Eine zweckmäßige Ausnutzung der Naturgegebenheiten bedingt eine genügende technische Ausrüstung der Volkswirtschaft. Das ist gerade für die Sowjetunion wesentlich, da die meisten Quellen ihrer natürlichen Produktionskräfte sich in Gebieten befinden, deren Lage und klimatische Verhältnisse erhöhte technische Anforderungen stellen.

Die ersten Maßnahmen in dieser Hinsicht bezogen sich auf die Elektrifizierung der sowjetischen Wirtschaft. Darin sah Lenin ein besonderes Mittel zur Festigung der Bolschewistenmacht. Durch die energische Inangriffnahme dieser Aufgabe hat die Sowjetregierung zweifelsohne mengenmäßige Erfolge zu erzielen vermocht. Erzeugte das alte Rußland im Jahre 1913 etwa 2 Millionen kWh, so waren es 1937 in der UdSSR, rund 36 Millionen kWh. Allerdings blieb schon die vom zweiten Fünfjahresplan vorgesehene Stromerzeugung mit 2 Millionen kWh hinter den Planziffern zurück. Viel bescheidener sieht es des weiteren aus, wenn man die gesamte elektrische Energie auf die Kopfzahl der Bevölkerung umrechnet. So stellte z. B. Molotow im Jahre 1937 fest, daß auf eine Person in der UdSSR, an Strom kaum die Hälfte von Frankreich, etwa ein Drittel von England und ein Siebentel von Deutschland entfiel.

Gütemäßig waren die Ergebnisse der Moskauer Elektrifizierungspolitik noch geringer. Es sollten nach den Plänen gewaltige Kraftwerke gebaut werden, deren Kapazität in keinem Verhältnis zui Größe ihres Stromabnehmerkreises stand, denn die geplanten Hauptverbraucher, neue Industriebetriebe, wurden zum Teil weder fertiggestellt noch in Gang gesetzt. Infolgedessen konnte das Leistungsvermögen nicht voll ausgenutzt und der Strompreis, wie ursprünglich vorgesehen, nicht gesenkt werden.

Der schwächste Abschnitt der Sowjetwirtschaft ist das Transportwesen, was u. a. Stalin selbst zugeben mußte, indem er aul dem XVII. Kongreß der KPdSU (B). 1938 folgendes erklärte:

„Das Verkehrswesen ist jener gefährliche Sektor, der unser gesamtes Wirtschaftsleben, vor allem den Warenaustausch zu erschüttern droht, und es scheint, als habe diese Gefahr bereits feste Formen angenommen.“

Trotz eines verhältnismäßig geförderten Bahnbaues verfügte der Zarenstaat im Jahre 1913 über ein Eisenbahnnetz von nur 58 549 km Gesamtlänge, das weit hinter der Entwicklung in Europa und Amerika zurückblieb und nicht einmal den Bedürfnissen des eigenen Landes genügte.

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Die Sowjet-Union


An einem der schönsten Punkte von Tsingtau, an sanft aufsleigendem grünen Hange, hart an dem felsigen Meeresufer, wo in ewigem Rauschen die Brandung schäumt und wo der Blick weit hinüberschweiit über die prächtige Bucht und die freundlichen Häuser der deutschen Stadt, erheben sich jetzt die einfachen aber schmucken Bauten der Deutsch-chinesischen Hochschule.

