Schlagwort: Deutsch-Ostafrika

An der lieblichen, palmenumgürteten Meeresbucht, wo einst der erste Sultan des 1856 selbständig gewordenen Sultanates Zanzibar die mächtigen Grundmauern zu einem neuen Herrschersitz zu errichten begann, der den Namen Daressalam, d. i. „Haus des Friedens“, führen sollte, dort ist die aufblühende gleichnamige Hauptstadt der grössten Kolonie des Deutschen Reiches erstanden. Mit dem im Jahre 1870 erfolgten Tode Seyid Majids war auch das Schicksal seiner Baupläne besiegelt. Das Araberreich in Afrikas Osten sank schon unter seinem nächsten Nachfolger, dem Sultan Seyid Bargasch, unter dem mehr und mehr zur Geltung gekommenen Einflüsse der höheren abendländischen Kultur in Trümmer, und an der Stelle, wo der Sultan die Hochburg des Islams zu errichten gedachte, stieg sieghaft verheissungs-voll der Hohenzollern-Aar empor, und unter dem Schutz und Schirm der schwarz-weissroten Flagge pflanzte dauernd sich das Kreuzeszeichen der Christenheit auf! Und so sind die weit vom Ozeane draussen schon sichtbaren Wahrzeichen der Hauptstadt Deutsch-Ostafrikas denn auch die ragenden Gotteshäuser der beiden christlichen Bekenntnisse geworden, welche sich friedlich zu gleicher Arbeit die unter deutscher Schutzherrschaft stehenden Gebiete Ostafrikas zum Arbeitsfeld erkoren.

Daressalam war damals ein elendes Negerdorf, das sich erst unter dem deutschen Regime allmählich zu einer eleganten kleinen Stadt, und im Laufe der letzten Jahre zu einem verkehrsreichen Handelsplätze entfaltet hat. Die verhältnismässig rasche Entwicklung der Landeshauptstadt, die hierdurch hervorgerufene Erstarkung der europäisch-deutschen Bevölkerung, unter welcher wiederum bald in steigernder Zahl deutsche Familien in den Vordergrund traten, sie liessen auch das Bedürfnis geltend werden, für die christlichen Kirchengemeinden Gotteshäuser zu errichten.

Kolonie und Heimat

Allgemeines.

Landwirtschaftlicher Unterricht am Hamburgischen Kolonialinstitut. Die tropische Landwirtschaft war bisher bereits in einigen Gebieten als Unterrichtsfach am Kolonialinstitut vertreten. Diese Unterweisungen waren jedoch nicht für Landwirte von Beruf bestimmt, sondern für Beamte und Kaufleute, die bei ihrer Tätigkeit in den Kolonien auch einiger landwirtschaftlichen Kenntnisse bedurften. Vom kommenden Wintersemester ab wird jedoch ein vollständiger landwirtschaftlicher Unterricht für solche Personen eingerichtet, die nach Beendigung der praktischen Lehrzeit eine allgemeine landwirtschaftliche Vorbildung unter besonderer Berücksichtigung tropischer Verhältnisse zu erwerben wünschen. Sie können daher vom kommenden Semester ab ihre vollständige theoretische Ausbildung für tropische Landwirtschaft am Kolonialinstitut in Hamburg erhalten. Der Studienplan erstreckt sich über vier Semester und umfasst Landwirtschaft, Veterinärkunde, Naturwissenschaften, sowie Rechts- und Staatswissenschaft. Aus dem Gebiete der Landwirtschaft werden neben dem allgemeinen Acker-und Pflanzenbau der Tropen die Züchtung von Kulturpflanzen, die Plantagen- und Farmwirtschaft, die Ptlanzenkrankheiten, die Anlage und Bewirtschaftung von tropischen Nutzgärten eingehend behandelt werden. Daran schliessen sich die Unterweisungen über die Tierzucht, die Lehre von der Fütterung und Aufzucht der Pferde, Rinder, Schafe usw. und schliesslich über die Molkereiprodukte, Maschinenkunde und die Nutzung von Fischgewässern, ln der Veterinär künde werden die Tierseuchen und ihre Bekämpfung1 von besonderer Bedeutung sein. Der naturwissenschaftliche Unterricht berücksichtigt in besonderem Grade die Verhältnisse unserer Kolonie in bezug auf Botanik und Zoologie. Auch die Landes- und die Völkerkunde der deutschen Kolonien gehören zu diesen Disziplinen. Von praktischer Bedeutung sind hierbei die Ueberweisungen im Haus-, Wege- und Brückenbau. Kolonialpolitik und praktische Volkswirtschaftslehre bilden den letzten Abschnitt des Studienplans. Daneben ist den Landwirten Gelegenheit geboten, auch an allen übrigen Vorlesungen des Instituts, besonders an dem Sprachunterricht teilzunehmen

Ostafrika.

Die Hauptversammlung des wirtschaftlichen Landesverbandes von Deutsch-Ostafrika, von der wir in der Nachrichtenbeilage der Nr. 23 ein Gruppenbild veröffentlichten, hat bekanntlich am 4. Juni in Daressalam stattgefunden. Obgleich die Redner ihre Befriedigung darüber betonten, dass der im vorigen Jahre mit dem Gouvernement geschlossene Frieden nicht gestört worden sei, stellten sie andererseits fest, dass bezüglich der damals gefassten Beschlüsse und Anträge, deren Erfüllung Gouverneur von Rechenberg in Aussicht gestellt hatte, eine Besserung bisher nicht eingetreten sei. Es wurde eine Anzahl von Resolutionen gefasst, besonders bezüglich der Bildung des Gemeindcrates sowie der Bezirks- und Gemeinderäte, der Arbeiterfrage, der Landpolitik und der Eisenbahnfrage. Bezüglich der Selbstverwaltung hält es der Landesverband für unbedingt erforderlich, dass die Zahl der gewählten Gouvernementsratsmitglieder erhöht wird, die Namen der von den Wählern zum Gouvernementsrat vorgeschlagenen Personen und die Anzahl der auf sie entfallenen Stimmen veröffentlicht werden, dass dem Gouvernementsrat das Recht der Beschlussfassung über alle Angelegenheiten des Ziviletats, soweit die Mittel aus eigenen Einnahmen des Schutzgebietes aufgebracht werden, zugestanden wird, dass die Bezirksund Gemeinderäte zu Organen einer wirklichen Selbstverwaltung ausgestallet, die Beratungen der genannten Körperschaften öffentlich abgehaltcn und darüber stenographische Sifzungs-protokolle angefertigt und veröffentlicht werden. In der Arbeiterfrage wird die Einberufung einer Sonderkommission verlangt, die über folgende Vorschläge zu beraten hat: Einwirkung auf die Eingeborenen durch Steuergesetzgebung (Kopfsteuer), Organisation der Anwerbung im Inneren unter tätiger Mitwirkung der Regierung, Einführung von Arbeitskarten nach Wilhelmsthalcr Muster, Personalkontrolle (Passzwang) und Abänderung der Arbeitergesetzgebung. — ln der Landfrage wird pachtweise Abgabe von Land zu den bisherigen Preisen, freie Ueber-tragbarkeit des Pachtlandes, Einheitlichkeit der Bestimmungen für die Abgabe von Land in möglichst grossen Bezirken, öffentliche Bekanntgabe dieser Bestimmungen, Mitwirkung der Bezirksräte bei der Festsetzung der Landpreise, schliesslich noch Erfüllung dieser Wünsche: Einführung einer angemessenen Werlzuwachssteuer bei enigeltlichem Uebergang, bei Besitz oder Eigenlandes gefordert. Bezüglich der Zentralbahn wurde die Erwartung ausgesprochen, dass die Verwaltung schleunigst alle Schlüsse ziehen werde, um eine Betriebssicherheit zu gewährleisten, ferner dass die Verwaltungen der Usambara-Bahn und Zentralbahn den berechtigten Forderungen der Wirtschaftler in bezug auf Stellung genügenden und geeigneten Wagenmaterials und Herabsetzung der Frachttarife nachkommen werde. Schliesslich wurde die Erwartung ausgesprochen, dass die Deutsche Ostafrika-Linie sich zu weiterer Herabsetzung ihrer Frachttarife entschliessen wird und der Vorstand beauftragt, in diesem Sinne sich mit der Verwaltung der Linie, dem Gouvernement und dem Reichskolonialamt in Verbindung zu setzen.

