Randzeichnungen in einem gedruckten Exemplare des Encomium Moriae von Erasmus, das zu Ende des Jahres 1514 in der Frobenschen Druckerei zu Basel erschien, gelten als die frühesten Zeichnungen des jungen Holbein. Das also mit Buchschmuck ausgezeichnete Exemplar scheint vom Verleger zur Dedikation an den Autor bestimmt gewesen zu sein. Es kam aber an einen Freund des großen Gelehrten, an Oswald Myconius, der es zum Gebrauch für die Vorlesung mit Randglossen versah, gelangte später an den Stadtschreiber Daniel Wieland zu Mühhausen und wurde im Jahre 1578 durch den Maler Jakob Klauser aus dessen Besitz für Basilius Amerbach erworben.

Holbein hat nur einen Teil der Zeichnungen gemacht, zwar den größeren, aber es lassen sich außer ihm noch mehrere Hände feststellen, so daß die Vermutung nahe liegt, Froben habe den ganzen Stab von Künstlern, der für seine Druckerei arbeitete, zur Illustration dieses Buches beigezogen. Holbeins scharfer Federstrich unterscheidet sich deutlich von der Manier der übrigen Zeichner, auch von der Hand seines Bruders Ambrosius, der allerdings, beim gleichen Meister geschult, in einer ähnlichen Technik arbeitet und in einzelnen, gut gelungenen Zeichnungen sehr nahe an ihn herankommt. Hans Holbein führt die Feder wie einen Grabstichel und die Qualität seiner Illustrationen ist von gediegener Gleichmäßigkeit. Die übrigen Künstler gehören in den Kreis des Urs Graf; sie sind gröber in Erfindung und Ausführung als die beiden Brüder.

Die hübsche Zeichnung mit der inbrünstig betenden Matrone ist durch die geschlossene Bildwirkung beachtenswert. Holbein hat den zur Verfügung stehenden Raum meisterlich ausgenützt und durch eine geschickte Vertiefung der Architektur einen jener dunklen, vom Scheine flackernder Kerzen spärlich erleuchteten Kirchenwinkel geschildert, in denen die abergläubige Verehrung der Heiligenbilder am tiefsten wurzelt.

Siehe auch:
Hans Holbein der Jüngere-Der abergläubige Bilderkultus

Hans Holbein der jüngere Kunstdrucke

,,Erasmus ist nicht mit gewöhnlicher Elle zu messen, da er menschliches Mass übersteigt“.

Die Stürme der Reformationszeit brausen durch die Lande. Pfarrer schaffen die Messe ab, Priester rnfen ihr Anathema, Mönche zetern, der Pöbel plündert die Kirchen. Die Christenheit spaltet sich in zwei Lager. Inmitten dieses buntbewegteb Lebens, an Alt- und Neugläubigen vorbei, schreitet, ein nachsichtiges Lächeln um die schmalen Lippen, der Vielgefeierte. der Vielgehasste — Erasmus von Rotterdam. Glaubenskampf und Parteihader sind ihm menschliche Schwächen, denen er ans dem Wege geht. Mögen die andern streiten, er will Ruhe, Unabhängigkeit, Friede. Friede um jeden Preis. Und Müsse für seine Wissenschaft, vor der alles andere zurückzutreten hat. Den Studien allein gilt sein Leben. Daran vermögen die Menschen nichts und die ärgsten körperlichen Leiden nichts zu ändern. Die Grossen der Erde suchen den Fürst der Gelehrten an ihre Höfe zu fesseln. Vergebens. Städte locken mit ihrem Bürgerrecht. Umsonst.

«Respondi, me veile civem esse totins nuiiuli, non unius oppidi — ich will ein Bürger der ganzen Welt sein! lautet seine Antwort. Und er ist es geworden und ist es heute noch…..

Erasmus wurde zu Rotterdam in der Nacht vom 27. zum 28. Oktober 1466 geboren. Der aussereheliche Sohn eines zum Priester Bestimmten, des Gerhard aus dem benachbarten Gouda, und der Margaretha Rogers, Tochter eines Arztes aus Zevenbergen. Dem in der Taufe erhaltenen Namen Erasmus fügte der Erwachsene später den weiteren Vornamen Desiderius bei. Kaum vier Jahre alt, kam der Knabe in die Schule zu Gouda, um i. J. 1475. nachdem er sich vorher als Chorsänger an der Domschule zu Utrecht versucht, in Begleitung der Mutter die berühmte, von 2000 Zöglingen besuchte Schule in Deventer zu beziehen. Schon zeigte sieh seine leichte Auffassungsgabe, sein erstaunliches Gedächtnis, schon war nach einigen Jahren sein Verständnis für das Altertum geweckt, waren Foraz und Terenz seine Lieblinge: da bricht die Pest aus und raubt dem Dreizehnjährigen die Mutter. Er versucht in Deventer zu bleiben. Doch die Pest jagt ihn fort, heim nach Gouda, zum Vater. Den wirft die Unglücksbotschaft aufs Krankenlager und wenig später folgt er der Mutter im Tode nach. Der junge Erasmus ist vater- und mutterlos, allein in der Welt, dem guten oder schlechten Willen dreier Vormünder ausgeliefert.

Sein Vater hatte gewünscht, dass er an einer Universität sich den humanistischen Studien widme, und hatte ein kleines Erbgut für diesen Zweck bestimmt. Doch die Unehrlichkeit eines Vormundes, dem das Geld unter den Fingern zerrann, machte einen Strich durch diese Rechnung. Nun galt es den Knaben, dessen Herzenswunsch vernichtet war, auf möglichst glimpfliche Art zu entfernen. Er sollte Mönch werden. Konnte doch so der Makel seiner Geburt, aber auch der Betrug des Vormundes am leichtesten verborgen werden. Man steckte ihn in die Erziehungsanstalt einer geistlichen Bruderschaft in Ilerzogenbusch. wo er drei lange Jahre verbrachte, ohne sein Wissen sonderlich vermehrt zu sehen. Und wiederum nahte die Pest. Vertrieb den Jüngling aus der Anstalt und veranlasst« ihn, nach Gouda zu seinen Vormündern zurückzukehren. Auf jede Weise suchten nun diese ihn für das Klosterlehen zu gewinnen. Als Bitten und Zureden und Drohungen nichts über ihn vermochten, sagten sie sich los von ihm.

Von allen verlassen, mittellos, von monatelangem Fieber geschwächt, Hess er sich zuletzt bereden, in das Kloster der regulierten Augustiner-Chorherren zu Steyn bei Gouda einzutreten. Er war zwanzig Jahre alt, als er 1487 diesen Schritt tat. Im nächsten Jahre legte er die Klostergelübde ab. Die Unabhängigkeit, nach der sein beweglicher Geist sich sehnte, hatte er verloren, aber er hatte Versorgung gefunden, Müsse und Ruhe und jugendlich – überschwängliche Freundschaft. Und Bücher, vor allem lateinische Klassiker, mit denen er bald innig vertraut wurde. Schon fing seine Feder sich zu regen an. Religiösen Gesängen zur Ehre Christi und der hl. Jungfrau folgten bald humanistisch gefärbte Oden, Elegien und Prosaaufsätze wie die «Antibarbari». Und doch, wenn auch von manchen Mönchspfliehten entbunden, strebte er aus dem Klosterzwang heraus. In einem aufkeimenden Gefühl geistiger Ueberlegenheit. in einem unabweisbaren Drang nach freier Betätigung.

1492 war er zum Priester geweiht worden, hatte eiserne erste Messe gelesen. Da nahte im folgenden Jahre die Befreiung. Der Bischof von Cambrai, willens, sich in Rom den Kardinalshut zu holen, brauchte einen des Lateinischen kundigen Reisebegleiter und Schreiber. Der junge Erasmus war ihm als ausgezeichneter Lateiner empfohlen. Und so erwirkte er von dessen Oberen die Erlaubnis, dass er aus der Klausur, doch unter Beibehaltung der Ordenstracht, entlassen wurde. Welche Aussichten für diesen! Frei sein, endlich frei, und Rom, das Ziel seiner Wünsche, vor Augen! Rom. von dem sein Vater, der dort studierte, dem aufhorchenden Knaben immer wieder erzählte. Rom. die Pflanzstätte humanistischer Bildung, aurea Roma! ….

Erasmus eilte nach Cambrai. Doch es sollte anders kommen. Der Bischof musste wegen Geldmangel seine Konireise aufgeben. Immerhin sorgte er für den Enttäuschten, behielt ihn zunächst eine Weile bei sich und ermöglichte ihm dann 1494 die Reise nach Paris. An der ersten Hochschule der christlichen Welt sollte er sich im theologischen Studium weiter ausbilden. Aber die hier gelehrte trockene Scholastik konnte ihn nicht befriedigen, die elende Verpflegung im Collegium Montaigu, wo ihm der Bischof eine Freistelle verschafft hatte, konnte er auf die Dauer nicht aushalten. So kehrte er über Köln, wo er im Sommer 1496 studierte, in die niederländische Heimat zur Erholung zurück.

Von da an begann sein Wanderleben. Die nächsten Jahre verbrachte er bald in Paris, wo er sich den Lebensunterhalt durch Erteilen von Privatunterricht verschaffte, bald, um der daselbst herrschenden Pest zu entfliehen, bei Bekannten und Freunden in Frankreich und den Niederlanden. Seine Lage besserte sich zusehends, als zwei reiche Engländer seine Schüler geworden und er ihre Studien an der Pariser Hochschule zu überwachen hatte. Holte doch der eine von ihnen, der junge Lord William Mountjoy. den Praeceptor aus seiner öden Kammer, um ihn in seiner eigenen Wohnung aufzunehmen. Lehrer und Schüler zugleich. trat Erasmus allmählich auch in Verkehr mit den berühmten Pariser Humanisten und ging mit rastlosem Eifer darauf aus, sich die Sprache und das Wissen, aber auch den Geist der römischen Antike anzueignen. Nebenher ging das theologische Studium, das er im Herbst 1498 mit der Erwerbung des Baccalaureats abschloss.

Jetzt schien auch der Zeitpunkt für den von Lord Mountjoy schon lange erbetenen Besuch in London gekommen. So landete Erasmus im Frühjahr 1499 in England, um zuerst im elterlichen Hause des Lords und später in St. Mary’s College zu Oxford Wohnung zu nehmen. Eine völlig andere Welt, als was er bis dahin gesehen! Ein Volk, das eine Sprache sprach, von der er zeitlebens kein Wort verstand. Mit seiner holländischen Muttersprache kam er da nicht weit. Mit Französisch, das er in Paris gelernt, noch weniger. Doch ihn zog es nur zu den Gelehrten und, da Latein damals die Umgangssprache nicht nur der gelehrten, sondern auch der gebildeten Well Europas war, so hatte es damit keine Not. Er lernte die angesehensten und gelehrtesten Männer Englands kennen, u. a. .lohn Golet, der ihn bewog, sich mit der griechischen Literatur eingehender als bisher zu beschäftigen, dann den jungen Thomas Morus, der sein vertrauter Freund wurde. Beziehungen mannigfacher Art wurden geknüpft, gelehrte Fragen behandelt, schriftstellerische Pläne erörtert. Ein reiches Jahr lag hinter ihm, als er sich 1500 in Dover zur Rückfahrt nach den Niederlanden anschickte. In Dover, wo ihm die Zöllner seine sauer ersparten 20 Pfund bis auf weniges Kleingeld abnahinen. Eine zollgesetzliche Massnahme, die er später mit einer kleinen Schrift zum Lobe des englischen Königs und ganz Englands beantwortete…..

In den folgenden fünf Jahren sah man ihn abwechselnd in Paris, in Orleans und in den verschiedensten Orten der Niederlande seinen Wohnsitz nehmen. In der Gelehrtenwelt begann er als Schriftsteller von sich reden zu machen. Besonders, als rasch nacheinander seine Adagia», eine Sammlung griechischer und lateinischer Sprichwörter (Paris 1500). sein «Enchiridion militis ehristkmi» (1502) und Uebersetzungen von Schriften Lucians (1503) im Druck erschienen Werkt, in denen das gelehrte Wissen eines Philologen sich mit einer eleganten und flüssigen Sprache verbanden. Darunter das «Handbüehlein des christlichen Streiters» mit seinem theologischen Programm, das ein Christentum des Rechttuns im Sinne der Bergpredigt empfahl. Seinem formvollendeten Latein hatte er auch die Ehre zu verdanken, dass er im Januar 1504 vor feierlicher Versammlung in Brüssel den aus Spanien zurückgekehrten Philipp den Schönen im Namen der Niederlande mit einem Pane-gyricus hegrüssen durfte.

Ein zweiter Aufenthalt in England, von dem er im Frühsommer 1506 nach Paris zurückkehrte, sollte für Erasmus von ungeahnter Bedeutung werden. Dass er bei dem Erzbischof Warhain von Canterbury, seinem nachmaligen Gönner, eingeführt wurde, war schon etwas. Mehr aber, unendlich mehr, dass der Leibarzt des englischen Königs, Battista Boerio aus Genua, ihm anbot, seine beiden Söhne nach Italien zu begleiten, um ihre dortigen Studien zu überwachen. Der Traum der Jugend sollte Wirklichkeit werden ….

Schon im Jahre 1500 hatte Erasmus eine Italienfahrt erwogen, um nach Abschluss der theologischen Studien den italienischen Doctortitel zu erlangen. Der Plan wurde aufgegeben. da das ihm seit kurzem von der Markise von Veere ausgesetzte Jahrgeld von 100 Gulden und seine wenigen übrigen Mittel ihm für eine solche Reise ungenügend schienen. Solche Erwägungen kamen jetzt nicht mehr in Frage. Ungesäumt machte die kleine Gesellschaft — Erasmus, seine beiden Zöglinge und zwei Begleiter — sich auf den Weg. Im August 1506 überschritten sie die Alpen. Um sich im Sattel die Zeit zu vertreiben, begann Erasmus Verse zu schmieden. Und brachte ein Carmen zustande, in dem er sich selbst in horazischer Weise beschreibt: Wie er auf schneebedeckten Pässen reite und durch die Welt ziehe, neuen Studien entgegen, wie er seine theologischen Arbeiten mit profanen vermenge, indes seine Schlafen ergraut seien und hinter seinem 40. Lebensjahr das Alter nahe; da sei es an der Zeit, dem Parnass Lebewohl zu sagen und den Rest seiner Tage Christo allein zu weihen. Doch — Erasmus hütete sich, die Moral seiner schönen Verse in die Tat umzusetzen …..

In Turin angelangt, erwarb er an der dortigen Universität mit überraschender Schnelligkeit, am 4. September 1506, die Würde eines Magisters und Doctors der Theologie. Nun ging es nach Bologna, wo die Brüder Boerio studieren sollten. Kaum angekommen, mussten Lehrer und Schüler wegen drohender Kriegsgefahr für einige Wochen nach Florenz übersiedeln. Uni am 11. November in Bologna dem siegreichen Einzug des Papstes Julius 11. beizuwohnen. Zum ersten Male sah Erasmus das Haupt der Christenheit. Keinen segnenden Friedens! ürsten, wohl aber einen panzergewohnten Triumphator antiker Art, der, unter Vorantritt von hundert jungen Edelleuten aus der unterworfenen Bomagna, von 22 Kardinalen begleitet, unter seidenem Baldachin daherkam, von den Jungfrauen Bolognas mit Rosen beworfen. Und Erasmus, in der Menge verloren, stellte wehmütige Vergleiche zwischen dem soeben Geschauten und dem Leben der ersten Apostel an … .

Im Sommer 1507 kam die Pest in die Stadt. Ihr selbst wusste er zu entgehen. Doch wäre er einmal beinahe erstochen, ein andermal fast gesteinigt worden, da man ihn seiner Kleidung wegen für einen Pestarzt hielt. Nichtsahnend war er unter die Leute getreten, was diesen Aerzten. die in Bologna auf der linken Schulter eine weisse. über Brust und Rücken laufende Schärpe trugen, streng verboten war. Als er erkannte, dass das weisse Leinenband, sein Ordenszeichen, das er als regulierter Chorherr nach französischer Sitte über seinem Mönchsgewande trug, schuld an diesen Zwischenfällen war, nahm er es schleunigst ab. In der Folge erwirkte er vom Papst sogar die Erlaubnis, sein Ordenskleid ganz abzulegen und statt dessen die Kleidung der Weltpriester zu tragen.

