Damit wir uns von dem Wege, welchen die Kraft des Motors, bis sie durch die Räder des Wagens in Fortbewegung umgesetzt wird, zu nehmen hat, einen Begriff machen können, wollen wir die beigedruckten Figuren eines modernen Tourenwagens der Neuen Automobil-Gesellschaft etwas näher betrachten.

Wir sehen vorne am Wagen zuerst einen Kühler, welcher das nötige Kühlwasser für den Motor besitzt, damit die Zylinder durch die fortwährenden Explosionen im Innern nicht überhitzt werden. Dahinter erkennen wir den Motor, dessen großes Schwungrad konisch ausgedreht ist. In diesen Konus wird ein anderer entgegengesetzt gearbeiteter Konus gedrückt, der an seinem Umfange mit Leder überzogen ist. Durch das Ineinanderschieben beider Konusse entsteht eine Konuskupplung. Der belederte Konus kann durch Gegentreten mit dem Fuß gegen einen Fußhebel, das Pedal, aus dem Schwungradkonus gezogen werden, in welcher Stellung derselbe festgelegt werden kann.

Der belederte Konus ist verschiebbar, aber nicht drehbar auf einer vierkantigen Welle befestigt, die mit dem Getriebe in fester Verbindung steht. Angenommen den Fall, der Motor läuft, und wir rücken den belederten Konus in das Schwungrad, dann nimmt dasselbe durch die Friktion die vierkantige Welle und daher auch die auf dieser Welle verschiebbaren Übersetzungszahnräder des Getriebes mit. Die gesamte Einrichtung erkennen wir recht deutlich auf der beigedruckten Photographie desselben Wagens, und wir bemerken auf der Getriebewelle im Getriebekasten vier verschieden große Zahnräder, die von außen durch einen Handhebel für die Umschaltung wechselseitig mit vier anderen und größeren Zahnrädern auf der Vorgelegewelle in Eingriff gebracht werden können. Dieses geschieht, indem man die Friktionskupplung löst und die Zahnräder der Hauptwelle hin- und herschiebt, je nachdem, ob man schnell oder langsam fahren will. Bringt man das kleinste Zahnrad der Hauptwelle in Eingriff mit dem größten auf der Vorgelege welle, dann wird der erste Gang eingeschaltet, und der Wagen fährt am langsamsten, wenn der Motor eingeschaltet wird. Zieht man das Zahnrad zurück, dann kommt das nächstgrößte, welches mit dem kleinsten zu einer Gruppe vereinigt ist, mit dem kleineren Zahnrade auf der Vorgelege welle in Eingriff, wodurch der zweite Gang eingeschaltet wird usw. An dem einen Ende trägt, die Vorgelege welle ein Kegelrad, dessen Zähne mit einem größeren Kegelrade an der Ketten welle im Eingriff stehen, während auf dem anderen Ende der Vorgelege welle eine Bremse angebracht ist. Mit dem großen Kegelrade auf der Kettenradwelle steht ein Differentialgetriebe in Verbindung, dessen Einrichtung uns hier nicht weiter interessiert. Dieses hat den Zweck, einen Ausgleich der Umfangsgeschwindigkeit der Treibräder herbeizuführen, wenn der Wagen eine Kurve zu nehmen hat, also um die Ecke fährt, wobei das Rad, welches die äußere Fahrbahn durchläuft, einen größeren Weg zu machen hat, als wie das innere. Wenn das Differentialgetriebe nicht vorhanden wäre, würde es unmöglich sein, mit dem Wagen kurze Wendungen auszuführen, weil dann beide Hinterräder mit derselben Geschwindigkeit angetrieben werden. Von der Ketten welle gehen rechts und links kräftige Gelenkketten zu größeren Kettenrädern, welche mit den Naben der Hinterräder in Verbindung stehen.

Zwischen Kettenwelle und der Hinterradachse sehen wir noch das große Benzingefäß, von welchem eine Rohrleitung zu dem Vergaser führt und hinter demselben, ebenfalls querliegend, den zylindrischen Schalldämpfer, welcher das Geräusch des Auspuffens der verbrannten Gase mildert. So wie dieser Wagen, sind fast alle Motorwagen der verschiedensten Fabrikate eingerichtet, soweit dieselben Kettenwagen sind.

Eine andere Konstruktion ist der Kardanwagen, der aber fast nur als Luxuswagen gebaut wird.

Siehe auch:
Die Arbeitsweise des Explosionsmotors im Vergleich zu der Dampfmaschine
Das kraftspendende Medium im Explosionsmotor
Robert Bosch / Treue zum Werk

Automobilmotor und Landwirtschaft