Zur Frage des Hafenbaus von Tanga wurde jüngst in einem rheinischen Blatt die Befürchtung ausgesprochen, dass die Arbeiten neuerdings eine Verzögerung erleiden würden. Diese Befürchtung ist unzutreffend. Es stehen allerdings noch zwei, in Einzelheiten von einander abweichende Projekte zur Diskussion — die augenblicklich in Gang befindlichen Arbeiten sind aber derart, dass sie sowohl für das eine wie für das andere Projekt nötig sind. Die definitive Wahl des einen von den beiden genannten Projekten dürfte demnächst zu erwarten sein.
Südwestafrika.

Dem bisherigen Gouverneur von Deutsch-Südwestafrika von Schuckmann ist vom Kaiser der Rote Adlerorden zweiter Klasse mit Eichenlaub und Schwertern am Ringe verliehen worden. Herr v. Schuckmann gab bekanntlich nach unwidersprochenen Zeitungsmeldungen als Grund für seinen Wunsch auf Rücktritt von der Leitung Deutsch-Südwestafrikas die „grosskapitalistische Politik“ Dernburgs an, die er nicht mitmachen könne. Er ist von seinem aus Gesundheitsrücksichten erbetenen Europa-Urlaub nicht auf seinen Posten zurückgekehrt. Die Ernennung eines neuen Gouverneurs ist noch nicht bekannt gemacht, v. Schuckmann, der 1857 geboren ist, wurde 1886 als Assessor ins Auswärtige Amt berufen, war 1888 Vizekonsul in Chicago, 1890 und 1891 als Legationsrat wieder in Berlin tätig, wurde er zu einer sechsmonatigen Vertretung des Gouverneurs nach Kamerun entsandt. 1895 Vortragender Rat. Im Dezember 1900 trat er wegen eines Augenleidens in den einstweiligen Ruhestand. Er betätigte sich in dieser Zeit als Landtagsabgeordneter für den Wahlkreis Arnswalde-Friedeberg. Im März 1907 wurde er als Nachfolger v. Lindcquists nach Südwestafrika berufen.

Eine Expedition nach Ovamboland, dem noch uneroberten Streifen des Eingeborenengebietes im äussersten Norden der Kolonie, soll nach englischen Blättern, im August d. J. stattfinden. An massgebender Stelle ist jedoch von einer derartigen Expedition nichts bekannt. Die englische Meldung entspricht nicht den Tatsachen.

Die Versorgung mit Trinkwasser in Lüderitzbucht ist zurzeit sehr mangelhaft. Diamanten gibt es dort in Fülle, aber als Trinkwasser erhält man nur sogenanntes Kondenswasser, spärlich und teuer aus Seewasse kondensiert. Die Wäscherin hat für das Liter Kondenswasser zurzeit den hohen Preis von drei Pfennigen zu zahlen. Ständig wiederkehrende Epidemien von Ruhr und Typhus sind die Folgen dieses Wasserelends, dessen Beseitigung jetzt infolge von privater Seite durchgeführter Vorarbeiten in greifbare Nähe gerückt ist. Die 3.5 Kilometer nördlich Lüderitzbucht gelegenen sogenannten Anichabquellen, auf welche schon Dr. Lotz, ein Kenner dortiger Wasserverhältnisse, hingewiesen hat, kommen als reichste und beste Wasserstelle der Umgebung allein in Frage. Ausführung und Finanzierung der Wasserleitung sind draussen und daheim bereits vorbereitet. Der frühere Gouverneur von Deutsch-Südwest und jetzige Staatssekretär des Reichskolonialamtes hat diese Wassererschliessung von Anfang an mit lebhaftem Interesse begleitet. Der Gemeinderat von Lüderitzbucht hat Vorsorge getroffen, dass später die Gemeinde die privaten Wasserwerke günstig übernehmen kann.
Kamerun.

Marmorlagerstätten in Adamaua. Der Geologe Dr. Mann hat in Adamaua bei Bidiar (100 Kilometer nordöstlich von Garua an der französischen Grenze) sehr ausgedehnte Marmorlager entdeckt. Es handelt sich meist um dickbänkigen, reinweissen, daneben aber auch um grauen Marmor. Für Bildhauerzwecke erscheint ersterer bei seiner gleichmässigen Farbe, seiner Durchsichtigkeit und seinem euten Bruch hervorragend geeignet. Mehrere Kisten mit Proben zur näheren Untersuchung befinden sich auf dem Transport. An Ort und Stelle könnte der Marmor zu Bauzwecken, ferner zur Kalkbereitung, sowohl als Ersatz für Zement als auch zur Düngung, Verwendung finden; in letzterer Eigenschaft ist er besonders für die in Adamaua beabsichtigte Tabakkultur von Wichtigkeit. Das Lager befindet sich unweit des Mas Lue, eines schiffbaren Nebenflusses des Kebi, so dass ein Abtransport zu Schiff auf dem Benuë -Niger bis zum Meere möglich ist, vorausgesetzt natürlich, dass die Produktion und der Absatz sich lohnend gestalten lassen. Allerdings ist die Schiffbarkeit des Flussweges, besonders im Oberlauf des Benuü mit seinen Nebenflüssen, auf kurze Zeit des Jahres beschränkt.
Südsee.

Deutsche Kriegsschiffe vor Samoa. In Samoa sind ausser den beiden Kreuzern „Condor“ und „Cormoran“ der Panzerkreuzer „Scharnhorst“ und der Kreuzer „Nürnberg“ von der Ostasiatischen Station eingelroffen. Es handelt sich lediglich um die Ausführung eines schon vor Monaten ergangenen Befehls; irgendwelche Unruhen haben nicht statlgefunden und sind auch nicht zu befürchten. Die letzten über ein Jahr zurückliegenden und damals durch die Verbannung der Hauptschuldigen beendeten Unruhen lassen es erwünscht erscheinen, an der Küste von Samoa von Zeit zu Zeit die deutsche Flagge durch ein Achtung gebietendes Geschwader zu zeigen. Das würde in diesem Jahr bereits früher geschehen sein, wenn nicht erst der Besatzungswechsel auf den betreffenden Schiffen in Tsingtau abzuwarten gewesen wäre. Dass übrigens auf Samoa selbst vollkommene Ruhe herrscht, hat der Gouverneur Dr. Solf noch in allerneuesterZeit ausdrücklich gemeldet.

Der Handel Samoas im Jahre 1909 hat mit 6359008 Mk. gegen das Jahr 1908 (5 153 639 Mk.) eine Zunahme um 1 205 369 Mk. aufzuweisen. Die Einfuhr hatte einen Wert von 3 337 629 Mk. (2 482 406 Mk.), hat also gegen das Jahr vorher um 855 223 Mk. zugenommen. Die Ausfuhr hatte einen Wert von 3021379 Mk. (2671233 Mk.), also eine Zunahme von 350 146 Mk. Von der Einfuhr kamen aus Deutschland nur Waren im Werte von 637 970 Mk., das sind für 94 312 Mk. mehr als im Jahre vorher; von der Ausfuhr gingen Waren im Werte von 1 510 118 Mk. nach Deutschland, das sind für 257 234 Mk. mehr als im Jahre vorher. Den grössten Teil des Handels mit Samoa vermitteln Australien und die Südseeinseln.