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Kolonie und Heimat

Zweiter Abschnitt

Wenn auch die geistige Richtung der Griechen immer mehr um sich griff, so wurde die Chemie doch sehr stiefmütterlich behandelt und machte infolgedessen keinen Fortschritt. Der Grund hierfür ergibt sich aus Mangel an Beobachtung der Griechen. zumal sich die Chemie doch auf Tatsachen stützt und ihr Studium Auffindung und Betrachtung von Tatsachen ist. Bedenkt man, daß die ersten Tatsachen dieser wissenschaftlichen Richtung aus den seiner Zeit betriebenen Künsten mid Gewerben entlehnt winden, hierbei aber die Manipulationen, die das Material bei vorbereitenden Arbeiten erregte, nicht das Interesse fanden, welches zu der wissenschaftlichen Erkenntnis der gemachten Beobachtungen erforderlich war, so ist das eine gewisse Indolenz natürlichen Vorgängen gegenüber, ein charakteristisches Merkmal der Maturbetraektung der Alten. Statt Versuche mit den Naturprodukten anzustellen, wurde vielmehr die Interpretation zu Hilfe gerufen, und auf die oberflächlichsten Beobachtungen hin entstanden Meinungen, die die Macht von Lehrsätzen erhielten, weil solche von angesehenen Männein geäußert wurden. Von den schönen Künsten wurde nur der ästhetische Teil betrieben, und die geistige Kraft der Griechen erstreckt sich nur auf Poesie, abstrakte Philosophie und politische Geschichte.

Die Medizin war schon in frühester Zeit in Griechenland zu einer großen Blüte gelangt; jedoch beschäftigten sich nur wenige mit dieser Wissenschaft, und die Wenigen kommen für die Chemie gar nicht in Betracht.

An dieser Stelle können wir einige Namen von berühmten Ärzten, deren Heilmittel noch heute bekannt sind, nicht unerwähnt lassen. —

Es sind dies: Chion Asklepios 1300 v. Chr., Hippokrates 500 v. Chr., Galenus 131 n. Chr.

Wir wissen nunmehr, aus welchem Grunde die Griechen ihre Betrachtungen, welche den Kenntnissen des Experimentierens vorangehen müssen, abgeschnitten haben. Es ist jedoch nicht ausgeschlossen, daß einige alte Gelehrte dennoch den Weg des Experimentierens beschritten haben. Es wäre vor allen in Bezug auf Letzteres der Philosoph Demokrit von Abdera (500 v. Chr.) zu nennen, der nach den Zeugnissen einiger Schriftsteller aus dem 1. Jahrhunderte n. Chr. sein Leben mit Experimentieren zugebracht haben soll. Wenn dieses tatsächlich der Fall gewesen sein sollte, so war es insofern eine vergebliche Mühe, als ihm die Kenntnis des Beobachtern fehlte.

Um die geistige Richtung der Griechen zu verstehen, müssen wir ihre philosophischen Werke, welche manches auf Naturwissenschaften Bezügliche enthalten, zur Hand nehmen, und wir werden alsdann sehen, daß die griechischen Gelehrten, wenn sie sich mit Naturwissenschaften beschäftigten, darauf ausgingen, aus einem für wahr angenommenen Satz sämtliche Erscheinungen a priori durch Schlußfolgerungen vorauszusagen und zu erklären.

Für die Naturwissenschaften war jedenfalls der griechische Philosoph Aristoteles 384—322 v. Chr. am bedeutendsten. Dieser Gelernte äußerte einmal: daß man bei der Naturforschung vom Allgemeinen zum Besonderen übergehen müsse. An einer anderen Stelle trat er mit der Ansicht hervor, daß man zuerst Tatsachen und die Dinge, an welchen sie sich ergeben, kennen lernen müsse, um aus ihnen alle Folgerungen abzuleiten. Diesem Ausspruche folgte weder Aristoteles selbst, noch andere. Vereinzelte Fälle gibt es dennoch, daß er einige Kenntnisse nur durch genaues Beobachten erhalten konnte. Z. B. daß Meerwasser, wenn es durch Ton dringt, seinen Geschmack verliert und trinkbar wird u. A. m. Auf jeden Fall war das Experimentieren die schwache Seite der Griechen, und man braucht sich gar nicht zu wundem, wenn Plato 400 v. Chr. die Ansicht hatte, daß die Bildung des Bestes als die Entweichung eines Stoffes des Eisens anzusehen sei. — Wie anders, als aus einem hochgradigen Mangel an Beobachtungstrieb könnte man des Aristoteles Behauptung erklären, daß ein mit Asche gefülltes Glas ebensoviel Wasser aufnehme, wie ein leeres. Als weiteres Beispiel für die Leichtgläubigkeit jener Zeit diene die von Plinius ausgesprochene, allgemein geteilte Überzeugung, daß Luft in Wasser und umgekehrt Wasser in Luft übergehen könne. —

