Schlagwort: Bildhauer

Geboren 1386 zu Florenz Gestorben am 13. Dezember 1466 daselbst.

n Florenz ward Donato, der von den Seinigen Donatello genannt wurde, und sich auch bei einigen seiner Arbeiten so unterschrieb, in dem Jahre 1386 geboren. Er widmete sich dem Studium der Zeichenkunst und wurde nicht nur ein trefflicher und bewundernswerter Bildhauer, sondern zeigte auch in Stukkaturarbeit viel Übung, war in der Perspektive vorzüglich und in der Baukunst sehr geschätzt; seine Arbeiten hatten zudem so schöne Zeichnung und so viel Anmut, daß man sie den trefflichen Werken der alten Griechen und Römer ähnlicher fand, als die irgend eines anderen Meisters, Mit vollem Recht wird er daher als der erste gerühmt, welcher die historische Komposition im Basrelief auf den richtigen Weg brachte; die Überlegung, Leichtigkeit und Meisterschaft, mit welcher seine Reliefs gearbeitet sind, läßt genugsam erkennen, wie er nach richtiger Einsicht dabei verfuhr, und ihnen mehr als gewöhnliche Schönheit zu geben wußte, sodaß bis auf unsere Zeiten kein Künstler ihn hierin übertroffen, ja nicht einmal erreicht hat. Donatello wurde von kleinauf im Hause von Ruberto Martelli erzogen und erwarb sich durch seinen Fleiß in der Kunst und durch seine übrigen Vorzüge die Liebe aller, welche jener edlen Familie angehörten. Er arbeitete in seiner Jugend viele Dinge, die man, weil deren viele waren, eben nicht beachtete; Ruhm und Namen aber verdiente er sich durch eine Verkündigung von Sandstein, welche in Santa Croce zu Florenz beim Altar der Kapelle der Cavalcanti aufgestellt wurde. Rings um diese brachte er ein Zierat nach groteskem Geschmack an, mit mannigfaltigem Basament, die oben im Rundbogen endigt, wo sechs Englein einige Laubgewinde tragen und sich umfassen, als ob sie, schwindelnd vor der Tiefe, einander zu halten strebten. Ganz besondere Kunst zeigte er bei der Gestalt der Jungfrau, welche, erschreckt durch das plötzliche Erscheinen des Engels, sich schüchtern, voll sittsamer Ehrfurcht und höchster Anmut zu dem wendet, der sie grüßt, sodaß man in ihrem Angesicht jene Demut und Dankbarkeit erkennt, welche sich bei einem, der unerwartet eine Gabe empfängt, um so stärker ausspricht, je größer die Gabe ist. Die Gewänder der Madonna und des Engels wußte Donato schön zu ordnen, und gab ihnen einen meisterhaften Faltenwurf, indem er sich bemühte die menschliche Gestalt hindurch erkennen zu lassen und die Schönheit der Alten wieder zu finden, welche viele Jahre verborgen gelegen hatte. Kurz, er zeigte soviel Leichtigkeit und Kunst bei diesem Werk, daß man weder von der Zeichenkunst und vom Meißel, noch von Einsicht und Übung mehr wünschen kann. In der selben Kirche arbeitete er unter dem Mittelschiff, neben dem Bilde von Taddeo Gaddi, mit ungewohnt licher Mühe ein Kruzifix von Holz, und als er es beendet hatte und ihm schien, er habe etwas Seltenes vollführt, zeigte er es dem Filippo Brunelleschi, seinem vertrauten Freund, um dessen Meinung zu hören. Filippo, der nach den Reden Donatos etwas viel Besseres erwartet hatte, als vor ihm stand, lächelte ein wenig, und Donato, der dieses sah, bat ihn bei der Freundschaft, die zwischen ihnen bestand, er sollte ihm sagen, was er davon halte? „Mir scheint,“ erwiderte Filippo freimütig, „du habest einen Bauern ans Kreuz geheftet, und nicht die Gestalt eines Christus, der zart gebaut, und der schönste Mann gewesen ist, der jemals geboren wurde.“ Donato, der auf das Lob gehofft hatte, fühlte sich innerlich verletzt, mehr noch als er selbst glaubte und antwortete: „Wenn es so leicht wäre, etwas zu machen, als es zu beurteilen, so würde mein Christus dir wohl ein Christus scheinen und nicht ein Bauer; nimm ein Stück Holz und versuche selbst einen zu formen.“ Filippo sagte kein Wort mehr, ging nach Hause und fing an, ohne daß jemand es wußte, ein Kruzifix zu arbeiten, wobei er Donato zu übertreffen suchte, damit er nicht sein eignes Urteil Lügen strafe, und führte das Werk nach vielen Monaten zu höchster Vollendung. Eines Morgens hierauf bat er Donato zum Essen zu sich, und Donato nahm seine Einladung an; als sie daher zusammen nach der Wohnung Filippos gingen, kaufte dieser einiges auf dem alten Markt und sagte, indem er es Donato gab: „Gehe mit diesen Dingen in mein Haus und warte auf mich, ich komme gleich nach.“ Donato trat in die Wohnung, die zu ebener Erde lag, und sah das Kruzifix Filippos in guter Beleuchtung, blieb stehen, um es zu betrachten und fand es so vollkommen, daß er, überwunden von Staunen und ganz außer sich, die Arme ausbreitete und die Schürze fallen ließ, wo denn alles, was drin war, Eier, Käse und andere Ware in viele Stücke zerbrach, ohne daß dies ihn hinderte zu bewundern und wie einer, der den Verstand verloren hat, stehen zu bleiben. Da trat Filippo hinzu und sagte lächelnd: „Donato, was hast du vor was wollen wir zu Mittag essen, da du alles zur Erde geworfen hast?“ — „Ich für mich,“ antwortete Donato, „habe für heute mein Teil willst du das deinige, so nimm dirs. — Doch genug, dir ist vergönnt, den Heiland darzustellen, mir aber den Bauern.“

In S. Michele in Orto zu Florenz arbeitete er für die Zunft der Schlächter die Marmorstatue S. Peters, eine sehr geistvolle und bewundernswerte Gestalt, und für die Zunft der Tischler St. Marcus, den Evangelisten, den er mit Filippo Brunelleschi unternommen hatte, nachher jedoch allein vollendete, womit Filippo einverstanden war. Diese Figur hatte Donatello mit vieler Einsicht in einer Weise ausgeführt, daß, wenn sie auf dem Boden stand, ihre Vorzüglichkeit von solchen nicht erkannt wurde, die kein Urteil in der Sache besaßen. Als deshalb die Vorsteher der Zunft sie nicht aufstellen lassen wollten, bat Donato, sie möchten zugeben, daß er sie an ihren Platz bringe, er werde noch daran herumarbeiten, und es sollte eine andere, als jene erste Figur, zum Vorschein kommen. Dies geschah, er verhüllte sie vierzehn Tage, deckte sie sodann auf, ohne irgend etwas daran getan zu haben, und sie erfüllte jeden mit Bewunderung.

Für die Zunft der Harnischmacher arbeitete er die sehr lebendige Statue des heiligen Georg im Waffenschmuck. Sein Angesicht ziert jugendliche Schönheit, Mut und Tapferkeit, und seine Stellung, die bewundemswert ist, zeigt feurige Kühnheit und einen wunderbaren Ausdruck der Bewegung trotz des Steines, aus dem er besteht, ja sicherlich ist bei neueren Marmorfiguren nicht so viel Leben und Geist gefunden worden, als Natur und Kunst durch die Hand Donatos uns hier vor Augen führten. Auf dem Fußgestell, welches das Tabernakel dieser Statue trägt, sieht man in einem Marmorbasrelief, wie St. Georg den Lindwurm tötet, wobei die Gestalt des Pferdes sehr gerühmt wird, und in dem Giebel ist in Basrelief ein Gott Vater in halber Figur. Donato verfertigte an der Fassade des Glockenturmes von Santa Maria del Fiore vier Gestalten, jede fünf Ellen hoch und stellte in den zwei mittleren Personen den Francesco Soderini, der noch jung war, und den Giovanni di Barduccio Cherichini, dessen Statue jetzt „der Kahlkopf“ genannt wird, nach dem Leben dar. Die letztere galt für das schönste und seltenste Werk, daß dieser Künstler jemals vollführte; wenn er deshalb etwas beteuern wollte, pflegte er zu sagen: „es ist so sicher, als mein Glaube an meinen Kahlkopf,“ und während er daran arbeitete, rief er oft: „Rede, daß dich! — rede doch! —“

Für die Signoria unserer Stadt führte er einen Metallguß aus, der auf dem Markte unter einem Bogen ihrer Loggia angebracht wurde; er stellt die Judith dar, welche dem Holofernes den Kopf abhaut. Es ist ein Werk von großer Trefflichkeit und Meisterschaft, denn so einfach das Gewand und das äußere Ansehen der Judith ist, so erkennt man doch in ihr den kühnen Mut jener Frau und die Kraft, welche ihr durch den Beistand des Himmels kam; im Gesicht des Holofernes dagegen zeigt sich die Wirkung von Wein und Schlaf, sowie der Tod in den Gliedern, welche die Spannkraft verloren haben, und kalt und schlaff herabhängen. Donato verfuhr bei diesem Werke so, daß der Guß zart und sehr schön ausfiel, er ward hernach mit Sorgfalt ausgeputzt und ist fürwahr bewundernswert. Das Postament, ein Baiauster von Granit, in einfacher Ordnung, hat nicht minder ein schönes, dem Auge gefälliges Ansehen, so daß Donato selbst damit zufrieden war, und was er früher nicht getan hatte, seinen Namen so darunter setzte: Donatelli opus. Im inneren Hofe des Palastes derSignoria ist von ihm, lebensgroß in Bronze gearbeitet, die nackte Gestalt eines David, welcher dem Goliath den Kopf abgehauen hat; einen Fuß setzt er auf denselben, in der Rechten hält er das Schwert, und diese Gestalt hat soviel Natur, Leben und Weichheit, daß es Künstlern scheint, als müsse sie über einen lebenden Körper geformt sein. Cosimo verehrte die Kunst und Geschicklichkeit Donatos in hohem Maße und gab ihm zu allen Zeiten Arbeit, Donato dagegen hatte eine solche Liebe zu Cosimo, daß er bei dem leisesten Wink seine Wünsche verstand und ihm stets dienstbar war. Man sagt, ein genuesischer Kaufmann habe von Donato eine Bronzebüste in Lebensgroße verfertigen lassen, welche dieser sehr schön und zugleich sehr leicht arbeitete, weil sie weit verschickt werden sollte. Der Auftrag zu dieser Arbeit war ihm durch Cosimo von Medici zugekommen; als sie aber vollendet war und der Kaufmann bezahlen wollte, schien ihm, Donatello verlange zu viel. Es wurde bestimmt, den Handel durch Cosimo schlichten zu lassen, und dieser befahl, die Büste nach dem oberen Hofe seines Palastes bringen zu lassen, wo sie zur besseren Ansicht zwischen den Zinnen aufgestellt wurde, die nach der Straße gehen. Cosimo fand, als er die Sache ausgleichen wollte, das Gebot des Kaufmanns sei von der Forderung Donatos noch sehr fern und sagte deshalb, dies sei zu wenig. Der Kaufmann, dem es zu viel schien, antwortete, Donato habe nicht viel länger, als einen Monat daran gearbeitet und gewinne den Tag mehr, als einen halben Gulden; da wandte sich Donato beleidigt und voll Zorn an den Kaufmann und sprach: „Im hundertsten Teil einer Stunde hast du vermocht, den Fleiß und die Mühe eines ganzen Jahres zunichte zu machen!“ Und damit gab er dem Kopf einen Stoß, daß er auf die Straße stürzte und in viele Stücke zersprang: „man sieht wohl, setzte er hinzu, daß du verstehst um welsche Bohnen zu handeln, nicht aber um Statuen.“ Jenem tat es leid, und er wollte das Doppelte zahlen, wenn er das Werk nur von neuem ausführen möchte; Donato aber ließ sich weder durch seine, noch durch Cosimos Bitten bewegen, dieses zu tun.

Die Signoria von Venedig, welche Donato hatte rühmen hören, sandte nach ihm, damit er in der Stadt Padua das Denkmal von Gattamelata verfertigte; er ging sehr gern dahin und arbeitete den Reiter von Bronze, der auf dem Platz von S. Antonio steht, wobei er das Schnauben und Brausen des Pferdes und den Mut und die lebendige Kraft des Reiters mit vieler Natur darstellte. Bewundemswert zeigte Donato sich bei der Größe des Gusses in Maß und Richtigkeit aller Verhältnisse, deshalb läßt sein Werk sich in Bewegung, Zeichnung, Kunst, Übereinstimmung und Fleiß mit dem jedes antiken Künstlers vergleichen, und nicht nur wurde es damals mit Verwunderung betrachtet, sondern es versetzt noch heute jedermann in Staunen. — Die Paduaner, welche ihn durch die freundlichsten Liebkosungen festzuhalten strebten und auf alle Weise zu erlangen suchten, daß er ihr Mitbürger werde, übertrugen ihm, an der Staffel des Hauptaltares in der Kirche der Frati Minori das Leben des heil. Antonius von Padua darzustellen, lauter Basreliefs, welche Donato mit so vieler Einsicht vollendete, daß die trefflichen Meister der Kunst sich sehr verwundern, wenn sie die herrlichen mannigfaltigen Zusammenstellungen, die Menge seltsamer Figuren und die fliehende Perspektive betrachten.

Als er nach Toskana zurückkam, verfertigte er in der Dechanei von Monte Pulciano ein Marmorgrabmal mit einer schönen Darstellung. In Florenz, in der Sakristei von S. Lorenzo, ist von ihm ein Handbecken aus Marmor, an welchem auch Andrea Verrocchio arbeitete; und im Hause von Lorenzo della Stufa finden sich Köpfe und Figuren von Donato, die viel Natur und Leben haben. Von Florenz begab er sich nach Rom, damit er die Werke der Alten so viel nachahme, wie nur möglich, und arbeitete in der Zeit, wo er sie studierte, ein steinernes Tabernakel für das Sakrament, welches sich heutigen Tages in S. Peter befindet. Auf seinem Rückwege nach Florenz kam er durch Siena und unternahm es, eine Bronzetür zu der Taufkapelle von S. Giovanni zu verfertigen. Schon hatte er das Holzmodell gearbeitet, die Wachsformen fast vollendet und sie schon mit dem Mantel umgeben, damit er den Guß vornehmen könne, als der florentinische Goldschmied, Bemadetto di Mona Papera, der sein vertrauter Freund war, auf der Rückreise von Rom nach Siena kam, um entweder um seiner selbst, oder um anderer Ursache willen, es durch Wort und Reden dahin zu bringen wußte, daß Donato mit ihm nach Florenz ging. Hierdurch blieb dieses Werk unbeendet, oder vielmehr unbegonnen, und es ist in jener Stadt von seiner Hand nur die Bronzestatue St. Johannes des Täufers an der Domverwaltung, welcher der rechte Arm vom Ellbogen an fehlt; dieses tatDonato, wie man sagt, weil er nicht völlig bezahlt wurde.

Man erzählt, daß Simone, Bruder Donatos, nachdem er das Modell zum Grabmal von Papst Martin V. ausgeführt hatte, nach Donato geschickt habe, damit er es vor dem Gusse sehe. Donato ging deshalb nach Rom, wohin er zu der Zeit gerade gelangte, als Kaiser Sigismund von Papst Eugen IV. die Krone empfing und sah sich dadurch genötigt, im Vereine mit Simone die Vorbereitungen zu jenem Feste zu leiten, bei welchem er sich Ruhm und viele Ehre erwarb. In der Garderobe von Guidobaldo, Herzog von Urbino, ist von der Hand dieses Meisters ein sehr schöner Marmorkopf, von dem man glaubt, daß er den Vorfahren des Herzogs vom großmütigen Julian von Medici geschenkt worden sei, als er sich an jenem Hofe auf hielt, woselbst eine Menge ruhmwürdiger Männer lebten.

Donato war in allen Dingen so vorzüglich, daß man sagen kann, er sei durch Übung, Urteil und Wissen der erste gewesen, welcher die Bildhauerkunst und gute Zeichenmethode der Neueren zu Ehren gebracht, und er verdient um so größeren Ruhm, als zu seiner Zeit die Altertümer, Säulen, Pfeiler, Triumphbögen noch nicht aufgefunden waren, welche wirnunmehrkennen; ja er ist hauptsächlich Veranlassung gewesen, daß in Cosimo von Medici das Verlangen erwachte, die Werke der Alten nach Florenz zu bringen, welche im Hause der Medici noch jetzt aufbewahrt werden und alle von Donato restauriert sind. Er war freigebig, liebevoll und freundlich und mehr für seine Freunde, als für sich bedacht; niemals nahm er seines Geldes wahr, hatte es in einem Korb liegen, der mit einem Strick an der Decke befestigt war, und seine Gehilfen und Freunde nahmen dort, was sie brauchten, ohne ihm etwas davon zu sagen. Er verlebte ein fröhliches Alter, und als er anfing schwächer zu werden und nicht mehr arbeiten konnte, ward er von Cosimo, wie von anderen seiner Freunde unterstützt.

