Kaiser Otto I. besiegt an der Spitze der vereinigten deutschen Stämme am 9. August 955 die Ungarn auf dem Lechfelde, südlich von Augsburg. Über dem Kaiser flattert das Reichsbanner mit dem Bilde des Erzengels Michael. Zur Rechten des Kaisers der heilige Udalrich (Ulrich), Bischof von Augsburg, der vorher seine Stadt erfolgreich gegen die Ungarn verteidigt hatte. Herzog Konrad von Franken fällt, durch einen Pfeil in die Kehle tödlich verwundet.

Siehe auch:
Deutsche Geschichte-Zeittafel
Germanen kämpfen um Europa
Die Wikinger, eine neue germanische Welle.
Das Reich der Deutschen beginnt
Großtaten des deutschen Volkes-Das Rittertum und seine Aufgaben
Großtaten des deutschen Volkes-Deutsche gewinnen Raum im Osten
Deutsche Bauern und Bürger sichern das Neuland.
Deutsche Städte — deutsche Kunst.
Großtaten des deutschen Volkes-Die deutsche Hanse.
Der deutsche Bauer und sein Schicksal
Eine neue Welt tut sich auf— Große Erfindungen
Fürstentrotz und Glaubensstreit zerstören das Reich.
Die Not ruft den Erneuerungs willen des Volkes wach.
Martin Luther, der Reformator.
Volkskämpfe im Schatten der Reformation.
Der Kampf deutscher Fürsten gegen Kaiser und Papst.
Glaubenskämpfe in anderen Ländern Europas.
Am Glaubensstreit geht das Reich zugrunde.
Der Dreißigjährige Krieg (1618—1648).
Randstaaten werden Weltmächte.
Ein neues Deutschland ersteht.
Um die Herrschaft über Europa und die Welt.
Wiedergeburt und Befreiung des deutschen Volkes.
Das deutsche Volk will die Einheit.
Bismarck errichtet das neue Reich.
Das Reich unter Kaiser Wilhelm II.
Im Weltkrieg unbesiegt.
Die Schmach von Versailles und die Republik

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Das Reich wollte führen, nicht aber die Welt beherrschen. Frankreich wollte die Welt erobern und von Paris aus herrschen.

Gleich einem heroischen Gipfel ragt die Gestalt Karl des Großen am Aufgang unserer Geschichte. Nach den Stürmen und Wirren der Völker-Wanderungszeit faßte er zum ersten Male die germanischen Volksstämme in seinem großfränkischen Reich zusammen, das in jedem Betracht die Vorhalle unserer späteren Reichsbildung darstellt. Und indem er, weit seiner Zeit vorauseilend, mit kluger und harter Hand die deutschen Stämme zusammenzwang, schuf er die Voraussetzung zur Bildung des späteren mitteleuropäischen Reichskerns: Deutschland. Er hat der Entwicklung des germanischen Abendlandes die Richtung gewiesen, die sie trotz aller Umwege und Rückläufigkeiten beibehalten hat bis auf den heutigen Tag. Von dem erhöhten Standpunkt der miedererstandenen Reichsmacht ist es uns häute möglich, die Tragik sowohl als auch die innere Notwendigkeit der schicksalhaften Vorgänge unserer Vergangenheit zu begreifen, zu welchen auch jener folgenschwere Teilungsvertrag von Virten zu zählen ist.

Schon ein Menschenalter nach dem Tode des ersten Frankenkaisers zerfiel sein Reich in drei Teile. Die 843 in dem Vertrag von Virten (Verdun) gezogenen Grenzen haben mit Volkstumsgrenzen nichts zu tun. An Ludwig den Deutschen fiel in der Hauptsache der von den deutschen Stämmen diesseits des Rheins und der Alpen besiedelte Raum mit den ihm ostwärts vorgelagerten Marken. Der Beherrscher des Mittelreiches, Lothar I., gebot über Aachen und Rom. Er war Kaiser, Hoheitsrechte über die Reiche seiner beiden jüngeren Brüder standen ihm jedoch nicht zu. Was westwärts von ihm lag, gehörte mit der spanischen Mark zum west fränkischen Reich.

Die nationalstaatlich gerichtete Geschichtsschreibung einer hinter uns liegenden Zeit feierte den Vertrag von Virten als die Geburtsstunde Deutschlands und Frankreichs. Von unserem heutigen Standpunkt aus gesehen, bildet dieser Teilungsvertrag, der die nationale Aufspaltung Europas einleitete, den Ausgangspunkt eines bitteren, wenn auch unvermeidlichen Umwegs unserer Geschichte. Zwar verlagerte sich der Schwerpunkt der weiteren Reichsentwicklung nach dem germanischen Kernland des Abendlandes, nämlich nach Ostfranken; der germanisch geführte fränkisch-langobardische Westen und Süden des karolingischen Reiches aber ging fortan eigene Wege. Virten ist die erste Station auf jenem Schicksalsweg Deutschlands und Europas, der über die deutsche Reichsschöpfung des Mittelalters und sieben Jahrhunderte der Zersplitterung zu dem ersehnten gesamtgermanischen Reich der Zukunft führt.

In welchem Licht sehen wir nun das ostfränkische Reich? Es hatte sich 843 aus größeren Zusammenhängen herausgelöst und wäre gerade in dieser Form schwerlich entstanden, hätte nicht Karl der Große die letzten selbständigen westgermanischen Stämme in das Frankenreich hereingeholt. Seine Lage war nicht übermäßig günstig, jedenfalls nicht besser als die des Mittel- und Weltreichs, und wenn es diesem im Verlauf eines Menschenalters einen Vorsprung abgewann, dann verdankt es ihn seinem ersten König, Ludwig dem Deutschen.

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