Schlagwort: Erziehungsmethode

Lieber die drastischen Erziehungsmittel, die die Eingebornen in manchen Distrikten des französischen Kongogebietes gegenüber ihren Kindern anzuwenden pflegen, macht die „Biblio-théque Universelle et Revue Suisse“, wie wir der „Usambara-Post“ entnehmen, einige interessante Mitteilungen. Die Erziehungsmethode der Neger ist dort eine wahre Pädagogik der Tat, Worte oder Schläge werden kaum angewandt: man bedient sich anderer Mittel, um den jungen Gemütern einzuschärfen, was sie unterlassen sollen. Wenn ein kleines Kind z. B. entgegen dem ausdrücklichen Verbot der Eltern doch zum Fluss hinabschleicht, um zu spielen, so kommt es nicht zu Vorwürfen; behutsam schleicht die Mutter dem Kleinen nach, und ohne ein Wort zu sagen, stösst sie ihn in die Wellen und drückt den Kopf des ungehorsamen Sprösslings solange unter das Wasser, bis das Kind nahe daran ist, zu ersticken. Dann zieht sie den Kleinen heraus und erläutert ihm, wie diese Gefahr zu ersticken immer lauernd im Flusse liege und dass Kinder darum nie allein zum Flusse gehen dürfen, da nicht immer die Mutter gerade hinzukommt, den Ertrinkenden zu retten. Wenn ein Kind in der Hütte gekochte Bananen nascht, die bei den Eingebornen als der höchste Leckerbissen gelten, so macht sich die Mutter ohne ein Wort der Erklärung ans Werk, dem kleinen Feinschmecker einen Riesentopf gekochten Bananenbreies zuzubereiten. Dann stellt sie den ganzen Topf dem Kinde hin und fordert es auf, nach Herzenslust zu essen. Der Kleine lässt sich das gewöhnlich nicht zweimal sagen, behaglich schmunzelnd beginnt er das Mahl; aber schliesslich kommt der Augenblick, wo sein Appetit gestillt ist und er aufhören will zu essen. Aber nun besteht die Mutter darauf, dass der Kleine weiter esse. Dabei gibt es keine Nachsicht und keine Gnade. Wenn der Junge nicht mehr kann, setzt die energische Nachhilfe der Mutter ein und dieser pädagogische Schmaus endet erst dann, wenn die Eltern sehen, dass die Ueberfütterung gefährlich wird. Aber auf diese Art wird den Kindern klar, dass das Naschen seine Schattenseiten haben kann. Ist das Kind sehr weinerlicher Natur und vergiesst ohne Grund Tränen, so geht die Mutter in den Wald und sammelt einen gehörigen Busch eines Krautes, das unserer Brenncssel verwandt ist. Dann reibt sie den Körper des kleinen Melancholikers energisch ein und erklärt ihm dann ganz ruhig: „Also nun weine los, jetzt hast du wenigstens einen Grund dazu.“

Weiteres aus der Reihe „Kolonie und Heimat“

Kolonie und Heimat