Man sagt, Cosimo habe, als erstarb, seinem Sohn Piero befohlen, Sorge für Donato zu tragen, und dieser gab ihm als treuer Vollzieher der Gebote seines Vaters zu Cafaggiuolo ein Gut von solchem Einkommen, daß er bequem davon leben konnte. Donato hatte hierüber große Freude, denn ihm schien, er sei dadurch mehr als gesichert, nicht vor Hunger zu sterben: kaum aber besaß er es ein Jahr, als er zu Piero zurückkehrte, und auf das Gut förmlich und gerichtlich Verzicht leistete; er versicherte, daß er nicht seiner Ruhe verlustig gehen wollte, um sich mit den häuslichen Sorgen und der Last seines Pächters zu beschäftigen, der ihn alle drei Tage überlaufe, jetzt, weil der Wind ihm den Taubenschlag aufgedeckt habe, dann, weil ihm als Abgabe für die Gemeinde das Vieh weggenommen worden, und dann wegen des Sturmes, welcher Wein und Früchte abgerissen hätte; alle diese Dinge seien ihm so überdrüssig und überlästig, daß er lieber vor Hunger sterben, als sich um so vieles bekümmern wollte. Piero lächelte über die schlichte Einfalt Donatos, er nahm, um ihn von dieser Plage zu erlösen, auf sein dringendes Bitten das Gut zurück und wies auf seiner Bank ein Gehalt an, durch welches er soviel, oder mehr noch in barer Münze erhielt. Hiervon ließ er ihm jede Woche den Anteil auszahlen, der ihm zukam, und Donato, mit dieser Anordnung sehr zufrieden, verlebte als Diener und Freund der Medici froh und sorglos den Überrest seiner Tage. Endlich im dreiundachtzigsten Jahre wurde er sehr gichtbrüchig, daß er gar nichts mehr arbeiten konnte, und lag beständig zu Bett in einem kleinen Haus in der Via del Cocomero, nahe bei den Nonnen von St. Niccolo, welches ihm zugehörte. Von Tag zu Tag wurde es schlimmer mit ihm, und er nahm allmählich an Kräften ab, bis er endlich am 13. Dezember 1466 starb. Seinem Verlangen gemäß, wurde er in der Kirche vonS.Lorenzo, nahe bei Cosimo begraben, damit der Körper nach dem Tode dem nahe sei, bei welchem der Geist im Leben stets verweilt hatte.

Der Tod Donatos tat seinen Mitbürgern und Kunstgenossen, wie allen, die ihn gekannt hatten, sehr leid, und es wurde, ihn im Tode mehr zu ehren, als im Leben geschehen war, ein feierliches Leichengepränge in jener Kirche gehalten, wobei alle Maler, Baumeister und Bildhauer, Goldarbeiter, ja, fast alle Bewohner der Stadt der Leiche folgten.

Donato hinterließ der Welt eine solche Menge von Werken, daß man wohl behaupten kann, kein Künstler habe mehr gearbeitet, wie er; an allen Dingen fand er Vergnügen und legte Hand an, ohne zu beachten, ob sie von hohem oder niederem Werte seien; fürwahr aber tat der Bildhauerkunst auch not, daß Donato so vieles vollführte, und sich in jeder Art des Reliefs mit runden, halb erhobenen und ganz flachen Figuren übte, denn gleichwie zur Zeit der alten Griechen und Römer viele zur Vollendung dieser Kunstart beitrugen, so hat er allein durch dieMenge seiner Arbeiten sie zu der Vollkommenheit unseres Jahrhunderts gebracht. Künstler müssen deshalb die Herrlichkeit der Bildhauerei mehr ihm, als irgendeinem der neueren Meister zuerkennen; nicht nur hat er ihre Schwierigkeiten erleichtert, sondern auch bei seinen unzähligen Arbeiten Erfindung, Zeichnung, Übung, Urteil und aller zu vereinen gewußt, was man von einem gottbegabten Geist jemals erwarten darf.

Donato war sehr entschlossen und rasch, führte, was erarbeitete, mit Leichtigkeit zu Ende und tatimmer mehr, als er versprochen hatte.

Aus dem Buch: Lebensbeschreibungen der ausgezeichnetsten Maler, Bildhauer und Architekten der Renaissance (1910), Author:Jaffé, Ernst.

Siehe auch:
Giovanni Cimabue
Niccolo und Giovanni aus Pisa
Giotto
Buonamico Buffalmacco
Jacopo della Quercia
Luca della Robbia
Lorenzo Ghiberti
Masaccio
Filippo Brunelleschi

Donatello

Geboren 1377 zu Florenz Gestorben 1446 daselbst.

s gibt viele Leute, welchen die Natur eine kleine Gestalt und kleine Gesichtszüge, aber einen großen Geist verliehen hat, und ein so starkes Herz, daß wenn sie nicht schwierige,fast unmögliche Dinge beginnen, und zur Bewunderung anderer vollenden, ihre Seele keine Ruhe hat; ja vieles, was der Zufall in ihre Hände spielt, wie gering und unbedeutend es auch sein mag, wird durch sie groß und preisenswert. Deshalb sollte man nie ein schief Gesicht ziehen, wenn man jemandem begegnet, dessen Gesicht nicht mit jener Schönheit und Anmut geziert ist, welche die Natur denen bei der Geburt verliehen, welche irgend etwas Herrliches üben; denn es leidet keinen Zweifel, daß unter Erdschollen die Goldadern verborgen liegen. Oft besitzt, wer unansehnlich gestaltet ist, so viele Kühnheit und ein so offenes Gemüt, daß wenn edler Sinn sich hiermit verbindet, von solchen Menschen nur Wunderbares zu erwarten steht, indem sie sich anstrengen, den haßlichen Körper durch das Vermögen des Verstandes zu verschönen. Dies erkennt man sehr augenscheinlich bei Filippo di Ser Brunellesco, der ein nicht minder uns scheinbares Äußere hatte, wie Herr Forese da Rabatta und Giotto, dagegen aber solch einen hohen Geist besaß, daß man in Wahrheit sagen kann, er sei uns vom Himmel geschenkt worden, der Baukunst eine neue Form zu geben, die schon seit Jahrhunderten erloschen war. Denn zu jener Zeit wurden von den Menschen viele Reichtümer schlecht verwendet, und Bauten ohne Regel nach schlechter Manier und armseliger Zeichnung, mit seltsamen Erfindungen, mit gesuchter Zierlichkeit und noch schlechteren Verzierungen errichtet; da gefiel es Gott, daß, nachdem die Erde viele Jahre keinen herrlichen und göttlichen Geist besessen hatte, Filippo der Welt das großartigste und schönste von allen Gebäuden hinterließ, welche zur Zeit der Neuern und auch der Alten aufgeführt worden sind, und dadurch zeigte, wie Geschick und Einsicht bei den toskanischen Künstlern zwar eine Zeitlang verschwunden, aber nicht ausgestorben war. Ihn schmücken außer seinem Talent noch herrliche Tugenden, darunter vornehmlich die der Freundschaft, denn nie ist ein Mensch mehr als er gütig und liebevoll gewesen. In seinem Urteil war er frei von Leidenschaft, und wo er die Vorzüge anderer anerkannte, opferte er ihnen seinen Vorteil und den Gewinn seiner Freude auf. Er kannte sich selbst, lehrte vielen seine Weise in der Kunst, und stand in jeder Not seinem Nächsten bei, erklärte sich für einen Erzfeid der Laster, und für einen Freund derer, welche Tugend üben, ließ seine Zeit nie müßig verstreichen, sondern mühte sich immer, seine oder fremde Arbeiten zu fördern und den Bedürfnissen anderer abzuhelfen, suchte seine Freunde auf und war ihnen immerdar hilfreich.

Zu Florenz lebte, wie man erzählt, ein Mann von sehr gutem Rufe, rühmenswerten Sitten und tätig in seinen Geschäften, welcher Ser Brunellesco di Lippo Lapi hieß. Der Großvater dieses Mannes, Cambio genannt, war sehr gelehrt und der Sohn eines zu damaliger Zeit berühmten Arztes gewesen, der Maestro Ventura Bacherini genannt ward. Ser Brunellesco erwählte sich zur Frau ein Mädchen von sehr guten Sitten, die aus der edlen Familie der Spini stammte; er erhielt als Heiratsgut ein Haus, in welchem er und seine Kinder bis zu ihrem Tode wohnten, und dies Haus ist in einem Winkel gelegen, der Seitenwand von S. Michele Berteldi gegenüber, wenn man über den Platz der Agli weg ist. Während Brunellesco mit Fleiß seine Berufsgeschäfte übte und vergnügt lebte, ward im Jahre 1377 ihm ein Sohn geboren, dem er den Namen Filippo gab, zum Andenken an seinen Vater, der schon tot war, und er feierte diese Geburt so fröhlich er nur konnte. Als der Knabe heranwuchs, unterrichtete er ihn mit allem Fleiß in den ersten Anfängen der Wissenschaften, wobeiFilippo so viel Einsicht und seltenen Verstand kundgab, daß es oft in Verwunderung setzte, warum er nicht trachtete, darin ganz vollkommen zu werden, sondern vielmehr seine Gedanken auf Dinge von höherem Nutzen zu richten schien. Ser Brunellesco, welcher wünschte, er hätte gleich ihm den Beruf eines Notarius, oder den seines Ältervaters gewählt, war hierüber sehr mißvergnügt; weil er indessen sah, daß jener stets den sinnreichen Gegenständen der Kunst und Mechanik nachjagte, ließ er ihn rechnen und schreiben lernen, und übergab ihn sodann der Goldschmiedezunft, damit er von einem seiner Freunde im Zeichnen unterrichtet werde. Dies geschah zu großer Befriedigung Filippos, der wenig Jahre, nach dem er angefangen hatte, in jener Kunst zu arbeiten, schon besser wie viele alte Meister edle Steine zu fassen verstand. Er führte Niello- und Grosseriearbeiten aus, darunter zwei sehr schöne Propheten aus Silber in halber Figur für den Altar S.Jacopo zuPistoja im Auftrag der dortigen Kirchenvorsteher, auch einige halberhobene Arbeiten, bei denen erzeigte, wie er jene Kunst so wohl verstehe, daß sein Geist ihre Grenzen überschreiten müsse. Als er daher einige gelehrte Leute kennen gelernt hatte, beschäftigte sich seine Phantasie mit dem Maß der Zeit, und mit der Bewegung der Räder und Gewichte; er sann nach, wie man es zu machen habe, daß sie sich drehen, und verfertigte einige sehr gute und schöne Uhren. Doch auch dies stellte ihn nicht zufrieden, und es erwachte in seinem Sinn ein großes Verlangen nach der Bildhauerkunst, wodurch geschah, daß er mit Donatello in nahe Freundschaft trat, der jung noch, in dieser Kunst aber schon sehr vorzüglich war und zu vielen Erwartungen berechtigte. Beide Künstler faßten wegen der Vorzüge, die ein jeder besaß, solche große Liebe zueinander, daß es schien, als könne keiner ohne den andern leben. Filippo aber, der viele Dinge zu ergreifen vermochte, beschäftigte sich immer mit mehrerlei Gewerben, und es dauerte gar nicht lange, so galt er auch bei einsichtigen Menschen für einen guten Baus meister. Dies bewies er bei vielen Gelegenheiten, wo man Gebäude zu verschönern suchte; unter andern beim Hause von Apollonio Lapi, seinem Verwandten, auf der Seite der Ciai gegen den alten Markt zu, indem er sich sehr mühte, bei diesem Bau allerlei Hilfe zu leisten. Das selbe tat er bei dem Turme und Hause von Petraja a Castello außerhalb Florenz. Im Palast der Signoria ordnete und verteilte er alle Zimmer, wo die Beamten des Leihhauses ihre Dienste taten, und brachte dort Türen und Fenster nach antiker Art an, was damals nicht sehr gewöhnlich war, weil die Baukunst in Toskana noch roh ausgeübt wurde. Zu Florenz sollte nunmehr für die Mönche von Santo Spirito eine Statue der büßenden Maria Magdalena von Lindenholz gearbeitet werden, um sie nach einer der Klosterkapellen zu bringen, und Filippo, der viele kleine Bildhauerwerke verfertigt hatte, übernahm diesen Auftrag, voll Verlangen,[zu zeigen, daß er auch große Statuen wohl auszuführen vermöge. Dies Werk galt, vollendet und aufgestellt, für eine schöne Sache, wurde jedoch im Jahre 1471 beim Brand von Santo Spirito gleich andern bemerkenswerten Dingen vom Feuer verzehrt.

Filippo beschäftigte sich viel mit Perspektive, worin man damals gar keine Übung hatte, und eine Menge Dinge falsch ausführte. Auf dies Studium verwendete er einen großen Teil seiner Zeit, bis er eine vollkommen richtige Methode fand, nämlich die von Grundriß und Profil ausgeht und sich durchschneidender Linien bedient, eine fürwahr sinnreiche und der Zeichenkunst sehr nützliche Sache, an welcher Filippo ein solches Vergnügen fand, daß er den Platz von S. Giovanni mit allen den Abteilungen der schwarzen und weißen Marmorfelder an der Kirche in eine Zeichnung brachte, worin die entfernten Teile sich auf eine sehr zierliche Weise verkürzten. In der selben Weise stellte er das Gebäude der Misericordia samt den Buden der Hippem bäcker und dem Gewölbe der Pecori dar, und auf der anderen Seite die Säule des heiligen Zenobius; von Künstlern und von allen, welche in der Kunst ein Urteil hatten, sehr gelobt, gab diese Arbeit ihm Mut, bald nachher eine Ansicht vom Palast, dem Markt, der Loge der Signoren und dem Dach der Pisani, samt allem, was man dort umher gebaut sieht, aufzunehmen, und diese Zeichnungen erweckten den Geist anderer Künstler, welche sich sofort mit großem Studium hierauf wandten. Vornehmlich lehrte er diese Kunst dem Maler Masaccio, seinem Freunde, welcher damals noch sehr jung war und ihm viele Ehre machte durch das, was er darin leistete, wie die Gebäude in seinen Gemälden bezeugen. Ebenso ließ Filippo nicht nach, diejenigen besser zu unterrichten, welche sich mit eingelegten Arbeiten beschäftigten, d. h. der Kunst, buntes Holz zusammenzusetzen; er trieb sie dermaßen an, daß er eine gute Methode und viel Nützliches herbeiführte, wodurch in dieser Art von Arbeit damals sowohl als später eine Menge schöner Dinge ausgeführt worden sind, welche Florenz lange Jahre Ruhm und Vorteil gebracht haben. Nach jener Stadt kehrte damals Herr Paolo dal Pozzo Toscanelli zurück, und als dieser eines Abends mit mehreren Freunden in einem Garten saß, lud er auch Filippo zu sich ein, der ihn dort viel Mathematik reden hörte; beide wurden bald bekannt und vertraut, und Filippo ließ sich von Toscanelli in der Geometrie unterrichten, wobei er, obschon nicht in den Wissenschaften bewandert, doch durch Praxis und Erfahrung in allen Dingen so gute Beweise zu führen wußte, daß er jenen oft in Verwirrung brachte. So mühte sich auch Filippo, der nicht rasten konnte und immer weiter schritt, um Auslegung der heiligen Schrift, und ließ nicht ab, den Streitigkeiten und Predigten gelehrter Leute beizuwohnen. Flierbei hatte er durch sein vortreffliches Gedächtnis großen Gewinn, und der obengenannte Herr Paolo pflegte rühmend von ihm zu sagen, wenn er Filippo disputieren höre, scheine er ihm ein zweiter Paulus. Zu derselben Zeit wandte er auch viel Studium auf die Werke Dantes, die er in bezug auf die Schilderungen der Örtlichkeiten und ihrer Entfernungen sehr wohl verstand und oft im Gespräch anbrachte, indem er sich ihrer Gleichnisweise bediente.

Im Jahre 1401 beschlossen Donato und Filippo auf ein paar Jahre nach Rom zu gehen; Filippo, um sich in der Baukunst, Donato, um sich in der Bildhauerkunst zu üben, was Filippo tat, damit er Lorenzo und Donato um so vielmehr übertreffe, als die Baukunst den Menschen mehr Nutzen bringt, wie die Bildhauerkunst und die Malerei.