Es liegt also klar auf der Hand, daß alle Fragen, die mit zahlreichen Beobachtungen beantwortet werden konnten, mit oft ganz dunklen Philosophemen beseitigt wurden; ja um diese Methode einem jeden klar zu stellen, scheute man sich nicht, solche Aussprüche auch auf Erscheinungen des täglichen Lebens, welche mit der Naturwissenschaft verwandt sind, anzuwenden. Es findet sich wohl keiner unter den griechischen Gelehrten, welcher der Chemie einen größeren Vorteil verschafft hätte, jedoch ist hier nur zu erörtern, inwiefern sich ihre Leistungen in Bezug auf Naturwissenschaften der rein spekulativen Richtung anschlossen. Es dürfte umsomehr von Beachtung sein, wenn wir unseren Blick auf die Versuche der alten Griechen lenken, welche mit unserer Wissenschaft in Verbindung stehen, da man in späterer Zeit darnach strebte, die hervorgegangenen griechischen Ansichten mit richtigeren Methoden in Einklang zu bringen. Hierher gehört nun in erster Linie die Unternehmung über die letzten Bestandteile der Körperwelt — über die Elemente.

Schwegler sagt von der Metaphysik des Aristoteles bezüglich der Elemente (III. Bd. 1847, S. 196) Folgendes:

„Element heißt der der Art nach nicht weiter teilbare Grundbestandteil, aus welchem etwas zusammengesetzt ist.“

Element ist also — und diese Bedeutung des Wortes liegt allen anderen Auseinandersetzungen gemeinsam zu Grunde — der Grundbestandteil eines jeden Dinges. (Vergl. Metaphysik Lib. V. Cap. 3, Schwegler I. Bd. S. 97.) Element, der Körper, ist dasjenige, in welches die anderen Körper, wenn sie geteilt werden, sich zerlegen lassen, das selbst aber unteilbar ist und den Körpern der Möglichkeit oder Wirklichkeit nach innewohnt. (Vergl. de coel. Lib. III. 3. Bekker S. 302, 15.) So läßt z. B. Empedokles

„Feuer und Wasser und die anderen Elemente dasjenige sein, woraus das Seiende als aus seinen Grundteilen besteht, nicht aber bezeichnet er diese Elemente als Gattungen der Dinge“.

(Vergl. Lorscheid, Aristoteles’Einfluß a. d. Chemie, pag. 12.) Die vielleicht ursprünglich indische Hypothese von vier oder fünf stoffartig verschiedenen Elementen ist von dem Lehrgedichte des Empedokles an bis in die spätesten Zeiten allen Naturphilosophemen beigemengt geblieben: ein uraltes Zeugnis und Denkmal für das Bedürfnis des Menschen, nicht bloß in den Kräften, sondern auch in qualitativer Wesenheit der Stoffe nach einer Verallgemeinerung und Vereinfachung der Begriffe zu streben. (Vergl. Humboldt, Kosmos Bd. III, S. 11.) Der Urstoff (die Materie), in seiner Abstraktion von der Form gedacht, ist für Aristoteles das völlig Prädikatlose, Unbestimmte, Unterschiedslose, dasjenige, was allem Werden als Bleibendes zu Grunde liegt und die entgegengesetzten Formen annimmt, das aber selbst seinem Siim nach von allem Gewordenen verschieden ist und an sich gar keine bestimmte Form hat, dasjenige, was die Möglichkeit zu allem hat, aber nicht in Wirklichkeit ist. (Vergl. Schwegler, Geschichte der Philosophie, 1857, S. 74.)

