel wie Wurst, Schinken, Brot und Bier. Die Hamburger Brauerknechte beanspruchten zur Höge von ihrem Brauherren ein Stüde geräuchertes Rindfleisch. Von den Münsterschen Handwerkern heißt es im 16. Jahrhundert: Sie »… gengen (zu Fasnacht) die gantze Stadt dorch in alle ihrer meister huser und den sie das jaer über gearbeitet hatten, und bettelden (sammelden wolte ich sagen) aldar geldt, fliesch und worste, dantzeden in allen huseren midt dem hausgesinne und worden auch, dar sie quamen, na gelegenheidt, midt bere getractert. Was sie alsdan von fliesche und worsten kregen, darzu hetten sie tzwo starke mans gekregen, die moesten ihnen solchs in einem drachbome nadidragen, das iederman sehen konthe und mochte, was sie kregen.«

Und beim Umzug der Fleischer am selben Ort (151):

»Wan sie quamen für eines flieshouwers hues, moeste man sie die doeren bewedden ganz uf doen … Die flieshouwer worden in allen huseren, dar sie inquamen, herlichen tractert midt wine und bere… den knechten wordt auch beers genochsam gelanget…«

Diese Heischegänge deutet Höfler als Umzüge der Totendarsteller, die für die Ahnen, die sie verkörpern, »von den Lebenden Gaben, Furcht und Ehrfurcht fordern«. Lily Weiser hat darauf hingewiesen, daß es bis in die jüngste Gegenwart als Beleidigung empfunden wurde, wenn man den österreichischen Perchten Geld gab. Sie heischten vielmehr ganz bestimmte Opferspeisen. So auch meist die Handwerker (die Schembartläufer heischen Fische), wenn sie auch schon vielfach gern Geld neben den Speisen entgegennehmen. Nachdem der eigentliche Sinn des Gabenheischens vergessen worden war, konnte sich der fortlebende Brauch auf der einen Seite in ein Sammeln für Schmaus und Trank des Festes und auf der anderen Seite in Armenfürsorge verwandeln.

Mehrfach kennen die Zünfte den Brauch, daß die erhaltenen Gaben an einen Speer, Spieß, Baum oder Stock gehängt werden. Dieser Gabenspieß muß m. E. zusammen mit den Bäumen und Stäben der Masken und den Stäben, die Hoheitszeichen der Verbände sind, gesehen werden. Den Ulmer Schiffer wird ein »Hauptspeer« vorangetragen, eine große Lanze mit mehreren Zinken, an die die Geschenke gehängt wurden. Solch ein Speer wird der »Hauptmann« genannt, und andere Gabenspieße heißen die »Herren«. Es ist möglich,daß in diesen Ausdrücken eine Erinnerung an den Träger des Spießes erhalten geblieben ist, der als militärischer Hauptmann oft in führender Stellung bei den Zunftumzügen erscheint. Wehrban nennt folgende Gaben aus Ulm: Uhren, silberne Pokale, Ringe, Leuchter, Löffel, seidene Halstücher, Bänder. Diese Gegenstände wurden am Schluß von den Siegern im Fischerstechen verlost. Vom Nürnberger Urbansfest kennen wir den Stock, an dem die Flasche für die Weinspenden getragen wird.

Siehe auch:
Germanengut im Zunftbrauch
Germanengut: das Zunftbrauchtum
Germanengut: die Zunftfeste
Germanengut: die Zunftfeste – Masken und Narren
Germanengut: die Zunftfeste – Opferbräuche

Germanengut im Zunftbrauch