Trotz Kriegs- und Pestgefahr brachte der einjährige Aufenthalt in Bologna ansehnliche Früchte. Mit unermüdlichem Eifer betrieb Erasmus griechische Studien, vermehrte die Sammlung seiner Adagia und gewann sich Freunde in den Ilumanistenkreisen. Für diese liess er im Dezember 1507 zwei von ihm übersetzte Tragödien des Euripides bei dem durch seine mustergültigen Ausgaben bekannten Venezianer Aldus Manutius drucken. Ein dünnes Büchlein, das. in der zierlichen aldinischen Kursive gedruckt, das Entzücken seiner Bologneser Freunde wurde.

denen er es als Neujahrsgabe überreichte. Es bildete zugleich sein Abschiedsgeschenk. Die aktinischen Lettern und der sorgfältige Druck gefielen ihm dermassen, dass er seine Adagia» in der weltberühmten venezianischen Offizin neu herauszugeben beschloss.

Da die Leitung der Studien seiner beiden Zöglinge ihr Ende gefunden, so stand einer Abreise nach Venedig nichts mehr im Wege. Zu Beginn des Jahres 1508 traf er in der Lagunenstadt ein. Aldus Manutius nahm ihn mit offenen Armen auf. führte ihn seiner Familie zu, sorgte für Unterkunft. Wenn irgendwo, so hatte Erasmus hier, in der Stadt mit den jahrhundertalten Beziehungen zum griechischen Orient. Gelegenheit, seinen griechischen Sprachkenntnissen den letzten Schliff zu geben. Sei es an den Sitzungen der von dem gelehrten Aldus ins Leben gerufenen aldinischen Akademie . wo Griechisch die Umgangssprache war. sei es am Familientisch des Druckerherrn, sei es mit den gerade anwesenden Gelehrten aus Griechenland. Die Neubearbeitung und der Druck der «Adagia» wurden alsbald in Angriff genommen. Die Gelehrten wurden nicht müde, dem Verfasser, der ihr Freund geworden, Beiträge für seinen grossen antiken Sprichwörterschatz zu liefern. Und Erasmus schrieb, stellte zusammen, verfasste. Schrieb oft mitten im Lärm der Druckerei beim Rialto und. während ein Bogen gesetzt wurde, schrieb er die Fortsetzung. Als das Werk im Herbst des Jahres beendet war, verliess er Venedig, dessen Gastfreundschaft und Unterstützung ihm unvergesslich blieb.

Wie weit der Ruf von den Fähigkeiten des Erasmus damals schon gedrungen, bewies die an ihn gerichtete Bitte König Jakobs IV. von Schottland, dem in Padua studierenden Prinzen Alexander Stuart Unterricht in der Rhetorik zu erteilen. Alexander war ein natürlicher Sohn des Königs und führte, trotz seiner 18 Jahre, bereits den Eitel eines Erzbischofs von St. Andrews in Schottland. Kaum war Erasmus ein paar Wochen mit seinem Zögling, mit dem ihn bald innige Freundschaft verband, zusammen, als Kriegslärm sie aus Padua fortscheuchte. Verwünscht seien die Kriege», schrieb der erbitterte Humanist, dienlich nicht den Teil Italiens gemessen lassen, der mir von Tag zu Tag mehr gefällt!» Die Reise ging über Ferrara, wo Erasmus als Herausgeber der «Adagia» gefeiert wurde, über Bologna und Florenz nach Siena, wo sie Ende 1508 eintrafen. Alexander setzte sein juristisches Studium hier fort, Erasmus erteilte ihm humanistischen Unterricht.

Da bricht die jahrelang niedergehaltene Sehnsucht nach Rom bei diesem aus. Nach Rom, das er heute nicht mehr als schüchterner Mönch, sondern als angesehener Gelehrter betreten wird. Er nimmt Urlaub von seinem fürstlichen Zögling und macht sich auf den Weg. Anfangs März 1509 langte er an seinem Ziele an. Es war nur ein kurzer Aufenthalt, den er sich gestatten durfte. Aber er führte ihn in die gebildetste und kultivierteste Gesellschaft der damaligen Welt, in den erlesenen Gelehrtenkreis am päpstlichen Hofe. Und man kargte nicht mit Lobsprüchen gegenüber dem nordischen Humanisten, der sich mit weltmännischer Sicherheit im Vatikan wie in den Palästen der Kardinäle und des Adels zu bewegen wusste. Man rühmte sein reiches Wissen, seinen scharfen Verstand und bewunderte seine leichte Feder, sein glänzendes Latein. Und man zeigte ihm die Sehenswürdigkeiten der ewigen Stadt. Er sah den wunderbaren Prunk der vielen Kirchen, sah die Ueberbleibsel der antiken Welt, musste blutige Stierkämpfe im Innern des Vatikans mit anseben, lernte das römische Volksleben kennen und besah sich die Kunststücke der Gaukler im Cainpo de’ fiori.

Nach Siena zurückgekehrt, musste er alsbald erfahren, dass sein Zögling von seinem Vater nach Schottland zurückberufen wurde. Doch, ohne Rom gesehen zu haben, wollte Alexander Italien nicht verlassen. Nun war es an Erasmus, den Führer zu machen. Nachdem die beiden die Feierlichkeiten der römischen Karwoche sich angeschaut, beschlossen sie ihr letztes Zusammensein mit einem Ausflug nach Neapel. Von hier aus ging es durch den unterirdischen Gang, die alte Grotte vom Posilipo, über deren Eingang hoch oben das sagenhafte Grabmal des Virgil sie grüsste. nach der Grotte der Sibylle von Cumae beim Avernersee. Und auf dem Heimweg nach Rom, längs der appischen Strasse mit ihren antiken Denkmälern, ein nochmaliges Aufsteigen jener vergangenen Welt, die sie verehrten. Beim Abschied von seinem verehrten Lehrer, der in Rom zurückblieb, gab ihm der Königssohn eine Handvoll goldener Fingerringe als Andenken. Darunter ein antikes Stück, dessen Carneolgemme den römischen Grenzgott Terminus wiederzugeben schien, sodass Erasmus diesen später zu seinem Wahrzeichen machte.

Ein letztes Mal atmete Erasmus römische Luft. Die Bibliotheken mit ihren handschriftlichen Schätzen und neuen Druckwerken öffnen sich ihm, allen voran die des Papstes, dann die der Kardinale und der Klöster. Hier am Born der Wissenschaften arbeiten und leben zu können, welches Leben! Aber er hatte Briefe aus England erhalten, die ihn nach London zurück riefen. Erst ein schmeichelhaftes Handschreiben des englischen Thronfolgers, der zu den Bewunderern des Erasmus gehörte, zuletzt ein Schreiben von Lord Mountjoy, der ihm die Thronbesteigung jenes meldete und in begeisterten Worten alle die Vorteile pries, welche die Gelehrten von dem humanistisch gebildeten Heinrich VIII. erhoffen durften.

Vergebens suchten die dem Erasmus befreundeten Kar-dinäle, ihnen voran Johannes v. Medici, der spätere Papst Leo X., ihn zum Dableiben zu bewegen. Man stellte ihm das mit beträchtlichen Einkünften verbundene Amt eines Poenitentiarius, die Stufe zur Kardinalswürde, in Aussicht. Kardinal Grimani lud ihn ein. bei ihm Tisch- und Hausgenosse zu werden und stellte ihm seine reiche, 8000 Bände umfassende Bibliothek zur Verfügung. Umsonst. Erasmus glaubte seinen englischen Freunden nicht absagen zu können und lehnte ab. Immerhin in der Hoffnung, bald wieder zurückzukehren. Diese Hoffnung begleitete ihn sein Leben iang. Aber Rom und Italien sollte er nicht Wiedersehen.

Italien war für Erasmus die hohe Schule seiner geistigen und wissenschaftlichen Bildung gewesen. Die glänzende Anerkennung, die er hier vonseiten der Elite der humanistischen Welt erfahren, hatte sich im Norden bald herumgesprochen. Als er, noch im Sommer 1509, in England landete, war sein Ruhm ihm schon vorausgeeilt. Im Hause seines Freundes Thomas Morus gastlich aufgenommen, ordnete er hier vor allem seine Aufzeichnungen vom Lob der Torheit», die er auf dem Rückritt von Italien über den Splügen nach alter Gewohnheit im Sattel verfasst hatte. Im folgenden Jahre erschien zu Paris die erste Ausgabe dieses geistsprühenden Büchleins, das die Torheiten eines jeden Standes mit überlegenem Humor und feinster Satire geisselte. Das war etwas anderes als das schwerfällige Narrenschiff» des guten Sebastian Braut. Das sprudelte nur so von witzigen Einfällen, das warf jedem lachend eine oft bittere Wahrheit an den Kopf und war in einem Latein geschrieben, dass die Kenner nur so schnalzten vor Wohlgefallen. Kein Wunder, dass die Auflage alsbald vergriffen war und in den folgenden Jahren allerorts Nachdrucke erschienen.

Die hochgespannten Erwartungen, die Lord Mountjoy auf Heinrich VIII. gesetzt, gingen während der fünf Jahre, die Erasmus in England verbrachte, nicht in Erfüllung. Doch fand dieser auf andere Weise Entschädigung. Lord Mountjoy, einst sein Schüler, nunmehr sein Gönner, setzte ihm ein Jahrgeld von 100 Kronen aus. Erzbischof Warham von Ganterbury, den er von früher her kannte, nahm sich seiner ebenfalls an und machte ihn 1512 zum Inhaber der Pfründe Aldington in Kent. die ihm jährlich 20 Pfund einbrachte. Weniger einträglich war seine Stelle als Professor der griechischen Sprache an der Universität Cambridge, wo er 2Vs Jahre wirkte. Dafür blieb ihm hier sowohl wie in London, wo er des öfteren weilte, reichlich Zeit für seine literarischen Arbeiten. Es kamen Schriften verschiedenen Inhalts, darunter mehrere pädagogische Werke von ihm heraus. Nebenher gingen Uebersetzungen moralischer Schriften des Plutarch und Cato. Ausgaben von Schriften Epiktets u. a. Vor allem aber nahm er sein Hauptwerk, das Neue Testament in seiner alten Fassung, und seine umfangreiche Hieronymus-Ausgabe in Arbeit. Die grosse Zeit seiner fruchtbarsten schriftstellerischen Tätigkeit hatte begonnen.

Bevor er England im Sommer 1514 verliess. schrieb er noch dem Prior des Klosters zu Steyn hei Gouda, der ihn aufgefordert hatte, wieder in den Konvent zurückzukehren, eine förmliche Absage. Jetzt, wo er der Mittagshöhe seines Ruhmes entgegenging, hätte er sich wieder in die beengende Luft, in die armseligen Verhältnisse eines Klosters begehen sollen! Er. der Freiheit über alles schätzte, er, der leichten Herzens auf einen Lehrstuhl verzichtete, weil er vorzog. dass sein Auditorium die ganze gelehrte Welt sei!—

Ein vorbildlicher Nachdruck seiner Adagia. der 1513 hei Johannes Frobenius zu Basel in der von diesem neu angewandten aldinischen Kursive erschienen war. veranlasste ihn, im August 1514 nach Basel zu kommen, um seine neuesten Werke hei dem berühmten und gelehrten Frohen in Druck zu geben. In Strassburg und Sehlettstadt hatten ihn die Humanistenkreise mit Ehren empfangen. In Basel be-grüsste ihn die weit grössere Schar der um die Offizin Fro-bens sich sammelnden oberrheinischen Gelehrten. Gelehrte von bedeutendem Wissen, Gelehrte von grossem Rufe. Doch, was waren sie alle, was waren die besten unter ihnen, verglichen mit dem Meister, der jetzt unter ihnen weilte! Der ihnen das unerreichbare Vorbild wurde, vor dessen göttlichem Ingenium sie sich alle neidlos beugten.

Im Hause «zum Sessel», wo Erasmus als Frobens Gast wohnte, lärmten die Druckerpressen wie nie zuvor. Im März 1515 kam eine Neuausgabe vom «Lob der Torheit» auf den Markt. Es hatte neuerdings einen solch durchschlagenden Erfolg, dass nach Verlauf eines Monats die Auflage von 1800 Exemplaren bis auf 60 Stück vergriffen war. Aber schon meldeten sich nun auch Nörgler und Gegner zum Wort. Nicht jeder konnte ungeschminkte Wahrheit ertragen. Dass der Verfasser über die Scholastik und die Mönchsbarbarei sich lustig machte, mochte noch hingehen. Aber, dass er es \vagt(‚, auch alle innerhalb der Kirche vorhandenen Schäden blosszulegen und zu verspotten, das hiesse an den Grundfesten der heiligen Kirche rütteln, meinten manche und verdammten ihn. Die Klugen freilich, die Aufgeklärten, hatten nach wie vor ihre göttliche Freude an dem Werkchen, sodass Erasmus selbst davon sagen konnte: «alle Gelehrten haben es wohlgefällig aufgenommen, Bischöfe, Erzbischöfe, Könige. Kardinäle finden es nach ihrem Geschmack, es gefällt sogar Seiner Heiligkeit dem Papste und Leo X. hat es ganz durchgelesen.

Ein Jahr später (1516) verliess das zum ersten Male im griechischen Urtext samt dessen lateinischer Uebersetzung und Kommentaren herausgegebene Neue Testament die Presse. Eine wissenschaftliche Tat von gewaltiger Bedeutung. Während man bis dahin bloss den von der Kirche gebilligten Text der lateinischen Vulgata zur Verfügung hatte, lag jetzt auf einmal ein von diesem häufig grundverschiedener Originaltext vor. Das Werk machte ungeheueres Aufsehen. Die Stimmen waren zahlreich, welche Saerilegium! riefen und das Ganze als ketzerische Arbeit verschrieen. Erasmus war jedoch so vorsichtig gewesen, sein Neues Testament dem Papste selbst, Leo X. zu widmen und war somit. da Widmung und Werk von diesem in Gnaden aufgenommen wurden, gegen alle Angriffe gefeit. Das Werk erlebte in den nächsten Jahrzehnten über 30 Nachdrucke. Erasmus selbst sah sich in der Folge genötigt, noch vier weitere Ausgaben davon zu veranstalten. An das Neue Testament schlossen sich die Schriften des Hieronymus, deren neun Foliobände von 1516 ab zu erscheinen begannen. Der Druck einer Seneeaausgabe war im vorhergehenden Jahre beendigt worden. Erasmus hatte sich vorgenommen, nach und nach alle wichtigen heidnischen und altchristlichen Schriftsteller in einwandfreien Ausgaben der Wissenschaft zuzuführen. Eine Riesenaufgabe, der nur er mit seiner unermüdlichen Arbeitskraft, seinem Scharfsinn und seiner alles umfassenden Kenntnis des Altertums gewachsen sein konnte.

Die Veröffentlichungen der letzten Jahre hatten seinen Namen in alle Welt getragen, als er im Mai 1516 sich in die Niederlande begab, die ihn für fünf Jahre festhalten sollten. Er lebte hier abwechselnd in Antwerpen, wo er jeweils bei seinem Freunde, dem Stadtschreiber Petrus Aegidius einkehrte. in Brüssel und in Loewen, wo er seit August 1517 sich niedergelassen hatte. Zwischendurch erfolgten kurze Aufenthalte in London, wo er im Frühjahr 1517 zum letzten Male weilte, und in Basel, wo er den Sommer 1518 zur Bearbeitung der 2. Auflage des Neuen Testamentes verbrachte. Seine Reise dahin glich einem Triumphzuge. Die Gelehrten huldigten ihm. Bischöfe bezeugten ihm ihre Verehrung. In silbervergoldeten Prunkbechern kredenzten ihm die Städte den Ehrenwein, den sonst nur Fürsten und Gesandte erhielten. Ein Jahr zuvor war seine Querela Pacis erschienen, die ihn als unentwegten Vorkämpfer für den Friedensgedanken in der Welt zeigte. Dann kamen die grossen wissenschaftlichen Werke, die Fortsetzung der Kirchenväter, die nentestamentlichen Paraphrasen, die Suetonausgabe u. a. m.

Als Karl von Oesterreich, seit 1516 König von Spanien (später Karl V.), an seinem Hof zu Brüssel bedeutende Männer um sich sammelte, wurde auch Erasmus dahin gebeten. Der Einladung folgend, mischte er sich im Winter 1516/17 unter die Staatsmänner und Gelehrten, die spanischen Granden und die Prälaten, die den Hof bevölkerten. Mit dem Erfolg, dass er zum königlichen Rat mit Jahresgehalt ernannt wurde. Um dieselbe Zeit wurde ihm ein Kanonikat in Courtray verliehen, dessen Pfründe ihm eine jährliche Rente von 25 Pfund sicherte.