Die Deutsche Grenzexpedition Im Kaiser-Wilhelms-Land, die seit Anfang Mai ihre ersten rekognoszierenden Vorstösse von der Küste in das unbekannte Innere unternommen hat, ist Anfang Juni mit der Anlage der Hauptetappen so weit fortgeschritten, dass der Haupttrupp selbst mit rund 150 Mann in der ersten Juniwoche den Einmarsch beginnen konnte. Gleichzeitig brach nach gemeinschaftlich festgelegtem Plan die holländische Expedition auf Während aber die Deutschen den Landweg ins Innere einschlagen, schieben die Holländer, mit leichteren Booten als die deutsche Expedition versehen, ihren Proviant den Tamifluss hinauf. Die Notwendigkeit, vom guten Willen der eingeborenen Bevölkerung sich unabhängig zu machen, trat immer deutlicher zutage, denn wo immer die Reisenden auf eine Ansiedlung stiessen, flohen die Einwohner, nachdem sie ihre Hausgeräte und oft auch Waffen (Bogen und Pfeil) im Walde eiligst versteckt hatten. Weiber und Kinder waren selbst in dem einzigen Dorf (Apope), von dem aus das Standlager an der Tamimündung mit Bananen, Kokosnüssen, Sago und Taro ab und zu versorgt wurde, nie zu sehen gewesen. Die weissen Fremden wurden zwar freundlich aufgenommen, ihre Perlen und Tücher fanden guten Absalz, ausser Männern ward niemand sichtbar, alle Nichtwehrbaren hatten im Walde Zuflucht gesucht. Im Innern gelang es der Expedition bisher nicht, auch nur mit einem einzigen Eingeborenen Fühlung zu gewinnen. Etwa 20 Kilometer landeinwärts traf die Expedition auf eine wehrhafte Horde. Die Männer, lebendige starke Gestalten, aufgeregt mit Pfeil und Bogen hantierend, Hessen sich zwar schliesslich bewegen, zum Zelt zu kommen,. sie stellten auch einen Führer, aber am folgenden Tage waren alle auf Nimmerwiedersehen verschwunden. So wird die Expedition wohl auch künfiighin ganz auf eigenen Proviant und Spürsinn angewiesen sein. Obwohl mit dem Südostpassat die trockene Jahreszeit eingesetzt hat, sind starke Regengüsse doch nicht selten. Sie verwandeln den Urwaldboden der Niederungen in Morast, und auf den Steilanlagen der Berge verlegen umgestürzte Bäume den Trägern den eben geschlagenen „Weg“. Das Hauptstreben der Expedition ist es jetzt, Punkte zu gewinnen, von denen aus sich ein freier Blick aus dem Urwald ins Land bietet, um Ortsbestimmungen machen zu können.

