Abbildungen Weltgeschichte

Dernburg ist von der Leitung der Kolonialvervvaltung zuriickgetreten. Für diejenigen, die etwas näher mit den Verhältnissen vertraut waren, kommt dieser Rücktritt nicht gerade überraschend, er lag sozusagen in der Luft. Auch seine Freunde werden nicht verkennen, dass sich die politische Lage, soweit sie mit kolonialen Angelegenheiten in Zusammenhang steht, sich in unhaltbarer Weise zugespitzt hatte. Streit und Missstimmung auf der ganzen Linie war während des letzten Jahres seiner Amtstätigkeit die Signatur in der Kolonialpolitik und mit steigendem Unbehagen musste jeder Kolonialfreund wahrnehmen, wie derselbe Dernburg, der durch seine Energie das wirtschaftliche Leben in den Kolonien in Schwung gebracht hat, sich hartnäckig der Konsequenz seiner eigenen hervorragenden Leistungen zu verschliessen suchte. Es passte ihm nicht, dass mit der wirtschaftlichen Erstarkung der Kolonien auch die politische Energie seiner weissen Bewohner wuchs und nach Betätigung rang. Er wollte alle Fäden in der Hand behalten und nichts von einer Dezentralisation der Verwaltung wissen. Und als sie ihm zum Teil abgezwungen wurde, sträubte er sich umsomehr, von der Entscheidung über diejenigen Fragen, die ihm persönlich am Herzen lagen, auch nur ein Deut aus der Hand zu geben.

Dernburg ist eben eine Herrennatur und es ergeht ihm in gewisser Hinsicht genau so, wie unsern ersten Kolonialpionieren, die wohl Bahnbrecher waren und uns die Kolonien erwarben, aber in der Aera der ruhigeren wirtschaftlichen Entwicklung für ihre Energie kein richtiges Betätigungsfeld fanden. Auch diejenigen, die schweren Herzens im Laufe der letzten zwei Jahre seine. Gegner geworden sind, werden die unstreitig grossen Verdienste, die er sich um unsre Kolonien erworben hat, in dankbarer Erinnerung behalten.

Weiteres aus der Reihe „Kolonie und Heimat“

Read More Bernhard Dernburgs Rücktritt

Kolonie und Heimat


Es gab kein geringes Aufsehen, als im September 1906 die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung“ kurz und bündig mittcilte, dass der Direktor der Darmstädter Bank, Bernhard Dernburg, als Nachfolger des Erbprinzen Hohenlohe-Langenburg zum stellvertretenden Kolonialdirektor mit dem Titel Exzellenz ernannt worden sei. Man erwartete nichts mehr und nichts weniger von ihm, als dass er seinen in Finanz- und Handelskreisen erworbenen Spitznamen „Sanitätsrat“ wie bei der Sanierung notleidender Bank- und Industrie-Unternehmungen, so auch an den Kolonien wahr machen sollte. Und man muss ihm zugeben, dass er diese Hoffnung nicht getäuscht hat; er hat den verfahrenen Kolonialkarren überraschend schnell und mit seltener Energie aus dem Sumpf gezogen.

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