Es waren die Jahre der ehrenvollsten Berufungen. Die Jahre, da die Fürsten Europas sich um den Gelehrten stritten. König Franz I. von Frankreich hot ihm eine Professor in Paris mit einem jährlichen Kinkomnien von 1000 Gulden an. Heinrich VIII. von England suchte ihn durch glänzende Versprechungen zu bestimmen, seinen Wohnsitz nach London zu verlegen. König Sigismund von Polen wollte ihn in seiner Residenzstadt Krakau haben. Erzherzog Ferdinand stellte ihm ein .Jahrgeld von 400 Talern in Aussicht, wenn er. ohne irgendwelche Pflichten zu haben, nur in Wien wohnen wollte. Der Herzog von Sachsen gab sieh Mühe, ihn für Leipzig zu gewinnen. Der von Bayern hot ihm eine Professur in Ingolstadt, eine reiche Pfründe und 200 Dukaten Gehalt an. Und so noch viele andere. Ueberall lehnte Erasmus ab. Heute, wo die literarische Welt Europas ihm zu Füssen lag, wo die Gelehrten aller Länder in dankbarer Bewunderung zu ihm aiifhlickten. konnte er der Fürst der Geister, nicht mehr Fürstendiener sein.

Währenddessen war, durch Luthers Auftreten veranlasst. die reformatorischc Bewegung in Gang gekommen. Viole der Altgläubigen erblickten in Erasmus cIimi eigentlichen Urheber der Umsturzbewegung, den Mann. aus dessen Brüsten Luther sein Gift gesogen . Gewiss, Erasmus scheute sich nicht, die ihm als tadelnswert vorkommenden Erscheinungen innerhalb der Kirche mit aller Schärfe zu rügen. Gewiss, er ging eine Zeitlang einig mit Luther, er trat anfangs für ihn ein, weil er vor allem die Wissenschaft in ihm bedroht sah. Kirchliche Reformen schienen ihm dringend nötig, doch immer nur auf dem Boden der alten römischen Kirche. Sobald er jedoch später merkte, dass Luther vor der Kirchenspaltung nicht zurücksehreckte, sagte er sich los von ihm. Dies umso leichter, als Luther die Freiheit des Willens leugnete, die jedem Humanisten und Erasmus ganz besonders teuer war.

Einstweilen machten ihm in den letzten Jahren seines Aufenthaltes in Loewen die dortigen Mönche und TheoIog«»n das Leben sauer. Verdächtigten ihn auf jede Weise. Wollten ihn in der Fakultät, der er angehörte, nicht mehr dulden. Er solle sich offen erklären, für oder gegen Luther.

Er vertauschte das Lager der kirchlichen Fanatiker mit der Hochburg des deutschen Humanismus und ritt am 15. November 1521, von seinem Freunde Beatus Rhenanus begleitet, in Basel ein. Seine Anhänger hatten mit Sehnsucht schon längst auf ihn gewartet. Gerührt drückte ihn sein Verleger Johannes Frohen an die Brust. Frohen, der seit Jahren fast alle seine Werke in vorbildlicher Weise druckte, der im Verein mit ihm dem Basler Buchdruck Weltruf verschaffte und stolz darauf war. einen Erasmus zum Freund zu haben. Der Jubel über dessen Rückkehr an den Oberrhein war grenzenlos. Nicht nur unter den Humanisten der Stadt. Aus ganz Deutschland kamen überschwängliche Huldigungen. kamen Briefe voll trunkener Begeisterung.

Da Erasmus den Wunsch geäussert hatte, einen eigenen Haushalt zu führen, so erwarb Frohen im Dezember 1521 das unweit seiner Druckerei gelegene Haus «zur alten Treue (Nadelberg 17—19) und überliess es ihm zur Miete. Frei von materiellen Sorgen konnte der Gelehrte, der nun £5 Jahre zählte, sich in aller Behaglichkeit in der geräumigen Behausung einrichten. Verfügte er doch über eine ganze Reihe von Einkünften. Da waren seine verschiedenen jährlichen Renten. Dann die reichen Geldgeschenke, die er durch die Widmungen seiner Werke an Fürsten und reiche Pii-vatleute von den also Ausgezeichneten erlangte. Dann die vielen Ehrengaben, Pferde, Fässer voll Wein, kostbare Arbeiten in Gold und Silber, die er von weltlichen und geistlichen Fürsten, von Adeligen und Gelehrten erhielt. Endlich die Honorare, die ihm seine Bücher einbrachten.

In seinem hohen Eckhause am Nadelberg, dessen Hinterfenster ihm über das Häusergewirr der Unterstadt hinweg einen einzigartigen Ausblick auf das Münster und die Kirchen der Höhe gegenüber und weiterhin auf die Türme und Kirchen Kleinbasels boten, sollte er länger als je sonstwo weilen. Zwar unternahm er im Herbst 1522 nochmals eine Reise nach Rom. Um jedoch bloss bis nach Konstanz zu kommen und durch Krankheit zur Rückkehr gezwungen gezwungen zu werden.

Schon als Knabe von zarter Gesundheit, war Erasmus gegen jeden Wechsel in der Lebensweise höchst empfindlich. Eine überfeine Veranlagung brachte es mit sich, daß ihm z. B. der Pisch-gerucheinGreuel war, dass ihm vom Gassengestank übel wurde und dass er den warmen Ofendunst nicht ausstehen konnte, sodalt er nur am offenen Kaminfeuer sich zu wärmen liebte. Seit seiner ersten Pariserzeit, wo er verdorbene Eier ass, litt er an Magenbeschwerden. Schlimmer, wenn auch nur in Abständen auflretend, war seine Steinkrankheil, die ihn seit seinem venezianischen Aufenthalt (1508) sein Leben hindurch mit oft entsetzlichen Schmerzen peinigte. Und dennoch blieb sein Arbeitswille stets unbeugsam, war seine Leistungsfähigkeit eine unermessliche. Von einem Ausflug nach Besannen im April 1524. wo ihn seine geistlichen Freunde mit mehr Herzlichkeit als Rücksicht auf seinen schwachen Magen bewirteten, wurde er krank. Selbst der alte Burgunder, der ihm gegen Magen -und Steinschmerzen eine unentbehrliche Arznei geworden, wollte diesmal nicht helfen, wo er ihn an der Quelle trank.

In der steten Sorge um seine Gesundheit liess er sich 1525 die päpstliche Erlaubnis geben, während der Fastenzeit Fleisch. Eier, Butter, Käse und andere Milchspeisen zu gemessen. Ein eigener Hühnerhof beim Hause lieferte ihm die Eier und ein leichtes Fleisch, während die Gärten Fro-bens ihm die notwendige Erholung gewährten.

Sein gesteigertes Empfinden, verbunden mit einem feinen Sinn für die äussere Form, machte ihn zum Aestheten. der auf seinem Arbeitstisch gerne einen Krug mit Blumen sah und sich an der kunstvollen Arbeit seiner Silbergeräte freute. Nicht minder an der Kupferstich-Passion, die ihm Albrecht Dürer 1520 in Brüssel geschenkt, oder an den Goldmünzen römischer Kaiser, die ihm von da und dort zukamen, wo man seine Vorliebe für solche antiken Stücke kannte! so schickte ihm Bischof Turzo von Olmütz 1522 vier goldene Kaisermünzen und Jacobus Piso 1526 einen goldenen Gratianus als Neujahrsgeschenk.

In Basel, wo drei Druckerpressen im Sessel für ihn arbeiteten, wo treue Freunde wie Rhenanus. Frohen und der feinfühlige Bonifacius Amerbach, sein Liebling, ihn umgaben, wo ihm jedermann mit der grössten Achtung begegnete und die Schöngeister ihn wie einen Gott verehrten, gefiel es ihm je länger, je mehr. Als sichtbares Zeichen seines Wohlgefallens stiftete er 1525 in ein Fenster des Unteren Collegiums» ein Glasgemälde mit seinem Terminus als Wahrzeichen, seinen Wahlsprüchen, seinem Namen und der Jahrzahl. Den Entwurf dazu hatte ihm Hans llolbein d. J. geliefert, dessen Kunst er schätzte, seitdem ihm der gelehrte Schulmeister Oswald Myconius sein 1515 mit holbeinische» Federzeichnungen verziertes Handexemplar vom Loh der Torheit» für zehn Tage geliehen hatte.

Das Haus «zur alten Treue» war erfüllt vom Kommen und Gehen der mancherlei Bewohner. In Küche. Hof und Keller schaltete die Dienstmagd Margret, von Erasmus als seine Xantippa» bezeichnet und mit den Koseworten «furax, rapax. bibax, niendax, locpiax» der Nachwelt überliefert. Um den Herrn des Hauses aber sammelten sich die «Famuli» und die«Commensales». junge Leute aus aller Herren Länder. Die Famuli hatten bald Schreiberdienste zu leisten. Texte zu vergleichen, Bücher zu holen, bald eines der Pferde aus dem Stalle zu ziehen, um Briefe, Manuskripte und Bücher dahin und dorthin zu bringen oder irgendwo Einkäufe zu machen.

Die Commensales, die eigentlichen Tisch- und Hausgenossen, waren die Schüler, die Jünger, die studienhalber eine Zeitlang bei ihm lebten. Darunter vornehme Deutsche und Niederländer allerhand Welsche und besonders viele Polen und Ungarn. In die Heimat zurückgekehrt, brachten solche einen Abglanz des erasmischen Ruhmes mit und galten fortan als Auserwählte, auf die mit dem Finger gewiesen wurde als auf die Tischgenossen des grossen Gelehrten; noch i. J. 1560 wurde auf den Grabstein eines Bischofs von Krakau der Ehrentitel eines Erasmusschülers gemeisselt:

«magni illins Erasmi discipulo et auditori».

Trugen schon diese Adepten den Ruhm ihres Meisters bis in die entlegensten Gegenden, so noch mehr die zahlreichen Besucher, die vielen Verehrer, die immer und immer wieder nach Basel und in das Haus Dessen pilgerten. den sie die einzigartige Zierde des Jahrhunderts, den Fürst der Wissenschaft, den Phönix der Gelehrten, die Wonne des Erdkreises nannten. Nur einmal ihn von Angesicht zu Angesicht sehen, nur einmal ihm die Hand drücken, einmal nur seine göttliche Stimme vernehmen! Und sie sahen ihn so wie Hans Holbein ihn am Stehpult schreibend malte, so wie Johannes Kessler von St. Gallen ihn vor Augen hatte, als er schrieb: «Allda hab ich in gesechen von person, nun ain tubgrawer (taubengrauer), ersamer. alter und ain klainer und zarter mensch, in ainem langen, blawen, zu-samengurten rock mit witen ernilen beklaidt und ain listen (Leiste, Borte) von sammet umb den hals, vornen zu baiden siten abgehenk (abwärts laufende Borten) nach des rocks lenge».

Inmitten all dieser Famuli, dieser Commensalen. dieser Gäste, dieser Besucher stand Erasmus und fand trotz aller Inanspruchnahme noch Zeit, seine Briefe und seine Bücher zu verfassen. Und beide in fast unabsehbarer Menge und in gleicher Vollendung. Zumal die Briefe, die er täglich an die verschiedensten Freunde, Humanisten und Geistliche, an Gönner und Fürsten der ganzen Welt zu schreiben hatte. Briefe, in denen die vom Humanismus geforderte schöne Form ihren glänzendsten Ausdruck fand, Briefe, in denen Geist und Laune, reichstes Wissen, jede momentane Stimmung. vom Zauber einer einzigen Sprachkunst umgeben, flimmern». Glücklich, dreimal glücklich der junge Humanist. der einen solchen erhalten! Er führt ihn in überwallendem Glücksgefühl an seine Lippen, lässt ihn im Freundeskreise von Hand zu Hand gehen . . .

Seinem unvergleichlichen Stil verdankte Erasmus, dass die Bezeichnung «erasmisch» geradezu gleichbedeutend mit «vollendet» wurde. So berichtet u. a. Johannes Kessler: «was kunstrich, fürsichtig, gelert und wis geschriben ist. spricht man, das ist Erasmisch, das ist onfelbar und volkommen. Seiner Kunst wohl bewusst und in dem Bestreben, andere zur Nacheiferung anzuspornen, gab Erasmus seinen Briefsteller „De eonseribendis epistolis“ 1522 in abgerundeter Bearbeitung heraus. Aehnliehe Zwecke verfolgten die niannigfaeben Eehrsehriften der folgenden Jahre, Werke der Erziehung. Unterricht und Studium.

Unter anderem die 1522 in einer endgültigen Fassung herausgegebenen «(‚olloquia fainiliaria . Dem Titel nach schien es sich um harmlose Gespräche, um ein Uebungs-bueh für die lateinische Sprache zu handeln. Wer aber die Nase tiefer in das Büchlein steckte, der sah das ganze Lehen seiner Zeit mit unerbittlicher Offenheit geschildert und fand neben ergötzlichen Histörchen die kühnsten Ausfälle gegen die bestehenden Misstände in Kloster und Kirche. Die. die sich getroffen fühlten, vorab die Mönche, heulten auf in ohnmächtiger Wut. Doch die anderen alle, denen der Autor aus dem Herzen gesprochen, die vielen anderen klatschten Beifall. Das Büchlein ging von Hand zu Hand, wurde immer wieder gekauft, musste immer wieder nachgedruckt werden.

Und unbeirrt durch die sich jagenden Ereignisse der Reformationstage schritten die Veröffentlichungen seiner grossen Werke weiter, kamen Neuauflagen heraus, kamen die Fortsetzungen der Klassiker und Kirchenväter. Bis 1529 in Basel Sturm geläutet wurde und die Reformation ihren Einzug hielt. Bis der unsinnige Bildersturm vom 9. und 10. Februar über Kirchen und Klöster hereinbrach und in der Stadt alle Bande der Ordnung gelöst waren. Da wandten das Domkapitel und die meisten Gelehrten der Stadt den Rücken und zogen in das benachbarte Freiburg. Erasmus mit ihnen. Vertrieben durch die ihn anwidernden Gewalttätigkeiten und durch die kirchlichen Neuerungen, die ihm den Untergang der ihm teueren Studien bedeuteten. Zudem hatte er 1527 seinen Freund .loh. Frohen zu Grabe geleiten müssen. Es war nichts Mehr in Basel, das ihn zurückhielt . . .

Im Apri 1529 wurde Erasmus in Freiburg von Universität und Magistrat mit allen dem König der Wissenschaften» gebührenden Ehren empfangen. Zunächst nahm ihn das prächtige, vor Zeiten für Kaiser Maximilian I. als Alterssitz erbaute Haus zum Walfisch an der Franziskanerstrasse auf. Er wohnte hier fast 2 einhalb Jahre und bezog dann im September 1531 das von ihm für 1000 (bilden gekaufte Haus «zum Kind Jesu» in der benachbarten Sehiffstrasse (heutige Nr. 7).

Da ihn mit den zunehmenden Jahren seine alten Krankheiten häufiger plagten und der ihm bekömmliche Burgunderwein ihm in Freiburg meist fehlte, auch kriegerische Ereignisse in der Gegend befürchtet wurden, so begann er seit dem Sommer 1531 ernstlich an eine Ueber-siedelung nach Besannen zu denken. Schrieb in diesem Sinne einen Brief an den Magistrat von Besanyon und liess sich von Kaiser Karl V. Empfehlungsbriefe dahin ausstellen. Und blieb doch wieder in Freiburg. wo er mit gelehrten Gesprächen und reicher wissenschaftlicher Arbeit seine Tage wie in Basel füllte. Da beschäftigte er sich mit der Herausgabe sämtlicher Schriften des Augustinus, des Chrvsostomus und anderer Kirchenväter, sämtlicher Schriften des Aristoteles und Demosthenes, der Lustspiele des Terenz. der Geographie des Ptolemaeus und der von Simon Grynaeus aus Basel entdeckten Bücher des Livius.

In diesen Jahren anstrengendster Arbeit erfreute er sieb der tatkräftigen Beihilfe seines gelehrten Famulus und Schreibers Gilbertus Cognatus. Der, als er Canonicus in seiner Heimatstadt Xozeroy (in Burgund) geworden, in Erinnerung an die mit dem grossen Humanisten verbrachten Arbeitsstunden, das von ihm bewohnte Kapitelhaus mit einem einzigartigen Wandgemälde schmücken liess. Das gewährte einen Blick in die Studierstube des Hauses zum Walfisch» in Freiburg und zeigte sie beide. Erasmus und Cognatus, wie sie am Schreibtisch zu sitzen pflegten, der eine diktierend, der andere schreibend. Da das Gemälde allgemeines Interesse erweckte, so liess Cognatus die Darstellung später im Holzschnitt vervielfältigen. Er war es auch, der im April 1534 im Auftrag des Erasmus ein genaues Inventar von dessen Hausrat verfasste, während Erasmus selbst ein Verzeichnis seines Geldes und seiner Hinge anlegte.