Weiteres aus der Reihe „Kolonie und Heimat“
Eine Straussenfarm in Deutschland
Wie der Neger in Togo wohnt
Deutsche Diamanten
Zur Frauenfrage in den deutschen Kolonien und andere Bekanntmachungen
Die Landesvermessung in Südwestafrika
Bilder aus dem Norden von Deutsch-Südwest: Namutoni
Koloniale Neuigkeiten
Deutschland, England und Belgien in Zentralafrika
Das Deutsche Institut für ärztlich Missionen in Tübingen
Bilder von der afrikanischen Schutztruppe
Die Kolonien in der Kunst
Der Handelsagent in Deutsch-Afrika
Bierbrauerei der Eingeborenen in Afrika
Samoanische Dorfjungfrau
Losso-Krieger aus dem Norden von Togo
Allerlei aus dem Leben des Togonegers
Ostafrikanisches Obst
Ostafrikanische Küstenbilder
Tabakbau und Tabakverarbeitung in Havanna
Die französische Fremdenlegion
Kamerun : Totentanz der Küstenneger
Ein Rasseproblem
Blick in eine Wanjamwesi-Siedlung bei Daressalam
Der Botanische Garten zu Berlin als Zentralstelle für koloniale Landwirtschaft
Die Kirchen in Daressalam
Das Meer und seine Bewohner : Seevögel
Sie riss das Gewehr an die Backe, zielte einen Augenblick und schoss . . .
Wie man in Afrika in der Regenzeit reist
Auf den Diamantenfeldern von Lüderitzbucht
Die Diamanten-Regie des südwestafrikanischen Schutzgebiets in Berlin
Bilder aus der ostafrikanischen Vogelwelt
Vom Deutschtum im Ausland (Chile)
Medizintanz der Baias in Kamerun
Hamburg als Hafenstadt
An der Trasse der Bagdadbahn
Die Baumwollfrage
Die Mischehen unter fremden Rassen
Das Haar
Deutsches Leben in Deutsch-Südwest Afrika
Unteroffiziere der Schutztruppe in Südwest-Afrika feiern Weihnachten
Wenn der Buschneger den ersten Weissen sieht …
Berittene Spielleute des Sultans Sanda von Dikoa
Ein Morgenpirschgang in Ostafrika
Die Kilimandjaro-Bahn
Die Aufgaben der deutschen Frau in Deutsch-Südwestafrika
Kolonie und Heimat : Rückblick und Ausblick
Prosit Neujahr!
Wie die Ponapeleute entwaffnet wurden
Goldgewinnung an der Goldküste
Eingeborenen-Bilder aus Kamerun : Die Wute
Wie schafft man sich gesundes Blut?
Bilder aus der Tierwelt Südafrikas
Totengebräuche auf den Salomons-Inseln
Fünfundzwanzig Jahre Deutsch-Ostafrika
Eine Reise durch die deutschen Kolonien
Neues aus dem Innern von Neu-Guinea
Der Nord-Ostsee-Kanal
Bilder aus der Kameruner Vogelwelt
Die landwirtschaftliche Ausstellung in Keetmanshoop
Herero-Mann Deutsch-Südwestafrika
Die Straussenzucht in Südwestafrika
Kolonie und Heimat erscheint von jetzt an wöchentlich.
Die deutsche Frau in der Südsee
Die Ölpalme
Frauenerziehung in China
Seltsame Fleischkost
Mitteilung des Frauenbundes der Deutschen Kolonialgesellschaft
Die Herstellung von Rindentuch in Zentralafrika
Südwestafrikanische Früchte in Deutschland
Windhuk
Der Panamakanal
Bilder aus Kiautschou : Unsre Besatzungstruppe
Bilder aus Kiautschou : Chinesische Verkehrsmittel
Ein Besuch in der chinesischen Stadt Kiautschau
Das neugierige Krokodil
Bilder vom Wegebau in Kamerun
Negerkapelle
Verarmte deutsche Ansiedler in Jamaika : Ein Notschrei aus Westindien
Pestgefahr in Kiautschou?
Gastfreundschaft in Deutsch-Ostafrika
Eine leckere Mahlzeit
Südseeinsulaner aus Jap (Westkarolinen)
Kalkutta
Liebesdienst
Die Ausfuhrprodukte Deutsch-Ostafrika
Die Bewohner von Ruanda
Die Heuschreckenplage in Südafrika
Südseeschutzgebiete
Deutsch Ostafrika : Gefangene junge Elefanten in Udjidji am Tanganjikasee
Koloniale Plastik
Wie der Europäer in Südafrika wohnt
Bilder von der ostafrikanischen Nordbahn
Die Tropenhygiene auf der Internationalen Hygiene-Ausstellung
Kamerun: Ein Haussa-Fleischer in Bamum räuchert Fleisch
Ein afrikanischer Operettenkrieg
Der tote Buschmann
Das neue Südafrika
Auf einer Station im Innern von Südkamerun
Die drahtlose Telegraphie und ihre Bedeutung für unsere Kolonien
Das Museum für Meereskunde in Berlin
Ein Besuch in Bombay
Bilder aus Ceylon
Suahelifrau im Festgewand
Hamburg als Hafenstadt II
Idyll aus Deutsch-Südwest: Fütterung eines jungen Springbocks
Die Bremer Baumwollbörse
Rund um Afrika
Schlangen in Südwest-Afrika
Mädchen von der Karolineninsel Jap
Milchwirtschaft auf einer südafrikanischen Farm
Auf den Lüderitzbuchter Diamantenfelder
Missionspredigt in einem Dorf von Süd-Togo
Altindische Baudenkmäler
Ein neuer Ostafrika-Dampfer
Haartrachten der Eingeborenen in Afrika
Totengebräuche im alten Samoa
Badende Kinder auf Samoa
Eine Fahrt auf der sibirischen Eisenbahn
Äquator Taufe
Buschmänner beim Bogenschiessen
Die Bekämpfung der Pest in Kiautschou
Kamerun: Marktszene aus Banjo
Wei-hai-wei
Jugendbelustigungen in Niederländisch-Indien
Diamantendiebstähle
Der findige Telegraphist
Toto, der erste aus Ostafrika nach Deutschland gebrachte Elefant
Fischerboot an der ostafrikanischen Küste
Vom Deutschtum im Stillen Ozean : Deutsche Arbeit auf Hawaii
Die Post im Innern Afrika
Hamburg als Handelsstadt : Aus Hamburgs Vergangenheit
Vom Deutschtum im Ausland
Wieviel Menschen sprechen Deutsch?
Echtheitsbestimmungen der Diamanten
Allerlei vom ostafrikanischen Neger
Tanzmasken der Graslandbewohner im nordwestlichen Teile von Kamerun
Die Fürsorge für die Mischlingskinder in Südwest-Afrika
Die Wohnstätten der ostafrikanischen Eingeborenen : Die Temben
Das Aquarium in Neapel
Bilder aus Marokko
Explosion in Karibib
Elefant in Afrika
Eine Reise durch die deutschen Kolonien : Kamerun
Ein unfreiwilliger Weltrekord auf der Elefantenjagd
Der Gorilla
Von Roosevelts Jagdfahrt in Afrika
Die Trommelsprache der Waldlandneger Kameruns
Kultur-Kolonien : Ein Wort für die Esperanto-Sprache
Bilder vom Telegraphenbau in Kamerun
Zanzibar
Robert Koch
Die erste Tagung des südwestafrikanischen Landesrats
Der Dauerkäse
Die deutsche Kolonialschule in Witzenhausen
Das deutsche Kolonialmuseum in Berlin
Ein Idyll aus Nordkamerun : Kaffestündchen auf der Veranda der Station Garua
Dampfa kudja! — der Dampfer ist da
Die Marienburg
Herbstbilder aus Tsingtau
Die Wirkung des elektrischen Stromes auf einen Neger
Suahelifrauen bei der Toilette
Die Verkehrsmittel von Südwestafrika
Das Deutschtum in den baltischen Provinzen Russlands
Im chinesischen Theater zu Tsingtau
Die dankbare Schlange (Chinesisches Märchen)
Die Völker Togos
Hongkong
Afrikanische Pfahlbauten
Haifischfang im Korallenmeer
Mekkapilger
Frauenmangel in Deutsch-Neuguinea
Eine Reise durch die deutschen Kolonien : Deutsch-Südwestafrika
Malaria
Arbeiter-Rekrutierung in Neu-Guinea
Seekuhjagd in Kamerun
Kapitalanlagen : Marktbericht
Im Lande der Pharaonen : Bilder aus Kairo
Des deutschen Kronprinzen Reise nach Ostasien
Veddamänner (Jäger) aus dem Innern von Ceylon
Der Kakao, Seine Kultur und Verarbeitung
Die Kulturfähigkeit der Mikronesier : Ernste Gedanken zum Aufstand in Ponape
Die Feuerzeuge der Naturvölker
Zur Inder-Frage in Deutsch-Ostafrika
Über die Chinesen-Frage
Küstenneger von Togo beim „Fufu“-Stampfen
Die neue Marineschule in Flensburg
Fünfzig Jahre einer deutschen Siedelung in Brasilien
Die Pest in China
Der Aufstand auf Ponape ist gesühnt
Schweinefleisch
Haschischraucher in Südkamerun
Nabus, der Hottentottenjunge
Wie lernt der Kapitän über den Ozean steuern?
Die Dankbarkeit beim Neger
Südwestafrikanische Landschaftsbilder : Die Namib
Zebra, im Norden von Südwestafrika erlegt
Chinesische Hausierer in Berlin
Reitertod
Bienenzucht in Afrika
Gerüchte über einen neuen Aufstand in Südkamerun
Zur Krisis im südwestafrikanischen Farmerbund
Marokko und die Marokkaner
Der Islam in Afrika : Seine Verbreitung und politische Bedeutung
Aus dem Leben deutscher Goldsucher in Panama
Eingeborenebilder aus Ostafrika: Die Bakulia
Konkombakrieger aus Nord-Togo
Verzicht auf Diamantenfelder?
Der Ausbau der sibirischen Eisenbahn
Die Feuerwehr in China
Überallen
Die Tagung der Kolonialgesellschaft und des kolonialen Frauenbundes in Stuttgart
Das Lindenmuseum in Stuttgart
Eingeborenebilder aus Ostafrika: Die Wagogo
Die Eisenbahnen in unseren Kolonien
Ein deutsches Kriegsschiff in Marokko
Feuergefährlichkeit der Holzhäuser in den Tropen
Die Kolonialwirtschaftliche Ausstellung in Kassel
Vom Deutschtum im Ausland: Berlin und Potsdam im Kaffernland Nordkamerun: Ein Würdenträger des Sultans Sanda von Dikoa
Die Zukunft der Bagdadbahnländer
Die Südsee-Insulaner als Zeitungsliebhaber
Ein historischer Beitrag zur Frauenfrage in den Kolonien
Der gestrandete Dampfer
Mondfinsternis: Ein Erlebnis aus Zansibar
Die Auswanderung nach überseeischen Ländern
Der „König“ von Bimbila (Togo) beim Palaver mit einem deutschen Beamten
Landwirtschaft und Ackerbau in Persien
Kribi, der Hauphandelsplatz von Südkamerun
Die Rickschas
Drahtlose Telegraphie für unsre Kolonien
Das Afrikahaus in Hamburg
Neues aus dem Caprivizipfel
Vom Eisenbahnbau in Kamerun
Das Jubiläum einer deutschen Siedlung in Südbrasilien
Kasuarjagd in Deutsch-Neu-Guinea
Die deutschen Diamanten am Weltmarkt
Der Deutsche Kolonialkongress
Deutsches Frauenleben in Südwest-Afrika: Die Hauswirtschaft
Der angehende Farmer in Afrika
Koranschulen in Deutsch-Ostafrika
Eine Mahnung an deutsche Eltern und Erzieher
Die Schlafkrankheit in Deutsch-Ostafrika
Kolonialkriegerdank
Marmorvorkommen in Südwest-Afrika
Ein Wollschafzuchtunternehmen für Deutsch-Südwestafrika
Gesundheitsverhältnisse und Körperpflege in Südwest-Afrika
Afrika-Reisende
Die Wohnstätten der Eingeborenen Deutsch-Ostafrikas
Die 25jährige Jubelfeier der Südsee-Kolonien
Deutsche Kolonisation: Die innere Kolonisation in den deutschen Ostmarken
Panzerreiter aus Dikoa im Tschadseegebiet (Nordkamerun)
Die einträchtigen Hilfsvölker
Üb´ Aug´ und Hand fürs Vaterland
Vom Markte der Kolonialwerte
Die deutsche Flagge Übersee
Plantagenwirtschaft in Deutsch-Ostafrika
Aden und Port Said
Schlangenbeschwörer in Port Said
Nutzpflanzen der Eingeborenen in Ostafrika
Amerika zuerst von Chinesen entdeckt?
Schwarze Musik-Kapellen in Deutsch-Ostafrika
Kasi uleia
Wie kleiden wir uns in Südwest-Afrika?
Die Karolinen-Inseln
Deutsche Farmen in Deutsch-Südwestafrika
Über die Grenzregelung zwischen Deutsch- und Niederländisch-Neu-Guinea
Die wirtschaftliche Entwicklung unserer Kolonien
Der Telegraph und die Tierwelt in Afrika
Die schwarzen, die weissen und die roten Menschen
Der Kronprinz reist nach Ostasien
Vom Charakter der Suaheli
Robert Koch und der Tropenhelm
Der Mann mit den 365 Krankheiten
Die Kolonialfrauenschule in Witzenhausen
Vom Schauplatz der Eingeborenen-Unruhen in Südkamerun
Ostpatagonien und die deutsche Schiffahrt
Landwirtschaftlicher Unterricht am Hamburgischen Kolonialinstitut
Zur Frage des Hafenbaus von Tanga
Marmorlagerstätten in Adamaua
Deutsche Kriegsschiffe vor Samoa
Die Deutsche Grenzexpedition im Kaiser-Wilhelms-Land
Geflügelzucht auf einer südwestafrikanischen Farm
Ostpatagonien und die deutsche Schiffahrt II

