Schlagwort: deutsche Sitten

Einer der sieben Originalwitze, aus denen die „Fliegenden Blätter“ und die anderen deutschen Witzblätter ihren Stoff zusammensetzen, ist die Bemerkung, dass drei Deutsche, ganz egal wo und wie sie Zusammentreffen, sofort einen Verein gründen. In allen möglichen Tonarten ist dieser Witz und seine Variationen behandelt, aber nur sehr selten wird die Bedeutung und Wichtigkeit dieses Charakterzuges der Deutschen für diejenige erwähnt, die ihre Heimat verlassen, um sich an fremden Gestaden ein neues Heim zu gründen.

Keinem Menschen ist es möglich, sich dem Einfluss seiner Umgebung ganz zu entziehen. Deutsche Sitten, deutsche Gebräuche, deutsche Lieder und deutsche Worte mögen einem Einwanderer noch so sehr ans Herz gewachsen sein, langsam und unmerklich verlieren sie sich, wenn sich nicht von aussen her ein Einfluss für ihre Erhaltung geltend macht. Die etwa 100 deutschen Vereine und Logen in St. Paul bilden einen dieser Einflüsse für die Erhaltung des Deutschtums, und zwar einen der stärksten. Das starke Deutschtum, die Hegemonie des deutschen Elementes, die sich in St. Paul bemerkbar macht, im politischen sowohl wie im sozialen Leben, hat die Stadt vor allem nun dem Deutschen Haus zu verdanken, dessen feierliche Eröffnung vor wenigen Monaten stattfand. Von dem Deutsch-amerikanertum St. Pauls ist eine Tat vollbracht worden, die unter den Bürgern deutscher Abstammung im ganzen Lande beherzigt werden und zur Nachahmung anspornen sollte.

Deutsch-Amerikaner

Die südlichsten deutschen Schulen der Erde. II.
Von Dr. Siegfired Benignus.

Zwanzig Kilometer westwärts von Puerto Montt breitet sich der Llanquihue-See aus, den ich dreimal in letzter Zeit aufsuchte, und der heute noch der „See der Deutschen“ genannt werden darf. Die Besiedlung dieses bis zu seinem Ufer mit Urwald, Sümpfen, Schneebergen und Vulkanen bedeckten grössten Sees Chiles (etwas grösser als der Bodensee) ist zweifellos eine Grosstat deutschen Ausharrens und deutscher Selbstverleugnung.

Die offizielle Zuwanderung dauerte von 1852 bis zu Beginn der siebziger Jahre aus Kurhessen, Schlesien, Württemberg, Ost- und Westpreussen, Hohenzollern, der Altmark, Westfalen, Deutschböhmen. Mehr als zu Dörfern haben sich die meist zerstreut liegenden Gehöfte der Kolonisten nicht verdichtet. Puerto Varas (Varas = Name eines Ministers unter Manuel Monti) am Westufer ist die grösste Ansiedlung mit tausend Einwohnern. Erst vor kurzem haben sich diese entschlossen, eine deutsche Schule zu errichten. Bis jetzt existiert in Puerto Varas eine chilenische Regierungs-(-Volks)schule, in der nur Spanisch gelehrt wird. Erklärlich wird dieses Spätkommen dadurch, dass der Wohlstand erst spät am See sich zeigte. Der Boden ist nicht so fruchtbar wie der um Osorno, Nach langwierigen, wenig ergiebigen Versuchen im Ackerbau ist man zur intensiven, lohnenden Viehwirtschaft in den Potreros (Viehweiden) im Urwald übergegangen.

Kolonie und Heimat