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FÜR Leben und Kunst giebt es keine strengere Prüfung als das Grab. Nur das Ernste und Echte hält vor ihm Stich. Selbst das gute Entlehnte weist die Empfindung hier ab.

Wie rührend erscheint uns die stille Schönheit griechischer Grabsteine. Und doch: möchte jemand wohl die Hegeso mit ihrem Schmuckkästchen, den schönen Jägerjüngling mit dem alten Vater vom Ilisos, ja auch nur die edle Totenklage des Marmorsarges von Sidon einem der Seinen aufs Grab setzen? So anmutig sind uns Leben und Sterben nicht; nicht so gehalten die Klage am Grabe. Vollends fremd bleiben uns die bildlichen Tröstungen der hellenischen Sage.

Oder wünschte man lieber das Bildnis des Verstorbenen in römisch schlichter Tüchtigkeit auf dem Grabe zu sehen? Ich meine, dass diese Ehre in der halben Oeffentlichkeit des Friedhofs höchstens dem gebührt, der sich in weitester Wirksamkeit ausgezeichnet. Von den Uebrigen sollte der Grabstein nur sagen, dass sie Menschen gewesen; wie die Spartaner nur dem die Ehre der Grabschrift zuerkannten, der in der Schlacht gefallen, oder der Frau, die als Priesterin gestorben. Auf einem Grabstein, den ich eines Tages auf einem winterlichen Ritt von Olympia durch Lakonicn am Wege auffand und nach Sparta brachte, standen, wie üblich, nur die Worte: „Eudamidas, im Kriege“. Welch ein Denkmal spartanischer Schlichtheit! Es ist dieselbe Gesinnung, in der wohl mancher sich die Erwähnung etwaiger Verdienste an seinem Grabe im Voraus verbittet und über dem Toten nur die durch altehrwürdigen Gebrauch geheiligten Worte gesprochen haben will.

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Albert Bartholomé Das Museum: eine Anleitung zum Genuss der Werke bildender Kunst

waren in den letzten Wochen im Hofe des Zeughauses für die Dauer von drei Wochen ausgestellt. An der vom Kommando der Schutztruppe ausgeschriebenen Konkurrenz beteiligten sich fünf Bildhauer, die ihre Werke den Preisrichtern Rcinhold Begas, Walter Schott, Konstantin Stark und den Vertretern des Schutztruppenkommandos Major Bender und Hauptmann Boettlin zur Preisbestimmung vorlegten. Leider ist bei der Konkurrenz nicht allzu viel herausgekommen. Mit Ausnahme von einem Entwurf wirken die Entwürfe etwas schablonenhaft und banal. Es ist weiter keine Kunst, einen südwestafrikanischen Krieger hoch zu Ross mehr oder minder siegesfroh ins Land hinausblicken zu lassen. Man hat dieses Motiv in den letzten Jahren unzählige Male gesehen. Der Farmer, der den Soldaten die Hand reicht, wäre schon eher eine Idee, die auch dem Ausblick in die Zukunft einen gewissen Raum gibt. Nur entspricht dieser Auffassung die etwas langweilige und steife Ausführung wenig. Das Kommando der Schutztruppe hatte ja allerdings den Zukunftsgedanken bei der gestellten Aufgabe nicht besonders hervorgehoben, sondern das kriegerische Moment in den Vordergrund gestellt, und diesem Gedanken wird der Entwurf von Moritz Wolff, der den ersten Preis erhalten hat und zur Ausführung bestimmt worden ist, noch am ehesten gerecht. Die beste Arbeit ist unsrem Gefühl nach die mit dem zweiten Preis bedachte von H. W. v. Glümer. Das Modell stellt einen vom Pferde abgesessenen Reiter dar, der mit weit ausgebreiteten Armen, in der rechten das Gewehr mit aufgepflanztem Bajonett, den Sieg über die aufständischen Schwarzen zu verkünden scheint. Unter dem Pferde liegt ein toter Herero. Dieser Entwurf ist ziemlich wirkungsvoll und uns auch insofern sympathisch, da uns bei tieferer Versenkung in die Gruppe nicht bloss die reine Siegesfreude in der Geste des Reiters zum Ausdruck zu kommen scheint. Es kann auch sein, dass der Künstler den Krieger sagen lassen will:

„Nun habe ich meine Arbeit getan, jetzt ist das Land frei für den deutschen Ansiedler.“

Der dritte Preis ist dem Entwurf von Adolf Kürle zuerkannt, der in kolonialen Kreisen sich durch das Daressalamer Wissmann-Denkmal einen Namen gemacht hat.

Kolonie und Heimat