Er verkaufte sein Gütchen in Settignano, welches ihm zugehörte, verließ zugleich mit Donato Florenz und begab sich nach Rom, woselbst er im Anschauen der mächtigen Gebäude und derVollkommenheit der Tempel oft also versunken war, daß er außer sich zu sein schien. Er ließ die Gesimse messen und nahm die Grundrisse der Gebäude auf, und er sowohl als Donato waren um ermüdlich und scheuten weder Zeit noch Kosten. Keinen Ort in Rom und außerhalb in der Campagna ließen sie unbesehen, nichts ungemessen, was gut war und wozu sie gelangen konnten, und Filippo, der keine häuslichen Sorgenhatte, ergab sich ganz dem Studium und kümmerte sich nicht um Essen und Schlafen, sondern richtete sein Augenmerk einzig auf die Baukunst, in welcher die gute alte Manier erloschen war, nicht aber die barbarische deutsche, welche zu seinerzeit sehr geübt wurde. Zwei große Gedanken waren es, die er verfolgte, der eine, die gute Baumethode wieder ans Licht zu bringen, indem er hoffte, wenn dies ihm gelinge, ein nicht minder rührm liches Gedächtnis von sich zu hinterlassen, wie Cimabue und Giotto, der zweite, ein Mittel zu finden, wie er die Kuppel von Santa Maria del Fiore wölben könne, wobei dieSchwierigkeiten so groß waren,daß nach demTode von Arnolfo Lapi kein Baumeister Mut genug besessen hatte, sie anders als mit einem großen Gerüste von Holzwerk aufbauen zu wollen. Diesen Gedanken teilte er weder Donato noch sonst einer Seele mit, ließ aber nicht nach, alle Schwierigkeiten zu erwägen, unter denen die Rotonda in Rom gewölbt worden war; er hatte alle Wölbungen des Altertums betrachtet und gezeichnet und wandte hierauf dauerndes Studium. Wenn daher die beiden Künstler zufällig in der Erde verschüttete Überreste von Kapitellen fanden, Säulen, Gesimse und Postamente von Gebäuden, so ließen sie nachgraben, um das Fundament zu finden, und gingen sie auf solchen Wanderungen nachlässig gekleidet, durch die Straßen Roms, so wurden sie die Schatzgräber genannt; die Leute glaubten, sie trieben die Punktierkunst und wollten verborgene Reichtümer suchen, woran vornehmlich schuld war, daß sie eines Tages einen antiken irdenen Krug mit Münzen gefunden hatten. Filippo mangelte das Geld, deswegen schaffte er sich Hilfe, indem er für Goldarbeiter, die seine Freunde waren, Edelsteine faßte, eine Sache, die im Preise stand; und als Donato nach Florenz zurückkehrte, blieb er allein in Rom, woselbst er mit noch größerem Studium als früher den Überresten der alten Bauten nachforschte und sich unausgesetzt übte; ja er hatte nicht Ruhe, bis er alle Arten von Gebäuden gezeichnet hatte, runde, viereckige, achteckige Tempel, Basiliken, Wasserleitungen, Bäder, Bogen, Kolosseen, Amphitheater und alle verschiedenen Tempel von Backsteinen, bei denen er herausbrachte, wie sie verbunden und verkettet, und zugleich, wie sie in den Wölbungen gelegt sind; er zeichnete alle Arten von Schnitten, Verkeilungen und Verzahnungen, und weil er bei allen runden Steinen auf der untern Seite ein Loch gewahrte, so fand er, daß dies zum Behufe des Eisens sei, womit die Steine aufgezogen werden, und welches wir die Steinzange nennen, erneute diese Erfindung und führte ihren Gebrauch wieder ein. Er war es, welcher dorische, korinthische und ionische Bauart sonderte, und dies Studium so eifrig trieb, daß sein Geist ihn fähig machte, Rom vor sich zu sehen, wie es vor seiner Zerstörung gestanden hatte. Im Jahr 1407 ward Filippo durch die Luft in dieser Stadt ein wenig unwohl, und als seine Freunde ihm rieten, den Ort zu verändern, begab er sich nach Florenz, woselbst in seiner Abwesenheit viele Bauwerke gelitten hatten, für die er bei seiner Zurückkunft eine Menge Zeichnungen machte und mancherlei Rat gab. In dem selbenjahr wurde zu Florenz eine große Menge Baumeister und Sachkundige von den Werkmeistern von Santa Maria del Fiore und der Zunft der Wollarbeiter einberufen, um zu überlegen, wie man die Kuppel der Kirche zu wölben habe. Unter diesen war Filippo, und er erteilte den Rat, man müsse den Bau über das Dach hinausführen, nicht nach der Zeichnung Amolfos gehen, sondern einen Fries von fünfzehn Ellen Höhe errichten und in der Mitte jeder Wand ein großes Fenster anbringen, weil dadurch nicht nur das Gewicht von den Pfeilern der Tribüne genommen werden würde, sondern auch die Kuppel sich leichter wölben müsse; er arbeitete hierzu Modelle, und schickte sich an, sie auszuführen.

Einige Monate nachher stand Filippo mit Donato und andern Künstlern auf dem Platze von Santa Maria del Fiore, und sie redeten von den Bildhauerwerken des Altertums; da erzählte Donato, bei seiner Rückkehr von Rom sei er über Orvieto gegangen, um daselbst die Marmorverzierung der berühmten Fassade des Domes zu sehen, welche von verschiedenen Meistern gearbeitet und für damalige Zeiten sehr merkwürdig sei; auf dem Wege durch Cortona habe er sodann in der Dechanei daselbst ein wunderschönes antikes Mamorbecken mit Bildwerken gefunden, eine damals seltene Sache, weil noch nicht jene große Menge von Dingen ausgegraben war, wie in unsern Tagen. Donato fuhr fort zu schildern, in welcher Weise der Künstler dies Werk vollführt habe, welche Feinheit, Vollkommenheit, und Meisterschaft man darin erkenne, und erweckte in Filippo ein so mächtiges Verlangen, es zu sehen, daß er, wie er war, im Mantel mit der Kapuze und den Holzschuhen von ihnen fort und zu Fuß nach Cortona ging, von mächtiger Liebe zur Kunst getrieben. Als er das Becken sah, und es ihm wohlgefiel, zeichnete er es mit der Feder nach, und ging damit nach Florenz zurück, ohne daß Donato oder sonst jemand gewahr worden wäre, daß er fortgewesen; sie glaubten, er zeichne etwas, oder sinne irgendeiner Sache nach.

In Florenz angelangt, wies er die Zeichnung des Beckens vor, die er mit Fleiß gefertigt hatte, und Donato verwunderte sich sehr über seine große Liebe zur Kunst. Filippo aber blieb viele Monate in Florenz und arbeitete insgeheim Modelle und Maschinen, alle für den Bau der Kuppel. Dabei trieb er mit den Künstlern Scherz, denn in jener Zeit war es, wo er den Spaß mit dem Dicken und Matteo ausgehen ließ.

Oftmals auch half er zu seinem Vergnügen Lorenzo Ghiberti beim Ausputzen der Bronzetüre und brachte so seine Zeit hin, als er eines Tages hörte, es sei die Rede davon, Kriegsbaumeister kommen zu lassen, welche die Kuppel ausführen sollten, und dies erweckte in ihm den Einfall, nach Rom zurückzugehen; er glaubte, man werde ihn mit besserer Meinung von anderem Ort berufen, als wenn er in Florenz bleibe. Während er demnach in Rom verweilte und jenes Werk in Überlegung kam, gedachte man seines durchdringenden Verstandes, der ihn bei den Beratungen eine Sicherheit und einen Mut zeigen ließ, wie in den andern Meistern nicht zu finden war; denn diese traten erschreckt mit den Maurern zusammen und hatten alle Kraft verloren, in der Überzeugung, sie würden kein Mittel finden, die Kuppel zu wölben, noch ein Holz zum Gerüste, welches stark genug wäre, das Sparrwerk und die Last eines so mächtigen Baues zu tragen. Um daher ein Ende der Sache zu sehen, beschloß man, daß nach Rom an Filippo geschrieben und er gebeten werden sollte, sich nach Florenz zu begeben. Filippo, der kein ander Verlangen trug, kam sehr freudig, und es versammelten sich bei seiner Ankunft sogleich die Werkmeister von Santa Maria del Fiore samt den Konsuln von der Zunft der Wollarbeiter, um alle Schwierigkeiten, von der größten bis zur geringsten, ihm mitzuteilen, welche die Meister, die in der Versammlung gegenwärtig waren, bei dieser Sache vorbrachten. Filippo erwiderte hierauf: „Meine Herren Werkmeister, es leidet keinen Zweifel, daß die Vollführung großer Unternehmungen immer Schwierigkeiten hat, und war dies jemals bei einer, so ist es, mehr vielleicht als ihr denkt, hier bei der euren der Fall; denn ich weiß nicht, daß selbst die Alten jemals ein so ungeheures Gewölbe aufgeführt‘ hätten, wie dieses hier werden wird; ich, der oft daran dachte, welche Gerüste man innen und außen anbringen könnte, und wie man es machen müsse, um sicher daran zu arbeiten, habe nie einen Entschluß fassen können, und es schreckt mich nicht minder die Breite als die Höhe des Gebäudes. Könnte die Kuppel rund gewölbt werden, so möchte man sie errichten, wie die Römer das Pantheon, die Rotonda zu Rom erbauten, doch hier muß man den acht Wänden folgen und Ketten und Verzahnungen von Steinen anbringen, was eine sehr schwierige Sache sein wird. Nur wenn ich daran denke, daß diese Kirche Gott und der Jungfrau geweiht ist, so vertraue ich, daß bei einem Werke zu ihrer Ehre, sie nicht unterlassen wird, das Wissen zu erweitern, wo es fehlt, und Geist, Kraft und Kenntnisse dessen zu stärken, welcher eine solche Sache unternimmt. Was jedoch kann ich euch hierbei helfen, da es nicht mein Werk ist? Käm’ es mir zu, so würde ich sicherlich Mut genug besitzen, um Mittel zu finden, daß man jene Kuppel ohne solche Schwierigkeiten wölben könnte. Noch habe ich mir nichts überlegt, und ihr wollt, ich soll sagen, wie man es machen müsse? —Wenn ihr, meine Herren, beschließt, daß dieser Bau vollführt werden soll, werdet ihr nicht nur genötigt sein, mich zu prüfen, der ich nicht glaube, bei solchem großen Werk genügend raten zu können, sondern auch Geld anwenden müssen, und bestimmen, daß in Jahresfrist an einem festgesetzten Tag außer den toskanischen und italienischen Baumeistern auch welche aus Deutschland, Frankreich und von anderen Nationen in Florenz Zusammenkommen; ihr werdet ihnen dieses Werk vorlegen müssen, damit nach Beratung und Beschluß so vieler Meister die Arbeit dem gegeben werde, welcher bei der Probe am richtigsten zu Werke gehen, oder die beste Beurteilung und Einsicht zeigen wird, solchen Bau zu errichten. Einen andern und bessern Rat weiß ich nicht zu geben.“

Dieser Vorschlag gefiel den Konsuln und Obermeistern, nur wäre ihnen lieb gewesen, Filippo hätte unterdes schon ein Modell gearbeitet und darüber nachgedacht. Er aber schien dies nicht zu achten, sondern beurlaubte sich, indem er sagte: man treibe ihn in Briefen sehr, nach Rom zu kommen. Die Konsuln, welche sahen, daß weder ihre noch der Werkmeister Bitten Filippo zu halten vermochten, ließen ihn durch viele seiner Freunde hierzu auffordern, und als auch diese ihn nicht bewegen konnten, ward ihm am Morgen des sechsundzwanzigsten Mai’s im Jahre 1417 von den Werkmeistern ein Geschenk gemacht, welches sich, als Filippo gezahlt, in den Büchern der Domverwaltung eingerechnet findet. Dies alles geschah, um ihn der Sache geneigt zu machen ; Filippo jedoch blieb bei seinem Vorsatz, verließ Florenz und kehrte nach Rom zurück, wo er ohne Unterlaß für dies Werk Studien machte, und sich vorbereitete, es zu vollenden, überzeugt, wie er es war, daß kein anderer als er es vermöchte. Den Rat, noch mehr Baumeister kommen zu lassen, hatte er nur gegeben, damit sie die Größe seines Geistes bewundern möchten, nicht aber, weil er glaubte, sie würden Auftrag erhalten, diese Kuppel zu wölben und ein Geschäft zu übernehmen, welches allzu schwierig war. Es verstrich viel Zeit, bevor aus verschiedenen Gegenden die Künstler kamen, die man von weither durch florentinische Kaufleute hatte be? rufen lassen, welche in Frankreich, Deutschland, England und Spanien wohnten und Anweisung hatten, kein Geld zu sparen, um von den Fürsten jener Länder die erfahrensten und besten Meister zu erhalten und diese zu schicken. Im Jahre 1420 endlich waren alle fremden und toskanischen Künstler und alle sinnreichen Meister der Zeichenkunst von Florenz in dieser Stadt versammelt, und auch Filippo kehrte von Rom dahin zurück. Im Flause der Domvorsteher kamen sie zusammen im Beisein der Konsuln, der Vorsteher und einer Auswahl der einsichtigsten Bürger, damit man die Meinung eines jeden vernehmen, und beschließen könne, wiejeneKuppel gewölbt werden solle.

Dort rief man einen nach dem andern vor und vernahm von einem jeden, was er über die Führung des Baues ersonnen hätte, wobei es eine vorzügliche Sache war, die seltsamen und verschiedenenAnsichten zu vernehmen, denn einer meinte, man müsse, um die Last zu stützen, Pfeiler vom Boden auf mauern, darauf die Bogen wölben und die Sturmdächer aufstellen. Andere sagten, es werde gut sein, mit Schwammstein zu bauen, um daß durch die Last zu vermindern; viele kamen überein, in der Mitte einen Pfeiler zu errichten und die Kuppel ähnlich der von S. Giovanni zu Florenz gleich einem Zeltdach zu bauen, und endlich fehlte es nicht an einem, welcher meinte, man solle sie mit Erde ausfüllen und Pfennige darunter mischen, wenn sie aber gewölbt sei, Erlaubnis geben, daß von dort Erdreich holen könne, wer nur wolle, wodurch in kurzem das Volk ohne Kosten jenen Schutt wegbringen werde. Filippo allein sagte, man könne sie ohne solch eine Menge Holzwerk, ohne Pfeiler und Erdreich, mit weit weniger Aufwand als Bogen fordern würden, und sehr leicht ohne Gerüste aufführen.

Die Konsuln, Werkmeister und Bürger, welche glaubten, sie würden einen schönen Plan vernehmen, hielten dafür, Filippo habe etwas Einfältiges gesagt, und machten sich darüber lustig, verspotteten ihn, wandten sich von ihm ab, und sagten, er solle von etwas andern reden, dies sei der Rat eines Toren, wie er selbst wäre. Beleidigt durch solches Benehmen, antwortete Filippo: „Meine Herren, überlegt, daß nicht möglich ist, sie in anderer als in dieser Weise zu wölben, und ob ihr mich auch verlacht, werdet ihr dennoch, wenn ihr nicht hartnäckig sein wollt, es anerkennen müssen, daß sie nur so und nicht anders ausgeführt werden darf und kann. Soll sie aufgeführt werden, wie ich es meine, so muß sie in weiten Spitzbogen laufen und muß doppelt werden, die eine Wölbung innen, die andere außen, so daß man zwischen beiden gehen kann. Auf den Ecken der acht Wände muß der Bau durch die Stärke der Steinverzahnungen verbunden werden, und ebenso muß an den Seiten eine Kette von Eichenholz hinlaufen. Noch ist nötig, an Lichter, an Treppen und an die Wasserleitung zu denken, durch welche der Regen abfließen kann, und keinem von euch ist eingefallen, acht zu haben, daß innen das Gerüst zur Mosaikarbeit angebracht werden muß, und daß noch sonst eine Menge schwieriger Dinge zu erwägen sind; ich aber, der ich sie gewölbt schaue, weiß, daß es kein anderes Mittel und keinen anderen Weg gibt, sie zu erbauen, als den, welchen ich gezeigt habe.“ Filippo, der sich im Reden erhitzte, und seine Gedanken klarzumachen suchte, damit man ihn verstehen möchte, brachte mehr und mehr Zweifel vor, so daß er immer weniger Glauben fand und für einen Toren und Schwätzer galt. Zu öftemmalen ward ihm gesagt, er möchte gehen; weil er es aber nicht tat, ließ man ihn endlich als verrückt von den Gerichtsdienem aus der Versammlung tragen, und diese Beschimpfung war schuld, daß er nachmals sagte, er wage nicht, sich in irgendeinem Teil der Stadt sehen zu lassen, aus Furcht, man möchte rufen: Seht den Narren 1 — Die Konsuln blieben in der Versammlung zurück, verwirrt durch die schwierigen Vorschläge, welche die andern Meister vorerst kundgegeben und durch den letzten RatFilippos, der ihnen albern vorkam, indem sie meinten, er mache dies Werk durch zwei Dinge unausführbar, erstlich, weil er es doppelt bauen wolle, wodurch es ein übermäßig großes Gewicht bekommen werde, und zweitens, weil er es ohne Gerüst aufzuführen gedenke. Filippo dagegen, der so viele Jahre Studien aufgewandt hatte, damit er diesen Bau vollführen könne, wußte nicht, was er tun solle und trug zu öfternmalen Vers langen, von Florenz fortzugehen; einzig der Wunsch, den Sieg davonzutragen, gab ihm Mut, sich mit Ges duld zu waffnen, und er hatte genug gesehen, um zu wissen, daß die Einwohner unserer Stadt nicht lange auf einem Dinge festbleiben. Ein kleines Modell würde er haben zeigen können, wollte es aber nicht, weil er die geringe Einsicht der Obermeister, den Neid der Künstler und den Wankelmut der Bürger kannte, von denen einer diesen, ein anderer jenen begünstigte, wie ihnen gefiel, worüber ich mich nicht wundere, da in Florenz ein jeder Profession daraus macht, in diesen DingenKenner zu sein, gleich geübten Meistern, obgleich nur wenige etwas davon verstehen, deren unbeschadet die^ gesagt sei. Was Filippo im Magistrat nicht vermocht hatte, suchte er im einzelnen zu betreiben, indem er bald mit einem der Konsuln oder Werkmeister, bald mit einzelnen Bürgern redete; einen Teil seiner Zeichnungen vorwies und sie endlich dahin brachte, daß sie beschlossen, dies Werk entweder ihm oder einem jener fremden Künstler zu übertragen.

