Schlagwort: Feuererzeugung

Nach einer Büffeljagd in der Ulanga-Ebene sollte auf der mit Schilf, Gras und Rohr bestandenen Ebene ein Feuer entzündet werden. Wenn auch heute in jenen Gegenden schon die „von der Steuer hochgeschätzte“ Streichholzbüchse triumphiert, so ist doch ein solches schätzenswertes Büchschen nicht gerade überall immer zur Hand.

Für diesen Fall muss auf die frühere Art der Feuererzeugung zurückgegriffen werden. Ein Eingeborener hält ein weiches Holz mit Einkerbungen, während ein anderer in diesen durch schnelles Quirlen eines harten Holzstabes mit den Händen Feuer reibt. Die glimmenden Holzteilchen setzen untergelegtes dürres Gras oder Laub in Brand und zwar in verhältnismässig kurzer Zeit.

Weiteres aus der Reihe „Kolonie und Heimat“

Kolonie und Heimat


Wie die Sprache, so gehört auch das Feuer zu jenen uralten Besitztümern der gesamten Menschheit, ohne die wir uns den Menschen überhaupt nicht denken können. Und in der Tat, so weit wir auch seine Spuren zurückverfolgen, immer finden wir ihn im Besitz des Feuers, dessen Gebrauch einige Prähistoriker schon in der ersten Zwischeneiszeit glauben nachweisen zu können.

Freilich wird man in jener fernen Zeit wahrscheinlich nur das natürliche durch Blitzschlag, Vulkanausbruch oder Steppenbrand entstandene Feuer gekannt haben; es willkürlich zu erzeugen, wird der Mensch damals noch nicht imstande gewesen sein. Auch heut noch gibt es übrigens nachgewiesenermassen einige wenige Volksstämme, die zwar das Feuer und seinen Nutzen kennen, es aber nicht selbst hervorzubringen verstehen. Nach L. Frobenius gehören dazu u. a. die Zwergstämme des südlichen Kongobeckens, sowie die Gebirgsvölker im Innern Neu-Guineas. Dasselbe berichten C. H. Man und M. V. Portman auch von den Eingeborenen der Andamanen. Bevor man daran denken konnte, das Feuer künstlich zu erzeugen, musste man erst gelernt haben, es durch geeignete Mittel dauernd zu unterhalten und den vielleicht eben noch glimmenden Funken zu neuer Flamme zu entfachen. Durch fortwährende, tastende Versuche lernte man allmählich die geeignetsten, leicht brennbaren Stofte kennen.

Zu diesen Stoffen gehören in erster Linie die beim Bearbeiten von Holz losgeschnitzelten und geschabten Spänchen, die um so besser ihren Zweck erfüllen, je dünner und feiner sie sind. Das beim Schaben und Bohren mit Stein oder Muschel entstandene feine Holzmehl stellt nun den denkbar besten Zunder dar, der sehr langsam und nachhaltig glimmt. Das hat man gewiss sehr bald bemerkt und deshalb Holzmehl auch absichtlich hergestellt, um es im Bedarfsfälle sogleich zur hand zu haben. War man aber erst einmal so weit, so war die „Erfindung“ des Feuerzeugs nur noch eine Frage der Zeit.

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