Über die Tropenfähigkeit
Kohlen in Südwestafrika
Zur Ermordung des Kaufmanns Bretschneider
Die neue wissenschaftliche Expedition des Herzogs Adolf Friedrich zu Mecklenburg
Gründung eines Kindergartens in Lüderitzbucht

Kolonie und Heimat

Der Bantuneger Ostafrikas kennt keine ästhetischen Werte in unserm Sinne. Das Schöne läßt ihn gleichgültig, in der Natur und in der Kunst — in dem, was von sich aus geworden ist, und in dem, was der Mensch in unbezwingbarem Drang nach ästhetischen Genüssen für seine besonderen Zwecke ausgebildet hat.

Stumpfsinnig schlendert er durch die Welt der Erscheinungen: durch ihre Pracht und Größe, Vielheit und Mannigfaltigkeit, durch das unendliche Spiel ihrer Formen und Farben, durch alle die Ausströmungen jener begnadeten Gesetzmäßigkeit, die uns das Leben erst lebenswert macht.

Der Neger hat überhaupt nicht das Bedürfnis, in ein irgendwie höheres Verhältnis zu den Dingen außer sich zu treten, die Ausdruckswerte seiner Umgebung einzufangen und seelisch reflektieren zu lassen. Die Natur liefert ihm sein Essen und seine Frauen. Das allein ist ihm Lust genug. Daher seine maßlose Grausamkeit.

Weil ihn rein gar nichts auf dieser Welt packt und rührt, weil er nichts heilig hält und nichts anderes kennt als sein eigenes wichtiges Selbst und dessen nächstliegende Bedingungen. Daher auch seine Indolenz: diese nie zu erschütternde Gleichgültigkeit all dem Wollen, Wünschen und Hoffen gegenüber, das um ihn herum keimt und aufgehen möchte — das so oft Hilfe braucht und Anteilnahme, Zuspruch und gütigen Rat.

So ist ihm alles, was wir Kunst nennen, Hekuba. Wohl hat auch der Neger Temperament und Leidenschaft. Auch eine gewisse Lust an der Darstellung seines Körpers im Spiel der Glieder und Muskeln, eine Freude am Schmuck, an Buntheit und Pracht. Doch fehlt ihm jeder Sinn für das schöne Maß und die Fähigkeit, sich auf ein Gefühls- und Anschauungsproblem für eine gewisse Dauer, mit Fleiß und Anspannung aller Kräfte, festzulegen, fehlt ihm die Einsicht in die tieferen psychologischen Zusammenhänge menschlicher Regungen und vor allem jede Art intuitiven Schauens und Ergründens, fehlt ihm überhaupt der Begriff der Leistung: der aus sich gewordenen, letzten Endes zwecklosen künstlerischen Tat.

Der Neger ist ganz und gar ungenial.

Ein bedauernswertes Stiefkind des Höchsten. Er hat sich bei der Verteilung der Welt und ihrer Güter so spät aufgemacht, daß die Kunst schon vergeben war. Manche Neger sind gewiß schlau und gewitzigt und um Mittel und Wege zur Erlangung ihres Vorteils so leicht nicht verlegen. Auch kluge soll es geben. Ein Genie aber hat man noch nicht unter ihnen gefunden. Nach keiner Richtung hin. Vor allem nach der künstlerischen nicht. Der Neger hat nie eine Kunst gehabt und wird nie eine haben. Er besitzt keine Phantasie, wenigstens keine produktive, und kennt keine Ideale: keine Betätigung an sich, ohne deutliche Beziehungen zu den Ansprüchen des Tages, kein Aufgehen des innern Menschen in beglückende Selbstlosigkeit.- Ihm mangelt der Sinn für das Verhältnismäßige und für die Zurückführung der einzelnen Erscheinungsform auf ihren einfachsten und schlagendsten Ausdruck. Bei ihm ist alles wild, unbändig: un- und urmäßig.

Was den Neger treibt, ist eine ausgesprochene Lust am Spiel: am kind’schen Spiel. Er tanzt. Und tanzt gern. Solange Kräfte und Nächte reichen. Hier ist er ungebunden, frei. Die möglichst unablässige Bewegung des Körpers in allen seinen Gliedern vermittelt ihm die nötigen Lustgefühle. Das ist alles. Er hat die erste Stufe zur Anschauungskunst noch nicht überschritten. Der Neger weiß im Grunde nichts von Schaustellungen zur Lust anderer, sondern nur von Körperbetätigungen zur eigenen Lust. Die um den Tanzkreis Gescharten sehen ausschließlich zu, wie sich die anderen aufregen — das erotische Moment ist fast all dieser Übungen letzter Sinn — oder wie sic sonst in einfacher Weise ihre Unterhaltung finden. Auch bei den wildesten Kriegstänzen stehen die Zuschauer dumpf und stumpf dabei. Irgendeine Handlung, wenn auch noch so einfacher Art, vor anderen und für diese anderen, wenn auch in noch so primitiver Weise, abzuspielen: etwas derartiges kennen sie nicht. Genrehafte Tanzstücke ist das Höchste, was sie fertiggebracht haben. Die Neger sind ein Volk ohne Theater.

Der Negertanz ist vor allem Ausdruck und erst in zweiter Linie Unterhaltung: Spiel, Zeitvertreib, Festakt. Und zwar nicht künstlerischer Ausdruck, sondern Ausdruck überschüssiger Lebens- und Körperkräfte. Der Neger gehört auf dieser Welt bekanntlich zu den ganz Faulen. Die Pflanzer wissen in den Kolonien ein Lied davon zu singen. Und selbst jeder Durchreisende kann sich leicht davon überzeugen. Nie sah ich4 Menschen mit einer so ausgeprägten Wollust irgendwo herumliegen, wie feiernde Neger. Wenn sie ihre Kontrollkarte von dreißig Tagen abgearbeitet haben, müssen sie mindestens eine Woche lang ausruhen. Anders tun sie es nicht. So findet man in den Negerdörfern bei hellichtem Tage starke, ausgewachsene Männer in gottgewolltem Stumpfsinn zu Dutzenden auf ihren Matten hocken.