Hierdurch mutig geworden, versammelten sich die Konsuln, Werkmeister und Bürger, und die Künstler stritten über diesen Gegenstand, wurden aber alle durch genügend Gründe von Filippo besiegt, wobei man sagte, daß der Streit mit dem Ei entstand, wie hier folgt: Jene Meister trugen Verlangen, Filippo möchte seine Meinung aufs genaueste sagen und sein Modell zeigen, wie sie mit dem ihren getan hatten; er aber wollte nicht, sondern schlug den fremden und einheimischen Künstlern vor, es solle die Kuppel bauen, wer auf eine Marmortafel ein Ei aufzustellen vermöge; hieran könnte man ihren Verstand wahrnehmen. Ein Ei ward geholt, und alle versuchten es aufrecht zu stellen, keiner aber erfand das Wie, und als daher Filippo gesagt ward, so möge er es tun, nahm er es zierlich in die Hand, gab auf der Marmortafel der Spitze einen Druck und stellte es aufrecht hin. Die Künstler, welche dies sahen, lärmten und riefen, so hätten sie es auch gekonnt; doch Filippo erwiderte lachend: ,,ihr würdet auch wissen, wie die Kuppel zu wölben sei, wenn ihr die Zeichnung oder das Modell gesehen hättet.“ — Demnach ward beschlossen, Filippo soll dies Werk zur Ausführung bringen; es wurde ihm aufgetragen, die Konsuln und Werkmeister genauer zu unterrichten, und er ging nach Hause und schrieb so offen, als er nur immer konnte, seine Meinung auf ein Blatt, um es dem Magistrat in folgender Form zu übergeben:

„Da ich, geehrte Herren Obermeister, die Schwierigkeit dieses Baues beachtet habe, finde ich, daß man die Kuppel nicht völlig rund wölben kann. Die obere Fläche, wo die Laterne ist, würde dadurch so groß werden, daß sie bald einstürzen müßte, wenn man eine Last darauf legen wollte, und es scheint mir, daß jene Meister, welche nicht an die ewige Dauer dieses Werkes denken, weder Liebe zum dauernden Gedächtnis zeigen, noch auch wissen, wozu sie es tun. Ich nun habe mich entschlossen, diese Wölbung innen in Zwickeln nach der Stellung der Wände zu bauen, und ihnen das Maß und den Schnitt des Spitzbogens zu geben, denn dieses ist ein Bogen, der immer nach oben treibt; setzt man nun hierauf die Last der Laterne, so wird eines dem andern Dauer verleihen. Die Dicke des Gewölbes muß unten, wo es anfängt, drei und dreiviertel Ellen betragen, dann muß es pyramidenartig emporsteigen, bis dahin, wo es sich schließt und wo die Laterne durchkommt, und hier muß die Dicke ein und einviertel Elle betragen. Von der äußeren Seite nunmehr wird noch ein anderes Gewölbe gebaut, das innere vor dem Regen zu schützen. Dies wird unten zwei und eine halbe Elle dick und muß wiederum pyramidenartig nach Verhältnis abnehmen, so daß es sich beim Anfang der Laterne schließt wie das andere und in der höchsten Höhe die Stärke von zwei Dritteln von seiner unteren Dicke hat. Auf jedem Winkel errichte man einen Strebepfeiler, was in allem acht macht, in der Mitte jeder Wand zwei, was sechszehn sind, und zwar müssen diese sechszehn Strebepfeiler auf der innem und äußern Seite der acht Wände jeder unten vier Ellen stark sein; die beiden Wölbungen lasse man pyramidenartig gemauert in gleichem Verhältnis längs einander hinlaufen, bis zur Höhe des runden Fensters, welches durch die Laterne geschlossen ist. Man führe die vierundzwanzig Strebepfeiler auf, baue umher die Wölbungen und sechs starke und lange Bogen von (Macigno) Sandsteinen, wohl mit verzinntem Eisenwerk befestigt, und bringe über jenen Sandsteinen eiserne Klammern an, welche die Gewölbe mit den Wandpfeilern verbinden. Vom Grund auf muß man, ohne einen Zwischenraum zu lassen, bis in die Höhe von fünf und einer viertel Elle mauern, dann die Strebepfeiler weiter führen und die Wölbung trennen; der erste und der zweite Kreis von unten auf müssen beide überall durch lange, der Quere nach gelegte Sandsteine Festigkeit bekommen, so daß beide Wölbungen der Kuppel auf den letzteren ruhen. Und in der Höhe von neun Ellen zu neun Ellen in der Wölbung bringe man zwischen jedem Pfeiler kleine Gewölbchen an, mit Verkettungen von starkem Eichenholz, welche die Strebepfeiler verbinden, die das innere Gewölbe tragen, und überdecke diese Eichenholzverkettungen mit Eisenplatten, was wegen der Treppen geschehen muß. Die Wändpfeiler baue man alle von Sandstein oder Mergelstein (Pietraforte) und ebenso von Mergelstein die Wände der Kuppel bis in die Höhe von vierundzwanzig Ellen, wo sie mit den Wandpfeilern verbunden bleiben; von da an aber muß mit Backsteinen oder Schwammsteinen (Spugna) gemauert werden, welche von beiden der Meister, welcher das Werk zu vollenden hat, am leichtesten erachtet. Außen umher über den Fenstern lasse man einen Gang laufen, welcher unten eine Galerie mit durchbrochener Brustwehr, zwei Ellen hoch nach Verhältnis von denen der untern Tribüne oder zwei Cänge bildet, einer über dem andern, über einem wohlverzierten Gesims, so daß der obere Gang unbedeckt bleibt. Das Regenwasser von der Kuppel aufzufangen, baue man eine Marmorrinne, die eindrittel Elle Breite hat und das Wasser auf einer Seite ausspeit, die unter der Rinne mit Mergelstein gemauert ist. Außen auf der Oberfläche der Kuppel bringe man an den Ecken acht Marmorrippen von gehöriger Dicke an, die eine Elle hoch über die Kuppel emporstehen, mit Dachgesimsen versehen und zwei Ellen breit sind, so daß von allen Seiten First und Dachrinne ist, und diese müssen von ihrer Verzahnung bis zum Ende pyramidenartig laufen. Die Kuppel baue man nach der Art, wie oben gesagt ist, und ohne Stützwerk dreißig Ellen hoch, von da an nach oben aber in der Weise, welche von den Meistern geraten werden wird, die sie aufbauen, weil Übung lehrt, was man zu tun habe.“

Als Filippo dies geschrieben, begab er sich des Morgens in den Magistrat und übergab sein Blatt den Vorstehem, welche das Ganze in Überlegung nahmen. Zwar vermochten sie nicht alles zu verstehen, weil sie aber den kühnen Mut Filippos erkannten und sahen, wie keiner der andern Meister auf festeren Füßen stand, er hingegen Sicherheit in seinen Reden zeigte und immer das selbe so wiederholte, daß es schien, als habe er sicherlich schon zehn Kuppeln gewölbt, traten sie zusammen und beschlossen, ihm das Werk zu übergeben, nur hätten sie zuvor gern eine geringe Probe wenigstens gesehen, wie er das Gewölbe ohne Stützwerk mauern wolle, alle anderen Dinge billigten sie.

Diesem Wunsch war das Glück günstig, denn da Bartolommeo Barbadori in Santa Felicitä eine Kapelle wollte bauen lassen und schon deshalb mit Filippo geredet hatte, legte dieser sogleich Hand ans Werk und ließ sie ohne alles Gerüste mauern. Jene Kapelle liegt rechter Hand, wenn man in die Kirche tritt, da, wo der zwischen jedem Pfeiler kleine Gewölbchen an, mit Verkettungen von starkem Eichenholz, welche die Strebepfeiler verbinden, die das innere Gewölbe tragen, und überdecke diese Eichenholzverkettungen mit Eisenplatten, was wegen der Treppen geschehen muß. Die Wändpfeiler baue man alle von Sandstein oder Mergelstein (Pietraforte) und ebenso von Mergelstein die Wände der Kuppel bis in die Höhe von vierundzwanzig Ellen, wo sie mit den Wandpfeilern verbunden bleiben; von da an aber muß mit Backsteinen oder Schwammsteinen (Spugna) gemauert werden, welche von beiden der Meister, welcher das Werk zu vollenden hat, am leichtesten erachtet. Außen umher über den Fenstern lasse man einen Gang laufen, welcher unten eine Galerie mit durchbrochener Brustwehr, zwei Ellen hoch nach Verhältnis von denen der untern Tribüne oder zwei Cänge bildet, einer über dem andern, über einem wohlverzierten Gesims, so daß der obere Gang unbedeckt bleibt. Das Regenwasser von der Kuppel aufzufangen, baue man eine Marmorrinne, die eindrittel Elle Breite hat und das Wasser auf einer Seite ausspeit, die unter der Rinne mit Mergelstein gemauert ist. Außen auf der Oberfläche der Kuppel bringe man an den Ecken acht Marmorrippen von gehöriger Dicke an, die eine Elle hoch über die Kuppel emporstehen, mit Dachgesimsen versehen und zwei Ellen breit sind, so daß von allen zwischen jedem Pfeiler kleine Gewölbchen an, mit Verkettungen von starkem Eichenholz, welche die Strebepfeiler verbinden, die das innere Gewölbe tragen, und überdecke diese Eichenholzverkettungen mit Eisenplatten, was wegen der Treppen geschehen muß. Die Wändpfeiler baue man alle von Sandstein oder Mergelstein (Pietraforte) und ebenso von Mergelstein die Wände der Kuppel bis in die Höhe von vierundzwanzig Ellen, wo sie mit den Wandpfeilern verbunden bleiben; von da an aber muß mit Backsteinen oder Schwammsteinen (Spugna) gemauert werden, welche von beiden der Meister, welcher das Werk zu vollenden hat, am leichtesten erachtet. Außen umher über den Fenstern lasse man einen Gang laufen, welcher unten eine Galerie mit durchbrochener Brustwehr, zwei Ellen hoch nach Verhältnis von denen der untern Tribüne oder zwei Cänge bildet, einer über dem andern, über einem wohlverzierten Gesims, so daß der obere Gang unbedeckt bleibt. Das Regenwasser von der Kuppel aufzufangen, baue man eine Marmorrinne, die eindrittel Elle Breite hat und das Wasser auf einer Seite ausspeit, die unter der Rinne mit Mergelstein gemauert ist. Außen auf der Oberfläche der Kuppel bringe man an den Ecken acht Marmorrippen von gehöriger Dicke an, die eine Elle hoch über die Kuppel emporstehen, mit Dachgesimsen versehen und zwei Ellen breit sind, so daß von allen

Seiten First und Dachrinne ist, und diese müssen von ihrer Verzahnung bis zum Ende pyramidenartig laufen. Die Kuppel baue man nach der Art, wie oben gesagt ist, und ohne Stützwerk dreißig Ellen hoch, von da an nach oben aber in der Weise, welche von den Meistern geraten werden wird, die sie aufbauen, weil Übung lehrt, was man zu tun habe.“

Als Filippo dies geschrieben, begab er sich des Morgens in den Magistrat und übergab sein Blatt den Vors Stehern, welche das Ganze in Überlegung nahmen. Zwar vermochten sie nicht alles zu verstehen, weil sie aber den kühnen Mut Filippos erkannten und sahen, wie keiner der andern Meister auf festeren Füßen stand, er hingegen Sicherheit in seinen Reden zeigte und immer dass selbe so wiederholte, daß es schien, als habe er sichers lieh schon zehn Kuppeln gewölbt, traten sie zusammen und beschlossen, ihm das Werk zu übergeben, nur hätten sie zuvor gern eine geringe Probe wenigstens gesehen, wie er das Gewölbe ohne Stützwerk mauern wolle, alle anderen Dinge billigten sie.

Diesem Wunsch war das Glück günstig, denn da Bartolommeo Barbadori in Santa Felicitä eine Kapelle wollte bauen lassen und schon deshalb mit Filippo geredet hatte, legte dieser sogleich Fland ans Werk und ließ sie ohne alles Gerüste mauern. Jene Kapelle liegt rechter Hand, wenn man in die Kirche tritt, da, wo der als sie sahen, wie der Ruf Filippos wachse, brachten sie es unter dem Schein, als hätten sie große Liebe und Teilnahme für jenen Bau, bei den Konsuln und Werlo meistern dahin, daß Lorenzo ihm bei seinem Unternehmen an die Seite gegeben wurde. Welchen Verdruß Filippo empfand, und wie er in Verzweiflung geriet, als erhörte, was die Werkmeister getan hatten, geht daraus hervor, daß er nahe daran war, aus Florenz zu entfliehen, und wäre nicht Donato gewesen und Luca della Robbia, die ihm Trost zusprachen, so würde er außer sich geraten sein. Eine fürwahr unbarmherzige und grausame Wut ist in denen, welche vom Neide blind gemacht, im Wettkampf des Ehrgeizes Ruhm und herrliche Werke in Gefahr bringen, und sicherlich waren nicht sie es, welche verhinderten, daß Filippo nicht seine Modelle zerschlug, seine Zeichnungen verbrannte und in weniger als einer halben Stunde alles verdarb, was er in einer Reihe von Jahren mit Fleiß ausgeführt hatte. Die Werkmeister entschuldigten sich bei Filippo, und ermutigten ihn, vorwärtszuschreiten, indem sie sagten, er und kein anderer sei der Erfinder und Urheber dieses Baues, zahlten jedoch bei alledem Lorenzo den selben Gehalt wie Filippo. Dieser setzte das Werk mit weniger Lust fort; denn er wußte, daß er sich aller damit verbundenen Mühe unterziehen müsse, Ehre und Ruhm aber mit Lorenzo zu teilen habe. Einzig die Überzeugung machte ihm Mut, daß er Mittel finden werde, dies Verhältnis nicht allzulange dauern zu lassen, und daher betrieb er mit Lorenzo zusammen fortwährend alles in der Weise, wie auf dem Blatte verzeichnet stand, welches er den Vorstehern gegeben hatte. Unterdes erwachte in Filippo der Gedanke, ein Modell auszuführen, was bis dahin noch nicht geschehen war; er legte Hand daran und ließ es von einem Tischler arbeiten, der Bartolommeo hieß und seiner Werkstätte gegenüber wohnte. In diesem Modell, das nach Verhältnis seiner Größe genau nach dem Gebäude selbst gemessen war, brachte er alle schwierigen Dinge an als: erleuchtete und dunkle Treppen, alle Öffnungen, wo Licht einfällt, Türen, Wandpfeiler und Ketten und auch ein Stück der Galerie.

Lorenzo, der solches hörte, verlangte es zu sehen, und als Filippo es ihm verweigerte, ward er zornig und machte Anstalt,auch einModell auszuführen, damitnicht scheinen möchte, als werde ihm sein Gehalt umsonst bezahlt, sondern vielmehr, als sei auch er zu etwas nütze. Für das Modell des Filippo wurden 50 Lire und 15 Soldi bezahlt, wie sich in einer Verordnung im Buche des Migliore di Tommaso, vom dritten Oktober des Jahres 1419 findet; Lorenzo Ghiberti dagegen gab man 300 Lire für Mühen und Kosten, die er bei seinem Modell aufgewandt habe; und dies geschah mehr durch die Freundschaft und Gunst, deren er genoß, als daß es für jenen Bau nützlich und nötig gewesen wäre.

Diese Quälerei mußte Filippo ausstehen bis zum Jahr 1426, indem Lorenzo sowohl wie er als Erfinder genannt wurde. Der Verdruß war in Filippo so mächtig, daß er sehr in Kummer lebte, und da er verschiedene neue Gedanken gehabt hatte, beschloß er, sich jenen ganz vom Halse zu schaffen, wohl wissend, wie wenig er zu diesem Werke tauge.