Aus den Inventuren tritt ein wohlbestellter Haushalt zutage, wie er ähnlich wohl schon in Basel bestanden hatte. Da waren, in den durch buntgewirkte Teppiche, schöngemusterte Decken und allerhand Sitzkissen belebten Räumen des Hauses verteilt, 8 Betten, 7 Tische, 2 Pulte, 10 Sessel, 3 Bücherschäfte, 4 Truhen und ein Speiseschrank. Und in den Truhen mancherlei Linnenzeug, nicht weniger als 37 Leintücher und 26 Hemden, dann die Kleider, dabei 11 Hüte und Barette, endlich die vielen Schätze an Gold-lind Silbergerät, darunter gegen 30 silbervergoldete Pokale. Es war nicht übertrieben, wenn Erasmus i. J. 1530 schrieb: Ich habe eine Kammer, die angefüllt ist mit Briefen von Gelehrten, von grossen Herren, von Fürsten, von Königen, von Kardinälen, von Bischöfen. Ich habe einen Schrein voll vou geschenkten Bechern, Flaschen, Löffeln. Uhren, von denen etliche aus purem Golde sind, dazu eine grosse Anzahl Fingerringe, hätte aber von allem noch weit mehr, wenn ich nicht die meisten Geschenke an solche, die ihre Studien fortsetzen, weiterschenkte.»

Das einfachere Tischgeschirr war aus Zinn oder aus Holz, wie die 25 eschenen Teller, die in der Küche ihren Platz hatten. Deren Ausstattung licss nichts zu wünschen übrig und zeigte, welchen Wert Erasmus im Hinblick auf seinen schwachen Magen ihr beilegte. Auch die vielfache Pelzfütterung seiner Kleider, seine verschiedenen Bettdecken, darunter eine aus Ziegenfell, eine aus Wolle mit Fuchspelz gefüttert. 15 Paar wollene Socken und 7 Nachthauben zeugten von gesundheitlicher Fürsorge.

Andere Gegenstände sprachen von den kultivierten Sitten des vielgereisten Weltmannes. Die Leute waren zu zählen, die im damaligen Deutschland oder anderwärts über Taschentücher, Mundtücher und Speisegabeln verfügten. Erasmus stand auch hier an erster Stelle. Mit einem halben Hundert Taschentücher, worunter 18 einfache und 85 bortenbesetzte, die z. T. mit goldenen oder schwarzen oder farbigen Fäden durchwirkt waren. Mit 13 seidenen Mundtüchern (Tischzwehlen) und 38 aus Leinen, welche gestickte Dorten trugen. Mit einer goldenen und zwei silbernen Essgabeln und einer Gabel aus Stachelsehweinsborslen mit vergoldetem Silberbesching.

Wie sehr Erasmus, der eine kugelige Riechdose aus Silber in seiner Tasche führte, auf ein gepflegtes Aeusseres hielt, gaben seine 31 Rnrbiertücher und die in seiner Schlal-kammer verwahrte Rasierlade, die Haarschere, der Spiegel, drei Bürsten und das Ohrlöffeichen zu erkennen. Man darf ferner gewiss sein, dass der Verfasser der vielbeachteten Anstandslehre „De civililate morum puerilium“ (Basel 1530). der darin u. a. den Gebrauch des Zahnstochers empfahl, auch seihst einen solchen besnss.

In der Schlafkammer, nach seinem Wunsch mit einem welschen Kamin versehen, darin Feiiergabel. Feuerzange und zwei Feuerböcke zum Halten des Holzes waren, befand sich auch ein Tintenfass samt Federbüchse, der Siegelring, eine Brille, ein Spielbrett, eine Zuckerbüchse, Dolch und Speer und ein Geldbeutel. An Bargeld war im Hause kein Mangel. Zählte doch Erasmus damals, ohne das Silher-geld überhaupt zu rechnen, im ganzen 1622 Goldstücke verschiedenen Wertes.

Am 1. August 1535 war Erasmus von Papst Paul III. zum Propst von Deventer ernannt worden, dessen jährliche Einkünfte man auf 1500 Dukaten schätzte. Der Papst war sogar willens, ihn unter die Kardinale aufzunehmen. Doch Erasmus schützte sein hohes Alter vor und hatte andere Pläne. Von Maria, der Statthalterin der Niederlande, wiederholt eingeladen, in die Heimat zurückzukehren, wollte er dieser Bitte entsprechen und die günstigen Bedingungen, die man ihm daheim hot. annehmen. Wollte zu Basel das Schiff besteigen, um in die Niederlande zu fahren, doch zuvor noch die alten Freunde und Bekannten, die in Basel zurückgeblieben, begrüssen. Zuvor noch mit Hieronymus Frohen, der die väterliche Offizin übernommen, die weitere Drucklegung seiner Werke besprechen.

Cognatus erhielt den Auftrag, das Haus in Freiburg, die Möbel und die Kücheneinriehtung zu verkaufen. Der übrige Hausrat wurde nach Basel geschafft. Erasmus selbst traf im August 1535 hier ein. Unter dem Ehrengeleite der Studenten, die ihm entgegengeritten waren, unter den jubelnden Willkommgrüssen seiner Freunde und Anhänger. Es war seine letzte Reise.

Kaum bei Hieronymus Froben in dessen Hause «zum Luft-1) angekommen, wurde er im Herbst durch heftige Gliederschmerzen auf das Krankenlager gezwungen. Schon in Freiburg hatte er viel an Gicht zu leiden: so 1533. wo er einen Gichtanfall im linken Fusse damit erklärte, dass er seit 24 Jahren die Gewohnheit habe, im Stehen zu schreiben und sich dabei meist auf den linken Fuss zu stützen. Seine Schmerzen wurden derart, dass sie ihn den Winter hindurch an das Bett fesselten. Dessenungeachtet schrieb und arbeitete er unaufhörlich, sobald er nur einigermassen Ruhe batte. Bis im Frühjahr noch eine bösartige Ruhr dazukam. die seine geschwächten Kräfte allmählich vollends aufzehrte, sodass er in der Nacht vom 11. zum 12. Juli 1536 in den Armen seiner Freunde verschied.

Er war 70 Jahre alt geworden. Die studierende Jugend trug ihn zu Grabe. Die Lehrer der Universität, Bürgermeister und Ratsherren folgten dem Sarge, der im Münster beigesetzt wurde.

Auf die Kunde von seinem Tode ging ein Aufschrei durch die Welt der Gelehrten. Die Humanisten weinten und feierten ihren dahingegangenen Führer in zahllosen Epigrammen voll iiherströmender Verehrung. Die Freunde in Hasel aber setzten ihm zwei Jahre danach ein Marmorepi-taphimn. Und die Vielen. Vielen, die von da an zum Grabe Dessen wallten, der ihnen über den Tod hinaus Führer blieb, lasen darauf die stolzen Worte, dass, solange der Erdball dauere. Erasmus in seinen Schriften weiterleben und mit den Gelehrten aller Völker sieh unterhalten werde…..

Text aus dem Buch: Erasmus von Rotterdam (1900), Author: Major, Emil.

Erasmus von Rotterdam

Wenn man alles überschaut, was bisher über Dürers „Ritter Tod und Teufel“ und die Beziehungen dieses Blattes zu seiner Zeit geschrieben worden ist, so empfindet man die moderne Spezialisierung der Wissensgebiete doppelt unbehaglich. Wie viel schneller und sicherer könnte die Forschung vorwärts schreiten, wenn es dem Einzelnen heutzutage noch möglich wäre, wenigstens die nächsten Nachbargebiete dauernd im Auge zu behalten, wenn z. B. Litteratur- und Kunstgeschichte in ständiger Fühlung blieben! Wie manches Rätsel löst sich wie von selbst, sobald man es vom Gebiete des Nachbars aus zu betrachten sich entschliesst.

Dürers Reiter war allzulange betrachtet worden wie eine Art plötzlicher zeitloser Offenbarung des Genius. Es war wirklich ein grosses Verdienst Herman Grimms, demgegenüber hingewiesen zu haben auf eine zeitgenössische literarische Quelle, das „Handbüchlein des christlichen Ritters“ von Erasmus von Rotterdam. Damit war zunächst einmal der Beweis erbracht, dass das Blatt doch wenigstens in der gleichzeitigen Litteratur eine Parallele hat. Zugleich gewann durch jenen Hinweis die alte, wohl bis auf Dürers Zeit zurückgehende, von Sandrart überlieferte Benennung „der christliche Ritter“ mit einem Schlage wieder Blut und Leben. Und der Hinweis schien so ins Schwarze zu treffen, dass man sich bisher bei dieser Thatsache beruhigt hat.

Im Jahre 1890 hielt Erich Schmid in der neuen Kirche zu Berlin einen Vortrag, der dann in der Deutschen Rundschau abgedruckt wurde, über das Thema „Der christliche Ritter, ein Ideal des 16. Jahrhunderts“. Ausgehend von dem Stiche Dürers schilderte er darin in anschaulicher Weise, wie die Vorstellung vom christlichen Ritter seit dem Erscheinen der Schrift des Erasmus allgemein verbreitet war, wie sie sich hindurchzieht durch die Kämpfe Luthers mit seinen Gegnern, durch die Kirchenlieder und die erbauliche Litteratur, wie sie in epischen und dramatischen Dichtungen und Moralitäten-Spielen bis tief ins 17. Jahrhundert hinein dem Volke nahegebracht wurde, sodass man thatsächlich die Vorstellung vom christlichen Ritter als ein religiöses Ideal der Reformationszeit und der darauf folgenden Jahrzehnte bezeichnen kann. Das „Schlagwort vom christlichen Ritter“, dies „geflügelte Wort des 16. Jahrhunderts“, ist nach Schmids Anschauung geprägt worden von Erasmus von Rotterdam, verbreitet durch sein Handbüchlein des christlichen Ritters.

Das „Enchiridion militis christiani“ des grossen Humanisten von Rotterdam ist ein lateinisch verfasstes Handbuch praktischer Frömmigkeit, in welchem der Gegensatz gegen die Werkheiligkeit der mittelalterlichen Kirche in aufsehenerregender Weise betont wurde, weshalb der Schrift denn auch der Vorwurf der Ketzerei nicht erspart blieb. Der Grundgedanke ist der, dass jeder Christenmensch als ein Streiter seines Herren, eingehüllt in die Waffen des Glaubens, den rauhen Pfad des irdischen Lebens zu ziehen habe. Es werden dem christlichen Ritter für diese schwere Aufgabe eine ganze Reihe Lebensregeln (Ganones) gegeben. Für die Erklärung des Dürer-Stiches ist dabei eine Stelle im 3. Canon interessant, wo es heisst:

,,Damit dich aber von dem Pfade der Tugend die Thatsache nicht abschrecke, dass er rauh und traurig erscheint, dass bald den Bequemlichkeiten der Welt entsagt werden muss, bald tüchtige Kämpfe zu bestehen sind, und zwar mit den drei nichts würdigsten Feinden : dem Fleische, dem Teufel und der Welt, so sei dir diese 3. Regel vorgelegt: Alle Schrecknisse und gespenstische Erscheinungen — ,,universa terricula et phantasmata“ — welche sich dir sogleich wie an den Pforten der Unterwelt — ,,velut in ipsis Averni faucibus“ — entgegenstellen, sollst du für nichts achten, nach dem Vorbilde des Vergil’schen Aeneas. Wenn du diese leeren Schatten verachtest — „ludibriis inanibus contemptis“ —, und auf die Sache selbst desto eifriger und sorgfältiger Acht hast, so wirst du die Ueberwindung schauen.“

Die Stimmung des Dürerstiches scheint uns ganz überraschend aus diesen Sätzen wiederzuklingen, namentlich auch das furchtlose verächtliche Vorbeireiten des Ritters an den leeren Schreckbildern, die ihn „den Teufel scheeren“, wie eine kräftige deutsche Redensart zu sagen beliebt, und ihn ganz und gar nicht aus seiner inneren Gefasstheit zu bringen vermögen. Darüber hinaus freilich darf eine wörtliche Parallele nicht gesucht werden, denn wenn wir z. B. den Teufel am Eingang der Stelle bei Erasmus unter die „nichtswürdigsten Feinde“ gerechnet finden, mit denen „tüchtige Kämpfe zu bestehen sind“, so geht es nicht wohl an, den Teufel gleichzeitig auch wieder unter die „leeren Schreckbilder“ zu rechnen, die der Ritter für nichts achten soll, wie der Dürerische Ritter thatsächlich thut. Sondern nur die zwei Dinge haben wir für die Erklärung von Dürers Reiter festzuhalten: Erstens dass die Allegorie vom christlichen Ritter seit dem Erscheinen des Erasmus-büchleins für die Zeitgenossen Dürers ohne weiteres verständlich gewesen sein wird, zweitens dass die imponierende Ruhe des christlichen Ritters auf Dürers Stich, die Stimmung unerschütterlichen Gottvertrauens, wenn wir so sagen dürfen, sich bereits in dieser Schrift findet.

Sind wir denn aber auch wirklich berechtigt, die Schrift des Erasmus als das Frühere, als die Anregung für Dürers Schöpfung anzunehmen ? Die Schrift ist zwar wahrscheinlich schon 1497/98 von Erasmus abgefasst1 und schon 1502 das erste Mal gedruckt worden, das zweite Mal im Jahre 1509. Alle folgenden Ausgaben datieren aber erst vom Jahre 1515 ab. Mit diesem Jahre erst beginnt die grosse Verbreitung und wahrhafte Volkstümlichkeit des Buches also zwei Jahre nach der Vollendung des Dürerstiches. Von da an folgen sich die Auflagen und die Uebersetzungen in die verschiedensten Sprachen Schlag auf Schlag, um für mehr als ein Jahrhundert das Büchlein zu einem der gelesensten in der europäischen Christenheit zu machen. Dass Dürer selbst es im Jahre 1521 gekannt hat geht aus einer Stelle seines Tagebuchs der niederländischen Reise unzweifelhaft hervor, wo er, erschreckt durch die irrige Nachricht vom Tode Luthers, den Erasmus von Rotterdam mit den Worten zur Rettung der Reformation aufruft.

„Hör, du Ritter Christi, reit hervor neben den Herrn Christum, beschütz die Wahrheit, erlang der Märtyrer Krön !“

Aber können wir eine allgemeine Vertrautheit mit den Gedanken des „Handbüchleins des christlichen Ritters“ in weiteren Kreisen schon für das Jahr 1513 voraussetzen? Es ist doch nicht zu übersehen, dass die ersten Uebersetzungen der Schrift i n’ s Deutsche erst aus den Jahren 1520 und 1521 stammen. Wahrhaft volkstümlich werden Gedanken erst, wenn sie dem Volke in der Muttersprache zugeführt sind. Dürers Stiche aber waren, das stellt sich bei jeder neuen Untersuchung immer mehr heraus, in der überwiegenden Mehrzahl für weite Kreise bestimmt und volkstümlich gedacht. Selbst die angeblich für den engen Kreis der humanistisch Gebildeten geschaffenen Stiche seiner Jugendzeit scheinen doch zum Teil wenigstens aus dem allgemeinen Empfinden und Interessenkreise der Zeit heraus zu verstehen zu sein.2 Wie viel mehr wird dies der Fall sein bei einem solchen mit grösstem Zeitaufwande geschaffenen Meisterwerke des reifen Mannesalters!

Die Annahme lässt sich nicht mehr von der Hand weisen, dass man sich doch zu schnell bei dem Hinweise Grimms beruhigt hat. Stehen wir einmal auf dem Boden der Anschauung, dass Dürer nicht als ein Wunder vom Himmel gefallen ist und dass seine Schöpfungen nicht individuell erdachte Rätselbilder waren, mit denen er das Volk zu überraschen gedachte, und in die jeder hineindeuten konnte, was er wollte, — wie wir das in der modernen Kunst gewohnt sind —, sondern dass die künstlerischen Gedanken damals fest umschrieben waren und somit auch Dürers ganzes künstlerisches Werk sich einordnen lassen muss in den grossen kulturgeschichtlichen Zusammenhang seiner Zeit, so ist uns damit der Weg zur weiteren Forschung gewiesen:‘ Wir müssen sehen, ob nicht die Vorstellung vom christlichen Ritter weiter zurückreicht, über die Zeit des Erasmus und Dürers hinaus. Vielleicht wird uns der grosse Erfolg des Erasmianischen Handbuches auch verständlicher, wenn wir etwa entdecken sollten, dass sein Verfasser nicht ein neues Schlagwort geprägt hat, sondern klug angekniipft hat an eine schon vorhandene und allgemein verbreitete Vorstellung, an ein Ideal, was nicht erst durch ihn dem 16. Jahrhundert gegeben zu werden brauchte, wie Schmid annahm, sondern was er und seine Zeit als ein Erbteil des ausgehenden Mittelalters übernahm.

