Soll aber die Behandlung wirklich erfolgreich sein, so müssen gewisse Voraussetzungen unbedingt beachtet werden:

1. Am besten ist es, wenn in einer jungen Ehe die Frau nach zweijähriger Unfruchtbarkeit den Rat des Arztes sucht. Die Frühbehandlung ist gerade im Kriege bei beschränkter Empfängnismöglichkeit von großer Bedeutung. Wenn Eheleute erst im fortgeschrittenen Alter, d.h. jenseits des 35. Lebensjahres, nach langdauerndern kinderloser Ehe kommen, zeigt sich oft, daß das Eheleben schon seelisch stark gelitten hat; die Schwierigkeiten sind dann ganz besonders groß.

2. Um eine Unfruchtbarkeit von seiten des Mannes von vornherein auszuschalten, ist in jedem Fall die Untersuchung des männlichen Samens erforderlich. Diese kann in jedem Lazarett vorgenommen werden.

3. Wenn irgend möglich, ist nach Vereinbarung mit dem Kompaniechef der Urlaub so zu regeln, daß er gerade in die für eine Befruchtung günstige Zeit fällt (vom zehnten Tag nach dem ersten Tag der letzten Monatsblutung bis zur nächsten Regel).

4. In der Zwischenzeit, also auch schon vor dem Urlaub des Mannes, muß die Frau ihren Hausarzt oder gleich die Beratungsstelle aufsuchen, damit alle Vorbereitungen schon getroffen werden können, Es hat keinen Sinn, erst dann zu kommen, wenn der Urlaub schon abgelaufen und ohne den gewünschten Erfolg geblieben ist.

Es ist schon deshalb wesentlich, vorher zu erscheinen, weil am Anfang jeder Behandlung eine Röntgenuntersuchung steht, die erfahrungsgemäß ihrerseits oft schon einen überraschenden Erfolg bringt, wenn die Ehegatten bal nachher zusammen sind.

5. Schließlich muß die Frau sich darüber im klaren sein, daß die Behandlung unter Umständen lange dauert, und dann große Geduld erfordert. Die Beratungsstelle wird alles tun, um die Verbindung im Briefwechsel aufrechtzuerhalten. Das Geheimnis zum Erfolg liegt nämlich in jedem Fall in der Planmäßigkeit der Behandlung.

Da nun tatsächlich jede unfruchtbare Frau zunächst die Aussicht hat, bei genügend langer und in Geduld ausharrender Behandlung ihren Wunsch erfüllt zu sehen, entbehrt es jeder moralischen Grundlage, wenn man sich unter dem Vorwand der Kinderlosigkeit ohne weiteres von seiner Frau trennt, bevor nicht alle Möglichkeiten der Hilfe ärztlicher Kunst erschöpft sind.

Ernsthaftigkeit, Freiwilligkeit und der heiße Wunsch, sein Eheglück in einer gesunden, reichen Kinderzahl erfüllt zu sehen – eine innere Einstellung, der kein Opfer zuviel wird -, trägt entscheidend bei zum Erfolg der ärztlichen Heilmaßnahmen.

Oberarzt d. R. Dr. Hans Sievers,
Assistent der Universitäts-Frauenklinik, Greifswald

Siehe auch:
vom Kinde
Im Muttertum liegt die höchste Ehre der Frau
Ehre ist das gemeinsame Ideal von Frau und Mann
Arbeitsmaiden und Kinder im 3. Reich
Arbeitsmaiden im 3. Reich
In bäuerlicher Gesittung lebt die germanische Ehrauffassung weiter
Germanengut im Zunftbrauch
Zucht ist angewandtes Wissen von der Vererbung
Der Wald als Lebensgemeinschaft
Der Wegweiser