Filippo hatte schon die Kuppel in beiden Wölbungen zwölf Ellen hoch mauern lassen; dort mußten nun die Ketten von Holz und Steinen gelegt werden, worüber er, als über eine schwierige Sache, mit Lorenzo reden wollte, um zu prüfen, ob er an diese Schwierigkeit gedacht habe; Lorenzo war aber so wenig in die Sache eingedrungen, daß er sagte, er überlasse dies ihm als dem Erfinder. Eine solche Antwort war Filippo sehr willkommen, weil ihm schien, dies sei der Weg, Lorenzo von der Arbeit zu entfernen und offenbar zu machen, daß er nicht jene Einsicht besitze, welche ihm durch seine Freunde und durch die Gunst beigemessen ward, welche ihm zu dieser Stelle verholfen hatten. Alle Maurer waren zu der Arbeit bestellt und warteten auf Anweisung, wie sie den Bau oberhalb der zwölf Ellen fortsetzen und die Wölbung befestigen sollten; die Kuppel fing schon an, nach oben zusammenzudrängen, und es mußten die Gerüste erbaut werden, auf welchen Maurer und Handwerker ohne Gefahr würden arbeiten können, da die mächtige Höhe beim bloßen Herunterschauen jeden sichern Geist erschrecken und schwindeln machte. Wie diese Gerüste aufgeführt und die Ketten gelegt werden sollten, erwarteten die Maurer Filippo und den andern Meister zu vernehmen; weil aber weder vonLorenzo noch von Filippo etwas beschlossen ward, entstand ein Murren unter den Handwerkern, daß die Sache nicht beschleunigt werde wie vordem, und da es arme Leute waren, welche von ihrer Hände Werk lebten und glaubten, es habe weder der eine noch der andere Mut genug, dies Werk höherzuführen, so schien ihnen das beste, wenn sie sich beim Baue weiter zu tun machten und alles, was bis jetzt gearbeitet war, noch einmal überputzten. Eines Morgens aber kam Filippo nicht zur Arbeit, steckte sich bis an den Kopf ins Bett, schrie beständig und ließ sich in aller Eile Teller und Tücher wärmen, indem er sich stellte, als habe er Seitenstechen. Die Meister, welche dies hörten und in Erwartung standen, neue Aufträge zu erhalten, fragten Lorenzo, was sie tun sollten, doch dieser antwortete: Filippo sei es, der anzuordnen habe, und man müsse auf ihn warten. „Wie,“ sprach einer, „weißt du seine Meinung nicht?“ „Ja,“ sagte er, „aber ich werde nichts ohne ihn tun.“ Dies redete er zu seiner Entschuldigung, weil er nie das Modell Filippos gesehen, und nie gefragt hatte, welche Anordnung jener treffen wolle, damit er nicht als unwissend erscheine. Wenn er daher von dieser Sache redete, war er auf sich allein gestellt, und brachte lauter unsichere Worte vor, um so mehr, als er wußte, daß er wider den Willen Filippos an der Arbeit Teil hatte. Das Übelsein des letzteren dauerte nun schon über zwei Tage, und der Proveditore des Baues und eine Menge von Maurermeistern, welche ihn besuchten, fragten ihn ohne Unterlaß, was sie zu tun hätten? Er aber sprach: „Ihr habt Lorenzo, mag er einmal etwas schaffen.“ Anderes konnten sie nicht von ihm herausbringen. Als dies bekannt wurde, entstanden viele nachteilige Reden und Urteile über diesen Bau. Einige meinten, Filippo habe sich ins Bett gelegt aus Kummer, daß er nicht Mut genug besitze, die Kuppel zu wölben und es ihn gereue, sich diesem Geschäft unterzogen zu haben; seine Freunde dagegen verteidigten ihn und sagten, sein Verdruß komme von der Beschimpfung, daß Lorenzo ihm zum .Gehilfen gegeben wäre, sein Seitenstechen aber von der großen Anstrengung bei der Arbeit. Während so hin und her geredet wurde, stockte das Werk, und fast alle Arbeiten der Maurerund Steinmetzen blieben liegen; diesemurrten nun über Lorenzo und sagten: den Lohn zu nehmen ist er gut, den Bau zu ordnen aber nicht; wäre nicht Filippo, oder läge er lange krank, was würde er anfangen? Was kann jener dafür, daß er sich so schlecht fühlt? — Die Werkmeister, welche sahen, wie ihnen dieser Handel Schande brachte, beschlossen zu Filippo zu gehen, trösteten ihn erst wegen seines Krankseins und sagten dann, in welch einer Verwirrung der Bau sei, und in welche Not seine Krankheit sie gebracht habe. Da rief Filippo voll Leidenschaft, sowohl weil er krank zu sein heuchelte, als aus Liebe zu seinem Werk: „Was ist nicht Lorenzo daß warum tut er nichts fürwahr ich muß mich über euch verwundern.“ — „Er will,“ antworteten die Werkmeister, „ohne dich nichts unternehmen.“ — „Ich aber wohl ohne ihn!“ sprach Filippo mit Heftigkeit. Diese scharfe und doppelte Antwort genügte ihnen; sie erkannten, daß er krank war, weil er allein arbeiten wollte, schickten seine Freunde, ihn aus dem Bett zu holen und gedachten Lorenzo nicht länger bei dem Unternehmen zu lassen, Filippo, der wieder auf den Bauplatz kam, sah wie Lorenzo durch Begünstigung große Macht hatte und den Lohn ernten würde, ohne irgend Mühe aufzuwenden; deshalb dachte er auf ein anderes Mittel ihn zu beschämen und ihn durchaus als wenig einsichtig in dieser Kunst hinzustellen. In dieser Absicht sagte er in Gegenwart Lorenzos zu den Vorstehern: „Meine Herren, wenn die Zeit, die wir zu leben haben, so sicher wäre, als schnell kommen kann, daß wir sterben müssen, würden wir sicherlich viele Dinge zum Schlüsse geführt sehen, die begonnen sind und jetzt unbeendet liegen bleiben. Das Übel, von welchem ich befallen war, hätte mir können das Leben rauben und dies Werk auf halten; damit nun, wenn ich jemals wieder krank werde, oderLorenzo, was Gottverhüte, der eine oder der andere von uns im Stande sei, das Werk fortzusetzen, was ihm zukommt, habe ich gedacht, es möchte, wie ihr, meine Herren, den Gehalt in uns geteilt habt, auch die Arbeit geteilt werden, so daß jeder von uns sich angetrieben fühle, zu zeigen, was er weiß, und nach Kräften unserer Republik Ehre und Nutzen zu schaffen. Zwei schwierige Dinge sind nun mehr ins Werk zu setzen: das eine, die Gerüste für die Mauer zu errichten, welche innen und außen beim Baue nötig sind, und auf welchen nicht nur die Menschen, sondern auch Steine und Kalk, die Winden um Lasten heraufzuziehen, und andere ähnliche Werkzeuge Raum finden müssen; das zweite die Kette zu legen, welche nun kommt, nachdem zwölf Ellen in die Höhe gebaut sind, denn diese muß die acht Wände der Kuppel umschließen und den Bau so Zusammenhalten, daß alle Last, welche darauf gestützt wird, gegeneinander drängt, und nicht das ganze Gebäude von dem Gewicht Schaden leiden oder auseinander treiben kann, sondern vielmehr gleichmäßig auf sich selbst ruht. Lorenzo mag von diesen beiden Dingen wählen, was er glaubt am leichtesten ausführen zu können, ich werde das andere nehmen und will es ohne Schwierigkeiten zu Ende bringen, damit keine Zeit mehr verloren gehe.“ Lorenzo, der dies mit angehört hatte, konnte seiner Ehre wegen nicht ablehnen eine der beiden Arbeiten zu übernehmen, und obwohl er es ungern tat, entschloß er sich doch die Kette zu legen; es schien ihm das leichtere, weil er sich dabei auf die Ratschläge der Maurer verließ und sich erinnerte, die Wölbung von S. Giovanni zu Florenz sei von einer Steinkette umschlossen, nach der er sich zum Teil, wenn auch nicht ganz, richten könne. Demzufolge begann der eine, die Gerüste zu bauen, der andere die Kette zu legen, und beides wurde beendet. Die Gerüste Filippos waren mit so viel Sinn und Einsicht angeordnet, daß man in Wahrheit dadurch das Gegenteil von dem erreicht sah, was viele sich vorher eingebildet hatten, denn die Flandwerker arbeiteten darauf völlig sicher, zogen Lasten auf und standen so fest, als ob sie auf ebener Erde wären; die Modelle dazu blieben in dem Vorstehergebäude. Lorenzo dagegen führte auf einer der acht Wänden die Kette mit großer Schwierigkeit aus, und als sie fertig war, ließen die Vorsteher sie Filippo sehen, welcher ihnen nichts sagte, mit einigen seiner Freunde aber davon redete, und zu ihnen sprach: es täte ein anderes Band not, als dieses und es müßte in anderer Weise gelegt werden, als geschehen wäre, dies genüge nicht für die Last, welche darauf komme, weil es nicht hinreichend Zusammenhalte; der Gehalt, der Lorenzo gezahlt werde, sei mit samt der Kette, die er gebaut habe, weggeworfenes Geld.

Die Rede Filippos wurde bekannt und es ward ihm nun aufgetragen zu zeigen, wie man es anfangen müsse, um eine solche Kette anzubringen. Da er nun Zeichnungen und Modelle schon fertig hatte, so wies er sie sogleich vor. Hieraus erkannten die Vorsteher und andere Meister, in welchen Irrtum sie durch die Begünstigung Lorenzos verfallen waren, und bestimmten, damit ihr Fehler gut gemacht werde und man sehe, daß sie wüßten, was vorzüglich sei, Filippo solle lebenslänglich Aufseher und Haupt des Baues sein, und nichts dabei geschehen, außer nach seinem Willen. Und als Zeichen ihrer An»erkennung gaben sie ihm hundert Gulden, was am dreizehnten August des Jahres 1423, nach Bestimmung der Konsuln und Vorsteher, von Lorenzo Paoli, dem Notarius des Domvorstandes, als Ausgabe auf Gherardo di M. Filippo Corsini eingezeichnet ward, und bestimmten ihm überdies einen lebenslänglichen Gehalt von hundert Gulden. Nachdem er nunmehr Anordnung getroffen hatte, den Bau wieder in Gang zu bringen führte er ihn mit solcher Genauigkeit und Pünktlichkeit fort, daß kein Stein gemauert ward, den er nicht angesehen hätte; Lorenzo aber, der sich besiegt und fast beschimpft sah, ward von seinen Freunden so begünstigt und beschützt, daß er unter dem Vorwand, man könne ihn nicht fortschicken, drei Jahre noch den Gehalt bezog. Filippo machte ohne Unterlaß Zeichnungen und Modelle zu den kleinsten Dingen für die Vorschläge zum Mauern und für das Stützwerk, um Lasten aufzuziehen,- dennoch wurde von einigen boshaften Menschen, welche Freunde Lorenzos waren, nicht nachgelassen, ihn zur Verzweiflung zu bringen: sie arbeiteten um die Wette mit ihm Modelle, sogar Meister Antonio da Verzeih und andere Künstler taten dies; ihre Zeichnungen wurden bald von diesem, bald von jenem Bürger begünstigt und gepriesen, welche ihre Wandelbarkeit, ihr weniges Wissen und noch ihre geringere Einsicht kund gaben, indem sie die vollkommenen Sachen vor Augen hatten und die schlechten und unnützen zu befördern suchten.

Die Ketten waren schon ringsumher an den acht Seiten vollendet und die Maurerleute, welche angefeuert waren, arbeiteten rüstig darauf los. Weil Filippo sie indes mehr als gewöhnlich trieb, und sie einige Verweise beim Mauern bekommen hatten wegen Dingen, die jeden Tag vorfielen, ward ihnen die Sache zum Überdruß, und deshalb sowohl als aus Neid traten die Häupter unter ihnen zusammen, machten Partei und sagten, dies sei eine mühselige und gefährliche Sache, und sie würden die Kuppel nur für großen Lohn wölben, obgleich ihnen ohnehin mehr als gewöhnlich bezahlt ward. Auf solchem Wege gedachten sie an Filippo Rache zu nehmen, und sich selbst Nutzen zu schaffen. Diese Begebenheit mißfiel den Vorstehern und auch Filippo gar sehr, der darüber nachsann und einen Sonnabend Abend den Entschluß faßte, sie alle zu entlassen. Die Handwerker, welche sich vom Bauplatz verwiesen sahen und nicht wußten, welch ein Ende dies nehmen würde, waren verdrießlich; Filippo aber stellte am folgenden Montag zehn Lombarden an die Arbeit, und indem er überall gegenwärtig war und ihnen sagte: tue dies und tue jenes, lehrte er ihnen an einem Tage so viel, daß sie mehrere Wochen den Bau fortsetzten. Die Maurer dagegen, welche entfernt worden waren, und sich beschämt sahen, schickten, da sie nichts zu tun hatten, was gleichen Gewinn brachte, Boten an Filippo und ließen ihm sagen, sie würden gerne zurückkehren und suchten sich ihm so viel als nur möglich zu empfehlen. Filippo hielt sie mehrere Tage in Zweifel, als ob er nicht nachzugeben gedenke, endlich stellte er sie an, aber mit geringerem Lohn, als ihnen zuvor gezahlt worden war. So verloren sie, wo sie zu gewinnen geglaubt hatten, und taten sich selbst Schimpf und Schaden, während sie an Filippo Rache nehmen wollten.

Die Gerüchte, welche von diesem Künstler im Umlauf gewesen waren, hatten sich verloren; man sah, wie leicht der Bau sich wölbte, und sein Genie wurde anerkannt, so daß, wer nicht in Leidenschaft war, dafür hielt, er habe einen Mut bewiesen, wie vielleicht kein Baumeister vor ihm in alten und neuen Zeiten; dies geschah, weil er sein Modell zum Vorschein brachte, woran ein jeder sehen konnte, welche große Einsicht und Erfindung er bei den Treppen gezeigt habe und bei den Fenstern innen und außen, damit man nicht im Dunklen Schaden leide; welche verschiedenen Eisenstangen er an steilen Stellen zum Aufsteigen angebracht, und wie er sogar an die Eisen gedacht hatte, die Gerüste im Innern zu befestigen, wenn jemals Mosaik oder Malereien daselbst ausgeführt werden sollten. Bei den mindestgefährlichen Stellen hatte er bezeichnet, wie die Wasserrinnen verteilt werden, wo sie bedeckt und wo unbedeckt laufen sollten, hatte bestimmt, wo manLuftlöcher undÖffnungen anbringen müsse, damit die Luft durchstreichen und weder Dünste noch Erdbeben dem Werke Schaden bringen könnten; kurz es zeigte in allen diesen Dingen, wie sehr seine Studien in Rom ihm von Nutzen gewesen waren. Wenn man zudem überlegte, was er beim Schneiden, Fugen, Binden und Befestigen der Steine getan hatte, so sah man fast mit Beben, wie ein einziger Geist so viel vermöge, als hier der des Filippo umfaßt hatte. Seine Fähigkeit wuchs immer mehr, und es gab keinen Gegenstand, wenn er auch noch so schlimm und schwierig war, den er nicht gewußt hätte leicht und einfach zu machen; unter anderm zeigte er dies beim Aufziehen der Lasten, die er durch Gegengewichte und Räder emporwinden ließ,welche ein einzigerOchse zog,während sonst kaum sechs Paar dazu genügt haben würden. Der Bau war nunmehr schon so emporgewachsen, daß es große Unbequemlichkeit machte, wieder herunter zu kommen, wenn man einmal hinaufgestiegen war, und die Meister und Bauleute verloren nicht nur viel Zeit, wenn sie zum Essen und Trinken gingen, sondern litten auch sehr von der Hitze des Tages. Deshalb traf Filippo Anordnung, daß in der Kuppel Weinschenken und Küchen eingerichtet wurden, und keiner früher, als am Abend nach Hause zu gehen brauchte, was für jene große Bequemlichkeit hatte und für die Arbeit von vielem Vorteil war. Filippo, der das Werk schnell wachsen und wohlgelingen sah, wurde immer eifriger und war in rastloser Tätigkeit, ging selbst nach der Brennerei, wo die Backsteine gestrichen wurden, wollte die Erden sehen, wie sie gemischt und gebrannt wurden, und suchte sie mit allem Fleiße selbst aus. Bei den Steinen, die zugehauen wurden, sah er selbst nach, ob sie ohne Risse und hart wären, und gab den Steinmetzen Modelle von Holz oder Wachs, oder nur in der Schnelligkeit aus Rüben geschnitten, die Durchschnitte und Fugen darnach zu arbeiten. Das selbe tat er bei dem Eisenwerk, er erfand die Haspen und Widerhaken und die Türangeln und schaffte der Baukunst großen Vorteil, indem er sie zu einer Vollkommenheit brachte, die vielleicht bei den Toskanem noch nicht erreicht worden war.

Man sah nunmehr schon die beiden Wölbungen gegen das runde Fenster zu, wo die Laterne anfangen sollte, sich schließen, und Filippo, der in Rom und Florenz viele Modelle von Erde und Holz zu dem einen, wie dem anderen gearbeitet hatte, ohne sie jemand zu zeigen, mußte sich endlich entscheiden, welches er zur Ausführung bringen wolle; deshalb beschloß er die Galerie zu beenden und entwarf dazu verschiedene Zeichnungen, welche nach seinem Tode den Vorstehern blieben, durch die Nachlässigkeit jener Verwalter aber jetzt nicht mehr vorhanden sind. In unseren Tagen erst wurde, um das Werk vollständig zu machen, auf einer der acht Wände ein Stück der Galerie erbaut, blieb aber, weil es nicht mit jener Anordnung übereinstimmte, auf den Rat von MichelagnoloBounarroti wieder liegen. Filippo arbeitete außerdem mit eigener Hand ein Modell zur Laterne von acht Seiten und ganz im Verhältnis zur Kuppel, welches fürwahr in Erfindung, Mannigfaltigkeit und Ausschmückung sehr wohl gelang. Darin brachte er die Treppe an, welche nach der Kugel hinaufführt, eine höchst bewundernswerte Sache; weil er aber mit ein wenig Holz unten die Stelle verstopft hatte, wo man hineinging, kannte diese Treppe niemand als er selbst. Aber obgleich er sehr gerühmt wurde und den Neid und Dünkel vieler niedergeschlagen hatte, vermochte er, als sein Modell gesehen worden war, dennoch nicht zu verhindern, daß alle Meister in Florenz nach verschieb dener Weise auch welche ausführten, ja sogar eine Dame aus dem Hause Gaddi wagte es mit Filippo in Wettkampf zu treten. Dieser lachte des Eigendünkels der anderen, und als viele seiner Freunde ihm den Rat gaben, keinem Künstler sein Modell zu zeigen, damit sie nicht daran lernen möchten, antwortete er: „Eines nur ist das richtige Modell, die anderen sind zu nichts nützeja als er sah, daß einige Meister bei ihren Modellen seines zum Teil nachgeahmt hatten, sagte er: „Das veränderte Modell, was dieser auszuführen verspricht, wird mein eigenes sein.“

Filippo wurde sehr gepriesen; nur weil man die Treppe nicht sah, um nach der Kugel hinaufzusteigen, gab man ihm schuld, sein Plan sei fehlerhaft und die Vorsteher beschlossen zwar, ihm die Arbeit zu übertragen, unter der Bedingung jedoch, daß er ihnen die Treppe zeige. Da nahm Filippo bei seinem Modell das Stückchen Holz weg, welches er unten vorgemacht hatte, und zeigte seine Treppe in einem der Pfeiler, welcher das Ansehen eines leeren Blaserohres, auf der einen Seite aber der Länge nach eine Vertiefung hat, in welcher Bronzestäbe sind, auf denen man von einem zum anderen allmählich nach oben steigt. Filippo, der zu alt war, als daß er während seines Lebens noch die Laterne hätte können zum Schluß geführt sehen; verlangte im Testament, sie solle nach seinem Modell und dem, was er schriftlich hinterlassen habe, gemauert werden, sonst müsse, versicherte er, der Bau Zusammenstürzen, denn da er im Spitzbogen gewölbt sei, tue not, daß er durch die Last gedrückt und stärker gemacht werde.

Vollendet demnach sah er vor seinem Tode dies Werk nicht, doch aber führte er die Laterne mehrere Ellen in die Höhe, und ließ fast alle Marmore, welche dazu gehörten, schön arbeiten und hinbringen; die Leute sahen jene mächtigen Blöcke anlangen, sie erstaunten, wie es möglich sei, daß er dem Gewölbe solch eine Last auflegen wolle, und viele verständige Menschen meinten, es könne sie nicht tragen; es schien ihnen ein großes Glück, daß er den Bau bis dahin geführt habe, ihn aber mit solchem Gewicht beschweren, meinten sie, hieße Gott versuchen. Filippo lachte hierüber, setzte alle Maschinen und Werkzeuge in Bereitschaft, welche dienen sollten, sie zu mauern und ließ nicht ab, alle Kleinigkeiten vorher zu bedenken und Vorkehrungen dazu zu treffen; ja, er sorgte sogar dafür, daß die ausgehauenen Marmore beim Aufziehen nicht abgestoßen werden möchten, so daß alle Bogen der Tabernakel in hölzernen Verschlagen aufgemauert wurden; für alles übrige fanden sich, wie ich schon sagte, schriftliche Anordnungen und Modelle vor.

Wie schön dies Gebäude sei, davon gibt es selbst ein gültiges Zeugnis; seine Höhe aber ist vom Erdboden bis zum Anfang der Laterne 154 Ellen, die ganze Laterne mißt sechs bis dreißig Ellen, die kupferne Kugel vier, das Kreuz acht, was in allem zweihundert und zwei Ellen sind, und man kann zuversichtlich sagen, daß die Alten niemals ihre Bauten so hoch geführt, noch sich der Gefahr ausgesetzt haben, mit dem Himmel wetteifern zu wollen, wie dies Gebäude in Wahrheit zu tun scheint. Es ragt so weit empor, daß man wähnt, es sei den Bergen um Florenz gleich, und fast ist es, als ob der Himmel deshalb eifersüchtig wäre, denn seine Blitze fallen tagtäglich auf dasselbe nieder.

Während Santa Maria del Fiore errichtet wurde, führte Filippo noch viele andere Bauten aus, von denen ich nun hier der Reihe nach erzählen werde. — Vorerst arbeitete er mit eigner Hand in Auftrag der Famili Pazzi das Modell zum Kapitel Santa Croce zu Florenz, eine mannigfaltige und sehr schöne Sache; dann das Modell zum Hause der Busini, eine Wohnung für zwei Familien, und das Modell zum Hause und der Loggia der Innocenti, deren Wölbung ohne Gerüste gebaut wurde, ein Verfahren, welches heutigen Tages von jedermann beobachtet wird. Man sagt, Filippo sei nach Mailand berufen worden, für den Herzog Filippo Maria das Modell zu einer Festung auszuführen und habe deshalb seinem sehr nahen Freunde Francesco della Luna die Sorge für den Bau der Innocenti in Florenz übertragen. Jener Francesco brachte als Einfassung einen Architrav an, der sich von oben nach unten verstärkt, was nach der Regel der Baukunst falsch ist, und als daher Filippo bei seiner Rückkehr ihn schalt, daß er dies getan habe, sagte er: ,,Ich habe es vom Tempel S. Giovanni entnommen, der antik ist.“ — „Ein einziger Fehler, rief Filippo, ist an jenem Gebäude, und du hast ihn nachgeahmt.“

In derselben Zeit war zu Florenz die Kirche S. Lorenzo angefangen worden, welche die Einwohner bauen ließen, die bei diesem Werk den Prior zum Obermeister ernannten, weil er Profession daraus machte, sachverständig zu sein und sich zum Zeitvertreib mit der Baukunst beschäftigte. Schon hatte man begonnen, einige Pfeiler von Backsteinen aufzuführen, als Giovanni di Bicci, aus dem Hause der Medici, der den Einwohnern und dem Prior versprochen hatte, auf seine Kosten die Sakristei und eine Kapelle zu erbauen, Filippo eines Tages zum Essen bei sich sah, und ihn nach mancherlei Gesprächen fragte: was er vom Baue der Kirche S. Lorenzo meine. Filippo, durch die Bitten S. Giovannis gezwungen, seine Gedanken kund zu geben, mußte, um der Wahrheit getreu zu sein, dies Werk in vielen Stücken tadeln, als von jemand angeordnet, der in derlei Dingen vielleicht mehr Gelehrsamkeit, als Erfahrung besitze. Giovanni fragte Filippo, ob man etwas besseres und schöneres ausführen könne, worauf jener erwiderte: „Sicherlich kann man dieses, und ich verwundere mich daß Ihr, die Ihr das Haupt dieses Unternehmens seid, nicht einige tausend Scudi aufwendet und ein Kirchenschiff errichten laßt, des Ortes und der vielen ehrenvollen Grabmäler würdig, die hier sind. Bedenket, daß wenn Ihr in dieser Weise anfangt, die anderen bei ihren Kapellen Euch nach besten Kräften werden nachzukommen suchen, und vornehmlich, daß kein Gedächtnis von uns bleibt, als die Mauern, welche nach Jahrhunderten und Jahrtausenden noch von’dem, der ihr Urheber war, Zeugnis geben.“ Durch die Worte Filippos angefeuert, beschloß Giovanni die Sakristei, die Hauptkapelle und das ganze Schiff der Kirche aufzubauen, wenngleich nur sieben Familien dem beitraten, da die anderen nicht die Mittel dazu hatten. Jene sieben Familien waren die Rondinelli, Ginori, della Stufo, Neronx, Ciai, Marignolli, Martelli und Marco di Luca, deren Kapellen alle im Kreuz der Kirche angebracht werden sollten. Die Sakristei war das erste, was im Bau vorwärts ging, hierauf auch alb mählich die Kirche, und weil sie sehr lang war, wurden nach und nach auch anderen einheimischen Bürgern Kapellen zugestanden. Noch war die Sakristei nicht ganz bedeckt, als Giovanni von Medici in ein anderes Leben überging; sein Sohn Cosimo jedoch, welchen er hinterließ, besaß noch höheren Eifer, als der Vater, und fand Vergnügen an Denkmälern, deshalb wurde jenes Werk von ihm fortgesetzt, das erste, was er baute, und dies brachte ihm soviel Ereude, daß er fortan bis zu seinem Tode immer wieder mauern und bauen ließ. Cosimo betrieb die Sache mit mehr Nachdruck, ließ Neues beginnen, während man das Alte beendigte, und war, weil er Lust an der Sache fand, fast immer selbst dabei. Durch seinen Eifer angeregt, besorgte Filippo den Ausbau der Sakristei, und Donato die Stukkaturverzierungen, die Steinzieraten der kleinen Türen und die Bronzetüren. Inmitten der Sakristei, in welcher die Geistlichen ihre Priestergewänder anlegen, ließ er das Grabmal von Giovanni seinem Vater unter einer Marmortafel errichten, welche vier kleine Pfeiler tragen, und an dem selben Ort ließ er sein Familienbegräbnis bauen, das der Frauen von dem der Männer gesondert. In einem der kleinen Stübchen, welche in der Sakristei zu beiden Seiten des Altars liegen, brachte er in einer Ecke einen Brunnen und ein Becken zum Handwaschen an, kurz alles ist bei diesem Werke mit aller Einsicht geordnet. Giovanni und die Meister des Baues hatten bestimmt, der Chor solle in der Mitte unter die Kuppel kommen, Cosimo aber ließ dieses verändern und mit Zustimmung Filippos die Hauptkapelle, welche erst eine kleine Nische werden sollte, größer ausführen, damit der Chor gebaut werden könne, wie man ihn nunmehr sieht. Als dies beendet war, blieb noch die mittlere Kuppel und das übrige der Kirche zu beenden, beides jedoch ward erst nach dem Tode Filippos gewölbt.

Während jener Bau ausgeführt wurde, wollte Cosimo von Medici einen Palast für sich errichten lassen; er teilte Filippo seine Absicht mit, und dieser setzte alles andere hintan und arbeitete ein wunderbar schönes und großes Modell, nach welchem jener Palast ringsum freistehend auf dem Platze gegenüber S. Lorenzo erbaut werden sollte. Seine Geschicklichkeit tat sich so herrlich hierbei kund, daß es Cosimo ein zu prächtiges und großes Gebäude schien, und er es nicht ausführen ließ, mehr um nicht Neid zu erwecken, als daß er die Kosten gescheut hätte. Während Filippo sein Modell arbeitete, pflegte er zu sagen: er wisse dem Schicksal für diese Gelegenheit Dank, denn er solle nun ein Haus bauen, wie er viele Jahre schon gern getan hätte und habe jemand gefunden, der es ausführen lassen wolle und könne. Als er indes vernahm, daß es nicht geschehen werde, zerriß er voll Zorn seine Zeichnung in tausend Stücke, und Cosimo bereute, als er seinen Palast nach anderem Plan erbaut hatte, nicht lieber der Angabe Filippos gefolgt zu sein, von dem er oft zu sagen pflegte, er habe nie mit einem Manne von größerer Einsicht und mehr Mut geredet.

Nach Anordnung Filippos wurde der reiche und herrliche Palast von Herrn Luca Pitti, außerhalb des Tores S. Nicolo von Florenz an einem Orte erbaut, der Rucciano heißt; noch viel schöner jedoch ist ein anderer, welchen er innerhalb der Stadt für denselben Herrn anfing und in solcher Größe und Pracht bis zum zweiten Stockwerk führte, daß man in toskanischer Bauart nichts gesehen hat, was herrlicher und reicher wäre. Die Türen dieses Palastes sind doppelt, im Lichten sechzehn Ellen hoch und acht Ellen breit und die ersten und zweiten Fenster den Türen gleich. Die Wölbungen sind doppelt und das ganze Werk höchst kunstreich, kurz man kann sich kein schöneres und prachtvolleres Gebäude denken. Dieser Palast wurde in der genannten Weise von Luca Fancelli, einem florentinischen Baumeister, aufgeführt, welcher viel Gebäude für Filippo errichtete und für Leon Batista Alberti die Hauptkapelle derNunziata zu Florenzvollendete, die im Auftrag vonLodovico Gonzaga gebaut wurde; Gonzaga nahm Luca mit sich nach Mantua, woselbst er viele Arbeiten vollführte, sich verheiratete, lebte, starb und Erben hinterließ, welche sich noch jetzt nach ihm Luchi nennen.

Filippo war kurzweilig in der Unterhaltung, und gab sehr treffende Antworten, besonders, wenn ihm die Lust ankam, Lorenzo Ghiberti zu necken. Dieser besaß ein Gut zu Monte Morello, welches Lepriano hieß und ihm zweimal mehr kostete, als es eintrug, sodaß er dessen überdrüssig ward und es verkaufte; als man daher einst Filippo fragte, was Lorenzo am besten gemacht habe, in der Meinung vielleicht, er werde ihn feindselig beurteilen, antwortete er: „Lepriano zu verkaufen.“ Endlich nachdem Filippo neunundsechzig Jahre alt geworden war, ging im Jahre 1446 den 16ten April sein Geist zu einem besseren Leben über, nachdem er sich gemüht hatte, die Arbeiten zu vollbringen, welche ihm auf Erden Ruhm erwarben und den Frieden des Himmels verdienten. Sein Tod geschah seinem Vaterlande sehr weh, welches ihn nach seinem Sterben weit mehr ehrte, als es während seines Lebens getan hatte; und er wurde mit feierlichem und ehrenvollem Leichengepränge inSanta Maria del Fiore beigesetzt, wenngleich seine Familiengruft in S. Marco unter der Kanzel gegen die Tür gelegen war, wo man ein Wappen mit zwei Feigenblättern und einigen grünen Wellen auf goldenem Grunde sieht. Seine Angehörigen, sagt man, stammten aus dem Ferraresischen, aus Ficaruolo, einem Schlosse am Po; die Blätter bezeichnen demnach den Ort, und die Wellen den Fluß.

Filippo wurde von einer großen Anzahl von Künstlern beweint, die seine Freunde waren, vornehmlich von den ärmsten, denen er immerdar gutes erwies, und indem er so ein christliches Leben führte, blieb der Welt das Gedächtnis seiner Güte und seiner seltenen Fähigkeiten. Mir scheint, daß man sagen könne, es habe seit den Tagen der alten Griechen und Römer keinen seltneren und herrlicheren Geist gegeben, als ihn, und er verdient um so größeres Lob, als während erlebte in ganz Toskana die deutsche Manier allgemein verehrt und von allen Künstlern geübt wurde, wie noch jetzt von unzähligen Gebäuden zu sehen ist; er aber fand die antiken Gesimse und führte die toskanische, korinthische, dorische und jonische Säulenordnung zu ihrer ursprünglichen Form zurück.

Aus dem Buch: Lebensbeschreibungen der ausgezeichnetsten Maler, Bildhauer und Architekten der Renaissance (1910), Author:Jaffé, Ernst.

Siehe auch:
Giovanni Cimabue
Niccolo und Giovanni aus Pisa
Giotto
Buonamico Buffalmacco
Jacopo della Quercia
Luca della Robbia
Lorenzo Ghiberti
Masaccio

Filippo Brunelleschi

Geboren zu Florenz 1378 Gestorben 1455 daselbst.

rägt jemand um irgend eines seltenen Vorzuges willen Ruhm unter den Menschen davon, so erlangt er dadurch nicht nur für sich Ehre und Lohn, sondern er ist meist auch ein heiliges Licht, welches vielen als Vorbild leuchtet, die nach ihm geboren werden und in dem selben Zeitalter leben; denn nichts erweckt die Geister der Menschen mehr und läßt ihnen die Mühseligkeiten des Studiums minder anstrengend erscheinen, als die Ehre und der Nutzen, welche nach saurer Arbeit durch Kunst und Geschicklichkeit gewonnen werden; sie machen einem jeden seine schwierige Unternehmung leicht, und seine Talente reifen schneller, wenn sie durch das Lob der Welt gesteigert werden. Ja unzählige, welche dies gewahr werden, wenden allen Fleiß auf, sich den Lohn zu verdienen, den sie von einem ihrer Mitbürger errungen sehen. Vor Alters wurden daher ausgezeichnete Menschen mit Reichtümern belohnt oder durch Triumphzüge und Gemälde geehrt. Weil es indessen nur selten ist, daß das Talent nicht vom Neide verfolgt wird, so muß man sich anstrengen, so viel wie möglich ihn durch größte Vortrefflichkeit zu besiegen, oder mindestens stark und tapfer genug zu werden, um seine Stürme zu ertragen. Dies vermochte durch Glück und Verdienst Lorenzo di Cione Ghiberti, auch di Bartoluccio genannt, der würdig war, von den trefflichen Meistern Donato und Filippo di Ser Bruneileschi an ihre Stelle gesetzt zu werden, indem sie erkannten, er sei ein besserer Meister in Gußarbeiten wie sie selbst, obwohl ihr Sinn vielleicht gern das Gegenteil gesagt hätte. Solche Würdigung gereicht fürwahr jenen zum Ruhm und vielen zur Beschämung, die sich groß dünken und den Platz einnehmen, welcher den Vorzügen anderer zukommt, auf welchem sie zudem keine Früchte ernten, sondern sich lange Jahre quälen, etwas zustande zu bringen, während sie den Kenntnissen anderer hinderlich sind, die sie aus Neid und bösem Willen unterdrücken.

Lorenzo war ein Sohn von Bartoluccio Ghiberti, einem vortrefflichen Goldschmied, und lernte bei ihm von frühester Jugend an jene Kunst, die er so übte, daß er viel besser arbeitete wie sein Vater; mehr Freude jedoch machte ihm die Bildhauer- und Zeichenkunst, deshalb bediente er sich bisweilen der Farben, bisweilen goß er kleine Bronzefiguren und vollendete sie mit Anmut. Auch vergnügte er sich, die Stempel der alten Münzen nachzuahmen und bildete viele seiner Freunde nach dem Leben ab. — Während er zu Florenz mit Bartoluccio, seinem Vater, durch Goldarbeiten Geld zu erwerben suchte, kam im Jahre 1400 die Pest heran, wie Lorenzo selbst in seinem Buche erzählt, daß er über die Kunst geschrieben hat, und welches jetzt dem Herrn Cosimo Bartoli, einem florentinischen Edelmann, gehört. Und da außer der Pest noch einige bürgerliche Zwistigkeiten und sonstige Not in der Stadt herrschte, sah er sich gezwungen, in Gesellschaft eines andern Malers nach der Romagna zu gehen. Dort malten sie in Rimini für den Herrn Pandolfo Malatesti ein Zimmer und sonst noch mancherlei mit vielem Fleiß und zur Zufriedenheit jenes Herrn, der noch jung war und an den Werken der Zeichenkunst ein großes Gefallen fand. — Lorenzo unterließ nicht, sich während dieser Zeit im Zeichnen, Wachsbossieren, in der Stuckatur und ähnlichen Techniken zu üben, weil er sehr wohl wußte, daß diese Art von kleinen erhobenen Arbeiten die Zeichenübungen der Bildhauer sind, ohne welche sie nichts vollkommen zu Ende führen können.