Der Neger wird jeder irgendwie geregelten Beschäftigung leicht überdrüssig. Nur der des Tanzens nicht. Wenn die Dorfpolizei nicht um zwölf Uhr Schluß machen ließe, würde er damit bis zum frühen Morgen fortfahren. Mit einer Kraft- und Nervenvergeudung, die ins Fessellose geht. Neger, deren ganzes Sinnen bei der Arbeit, auf einem Neubau etwa, darauf gerichtet ist, einen Stein weniger aufzuladen oder den Wassereimer nur dreiviertel voll zu nehmen, tanzen zehn Stunden und mehr ununterbrochen. Auf dem großen Volksfest am Geburtstag unserer Kaiserin, dem ich meine wesentlichsten Eindrücke verdanke — ich sah hier dreiundzwanzig verschiedene Tänze und Tanzspiele von sechzehn verschiedenen Stämmen — war ein besonders charakteristisch herausgeputzter und deshalb leicht kenntlicher Mann, der bereits um vier Uhr nachmittags seine Sprünge gemacht hatte, in der Nacht um halb zwölf Uhr immer noch an der Arbeit. Schließlich fiel er aber doch um und blieb bewußtlos liegen, ohne daß die anderen im geringsten Notiz davon nahmen. Allerdings für wenige Minuten nur. Dann sprang er wieder auf und von neuem in den Kreis der anderen hinein. So wild wie zuvor. Als ob er frisch aufgefüllt hätte. Und bei einer Hochzeitsfeier der Suaheli in Tanga, der ich durch einen glücklichen Zufall in der Hütte des Brautvaters beiwohnen konnte — allerdings erst, nachdem ich einen meiner silbernen Manschettenknöpfe dem rechten Nasenflügel der jungen Frau gestiftet hatte — wurden zwei Mädchen kurz nacheinander ohnmächtig. Ihre Augen quollen aus dem Kopfe, der ganze Körper verfiel in ein konvulsivisches Zucken, und die Arme hingen schlaff an den Schultern. Wenn der Brautvater sie nicht aufgefangen hätte, wären sie im nächsten Augenblick umgestürzt. So legte er sie wie ein Stück Holz in eine Ecke. Alles ohne die geringste Aufregung. Der Tanz ging ruhig weiter. Die Umstehenden hatten kaum darauf geachtet. Auch hier dauerte es nicht lange, und die eben noch Ohnmächtigen waren wieder mit in der ersten Reihe dabei.

Der Hauptzweck der Negertänze geht offenbar auf das Erzielen des Tanzrausches als intensivstes aller mephistophelischen Stimu-Iantien hinaus: auf das Eingehen in mehr oder weniger nachhaltige romantisch-erotische Dämmerzustände als wirksamstes und verläßlichstes Mittel zur Befreiung von den Miseren des Lebens. Der Tanzrausch ist, wenigstens in der Art und Intensität, wie ihn der Neger betreibt, die stärkste unter all den dämonischen Künsten, die der Mensch von sich aus freiwillig zu erzielen vermag, und übertrifft nach dem, was man hier in Afrika sehen kann, bei weitem den Alkoholrausch und die anderen Tröster der Menschheit. Jede Rasse hat ein eigenes Bedürfnis nach Glück und sucht es in ihrer Weise zu befriedigen: ihren Anlagen, Begabungen und Instinkten gemäß. Der Neger findet seine höchste und letzte Befriedigung im Tanz. Weil er ihm die größte Lust gewährt: schrankenloseste Befreiung von allen Fesseln. Das Unzulängliche fällt hier von ihm ab, das Unbegreifliche wird Ereignis. Beim Tanzen, und nur beim Tanzen, ist der Neger wahrhaft glücklich.

Eins allerdings hat der Neger, was ihm doch wohl als künstlerische Teilbegabung angerechnet werden muß: ein starkes rhythmisches Gefühl. Hier könnte manches europäische Orchester und vor allem mancher deutsche Chorverein von ihm lernen. Nicht nur, daß sie ihre Ngomas — wie die Negertrommeln heißen, die dann auch den Tänzen selbst den Sammelnamen gegeben haben — außerordentlich rhythmisch schlagen, in einer gleichbleibend zupackenden, unerhört präzisen Art, die geradezu aufregend wirkt und für Europäer nerven nicht lange zu ertragen ist, die Leute tanzen auch alle rhythmisch durchaus korrekt und bis zum letzten Atemzuge mit höchst vitaler Kraft und Hingabe. Dabei sind die rhythmischen Verhältnisse oft sehr verwickelt. Der Tanz liegt nicht immer nur über einer einzigen Taktart, sondern ist manchmal so zusammengesetzt, daß Schritte aus verschiedenen Taktarten miteinander abwechseln. Dazu werden dann noch ganze Takte und vor allem auch Teile von Takten durch Pausen ausgefüllt, was die Sache noch mehr kompliziert, so daß man in den meisten Fällen auch bei angestrengtester Aufmerksamkeit den kombinierten Tanz-Rhythmus der einzelnen Ngoma nicht genau festzustellen vermag, um so weniger, als bei einem solchen Volkstreiben, wie es in Daressalam mit besonderer Bravour viele Stunden lang andauerte, stets fünfzehn bis zwanzig Ngoma-Orchester gleichzeitig ertönten. Von dem Lärm kann man sich keinen Begriff machen, auch von dem Nervenverbrauch nicht, der notwendig war, um in diesem Trubel und bei dieser Hitze noch Material für ästhetische Untersuchungen zu sammeln.

Der Organismus der Negertänze wird dann bei einzelnen Ngomas dadurch noch besonders verwickelt, daß Musikanten oder Musikantengruppen im selben Orchester manchmal in verschiedenem Takt schlagen. So konnte ich einmal deutlich heraushören, wie drei verschiedene Tanzrhythmen Übereinanderlagen. Der eine bearbeitete mit zwei Holzschlägeln ein greilklingendes Blech in einem höchst aufregenden, wahnsinnig rasch genommenen Zweivierteitakt, ein anderer die große, an einem Mangobaum befestigte Haupt-Ngoma im Dreivierteltakt, und zwar in der Wiener Art mit den kürzer betonten beiden letzten Vierteln, während man auf zwei kleineren Ngomas zum Überfluß noch den genauen Tanzrhythmus markierte und damit die Ausführenden in ihren sehr komplizierten Tanzschritten unterstützte. Daß diese Art von Musizieren den meisten europäischen Ohren wie ein Chaos anmutet, ist nicht zu verwundern. Doch werden die einzelnen Rhythmen immerhin so tadellos ausgeführt, daß sich ein gut durchgebildetes musikalisches Gefühl mit der Zeit doch in diese Art des Über-Rhythmisierens hineinlebt und dabei gewisse Reize verspürt.

Bei den Negern tanzen die Männer und Frauen zumeist getrennt. Selten nur schließen sie sich zu gemeinsamer Übung zusammen. Dem Neger liegt so etwas im allgemeinen nicht. Er wirbt um keine Frau, bemüht sich nicht einmal sonderlich darum. Das Weib, das er haben will, kauft er. Ohne jede Gefühlsverschwendung. So bleibt er auch beim Tanzen lieber unter sich und läßt die Frauen ebenfalls allein.

Übrigens pflegt der Neger bei seinen Ngomas durchweg zu singen. Nicht sonderlich laut und in näselnder Tonfärbung, so daß die Stimmen im Lärm der Trommeln so ziemlich untergehen. Reine Instrumentalmusik kennen die Neger im allgemeinen ebensowenig wie Gesang ohne Instrumentalbegleitung. Nur ein einziges Mal, bei einer Kriegs-Ngoma der Leute aus Szongea, tanzte man zu einem reinen Chorliede. Allerdings hatte der Vortänzer Schellen an den Füßen, auch klatschten die umstehenden Frauen den Takt mit den Händen, was sonst nicht oft vorkommt. Meist stehen die Zuschauer, wie gesagt, recht indolent dabei.

Die Texte der Ngomagesänge haben vielfach ihren festen Wortlaut und gehen auf jahrhundertelangen Brauch zurück. Sie sind inhaltlich von großer Naivität und formal ungemein einfach, lassen also verhältnismäßig wenig dichterische Begabung erkennen. Oft wird aber auch für den einzelnen Zweck improvisiert, wobei es manche Vortänzer zu einer großen Fertigkeit bringen sollen, was ihnen dann jedesmal eine gewisse Popularität einträgt. Insofern haben manche dieser Negertänze etwas von der alten europäischen Stcgreifkomödie.

Als wir zu den Wangoni-Leuten herantraten, die sich gerade zu ihrer Jgamba-Ngoma anschickten, machte der Anführer sofort ein Spottlied auf uns, dessen Refrain die anderen dann mit besonderm Vergnügen nachsangen. Sie sollen sich darüber aufgehalten haben, daß wir von ihren Tänzen ja doch nichts verstünden. Und das ist zweifellos richtig. In das letzte Wesen seiner festlichen Amüsements können wir ebensowenig eindringen, wie wir des Negers letzte Menschlichkeiten erschöpfend zu ergründen wissen.