Text aus dem Buch: Beiträge zu Dürer’s Weltanschauung; eine Studie über die drei Stiche: Ritter, Tod und Teufel, Melancholie und Hieronymus im Gehäus (1900), Author: Weber, Paul.

Albrecht Dürer’s Weltanschauung – Vorwort mit Einleitung
Albrecht Dürer’s Weltanschauung – Wege und Umwege bisheriger Auslegung.

ALBRECHT DÜRER 1471-1528

Im Text gezeigte Abbildungen:
Auf Holbein’s Todtentanz
Christi Verspottung nach einem Bilde des Hans Holbein
Maria von dem Bürgermeister Meier und Familie verehrt

Der Hauptmeister der Augsburger Schule in dieser Epoche ist Hans Burgkmair, der Sohn jenes Thoman Burgkmair, der vorigen Epoche. Er wurde 1473 geboren und starb 1559. Er war ein Künstler von einer grossen Vielseitigkeit der Erfindungen. Seine meisten Bilder stellen die gewöhnlichen, kirchlichen Aufgaben der Zeit dar. Ausserdem aber ist er einer der Hauptmeister in der Behandlung des Ritterthums und des Hoflebens, wie beides sich zu seiner Zeit am Hofe Maximilians I. in Deutschland ausgebildet hatte. Besonders giebt sich dieses in seinen, in Miniatur ausgeführten, Turnierbüchern  und in seinen, für die Holzschnitte der für jenen Kaiser ausgeführten Werke, von dessen Genealogie, den Weiss-Könng und den Triumph, gemachten Zeichnungen kund. Uebrigens bleibt er dem Charakter der schwäbischen Schule getreu. Seine Compositionen haben häufig etwas Stylloses und Zufälliges, seine Zeichnung, zumal in der früheren Zeit, ist nicht fest. Obwohl es ihm gelegentlich nicht an Gefühl für Würde und Schönheit fehlt, geht doch sein Hauptbestreben auf Wahrheit. In der Regel haben daher seine Köpfe ein portraitartiges Ansehen. In den Motiven fehlt es ihm sehr an Liniengefühl, ja sie sind öfter ungemein geschmacklos. Dagegen hat er ein sehr lebhaftes Farbengefühl. Der Ton seines Fleisches ist meist warm und kräftig, die Färbung seiner Gewänder von grosser Sattigkeit und Tiefe, die Modellirung, wie die Ausbildung des Einzelnen, in seinen besseren Bildern ungemein sorgfältig. Freilich hat er auch viele Arbeiten gemacht, welche hart und fabrikmässig sind. Mit Altdorfer ist er der frühste in Deutschland, welcher die Landschaft seiner Hintergründe im Einzelnen naturgemäss ausgebildet bat, obgleich er, soweit mir bekannt, nicht wie jener, eigentliche Landschaften gemalt hat. Es sind indess in seinem langen Leben zwei Epochen sehr bestimmt zu unterscheiden. In der ersten, welche etwa bis zum Jahr 1508 reicht, schliesst er sich noch der deutschen Kunstform des 15. Jahrhunderts an, die Falten seiner Gewänder sind schärfer in den Brüchen, als bei dem Hans Holbein Vater, er bedient sich noch häufig, sowohl in den Gewändern, als Ornamenten, des Goldes. Nur in der Architektur herrscht schon der italienische Geschmack vor. In der zweiten macht sich der Einfluss der italienischen Kunst indess auch in anderen Stücken, der völligeren Formengebung, den Gewändern, wie der allgemeineren Haltung geltend. Indess behauptet er immer im Wesentlichen sein deutsches Kunstnaturell, ja in den, nach seinen Zeichnungen gemachten Holzschnitten, erkennt man sehr deutlich den Einfluss des Albrecht Dürer. Ueberdem giebt sich sein auf das Realistische gerichtete Kunstnaturell gelegentlich in der sehr gelungenen Behandlung von Vorgängen aus dem gewöhnlichen Leben zu erkennen. Von seinen von Sandrart erwähnten Fresco-malereien hat sich nichts mehr erhalten. Von der ansehnlichen Zahl der von ihm noch vorhandenen Oelgemalde kann ich nur einen Theil näher berühren. Hauptbilder aus seiner früheren Zeit sind folgende, in der königl. Gallerie in Augsburg befindliche. Ein reiches Bild, worauf unter anderen Christus am Oelberge und, in einer Mandorla, der heilige Petrus, Maria mit dem Kinde und die vierzehn Nothhelfer, vom Jahr 1501. Der Ausdruck Christi ist sehr würdig, die Bildung in den Köpfen der Männer ist edel, in denen der Frauen fein, aber etwas einförmig. Mund und Augen sind indess meist nicht richtig verkürzt. Von demselben Jahr ist Christus und Maria Von vielen Heiligen verehrt. Ein anderes Bild, welches in der Mitte die Kreuzigung, auf den Seiten das Martyrium der heiligen Ursula vorstellt, ist vom Jahr 1504. Das Bewegte der Handlung in den letzten , der Gegensatz der Wildheit der Heiden und der Ergebung der zarten Jungfrauen ist hier sehr gelungen. Aus derselben Zeit ungefähr dürfte ein sehr grosses Bild desselben Gegenstandes in der Gallerie zu Dresden sein, No. 1607. Vorzügliche Bilder aus der zweiten Epoche sind folgende. Die unter einem Baume sitzende Maria, welche dem Kinde eine Traube reicht, vom Jahr 1510 in der Moritzcapelle zu Nürnberg. Dieses Bildchen steht auf einer Höhe des Geschmacks und ist von einer Feinheit der Durchbildung, wie Burgkmair sie nur selten erreicht hat. Die Kreuzigung in der Sammlung in Augsburg vom Jahr 1519. Die Anbetung der Könige ebenda ist in Charakteristik der Köpfe, Feinheit der Haltung im kühlen Ton, Meisterschaft der Durchbildung, das mir bekannte Hauptwerk aus dieser Epoche des Meisters. Für die hohe Ausbildung der Landschaft ist der Johannes auf Patmos, in dessen Kopf zugleich die Begeisterung sehr wohl ausgedrückt ist, in der Pinakothek zu München, No. 65, besonders bezeichnend. Für Naivetät und Wahrheit in Behandlung von Gegenständen aus dem gewöhnlichen Leben, ist eine Mutter mit zwei Kindern im Landauer Brüderhause, vom Jahr 1541, No. 94, sehr charakteristerisch, welches dort für Hans Olmdorl ausgegeben wird. Als ein.nianierirler Nachahmer italienischer Kunstweise endlich erscheint er in seiner Befreiung der Seelen aus der Vorhölle durch Christus in der Annenkirche zu Augsburg, wahrscheinlich bald nach dem Jahr 1533 ausgeführt. Unter seinen Bildnissen ist eins der vorzüglichsten das eines Herzogs Friedrich von Sachsen auf der Veste zu Nürnberg, dort irrig für Hans von Culmbach ausgegeben. Es zeichnet sich durch das reine Naturgefühl und den zarten Fleischton aus. Härter in den Umrissen, schwerer im Fleischton, sind die Bildnisse des Herzogs Wilhelm von Baiern und seiner Gemahlin in der Pinakothek, No. 136 und 150 Cabinette. Ungleich wärmer und klarer in der Farbe und sehr lebendig in der Auffassung ist endlich sein und seiner Frauen Bildniss, vom Jahr 1528 in der kaiserlichen Gallerie zu Wien. Der Gedanke, dass sie einen Spiegel hält, worin beide als Todtenköpfe erscheinen, zeigt, dass die phantastische Geistesart des Mittelalters um diese Zeit in der schwäbischen Schule noch keineswegs erloschen war. Wie sehr dieselbe in unserem Künstler lebte, beweisen überdem verschiedene der nach seinen Zeichnungen ausgeführten Holzschnitte, z. B. eine junge Frau, welche dem Knochenmann, welcher einen jungen Mann tödtet, zu entfliehen sucht, die sieben Cardinaltugenden, die sieben Todsünden, die drei guten Männer und Frauen der Christen, der Juden und der Helden. Burgkmair hat auch eine Radierung in Eisen gemacht.

Der grösste Künstler, welchen Augsburg hervorgebracht hat, ist indess Hans Holbein der jüngere, welcher daselbst im Jahr 1498 geboren worden ist. In ihnr erreichte die realistische Richtung der deutschen Kunst ihre höchste und edelste Ausbildung, und er ist unbedingt einer der grössten Meister, welche überhaupt je in derselben gearbeitet haben. Ein Vergleich mit seinem älteren Zeitgenossen, Albrecht Dürer, wird am bestem dazu dienen, seinen künstlerischen Charakter in ein helles Licht zu setzen. An Grossartigkeit und Tiefe des Gefühls, an Reichthum von bedeutenden Erfindungen auf dem Gebiete der kirchlichen Malerei, und ah styl-gemässer Anordnung derselben, muss er dem grossen Nürnberger nachstehen. Auch er wird zwar von dem phantastischen Element des Mittelalters berührt, aber in ganz anderer Weise. Wenn Dürer, die Apocalypse noch einmal in den freieren Formen seiner Kunst, doch ganz im Geiste des Mittelalters, behandelt, und in seiner Melancholie zwar das furchtbare Bewusstsein der Unzulänglichkeit und Hinfälligkeit aller Dinge seinen Ausdruck findet, so bleibt in seinem Blatt, der Ritter, Tod und Teufel, das Gefühl der Zuversicht und der Manneskraft doch unbeirrt von diesen Dämonen und trägt geistig den Sieg über sie davon. Holbein ergriff dagegen den mittelalterlichen Gegenstand des Todtentanzes, um ihn mit allen Mitteln der vollendeten Darstellung zum Ausdruck der bittersten Ironie, des furchtbarsten Hohns zu machen, worin der Tod in allen möglichen Beziehungen, vom Pabst bis zum Bettler, mit tückischer Schadenfreude über die allen gemeinsame Angst triumphirt und allein Recht behält. Ein Beispiel hievon gewährt die Art, wie er den hülflosen Blinden leitet (Fig. 44). Wenn die Geistesart Dürers demgemäss noch eine enge Verwandtschaft zu der religiösen Ge-fühlsweise des Mittelalters zeigt, so erscheint die des Holbein dagegen als entschieden der Geistesart der modernen Zeit zugewendet. Hiermit hängt genau zusammen, dass er an Wahrheit und Schärfe der Beobachtung in Wiedergabe der Natur den Dürer sicher üb er traf, wie dieses auch aus einem Zeugniss des, mit einem feinen, künstlerischen Auge begabten, Erasmus von Rotterdam, der in früheren Jahren selbst gemalt hatte, hervorgeht, dass von den Bildnissen, welche beide Künstler von ihm gemacht, das des Holbein ähnlicher gewesen sei. Auch in dem Gefühl für Schönheit der Form, für Anmuth der Bewegungen dem Geschmack, besonders seines Faltenwurfs, in der .Färbung, zumal aber in der Malerei, worin er von seinem Vater die treffliche, mehr modellirende und verschmelzende, als zeichnende Weise überkommen hatte, ist er dem Dürer entschieden überlegen. Da er hiermit nun eine treffliche Zeichnung und ein sehr bedeutendes Talent für Composition verband, so war er von der Natur unter allen Deutschen am meisten dazu ausgerüstet, in der Historienmalerei die ganz vollendete Kunstform der gleichzeitigen grossen italienischen Maler, eines Raphael, eines. Andrea del Sarto etc., zu erreichen, wenn seine Lebensverhältnisse es ihm vergönnt hätten, häufiger Aufgaben aus dem Bereiche derselben zu behandeln. In der Gattung der Bildnissmalerei, in welcher er vorzugsweise Beschäftigung fand, steht er auf einer Höhe mit den grössten Meistern. Er war ein frühreifes und höchst bewegliches Talent in Ausübung der verschiedensten Gattungen der Malerei, in Fresco, Oel, Leimfarben und Miniatur, sehr geschickt, und so verschiedene Einflüsse in sich aufnehmend, dass es äusserst schwer ist, die Zeitfolge seiner Arbeiten, zumal bei der Spärlichkeit der Nachrichten über sein Leben, mit einiger Sicherheit festzustellen. Unter der grossen Zahl der von ihm vorhandenen Werke kann ich hier nur die für seine verschiedenen Epochen am meisten charakteristischen hervorheben. Die Bilder aus seiner frühsten Zeit haben einen etwas schweren, gelbbräunlichen Fleischton. Unter den sehr merkwürdigen Werken aus dieser Epoche, welche sich in der Gallerie in Augsburg befinden, zeichnet sich besonders der, urkundlich im Jahr 1515 ausgeführte, heilige Sebastian aus. Derselbe erregt durch die Wahrheit der Formen, wie der Bewegung, als die Arbeit eines Jünglings von 17 Jahren Bewunderung. Die Köpfe sind sehr individuell, die reiche Landschaft sehr gut ausgebildet und von grosser Klarheit. Das schönste, und wahrscheinlich eins der letzten, Werke, welche er in Augsburg ausführte, sind die Flügel eines Altars, welche sich unter dem irrigen Namen seines Vaters in der Pinakothek zu München befinden, No. 40 und 46. Der eine-stellt die heilige Elisabeth von Thüringen dar, welche den Armen Speise und Trank giebt, der andere die heilige Barbara. Beide sind nicht bloss sehr wahr, sondern, zumal die Barbara, edle, schlanke Gestalten von zarter Empfindung. Im Jahr 1516 ist er wohl ohne Zweifel nach Basel, dem Hauptorte seiner künstlerischen Thätigkeit bis zum Jahr 1526, übersiedelt. Verschiedene, mit dem ersteren Jahr bezeichnete Bilder sind nämiich sicher in Basel ausgeführt worden. Von diesen schliesst sich in dem Farbenton das Bildniss des Malers von Basel, Johann Herbster, in der Sammlung von Thomas Baring in London, dem vorigen Bilde noch nahe an. Die ebenfalls mit 1516 bezeichneten Bildnisse des Bürgermeisters Jacob Meier, beigenannt zum Hasen, und seiner Frau, im Museum zu Basel,4 sind, nach der künstlerischen Ausbildung, nothwendig etwas später. Die Auffassung ist feiner, und hier findet sich schon der etwas klarere, mehr zum Röthlichen ziehende braune Fleischton, der seinen meisten Bildern bis zum Jahr 1526 eigen ist. Dieser frühsten Zeit nach seiner Uebersiedelung nach Basel dürfte auch ein Abendmahl auf Leinwand angehören. Obwohl in der Composition etwas überladen, ist doch der Moment, wie Christus dem Judas den Bissen giebt, sehr lebendig aufgefasst, und die Köpfe trefflich charakterisirt. Im Jahr 1517 schmückte Holbein das Haus des Schultheissen Jacob von Hartenstein zu Luzern mit Freseomalereien aus. Bei der Mannigfaltigkeit der Gegenstände, welehe er hier, naeh einer noeh vorhandenen Nachrieht, behandelte, ist der Untergang derselben sehr zu beklagen. Denn im Innern des Hauses malte er die Schutzheiligen desselben und Ereignisse aus ihren Legenden, ferner Jagden, Vorgänge des Krieges und einen Jungbrunnen, am Aeusseren aber, zwischen den Fenstern, die Thaten alter Helden, unten einen Fries mit Kindern im Waffenspiel, oben einen anderen mit einem Triumphzug nach A. Mantegna, ganz oben aber Vorgänge aus der römischen Gesehichte. Wahrscheinlich nur um ein oder zwei Jahr später führte er die jetzt im Dome zu Freiburg im Breisgau befindlichen Flügel eines Altars aus. Auf dem einen ist die Anbetnng der Hirten als Nachtstück und zwar so aufgefasst, dass das Hauptlicht vom Kinde ausgeht. Die Wirkung des Liehts ist hier mit einer ausserordentlichen Wahrheit ausgeführt. Das andere Bild stellt die Anbetung der Könige in einer vortrefflichen Composition dar. Besonders zeichnet sieh der Begleiter des Mohrenkönigs aus, welcher, wie geblendet] die Hand vor den Augen, zu dem Sterne empor-sehaut. Die naturwahren Köpfe sind hier von grosser Mannigfaltigkeit, vom Sehönen bis zum Bäurisehen, die Formen, namentlich die Hände, fein durchgebildet. Diesen sehliesst sieh würdig das, mit 1519 bezeichnete, Bildniss des Bonifacius Amerbach, eines eifrigen Gönners von Holbein, im Museum zu Basel an. In der anspruchlosen, schliehten Auffassung, in dem feinen und reinen Naturgefühl, ist dieses eins der schönsten Portraite des Meisters aus dieser Epoche. Aus derselben dürfte auch das stattliche Portrait des Georg Frnndsberg, Heerführers Karl V., im Museum zu Berlin, No. 577, herrühren. Etwa um das Jahr 1521 mögen verschiedene Malereien fallen, welche Holbein in dem Rathhause zu Basel in Freseo ausgeführt hat. Neben den Beispielen strenger Gereehtigkeitspflege, wie in den Rathshäusern der Niederlande, waren hier auch Züge republikanischer Tugend dargestellt. So malte er die Blendung des greisen Zaleucus, den Selbstmord des Charondas, den Curius Dentatus mit den sabinischen Gesandten. Die einzigen, jetzt noeh im Museum aufbewahrten Ueberreste, sind drei Köpfe jener Gesandten aus dem letzten Bilde. Die höchst geistreiche, energische und doeh gemässigte Charakteristik derselben beweist, zu welcher Meisterschaft Holbein es schon so früh in der Historienmalerei gebracht hatte, und welche Höhe er ohne Zweifel darin erreicht haben würde, wenn ihm Aufgaben dieser Art öfter zu Theil geworden wären.

