Abbildungen Weltgeschichte

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Von Kapitänleutnant Freiherr Treusch v. Buttlar-Brandenfels.

Der Vortrag ist am 4. Januar 1918 gehalten worden.

Das Institut für Meereskunde hat den Wunsch geäußert, daß an einem der Vortragsabende ein Offizier über Luftschiffangriffe auf England sprechen möchte. Der Führer der Marine-Luftschiffe, Fregattenkapitän Strasser, hat mich mit dem Halten eines solchen Vortrages betraut, und ich hoffe, Ihnen heute abend einiges Neue über Luftschiffangriffe auf England und über die Marine-Luftschiffahrt im allgemeinen berichten zu können. Ich bin in der Lage, Ihnen einige Lichtbilder aus dem Gebiete der Luftschiffahrt zu zeigen, die mein Wachoffizier, der Oberleutnant zur See v. Schiller, auf unseren gemeinsamen Fahrten aufgenommen und zum Teil für den vorliegenden Zweck hergestellt hat.

Ehe ich zur Schilderung eines eigentlichen Luftschiffangriffes übergehe, erscheint es mir notwendig, daß ich ganz kurz die Beschreibung eines Luftschiffes gebe und etwas über das Wesen der Luftschiffahrt vorausschicke.

Ungefähr denselben Aufschwung, den die U-Bootwaffe im Krieg genommen hat, hat auch die Luftschiffwaffe erlebt. Sie hat sich als solche im Kriege eigentlich erst herausgebildet, und wie für vieles andere, so hat auch hier der Krieg die Entwicklung ganz wesentlich gefördert, und ich glaube, wir hätten in derselben Zeitspanne des Friedens höchstens halb so leistungsfähige Schiffe geschaffen, wie wir sie jetzt haben.

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2. Reich


In Zentralafrika, am Kiwusee, streiten sich gegenwärtig die beteiligten Kolonialmächte, Deutschland, Belgien und England um die Grenze ihres Besitzes, und alle drei haben in dem fraglichen Gebiet eine für afrikanische Begriffe bedeutende Truppenmacht zusammengezogen, um im Notfall Uebergriffen entgegentreten zu können. Nun ist man zwar an amtlicher Stelle überaus zugeknöpft, und über die Vorgänge, die sich da hinten abspielen, ist zurzeit nichts genaues zu erfahren. Lieber den Sinn der ganzen Aktion ist uns jedoch von zuständigster Seite soviel erzählt worden, dass wir uns immerhin ein Bild von der Sachlage machen können, um so leichter als die von der Expedition des Herzogs Adolf Friedrich zu Mecklenburg aufgenommene Karte eine gute Uebersicht über jene strittigen Grenzgebiete ermöglicht.

Zum Verständnis des Nachfolgenden müssen wir mit wenigen Worten auf frühere Zeiten zurückgreifen. Anfang der achtziger Jahre wurde unter dem Protektorat des Königs Leopold von Belgien der Kongostaat gegründet und 1885 trat auf Anregung Bismarcks die „Berliner Konferenz“ zusammen, an der sich alle namhaften Mächte beteiligten. Das Ergebnis dieser Konferenz war die „Kongoakte“. In Art. 1 dieser internationalen Vereinbarung ist bestimmt: Der Handel aller Nationen soll vollständige Freiheit geniessen in allen Gebieten, welche das Becken des Kongo und seiner Nebenflüsse bilden.“