Leitgedanken

Wie im Walde, so treiben auch in Feld und Flur die elbischen Geister ihr Wesen. Erst mit dem Beginne des regen Ackerbaues, als der Germane seine Abhängigkeit von Saat und Ernte tief empfand, konnten sich die Korngeister entwickeln. Die Feldgeister sind Windelbe; der Wind ist der Beförderer oder Vermittler der Befruchtung. Ins Wiesengras oder in das Kornfeld sah man Wind und Wolke sich schadend oder befruchtend niederlassen. Daher stellte man sich vor, daß die in Wetter und Wolken waltenden Mächte auch in Feld und Acker hausten. Wallt der Wind im Korne, sq sagt man, „die Windkatzen laufen im Getreide, die Wetterkatzen sind drin“; man warnt die Kinder, Kornblumen zu suchen, damit sie der Bullkater nicht hasche. Ebenso redet mau von Hasen, Bären, Wölfen, Hunden, Windsauen, Böcken, die im Getreide gehen, wenn es in Wellen wogt oder, in der‘ Sprache des Landmannes, wolkt. Die Volksphantasie sieht diese tiergestaltigen Wesen auch sonst im Getreide liegen, und der Bauer mahnt davon ab, ihnen zu nahen. Man spricht von einem einzelnen Wesen dieser Art oder von einer ganzen Schar; „der Wolf geht im Korn“, oder „die Wölfe jagen sich im Korn“. Beim Schneiden oder Mähen des Getreides flieht der Korndämon von Ackerstück zu Ackerstück. Wer während der Erntearbeit krank wird, der ist unversehens auf ihn gestoßen, den hat der Roggenwolf untergekriegt, den hat der Erntebock gestoßen. Wird die letzte Garbe gebunden, so hat sich der Kornstier, der Roggenwolf, die Roggensau, der Getreidehahn in sie geflüchtet. In Anhalt rufen die Schnitter: „der Hase kommt bald“, „paßt auf, wie der Hase herausspringt“! Das Abschneiden des Getreides und Wiesengrases ist zugleich der Tod des Korndämons. Diese Tötung wurde später dramatisch dargestellt, löste sich von der Ernte Schritt für Schritt los und wurde als „Hahnschlagen“ eine selbständige Volksbelustigung zu verschiedenen Zeiten des Jahres. Nach anderer Auffassung aber ist die Tötung des Korngeistes ein Frevel, der mit dem Tode des Täters gebüßt werden muß.

Daher stammt der Aberglaube, daß der Schnitter des letzten Kornes sterben müsse. Nach der gewöhnlichen Annahme findet der Korngeist jedoch keineswegs durch die Sense des Schnitters den Untergang. Er lebt, so lange es noch irgendwo unausgekörntes Getreide gibt. Mit der letzten Garbe, in die er sich flüchtet, wird er ergriffen, auf dem letzten Erntefuder thronend heimgebracht und lebt auch unter Dach und Fach fort und verbreitet seine Segnungen. Jubelnd wird die den Korngeist darstellende Puppe vom Felde hereingeholt und mit schönem Spruche dem Gutsherrn überreicht, der das Erntebier spenden muß. Sie erhält ihren Platz auf der Vordiele des Herrenhauses, wird zur Seite der Haustür, an dem Hausgiebel oder auf dem Dache befestigt und bleibt hier, bis im nächsten Jahre eine neue Erntepuppe die alte ersetzt. Zuweilen glaubt man, daß der auf dem Gehöfte des Bauern überwinternde Korngeist im nächsten Jahre mit dem Keimen der Pflanzen seine Verrichtungen im Leben der Natur wieder antritt.

Wie man die Kinder warnt, in die Erbsenbeete zu gehen, denn da sitze oder liege der Roggenbock, Haferbock, Erbsenbock, Bohnenbock, so warnt man sie auch, das Kornfeld zu betreten, um die blauen Kornblumen zu pflücken:

„Laß stehen die Blumen, geh nicht ins Korn,

Die Koggenmuhme zieht um da vorn.

Bald duckt sie nieder,

Bald guckt sie wieder:

Sie wird die Kinder fangen,

Die nach den Blumen langen.“ (Kopisch).