Mit welchem ausserordentlichen Erfolg er auch Gegenstände der kirchlichen Malerei, worin ein starkes Pathos erforderlich ist, behandelte, zeigen einige Darstellungen seiner berühmten, in acht Abtheilungen zerfallenden Passion im Museum zu Basel, welche in Kolorit und Behandlung auffallend an das schöne Bild aus dem Leben des heiligen Paulus. von seinem Yater in Augsburg erinnert. Die Kreuzigung und die Grablegung, welche in der Hauptgruppe an Raphaels Grablegung im Palast Borghese gemahnt, sind nicht allein in der Composition, sondern auch in der Empfindung und in der Durchführung von seltner Vortrefflichkeit, und in dem Christus am Oelberg ist eine Schönheit und Tiefe des Schmerzes, welche dem berühmten Bilde des Correggio in der Sammlung des Herzogs von Wellington in London, kaum nachzusteb.en braucht. Eins dieser Bilder ist die Verspottung Christi (Fig 45). Es würde als unglaublich erscheinen, dass diese Bilder dieser früheren Zeit des Meisters angehören, wenn nicht starke Verzeichnungen, widrige Caricaturen, und Ueberfüllungen in anderen Darstellungen, z. B. in der Geisselung. und der Kreuztragung, nur in dieser früheren Zeit ihre Erklärung fänden. Einige andere Bilder aus dieser Epoche, welche einen entschiedenen Einfluss des Leonardo da Vinci zeigen, machen es wahrscheinlich, dass Holbein in dieser Zeit einen, wenn auch nur vorübergehenden, Besuch im nördlichen Italien gemacht hat. In einem derselben, einem Abendmahl, No. 33, im Museum zu Basel, woran indess ein Stück fehlt, findet sich in der symmetrischen Anordnung, in den edleren Köpfen, zumal in dem Christi, in einer gewissen Allgemeinheit der Behandlung, ein unverkennbarer Einfluss von Leonardos Abendmahl in Mailand. Nur in dem Kopfe des Judas, einem Juden von furchtbarer Gemeinheit, macht sich der Realismus des Holbeiu in seiner ganzen Stärke geltend. In dem anderen ebenda, unter No. 21, befindlichen Bilde, einem todten Christus, vereinigt sich dieser Realismus in der grössten Herbigkeit mit dem, dem Leonardo eignen Bestreben zu modelliren. Kaum würde man glauben, dass diese grünlichblasse Gestalt mit unterlaufenem Blut, worin das Modell eines gewaltsam Getödteten mit einer, für einen dreiundzwanzigjährigen Künstler, erstaunenswürdigen Meisterschaft gezeichnet und in allen Theilen abgerundet ist, einen Christus darstellen soll, wenn nicht die Aufschrift: „Jesus Nazarenus Rex Jud. H. H. 1521“ darüber keinen Zweifel übrig liesse.

Eins der bewunderungswürdigsten Bilder aus dieser Epoche, ja von Holbein überhaupt, ist das MDXXIII bezeichnete Portrait seines Gönners, des Erasmus von Rotterdam, eine der schönsten Zierden der reichen Gallerie des Grafen Radnor zu Longfordcastle. Man weiss nicht, ob man mehr die höchst feine und lebendige Auffassung, oder die meisterhafte Durchbildung bis zu den grössten Kleinigkeiten anstaunen soll. Dieses ist ohne Zweifel das Bild, welches Erasmus im Jahr 1525 seinem Freunde, dem Kanzler Thomas Morus zuschickte, um ihm eine Vorstellung von dem Werth Holbeins zu geben, indem er ihm denselben bei seinem, schon in um diese Zeit beabsichtigten Besuch Englands empfahl, und in Bezug auf welches jener antwortete : „Dein Maler, mein theuerster Erasmus, ist ein wunderwürdiger Künstler,“ und ihm verspricht sich seiner anzunehmen. Aus dem Jahr 1525 dürfte das treffliche Bildniss desselben Erasmus im Louvre sein, welches ihn in Profil vorstellt. In den letzten Bildern, welche Holbein noch vor seinem ersten Besuch von England, im Herbst des Jahrs 1526 , in Basel ausgeführt hat, gehört ohne Zweifel das schöne, zu Darmstadt im Besitz der Frau Prinzessin Carl von Hessen und bei Rhein befindliche Altarblatt (Fig. 46). Dieses stellt die in einer Nische stehende heilige Jungfrau mit dem Jesuskinde auf dem Arm dar, welches seine Hand über die unten zu beiden Seiten in Verehrung Knieenden , den schon oben erwähnten Bürgermeister Meier von Basel und seine Familie, ausbreitet. In der Vereinigung der grössten Wahrheit mit der grössten Schlichtheit, Ansprucblosigkeit, Reinheit und Demuth in dem Kopf der Maria mit dem zu den Seiten herab-fliessenden, goldnen Haar, feiert der deutsche Realismus in der Form der, zur völligen Individualisirung ausgebildeten, Kunst seinen höchsten Triumph. Gerade durch dieses ihr eigenthümliche Wesen erscheint diese Maria würdig die reiche Krone als Himmelskönigin zu tragen, welche ihr Haupt schmückt. Diesem entspricht auch die einfache und natürliche Stellung ihrer schönen Hände.

In dem Christuskinde hat sich dagegen der Künstler nicht über sein Modell, ein Kind von keineswegs ansprechendem, ja kränklichen Aussehen, erhoben. In den sämmtlichen Mitgliedern der verehrenden Familie ist das erste Gesetz des Meisters, die grösste, in allen Theilen mit gewohnter Meisterschaft durchgeführte Wahrheit gewesen, welches er sogar in dem mit vorgestrecktem Leibe knieenden Mädchen mit dem Rosenkranz auf Unkosten der Schönheit festgehalten hat. In den Köpfen des Bürgermeisters und der drei Frauen hat er zugleich hiermit den Ausdruck von stiller, ruhiger Demutli und Andacht zu vereinigen gewusst. Dieses Bild ist ohne Zweifel von dem Bürgermeister, einem eifrigen Katholiken, in eine der Maria geweihte Capelle gestiftet worden. Es ist frisch und markig in einem wahren, bräunlichen Ton der Fleischtheile gemalt, und fällt, wie sich aus verschiedenen Abweichungen von dem berühmten Bilde desselben Gegenstandes in der Dresdener Gallerie abnehmen lässt, etwas früher als dasselbe. Sehr begreiflich ist es aber, dass der Besteller die so trefflichen Bildnisse seiner Familie, grade in dieser religiösen Handlung, auch als theures Andenken in seiner Wohnung zu haben wünschte und Holbein mit einer Wiederholung desselben beauftragte. Dem in ziemlich dürftigen Verhältnissen befindlichen Künstler konnte dieses aber nur sehr willkommen sein, und so ist, meiner Ueberzeugung nach, das Bild in Dresden entstanden. Die Veränderungen, welche sich darin, im Vergleich zu jenem ersteren, vorfinden, sind recht eigentlich auf eine Betrachtung ganz in der Nähe, wie dieses die Aufstellung in einem Zimmer mit sich bringt, berechnet. Der Kopf der Maria ist in Form und Ausdruck lieblicher und milder, in der Behandlung, bei minderem Impasto, zarter und mehr in das Einzelne gehend. Letzteres gilt auch, mehr oder minder, von den meisten anderen Theilen. Nur der Kopf des Bürgermeisters hat etwas Hartes und Leeres. Der ziemlich roh und mechanisch behandelte Fussteppich dürfte endlich die Arbeit eines Gehülfen sein? Zwei andere, ebenfalls im Jahr 1526 ausgeführte, im Museum zu Basel befindliche Bilder, weichen in der Färbung und Malweise so entschieden von allen bisherigen Bildern Holbeins ab, und zeigen in der Zartheit des warmgelblichen Lokaltons, in dem stärkeren Gebrauch der Lasuren, und der grösseren Weiche der Umrisse einen so starken Einfluss der niederländischen Kunst, dass ein Kenner, wie der Herr von Rumohr , sie für Werke des Bernhart van Orley halten konnte. Das eine stellt ein schönes und reizendes Mädchen in zierlicher Tracht, angeblich das Bildniss eines Mitglieds der Familie Offenburg in Basel, mit der Aufschrift: „Lais corinthiaca“,1 No. 34, das andere dieselbe, etwas weniger reizend, als Venus mit dem ziemlich hässlichen Amor, No. 35, dar. Obwohl nur das letzte mit 1526 bezeichnet ist, stimmt das erste doch in jedem Betracht so mit diesem überein, dass sicher beide derselben Zeit angehören.

Diese merkwürdige Erscheinung erklärt sich dadurch am Natürlichsten, dass Holbein, wahrscheinlich im September, bei einem längeren Aufenthalt in Antwerpen, die, jenen Bildern auffallend verwandte Malweise des Quintyn Massys kennen gelernt hatte. Jener, schon oben angeführte, Brief des Erasmus an seinen Freund Aegy-dius in Antwerpen ist nämlich vom 29. August datirt, und es heisst darin, dass, wenn Holbein den Quintyn Massys zu besuchen wünsche, und es ihm an Zeit fehlen sollte, ihn zu ihm zu führen, er ihm durch seinen Famulus dessen Haus zeigen lassen könne. Wer aber möchte zweifeln, dass ein, sich jedes neue Bildungselement so begierig aneignender, Künstler, wie Holbein, diese Gelegenheit nicht benutzt haben sollte? Einen längeren Aufenthalt in Antwerpen beweist schon das höchst lebendige und meisterlich ausgeführte, ebenfalls in Longfordcastle befindliche, Bildniss des Aegydius, welches, nach seiner ganzen Kunstform, notkwendig -während dieses ersten Besuchs von Antwerpen gemalt sein muss. Sehr wahrscheinlich hat er nun jene beiden kleinen Bilder, als höchst gelungene Versuche in dieser neuen Manier, seinem Gönner Amerbach, aus dessen Sammlung sie stammen, nach Basel geschickt. Thomas Morus nahm den Künstler in seinem Hause, welches er sich in der Nähe von London an der Themse gebaut hatte, freundlich auf und behielt ihn längere Zeit bei sich, ohne ihn mit seinem Herrn, Heinrich VIII., bekannt zu machen. 3 Verschiedene Gründe hiezu liegen sehr. nahe. Er wünschte, wie billig, vor allem für sich und die Seinen von dem grossen Talent des Künstlers Vortheil zu ziehen, zunächst aber ihn erst mit der Sitte und der Sprache des Landes bekannt zu machen, bevor er ihn in die grosse Welt einführte. Sicher malte er aber schon im ersten Jahre seines Aufenthalts auch andere, wahrscheinlich mit dem Kanzler enger befreundete Personen. Hierzu gehört nach der ganzen, sich seinen letzten Arbeiten in Basel eng anschliessenden Kunstweise das Bildniss der Sir Bryan Tuke Miles, Schatzmeisters des Königs, wovon es zwei verschiedene, aber gleich treffliche Exemplare giebt. Das eine, welches ich im Jahr 1835, in England in .der Sammlung Methuen in Corshamhouse sah, ist bezeichnet: Brianus Tuke Miles.