Auch die nebenan tanzenden Wasseramos dichteten uns an. Aber weniger boshaft. Sie ließen ihre Sokore-Ngoma von einem eigenartigen Instrument in Form eines gerippten und gespaltenen Bambusstückes begleiten, das mit einem Stäbchen gekratzt wurde und einen Höllenlärm machte. Da sie unser Interesse merkten, machten sie eine Tanzpause und reichten uns das Ding her. Als sie dann wieder anfingen, besangen sie diese erschütternde Tatsache und gaben ihrer Freude Ausdruck, daß uns ihr eigenartiges, von keinem andern Stamm benutztes Reibholz so gut gefallen hätte.

Sehr lustig war übrigens das Improvisationsthema, das die bei den Europäern dienenden Suaheli-Boys ihrer Ngoma zugrunde gelegt hatten. Sie versicherten unermüdlich, daß sie „von den Herren wieder Prügel bekämen, wenn sie einen neuen Aufstand machen würden“ — eine Erkenntnis, die allerdings recht nahe liegt, den Sängern aber doch ein hinreichendes Bewußtsein der einschlägigen Verhältnisse bezeugt.

Unter den zur Begleitung der Negertänze verwendeten Instrumenten spielen also die Schlaginstrumente weitaus die Hauptrolle. Der Neger macht seine Trommeln aus Baumstämmen von verschiedenem Umfang, die er aushöhlt und an einer Seite mit Fell überzieht. Die ganz großen werden irgendwo aufgehängt und stehend mit festen Knüppeln geschlagen, die mittleren und kleinen entweder sitzend mit hochgezogenen Beinen unter die Kniekehlen geschoben oder kniend vor sich auf den Boden gestellt und beide Male mit den Händen bearbeitet. Man stimmt sie durch Erwärmen der Felle am Strohfeuer oder durch Bestreichen mit flackernden Feuerbränden, wodurch die in den einzelnen Orchestern verwendeten Ngomas — es sind mindestens zwei und selten mehr als sechs — verschiedene Tonhöhen erhalten. Dazu bläst vielfach ein einzelner noch ein oboenartiges Instrument mit talergroßem Mundstück, vom Klange eines Dudelsacks. Und zwar stundenlang, indem er von Zeit zu Zeit seine Backen fast bis zum Platzen voll Luft zieht, aus diesem Vorrat dann jedesmal eine ganze Weile das Blasrohr speist und gleichzeitig sehr kunstvoll durch die Nase atmet. Was er auf diese Weise von sich gibt, ist mit seinen merkwürdigen Intervallen und der Steine erweichenden Monotonie bei stets gleichbleibender Intensität des Tons für europäische Ohren meist noch weniger zu ertragen als das ohrenbetäubende Trommeln.

Neben diesen allgemein üblichen haben die einzelnen Stämme dann oft noch ihre besonderen Instrumente. Außer den Reibhölzern der Wasserainos fielen mir bei einer Wadigo-Ngoma eine Art von Okarina, bei den Teufelstänzen der Manyemas ein richtiges Xylophon und bei den Wabungas mit kleinen Sternchen gefüllte Blechdosen auf, die die tanzenden Frauen zum Rhythmus zweier Ngomas an Stielen taktmäßig hin und her schwangen.

Da der Neger eine große Vorliebe für Schmuck, Putz und Tand hat, kann es nicht wundernehmen, daß er sich für seine Feste ganz besonders auffallend, meist ohne Sinn und Maß herrichtet und namentlich im Anzug überaus bunt und grell ausstaffiert, so daß viele seiner Tänze für uns etwas ungemein Komisches haben. Aber nur für uns. Denn er selbst meint das alles sehr ernst. Wirklicher liarlekinaden, das heißt absichtlich komisch angelegter Ngomas wüßte ich mich nicht zu erinnern.

Am reichsten schmücken sich natürlich die Frauen. Nicht nur, daß sie zum Fest in ihren schönsten und farbenfreudigsten Tüchern erscheinen, ihre komplizierten Frisuren mit besonderer Sorgfalt behandeln, die buntesten Pflöcke in die Ohrmuscheln und das blitzendste Knöpfchen in den rechten Nasenflügel treiben und sich allerlei Kreise auf Stirn und Backen malen, sie ziehen auch hellfarbige Höschen an, die nach Biedermeierart bis auf die Knöchel reichen und mit ihren langen Rüschen kokett unter dem Leibtuch hervorlugen, und behängen Hals und Hüften über und über mit Ketten von Glasperlen, Steinen, Muscheln oder was sonst einer Negerin Herz zu erfreuen vermag. Aber auch die Männer tun an solchen Tagen ein übriges. Gern eignen sie sich ganz wahllos irgendeinen alten europäischen Gegenstand an, um ihr tägliches Negerkleid damit zu heben. So arbeiteten die Matunibe-Leiite mit nackten Oberkörpern, an denen eine Unmasse schwerer Glasketten auf und ab tanzten. Ihre ganze Kleidung bestand aus schreiend bunten Stoffetzen, die sie sich um die Hüften gewickelt hatten. Dazu trug der eine mitten auf dem Kopf einen langen europäischen Toilettenkamm im Wollhaar, der andere hatte einen schmutzigen grauen Filzhut, der dritte gar einen Gigerlstrohhut mit ganz schmalem Rand übergestülpt, ein vierter eine große schwarze Brille aufgesetzt und was dergleichen Lächerlichkeiten mehr waren.

Ein besonderer Verkleidungsaufwand wird natürlich bei den ausgesprochenen Phantasietänzen getrieben, mit denen sich unter anderen die Wasscramo-Leute belustigten. Schon den Tanzplatz hatten sie mit phantastisch zurechtgemachten Stockpuppen eingezäunt. Die Tänzer selbst boten dann mit ihrem monströsen Kopfputz, in dem sich Perlen, Hahnenfedern, allerlei grelle Lappen, zinnerne Löffel und dergleichen Zeug mehr zu einem wahren Bau auftürmten, mit dem flatternden, ebenfalls bunt bemalten Brustschurz und den dicken Wülsten voll rasselnder Steine an den Beinen einen geradezu grotesken Anblick.

Das Tollste aber leisteten die Manyema-Weiber in ihren beiden Teufelstänzen: der Kumba-Ngoma und der Kisonge-Ngoma. Jene tanzten die älteren und ganz ungewöhnlich dicken, diese die jüngeren, schlankeren und beweglicheren Frauen. Alle waren hier weiß angestrichen. Der Schwarze stellt sich den Teufel weiß vor. Wahrscheinlich im Gegensatz zu seiner eigenen Hautfarbe und nicht, wie manche glauben, weil ihm die weiße Rasse als besonders teuflisch erscheint. Natürlich sollte auch bei den Manyemas der Teufel durch Beelzebub ausgetrieben werden. Der Teufel ist ja nur gegen die ihm verfallenen Menschen frech. Vor seinesgleichen fürchtet er sich und kneift aus. Deshalb der herausfordernde Kopfbau unserer Manyema-Weiber: dieser Wust von bunten Federn auf alten, kiepenförmigen Strohhüten oder auf richtigen Kölner Karnevalsmützen. Manche hatten ganze Hähne auf dem Kopf und mächtige Federkragen um die Schultern. An den Hüften klapperten breite Muschelgürtel und an den Fußgelenken kastaniettenartige Rasseln. Dazu gab es die tollsten Sprünge und schlangenartig vom Kopf über die Brust nach unten verlaufende erotische Tanzbewegungen zu einem haarsträubenden Lärm besonders vieler, besonders großer Ngomas. Und das viele Stunden lang. Man könnte schon verstehen, daß der Teufel vor diesem Apparat entfesselter Scheußlichkeiten die nötige Angst bekam.