Und in dem weiteren Inhalt der Kongoakte sind die in Frage kommenden Gebiete so genau bezeichnet, alle Einzelheiten über die Handelsfreiheit so genau präzisiert, dass irgend ein Zweifel ausgeschlossen ist. Zunächst hatten diese Bestimmungen im wesentlichen nur theoretische Bedeutung, denn alle hier in Frage kommenden Gebiete waren noch sn wenig erschlossen und erforscht, dass eine Uebertretung der Kongoakte kaum fühlbar wurde. Seit einer Reihe von Jahren aber ist in England eine Agitation in Gang, die Stimmung zu machen sucht gegen die Politik des Kongostaats. Aber auch der Kongostaat war nicht rnüssig und setzte dieser englischen Agitation eine nicht minder rührige belgische entgegen. Keinem im politischen Leben stehenden sind wohl die blauen Hefte der Zeitschrift „La vérité sur le Congo“ unbekannt, mit denen jahraus jahrein Deutschland als Hauptinteressen an der Kongoakte überschwemmt, und bei uns die öffentliche Meinung beeinflusst wurde. Die englische Agitation hatte allerdings die Sache am falschen Ende angefasst, an der humanitären Seite. Es wurde von Bedrückungen und Ausbeutungen der Eingeborenen erzählt und die zivilisierte Welt gegen die angeblichen unmenschlichen Greuel der Belgier am Kongo mobil zu machen versucht. Nun war man aber bei uns zu sehr durch die ewigen mehr oder minder erdichteten und aufgebauschten „Kolonialskandale“ zu sehr abgestumpft, als dass man auf das englische Geschrei viel gegeben hätte. Es steckte auch zuviel offenbarer Pharisäismus hinter der englischen Agitation, als dass man diese hätte allzu ernst nehmen können, denn in den englischen Kolonien selbst gab es genug Greuel zu beseitigen.

Aber in Wirklichkeit waren die englischen Vorwürfe keineswegs unberechtigt. Die Bevölkerung am Kongo wurde wirklich unerhört ausgebeutet. Und gerade mit Hilfe der Kongoakte könnte dieser Ausbeutung ein Ziel gesetzt werden. Die Kongoakte, die Handelsfreiheit im Kongobecken vorschreibt und irgendwelche Monopole verbietet, ist jahraus jahrein von den Belgiern in schamloser Weise ignoriert worden. Das ganze Land wurde als Staatseigentum erklärt und der Handel mit den einzigen bisher handelsfähigen Produkten, Elfenbein, Kautschuk, Kopal in der Hand des Staates monopolisiert. Und durch Besteuerung wurden dann die Eingeborenen gezwungen, da sie andre Erwerbsmöglichkeiten nicht besassen, diese Produkte für den Staat zu sammeln. Mit der Zeit wurde die zuerst reiche Ausbeute immer geringer und in dem Masse steigerte sich die Sammelarbeit der Eingeborenen für den Staat zu absoluter dauernder Zwangsarbeit. Natürlich gab es infolgedessen Unruhen unter den Eingeborenen und als weitere Folge davon da und dort wirkliche Greuel. Das sind Dinge, die unzweifelhaft feststehen.

Für die Grenznachbarn des Kongostaates, insbesondere die Engländer und uns, sind diese Verhältnisse erst in neuerer Zeit fühlbar geworden. Zuerst für die Engländer, als ihre grosse Bahn nach Zentralafrika, die Ugandabahn, fertig geworden war. Diese Bahn ist im wesentlichen auf den Handel mit dem Seengebiet und den angrenzenden Teilen des Kongobeckens angewiesen, die wegen ihrer Abgelegenheit einen noch ganz unberührten Reichtum an wertvollen Ausfuhrprodukten aufweisen. Zudem bildet die Ugandabahn im Augenblick den einzigen und kürzesten Weg nach der Küste.

Der Handel mit dem Gebiet des Kongostaats wurde aber bisher entgegen den Bestimmungen der Kongoakte, also widerrechtlich aufs rücksichtsloseste unterbunden und existierte notgedrungen nur als Schmuggelhandel. Dieser erzwungene Schmuggelhandel blühte auch nach deutschem Gebiet hinüber, namentlich über den Tanganjikasee nach Tabora.

In den letzten Jahren ist er aber immer geringer geworden, dank der scharfen Ueberwachung der Grenze durch die Belgier. Tatsache ist jedenfalls, dass der deutsche und englische Handel in Zentralafrika durch die widerrechtliche Schliessung der Grenzen seitens der Belgier im Laufe der Jahre ungeheuren Schaden erlitten hat.