Anno Aetatis suae LVIL, und dem Wahlspruch: „Droit et avant“. In den feinen Zügen herrscht eine leise Melancholie, welche sehr wohl mit dem Inhalt einer Stelle aus dem Buche Hiob auf einem Papier ühereinstimmt, worauf er deutet: „Nunquid non paucitas dierum meorum finitur brevi?“ (Wird denn nicht bald mein kurzes Leben zu Ende gehen?). Er ist in Schwarz gekleidet mit Untei’-ärmeln von einem goldnen Muster. Das Naturgefühl ist sehr fein, die Ausbildung meisterlich. Auf dem nicht minder schönen Exemplar in München, No. 143, Cabinette, fehlen die Inschriften auf dem Grunde gänzlich. Der Stelle aus- dem Hiob ist aber Job. cap. 10 und IO. HOLPAIV hinzugefügt. Ein Todtengerippe, welches auf eine fast abgelaufene Sanduhr deutet, ertheilt dadurch eine Antwort auf jene Frage. Auch das leider im Fleisch verdunkelte Bildniss des Sir Henry Guildford in Hamptoncourt ist mit 1527 bezeichnet, und also ebenfalls im 1. Jahr von Holbeins Aufenthalt in England gemalt. Das Jahr 1528 bildet wieder einen Uebergang zu einer neuen Wendung in dem Kunstgange des Meisters. Das höchst voitreffliche Bildniss des Richard Southwell, Geheimeraths Heinrich YIII.,. in der Gallerie der Uffizien zu Florenz, welches ausser diesem Jahr, mit dem 10. Juli bezeichnet ist, dürfte unter den datirten Bildern dieses Jahrs das frühste sein. Es schliesst sich in Auffassung und Färbung noch eng an die des Sir B.ryan Tuke Miles an. Diesem dürfte zunächst das des William Warham, Erzbischofs von Canterbury, im Louvre, No. 207, folgen. Es ist etwas breiter behandelt. Das mit demselben Jahr bezeichnete Bild des Astronomen Heinrich VIII., Nicolaus Kratzer, ebenda, No. 206, zeigt aber iu den Formen eine grössere Auffassung und Vereinfachung, ist dagegen-in der Färbung von einem zwar tiefen, aber ungleich minder klaren Braun. Aus diesen Bildnissen geht mit Sicherheit hervor, dass das Fest, wozu Thomas Morus Heinrich VIII. einlud um ihm die Bilder des Holbein zu zeigen und den Künstler selbst ihm vorzustellen, wovon uns van Mander erzählt, 1 spätstens in die erste Hälfte des Jahrs 1528 gefallen sein muss, indem er nicht alle jene Personen ohne Wissen des Königs hätte malen können. Der kunstliebende König fand ein so grosses Wohlgefallen an den Bildern, wie an dem Künstler, dass er ihn sogleich in seine Dienste nahm. Er ei’hielt ein Gehalt von 30 Pfund Sterling, eine für jene Zeit ansehnliche Summe, eine Wohnung im Palast und ausserdem wurden ihm seine Bilder noch besonders bezahlt. Von den ächten Bildern Holbein’s von Heinrich VIII. in England dürfte das in der Sammlung des Lord Yorborough in London, aus dieser früheren Zeit seines Aufenthalts daselbst herrühren. Das, durch Umfang und Reichthum des darauf Vorgestellten bedeutendste, mir bekannte Bild Holbeins in England, die sogenannten: „Ambassadors“ in der Sammlung des Grafen Radnor in Longfordcastle, dürfte nach meiner Ueberzeugung in das folgende Jahr 1529 falleu. Von den zwei Figuren in ganzer Person und in Lebensgrösse, welche neben einander stehen, soll der in einer reichen Kleidung und mit dem Orden des heiligen Michael, nach einer, mir vom Lord Folkestone, dem Sohn des Lord Radnor mitgetheilten Nachricht, Sir Thomas Wyatt, einer der gelehrtesten und gebildetsten Männer seiner Zeit in England sein. Der andere macht nicht allein in dem Charakter und dem einfacheren Anzuge den Eindruck eines Gelehrten, sondern einige, ganz wie auf dem Bilde des Kratzer behandelte mathematische Instrumente, ein Globus und einige Blaseinstrumente, geben über sein besonderes Fach näheren Aufschluss. In der Auffassung der Formen ist es – gleichfalls dem Bildniss des Kratzer nahe verwandt, doch ist es klarer in. der gelblich bräunlichen Färbung des Fleisches, und sehr bequem in den Motiven. Auch das in der Auffassung so lebendige und energische, in der Modellirung so kräftige Bilduiss des Bischofs Fisher in der Sammlung des Lord Northwick in Tkirlestaine House, möchte dieser Zeit angehören. Leider lässt die schlechte Beleuchtung kein näheres Urtheil über das Bild in Barbershall, der Gildestube der Barbiere in London, durch die Anzahl der 18 lebensgrossen Portraite der Mitglieder der Gilde, welche vom König Heinrich VIII. die Urkunde über ihre Privilegien erhalten, eins der reichsten des Künstlers, zu. Muthmasslicli möchte ich es indess an dieser Stelle einreihen. In diesem Jahr reiste Holbein, wahrscheinlich im August, zu einem Besuch nach Basel. Ohne Zweifel malte er während seines damaligen Aufenthalts das im dasigen Museum unter No. 32, befindliche Bildniss seiner Frau und seiner zwei Kinder. Dieses Gemälde ist für alle, welche sich in der Schätzung eines Kunstwerks nicht durch das darin Dargestellte, sondern durch das Maass der darin aufgewandten Kunst bestimmen lassen, ein Gegenstand grosser Bewunderung, denn die reizlose und verdriessliche Frau mit gerötheten Augen, das unschöne Mädchen und der verkümmerte Knabe sind gewiss nicht anziehend. Die Auffassung ist aber von einer so einfachen, anspruchlosen Wahrheit, die Wiedergabe dev völligen Formen so meisterhaft, die Färbung, mit etwas grauen Schatten, so hell und klar, die Behandlung so frei und leicht, dass man sich ihnen zu Lieb jene Unschönheit der Dargestellten gern gefallen lässt, ja selbst das sehr Zufällige und Kunstlose der Anordnung in den Kauf nimmt. Der einseitige Realismus befindet sich hier auf seiner vollen Kunsthöhe. In dieser Zeit dürfte er auch das Bildnjss des Erasmus ebenda Ko. 28, ausgeführt haben. In einem Briefe desselben an Thomas Morus vom 5. September 1529, bezeugt er seine grosse Freude über eine, ihm von Holbein mitgebrachte Darstellung desselben mit seiner ganzen Familie.1 Diese ist wohl ohne Zweifel der, jetzt im Museum zu Basel sehr geistreich mit der Feder ausgeführtc, Entwurf zu dem berühmten, leider jetzt verschollenen Gemälde, von dem man sich indess durch eine alte, in vielen Theilen vortreffliche Copie in Kostall Priory, dem Sitze der Familie Wynn, in Yorkshire, noch eine sehr gute Vorstellung machen kann. Dasselbe enthält in bequemer Anordnung zehn ganze, lebensgrosse Figuren von ausserordentlicher Wahrheit und Lebendigkeit der Köpfe, grosser Freiheit der Motive und meisterhafter Durchführung aller Theile . Da das Alter des Sir Thomas auf jener Zeichnung auf 50 Jahr angegeben ist, mag-er nur diesen Entwurf im Jahr 1529, das Gemälde aber erst nach seiner Rückkehr nach England im Jahr 1530, in welchem er jenes Alter wirklich erreichte, ausgeführt haben. Aus demselben Jahr rührt auch das in dem Helldunkel so ausgcbildete, in der Modellirung so feine Bildniss des Dr. Stokesby, Bischofs von London, in Windsorcastle, her. Kach der ganzen Kunstform möchte er das meisterhafte Bildniss König Heinrich VIII. zu Warwickcastle ebenfalls etwa um dieselbe Zeit gemalt haben. Das Jahr 1532 bildet den Uebergang zu einer neuen Wandelung in Holbeins Kunst. Das mit diesem Jahr bezeichnete Bildniss des Kaufmanns Stallhof in Windsorcastle verbindet mit zunehmender Feinheit der Zeichnung noch einen bräunlichen Localton des Fleisches. In dem höchst meisterlichen, in London ausgeführten, und mit demselben Jahr bezeichneten Bildnis 8 des Kaufmanns Georg Gysen mit sehr reichem Beiwerk im Museum zu Berlin, Ko. 586, hat Holbein, über dem Bestreben möglichst fein im Einzelnen zu modelliren, jenen ihn darin störenden, bräunlichen, mit einem kühlen, aber sehr klaren Ton vertauscht, welchen er auch in den folgenden Jahren treu bleibt. Sehr nahe diesem verwandt ist ein feines weibliches Bildniss in einem Pelz mit rothem Kleide und einem Schleier, einen Rosenkranz in der Hand, in der Gallerie zu Kassel, Ko. 50. In den Bildnissen aus dem Jahre 1533 werden die Schatten und Halbtöne noch grauer und schwerer. Dahin gehört das Bildniss des Geryck Tybis in der kaiserlichen Gallerie zu Wien, der, hinter einem Tische stehend, im Begriff ist, einen Brief zuzusiegeln. Auf einem Papier befindet sich das Jahr 1533, der Käme und das Alter des Vorgestellten. Mit demselben Jahr ist auch das Bildniss eines jnngen Mannes in schwarzer Tracht und Mütze in Windsorcastle bezeichnet. Wegen der grossen Uebereinstimmung mit diesen beiden möchten auch die folgenden, höchst meisterlichen Bildnisse aus demselben Jahre herrühren. Das Bildniss des Sir Henry Guilford in Windsorcastle, das berühmte Bildniss des Thomas Morritt, Goldschmied Heinrich VIII., in der Gallerie zu Dresden,4 das Bildniss des sehr ernsten John Chambers, Leibarztes Heinrich VIII,5 in der kaiserlichen Gallerie zu Wien, endlich das Bildniss eines ganz von vorn genommenen Mannes im Palast Pitti, Saal der Ilias. Das schönste, mir aus dieser Zeit bekannte, weibliche Bildniss ist endlich das der Lady Vaux in Hamptoncourt. Mit dem Jahr 1533 ist auch die im Mittelalter sehr beliebte Vorstellung eines Glücksrades in Wasserfarben, geistreich aufgefasst und gemacht, in Chatsworth dem Landsitz des Herzogs von Dcvonshire bezeichnet. In Folge der glänzenden Anerkennung, welche das Talent Holbeins in England gefunden, kam er auch in Basel zu grösserer Geltung. In einem sehr freundlichen Schreiben, vom 2. September 1532, fordert ihn der Magistrat auf, wieder nach Basel zurückzukehren, und verspricht ihm, um ihn dort für die Zukunft festzuhalten, vorläufig ein Jahrgehalt von dreissig Stücken Geldes. Der Künstler kam dieser Aufforderung erfet im Jahr 1533 nach, als er seinen Herrn, den König, bei der berühmten Zusammenkunft mit dem Könige Franz I., begleitete. Bei der grossen Gunst, worin er fortwährend bei dem Könige stand, bei dem ansehnlichen Gewinnst, welchen ihm auch sonst der Aufenthalt in England gewährte, ist es sehr begreiflich, dass er, sobald als möglich, dahin zurückkehrte. In den nächsten Jahren führte er wahrscheinlich das einzige umfassendere Werk aus, worin er Gelegenheit hatte, sein Talent für die Historienmalerei in England zu zeigen. In Auftrag seiner Landsleute, der Genossenschaft der deutschen Hansa in London, malte er nämlich für den Festsaal ihres, unter dem Kamen des Steelyards bekannten, Gebäudes auf Leinwand in Leimfarben zwei grosse Bilder, den Triumph des Reichthums und den Triumph der Armuth. Diese Bilder waren von einer Vortrefflichkeit, dass Federigo Zucchero, nach dem Zeugniss des van Mander, sie denen von Raphael gleich achtete und sich mit der Feder Copien davon nahm. Auch van Mander bewundert sie nicht weniger, und in der That wird diese Bewunderung sowohl durch die, in den letzten Jahren für die Kupferstichsammlung des brittischen Museums erworbene, höchst meisterlich mit der Feder ausgeführte Zeichnung Holbeins, welche in der Kunstform zwischen Mantegna und Raphael mitten inne steht, als durch die trefflichen Zeichnungen Vorstermanns, im Besitz von Sir Charles Eastlake in London, nach beiden Triumphen, vollständig gerechtfertigt. Die Compositionen sind mit vielem Stylgefühl im Raum vertheilt, die Motive sprechend und graziös, das Kalte solcher Allegorien durch die Individualisi-rung der Köpfe glücklich vermieden. Die Bilder selbst wurden, als das gemeinsame Leben der deutschen Kaufleute aufgehört hatte, von dem Vorstande derselben, wie urkundlich von dem Dr. Lappenberg festgestellt worden ist, am 22. Januar des Jahrs 1616 dem Prinzen von Wales, Heinrich, zum Geschenk gemacht. Dieses ist die letzte sichere Nachricht, welche wir von ihnen haben, denn, wenn die» selben gleich wahrscheinlich, nach dem, schon zwei Jahre später erfolgten Tod jenes Prinzen, in den Besitz seines Bruders, des Königs Karl L, übergegangen, und, wie Lappenberg aus dem Umstande schliesst, dass sie unter den von Cromwell verkauften Kunstwerken dieses’Königs nicht erwähnt werden, in dem Brande des Schlosses Whitehall im Jahr 1697 zu Grunde gegangen sein dürften, so ist es doch sehr auffallend, dass sie unter den Bildern des Holbein in dem bekannten Katalog der Kunstsammlungen Karl I. von dem Aufseher derselben Vanderdoort, wo doch mehrere, minder bedeutende Bilder Holbeins, selbst zwei Miniaturen, aufgeführt werden,1 gar nicht erwähnt werden. — Nach dem Jahr 1533 hat Holbein nur sehr selten seine Bilder mit der Jahrszahl bezeichnet. Dass er indess im Jahr 1536 noch die oben bezeichnete Kunstweise beibehalten, beweist das Bildniss der Jane Seymour, Gemahlin Heinrichs, in der kaiserlichen Gallerie zu Wien, welches diese Königin in sehr reicher Tracht, wobei er viel Gold gebraucht, vorstellt. Der Localton des Fleisches ist hier kalt, indess doch sehr klar, die Schatten entschieden grau, die Handschrift des Pinsels von grösster Präcision. Ungefähr aus derselben Zeit dürfte das Bildniss des Königs, in ganzer, lebensgrosser Figur, welches ihn, wie alle, in steifer, repräsenürender Stellung darstellt, im Besitz des Herrn Henry Danby Seymour in London, herrühren. Die Bildnisse Holbeins vom Jahr 1539 an beweisen, dass er, entweder von anderen aufmerksam gemacht, oder aus eigner Wahrnehmung, statt des zu kalten Lokaltons seiner Fleischtheile einen zartröthlichen, von grosser Klarheit annahm, wobei er indess die grauen Schatten beibehielt. Vielleicht übte der Anblick seiner früheren, warm colorirten Bilder in Basel, welches er in Folge eines sehr ehrenvollen Schreibens des Magistrats,3 im September des Jahrs 1538 zum letzten Mal, wenn gleich nur auf kurze Zeit, besuchte, einigen Einfluss auf diese Veränderung aus. Ein Beispiel dieser neuen Weise gewährt das in Lebensgrösse, in ganzer Figur, sielier im Jahr 1539 ausgeführte1 Bildniss von Christine, Wittwe des Herzogs von Mailand, um deren Hand der König nach dem Tode der Jane Seymour anhalten liess , in Arundeleastle, dem Sitz des Herzogs von Norfolk. Die Hände sind von besonders feiner Zeieh-nung. In noeh höherem Maasse tritt aber dieser zartröthliche Ton in dem sehönen, sieher im Jahr 1540 ausgeführten, Bilde der Anna von Cleve, vierten Gemahlin des Königs im Louvre, No. 211, hervor.3 Yortreffliehe Bildnisse in dieser Weise sind ausserdem die, König Edward VI. als Kind in Sionhouse,4 in der Sammlung des Lord Yarborough in London, und in dem Schlosse Herrenhausen in der Nähe von Hannover, desselben Herrn, als Knaben in Burleighhouse, so wie die, König Heinrieh VIII. in Petworth, und in Serlby, letzteres mit dem Jahr 1543 bezeichnet, endlieh das Bildniss einer jung’en Frau, in dunkler Kleidung, mit einer goldverzierten Haube und einem goldnen Brustsehmuek, in halber Lebensgrösse, in der Gallerie zu Wien. Ungefähr im Jahr 1546 trat noeh einmal und zuletzt eine Veränderung in der Art des Colori-ens seiner Bildnisse ein, insofern er, aueh hier mit Beibehaltung der grauen Sehatten, dem Fleisehe einen hellgelbliehen Lokalton gab. Bildnisse dieser Art sind das Heinrich VIII. in Windsoreastle, so wie das seines Sohns Edward VI., ebenda. In diese Zeit fallt aueh das grosse Bild in Bridewell Hospital mit Edward als König. Der üble Zustand und die hohe Stelle dieses Werks, des umfangreichsten aus der spätesten Zeit Holbeins, lassen indess ein näheres Urtheil nieht mehr zu.

Auch als Miniaturmaler, worin er naeh van Mander,11 seinen Lehrer Lueas, den er am Hofe Heinrieh VIII. fand, in kurzer Zeit weit übertraf, war Holbein von seltenster Vortreffliehkeit. Ieh begnüge mieh hier nur die Bildnisse Heinrieh VIII. und der Anna von Cleve zu nennen, welebe sieh in der Sammlung des Colonel Meyriek in England befinden. Letzteres nennt Walpole, das allervollkommenste von allen Werken Holbeins.

Wie früh er schon das individuelle Leben als Zeichner aufzu-fassen verstanden, beweisen die, sämmtlich noch in Augsburg in Silberstift gezeichneten Bildnisse eines Skizzenbuchs in der königl. Kupferstichsammlung zu Berlin. Wie Ausserordentliches er aber später darin geleistet hat, davon legen die 89, in der königlichen Sammlung zu Windsor befindlichen Bildnisse, von Personen vom Hofe Heinrich VIII. und sonstiger englischer Zeitgenossen, ein glänzendes Zeugniss ah. Bei der Mehrzahl ist nur rothe Kreide und Tusche in Anwendung gekommen, mit diesen einfachen Mitteln aber in Lebendigkeit der Auffassung, in Feinheit des Naturgefühls, in Leichtigkeit und Sicherheit des Machwerks Bewunderungswürdiges geleistet. Leider haben viele dieser Zeichnungen sehr gelitten. Ueber die besonders ausgezeichneten habe ich anderweitig einige Notizen gegeben.

Von dem Beichthum des holbeinschen Geistes als Erfinder gewähren uns nur seine Zeichnungen, vor allen aber die nach denselben gemachten Holzschnitte und Kupferstiche eine Vorstellung. An Zeichnungen dieser Art befindet sich der grösste Schatz im Museum zu Basel. Ein wüthender Kampf von Landsknechten, No. 35, beweist uns, mit welcher furchtbaren Wahrheit er solche augenblickliche Aeusserungen der höchsten Leidenschaft wiederzugeben verstanden hat. Es ist .die geistreichste und lebendigste Vergegenwärtigung jener alten Schweizer, welche die Macht von Burgund brachen, und deren Waffengewalt lange für unwiderstehlich gehalten wurde. Ungleich grösser und ebenfalls trefflich ist eine Schlacht von Landsknechten in der Sammlung des Erzherzogs Albrecht zu Wien. Auch ein Mahl von Landsknechten mit der Feder gezeichnet und angetuscht, vom Jahr 1522 , ebenda, ist höchst lebendig und geistreich. Von biblischen Gegenständen zeichnet sich in Basel durch Beichthum und Schönheit der Composition eine Kreuztragung, durch Adel des Gefühls eine Maria mit dem Christkinde aus. Besonders wichtig, wenn gleich von sehr ungleichem Werth, ist eine reiche Folge von mit der Feder und Tusche gemachten Cartons zu Glas-gemälden von sehr kräftiger Wirkung. Sieben ähnliche Cartons, die Passion darstellend, ebenfalls aus der früheren Zeit des Meisters, befinden sich in der Kupferstichsammlung des britischen Museums.