Lorenzo war nicht lange von seiner Vaterstadt entfernt, als die Pest aufhörte und die Signoria von Florenz sowohl als die Zunft der Handelsleute beschlossen, da es zu jener Zeit viele vorzügliche Meister der Bildhauerei gab, fremde nicht minder wie florentinische, es sollten die beiden noch fehlenden Türen von S. Giovanni, der ältesten und vornehmsten Kirche der Stadt, verfertigt werden. Von diesem Unternehmen war früher schon die Rede gewesen, und man kam nunmehr überein, es solle den besten Meistern Italiens zu wissen getan werden, sie möchten nach Florenz kommen, und eine Probearbeit ausführen, eine Bildtafel von Bronze, denen ähnlich, welche Andrea bei der ersten Tür angebracht hatte. Bartoloccio gab von diesem Beschluß seinem Sohne Lorenzo Nachricht, der in Pesaro arbeitete, ermunterte ihn nach Florenz zurückzukommen und einen Beweis seiner Geschicklichkeit zu geben; dies sei eine Gelegenheit sich bekannt zu machen und seine Einsicht zu zeigen, auch könne er solch großen Vorteil daraus ziehen, daß sie beide nicht mehr nötig haben würden, Birnen zu arbeiten.

Diese Worte Bartoluccios setzten das Gemüt Lorenzos sehr in Bewegung, und wie viele Liebkosungen ihm auch von Pandolfo und dem Maler, ja vom ganzen Hof erzeigt wurden, verlangte er dennoch seine Entlassung; ungern und schwer wurde diese ihm zugestanden, da weder Versprechungen noch vermehrte Besoldung ihn zu halten vermochten; Lorenzo aber, dem jede Stunde eine Ewigkeit deuchte, ehe er Florenz erreicht hatte, zog glücklich von dannen und kehrte in seine Heimat zurück. Eine Menge fremder Künstler waren zu jener Zeit schon in Florenz angelangt und hatten sich bei den Obermeistern der Gewerbe gemeldet, welche von diesen allen sieben Meistern auswählten, drei Florentiner, die anderen Toskaner; man wies ihnen Geld an, und jeder sollte im Verlauf eines Jahres als Probestück ein Bronzebild in der Größe von denen an der ersten Tür vollenden und darin darstellen, wie Abraham seinen Sohn isaak opfert, weil man glaubte, jene Meister könnten hierin sehr wohl die Schwierigkeiten der Kunst zeigen, könnten dabei Tiere und Landschaften, Gestalten mit und ohne Gewänder anbringen, die vordersten Figuren erhaben, die zweiten halb erhaben und die letzten flach arbeiten. Bewerber bei diesem Werke waren die Florentiner Filippo di Ser Brunellesco, Donato und Lorenzo di Bartoluccio; der Sieneser Jacopo della Quercia, dessen Schüler Niccolo aus Arezzo, Francesco di Valdambrina und Simone da Colle, de’ Bronzi genannt. Diese alle versprachen den Obermeistern in der bestimmten Zeit das Bild zu vollenden; ein jeder begann das seinige mit großem Fleiß und Studium, und wandte alle Kraft und Kenntnisse auf, den andern zu übertreffen. Sie hielten dabei ihre Arbeiten ganz geheim, um nicht auf gleiche Gedanken zu geraten. — Nur Lorenzo, welcher Bartoluccio hatte, der ihn leitete, ihn keine Mühe scheuen und viele Modelle arbeiten ließ, ehe er sich entschlossen, eines auszuführen, veranlaßte immerdar die Bürger zu ihm zu kommen, um ihre Meinung zu hören, bisweilen auch Fremde, welche durchreisten, im Fall sie etwas von seinem Gewerbe verstanden, und mit Hilfe dieser Urteile brachte er ein sehr gelungenes ganz fehlerloses Modell zu Stande. Hierauf machte er die Form, goß sie in Bronze aus, was vortrefflich glückte, und ging daran, den Guß unter Beihilfe seines Vaters Bartoluccio mit großer Liebe und Geduld auszuputzen, so daß man es nicht besser hätte vollenden können. Unterdes war die Zeit gekommen, daß die Arbeiten in Vergleich gestellt werden sollten, und so wurde sein Werk mit denen aller übrigen Meister der Zunft der Handelsleute zur Beurteilung übergeben. Da nun die Obermeister und viele andere Bürger dieselben in Augenschein genommen hatten, zeigten sich alsbald verschiedene Meinungen. Eine Menge Fremder, teils Maler, teils Bildhauer und einige Goldarbeiter waren in Florenz zusammengeströmt, und diese wurden von den Obermeistern berufen, samt andern desselben Gewerbes, die in Florenz lebten, über jene Arbeiten ihr Urteil zu sprechen. Es war dies ein Gericht von vierunddreißig Personen, alle in ihrer Kunst wohlerfahren. Aber obwohl sie ungleiche Ansichten hatten, dem einen diese Manier, dem anderen jene gefiel, so kamen doch alle darin überein, daß Filippo di Ser Brunellesco und Lorenzo di Bartoluccio ihre Bilder schöner vollendet und besser und reicher mit Figuren ausgestattet hätten, als Donato, obwohl auch bei diesem die Zeichnung sehr vorzüglich war. In dem Werke von Jacopo della Quercia fehlte den Figuren Zartheit, obgleich sie auch sonst gut, nach richtigem Verhältnis und mit Fleiß gearbeitet waren. Bei Francesco di Valdambrina waren die Köpfe lobenswert, und es war wohl ausgefeilt, in der Zusammenstellung aber verworren. Simone da Colle zeichnete sich durch den schönen Guß seines Probestückes aus, was seine eigentliche Kunst war, in der Zeichnung jedoch erschien es mangelhaft, und jenes von Niccolo aus Arezzo war mit Übung zwar gearbeitet, hatte indes kurze Gestalten und war schlecht ausgeputzt. Nur das Bild von Lorenzo, welches mannochim Audienzsaale derZunftder Handelsleute sieht, war in allen Teilen vollkommen, denn er hatte dies ganze Werk nach schöner Zeichnung und sehr wohl zusammengestellt; die Figuren waren schlank, hatten Anmut und schöne Stellungen, und das ganze war mit solchem Fleiß ausgeführt, daß es nicht gegossen und mit dem Eisen geputzt, sondern geblasen zu sein schien.

Als Donato und Filippo sahen, mit welcher Sorgfalt Lorenzo sein Werk vollendet hatte, traten sie zur Seite, besprachen sich und kamen überein, Lorenzo müsse die Bestellung übertragen werden; es schien ihnen, dem öffentlichen und privaten Wohl sei so am besten gedient, und Lorenzo, der noch sehr jung, noch nicht zwanzig Jahre alt war, werde bei Übung dieses Berufes die herrlichen Früchte ernten, die sein schönes Bild hoffen lasse, welches er nach ihrem Urteil vollkommener als die andern vollführt hatte; ja sie sagten es würde mehr eine Handlung des Neides sein, wenn sie es ihm nehmen wollten, als rühmlich, es ihm zu überlassen. Lorenzo begann demnach das Werk für die Türe, nämlich für diejenige gegenüberder Kirchenverwaltung von S. Giovanni, und verfertigte für ein Feld derselben ein großes hölzernes Modell, genau wie es nachmals in Metall werden sollte, mit den Einfassungen und den Verzierungen der Köpfe auf den Vierungen um die mit Figuren ausgefüllten Bilder, zusamt den Friesen, welche ringsumher laufen. Hierauf arbeitete er mit allem Fleiß die Form, ließ sie trocknen, und mietete zu seinem Zweck eine Werkstätte Santa Maria Nuova gegenüber, wo heutigen Tages das Spital der Weber ist, und welche damals die Tenne genannt wurde. Dort baute er einen sehr großen Ofen, den ich mich erinnere noch gesehen zu haben, und goß jenes Stück in Metall. Das Schicksal wollte, daß es nicht wohl gelang. Lorenzo erkannte den Fehler und verfertigte, ohne zu erschrecken oder den Mut zu verlieren, schleunigstund ohne daß jemand davon wußte, eine neue Form, wiederholte den Guß, und sah ihn trefflich gelingen. In dieser Weise setzte er die Arbeit fort, indem er jedes Bild für sich allein goß und es dann geputzt und gereinigt an seine Stelle einfügte; die Verteilung der Bilder war der ähnlich, welche der Pisaner Andrea bei der ersten Türe nach einer von Giotto verfertigten Zeichnung beobachtet hatte. Hier stellte Lorenzo zwanzig Begebenheiten aus dem Neuen Testament dar und in acht ähnlichen Füllungen Gegenstände, welche mit denen in Verbindung standen, Zu unterst sieht man die vier Evangelisten, zwei auf jedem Türflügel, und weiter hinauf die vier Kirchenlehrer, welche in Stellung und Gewändern verschieden sind; einer liest, einer schreibt, die anderen denken nach, und indem jeder auf andere Weise sich zeigt, sind sie in ihrem Eifer und Nachdenken sehr wohl dargestellt. In den Friesen, welche die Bildfelder umgeben, brachte er Zieraten von Efeublättem und anderem Laubwerk an, dazwischen Simsglieder, und auf jeder Ecke einen männlichen oder weiblichen Kopf, ganz erhoben gearbeitet; sie stellen Propheten und Sibyllen vor, und geben durch ihre Schönheit und Mannigfaltigkeit den seltenen Geist Lorenzos kund. Dies ganze Werk ward mit dem größten Aufwande von Zeit und Kräften zu einer Vollendung geführt, wie sie einem Metallwerke nur irgend gegeben werden kann; die Glieder der nackten Gestalten sind in allen Teilen schön, und obwohl die Gewänder ein wenig nach der alten Methode des Giotto neigen, ist doch überall etwas darin, was sich der Manier der neueren nähert und den Figuren in dieser Größe zierliche Anmut gibt; ja alle diese Bilder sind so wohl geordnet und verteilt, daß Lorenzo das Lob, welches Filippo zu Anfang über ihn ausgesprochen hatte oder ein größeres wohl verdiente. — Von seinen Landsleuten deshalb ehrenvoll anerkannt,sah er sich von einheimischen und fremden Künstlern gleich sehr gerühmt. Dies ganze Werk zusamt den Türbekleidungen, die wiederum von Metall und mit erhobenen Fruchtgehängen und Tieren verschönt sind, kostet zweiundzwanzigtausend Gulden, dieMetalltüren aberwogen vierunddreißigtausendPfund. Als sie vollendet waren, hielten die Obermeister sich für sehr wohl bedient, und beschlossen Lorenzo, dem jedermann Lob zollte, den Auftrag zu geben, daß er an einem Pfeiler an der Außenseite von Or San Michele für eine der Nischen, die den Tuchscheerern gegenüber ist, eine Bronzestatue, vier und eine halbe Elle hoch, zu Ehren Johannes des Täufers arbeiten solle. Er fing dies Werk sogleich an, ging nicht davon, bis er es vollendet hatte, und brachte eine sehr gute, gerühmte Arbeit zu Stande.

In den Mantel, der diese Figur umgibt, schnitt er seinen Namen ein.

Mit dieser Statue, welche 1414 aufgestellt wurde, begann die gute neuere Manier; dies erkennt man andern Haupte, an dem Arme, der die Fülle der Natur hat und Fleisch zu sein scheint, an den Händen wie an allen Bewegungen der Gestalt, und Lorenzo war somit der erste, welcher anfing, die Werke der alten Römer nachzuahmen, die er eifrig studierte, wie ein jeder es muß, der Gutes zu vollbringen wünscht. Auf dem Vorgiebel jenes Tabernakels versuchte er auch in Mosaik zu arbeiten, und stellte daselbst in halber Figur einen Propheten dar. — Während die Arbeiten Lorenzos, der für unzählige Personen Werke in Bronze sowohl, als in Gold und Silber vollführte, seinem Namen immer mehr Ruhm erwarben, gelangte in die Hände Giovannis, des Sohnes von Cosimo de’ Medici, ein ziemlich großer Cameol, worauf in vertiefter Arbeit dargestellt war, wie Apoll den Marsyas schinden läßt. Dieser Stein hatte, wie man sagt, schon dem Kaiser Nero als Petschaft gedient, und da er wegen der Größe des Cameols sowohl, als wegen des wunderbar schönen Schnittes eine seltene Sache war, gab Giovanni dem Meister Lorenzo den Auftrag, eine Verzierung von gegrabener Goldarbeit darum zu verfertigen. Dieser mühte sich daran viele Monate und vollendete mit dem Grabstichel eine Fassung, welche nicht minder schön genannt zu werden verdiente, als die gegrabene Arbeit in jenem Steine vollkommen war. Hierdurch wurde veranlaßt, daß Lorenzo noch viele andere Dinge in Gold und Silber ausführte, die sich heutigen Tages nicht mehr finden. Unter anderem verfertigte er für Papst Martin einen Knopf, den er am Chormantel trug, von Gold mit ganz erhobenen Figuren, dazwischen Edelsteine von großem Werte, ein sehr vortreffliches Werk. Für denselben Papst verfertigte er eine wunderbar schöne päpstliche Mitra, mit Laubwerk von durchbrochener Goldarbeit und vielen schönen, ganz erhobenen Figuren, wofür er nicht nur Ruhm erntete, sondern durch die Freigebigkeit des Papstes auch großen Vorteil erlangte. Durch die trefflichenW erke jenes sinnreichen Künstlers wurde der Stadt Florenz vieles Lob zuteil und die Obermeister der Zunft der Handelsleute beschlossen, die dritte Türe von S. Giovanni in Metall wiederum von Lorenzo arbeiten zu lassen. Bei der ersten war er ihrer Vorschrift gefolgt, und hatte sie samt der Verzierung, welche die Figuren einschließt, und dem Rahmen, welcher diese Türen umgibt, ähnlich der des Pisaners Andrea ausgeführt. Nun aber, da die Obermeister sahen, wie weit er jenen Künstler übertroffen hatte, beschlossen sie, es solle die von Andrea gearbeitete Türe, welche bisher als Mitteltüre gedient hatte, weggenommen und der Misericordia gegenüber angebracht werden, und die neue des Lorenzo solle nun an die Mitteltüre kommen; indem sie voraussetzten, er werde dabei keine Anstrengungen scheuen, deren er nur irgend in seiner Kunst fähig sei; deshalb legten sie auch die Arbeit ganz in seine Hände und sagten, sie gäben ihm Freiheit, sie auszuführen, wie er wolle, oder wie er glaube, sie so zierlich, vollkommen, reich und schön ausführen zu können, als nur zu denken möglich sei; er möge weder Zeit noch Kosten sparen, und wie von ihm alle Bildhauer übertroffen worden wären, die bis dahin gelebt hätten, so möge er in diesem Werk alle seine früheren Arbeiten zu übertreffen suchen.

Lorenzo begann das genannte Werk, indem er all sein Wissen anstrengte, es wohl auszuführen. Er teilte die Türe in zehn Bilder, das heißt jeden Flügel in fünf, so daß jeder dieser Räume eine und eine Drittelelle groß ist; ringsumher als Zierat des Rahmens, der die Bilder ums schließt, sieht man überhöhte Nischen, zwanzig in allem, und in jeder derselben eine fast ganz rund gearbeitete Figur, alle sehr schön; unter anderen die nackende Ges stalt eines Simson, der eine Kinnlade in der Hand, die Säule umfaßt und so vollkommen ausgeführt ist, als nur die Alten ihre Herkulesse in Bronze oder Marmor vollenden mochten. Dasselbe Zeugnis der Vollkommens heit gibt Josua, der in der Stellung eines Redners zum Heere zu sprechen scheint, und außerdem sind dort eine Menge Propheten und Sibyllen, alle in verschieb dener Weise, mit Gewändern, Kopfputz, Haarschmuck und anderen Zierden verschönt. Zwölf Figuren inliegend der Stellung brachte er in den Nischen an, welche sich in den Querleisten befinden, an den Ecken in kreisförmigen Vertiefungen vierunddreißig verschiedene Köpfe von Frauen, von jungen und alten Männern, darunter in der Mitte der Türe, nahe bei der Stelle, wo er seinen Namen eingeschnitten hat, einen alten Kopf, welcher Bartoluccio, seinen Vater, nach dem Leben darstellt, und einen jüngeren, welches Lorenzo selbst ist, der Meister des Werkes. Zwischen diesen allen Dingen wußte er eine Menge Laubwerk, Gesimse und sonstige Zieraten zu verteilen, die er meisterhaft ausführte. Die Felder dieser Türe enthalten Begebenheiten aus dem alten Testament. — Dies Werk läßt im einzelnen wie im ganzen erkennen, welch reiche Erfindung ein Bildhauer durch Kunst und Anstrengung im Zusammenstellen der Figuren zeigen könne, die zum Teil fast ganz, zum Teil halb erhoben, zum Teil flacher und endlich ganz flach gearbeitet sind; welche ungewöhnliche Mannigfaltigkeit er in den Stellungen der männlichen und weiblichen Gestalten zu entwickeln vermöge, welche Abwechslung in den Gebäuden und Perspektivgegenständen; wie es ihm möglich sei, den Angesichtern der Figuren jedes Geschlechts einen angenehmen Ausdruck zu verleihen, überall Würde zu behaupten, den alten Leuten Emst und den jungen Zierlichkeit und Anmut zu geben. Kurz, diese Arbeit ist in allen Dingen vollkommen, und ist das schönste Kunstwerk dieser Art, welches man bei den Alten und den Neuern gesehen hat; ja wie sehr Lorenzo gerühmt zu werden verdient, geht aus dem Urteil Michelagnolos Buonarroti hervor, der eines Tages, vor diesem Werke stehend, gefragt ward, was er davon halte und ob diese Türen schon wären, und zur Antwort gab: „Sie sind so schön, daß sie wohl an den Pforten des Paradieses stehen könnten,“ ein sicherlich eigentümliches Lob und von jemand ausgesprochen, der das Werk wohl zu beurteilen verstand. Lorenzo aber vermochte sie so schön zu vollenden, weil er von seinem zwanzigsten Jahre an, wo er sie begann, vierzig Jahre lang mit der größten Anstrengung daran arbeitete.