Neben den tiergestaltigen Korngeistern gibt es auch menschengestaltige. Wenn der Wind im Korne Wellen schlägt, zieht die Kornmutter über das Getreide oder laufen die Kornweiber durch das Getreide. Andere Namen sind Weizen-, Gersten-, Korn-, Flachsmutter, Kornfrau, Kornweib, Roggenweib, Korn-, Roggen-, Erbsen-, Weizen-, Hafermuhme, Großmutter, alte Mutter, die Alte. Vor dem Kornmann im Getreide warnt man die Kinder an vielen Orten, auch vor dem wilden Mann im Saatfeld, der mit eisernem Knüttel werfe, vor den zwerghaft gedachten Getreidemännchen. Aber auch Grummetkerl, Kleemämichen, Grasteufel, der Alte ist der‘Dämon geheißen. Die Kornmutter hat feurige Finger, teergefüllte oder mit glühenden Eisenspitzen versehene Brüste, sie sind so lang, daß sie wie die wilden Weiber diese über die Achseln schlagen kann: ein sinnlich symbolischer Ausdruck der Vegetationsfülle. Mit ihren Doggen jagt sie über den Acker hin oder sitzt selbst in Wolfsgestalt im Korne, von kleinen Hündchen begleitet, die die verlaufenen Kinder in ihre eiserne Umarmung führen. In Westfalen haust der Hafermann im Felde, mit großem schwarzem Hute und einem gewaltigen Stocke; er führt die Begegnenden durch die Luft hinweg, umwandelt die Kornbaufen, verlockt und neckt den Wanderer. Hat der Wind das Getreide an einer Stelle nach allen vier Seiten gelagert, so hat der Alte dort gesessen. Wie man die letzten Getreidebüschel als Talisman stehen läßt, weil sich der tiergestaltige Korndämon in sie zurückgezogen hat, so ließ man in Anhalt an der letzten Ecke des zuletzt geschnittenen Feldes einige Halme übrig: „die mag die Kornmuhme verzehren“. Über ganz Deutschland ver– breitet, aber erst seit dem 13. Jhd. bezeugt, ist ein Brauch, der sich an den Namen des Alten knüpft. Wer das letzte Korn schneidet oder bindet, dem ruft man zu: „Du hast den Alten, und mußt ihn behalten“ (d. h. den Winter über ernähren). Aus der letzten Garbe ward eine Puppe in Mannesgestalt gefertigt und bekleidet: die Mäher und Binderinnen strömen herbei, rufen jubelnd seinen Namen und knieen nieder, küssen auch wohl die Kornfigur. Vom Felde wird dann der Alte feierlich heimgetragen oder hereingefahren. Zuhause wälzen die Arbeiter die Puppe dreimal um die Scheune, setzen sie auf dem Hofe nieder, bilden einen Ring um sie, umtanzen sie dreimal, nehmen sie mit an das Erntemahl, setzen ihr Speise und Trank vor und laden sie zum Essen ein. * Die letzte Binderin eröffnet mit dem Strohmann den ersten Tanz auf der Dreschdiele. Später wird er in der Scheune oder im Herrenhause aufgehängt Der Hofherr soll ihn da wohl in acht nehmen, heißt es in der gereimten Ansprache an jenen, er werde ihn behüten Tag und Nacht.

Text aus dem Buch: Deutsche mythologie in gemeinverständlicher darstellung (1906), Author: Paul Herrmann.

Siehe auch:
Deutsche Mythologie – Seelenglaube und Naturverehrung
Deutsche Mythologie – Der Seelenglaube
Deutsche Mythologie – Die Seele als Atem, Dunst, Nebel, Schatten, Feuer, Licht und Blut
Deutsche Mythologie – Die Seele in Tiergestalt
Deutsche Mythologie – Die Seele in Menschengestalt
Deutsche Mythologie – Der Aufenthaltsort der Seelen
Deutsche Mythologie – Der Seelenkultus
Deutsche Mythologie – Zauberei und Hexerei
Deutsche Mythologie – Der Maren- oder Alpglaube
Deutsche Mythologie – Schicksalsgeister
Deutsche Mythologie – Der Mütter- und Matronenkultus
Deutsche Mythologie – Naturverehrung
Deutsche Mythologie – Naturerscheinungen in Tiergestalt
Deutsche Mythologie – Die elfischen Geister – Elfen und Wichte
Deutsche Mythologie – Die elfischen Geister – Zwerge
Deutsche Mythologie – Die elfischen Geister – Hausgeister
Deutsche Mythologie – Die elfischen Geister – Wassergeister
Deutsche Mythologie – Die elfischen Geister – Waldgeister

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