Schlagwort: Dürer

Nirgends kommt der Kunstfreund der Seele der Kunst näher als im Umgang mit der Graphik. Hier ist es wie sonst nirgends möglich, die Kunstwerke selbst in der Hand zu halten, ihr Werden, ihre Zustände in mehreren Entwicklungsstadien zu verfolgen. Mit Recht hat Württemberg daher die K. Kupferstichsammlung reich dotiert und ausgestattet; einige ihrer Bestände, wie die Dürer– und Rembrandtsammlung, gehören zu den besten und vollständigsten Kollektionen ihrer Art. Dies bewirkt zu haben, ist das große Verdienst Kräutles, des 1908 ausgeschiedenen, 1910 gestorbenen ehemaligen Vorstandes der Sammlung. Kräutle, selbst ausübender Kupferstecher, war einer der Museumsleiter vom alten Schlag, die nicht auf multa, sondern auf multum sahen. Die Qualität war ihm die Hauptsache, das spezifisch Kunsthistorische lag ihm ferner. Dank diesem Qualitätsgefühl und dem glücklichen Umstande, daß Stuttgart, hauptsächlich infolge der Bemühungen des Hauses Gutekunst, einer der wichtigsten Märkte für Graphik ist, gelang es Kräutle, vor allem die Werke seiner Lieblinge — und das waren außer Dürer auch die übrigen Deutschen des 15. und 16. Jahrhunderts, außer Rembrandt auch die anderen bedeutenden Holländer, endlich die Engländer des 18. Jahrhunderts — in wundervollen Drucken zu sammeln. Die Freude, mit der er einem Kunstverständigen seine Schätze zeigte oder auch seine großen öffentlichen Ausstellungen veranstaltete, glich dem Verliebtsein des privaten Sammlers in seine Blätter, wie es uns Daumier so unnachahmlich geschildert hat. Unter dem neuen Sammlungsvorstand Willrich (seit 1909) ist die Pflege der zeitgenössischen Graphik in den Vordergrund getreten; zugleich ist neuerdings der Versuch gemacht worden, die Ausstellungen nicht als Schau-, sondern teilweise auch als Verkaufsausstellungen einzurichten und sie nicht auf Stuttgart zu beschränken, sondern auch im Lande zu zeigen.

Zu den wichtigsten Erwerbungen gehören 1891 Blätter von Dürer und Ludwig Richter, 1892 Schongauer, Führich und Schnorr von Carolsfeld, 1893 Schongauer, Rembrandt, Uhde, Haug, 1894 Schongauer, Rembrandt, Klinger, 1895 Cranach, Beham, Rembrandt, 1896 Führichzeichnungen aus der Sammlung Manz, 1897 Aldegrever, Beham, Dietterlin, 1898 Dürer und Rembrandt aus der Auktion Sträter, Preller, Peters, Achenbach, 0. Fischer, 1899 Rembrandt, Führich, Klinger, Halm, Zorn, Hollenberg, 1900 Dürer, Holzschnitte aus der Sammlung Cornill d’Orville, Goya, Schwind, 1901 Dürer, Rembrandt, Leibi,

Klinger, Thoma, Whistler, 1902 Dürer, Beham, Thoma, Klinger, Kalckreuth, 1903 Dürer, Altdorfer, Feuerbach, Studie zur Amazonenschlacht, Halm, Zorn, Vogeler, Kollwitz, Olde, 1904 Dürer, Richter, Whistler, 1905 Schongauer, Dürer, Altdorfer, Aldegrever, Rembrandt, Weitbrecht, Whistler, Hollenberg, 1906 Dürer, Beham, Rembrandt, japanische Holzschnitte, 1907 Millet, Klinger, Whistler, 1908 Rembrandt, Liebermann, 1909 Altdorfer, Zasinger, Leibi, Zorn, Steinlen, Besnard, Rops, Grethe, 1910 Cranach, Wechtlin, Baidung, Beham, Menzel, Eckener, Faure, Hollenberg, Kalckreuth, Laage, F. Lang, Lebrecht, Mutzenbecher, Pankok, Rath, Schmoll von Eisenwerth, Seufferheld, Voigt, 1911 Klinger, Stauffer, Boehle, Orlik, Munch, 1912 Aldegrever, Beham, Pencz, Rembrandt, Forain, Willette, Thoma, Klemm. Unter den Schenkungen ist vor allem die der Württembergicasammlung Gutekunst, 1899, zu erwähnen. In den letzten Jahren hat der Galerieverein Werke älterer Meister als Leihgabe zur Verfügung gestellt.

1892 erhielt die Kupferstichsammlung die Säle, die sie noch heute innehat; 1909 wurde ihre Ausstattung erneuert. Die Sammlung ist so im Besitze von Räumen, die sich für die Veranstaltung von Ausstellungen im besonderen Maße eignen. Folgende größere Ausstellungen fanden statt: 1892 Dürer, 1893 Rembrandt, 1894 deutsche Meister des 15. Jahrhunderts, 1895 Cranach und Holbein d. J., 1896 deutsche Kleinmeister des 16. Jahrhunderts, 1897 Rubens, 1898 Cornelius, Overbeck, Schnorr, 1899 Sammlung Gutekunst, 1900 Führich, Schwind, Rethel, 1901 Klinger, Thoma, 1902 moderne Lithographien, 1903 moderne Radierungen, 1904 Richter, 1905 Sammlung Gutekunst, 1906 Chodowiecki, 1907 Darstellungen zur württembergischen Uniformkunde 1791—1865, von Braun, Diez, Faber du Faur, Haug, Speyer, 1908 Halmhuber, 1910 Erläuterungen des graphischen Verfahrens, Stuttgarter Graphik, 1911 Alt-Stuttgart, Goya, 1912 Hollenberg, F. Lang, Orlik, Münchener Graphik, japanische Holzschnitte. Wanderausstellungen wurden in Tübingen, Heilbronn, Hall und Gmünd veranstaltet. Die Ausdehnung dieser Ausstellungen auf weitere Städte des Landes ist in Aussicht genommen.

BAUM

Text aus dem Buch: Die Stuttgarter Kunst der Gegenwart (1913), Author: Baum Julius, b. 1882; Diez, Max, 1859-1928.

Siehe auch:
Die Stuttgarter Kunst der Gegenwart – Vorwort
Die Stuttgarter Kunst der Gegenwart – Einleitung
Die Stuttgarter Kunst der Gegenwart – DIE GEMÄLDEGALERIE

Die Stuttgarter Kunst der Gegenwart

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