Lorenzo arbeitete nach diesem großartigen Werke die Bronzeverzierung um diejenige Pforte der selben Kirche, welche der Misericordia gegenüber steht, mit jenem wunderschönen Laubwerk, welches ernicht vollenden konnte, weil er unvermutet starb, als er eben Anordnungen traf, die Türe umzuarbeiten, welche vordem von demPisaner Am drea verfertigt worden war. Er hatte das Modell zu dieser Arbeit fast schon vollendet, und dies habe ich (sehr jung noch in Borgo Allegri gesehen, ehe es in unsem Tagen durch Schuld der Nachkommen Lorenzos zugrunde ging.

Lorenzo beschäftigte sich während seines Lebens mit mancherlei Dingen; unter andern auch zu malen und in Glas zu arbeiten, und von ihm sind die Fenster um die Kuppel von Santa Maria del Fiore, eines ausgenommen, welches Donato ausführte, und worin Christus die Madonna krönt.

Derselbe Lorenzo schrieb ein Werk in der Volkssprache, worin er von verschiedenen Dingen handelt, doch so, daß man wenig Vorteil daraus ziehen kann. Einzig gut daran ist, wie mir scheint, daß, nachdem er von vielen ältem Malern geredet hat, vornehmlich von denen, die Plinius nennt, er ganz kurz des Cimabue, des Giotto und noch anderer Meister dieser Zeit Erwähnung tut, jedoch in viel größerer Kürze, als er gesollt hätte, und dies aus keinem anderen Grunde, als um mit guter Art auf sich selbst zu kommen, und aufs genaueste alle seine Arbeiten aufzuzählen. Auch will ich nicht verschweigen, daß er glauben macht, das Buch sei von einem andern geschrieben und dennoch, indem er fortfährt, von sich selbst zu erzählen, spricht er, gleich einem, der besser zeichnen, in Erz gießen und mit dem Meißel arbeiten als schreiben konnte, in der ersten Person als: Ich tat, ich sagte, ich habe getan, habe gesagt. Endlich, als er vierundsechzig Jahre alt geworden, starb er an einem langwierigen heftigen Fieber und hinterließ ein ewiges Gedächtnis von sich durch seine Werke und die Werke der Schriftsteller. Er ward in Santa Croce ehrenvoll begraben, und sein Bildnis findet sich auf der Haupttüre von S. Giovanni, vorn, wo sie verschlossen wird, in der Verzierung des Rahmens; er hat einen kahlen Kopf, und neben ihm ist Bartoluccio sein Vater, dabei steht: Laurentii Cionis de Ghibertismira arte fabricatum.

Aus dem Buch: Lebensbeschreibungen der ausgezeichnetsten Maler, Bildhauer und Architekten der Renaissance (1910), Author:Jaffé, Ernst.

Siehe auch:
Giovanni Cimabue
Niccolo und Giovanni aus Pisa
Giotto
Buonamico Buffalmacco
Jacopo della Quercia
Luca della Robbia

Lorenzo Ghiberti

Geboren 1399 zu Florenz Gestorben 1482 daselbst.

uca della Robbia, der Bildhauer, wurde im Jahre 1388 zu Florenz im Hause seiner Voreltern geboren, welches unterhalb der Kirche S. Barnaba gelegen ist, und wurde daselbst in guten Sitten erzogen, bis er lesen und schreiben und, wie es bei den meisten Florentinern Herkommen war, so viel rechnen konnte, als ihm not tat. Hierauf gab ihn sein Vater, damit er die Goldschmiedekunst erlerne, zu Leonardo di Ser Giovanni in die Lehre, welcher damals für den besten Meister jener Kunst in Florenz gehalten wurde. Nachdem Luca es bei diesem so weit gebracht hatte, daß er zeichnen und in Wachs arbeiten konnte, stieg ihm der Mut, und er unternahm es, einiges in Marmor und Erz zu verfertigen, was ihm ziemlich wohl gelang und Veranlassung wurde, daß er das Gewerbe eines Goldschmiedes aufgab und sich der Bildhauerkunst widmete. Unausgesetzt arbeitete er bei Tage mit dem Meißel und zeichnete bei Nacht, ja er übte dies mit solchem Eifer, daß, wenn ihm des Nachts die Füße steif wurden, er sie oft, um nicht von der Arbeit zu gehen, zur Erwärmung in einen Korb mit Sägespänen steckte, worüber ich mich gar nicht verwundere, da nie ein Mensch in irgendeinem Dinge vollkommen geworden ist, der nicht sehr jung schon angefangen hätte, Hitze und Frost, Hunger, Durst und andere Mühseligkeiten zu ertragen. Die sind fürwahr im Irrtum, welche glauben, ohne Anstrengung und mit aller Bequemlichkeit der Welt könne man zu einem ehrenvollen Berufe gelangen; nicht schlafend, sondern wachend und bei unausgesetztem Studium erwirbt man. Luca war kaum fünfzehn Jahre, als er zugleich mit noch mehreren jungen Bildhauern nach Rimini berufen wurde, um daselbst einige Marmorverzierungen und Figuren fürSigismondo di Pandolfo Malatesti, dem Gebieter jener Stadt, zu verfertigen, welcher damals in der Kirche S. Francesco eine Kapelle errichten und für seine verstorbene Gemahlin ein Grabmal bauen ließ. Bei diesem Werke gab er durch einige Basreliefs, die noch jetzt daselbst zu sehen sind, einen ehrenvollen Beweis seiner Geschicklichkeit. Hierauf ward er von den Werkmeistern von Santa Maria del Fiore nach Florenz zurückberufen und verfertigte daselbst für den Glockenturm jener Kirche fünf Bildwerke von Marmor, welche auf der Seite angebracht wurden, die nach der Kirche gewandt ist, wo sie der Zeichnung gemäß, die Giotto verfertigt hatte, neben denen nötig waren, in welchen der Pisaner Andrea die Wissenschaften und Künste dargestellt hatte. In dem ersten Relief, welches Luca arbeitete, sieht man Donatus, der die Grammatik lehrt, im zweiten Plato und Aristoteles als Philosophen, im dritten eine Gestalt, welche die Laute spielt, als Musik, im vierten Ptolemäus als Astrologen, im fünften Euclid als Geometer. Diese Bildwerke übertrafen an Zeichnung, Anmut der Erfindung und reinlicher Ausführung weit die beiden schon früher erwähnten, in welchen Giotto die Malerei unter dem Bilde des malenden Apelles und die Skulptur unter der Gestalt des mit dem Meißel arbeitenden Phidias dargestellt hatte. Die Werkmeister von Sta Maria del Fiore, welche an dieser Arbeit die Verdienste unseres Luca erkannten, folgten dem Rat des Herrn Vierie de Medici, eines damals sehr beliebten Mitbürgers, der den Luca sehr hoch hielt, und gaben im Jahre 1405 diesem Künstler den Auftrag, die Marmorverzierung für die Orgel zu verfertigen, welche der Kirchenvorstand sehr groß ausführen ließ, um sie über der Tür der Sakristei jener Kirche anzubringen. Luca stellte auf dem Sockel in einigen Bildern die Musikchöre dar, die auf verschiedene Weise singen, und wandte dabei viel Studium auf; auch gelang ihm diese Arbeit sehr wohl, und obgleich sie sechzehn Ellen aufwärts vom Boden entfernt ist, unterscheidet man dennoch das Schwellen des Halses bei den Singenden, erkennt, wie der, welcher die Musik leitet, auf den Schultern der Kleineren den Takt schlägt, kurz, sieht allerlei Klang und Saitenspiel, Gesänge, Tänze und andere Ergötzlichkeiten abgebildet, welche durch das Vergnügen der Musik bereitet werden. Auf dem Hauptgesims brachte Luca zwei vergoldete Metallfiguren an, zwei nackte Engel, die sehr fein ausgeführt sind, wie überhaupt das Ganze für eine seltene Sache galt, obgleich Donato, bei Verzierung der andern Orgel, dieser gegenüber, weit mehr Übung und Urteil zeigte, als Luca, indem er, wie an seinem Ort ausführlicher gesagt werden wird, das Werk fast nur aus dem Rohen arbeitete und es nicht fein ausmeißelte, damit es sich von ferne hervorheben möchte, wo es denn auch ein weit besseres Ansehen hat als das von Luca, welches zwar nach guter Zeichnung und mit Fleiß vollführt ist, bei aller seiner zarten Vollendung aber in der Weite dem Auge undeutlich wird und sich nicht so gut unterscheiden läßt, wie jenes von Donato. Dieses ist eine Sache, auf welche Künstler sehr acht haben müssen, denn die Erfahrung lehrt, daß alle Dinge, die von ferne gesehen werden, Santa Maria del Fiore nach Florenz zurückberufen und verfertigte daselbst für den Glockenturm jener Kirche fünf Bildwerke von Marmor, welche auf der Seite angebracht wurden, die nach der Kirche gewandt ist, wo sie der Zeichnung gemäß, die Giotto verfertigt hatte, neben denen nötig waren, in welchen der Pisaner Andrea die Wissenschaften und Künste dargestellt hatte. In dem ersten Relief, welches Luca arbeitete, sieht man Donatus, der die Grammatik lehrt, im zweiten Plato und Aristoteles als Philosophen, im dritten eine Gestalt, welche die Laute spielt, als Musik, im vierten Ptolemäus als Astrologen, im fünften Euclid als Geometer. Diese Bildwerke übertrafen an Zeichnung, Anmut der Erfindung und reinlicher Ausführung weit die beiden schon früher erwähnten, in welchen Giotto die Malerei unter dem Bilde des malenden Apelles und die Skulptur unter der Gestalt des mit dem Meißel arbeitenden Phidias dargestellt hatte. Die Werkmeister von Sta Maria del Fiore, welche an dieser Arbeit die Verdienste unseres Luca erkannten, folgten dem Rat des Herrn Vierie de Medici, eines damals sehr beliebten Mitbürgers, der den Luca sehr hoch hielt, und gaben im Jahre 1405 diesem Künstler den Auftrag, die Marmorverzierung für die Orgel zu verfertigen, welche der Kirchenvorstand sehr groß ausführen ließ, um sie über der Tür der Sakristei jener Kirche anzubringen. Luca stellte auf dem Sockel in einigen Bildern die Musikchöre dar, die auf verschiedene Weise singen, und wandte dabei viel Studium auf; auch gelang ihm diese Arbeit sehr wohl, und obgleich sie sechzehn Ellen aufwärts vom Boden entfernt ist, unterscheidet man dennoch das Schwellen des Halses bei den Singenden, erkennt, wie der, welcher die Musik leitet, auf den Schultern der Kleineren den Takt schlägt, kurz, sieht allerlei Klang und Saitenspiel, Gesänge, Tänze und andere Ergötzlichkeiten abgebildet, welche durch das Vergnügen der Musik bereitet werden. Auf dem Hauptgesims brachte Luca zwei vergoldete Metallfiguren an, zwei nackte Engel, die sehr fein ausgeführt sind, wie überhaupt das Ganze für eine seltene Sache galt, obgleich Donato, bei Verzierung der andern Orgel, dieser gegenüber, weit mehr Übung und Urteil zeigte, als Luca, indem er, wie an seinem Ort ausführlicher gesagt werden wird, das Werk fast nur aus dem Rohen arbeitete und es nicht fein ausmeißelte, damit es sich von ferne hervorheben möchte, wo es denn auch ein weit besseres Ansehen hat als das von Luca, welches zwar nach guter Zeichnung und mit Fleiß vollführt ist, bei aller seiner zarten Vollendung aber in der Weite dem Auge undeutlich wird und sich nicht so gut unterscheiden läßt, wie jenes von Donato. Dieses ist eine Sache, auf welche Künstler sehr acht haben müssen, denn die Erfahrung lehrt, daß alle Dinge, die von ferne gesehen werden, seien es nun Maler- oder Bildhauerwerke oder andere ähnliche Sachen, mehr Kraft haben, wenn sie einem schönen Entwürfe gleichen, als wenn sie fein ausgeführt sind. Abgesehen davon, daß die Entfernung jene Wirkung tut, scheint es auch, als ob bei Entwürfen, die durch plötzliche Eingebung der Kunst entstehen, mit wenigen Strichen der Gedanke besser ausgedrückt werde, als Mühe und zu großer Fleiß es vermögen, durch welche diejenigen, welche nie fertig werden können, sich oftmals um alle Kraft und Wissenschaft bringen. Die Zeichenkunst, um nicht nur die Malerei zu nennen, ist der Poesie zu vergleichen, und wie Dichterwerke, welche der poetische Erguß eingibt, die wahren und guten sind, und vorzüglicher als die mühselig gearbeiteten, ebenso gelingen auch die Werke der trefflichen Meister der Zeichenkunst besser, wenn sie durch plötzliche Eingebung hervorgebracht werden, als wenn sie durch Hin- und Hersinnen nach und nach mit Anstrengung entstehen. Wer, wie es sein muß, das, was er vollführen will, von Anfang in der Idee erfaßt hat, schreitet immer dar leicht und sicher der Vollendung entgegen; da indes nicht alle Geister gleich sind, gibt es freilich auch einige wenige, die nur langsam Gutes zustande bringen. So sagt man z. B., der Maler gar nicht zu gedenken, der sehr ehrenwerte und gelehrte Dichter Bembo habe bisweilen viele Monate, ja vielleicht Jahre gebraucht, ehe er ein Sonett beendete, wenn man anders denen glauben darf, die es versichern; demnach ist es eben nichts allzu Wunderbares, wenn solches den Meistern unseres Kunstberufes begegnet Indessen gilt doch meist die Regel vom Gegenteil, wie oben gesagt ist, wenn auch eine gewisse äußerliche und anscheinende Zartheit, welche Fehler in den Hauptsachen durch Fleiß verbirgt, von der allgemeinen Stimme günstiger beurteilt wird, als was richtig und mit Einsicht gemacht, äußerlich aber nicht so fein ausgeführt und geglättet ist.

Doch wir wollen zu Luca zurückkehren. Nachdem er das genannte Werk vollendet hatte, welches sehr wohl gefiel, erhielt er Auftrag, die Bronzetüre für die Sakristei zu arbeiten, welche man über jener Marmorverzierung sieht.

Als er indes nach Beendigungder Arbeit berechnete, was er gewonnen und welche Zeit er aufgewandt hatte, erkannte er, daß ihm wenig blieb und seine Mühe groß gewesen war; deshalb beschloß er, keine Marmor- und Bronzewerke mehr zu verfertigen, sondern zu trachten, ob er nicht auf anderem Wege reichlicheren Lohn ernten könne. Er sah, daß in Erde zu arbeiten sehr leicht war und keine Anstrengung forderte; daß nur ein Mittel zu finden not tat, was dieser Art von Werken Dauer zu geben vermöchte; er sann daher unermüdlich nach, wie man sie gegen die Zerstörung der Zeit schützen könne, gewesen, so würde man noch weit größere Dinge aus seinen Händen habe hervorgehen sehen, denn kurz bevor er starb, fing er an Bilder zu malen, von denen ich in seinem Hause einige gesehen habe, und die mich glauben lassen, diese Arbeit würde ihm leicht gelungen sein, wenn nicht der Tod, der meist die vorzüglichsten Menschen in dem Augenblick hinrafft, wo sie der Welt am meisten Nutzen schaffen wollen, ihn allzu früh des Daseins beraubt hätte.

Luca ging von einer Art der Beschäftigung zur anderen über, von Marmor zur Bronze, von der Bronze zur Erde ; dies geschah aber nicht aus Trägheit, noch aus einem unbeständigen, grillenhaften, mit seiner Kunst nicht zufriedenen Sinn, wie ihn wohl viele haben, sondern es drängte ihn die Natur zu neuen Erfindungen, und Not und Bedürfnisse zu einer Beschäftigung, welche seinem Sinne genehm war, geringereMüheforderte und größeren Vorteil brachte. Dadurch ward die Welt und die Kunst durch eine neue, nützliche und schöne Sache bereichert, und er gelangte zu dauerndem Ruhm und unsterblichem Lob.—Luca zeichnete sehr gut und zierlich, wie man in meiner Sammlung von Handzeichnungen an einigen Blättern sehen kann, die mit weiß aufgehöht sind. Auf einem dieser Blätter ist sein Bildnis von ihm selbst mit vieler Sorgfalt gezeichnet, wie er sich in einem Spiegel sieht.

Aus dem Buch: Lebensbeschreibungen der ausgezeichnetsten Maler, Bildhauer und Architekten der Renaissance (1910), Author:Jaffé, Ernst.

Siehe auch:
Giovanni Cimabue
Niccolo und Giovanni aus Pisa
Giotto
Buonamico Buffalmacco
Jacopo della Quercia

Luca della Robbia