Da der Neger im allgemeinen keine andere Belustigung kennt als den Tanz, hat er sein ganzes Feiertagsleben gleichsam mit Tänzen durchsetzt und für die verschiedenen Zwecke und Gelegenheiten verschiedene Arten von Tänzen durchgebildet, die sich zwar meist recht ähnlich zu sehen scheinen, bei näherer Betrachtung aber doch in der Anlage und Durchführung, vor allem im Tanzcharakter voneinander abweichen. Ich konnte im großen und ganzen drei Arten unterscheiden: die Kriegs- und Festtänze, wozu auch alle Huldigungstänze gehören — die Unterhaltungstänze, vom harmlosen Gedrehe bis zu ausgesprochen erotischen An- und Abregungstänzen — und die Gesellschaftsspiele in Tanzform.

Von Kriegstänzen sah ich auf unserm Volksfest keine sehr ausgeprägten Beispiele. Es lag ja auch nahe, für den friedlichen Charakter einer Huldigungsfeier die im heimatlichen Kral bei anderen Gelegenheiten so beliebte Gattung nicht in besondenn Maße heranzuziehen. Die Wangoni-Neger gaben zwar recht lebhafte militärische Exerzitien zum besten, deren Gesangstext sich mit dem letzten Aufstand beschäftigte. Doch schwangen die Leute statt ihrer Speere und Bogen nur Spazierstöcke und überließen es allein ihrem Vortänzer, mit dem gefährlichen Kiri, einer Art Wurfkeule, den Rhythmus zu markieren und dem Ganzen etwas Wildheit zu verleihen.

Auch die Freiheits-Ngoma der Makonde-Neger mit ihren sehr komplizierten Schritten und cakewalkartigen Körperbewegungen verlief nicht gerade aufregend. Glücklicherweise versicherten sie uns immerfort singend, daß sie früher Sklaven gewesen und jetzt freigelassen worden wären. Niemand hätte sonst in diesem korrekten Tanz einen Freiheitshymnus vermutet.

Da ging es bei der Msoma-Ngoma schon erregter zu, die die Wayaho-Leute zu Ehren ihres Dorfältesten, des sogenannten Jumben, ausführten. Dem Geschrei des aus Männern und Frauen in buntestem Durcheinander bestehenden Kreises und den aus der Hockesteliung angesetzten wilden Sprüngen nach zu schließen, muß dieser Jumbe ein vortrefflicher Mann sein, was übrigens auch aus der unermüdlichen Gesangs-Improvisation zu seinen Gunsten hervorging.

Viel reichhaltiger und interessanter waren die eigentlichen Unterhaltungs- und vor allein die Gesellschaftstänze. Sehr hübsch wirkten am frühen Nachmittag einige verhältnismäßig dezent und ungemein exakt getanzte Frauen-Ngomas. Zanzibar-Alädchen hatten einen Kreis gebildet und jedesmal mit dem linken Arm der Nachbarin Schulter umfaßt. Zu groß angelegten Körperbewegungen schwangen sie beim Hochschnellen des Rumpfes bunte Zebraschwänze in der Rechten. Sehr graziös, sehr rhythmisch und mit wohltuender, ein wenig verhaltener Ruhe. Eine andere Frauengruppe desselben Stammes war zu drei Reihen hintereinander angetreten und bewegte sich, auch wieder in gelassenem Schreiten, mit ganz leichten Bauchbewegungen unter dem Klang von tamburinartigen Ngomas vor- und rückwärts. Sie sangen dazu von ihrem Arzt, der sie gesund machen soll, wenn sie einmal krank werden, und den sie dann reichlich dafür belohnen wollen. Die schöne, gepflegte Ngoma machte mit ihren komplizierten, sehr kleinen Schritten in minutiösester Ausführung einen ungemein sympathischen Eindruck. Die Tänzerinnen waren so bei der Sache, daß sie fortgesetzt auf ihre Füße heruntersahen.

Längst nicht so harmlos wie bei den Zanzibar-Mädchen ging es bei den Waganda-Frauen zu. Sie tanzten reinste Erotik. Während ein junges Mädchen zwischen zwei Reihen von Frauen platt auf dem Rücken lag und mit unglaublicher Ausdauer ihre Schlangenbewegungen ausführte, schoben sich die anderen in nicht mißzuverstehender Weise aufeinander zu und wieder zurück. Da man aber bei aller Eindeutigkeit des Themas das rein Tanzmäßige stark betonte und einen durchaus exakten Rhythmus hielt, wirkte das Ganze nicht einmal so unanständig.

Allerdings war die gemischte Ngoma der Wadengerenk’os um vieles dezenter. Hier tanzte jedesmal ein Solopaar eine richtige Werbetour. Der Mann immer hinter der Frau her, ohne sie zu berühren: bald um sie herum, vor ihr durch, dann ihr wieder nach. Sie mit der brennenden Zigarette im Mund und- auf dem Rücken gekreuzten Händen, sehr gelassen, sehr skeptisch, mit versteinertem Gesicht — er mit einem koketten Stückchen, erregter und fanatischer. Da sie kühl blieb, wechselte man fortwährend die Männer, ohne daß Spiel und Tanz unterbrochen wurden.

Diese Ngoma stellt immerhin schon den Übergang zu den eigentlichen Gesellschaftsspielen dar. Ebenso wie die Ngoma-Kilima der Suaheli, die das Besteigen eines Berges nachahmen will. Hier wird zunächst mit ganz langsamen Schritten reihenweise vorgerückt. Dann hat man eine wegsamere Strecke zu passieren, auf der es schneller weitergeht, bis man wieder auf schwierigeres Gelände stößt und in ein langsames Tempo verfallen muß, und so fort in stetem Wechsel.

Ein richtiges Gesellschaftsspiel tanzten erst die Wadigos mit ihrer Tinge-Ngoma. In einem Halbkreis von klatschenden Leuten steht ein einzelner. Was soviel heißen soll, daß er in einem Hause .wohnt. Nun tritt ein anderer von außen zu ihm heran. Was soviel heißen soll, daß der Besitzer des Hauses Besuch bekommt, den er aber nicht ohne weiteres hineinläßt. Der Wirt gibt ihm vielmehr nach dem Takt des Klatschens verschiedene Fußstellungen vor, die der Besucher sofort nachmachen muß. Nur wenn er hier eine Zeitlang einwandfrei zu bestehen weiß, darf er ins Haus treten und die Stelle des Wirts einnehmen, womit das Spiel dann von neuem beginnt.

Schließlich wurden sogar hin und wieder Geschichten getanzt. Auf der schon erwähnten Hochzeits-Ngoma in Tanga führte man die Pflichten der jungen Frau und das ganze Leben der Ehegatten tanzend vor. In stundenlangen Touren. Und Zanzibar-Frauen stellten in Daressalam eine besonders hübsche Geschichte dar. Eine Palme wächst auf dem steilen Abhang eines Hügels, an dessen Fuß sich ein See befindet. Da die Wurzel mit der Zeit zum See hinausgewachsen ist und der Baum umzustürzen droht, muß man sie wieder im Berg verankern. Der Tanz wird jetzt so ausgeführt, daß sich zwei Reihen von Frauen langsam mit wagerecht vorgehaltenen Stöcken aufeinander zu bewegen und bei der betreffenden Stelle ihres Gesangs die Stöcke, die also Baumwurzeln vorstellen sollen, nach der einen Seite zu eindrehen. Hier ist der Tanz zur Pantomime geworden und damit die Stufe erreicht, die im Laufe der Jahrhunderte in Indien zu einer vollendeten Kunstübung ausgebaut und weitergeführt wurde. Der Neger selbst sollte bis heute nicht darüber hinausgelangen.

Text aus dem Buch: Spiele der Völker, Eindrücke und Studien auf einer Weltfahrt nach Afrika und Ostasien, Author Hagemann, Carl.

Spiele der Völker