Die ersten Spekulationen über die Beschaffenheit der Dinge finden sich bei den Chinesen; ein Dokument in Schwoking, jedenfalls älter als die Salomonischen Schriften, unterscheidet 5 Elemente: Wasser, Feuer, Holz, Metall, Erde. Ähnliche Vorstellungen herrschten in Indien, nämlich in den Institutionen des Manu gilt der feine Äther als das zuerst Geschaffene, wovon sich Feuer, Wasser, Luft, Erde ableiten. Diese Lehre gelangte bis Europa, und an der Verbreitung dieser Kenntnisse hatten die Philosophen, wie Solon, Pythagoras, Demokrit, Platon, die das Vertrauen der ägyptischen Priester zu gewinnen verstanden, den hervorragendsten Anteil. Auf jeden Fall sind uns die Ansichten der Griechen am besten bekannt, und dieses Volk hat durch seine hervorragenden, oben schon genannten Philosophen einen gewaltigen Einfluß auf die Weiterentwicklung dieser Lehre ausgeübt. Zuerst scheint bei ihnen nur mythisch das Wasser als Urstoff gegolten zu haben, bis Thales 600 v. Chr. bestimmt erklärte: daß das Wasser das Grundprinzip aller Dinge sei, aus welchem die organischen (vegetabilische wie tierische) Wesen entstehen würden. Dagegen war Anaximenes von Milet ganz anderer Ansicht, indem er an Stelle des Wassers die Luft setzte, und zwar mit folgender Begründung: Die Entstehung aller Körper wird aus der Verdünnung oder Verdickung der Luft abgeleitet , und zwar aus der ersteren das Wasser und aus der letzteren das Feuer. Wenn auch bei ihm die Luft als Urstoff angesehen wird, so sind nach ihm das Wasser und das Feuer voneinander getrennte Elemente. Diese Ansicht hat für uns insofern Bedeutung, als sich darin zuerst der Begriff von einer Verwandlung der Elemente findet. Ähnlich wie Anaximenes die Luft, erklärte Herodot von Ephesus 500 v. Chr. das Feuer als Urprinzip aller Dinge.

Durch Zweijochung der Grundeigenschaften oder Gegensätze auf den Urstoff entstehen die vier Elemente , welche zuerst von dem geistesgewaltigen Philosophen Empedokles aus Agrigent 440 v. Chr. als Grundlagen der Welt betrachtet wurden.

Diese Elemente wurden jedoch von ihm mit Aristoteles, der sie in seine Naturlehre auch aufnahm, nicht als verschiedene Grundstoffe aufgefaßt, sondern als verschiedene Eigenschaften, deren Trägerin die „Urmaterie“ war. (Vergl. Gompertz, Griechische Denker, pag. 183 ff.). Die sich durch den Tastsinn kundgebenden: warm, kalt, feucht, trocken gelten bei Aristoteles als Haupteigenschaften, weil jedes Element durch den Besitz dieser zwei Eigenschaften gekennzeichnet ist.

In folgender Stelle finden wir eine Erklärung, daß die Grundbestandteile die gleichartigen Teile (Eigenschaften) der Elemente sind : „Entsprechend diesen drei Alten der Zusammensetzmig der tierischen Bestandteile sind in neuerer Zeit drei selbständige Disziplinen entstanden, von denen die eine, die Tierchemie,, der ersten Zusammensetzung aus den Elementen entspricht, da auch diese tierische Teile in die letzten Elemente zerlegt; der zweiten Zusammensetzung entspricht die Gewebelehre, welche sich mit den gleichartigen Gebilden beschäftigt ; die dritte ist die spezielle Anatomie, insofern sie die tierischen Körper in die einzelnen Organe, also in ihre ungleichartigen Teile, zerlegt und diese zum Gegenstand ihrer Betrachtung macht.“ (Vergl. Frantzius, Aristoteles über die Teile der Tiere, S. 270.)

Für die längere Dauer hielt Aristoteles diese 4 Elemente für die Erklärung der Naturerscheinungen als nicht ausreichend, weshalb er ein fünftes, welches mehr von geistiger Beschaffenheit sein sollte, schuf. Bei den Anschauungen der aristotelischen Lehre im Mittelalter hatte dieses Element den Namen: „Quinta essentia“.

Es ist wohl einigermaßen berechtigt, wenn man annhnmt, daß Empedokles sowohl wie auch Aristoteles die Elementenlehre nicht aus sich selbst, sondern aus anderen Quellen geschöpft haben. Wie aus dem „Auguttera Nikája Vol. Jol ce“ hervorgeht, lehrte Buddha, daß die Welt aus den schon genannten vier Elementen und dem Äther bestehe. Letzterer ist auf jeden Fall mit der aristotelischen „ovoia“ identisch. In demselben Werke wird als sechstes Element das Bewußtsein genannt. Bezüglich des fünften Elementes spricht auch Aristoteles vom Äther Folgendes:

„Neben dem All und Ganzen aber gibt es ausserhalb des Als nichts, und es ist deswegen Alles in dem Himmelsgebäude, denn das Himmelsgebäude ist doch wohl das All; der Ort aber ist nicht das Himmelsgebäude selbst, sondern irgend die äußerste und die bewegbaren Körper berührende, ruhende Grenze des Himmelsgebäudes, und deswegen ist die Erde in dem Wasser, dieses aber in der Luft, diese aber in dem Äther, der Äther aber in dem Himmelsgebäude, das Himmelsgebäude aber nicht mehr in einem anderen“

(Buch d. Phys. Lib. V. Prantl, 1854. S. 173. Vergl. Lorscheid, Aristoteles Einfluß auf d. Entw. d. Chemie.)

Über den Grundstoff „quinta essentia“, welcher auch sein oft die Bezeichnung „Quintessenz“ erhielt, hatten die Anhänger der aristotelischen Lehre sehr mühevolle und zeitraube Untersuchungen und Spekulationen angestellt. Die Angabe der Schriften über die in früherer Zeit entstandenen und viel und eifrig erörterten Streitfragen über deren Gegenstand findet sich bei Meyer, Aristoteles Tierkunde, S. 411 — ferner Biese, Philosophie des Aristoteles, (II. Bd., S. 93).

Bezüglich des Begriffes „chemische Verbindung“ erwähnen wir zuletzt, daß man s. Zt. Meinungen hatte, die mit den heutigen Anschauungen im krassesten Widersprache stehen. Die Entstehung eines Körpers durch Wechselwirkung anderer wurde als Erschaffung eines neuen Körpers angesehen und die Vernichtung der früheren Substanzen, aus denen er hervorgegangen, angenommen. Wie wir ja des öfteren schon erwähnten, begnügte man sich mit theoretischen Erklärungen, ohne jedoch die Richtigkeit derselben mit Hilfe der Beobachtungen zu prüfen, und dieser Mangel blieb bei den Alten auch noch späterhin, denn sie wurden mit den zahlreichen chemischen Tatsachen nur durch Zufall bekannt.

So weit gehen unsere Nachrichten über die den Alten bis zum 4. Jahrh. v. Chr. bekannt gewesenen chemischen Tatsachen und sonstige mit der Chemie in Verbindung stehende Gegenstände. Von dem ersten Jahrhundert n. Chr. bis etwa zum vierten gehen uns fast alle Hilfsmittel ab, um uns weiter über die Fortschritte in der chemischen Wissenschaft informieren zu können.

Bevor wir jedoch zum folgenden Zeitalter übergehen, wollen wir noch eine kleine Betrachtung an dieser Stelle einfügen. In dem ersten Jahrhundert unserer Zeitrechnung gehen besonders von drei Ländern wissenschaftliche Forschungen aus: Griechenland, Italien und Ägypten. Von Griechenland, welches diese schöne Zierde bewahrte, ging der wissenschaftliche Sinn nach Italien über, und derselbe in kurzer Zeit sich zu einer selbständigen Höhe emporgeschwungen hat; ebenfalls hatte sich in Ägypten das wissenschaftliche Leben bedeutend gebessert. Die Alexandrinische Akademie, von Ptolemäus I. (301—284 v. Chr.) gestiftet, hatte sich auch hei Verfall der ägyptischen Monarchie und während der Herrschaft der Römer ihre Bedeutsamkeit zu erhalten gewußt und sich zu der angesehensten Hochschule emporgeschwungen. Durch die Einbrüche wilder Völker, sowie Verschlechterung der Sitten in Italien trat dort ein tiefer Verfall der Wissenschaft ein, welcher sich über das ganze Abendland verbreitete. Länger hielt sich die geistige Kultur im östlichen römischen Reiche, weil diese Gegenden erst in späteren Jahren durch die Einflüsse der Einbrüche wilder Voksstämme zu leiden hatten. Es dauerte dann auch nicht lange, daß Griechenland von nun an das Land der Wissenschaft in Europa wurde; diese Stellung wurde erst recht gekräftigt, seit Byzanz im Jahre 324 n. Chr. die Residenz des Herrschers wurde. Die byzantinischen Gelehrten standen im besten Einvernehmen mit ihren alexandrinischen Kollegen, mid dieselben werden wohl von Alexandrien die naturwissenschaftlichen Kenntnisse erworben haben. Mit dem bestimmteren Auftreten der Verbreitung von chemischen Ansichten ist die Datierung eines neuen Zeitalters, zu welchem wir nunmehr übergehen werden, erforderlich; es ist dieses das alchemistische Zeitalter oder das der Metallverwandlung.

Siehe auch:
Die Zeitalter der Chemie : Die ersten Erkenntnisse von der Materie

Die Zeitalter der Chemie

Erster Abschnitt

Betrachtet man den heutigen gewaltigen Ausbau der wissenschaftlichen Chemie mit ihren unübersehbaren Seitendisziplinen, so muß man sich sagen, daß diese kolossale Geistesarbeit nicht erst seit dem 18. Jahrhundert entstanden sein kann, sondern daß schon vor dieser Zeit große chemische Forscherarbeit geleistet sein mußte. Vornehmlich sind es alte griechische Erinnerungen, die uns bei einer Betrachtimg dieses Kapitels den Stoff geben. Bezüglich der Quellen sind wir zum Teil auf Gräberfunde, zum Teil auf einzelne Stellen alter Autoren angewiesen.

Von letzteren kämen hauptsächlich in Betracht: Theophrastos 371—286 v. Chr., ein Schüler des Plato und des Aristoteles; von ihm ist uns ein Werk über Mineralien erhalten; dann von den späteren: der Grieche Dioskorides (Mitte des 1. Jahrhunderts n. Ohr.) und der Römer Cajus Plinius Secundus (der ältere Plinius), welcher 23 n. Chr. geboren wurde und beim Ausbruche des Vesuvs zu Pompeji im Jahre 79 umkam. Aristoteles kommt hier weniger in Erwähnung, und wir werden im zweiten Teile ausführlich auf ihn zurückkommen. Sehr wichtig ist vor allem das Sammelwerk des Plinius, die große „naturalis historia“, weil uns dieselbe einen ziemlichen Überblick über die antike Naturkenntnis gestattet; leider aber wissen wir gar oft Benennungen nicht zu deuten, weil ihr Sinn sich geändert hat, und geraten hierdurch in mannigfache Zweifel. Von den in der Natur vorkommenden Rohstoffen sind die Metalle am frühesten genauer bekannt geworden.

Bevor wir uns jedoch mit der „naturalis historia“ befassen, möchten wir in großen Zügen einiges über die Kenntnisse der alten Völker vorausschicken.

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Die Zeitalter der Chemie