Mit welchem edlen Geschmack er Vorgänge aus dem Leben behandelte, beweisen drei Zeichnungen an derselben Stelle, eine Frau mit drei Kindern, eine andere im Bette mit sechs Kindern, und Heinrich VIII. allein bei Tafel. Unter den Kupferstichen nach seinen Zeichnungen hebe ich als Beispiel, in welchem Grade er reichen, historischen Compositionen gewachsen war, nur den Besuch der Königin von Saba bei Salomo von Hollar hervor. Weit die grösste Fülle von Compositionen gewähren indess die reichen Folgen der, nach seinen Zeichnungen, zum Theil von höchst geschickten Händen, vor allen von Hans Lützelburger, ausgeführten Holzschnitte, welche, mit wenigen Ausnahmen, der Zeit vor seiner Uebersiedelung nach England angehören. Die eigenthümlichsten und geistreichsten Erfindungen enthält die Folge des Todtentanzes, welche, mit Ausnahme von einzelnen früheren Probedrucken, zuerst in 41 Blättern in Lyon herausgekommen, und in einer anderen, ebenda im Jahr 1547 erschienenen Ausgabe um 12 Blätter vermehrt worden sind. Von dem in diesen Erfindungen herrschenden Geiste ist schon oben die Rede gewesen. Dieser Gegenstand sagte der Sinnesweise Holbeins in dem Maasse zu, dass er denselben noch in ganz verschiedenen Compositionen, in einem ebenfalls in Holz geschnittenen Alphabet, und auf einer, in mehreren Exemplaren vorhandenen, Zeichnung für eine Dolchscheide behandelt hat. Auch eine Frau mit dem Tode, wunderschön mit Weiss und Schwarz auf grauem Papier gezeichnet, vom Jahr 1525 in der Sammlung des Erzherzogs Albrccht dem Hans Lützelberger beigemessen, halte ich von der Hand des Holbein. Nächstdem verdienen die Holzschnitte zum alten Testamente, deren älteste, ebenfalls im Jahr 1538 in Lyon erschienene Ausgabe 90 Vorstellungen enthält, von denen indess die ersten vier die des grösseren Todtentanzes sind, wegen der ausgezeichneten Erfindungen hervorgehoben zu werden. Ihnen schliesseu sich würdig die Holzschnitte zu zwei anderen Alphabeten an, deren das eine Tänze von Bauern, das andere Tänze von Kindern enthält. Die so höchst seltnen Holzschnitte zu dem Katechismus des Erzbischofs Cranmer sind ungleich minder bedeutend. Unter den einzelnen Holzschnitten, welche auf eine Erfindung von Holbein schliessen lassen, nenne ich nur das Bildniss des Erasmus mit dem Terminus und zwei Dolchscheiden.

Schliesslich erwähne ich noch, dass Holbein eine grosse Anzahl von Zeichnungen für Hausgeräth, Kamine, Wanduhren, besonders aber für Waffen- und Goldschmiede gemacht hat, welche, sowohl in den Formen einer sehr ausgebildeten Renaissance, als in den daran angebrachten Figuren, eine Fülle geistreicher Erfindungen enthalten. Höchst vorzügliche Beispiele dieser Art befinden sich in der Kupferstichsammlung des britischen Museums und in der dortigen Bibliothek.

Dieser grosse Künstler starb in London im Jahr 1554 an der Pest. Nach dem zuverlässigsten unter seinen Bildnissen, der, in rother und schwarzer Kreide gemachten, Zeichnung im Museum zu Basel, Ko. 16, welche ihn noch in jüngeren Jahren darstellt, war er ein Mann von wohlgebildeten und regelmässigen Zügen, worin sich ein klarer, lebensfroher Charakter und eine ruhige Entschiedenheit ausspricht.

Obwohl Holbein, dadurch, dass er seine Vaterstadt Augsburg schon früh verliess, und auch in Basel nur zehn Jahre verweilte, keine eigentliche Schule gründen konnte, so haben sich doch einige Maler offenbar nach ihm gebildet. So in Augsburg Christoph Amberger, geboren zu Nürnberg 1490, gestorben 1563. Als Bildnissmaler nimmt er eine vorzügliche Stellung ein. Wenn er dem Holbein an Energie der Auffassung, an Feinheit der Zeichnung nachsteht, so ist er ihm dagegen bisweilen in der Klarheit und Wärme der Färbung fast überlegen. Beispiele dieser Art sind das Bildniss des berühmten Geographen Sebastian Münster im Museum zu Berlin, Ko. 583, und das Kaiser Karl V. in der Gallerie zu Siena. Als Historienmaler ist er minder bedeutend, wenn gleich ein Altarbild von 1554, Maria mit dem Kinde von Heiligen umgeben, an der Wand der Chorsacristei des Domes zu Augsburg, mit Geschick componirt, gut gezeichnet und in den Köpfen von feiner und edler Bildung ist. Das religiöse Gefühl in denselben ist wahr, aber schwächlich, die Färbung klar. Er bezeichnet als Historienmaler den Uebergang von der altdeutschen zur moderneren Kunstweise, welche letztere sich in dem Altarbilde von ähnlichem Gegenstände in der Annenkirche zu Augsburg vom Jabr 1560 noch mehr ausspricht.1 In der Schweiz zeigen die tüchtigen Bildnisse des Hans Asper den Einfluss Holbeins. Beispiele hiervon gewähren die Portraite Zwinglis und seiner Frau in der Bibliothek zu Zürich, welche ich indess nicht gesehen habe.

Ein anderer Schweizer Maler, Nicolaus Manuel, genannt Deutsch, aus Bern, geboren 1484, gestorben 1530, nimmt dagegen eine ungleich unabhängigere Stellung ein.2 Obwohl ein dem Holbein verwandtes, auf das Realistische gerichtetes Talent, ist er doch in der Geistesart wesentlich von ihm verschieden. Auch er behandelte an der Kirchhofsmauer des Dominikanerklosters zu Bern in 46 grossen Frescobildern den Todtentanz mit vielem Humor. Doch hat dieser nicht die furchtbar bittere Ironie des Holbeinischen, sondern ist von mehr gutmüthiger und leichter Natur. So streichelt der Tod dem Abt das fette Kinn, mit dem Kriegsmann mar-chirt er, das Kind lockt er mit den lustigen Weisen seiner Pfeife. Alle, bis auf den sich widersetzenden Narrn, lassen sich daher dieses Gebahren des Todes ruhig gefallen. Leider ist dieses Werk nur noch in Kopien vorhanden.3 Da Manuel nicht bloss Maler, sondern auch Dichter, Krieger, Staatsmann und Reformator war, ist er in der Kunst nicht entfernt zu der Durchbildung von Holbein gelangt, dem er auch an Schönheitssinn weit nachsteht. Seine Bilder sind von sehr ungleichem Werth. In seinen reichen und öfter schönen landschaftlichen Hintergründen möchte man einen Einfluss des Tizian erkennen, bei dem er sich um das Jahr 4511 in Venedig eine Zeitlang aufhielt. Im Museum zu Basel kann man ihn vollständig kennen lernen. Die Enthauptung des Johannes, Ho. 70, ist in der Auffassung, wie die Salome mit Widerwillen das blutige Haupt von dem halbabgewendeten Henker empfängt, fein, in der Ausführung, in einer trefflichen Färbung, sehr sorgfältig. Letzteres gilt auch von David und Bathseba, No. 68, von 1517, welches einfarbig mit Lichtern in Weiss gemalt ist. Eine ebenso behandelte Lucretia von demselben Jahr, No. 69, zeigt dagegen sehr plumpe und ungeschlachte Formen. Von zwei anderen, in Leimfarben auf Leinwand gemalten, Bildern macht das eine, welches zwei Vorgänge aus der Geschichte von Pyramus und Thisbe darstellt, No. 66, den Eindruck einer Parodie, indem die Figuren in stattlicher, oberdeutscher Tracht erscheinen. Das andere, sorgfältiger behandelt, stellt die heilige Anna mit Maria, dem Kinde und Heiligen in Wolken dar, welehe von einer Anzahl Andächtiger verehrt werden, No. 67. Beide Bilder zeichnen sich durch die reichen Landsehaften aus. Wie glücklich er auch gelegentlich reichere Com-positionen aus dem gemeinen Leben behandelte, zeigt eine grosse, in Oel auf Leinwand gemalte Bauernhochzeit im Besitz der Familie Manuel in Bern. Ebenda lernt man ihn auch in seinem eignen Bildniss auf der Stadtbibliothek als tüchtigen Portraitmaler kennen. Den lebhaften Antheil, welchen er an der Reformation in seinem Yaterlande nahm, bezeugte er auch gelegentlich durch seine Kunst. So besitzt Dr. Grüneisen in Stuttgart eine die Auferstehung Christi darstellende Zeichnung, worauf anstatt der Kriegsknechte, sich Priester und Mönche mit ihren Buhlerinnen am Grabe befinden, welehe beim Anbliek Christi auseinander stieben.

Auch der in Ulm blühende Zweig der schwäbischen Schule, braehte in dieser Epoche noch einen sehr ausgezeichneten Künstler hervor, nämlich den Martin Schaffner, welcher etwa von- 1499 bis 1535 thätig war. Auch er gehört der realistischen Richtung an, und geht in seiner früheren Zeit nicht über eine wahre, etwas gewöhnliche portraitartige Bildung seiner Figuren heraus. Von dieser Art ist eine Anbetung der heiligen drei Könige in der Moritzkapelle zu Nürnberg, No. 52. Sehon ziemlieh früh zeigt er viel Sinn für die Darstellung von Jungfrauen in fröhlieher Unschuld. Ein Beispiel dieser Art gewähren fünf jugendliche Heilige mit einer alten im Museum zu Berlin, No. 1234 a. Später bildete er seinen Sinn für Schönheit und die feine und edle Darstellung geistiger Affekte, wahrscheinlich in Folge des Anblicks der Werke des Bor-gognone in Mailand und Pa via, noch ungleich mehr aus. Die seliönsten Zeugnisse hiefür bieten vier Bilder vom Jahr 1524 aus der Praelatnr von Wetterhausen in der Pinakothek zu Münehen, No. 7, 18, 25, 36. In allen diesen Bildern herrscht im Fleiseh mehr oder minder ein heller, kühler Ton von grosser Feinheit vor, uud gehört aueh meist die Gesammtstimmung der kühlen Tonleiter an. In der ganzen Zusammenstellung der Farben gewahrt man einen entschiedenen Einfluss des Hans Burgkmair. Schaffner war auch im Portrait ein tüchtiger Meister. Hiervon geben sei», in der Auffassung feines, in der Modellirung noch etwas flaches Bildnis» eines Grafen von Oettingen in der Pinakothek, No. 156, vom Jahr 1508, und seine, ungleich lebendigeren und in der Farbe kräftigeren Bildnisse in der Besscr’schen Kapelle und in der Saciistei des Münsters zu Ulm Zeugniss.

Eine ganz eigenthümliche Stellung nimmt endlich der etwa um 1470 zu Gmünd geborene und 1552 zu Strassburg gestorbene Hans-Baidung, genannt Grien, in der schwäbischen Schule ein. Kein anderer Meister derselben zeigt, sowohl in der Auffassung, als in der Art der Zeichnung und Behandlung, einen so grossen Einfluss des AlbrechtDürer. Es ist daher sehr wahrscheinlich, dass ersieh eine Zeitlang in Nürnberg in dessen Schule befunden hat. Er steht besonders in Rücksicht des Gefühls für Schönheit, für Harmonie der Farben und für Haltung den anderen Meistern der schwäbischen Schule nach. In seinen Köpfen wiederholt er zu häufig eine, in den einzelnen Theilen zu ausgeladene und rundliche, wenig ansprechende Form. Bei weitem sein Hauptwerk ist der grosse, mit 1516 bezeichnete Hauptaltar im Freiburger Münster.1 Das Mittelbild stellt die Krönung Mariä durch Gottvater und Christus und schwebende Engel, welche musiciren dar. Das lichte Wolkenmeer, welches sie trägt, löst sich, bei näherer Betrachtung, in lauter Köpfen von Cherubim auf. Die Innenseiten der Flügel enthalten die zwölf Apostel in Verehrung, tüchtige Charakterköpfe. Die Aussenseiten der Flügel und zwei feststehende Seitenbilder sind durch die Verkündigung, die, wie es scheint, von anderer Hand, die Heimsuchung, die Geburt und die Flucht nach Aegypten, geziert. Bei der Heimsuchung ist der liebliche Ausdruck der Jungfrau, und das stille, milde Antlitz der Elisabeth von grossem Reiz. Bei der Geburt geht das Licht vom Kinde aus. Ausserdem wird die Gruppe von hellem Mondschein beleuchtet. Auch hier ist der Ausdruck der Maria und der fünf Engel von grosser Zartheit. Vor allem aber ist, sowohl wegen der schönen und eigentümlichen Composition, als wegen der gelungenen Ausführung, die Flucht nach Aegypten hervorzuheben. Ein Engel, welcher sich von einer Dattelpalme,. worauf vier andere herumklettern, auf das Maulthier herabgeschwungen hat, reicht dem, sich an die Mutter schmiegenden, Kinde Früchte. Auf der Rückseite enthält die Mitte eine, nach der Composition Dürers, trefflich ausgeführte Kreuzigung, die Flügel die Heiligen Martin, Georg, Johannes den Täufer und Hieronymus, grossartige,, charaktervolle Gestalten. Auch die Bildnisse der Stifter auf der Altarstaffel, unter der Kreuzigung, in Verehrung dev heiligen Jungfrau, sind sehr lebendig. Gelegentlich verfällt Grien in widrige Uebertreibungen, wie auf den Steinigem in der, im Kopf des Heiligen edlen, in der Färbung seht kräftigen Steinigung des Stephanus im Museum zu Berlin, Ko. 623, vom Jahr 1522. Ebenda befindet sich eine Kreuzigung von ihm, Ko. 603, vom Jahr 1512, und ein trefflicher Carton zu demselben Gegenstände bewahrt das dortige Kupferstichkabinct. Ein grossartiges Beispiel wie sehr diesem Meister der Hang zum Phantastischen inne wohnte, gewähren die grossen Flügel eines Altars auf der Bibliothek zu Colmar, besonders die Versuchung des heiligen Antonius. Der andere Flügel, dieser Heilige im Gespräch mit dem Einsiedler Paulus, zeichnet sich besonders durch die schöne Landschaft aus. Auch zwei Frauen mit Skeletten im Museum zu Basel, trefflich gemacht, aber sehr widrig, gehören dieser Richtung an. Das beste, mir von ihm bekannte Portrait ist das eines blonden Jünglings, vom Jahr 1515 in der Gallerie zu Wien. Trockner ist das eines Markgrafen von Baden in der Pinakothek, Ko. 148, Cabinette, vom Jahr 1517. Hans Baidung kommt in der Präcision des Machwerks in seinen Zeichnungen dem Dürer nahe, steht ihm indess in der Corrcctheit der Zeichnung weit nach. Er hat auch mit vielem Geschick zwei Blätter gestochen und eine ansehnliche Zahl, meist religiöse, aber auch weltliche Gegenstände, für den Holzschnitt gezeichnet.

Text aus dem Buch: Handbuch der deutschen und niederländsichen Malerschulen (1862), Author: G.F. Waagen.

Siehe auch:
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen – Vorrede
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen – Erstes Kapitel von 800-1150
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen – Zweites Kapitel von 1150-1250
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen – Der Germanische Stil
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen – Ausbildung der eigentlichen selbständigen Malerei
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen – vollständige Ausbildung des germanischen Kunstnaturells im Geiste des Mittelalters
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen – Die Schule der Brüder van Eyck his gegen Ende des 15. Jahrhunderts
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen – Die Schule der van Eyck bis zu ihrem Ausgange
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen – Die deutschen Schulen in ihrem Übergange von der Kunstweise der vorigen Epoche zum Realismus bis zum Jahr 1460
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen – Die deutschen Schulen in der realistischen Richtung der van Eyck’schen Schule von 1460-1500
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen – Die Schule von Köln und dem Niederrhein
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen – Die deutschen Schulen in der vollständigen Entwicklung ihrer Eigenthümlichkeit Von 1500-1550
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen – Die fränkischen Malerschulen
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen – Sächsische Maler

Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen