Schlagwort: Bistum

Die Stellung zu den religiösen Problemen war für den Bamberger Bischof durch dreierlei gegeben, durch die Tatsache, daß das Bistum unmittelbar dem Papste unterstand, daß es weiter in dem Oberhaupte des Reiches die allein sichere Stütze gegen alle Gegner im Innern wie nach Außen hin hatte, und schließlich durch die Erfahrungen, die es infolge der Nachbarschaft Böhmens mit den Hussiten und mit sektiererischen Neigungen in Franken hatte machen können. Je aufgeklärter das Volk in kirchlicher Beziehung, je regsamer seine religiöse Betätigung, desto ernster mußte der Bischof auf die Seite der konservativen Mächte treten, an die er bereits durch die Rücksicht auf Papst und Kaiser gebunden war. Zu einer Kirchenpolitik in dem Sinne Hermanns von Wied war in diesem ersten Jahrzehnte der Reformation keine Möglichkeit vorhanden.

Bereits Georg von Limburg, den wegen seiner Beziehungen zum Humanismus so vielgerühmten Vorgänger Weigands von Redwitz, wird man kaum in dem Maße, als es vielfach geschieht, für einen Freund der neuen Bewegung erklären können; ein Planitz, der allerdings vielleicht ein wenig zu feinhörig war, wollte in ihm einen schroffen Gegner Luthers erkennen. Gleichwohl konnte sogar am Hofe eines Bischofs der Maximilianeischen Zeit die neue Lehre Anhänger gewinnen. Nach dem Wormser Edikt ging das nicht mehr an. Jedenfalls durfte öffentlich hiergegen niemand weiter verstoßen. Es ist wahrscheinlich, wenn auch naturgemäß nur zu erschließen, daß, als im Jahre 1522 noch kein neuer Reichstag die Bedeutung des Edikts geschmälert hatte, das Domkapitel eben deswegen einen Mann wie Weigand von Redwitz wählte. Denn über Weigands religiösen Ernst war nach der Wallfahrt, die er nach Jerusalem gemacht, ebensowenig ein Zweifel möglich wie über seine bestimmte Stellung zu Rom. Er, der Oberpfarrer von Kronach, war es doch wohl gewesen, der gegen den Pfarrverweser dortselbst 1522 die Klage vor das Domkapitel gebracht hatte, daß er „sich mit eines Bürgers Dochter gen Wittenberg getan und daselbst mit ihr Hochzeit gehabt“ habe. Wenn in den beiden Jahren danach Weigand trotzdem den abweichenden Strömungen keine starken Dämme entgegensetzte, so lassen sich dafür die verschiedensten Motive denken. Die Rücksicht auf die Politik des Reiches, die aus dem Schwanken nicht heraus kam, wird den Ausschlag gegeben haben.

Der deutsche Bauernkrieg