Im verflossenen Jahr ist der unabhängige Kongostaat in eine belgische Kolonie umgewandelt worden. Es ist eigentlich wunderbar, dass die interessierten Mächte diese Gelegenheit nicht bentuzt haben, um der Kongoakte endlich Geltung zu verschaffen. Zumal wir, die wir soeben begonnen halten, eine grosse Ueberlandbahn nach der Grenze des Kongostaats, die ostafrikanische Zentralbahn nach Tabora und nach dem Tanganjika, zu bauen. Die Rentabilität der ostafrikanischen Zentral bahn und etwaiger andrer Ueberlandbahnen nach dem Victoriasee und Ruanda stellt und fällt mit der Handelsfreiheit im Kongogebiet.

Es mag ja sein, dass die Engländer warteten, ob wir, die Einberufer der Kongokonferenz von 1885 und moralischen Urheber der Kongoakte, ihnen in Zentralafrika nicht die Kastanien aus dem Feuer holen würden. Da wir uns nicht rührten, ist den Engländern die Geduld gerissen und sie haben jetzt kurzer Hand ein grosses Gebiet zwischen Uganda und Ruanda besetzt, das die Belgier als ihr Eigentum betrachten. Da wir uns in derselben Lage wie die Engländer befinden und ausserdem die Grenze zwischen deutschem und englischem Gebiet dank der Verschleppungspolitik der Belgier immer noch nicht festgelegt ist, obwohl es wegen unsrer fortschreitenden Erschliessungstätigkeit höchste Zeit wäre, so haben wir alle Ursache, mit den Engländern zusammenzugehen. Dies geschieht anscheinend auch, denn wir haben eine ansehnliche Truppenmacht am Kiwusee zusammengezogen, mehrere Kompagnien, was in Afrika schon etwas bedeuten will.

Die englisch-deutsche Demonstration ist den Belgiern denn auch ordentlich in die Glieder gefahren. Der belgische Kolonialminister hat Hals über Kopf in der belgischen Kammer ein „Reformprogramm“ eingebracht, das nichts weniger und nichts mehr ist als ein glattes Zugeständnis, dass der Kongostaat die an der Kongoakte beteiligten Mächte seit Jahren in unverschämtester Weise au der Nase herumgeführt hat. Dieses Reformprogramm plant als erstes die Einführung voller Handelsfreiheit in der Kongokolonie. womit zugegeben ist, dass die nach der Kongoakte vorgeschriebene Handelsfreiheit bisher nicht existierte, und dass das offiziöse Organ des Kongostaats, „La vérité sur le Congo“ („Die Wahrheit über den Kongo“) — geschwindelt hat.

Angesichts dieser Zugeständnisse werden wir gut tun, das famose „Reformprogramm“ nicht allzu ernst zu nehmen, sondern mit aller Energie dafür zu sorgen, dass

1. die Kongoakte durchgeführt wird,

2. die in dem „Reformprogramm“ von der Handelsfreiheit ausgenommenen noch nicht näher bezeichnten 600 000 Hektar sich nicht eines Tages ausgerechnet an unserer Grenze finden,

3 dass deutsche konsularische Vertretungen im Kongogebiet die Durchführung der Reform dauernd kontrollieren. Kurz und gut, dass die Belgier das schöne „Reformprogramm“ in der Praxis nicht genau so umgehen, wie sie es bisher mit der Kongoakte getan haben.

Auf die Grenzverhältnisse werden wir an der Hand der erwähnten Karte der Expedition des Herzogs von Mecklenburg in der nächsten Nummer näher eingehen. Inzwischen können wir nur der Hoffnung Ausdruck geben, dass es unsern amtlichen Organen bei der Auseinandersetzung mit den Belgiern nicht an einer grossen Portion Rücksichtslosigkeit und an dem nötigen nationalen Egoismus fehlen möge. Die Engländer können uns darin als Vorbilder dienen. Namentlich dürfen wir uns nicht wieder mit dem „Reformprogramm“ Sand in die Augen streuen lassen, wie bisher jahrelang durch die Kongoakte und „Die Wahrheit über den Kongostaat“. Man ist bei uns, wie aus der Presse in den letzten Wochen hervorging, schon wieder sehr gerührt über die Bereitwilligkeit des belgischen Kolonialministers. Warten wir ab, was dabei herauskommt! Ein altes afrikanisches Sprichwort sagt sehr wahr:

„In Afrika kommt es immer anders, als man denkt!“

Kolonie und Heimat