Schlagwort: Deutsch-Ostafrika

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Abbildungen Dreissig Jahre deutsche Kolonialpolitik im Bild

I. Abschnitt, II. Abschnitt, III. Abschnitt, IV. Abschnitt, V. Abschnitt, VI. Abschnitt, VII. Abschnitt, VIII. Abschnitt, IX. Abschnitt, X. Abschnitt.

Seit der Begründung des neuen Deutschen Reiches hat kein politisches Ereignis innerhalb und ausserhalb der Grenzen unseres Vaterlandes solches Aufsehen erregt als die Erwerbung deutscher Kolonien. Was die einen lange wünschten und erstrebten, die andern zaudernd und vorsichtig erwogen und die dritten entschieden bekämpften, das war durch die Besitznahme Angra Pequenas endlich zur Thatsache geworden, und rasch folgten dem eisten kühnen Schritte die Flaggenhissungen in Togo und Kamerun, in Deutsch-Ostafrika und in der Südsee. Es war auch höchste Zeit, dass Deutschland Zugriff. Denn allerwärts waren die Kolonialmächte thätig, die Welt unter sich zu verteilen; und es gab nicht mehr viele Gebiete, die sogenanntes No Man’s Land oder herrenloses Land zur Besitzergreifung darboten.

Schon oft ist die Frage aufgeworfen worden, warum gerade die Deutschen, die seit alters als tüchtige Kolonisten bekannt sind, erst so spät dem Beispiel ihrer europäischen Nachbarn folgten und in die Reihe der Kolonialstaatcn eintraten. Die Antwort auf diese Frage giebt die politische Vergangenheit unseres zersplitterten und ohnmächtigen Vaterlandes, die eine selbständige überseeische Politik unmöglich machte und uns in auswärtigen Angelegenheiten zu einem willenlosen Spielball der europäischen Seemächte herabwürdigte. Ein 1848 erschienenes Spottgedicht, das in nicht misszuverstehender Weise das Ansehen geisselt, das Deutschland damals genoss, lautet folgendermassen:

Deutschlands Kolonien

I. Abschnitt, II. Abschnitt, III. Abschnitt, IV. Abschnitt, V. Abschnitt, VI. Abschnitt, VII. Abschnitt, VIII. Abschnitt, IX. Abschnitt.

Förderung des Handels und Hebung des Volkswohlstandes, Stärkung und Verbreitung der eigenen Nationalität sind die mächtigen Triebfedern überseeischer Politik, und nicht Abenteuerlust oder Ländergier, sondern wirtschaftliche Ursachen sind es gewesen, die zur Entstehung der deutschen Kolonialbewegung und der kolonialen Unternehmungen aller Völker überhaupt Anlass gegeben haben. Die heimische Bevölkerung ist so gewaltig gewachsen, dass unsere Landwirtschaft nur noch Dreiviertel dieser Volksmenge zu ernähren vermag. Daher gewinnt die Auswanderungsfrage immer mehr an Bedeutung, weil den Auswanderern neue Ziele eröffnet und sie zugleich den Interessen des Vaterlandes erhalten werden sollen. Dann erheischte die wirtschaftliche Notlage dringend Abhilfe. Der Absatz der massenhaft hergestellten Fabrikate wurde immer schwieriger, und es galt nicht bloss, den deutschen Kaufmann vor fremden Übergriffen zu schützen, sondern man musste im Wettbewerb mit den ebenfalls unter wirtschaftlicher Übererzeugung leidenden Nachbarstaaten der heimischen Industrie zugleich die alten Märkte sichern und ihr neue Absatzgebiete aufschliessen. Endlich war es ein naheliegender Gedanke, die vielen Millionen, die wir alljährlich für Kaffee, Tabak, Baumwolle und andere Kolonialwaren ausgeben, uns selbst zu erhalten und uns dadurch vom Ausland unabhängig zu machen.

Deutschlands Kolonien